Cover: Tränen im Blut

Tränen im Blut


EUR 30,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 518
ISBN: 978-3-99130-872-0
Erscheinungsdatum: 15.12.2025
Neider haben es auf die in Paraguay gelegene Estancia abgesehen. Ein überraschender Todesfall verdeutlicht, dass es für die Besitzerfamilie um die Existenz geht. Tochter Sabine muss den Machenschaften auf den Grund gehen.
Der Beginn

Ein Alter Mann steht vor dem Großen Tor, betrachtet die Einfahrt die zum Anwesen führt. Zur rechten steht das Würdevolle Gehöft. Die zweiflüglige Haustür steht offen, wie sie sagen will komm rein. Im oberen Stock das Fenster das dem Betrachter einen prüfenden Willkommens Gruß spendet. Dem Fremden das Eintreten keine Ablehnung gibt. Der Mangobaum der zu linken das würdevolle Gut steht dem Fremden zur Seite um ihm eine Kühle zu spenden.
Dem Betrachter das Innen leben nicht entgeht. Mit Pferde Stallungen, Dienst Häuser und der Schmucke Gemüse Garten eine Harmonische Einheit gibt.

Die Verträumte Estanzia eine Geschichte hat die von Menschen mit Opferbereitschaft, Liebe und Edelmut leben. Die gegen nutzlose, hinterlistige und missgünstige Kreaturen ankämpfen muss. Ihre Arbeit ist mehr ein Müßiggang der Faulheit ist.

Der Alte die Geschichte erzählt von Menschen die es getragen haben und doch den Kampf verloren haben.



