77 Kaffeegedanken – Teil 1
EUR 23,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 174
ISBN: 978-3-99130-842-3
Erscheinungsdatum: 30.06.2025
Eine Kaffeepause ist dazu da, sich zu sammeln. Das tut auch Anna Kaffee mit ihren 77 Kaffeegedanken. Sie offenbart uns in Form kleiner Geschichten oder Gedichte ihre Sicht auf die Welt, das Leben und den Weg zum Glück.
1. Pusteblume … Wünsch dir Was
Es war einmal …
Da träumte mir …
Es war Pusteblumensonntag …
Die Fallschirmchen vieler verwandelter Löwenzahnköpfe
warteten abflugbereit
auf eine Brise aus dem Wind.
Ich saß mittendrin.
Die Sonne schien in ihrer Herrlichkeit,
weit und breit war niemand.
Dennoch fühlte ich mich nicht allein.
Die blühende Welt hatte mich in ihre
Geborgenheit aufgenommen.
Plötzlich fing eine Pusteblume mit mir zu sprechen an:
„Puste mich, und du hast drei Wünsche frei!
Ich möchte endlich lossegeln!
Mit dem Wind spazieren gleiten!
Meine Samen möchten Streuung erfahren!“,
lieblächelte sie und drehte dabei stolz ihr Saatgutköpfchen.
„Hmmhhh“,
gab ich überrascht zurück und hob meinen Blick,
um ihn auf die malerische Pusteblumenwiesenweite zu richten.
Ich dachte nach.
Da begannen die von mir gehegten Wünsche
in meinem Kopf zu zanken.
Alle Wünsche,
die großen,
auch die minikleinen,
wollten benannt werden.
Das Rennen aufs Podest hat die GESUNDHEIT gemacht,
denn im Rahmen einer schweren Krankheit wird
sehr viel bedeutungslos.
Zudem ist dies kostbare Gut nicht käuflich.
Mein nächster Wunsch war schnell gefunden.
„Pusteblume …
Ich wünsche mir, dass meine Schreibwerke
Anklang finden und ich damit andere Menschen
hilfreich unterstützen kann.“
Wunsch Nummer drei
ich schließlich benannt,
die guten Dinge
als drei bekannt.
„Pusteblume …
Ich wünsche mir, das dauerhafte Glück
in einer partnerschaftlichen Liebesverbindung zu finden.“
Pusteblume …
Was wünschst du dir?
2. Energetisierendes Gebet
LIEBER SCHÖPFER!
Bitte segne mir meine Hände,
bitte leg den Geist deiner Liebe in sie hinein,
damit sie halten können,
den, der schutzsuchend ist.
Bitte stärke meine Arme,
damit sie abwehren können,
den, der mich angreift.
LIEBER SCHÖPFER!
Bitte segne mir meine Augen,
damit ich noch mehr Weitblick bekomme,
damit ich immer sehen kann,
was ich auf meines Lebens Pfad
erkennen soll.
Bitte lass meine Augen im Gesicht und
das 3. auf meiner Stirn erblinden für das Böse,
ohne mich dabei von der Realität abzuwenden.
LIEBER SCHÖPFER!
Bitte segne mir meine Ohren,
bitte lass mich nur noch hören Worte,
die ein liebender Mund ausspricht.
Bitte ertaube mein Gehör für den schmerzbringenden Lärm,
welcher am Unverständnis und Gerede hängt.
LIEBER SCHÖPFER!
Bitte segne meine Nase,
bitte lass mich atmen die Wohlgerüche,
die der Duft einer Sommerblumenwiese mit sich bringt.
LIEBER SCHÖPFER!
Bitte segne mir meinen Mund,
sag mir bitte,
wann zu reden von goldenem Wert ist,
und mach mich bitte aufmerksam,
wann das Silber des Schweigens angebracht ist.
Bitte unterstütze mich,
damit aus meinem Mund nur der Frieden und die Liebe spricht.
LIEBER SCHÖPFER!
Bitte segne mir meine Beine,
bitte hilf mir,
sie zu gehen,
die Straße, die du für mich,
zu deinem Dienst vorgesehen hast.
Bitte gib meinen Füßen Standvermögen,
wenn ich wanke,
wenn mir schwindelt,
wenn ich taumle.
