Cover: Todbringende Obsession

Todbringende Obsession


EUR 23,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 420
ISBN: 978-3-99146-981-0
Erscheinungsdatum: 26.09.2024
Mitten im Siebengebirge entsteht eine unterirdische Gaswolke aus Kohlendioxid. Statt vor einem aktiven Vulkan steht Gerd Bach, der mit seinen Freunden nach der Ursache sucht, plötzlich vor einer tödlichen Bedrohung für die gesamte Bevölkerung im Umkreis ...
1 Prolog


Mai 2007

„Beeilt euch“, fordert der Justizvollzugsbeamte die heraneilenden Rettungskräfte auf.
Die beiden Sanitäter laufen, gefolgt von dem Notarzt, im Eilschritt an ihm vorbei in die Einzelzelle, deren Tür er den Ankommenden aufhält. Der Arzt wirft nur einen kurzen Blick auf den am Boden liegenden Mann, bei dem zwei weitere Beamte knien. Ihre hilflosen Gesichtsausdrücke zeigen ihm, dass für seinen Patienten bisher keine Hilfestellung geleistet werden konnte.
Als der Notarzt den Platz neben dem Häftling einnimmt, treten die beiden Beamten, die sich bis dahin um ihn bemüht hatten, zurück.
„Der Mann klagte in der letzten Zeit immer wieder über Schmerzen in der Herzgegend“, teilt ihm einer der Aufseher mit. „Er war auch schon mehrfach beim Arzt. Es wurde aber bisher nichts gefunden.“
„Das wird sich nun höchstwahrscheinlich geändert haben“, gibt der Arzt zurück. Er betrachtet während der Untersuchung seinen Patienten. David Blankenfelde ist dreißig Jahre alt, 1,80 Meter groß, mit dichten blonden Haaren und einer sportlichen Figur. Frauen würden ihn sicherlich als gutaussehend und attraktiv bezeichnen. Doch im Augenblick liegt er schwer atmend, in Schweiß gebadet und am ganzen Körper krampfhaft zuckend vor ihm.
Während der Arzt den Zugang für die Infusion legt, horcht er den Vollzugsbeamten weiter aus: „Gab es vorher schon Anzeichen von Beschwerden?“
„Er klagte über Bauchschmerzen, ihm war übel und er hatte keinen Hunger. Sein Abendessen ging unberührt zurück. Seit dem Abend hatte er Kopfschmerzen. Er wollte nur schlafen. Deshalb habe ich mehrfach nach ihm gesehen. Er wurde zunehmend unruhiger. Da habe ich Sie rufen lassen. Etwa fünf Minuten bevor Sie hier eintrafen, kippte er um.“
„Sein Herz rast“, informiert einer der beiden Rettungskräfte den Arzt. „Verminderter Pulsschlag“, gibt er zudem weiter.
„Nimmt er Medikamente ein?“, will der Arzt wissen.
„Nein. Er hat keine verschreibungspflichtigen Medikamente, die wir ihm hätten besorgen müssen. Auch der regelmäßige Drogentest fiel bei ihm jedes Mal negativ aus.“
„Wir müssen ihn mitnehmen. Der Mann gehört in ein Krankenhaus.“
„Ich werde Ihnen schnellstens eine Begleitung und die Genehmigung besorgen“, verspricht der Wärter an der Tür. Er zweifelt nicht daran, dass die Aussage des Notarztes den Tatsachen entspricht. „Ich bin gleich wieder da.“
Die Erstversorgung des Strafgefangenen ist abgeschlossen. Zusammen mit dem zur Begleitung abgestellten Beamten begeben sie sich zu dem wartenden Krankentransporter. Die Ersthelfer schieben die Tragbahre mit dem Patienten in den Transportraum und sichern diese in den dafür vorgesehenen Halterungen. So lange hält der begleitende Vollzugsbeamte die Infusionsflasche hoch, die an den Zugang auf dem Handrücken des Patienten angeschlossen ist. Auf der anderen Seite ist das Handgelenk des Häftlings mit einer Handschelle an die Tragbahre gekettet, um diesem eine eventuelle Flucht zu erschweren. Während Arzt und Wärter sich zu dem Mann gesellen, nehmen die beiden Rettungskräfte auf dem Fahrersitz und dem Beifahrersitz Platz.