1. Fritz

Ein alter Ford Camioneta steht vor dem Haus. Die Farbe ist schon halb abgeplatzt, dass er einmal ein Rosa hatte, ist nur noch zu einem kleinen Teil zu sehen, der Rost ist ein Firmenzeichen dieses Vehikels. Die Sitze sind durchgesessen und die Armaturen verstaubt, sodass sie die Plackerei noch erfüllen, sie werden jedoch nicht beachtet. Fritz hat sich hinter das Steuerrad gequält, mit seinem alten Strohhut, der schon einiges abbekommen hat, ruft er der Tochter Sabine zu: „Komm, ich fahre. Wenn man nur auf die Frauenzimmer warten muss.“ Er startet den Motor, der mehr hustet als läuft. Fritz hebelt und zieht, endlich fängt er an, einen ruhigen Laut von sich zu geben. Er dreht sich um, um zu sehen, ob die werte Tochter kommt.
Sabine steigt ein. „Du siehst, bin da. Bis der läuft, braucht es Zeit, das wäre alles Zeitverschwendung.“ Fritz hält das Steuerrad mit beiden Händen, wie ein Kapitän. Langsam holpern sie die Naturstraße raus. Die Löcher werfen das Gefährt von einer Seite auf die andere.
Sabine: „Wann machst du endlich die Straße in Ordnung? Das ist ja furchtbar, so eine Straße.“
Fritz runzelt mit der Stirn, sei es, dass er zeigen möchte: das kostet oder das ist eine Absicht. Er zieht die Luft ein, als er eine Begründung gibt. „Es ist einfach so: Wenn es eine schöne Straße ist, gibt es eine Verlockung für jeden Spitzbuben und Bettelsack, auf die Estanzia zu kommen. Von diesen habe ich genug. So ist das für sie ein Bittgang, dass Geld doch nicht auf der Straße liegt.“
Sabine: „Aber du hast ja die neue Camioneta. Die ist bessere zu fahren als dieses alte Vehikel, das auf allen Rädern ein Gejammer macht, als würde es zu einer Beerdigung gehen. Hängst du so an diesem alten Plunder?“
Fritz schmunzelt über die Aufregung der Tochter, und die Augen leuchten, dass sie schon recht hat, aber dass es manchmal doch besser ist, man nimmt das Alte zu Ehren, um mehr Eindruck zu bekommen, dass die Zinsen keine Almosen sind. „Du hast recht, würde ich auch, aber sonst denken sie, wir leben im Luxus und können doch auf das verzichten. Sie müssen so viel darben, dass es doch nur rechtens ist, die Schulden zu erlassen. Darum macht meine alte Kusche ihren vollen Dienst. Verstehst du das?“
Sabine: „Ja, ich kann mir das denken. Du bist einfach mit den Faulenzern zu gut gewesen, kannst nicht nein sagen, du hast das Herz einfach auf dem richtigen Fleck.“
Vor der Ruta biegt Fritz rechts ab, in den Erdweg in einen Pinienwald, überquert eine Asphaltstraße in eine offene Weidelandschaft. Fritz: „Schau da, da leben die Faulenzer, nichtsnutzige Leute. Mag sie nicht leiden. Arbeiten ist nicht ihre Stärke!“
Sabine: „Aber warum fährst du hin, wenn du sie doch nicht leiden magst?“
Fritz: „Ich war naiv, hätte ihnen nie Darlehen geben sollen. Das ist das letzte Mal, immer wieder kommen sie auf den Knien bettelnd, dass sie noch was haben könnten. Schau, das schöne Land: 85 Hektar und alles durchgerattert.“
Sabine: „Was willst du sagen?“
Fritz: „Alles mit Frauen und Karten verspielt. Es ist mir mulmig, ich traue ihnen einfach nicht, die sind mit allen Wassern gewaschen. Darum habe ich die Estanzia auf dich überschrieben, nur als Vorsichtsmaßnahme, wenn mir etwas passiert. So bleibt die Estanzia in der Familie.“
Sabine fragt: „Wie weit geht das noch? Ich sehe kein Haus.“
Fritz: „Wir sind gerade da, du siehst da hinten, das heruntergekommene Haus! Am Verfallen ist es.“ Fritz biegt ab in die Einfahrt. Das Gras ist so hoch, dass man die Straße nicht sieht. Langsam fährt er durch das meterhohe Gras. Das Haus ist von Sträuchern ganz eingewachsen.