LIEBER SCHÖPFER!
Bitte segne mir meine Sinne,
bitte schärfe meine Wahrnehmung
für das Wahre, das Wesentliche und das Wundervolle.
MEINE DANKBARKEIT ÜBER DICH WERFE ICH WIE
FREUDE JUBELND IN DEN HIMMEL!
3. Blumenliebe
Ein Veilchen hatte Lust auf Geselligkeit.
Da rief es im Garten
nach einem Blumenfreund.
Die Antwort
leise wie ein Hauch
kam aus dem nahen Strauch.
Du meintest mich,
die weiße Rose,
gewiss.
In den Dornen
der schwarzen Rose
lieg ich verhangen,
hier hinter einem Gitter.
Sie halten mich gefangen.
Das Veilchen bewegt sich geschwind
zur Edelsten unter den Blumen hin,
der weißliebsten Blüten zu herzen,
das Röslein zu entschmerzen,
das Blatt zu wenden
und die Schöne in die Freiheit zu entsenden.
Das wäre ein Gewinn.
Das strebte nach des Veilchens Sinn.
Oh Rosenmädchen, oh Rosenmädchen,
wie verzückt bin ich!
Wie blickt dein blühendes Gesicht!
Wie Engelshaar im Vollmondlicht!
Das treue Veilchen
blieb noch ein Weilchen.
Blumenliebegenährt
kämpfte die Rose sodann
gegen die schwarzen Stacheln an.
Sie wuchs mit den Stunden,
bis ihre Blütenknospe
die Dornen und das Drahtgeflecht überwunden.
Da hat die Rose ihre ganze Pracht
in die Freiheit gelacht!
4. Göttliche Boten
ENGEL SIND UNSERE GEFÄHRTEN.
SIE SIND DIE ABGESANDTEN
DES SCHÖPFERISCHEN HÖCHSTEN,
DIE KURIERE DER GNADE
AUS DER JENSEITIGEN WELT.
IHRE ENERGIE BESTEHT AUS PURER LIEBE.
ENGEL SCHWELGEN IN FREUDE,
WENN SIE ZU UNSEREN DIENSTEN
WIRKSAM WERDEN KÖNNEN.
ENGEL BERÜHREN UNSER LEBEN
OFT GANZ ANDERS
ALS WIR VIELLEICHT DENKEN
UND MANCHMAL SIND SIE LEISER
ALS EINE FEDER,
DIE ZU BODEN GLEITET.
SPRICH DAS WORT „LIEBE“ AUS
UND DIE GEBURTSSTUNDE EINES
NEUEN SCHUTZENGEL IST EINGELÄUTET.
5. Die
Festung der allumfassenden Selbstliebe
eine spirituelle Fantasiegeschichte mit viel Wahrheitsgehalt
„Der Kalender zeigt den 10.10.2020 an! Eine gepaarte Synchronizität, vielleicht ist heute ein Glückstag für uns, liebe Frida!“, sagte Madame Ella „XY“ gutgelaunt und neigte sich zu ihrer geliebten Katze hinunter, um deren zartes Köpfchen zu streicheln und ihrer Fellfreundin einen guten Morgen zu wünschen. Anschließend nahm sie ihren frisch aufgebrühten Kaffee, öffnete die Balkontür und hielt ihr Gesicht in die morgendlichen Strahlen der Herbstsonne.
Es versprach ein warmer Tag zu werden, und Ella freute sich bereits jetzt darauf, einige Zeit ihres arbeitsfreien Tages draußen an ihrem Kraftplatz in der Natur zu verbringen. Sie mochte das Rascheln des farbenfrohen Laubes unter ihren Füßen. Im Wald fand sie Ruhe, und zwischen den Bäumen fühlte sie sich immer irgendwie aufgehoben.
Abgesehen davon, dass sie sich selbst im Moment als zu dick empfand und sich die Einsamkeit regelmäßig an ihr verbiss wie ein Parasit in seinem Wirt, war Ella dankbar für alles, was sie hatte, stolz auf das, was sie bisher erreicht hatte und zufrieden mit ihrem routinierten Leben. Dass ihr der Stress in ihrer Firma in den letzten Monaten ordentlich zugesetzt hatte und sich bereits erste Erschöpfungszeichen an ihr bemerkbar machten, wollte sie sich nicht eingestehen. „Zähne zusammenzubeißen“, das hatte sie gelernt, genauso wie stets zu versuchen, das Beste zu geben und möglichst viel aus sich herauszuholen.