„Alles klar?“, erkundigt sich der Fahrer Timo Unger kurzangebunden.
„Ja.“
Mit hoher Geschwindigkeit rast der Transporter durch das Tor in Richtung Landstraße, um die Strecke zum Justizvollzugskrankenhaus schnellstens zurückzulegen. Der Fahrer schaltet, zum Zeichen, dass er mit Sonderrecht fährt, das Blaulicht ein. Die Sirene lässt er aus, da um vierundzwanzig Uhr der Verkehr nur spärlich ausfällt. Sie haben die Hälfte der Strecke hinter sich, als der Fahrer seinen Begleiter auf den Wagen aufmerksam macht, der ihnen bereits seit geraumer Zeit mit gleicher Geschwindigkeit folgt.
„Spinnt der Kerl?“, schnauzt Timo. „Wir sind auf einer kurvenreichen Landstraße mit einhundertzwanzig Stundenkilometern unterwegs und der Kerl will uns überholen?“
„Wahrscheinlich betrunken“, vermutet sein Beifahrer. „Solange er uns fahren lässt, soll das erst einmal nicht unser Problem sein. Wir haben uns um unsere Fracht zu kümmern. Die Kurven hören gleich auf, dann wird es gerade. Lass ihn vorbei! Ich schreibe mir die Nummer auf und melde ihn nachher.“
„Ja, gut.“ Timo achtet darauf, dass er seine Geschwindigkeit unverändert beibehält. So kann der andere Fahrer hoffentlich besser abschätzen, wie er sich zu verhalten hat.
Ohne den Blinker zu setzen, schert der Fahrer des Wagens aus. Als er neben Timos Seitenfenster auftaucht, erkennt er auch den Fahrzeugtyp. Es ist ein Pick-up der Marke Ford Ranger 3,0 Liter. Ein Diesel mit 156 PS. Zwei Personen sitzen darin. Erkennen kann Timo niemanden, da keiner der beiden auf der Beifahrerseite sitzt. Zu weiteren Betrachtungen oder Gedanken über den Wagen und seine Insassen kommt er nicht. Allerdings fallen ihm fast gleichzeitig zwei Dinge auf. Vor ihm auf der Straße befindet sich eine riesengroße dunkle Pfütze und das Fahrzeug neben ihm verringert seine Geschwindigkeit, bis sie beide gleich schnell fahren. Irritiert schaut er aus dem Seitenfenster.
In diesem Augenblick zieht der Fahrer seinen Pick-up mit Schwung gegen die Seite des Rettungswagens. Ganz vorne, an der Spitze des Kotflügels, prallen die Fahrzeuge zusammen.
„Hey!“, schreit Timo empört. Automatisch reißt er das Lenkrad nach rechts und tritt die Bremse hart durch.
„Festhalten“, ruft sein Kollege nach hinten.
Dann rutschen sie durch die dunkle Pfütze, über den Seitenstreifen zwischen die Bäume, die die Landstraße auf dieser Seite säumen. Der Rettungswagen knallt gegen einen der dicken Baumstämme und wird abrupt gestoppt. Beide Rettungskräfte landen mit ihren Köpfen in den aufspringenden Airbags. Benommen verharren sie auf ihren Plätzen.
Der Notarzt legt sich bereits beim ersten Ruf der Kollegen schützend mit dem Oberkörper über den Patienten. Dabei hält er sich an der Tragbahre seitlich fest.
Der Justizvollzugsbeamte, der zur Bewachung mitfährt, sucht schnell einen Platz, an dem er sich ausreichend sichern kann, doch sein Sturz ist nicht zu vermeiden. Die Hände zum Schutz über dem Kopf, bleibt er zusammengekauert liegen, bis das Fahrzeug anhält. Kisten, Taschen, Medikamentenschachteln und Verbandsmaterial fliegen durch den Laderaum, aber Schlimmeres passiert nicht. Weder der Arzt noch der Aufseher und schon gar nicht der Patient ziehen sich Verletzungen zu.