Sabine: „Da soll jemand wohnen?“
Fritz: „Du wirst es gerade sehen!“ Vor dem Gehöft hält er die Camioneta an. Tatsächlich wohnt da jemand. Eine junge Frau kommt raus, gibt Bericht, dass der Vater abwesend ist, er solle ein andermal kommen. Sie werden Bescheid geben, soll den Titel mitnehmen, sagt der Vater.
Fritz: „Das sind auch Leute, der Bruder von ihm war Staatsanwalt, dem konnte man vertrauen, aber der da ist ein Schwein. Alles ist ihm recht.“
Fritz fährt zurück. Bei der Asphaltstraße hält er kurz an. „Gehen wir zu ihm da hinten, schauen, was der macht.“
Sabine: „Ist der auch in den Schulden?“
Fritz: „Der ist so heftig, dass er sich nicht mehr zu wehren weiß. Alles ist ihm recht. Auch so ein Arbeitsscheuer und dazu noch gefährlich. Mit seiner Tochter ist er, die macht ihm den Haushalt. Die Alte ist ihm ausgerissen, die hat es mit dem nicht mehr ausgehalten.“ Hinter dem Haus stellt er die Camioneta ab. „Warte hier, ich gehe schauen, was der macht.“ Lange muss Sabine warten. Sie traut sich nicht, nach vorn zu gehen. Es ist besser, dass man horcht, was der Vater sagt. Das Warten ist langweilig, so läuft Sabine um das Gefährt und betrachtet, was auch er schon durchgemacht hat. Hinten neben dem Nummernschild ist was Schwarzes, was Sabine auffällt, komisches Zeichen aufgemalt. Was soll das? Hat das eine Bedeutung oder Nützlichkeit? Sabine läuft weiter um das Gefährt, aber sie findet nichts Außergewöhnliches. Kommt Fritz gelaufen, die Haare zerzaust, den alten Hut in der Hand, steigt ein und ruft Sabine. „Steig ein, ich fahre nach Hause, der da hat mir seine Tochter als Köchin angeboten. Er hat noch einen Sohn, den könnte ich auch haben. Aber den will ich nicht, der ist mehr bequem und intrigant, auf den kann man sich nicht verlassen.“
Sabine: „Kann die Tochter kochen?“
Fritz: „Ich glaube schon, Charlotte kann sie anlernen. Ich wollte sie dir vorstellen, aber sie wollte nicht nach hinten kommen. Morgen wirst du sie sehen.“
Sabine: „Ich hoffe, der hat dich jetzt bezahlt.“
Fritz kratzt sich am Kopf. Sabine schaut ihn an. Kann sein, dass da etwas Ungereimtes ist. „Kann ja sein“, denkt sich Sabine, „eine Heimlichtuerei, wird schon irgendwann, geklärt. Ich muss nur Geduld haben, es wird meistens früher preisgegeben, als man denkt.“ Bei der Hinfahrt ist Sabine fast verzweifelt, aber der Rückweg geht so schnell, dass sie nicht gedacht hätte, schon wieder zu Hause zu sein. Charlotte hat die Küche geschmissen und Rosa hat den Hof gesäubert. Sie ist froh, dass sie eine Köchin bekommt. Sie hat es satt, jeden Tag in der Küche zu stehen.
Am Morgen sind alle gespannt, wer da kommen wird. Rosa ist schon lange in Spähstellung, das wolle sie sich nicht entgehen lassen, die neue in Empfang zu nehmen. Tatsächlich meldet sich am Vormittag eine junge Frau am Tor. Eine junge, große Frau mit langen schwarzen Haaren, in Hosen und einer weißen Bluse, in der Hand hat sie ein kleines Bündel.
Sie heiße Grete und sie sei die neue Köchin.
Rosa: „Kommen Sie, ich bin die Rosa, ich zeige Ihnen die Patronin.“ Sie läuft voraus und die Neue, Grete, hinterher. Sie laufen in die Küche, wo Charlotte am Hantieren ist. Charlotte grüßt freundlich und zeigt ihr die Küche und was sie zu tun hat. Schnell ist die Arbeit besprochen und Grete hilft tatkräftig mit. Auch Sabine kommt, grüßt und stellt sich als Tochter vor. Grete ist die Arbeit gewohnt und Charlotte kann sich endlich zurückziehen. Die Tage vergehen wie im Nu. Grete ist immer da, hat ihre Arbeit gemacht, dass Charlotte zufrieden ist.