Um Punkt 11 Uhr verließ Ella fröhlich ihre Wohnung. Kurze Zeit später spazierte sie auf ihre Lieblingseiche zu. Seit einigen Wochen schrieb die Frau, die mittleren Alters war, ihre Gedanken und Zitate nieder. Das tat ihrer Seele so gut, und ihre beste Freundin hatte letztens sogar gemeint, dass sie Talent zum Schreiben habe, das hat ihr sehr geschmeichelt. Während sie auf der sonnigen Waldlichtung ihr Buch und ihre Füllfeder auspackte, wanderte ihr Blick zu dem blauen Schutzengelanhänger, der seit ein paar Tagen auf ihrem Rucksack baumelte. Als sie letztes Mal hier war, kam eine junge Frau mit einem niedlichen Hund des Weges. Nachdem sie eine Weile über den Schöpfer und Alltägliches geplaudert hatten, schenkte ihr die freundliche Dame diesen Engel. Sie war immer noch sehr berührt, wenn sie an diese Begegnung zurückdachte. Dass es Schutzengel gab, daran glaubte Ella schon länger, und in den schwersten Zeiten ihres Lebens hatte sie auch hin und wieder gebetet.
Sie setzte sich auf ihre Picknickdecke, ließ ihren Blick schweifen und atmete den wohligen Nadelgeruch ein, den die Bäume so bereitwillig freigaben. Drei Tannen weiter tat sich plötzlich eine große Staffelei vor Ellas Augen auf. Auf der Leinwand, die von der Staffelei gehalten wurde, war ein Richtungspfeil abgebildet, und mit schöner Schrift und viel Glitzer verziert, stand dort in pinker Acrylfarbe Folgendes zu lesen:
HERZLICH WILLKOMMEN!
HIER GEHT ES ZUR FESTUNG
DER ALLUMFASSENDEN SELBSTLIEBE!
Ella war irritiert. Erst zwickte sie sich, dann rieb sie sich mit beiden Händen über ihr Gesicht. Sie wollte sichergehen, dass sie nicht träumte oder gar verrückt wurde, denn auch die hohen Steinstufen, auf die der Pfeil zeigte und die steil in den Wald hinaufführten, hatte sie bis dato noch nie hier gesehen. Die Neugierde der Frau siegte schließlich. Nachdem sie all ihren Mut eingesammelt hatte, packte sie ihren Rucksack und begann, die Stufen zu erklimmen. Es war anstrengend. Ella keuchte und dampfte wie eine Lokomotive, die in einen Bahnhof einfuhr.
In Gedanken schimpfte sie mit sich selbst, dass sie sich so gehen hatte lassen im letzten Jahr. Gleichzeitig brachte sie Verständnis für sich auf. Die Süßen des Lebens, sie fehlten ihr dort und da, daran gab es nichts zu rütteln. Am Heimweg von der Arbeit hatte sie sich in den vergangenen Monaten regelmäßig mit süßen Köstlichkeiten von der kleinen Bäckerei in ihrer Straße eingedeckt und diese abends vor dem Fernsehgerät mit einem Gefühl aus Kummer, Lust und Frust verdrückt. Es hat ihr wehgetan, als letztens abends im Kaffeehaus ein Mann zu ihr gesagt hat, dass sie zwar ein sehr hübsches Gesicht habe, doch ihr Arsch zu fett und ihr Busen zu klein seien.
Bald war es zwei Jahre her, dass ihr einst so treuer, geliebter Partner und Haltgeber in ihrem Leben sie quasi über Nacht, nach 11 Jahren Beziehung, gegen eine wesentlich ältere Frau eingetauscht hatte. Das war das Erste, was ihr damals den Boden unter den Füßen weggerissen hatte. Wochenlang weinte sie immer wieder bittere „Herzweh-Enttäuschungstränen“. Kurz nach der Blitztrennung hatte Ella noch einen Abschied zu verschmerzen. Eine ihrer wenigen, lieben Bekannten hatte sich suizidiert in dieser Zeit. Das gab der menschlichen Seele damals den Rest. Sie verfiel nicht nur in die Menopause, sondern auch in eine Angststörung, die in einer Depression mündete.