„Geht es Ihnen gut? Sind Sie verletzt?“, erkundigt sich der Arzt bei dem Wachmann, während er sich um den Patienten kümmert.
„Nein, ich bin unversehrt“, erhält er zur Antwort. Der Justizvollzugsbeamte bleibt noch einen Moment liegen, dann beginnt er, sich aus dem Unrat um sich herum zu befreien.
Inzwischen stoppt der Pick-up am Straßenrand. Cynthia Blankenfelde und Phillip Schneider steigen aus. Ohne Hast gehen sie auf den Rettungswagen zu.
Phillip öffnet die Fahrertür. „Sind Sie in Ordnung?“, fragt er.
Timo hebt den Kopf. Auf seiner Stirn hat er eine dicke Platzwunde. Das Blut läuft ihm übers Auge, doch er fühlt sich viel zu groggy, um es mit dem Handrücken wegzuwischen. Sein Kopf dröhnt, wie nach einem Schlag mit einem Hammer. Sauer will er den Mann anschnauzen, aber dazu bekommt er keine Gelegenheit mehr.
Da ihn beide Rettungskräfte ansehen, hat Phillip erreicht, was er wollte. Er hebt die Sprühflasche an und sprüht den beiden Personen vor sich die Flüssigkeit direkt ins Gesicht. Sein eigenes Gesicht schützt er durch sein Taschentuch. Das Xylocain-Pumpspray enthält eine hohe Dosis des Wirkstoffs Lidocain. Schon nach den ersten Atemzügen sinken die beiden Männer benommen auf die Airbags.
Derweil öffnet Cynthia die Hecktüren des Krankentransporters. Sie erblickt den Notarzt, der bereits neben seinem Patienten steht und dessen Vitalfunktionen überprüft. Auch der Vollzugsbeamte rappelt sich gerade auf.
„Geht es Ihnen gut?“, erkundigt sich Cynthia.
„Ja“, bestätigt der Wachmann verärgert. „Aber das verdanken wir nicht Ihnen.“ Das hübsche Aussehen der 1,70 Meter großen Frau interessiert ihn kein bisschen.
„Tut mir leid“, erklärt ihm die Frau geknickt. „Ich glaube, mir ist ein Reifen geplatzt.“
„Sie glauben?“
„Ich habe leider keine Ahnung von solchen technischen Dingen. Ob ich weiterfahren darf, weiß ich nicht.“
„Sehen Sie sich das doch einmal an“, bittet der Arzt. „Umso schneller kommen wir hier weg. Ich passe so lange auf unseren Kranken auf.“
Der Justizvollzugsbeamte wirft einen zweifelnden Blick auf den Strafgefangenen, bevor er sich geschlagen gibt. „Na, schön, dann schaue ich auch gleich nach Ihren beiden Helfern.“ Umständlich klettert der Beamte über die auf dem Boden verteilten Utensilien aus dem Transporter. Als er um die Ecke des Fahrzeugs biegt, wird auch er durch Phillips Betäubungsspray aufgehalten.
Cynthia steht schon parat. Sie hat nur auf diesen Moment gewartet. „Oh mein Gott!“, schreit sie möglichst entsetzt auf. Dabei grinst sie Phillip kurz schadenfroh an. Auf dem Absatz wirbelt sie herum und rennt die wenigen Schritte zum Heck des Transporters zurück. „Doktor, kommen Sie schnell! Der Mann, er ist einfach umgekippt.“
Der Notarzt hebt erschrocken den Kopf. „Umgekippt?“
„Ja. Er hat aufgestöhnt und ist umgekippt. Jetzt liegt er da vorn auf dem Boden und rührt sich nicht mehr.“
Es hilft nichts, nun muss er wohl handeln. Mit einem letzten Blick auf seinen Patienten springt er aus dem Fahrzeug. „Wo ist der Mann?“
Statt einer Antwort hält Cynthia ihm die Sprühflasche ins Gesicht. Ein Tuch vor ihre eigene Nase haltend, drückt sie mehrfach kräftig auf den Dosierkopf der Flasche. Benommen sackt der Arzt vor ihr zu Boden.