2. Vater Fritz am Einkassieren

Schon ein paar Monate arbeitet Grete. Immer war sie da und hat sich herzlichst bedankt, wenn sie den Lohn bekommen hat. Geht da etwas nicht mit rechten Dingen zu? Sie war immer sauber, aber nie hatte sie neue Kleider. Spart sie oder ist da ein Verbraucher? Sabine und Charlotte staunen immer, dass Grete zu Fuß die lange Strecke läuft, ohne dass sie je jammert oder sich neue Schuhe kauft.
Fritz hat die alte Camioneta zurechtgemacht, möchte einkassieren. Sie haben telefoniert, dass sie die Schulden bezahlen wollen. Sabine sollte mit, aber ihr ist gar nicht danach, einen Tag zu verplempern. Da kann sie rotzig sein. Mit dem alten Gefährt, das keine Klimaanlage hat, noch Komfort. Fritz wird gehässig, wenn sie halt nicht will, also geht Fritz allein. Am Vormittag kutschiert er davon, mit dem Bescheid, dass er vor Eindunkeln wieder zurück ist. Sabine schaut ihm nach, ist überglücklich, dass sie nicht mitgehen muss. Bei den Geschäften ist es so langweilig, da bekommt man keinen Bock darauf, von diesen blöden Geschäften zu gehen.
Der Tag vergeht und bald wird’s dunkel. Grete und Rosa, die sind schon weg, aber Fritz ist bislang nicht zurück. Sabine und Charlotte entstehen mulmige Gedanken. Sabine verriegelt das große Tor und schaut noch einmal, ob der Vater doch kommt. Nichts ist zu hören und zu sehen. Die Hunde sind losgelassen und platziert. Das Hoflicht scheint düster, als wollte es sagen, dass sie auf eine schlechte Nachricht gefasst sein sollen. Charlotte versucht, auf dem Celular anzurufen, aber da gibt niemand Antwort. Sie ruft die Polizeistation an, ob sie von Fritz wissen, denn es geht schon gegen Mitternacht. Dort muss sie lange warten, bis sie Auskunft bekommt. Sie geben an, dass sie doch in der Kreisstadt anrufen sollen. Aber auch da ist nichts von Fritz bekannt. Sie fragen, wo er sein könnte und was er für Geschäfte in der Stadt gemacht hat. Als Charlotte alles bekannt gibt, wird es auf der anderen Seite still. Schlagfertig fragt Charlotte: „Sind Sie noch am Apparat?“ „Ja“ ist die Antwort. Sie würden ihn wie versprochen suchen.
Sabine und Charlotte sitzen immer noch am Küchentisch, beratschlagen, was sie unternehmen könnten. „Der Polizei ist doch nicht zu trauen“, referiert Charlotte. Sie gehe ihn suchen. Sie nimmt den Autoschlüssel, läuft hinaus.
Sabine läuft hinterher und versucht, die Mutter zu überzeugen, dass sie das nicht machen soll.
Sabine: „Komm, wir warten bis morgen, da wird er bestimmt wiederkommen. Vielleicht hat er einen Unfall und liegt irgendwo in einem Spital.“ Sabine schlägt vor, die wichtigsten Spitäler anzurufen. Aber nirgends will man von einem Unfall wissen.
Sabine gibt nicht auf. „Du kannst die Feuerwehr anrufen, die machen die Transporte.“ Charlotte zittert vor Angst, es könnte Fritz ein Unglück passiert sein. Aber bei denen ist auch nichts auszumachen. Immer wieder wollen sie wissen, wie das Fahrzeug aussieht und ob sie schon dort und dort angerufen haben. Charlottes Stimme ist trocken, und sie kann beinahe nicht mehr sprechen, so trocken ist ihr Hals. Sabine schaut auf die Uhr, die zeigt schon eineinhalb Stunden nach Mitternacht. Ihr fallen die Augen zu, und Charlotte schlottert, dass sie nicht mehr richtig sprechen kann.
Sabine: „Gehen wir schlafen, das bringt nichts. Vielleicht wird er dennoch wiederkommen.“
Charlotte schleicht sich ins Schlafzimmer. Sie ist nicht gewohnt, allein in das Zimmer zu gehen, es kommt ihr komisch vor, so allein zu sein. All die Jahre haben sie es doch gut gehabt, auch wenn sie doch manchmal nicht der gleichen Meinung waren. Sie sei ihm immer treu gewesen. Ob er es auch war? Ja, da schluckt sie, der Herrgott weiß es. So schnell ist man allein und kann nur noch von der Vergangenheit reden. Mit den Gedanken legt sie sich auf das Bett, ohne die Kleider auszuziehen. Bei jedem Geräusch zuckt sie zusammen.