Nach dem abrupten Beziehungsaus und dem so plötzlichen, unerwarteten Fortgang von Rosa-Maria blieb Ella wochenlang appetitlos. Jeder Bissen, den sie versuchte zu sich zu nehmen, schien ihr im Hals stecken zu bleiben. Ihr war lange Zeit immer wieder sehr übel, und sie verlor so viel Gewicht damals, dass sie sich selber als viel zu mager empfand.
Der Weg raus aus den Klauen der Angst und den Fängen der Depression war mühsam, er war steinig, er war steil, und er war lang. Der Tunnel, durch welchen sie damals watete, war schier endloses, finsteres Sumpfgebiet. Ein Gewaltmarsch, der sie quer über Gletscher trieb. Es hat rund ein Jahr gedauert, bis das langersehnte Licht und somit das Ende des Tunnels für Ella sichtbar wurden. Zum Glück erfuhr sie damals dort und da hilfreiche Unterstützung. Ohne Antidepressiva, regelmäßige Psychotherapie und die Unterstützung anderer ihr wohlgesonnener Menschen hätte sie es nicht geschafft, wieder aus diesem extremen Körper-Geist-Seelen-Dilemma rauszukommen, darüber war sich Ella mehr als sicher.
Wie in der Familie und in der Gesellschaft teilweise damit umgegangen wird, wenn es einem psychisch und physisch mies geht, wurde ihr in dieser Zeit leider auch allzu schmerzlich bewusst.
Vor einigen Monaten kam das Glück auf vier Pfoten bei ihr zur Tür herein. Die freundliche Nachbarin, die über Ella wohnte, war mit sechzig Jahren plötzlich verstorben. Als der Sarg mit der netten Dame die Stiege runtergetragen wurde, war deren Katze Frida bei Ella in die Wohnung reingerannt, als wäre ein jagender Hund hinter ihr her gewesen. Obwohl sich die beiden aus dem Stiegenhaus kannten, blieb Frida erstmal rund eine Stunde im hintersten Eck der Couch verschwunden. Mit Wurst und beruhigenden Worten angelockt, kam sie schließlich hervor. Das war der Beginn einer sehr intensiven „Frau-Katze-Freundschaft“, und Ella fühlte sich seither auch viel weniger allein.
...
Es war einmal …
Da träumte mir …
Es war Pusteblumensonntag …
Die Fallschirmchen vieler verwandelter Löwenzahnköpfe
warteten abflugbereit
auf eine Brise aus dem Wind.
Ich saß mittendrin.
Die Sonne schien in ihrer Herrlichkeit,
weit und breit war niemand.
Dennoch fühlte ich mich nicht allein.
Die blühende Welt hatte mich in ihre
Geborgenheit aufgenommen.
Plötzlich fing eine Pusteblume mit mir zu sprechen an:
„Puste mich, und du hast drei Wünsche frei!
Ich möchte endlich lossegeln!
Mit dem Wind spazieren gleiten!
Meine Samen möchten Streuung erfahren!“,
lieblächelte sie und drehte dabei stolz ihr Saatgutköpfchen.
„Hmmhhh“,
gab ich überrascht zurück und hob meinen Blick,
um ihn auf die malerische Pusteblumenwiesenweite zu richten.
Ich dachte nach.
Da begannen die von mir gehegten Wünsche
in meinem Kopf zu zanken.
Alle Wünsche,
die großen,
auch die minikleinen,
wollten benannt werden.
Das Rennen aufs Podest hat die GESUNDHEIT gemacht,
denn im Rahmen einer schweren Krankheit wird
sehr viel bedeutungslos.
Zudem ist dies kostbare Gut nicht käuflich.
Mein nächster Wunsch war schnell gefunden.
„Pusteblume …
Ich wünsche mir, dass meine Schreibwerke
Anklang finden und ich damit andere Menschen
hilfreich unterstützen kann.“
Wunsch Nummer drei
ich schließlich benannt,
die guten Dinge
als drei bekannt.
„Pusteblume …
Ich wünsche mir, das dauerhafte Glück
in einer partnerschaftlichen Liebesverbindung zu finden.“
Pusteblume …
Was wünschst du dir?