„Schnell!“, fordert die Fünfundzwanzigjährige ihren Begleiter auf. Sie selbst springt mit einem Satz in den Transporter. Die vorbereitete Injektion, die sie nun aus der Tasche ihrer Jacke zieht, beinhaltet genau die richtige Dosis der Epinephrin-Lösung. Die gelernte Krankenschwester weiß genau, was notwendig ist, um ihrem Bruder wieder auf die Beine zu helfen. Langsam injiziert sie die Flüssigkeit über den vom Notarzt gelegten Zugang in die Vene des Kranken. Jetzt heißt es, ein paar Minuten zu warten. In dieser Zeit bereiten Phillip und sie vor, was noch zu tun ist. Gemeinsam hieven sie den Arzt und auch den Justizvollzugsbeamten in ihre Sitze.
Phillip sucht in den Taschen des Beamten nach dem Schlüssel für die Handschellen. Ehe er aus dem Fahrzeug herausklettert, reicht er diesen an seine Begleiterin weiter. Anschließend besieht er sich die Aufprallstelle des Rettungswagens. Er legt sich unter den Transporter und zieht die Benzinleitung ab, so dass das Benzin herauslaufen kann.
„Fertig“, teilt er Cynthia mit und dreht sich zu ihr um.
„Gut gemacht!“, hört Phillip eine männliche Stimme hinter sich. Beim Umdrehen erkennt er David, der neben seiner Schwester steht und ihn freundlich anlächelt. „Danke, dass du uns hilfst.“ David hat einen Arm um Cynthias Schultern gelegt und wird von ihr gestützt. Noch ist er nicht ganz auf den Beinen. Erst mit der Nachbehandlung durch seine Schwester wird sich seine Gesundheit wieder gänzlich einstellen. Der Schweiß steht ihm auf der Stirn und es strengt ihn gewaltig an, sich aufrecht zu halten. Aber mit jeder Minute geht es ihm besser.
„Keine Ursache“, behauptet Phillip. Er ergreift die dargebotene Hand. „Bei der Menge Kohle, die deine Schwester mir dafür zahlt, gibt es das Rundumpaket.“
„Das weiß ich zu schätzen.“ David mustert den Mann prüfend. Cynthia hat gute Arbeit geleistet. Phillip hat nicht nur die gleiche Figur, auch die Haarfarbe und Größe stimmen überein. Statt die Hand seines Gegenübers loszulassen, nickt er seiner Schwester zu. Sie reißt die Sprühflasche hoch und betäubt so auch den Freund.
„Hey“, schreit der noch erschrocken auf, dann sinkt er zu Boden.
Cynthia hilft ihrem Bruder dabei, die Kleidung mit dem Bewusstlosen zu tauschen. In einer Halterung an der Rückwand des Transporters ist eine Box mit Einmalhandschuhen befestigt. Sie reicht David ein Paar davon. Auch sie selbst trägt seit geraumer Zeit Handschuhe.
Noch ist er viel zu geschwächt, um ihr zu helfen. Während David darauf achtet, dass die Betäubten weiterschlafen, platziert seine Schwester Phillip auf der Krankenbahre. Die Handschelle schließt sich nun um dessen Handgelenk. Anschließend legt Cynthia ihm den Zugang fachgerecht in die Vene auf dem Handrücken. Durch ihre Ausbildung hat sie kein Problem mit ihrer Aufgabe. Es stört sie auch nicht, dass die Nadel nicht steril ist. ‚Das wird ihn bestimmt nicht umbringen‘, urteilt sie unverfroren. Sie hievt den Notarzt in schützender Position mit dem Oberkörper über Phillip. Genauso hatte der Arzt bei dem Unfall versucht, David zu schützen.