Sabine hat noch einmal einen Rundgang im Hof gemacht und die Hunde kontrolliert. Sie ist zum Tor hinunter und hat hinausgeschaut, ob doch noch irgendwie ein Fahrzeug kommt. Nichts ist auszukundschaften. Niedergeschlagen geht sie ins Haus, schließt die Türe ab, geht zur Treppe, bleibt stehen. Hat sie jetzt ein Geräusch gehört? Sie geht wieder zur Tür, schaut zum Fenster hinaus, nichts bewegt sich. Langsam läuft sie die Treppe hinauf, oben schaut sie noch einmal in den Hof hinunter. Nichts ist zu sehen, wenn man es doch so sehnlichst erwartet. Vater ist doch immer zur rechten Zeit zurück oder hat sich ausnahmslos immer gemeldet, wenn was los ist. Wahrscheinlich hat er etwas geahnt, dass er die Estanzia umgeschrieben hat. Sollte ich deswegen mit ihm gehen, als er sagte, dass man denen nicht trauen kann? Immer die Geschäfte, Gutmütigkeit ausnützen, dann versuchen, sich aus der Verantwortung zu ziehen, jeden Dreh anwenden, ob es doch eine Möglichkeit gibt, sich der Schuldigkeit zu entziehen. Sie schlägt die Decke nach hinten und lässt sich auf die Matratze fallen.
Die Sonne schien stark durchs Fenster, als Charlotte erwachte. Sie schaut rüber, ob Fritz da ist, aber das Bett ist leer. Langsam kommen die Gedanken, dass er nicht nach Hause gekommen ist. Mit krummem Buckel steht sie auf und läuft gebückt in den Salon zum Arbeitszimmer. Das ist verschlossen. Fritz ist nicht gekommen. Warum nicht? Ist er an einem anderen Ort? Übernachtet bei einer anderen Frau? Bin ich ihm nicht mehr recht? Will er mich nicht mehr? Dem werde ich die Rechnung machen, aber nicht mit mir! Eine Schönere mit viel Geld oder einem schöneren Hintern? Macht er jetzt das, was die meisten machen: fremde Röcke zu geifern? Habe ich da einen Fehler gemacht, als ich ihm die Tabletten gekauft habe? Ist das der Grund, dass er nicht zugegen ist? Sie läuft in die Küche, gießt Wasser in ein Glas und setzt sich auf einen Stuhl, reibt sich die Augen. Die erste Nacht allein, das hat sie sich nie so vorgestellt. Allein, wie geht das mit der Estanzia weiter? Ein Krach! Charlotte schreckt auf. Kommt er? Nein, es ist Sabine, die aufgestanden ist und gerade die Tür geöffnet hat. Sie kommt auch in die Küche, macht sich Mate und fragt die Mutter, ob sie auch möchte. Die verneint, in so einer Nacht ist ihr alles vergangen. Lange schauen die zwei einander an.
Sabine: „Wo ist Vater?“
Charlotte: „Ja, wenn ich das wüsste.“ Ein Motorenlärm ist zu hören. Sabine springt zur Tür hinaus, es ist die Rosa, die gerade gekommen ist. Grete kommt auch dahergelaufen. So konnte sie die beiden gerade zusammen hineinlassen. Schnell sind die Neuigkeiten bekannt gegeben. Sabine fragt Grete, ob sie etwas gesehen hat, da sie doch den weiten Weg gelaufen ist. Aber auch Grete hat nichts Auffälliges gesehen.
Charlotte will sich gerade wieder ins Schlafzimmer begeben, da kommt ein Anruf. Die Polizei ist dran, Charlotte zittert. Was ist es? Eine gute Nachricht? Oder doch etwas Schweres? Sie ist gefasst, hat aber die Hoffnung, dass er noch lebt. Sie würden kommen, ist die Nachricht. Das ist, wie wenn einer ihr einen Faustschlag in die Magengrube gegeben hätte.
Sabine: „Was haben sie gesagt, kommt er?“
Charlotte: „Nein, sie werden kommen, haben sie gesagt.“
Die zwei Frauen schauen einander an. Was soll das bedeuten? Sie kommen? Lebt er noch und wo ist er? „Kann doch nicht sein. Sie sagten einfach, sie kommen?“ Charlotte läuft den Gang auf und ab, schaut durch das Küchenfenster hinunter. Kommt er jetzt? Haben sie ihn verhaftet? Bringen sie ihn in Handschellen? Haben sie ihn verhaftet? Sie verwirft die Hände und wiederholt immer wieder: „Sie werden kommen.“
Grete ruft: „Die Polizei kommt!“
Schnell läuft Charlotte hinaus und Sabine hinterher. Am Tor hält das Polizeiauto, und zwei Männer in Uniform steigen aus. Der Ältere nimmt den Hut ab, kommt zu Charlotte, gibt ihr und Sabine die Hand. Kommissar: „Ich habe die Pflicht, Ihnen die traurige Nachricht zu überbringen, dass sie Fritz gefunden haben.“
Bevor der Kommissar weiterreden kann, schreit Charlotte: „Lebt er noch?“
Kommissar: „Leider haben sie ihn an der Ruta 2 am Straßenrand tot aufgefunden. Der Gerichtsmediziner untersucht ihn noch, und dann wird bekannt gegeben, wann die Beerdigung stattfinden kann, wahrscheinlich morgen, denn für heute ist es zu spät. Sie werden ihn sicher morgen freigeben, dass übermorgen die Beerdigung stattfinden kann. Sie wollen sicher noch eine Aufbahrung im Haus.“
Charlotte möchte zusammenfallen und umklammert Sabine, die sie aufhält. „Ich habe es geahnt“, nuschelt sie.
Die Polizisten verabschieden sich, und die zwei laufen ins Haus, in die Küche, wo Grete das Radio angestellt hat. Der Polizeirapport wird gerade vorgelesen. Es sei ein großes Verbrechen gewesen. Ein Mann sei umgekommen. Der Name des Mannes ist Fritz, von der Estanzia. Wahrscheinlich erschossen oder er hat sich selbst umgebracht. Die Ermittlungen sind noch im Gang. An der Ruta bei der Einmündung des Motels hat man ihn gefunden. Die Camioneta stand unten in der Kreisstadt.