2. Energetisierendes Gebet
LIEBER SCHÖPFER!
Bitte segne mir meine Hände,
bitte leg den Geist deiner Liebe in sie hinein,
damit sie halten können,
den, der schutzsuchend ist.
Bitte stärke meine Arme,
damit sie abwehren können,
den, der mich angreift.
LIEBER SCHÖPFER!
Bitte segne mir meine Augen,
damit ich noch mehr Weitblick bekomme,
damit ich immer sehen kann,
was ich auf meines Lebens Pfad
erkennen soll.
Bitte lass meine Augen im Gesicht und
das 3. auf meiner Stirn erblinden für das Böse,
ohne mich dabei von der Realität abzuwenden.
LIEBER SCHÖPFER!
Bitte segne mir meine Ohren,
bitte lass mich nur noch hören Worte,
die ein liebender Mund ausspricht.
Bitte ertaube mein Gehör für den schmerzbringenden Lärm,
welcher am Unverständnis und Gerede hängt.
LIEBER SCHÖPFER!
Bitte segne meine Nase,
bitte lass mich atmen die Wohlgerüche,
die der Duft einer Sommerblumenwiese mit sich bringt.
LIEBER SCHÖPFER!
Bitte segne mir meinen Mund,
sag mir bitte,
wann zu reden von goldenem Wert ist,
und mach mich bitte aufmerksam,
wann das Silber des Schweigens angebracht ist.
Bitte unterstütze mich,
damit aus meinem Mund nur der Frieden und die Liebe spricht.
LIEBER SCHÖPFER!
Bitte segne mir meine Beine,
bitte hilf mir,
sie zu gehen,
die Straße, die du für mich,
zu deinem Dienst vorgesehen hast.
Bitte gib meinen Füßen Standvermögen,
wenn ich wanke,
wenn mir schwindelt,
wenn ich taumle.
LIEBER SCHÖPFER!
Bitte segne mir meine Sinne,
bitte schärfe meine Wahrnehmung
für das Wahre, das Wesentliche und das Wundervolle.
MEINE DANKBARKEIT ÜBER DICH WERFE ICH WIE
FREUDE JUBELND IN DEN HIMMEL!
3. Blumenliebe
Ein Veilchen hatte Lust auf Geselligkeit.
Da rief es im Garten
nach einem Blumenfreund.
Die Antwort
leise wie ein Hauch
kam aus dem nahen Strauch.
Du meintest mich,
die weiße Rose,
gewiss.
In den Dornen
der schwarzen Rose
lieg ich verhangen,
hier hinter einem Gitter.
Sie halten mich gefangen.
Das Veilchen bewegt sich geschwind
zur Edelsten unter den Blumen hin,
der weißliebsten Blüten zu herzen,
das Röslein zu entschmerzen,
das Blatt zu wenden
und die Schöne in die Freiheit zu entsenden.
Das wäre ein Gewinn.
Das strebte nach des Veilchens Sinn.
Oh Rosenmädchen, oh Rosenmädchen,
wie verzückt bin ich!
Wie blickt dein blühendes Gesicht!
Wie Engelshaar im Vollmondlicht!
Das treue Veilchen
blieb noch ein Weilchen.
Blumenliebegenährt
kämpfte die Rose sodann
gegen die schwarzen Stacheln an.
Sie wuchs mit den Stunden,
bis ihre Blütenknospe
die Dornen und das Drahtgeflecht überwunden.
Da hat die Rose ihre ganze Pracht
in die Freiheit gelacht!
4. Göttliche Boten
ENGEL SIND UNSERE GEFÄHRTEN.
SIE SIND DIE ABGESANDTEN
DES SCHÖPFERISCHEN HÖCHSTEN,
DIE KURIERE DER GNADE
AUS DER JENSEITIGEN WELT.
IHRE ENERGIE BESTEHT AUS PURER LIEBE.
ENGEL SCHWELGEN IN FREUDE,
WENN SIE ZU UNSEREN DIENSTEN
WIRKSAM WERDEN KÖNNEN.
ENGEL BERÜHREN UNSER LEBEN
OFT GANZ ANDERS
ALS WIR VIELLEICHT DENKEN
UND MANCHMAL SIND SIE LEISER
ALS EINE FEDER,
DIE ZU BODEN GLEITET.
SPRICH DAS WORT „LIEBE“ AUS
UND DIE GEBURTSSTUNDE EINES
NEUEN SCHUTZENGEL IST EINGELÄUTET.
5. Die
Festung der allumfassenden Selbstliebe
eine spirituelle Fantasiegeschichte mit viel Wahrheitsgehalt
„Der Kalender zeigt den 10.10.2020 an! Eine gepaarte Synchronizität, vielleicht ist heute ein Glückstag für uns, liebe Frida!“, sagte Madame Ella „XY“ gutgelaunt und neigte sich zu ihrer geliebten Katze hinunter, um deren zartes Köpfchen zu streicheln und ihrer Fellfreundin einen guten Morgen zu wünschen. Anschließend nahm sie ihren frisch aufgebrühten Kaffee, öffnete die Balkontür und hielt ihr Gesicht in die morgendlichen Strahlen der Herbstsonne.
Es versprach ein warmer Tag zu werden, und Ella freute sich bereits jetzt darauf, einige Zeit ihres arbeitsfreien Tages draußen an ihrem Kraftplatz in der Natur zu verbringen. Sie mochte das Rascheln des farbenfrohen Laubes unter ihren Füßen. Im Wald fand sie Ruhe, und zwischen den Bäumen fühlte sie sich immer irgendwie aufgehoben.
Abgesehen davon, dass sie sich selbst im Moment als zu dick empfand und sich die Einsamkeit regelmäßig an ihr verbiss wie ein Parasit in seinem Wirt, war Ella dankbar für alles, was sie hatte, stolz auf das, was sie bisher erreicht hatte und zufrieden mit ihrem routinierten Leben. Dass ihr der Stress in ihrer Firma in den letzten Monaten ordentlich zugesetzt hatte und sich bereits erste Erschöpfungszeichen an ihr bemerkbar machten, wollte sie sich nicht eingestehen. „Zähne zusammenzubeißen“, das hatte sie gelernt, genauso wie stets zu versuchen, das Beste zu geben und möglichst viel aus sich herauszuholen.
Um Punkt 11 Uhr verließ Ella fröhlich ihre Wohnung. Kurze Zeit später spazierte sie auf ihre Lieblingseiche zu. Seit einigen Wochen schrieb die Frau, die mittleren Alters war, ihre Gedanken und Zitate nieder. Das tat ihrer Seele so gut, und ihre beste Freundin hatte letztens sogar gemeint, dass sie Talent zum Schreiben habe, das hat ihr sehr geschmeichelt. Während sie auf der sonnigen Waldlichtung ihr Buch und ihre Füllfeder auspackte, wanderte ihr Blick zu dem blauen Schutzengelanhänger, der seit ein paar Tagen auf ihrem Rucksack baumelte. Als sie letztes Mal hier war, kam eine junge Frau mit einem niedlichen Hund des Weges. Nachdem sie eine Weile über den Schöpfer und Alltägliches geplaudert hatten, schenkte ihr die freundliche Dame diesen Engel. Sie war immer noch sehr berührt, wenn sie an diese Begegnung zurückdachte. Dass es Schutzengel gab, daran glaubte Ella schon länger, und in den schwersten Zeiten ihres Lebens hatte sie auch hin und wieder gebetet.
Sie setzte sich auf ihre Picknickdecke, ließ ihren Blick schweifen und atmete den wohligen Nadelgeruch ein, den die Bäume so bereitwillig freigaben. Drei Tannen weiter tat sich plötzlich eine große Staffelei vor Ellas Augen auf. Auf der Leinwand, die von der Staffelei gehalten wurde, war ein Richtungspfeil abgebildet, und mit schöner Schrift und viel Glitzer verziert, stand dort in pinker Acrylfarbe Folgendes zu lesen:
HERZLICH WILLKOMMEN!
HIER GEHT ES ZUR FESTUNG
DER ALLUMFASSENDEN SELBSTLIEBE!
Ella war irritiert. Erst zwickte sie sich, dann rieb sie sich mit beiden Händen über ihr Gesicht. Sie wollte sichergehen, dass sie nicht träumte oder gar verrückt wurde, denn auch die hohen Steinstufen, auf die der Pfeil zeigte und die steil in den Wald hinaufführten, hatte sie bis dato noch nie hier gesehen. Die Neugierde der Frau siegte schließlich. Nachdem sie all ihren Mut eingesammelt hatte, packte sie ihren Rucksack und begann, die Stufen zu erklimmen. Es war anstrengend. Ella keuchte und dampfte wie eine Lokomotive, die in einen Bahnhof einfuhr.
In Gedanken schimpfte sie mit sich selbst, dass sie sich so gehen hatte lassen im letzten Jahr. Gleichzeitig brachte sie Verständnis für sich auf. Die Süßen des Lebens, sie fehlten ihr dort und da, daran gab es nichts zu rütteln. Am Heimweg von der Arbeit hatte sie sich in den vergangenen Monaten regelmäßig mit süßen Köstlichkeiten von der kleinen Bäckerei in ihrer Straße eingedeckt und diese abends vor dem Fernsehgerät mit einem Gefühl aus Kummer, Lust und Frust verdrückt. Es hat ihr wehgetan, als letztens abends im Kaffeehaus ein Mann zu ihr gesagt hat, dass sie zwar ein sehr hübsches Gesicht habe, doch ihr Arsch zu fett und ihr Busen zu klein seien.
Bald war es zwei Jahre her, dass ihr einst so treuer, geliebter Partner und Haltgeber in ihrem Leben sie quasi über Nacht, nach 11 Jahren Beziehung, gegen eine wesentlich ältere Frau eingetauscht hatte. Das war das Erste, was ihr damals den Boden unter den Füßen weggerissen hatte. Wochenlang weinte sie immer wieder bittere „Herzweh-Enttäuschungstränen“. Kurz nach der Blitztrennung hatte Ella noch einen Abschied zu verschmerzen. Eine ihrer wenigen, lieben Bekannten hatte sich suizidiert in dieser Zeit. Das gab der menschlichen Seele damals den Rest. Sie verfiel nicht nur in die Menopause, sondern auch in eine Angststörung, die in einer Depression mündete.
Nach dem abrupten Beziehungsaus und dem so plötzlichen, unerwarteten Fortgang von Rosa-Maria blieb Ella wochenlang appetitlos. Jeder Bissen, den sie versuchte zu sich zu nehmen, schien ihr im Hals stecken zu bleiben. Ihr war lange Zeit immer wieder sehr übel, und sie verlor so viel Gewicht damals, dass sie sich selber als viel zu mager empfand.
Der Weg raus aus den Klauen der Angst und den Fängen der Depression war mühsam, er war steinig, er war steil, und er war lang. Der Tunnel, durch welchen sie damals watete, war schier endloses, finsteres Sumpfgebiet. Ein Gewaltmarsch, der sie quer über Gletscher trieb. Es hat rund ein Jahr gedauert, bis das langersehnte Licht und somit das Ende des Tunnels für Ella sichtbar wurden. Zum Glück erfuhr sie damals dort und da hilfreiche Unterstützung. Ohne Antidepressiva, regelmäßige Psychotherapie und die Unterstützung anderer ihr wohlgesonnener Menschen hätte sie es nicht geschafft, wieder aus diesem extremen Körper-Geist-Seelen-Dilemma rauszukommen, darüber war sich Ella mehr als sicher.
Wie in der Familie und in der Gesellschaft teilweise damit umgegangen wird, wenn es einem psychisch und physisch mies geht, wurde ihr in dieser Zeit leider auch allzu schmerzlich bewusst.
Vor einigen Monaten kam das Glück auf vier Pfoten bei ihr zur Tür herein. Die freundliche Nachbarin, die über Ella wohnte, war mit sechzig Jahren plötzlich verstorben. Als der Sarg mit der netten Dame die Stiege runtergetragen wurde, war deren Katze Frida bei Ella in die Wohnung reingerannt, als wäre ein jagender Hund hinter ihr her gewesen. Obwohl sich die beiden aus dem Stiegenhaus kannten, blieb Frida erstmal rund eine Stunde im hintersten Eck der Couch verschwunden. Mit Wurst und beruhigenden Worten angelockt, kam sie schließlich hervor. Das war der Beginn einer sehr intensiven „Frau-Katze-Freundschaft“, und Ella fühlte sich seither auch viel weniger allein.
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