Suchend betrachtet sie das Innere des Transporters. Ihr fallen das EKG-Gerät mit Defibrillator und der Notfallkoffer, die sich beide aus ihren Halterungen gelöst haben, auf. ‚Das passt!‘, freut sie sich. Sie greift nach dem geöffneten Notfallkoffer, zielt auf die passende Stelle am Kopf des Vollzugsbeamten und schlägt kräftig zu. Den Koffer lässt sie anschließend neben dem Mann zu Boden fallen. Das EKG-Gerät landet mit Schwung auf dem Kopf des Arztes. ‚Jetzt ist alles perfekt vorbereitet, damit auch eine gerichtsmedizinische Untersuchung nichts anderes als einen Unfall feststellen kann‘, versichert sie sich. Cynthia steigt aus dem Transporter und schließt die Hecktüren.
Der Motor ist noch heiß genug, um ihrem Vorhaben die Grundlage zu bieten. In rasender Geschwindigkeit arbeitet sich die kleine Flamme über das auslaufende Benzin unter dem Motorraum nach oben. Als die Motorhaube mit einem Knall auffliegt und eine gewaltige Stichflamme hervorschießt, wissen sie, dass sie ihr Ziel erreicht haben.
Zufrieden bleiben die Geschwister in einiger Entfernung stehen, um sich die Ausbreitung des Feuers anzusehen.
Die Hände in den Hosentaschen, schaut David dem Schauspiel fasziniert zu. „Konntest du alles erledigen, was wir vereinbart hatten?“, fragt er seine Schwester, ohne den Blick zu wenden.
„Natürlich. Die dafür notwendigen Arbeiten sind anstandslos über die Bühne gegangen. Meine Freundin ist eine begnadete Computerexpertin. Dein Zahnschema und die Fingerabdrücke in den Dateien mit denen von Phillip auszutauschen war für sie das reinste Kinderspiel. Deine DNA hat sie auch geändert. Ich habe keine Ahnung, was sie da machen musste. Aber sie hat hervorragende Arbeit geleistet. Niemandem ist etwas aufgefallen, sonst hätten die dich schon längst zu einem Abgleich herangezogen.“
„Wann habt ihr das denn durchgezogen?“
„Vor vier Monaten“, Cynthia lächelt. „Immerhin ist meine Freundin anschließend zum Hochseefischen nach Kanada aufgebrochen. Dass sie stattdessen im schönen Stadtteil Stuttgart-Ost den Wald rund um den Fernsehturm am Frauenkopf von unten betrachtet, muss ich ja keinem auf die Nase binden. Oder?“
David lacht fröhlich auf. „Was ist mit dir?“
„Mein Flugticket läuft ebenfalls auf eine Freundin. Daher auch die Perücke. Susanne hat schwarze Haare. Sollte man aus irgendeinem Grund doch nach mir suchen, finden sie nichts Vergleichbares. Ich muss in zwei Tagen zurück nach Stuttgart. Bis dahin bist du wieder vollständig hergestellt. Meine Freundin holt mich am Flughafen ab. Allerdings wird sie am gleichen Abend nach unserem gemeinsamen Aerobic-Kurs einem Verkehrsunfall zum Opfer fallen. Als einzige Zeugin werde ich der Polizei genau erklären, was wir gemacht haben, seit ich sie vom Flughafen abgeholt habe.“
„Gut durchdacht, Schwesterchen.“
„Klar. Ich habe schließlich keine Lust, wegen Mordes im Knast zu landen. Es gibt keine Spuren, die zu uns zurückführen. Wenn ich von deinem furchtbaren Verbrennungstod höre, werde ich die trauernde Schwester spielen. Mehr nicht!“
Erst als sie sicher sind, dass von den Verunglückten keiner dem Feuer entkommen konnte, steigen sie in den Pick-up, um zu verschwinden.




2


„Sie haben Glück, meine Herrschaften, dass Sie es geschafft haben, an einem solchen Seminar teilnehmen zu dürfen. So eine Möglichkeit kriegen wir nur sehr selten. Das Tagungshotel im Siebengebirge ist ideal für mehrtägige Aufenthalte“, macht Professor Frank Klausthal den Studierenden die bevorstehende Reise schmackhaft. „Der Park und die grüne Umgebung sind ideal für konzentriertes Arbeiten.“ Er beginnt zu lächeln, als die vierundzwanzig Studierenden genervt die Augen verdrehen.
Mit seinen vierundsechzig Jahren, dem leichten Übergewicht und seinen grauen Haaren fühlt sich der 1,72 Meter große Universitätsprofessor am Institut für Geologie noch lange nicht zu alt zum Unterrichten. Nur sein beginnender Altersbluthochdruck bremst ihn in seinen Handlungen immer wieder aus. Auch kann er schon lange nicht mehr mit seinen sportlich aktiven Studierenden Schritt halten. Aber das ist auch nicht nötig. Er hat sich durch seine offene Art den Respekt seiner Schüler erobert. Das erkennt er auch daran, dass die jungen Leute alle aufmerksam zuhörend vor ihm sitzen, ohne seine Ausführungen zu unterbrechen.
„Insgesamt werden wir zehn Tage dort verbringen. Das Hotel ist regelmäßig ausgebucht und weist ein hohes Niveau auf. Ich möchte Sie bitten, sich entsprechend zu verhalten. Was wir im Einzelnen dort unternehmen, wird Ihnen Herr Staller erklären.“ Damit winkt er seinem Doktoranden auffordernd zu.
Andreas Staller griff sofort zu, als ihm der Professor vor drei Jahren eine Stelle im Institut für Applied Geophysics and Geothermal Energy (GGE) der Universität in Aachen angeboten hat. Seit dieser Zeit arbeitet er auch an seiner Doktorarbeit. Bis jetzt hat der gutaussehende Achtundzwanzigjährige, mit der Hüfte gegen den Schreibtisch gelehnt, still den Ausführungen seines Mentors zugehört. Mit einer Größe von 1,84 Meter, den schwarzen Haaren und den humorvoll blitzenden grauen Augen ist er für die Studentinnen dieses Jahrgangs durchaus eine Augenweide. Nun übernimmt er die weiteren Ausführungen der anstehenden Exkursion.
„Diese Geo-Exkursion ist etwas Besonderes“, beginnt er. „Wir haben mit Ihnen jede Menge vor. Es gibt insgesamt drei Vorträge zu dem Thema ‚Vulkanismus des Siebengebirges‘. Klar, hauptsächlich sind Sie hier, weil Sie neue Ressourcen entdecken möchten. Aber genauso wichtig ist es, unsere Vergangenheit zu kennen. Das Seminar beinhaltet drei Wandertouren, die wir gemeinsam angehen werden. Zum Einstieg gibt es dann noch ein geführtes GPS-Seminar, das wir zusammen absolvieren. Im Anschluss dürfen Sie dann in kleinen Gruppen allein losziehen. Ich bin gespannt, wie viele von Ihnen wir hinterher suchen dürfen“, ergänzt er herausfordernd.
Auch der Professor lächelt zu Andreas’ Anmerkung. „Das heißt dann für Sie, hundertprozentige Aufmerksamkeit während der Seminare.“ An den übermütig aufblitzenden Augen hat er schon längst erkannt, wie es um die jungen Leute bestellt ist. Sicher, das Seminar verhilft ihnen zu dem notwendigen Wissen für ihr Studium, doch sie alle sind gerade einmal zwischen zweiundzwanzig und fünfundzwanzig Jahre alt und noch lange nicht trocken hinter den Ohren. Ihm ist bewusst, dass Spaß und Schabernack zu so einer Reise einfach dazugehören.
„Montag nach Pfingsten geht es los. Bis dahin werden wir noch im Einzelnen klären, was für die Reise gebraucht wird, beziehungsweise was Sie noch zu erledigen haben“, verspricht Andreas den Studierenden.
...

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