Die Frauen schauen das kleine Radio mit Glotzaugen an, als wollten sie es aufspießen.
Sabine: „Das kann doch nicht wahr sein! Ich weiß, Vater hat immer eine Pistole bei sich, aber dass er sich selbst erschießt, kann nicht wahr sein! Das macht Vater nicht. Übermorgen ist die Beerdigung im Südfriedhof. Ich will das Polizeifoto sehen und eine genauere Abklärung, das kann man nicht so hinnehmen.“
Den Mittag hat sie verschlafen, es ist schon später Nachmittag, als Sabine aus dem Zimmer kommt. Sie geht hinunter in die Küche zu Grete, die gerade dabei ist, Feierabend zu machen. Sie will noch bei Tageslicht nach Hause. Rosa ist schon weg, und Grete verabschiedet sich. Charlotte kommt aus dem Schlafzimmer, als Grete die Haustür schließt. Charlotte erschrickt und fragt Sabine: „Ist jetzt Fritz hinausgegangen?“
Sabine: „Nein, es war Grete, die Köchin, sie geht nach Hause.“
Charlotte: „Ist es schon so spät? Habe ich so lang geschlafen? Aber wo ist Fritz, kommt er noch?“
Sabine: „Nein, Mutter, der ist tot. Sie mussten ihn noch untersuchen, die Gerichtsmediziner ließen sich Zeit. Ich mache noch etwas zu essen, dann gehe ich wieder schlafen. Das wird morgen ein langer Tag. Du möchtest auch etwas essen? Die Köchin hat was auf die Seite gestellt.“
Charlotte: „Ja, mach was, ich habe auch Hunger.“
Sabine hat das Essen schnell aufgewärmt und aufgetischt. Wie in einer stummen Versammlung sitzen sie am Küchentisch, keine mag etwas sagen oder die Stille unterbrechen. Ist es Gottesfurcht, dass man den Toten nicht stören soll? Die Stille wird nur von der tickenden Uhr unterbrochen, in der Wahrnehmung, dass der Zeiger jede Minute weiterspringt, denn Tote vertragen keinen Laut. Ein leichter Luftstoß im oberen Stock schlägt das Fenster zu. Charlotte fährt zusammen und flüstert: „Ist ein Geist im Haus?“ Sie lässt den Löffel fallen. Das Scheppern wird unheimlich, die Angst, es könnte Fritz in der Totenruhe stören.
Schlotternd steht Charlotte auf und hüstelt leise. „Ich gehe wieder schlafen, ist wahrscheinlich besser, sonst kommen noch die armen Seelen.“ Langsam schlurft sie ins Schlafzimmer. Sabine kontrolliert noch die Tore, es kommt ihr so gespenstisch vor, jetzt, wo Vater nicht mehr da ist. Sie verschließt die Tür und geht hinauf ins Zimmer. Kontrolliert das Fenster, ob es verschlossen ist, geht ins Bad, lässt das Wasser in der Dusche laufen, macht einen Schritt unter die Dusche. Ein Knacken – ist da jemand? Sie geht wieder zurück. Ist irgendwer da, oder ist das nur eine Einbildung? Ach was, denkt sie sich. Schnell hat sie sich geduscht, kommt an das Fenster, das eine Rundsicht in den Hof gibt. Der Schäfer liegt beim Mangobaum neben dem alten Stuhl. Lange beobachtet sie ihn. Wenn er nicht angibt, ist nichts Gefährliches in der Luft. Abgehetzt begibt sie sich ins Bett.

4 Sterne
Ein spannender Roman  - 26.07.2026
Josef Zillner

Hab Ihr Buch mit Spannung gelesen. Am Schluss wird es immer spannender denn die Sache spitzt sich zu. Besonders nach dem Tode verschiedener Personen erkannte ich dass sie bibelkundig waren. Es wurde bestätigt dass es nach dem Tode kein weiterleben gibt. Wenn man stirbt geht man in den Sheol, das allgemeine Grab. Nur durch eine Auferstehung gibt es ein neues Leben, fuer einige im Himmel aber für die meisten hier auf der Erde in einem Paradies. Es ist also falsch zu glauben es gibt eine unsterbliche Seele. Wir Menschen sind Seelen solange wir leben, wenn wir sterben stirbt alles und unser Geist geht zu Gott zurück. Was mich besorgt hat dass ein Pastor und ein Staatsanwalt korrupt sind in Ihrem Roman. Aber so ist die Welt heute. Es wird Zeit dass sich Psalm 92 vers 8 erfüllen und dass unser lieber Gott bald dem Bösen ein Ende setzen wird.

5 Sterne
Spannender Krimi - 06.05.2026
Ursula

Spannende Geschichte, in Paraguay über Neid, Mord, Pädophilie. Gut beschriebene Abgründe der Menschen und auf der anderen Seite die Guten, die eigentlich nur mit Gottes Hilfe in Ruhe leben wollen. Das Leben auf der Estancia, das mit Draht reparierte Auto sind sehr authentisch beschrieben. Habe es gerne gelesen. Danke

5 Sterne
Spannend - 18.03.2026
Plüss Heinz

Die Handlungen im Buch sind sehr gut beschrieben. Auch wenn man nie in Paraguay war, kann man sich die Tatorts gut vorstellen. Man ist sofort zu Hause. Paul Ross versteht es die Spannung stets am oberen Limit zu halten.

Das könnte Ihnen auch gefallen :

Cover: Tränen im Blut

Lexa Stein

Sehnsüchte des Lebens – die Gegenwart – Band 1

Buchbewertung:
Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder