Teenage Detectives - Herbstspiel

Teenage Detectives - Herbstspiel

Isabel Klamm


EUR 15,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 184
ISBN: 978-3-99107-155-6
Erscheinungsdatum: 12.01.2021
Mit der Ruhe in der Kleinstadt Klintum ist es vorbei, als eine Schülerin entführt wird. Tyler und seine besten Freunde Denny, Amber und Celia ermitteln parallel zur Polizei und stoßen auf ein dunkles Geheimnis. Und bald schon verschwindet das nächste Kind …
Kapitel 1

Sonnenstrahlen schienen durch die kurzen, weißen Gardinen, als sich die Sonne zum ersten Mal seit Wochen am blauen Himmel zeigte und selbst die schwarzen Locken des kleinen Knäuels erreichten, welches sich langsam aus der Decke entwirrte. Tyler öffnete seine Augen und schloss sie gequält, als ihm ein Sonnenstrahl direkt ins Auge schien. Er griff nach seiner großen, runden Brille und setzte sie auf, bevor er leise seufzte. Erst am Montag hatte die Schule nach zwei Wochen Herbstferien wieder angefangen, und bereits jetzt wünschte sich der Dreizehnjährige diese zurück, nicht zuletzt, weil er endlich seinen Schlaf nachholen hatte können.
Tyler stand auf und machte sich frisch, bevor er seine Kleidung für den Tag herauslegte. Seine Mutter hatte ihm damals einen Pullover aus den USA mitgebracht, welchen er zusammen mit seiner schwarzen Jeans anziehen wollte. Träge machte er sich daran, den Pullover über seinen Kopf zu ziehen, als ihn die Stimme seiner Schwester, die nach ihm rief, aus der Trance holte. Es kam nicht oft vor, doch ab und an konnte Anna die Zeit vor ihrer Schicht als Krankenschwester finden, um ihn zur Schule zu fahren. Es war nicht viel, doch Tyler schätzte die Zeit mit seiner Schwester, da diese seine einzige erwachsene Bezugsperson war.
Tyler fuhr sich einmal mit der Hand durch seine Locken und verließ sein Zimmer, seinen Rucksack beim Verlassen noch schnell greifend.
Entschuldigend lächelte er seine Schwester beim Hinuntergehen der Wendeltreppe zu und zog sich seine Schuhe an.
Anna nickte nur und hielt ein genervtes Verdrehen ihrer Augen zurück, als Tyler noch einen Abstecher in die Küche machte, um einen Apfel mitzunehmen.
„Wie viele Stunden hast du heute?“, fragte Anna und fuhr, endlich im Auto angekommen, vorsichtig aus der Einfahrt des alten Hauses.
Sie lebten in einem etwas älteren Stadtteil, mit langen, endlosen Straßen und Wäldern in der Nähe. Die Tatsache, dass die Hauptstraße mit dem Auto in weniger als drei Minuten zu erreichen war und sie dennoch nichts von dem täglichen Verkehrslärm hören mussten, war definitiv ein Aspekt, den Tyler liebte. Anders als sein bester Freund Denny, welcher zwar in derselben Straße, aber im Grunde schon an der Hauptstraße wohnte, bekam er selbst zumindest seinen wohlverdienten, ruhigen Schlaf.
„Mh … ich glaube, ich habe heute nur fünf Stunden, aber ich wollte danach sowieso zu Denny“, antwortete Tyler seiner Schwester und schaute weiter auf sein Handy hinunter.
Anna schaute ihn von der Seite an und zuckte schließlich mit den Schultern. Solange er keinen Unsinn anstellte, war ihr herzlich egal, was genau er mit seiner Freizeit machte.
Sie schaute zu Dennys Haus, um sich zu versichern, dass dieser nicht davor wartete, und fuhr weiter zur Schule. Es war mittlerweile eine Art Ritual geworden, dass Denny und Tyler sich vor dessen Haus trafen und zusammen zur Schule gingen. Ab und zu verschlief Denny jedoch, und Tyler, welcher keineswegs zu spät kommen wollte, musste ohne ihn gehen, um keinen Unterricht zu verpassen.
„Pass auf dich auf und mach keine Dummheiten!“, rief Anna ihrem kleinen Bruder hinterher, nachdem dieser geradezu aus dem Auto gesprungen war, als sie bei der Schule angekommen waren.
„Mach ich nie!“, rief dieser zurück und lief auf die zwei Mädchen zu, welche vor dem Schulgebäude standen. Amber und Celia gehörten beide zu seinen besten Freunden und gingen mit ihm und Denny durch dick und dünn. Lediglich der Fakt, dass Amber und Denny sich absolut nicht ausstehen konnten, sorgte ab und an für Spannungen im Freundeskreis.
Amber war ein aufgedrehtes Mädchen und „Tomboy“ war wohl die richtige Beschreibung für sie. Ihre blonden, längeren Locken trug sie immer in einem Pferdeschwanz und ihre blauen Augen waren selbst im Winter fast immer mit einer Sonnenbrille verdeckt.
Celia war ihr von ihrem Stil her recht ähnlich. Sie hatte braune, kurze Haare und grüne Augen. Sie trug immer einen grünen Beanie, welcher ihr Markenzeichen war.
Tyler grinste leicht, als er seine Freunde begrüßte, und sprang direkt in das Gespräch über ihre Lehrer ein, welches die zwei Mädchen zu führen schienen.
„Leute! Denny meinte, wir bekommen vermutlich einen neuen Mathelehrer“, strahlte Tyler glücklich. Seinen ehemaligen Mathelehrer mochte er nicht, und dass diese Abneigung in beide Richtungen ging, zeigte sich deutlich in seinen Noten.
Als keines der beiden Mädchen ihm mit demselben Enthusiasmus entgegnete, sondern er nur fragende Blicke erhielt, fing er an zu erklären:
„Denny hat gestern ein Gespräch vor dem Sekretariat mitbekommen. Darin ging es wohl darum, dass Mr. Petara einige familiäre Probleme hat und aus diesem Grund in nächster Zeit nicht mehr unterrichten kann“, wiederholte er die Worte, die sein bester Freund ihm gestern nach dem Nachsitzen geschrieben hatte.
Dieser war im Übrigen noch immer nicht anwesend und es war offensichtlich, dass er zumindest die erste Schulstunde verschlafen würde. Es war ein Ereignis, welches so gut wie jede Woche mindestens einmal passierte, weshalb es niemanden großartig wunderte. Er war bekannt für seine fehlende Motivation und in diesem Zusammenhang auch für sein Verschlafen.
Als es zur ersten Stunde klingelte, gingen die drei in das Gebäude und drängten sich durch die Schülermassen in Richtung ihres Klassenraumes. Die erste Stunde verging recht langsam, und wie bereits geahnt, tauchte Denny nicht vor der zweiten Stunde auf.
Mr. Tüller, der Deutschlehrer der Klasse, seufzte nur und deutete Denny an, sich hinzusetzen, nachdem dieser an der Tür geklopft hatte und entspannt hereinspaziert war. Der Lehrer war eine kleinere, korpulentere Person mit blonden Haaren und buschigen Augenbrauen. Er war nett, verständnisvoll und ließ seinen Schülern einiges durchgehen, auch wenn er streng wurde, wo es nötig war. Es war beinahe schade, dass er die Hoffnung bei Denny bereits aufgegeben hatte.
Denny grinste abwehrend und entschuldigte sich halbherzig, bevor er sich auf seinen Platz neben seiner Cousine Celia setzte.
Denny war ein großer Junge. Braune Haare bedeckten seinen Kopf und die grünen Augen zeigten deutlich, dass Celia und er miteinander verwandt waren. Er hatte einige Sommersprossen von seiner Mutter geerbt, doch das Auffälligste an ihm war sein breites Lächeln, welches auch Celia ab und an sehen ließ.
In der letzten Stunde hatten die vier schließlich auch Mathe und es war endlich an der Zeit, den neuen Lehrer kennenzulernen. Kaum betrat dieser den Klassenraum, tauschten Tyler und Denny erleichterte Blicke aus. Anders als ihr vorheriger Lehrer, Mr. Petara, sah ihr neuer Lehrer jung und freundlich aus. Er war ein großer Mann, mit dunkelbraunen Haaren und einem leichten Bart. Er trug jugendliche Kleidung und seine braunen Augen strahlten schon fast vor Freude.
Vielleicht würde der Mathematikunterricht ab jetzt ohne unnötige Ausraster und Stress ablaufen. Sein Blick war ruhig und seine Haltung entspannt. Ein leichtes Lächeln lag auf seinen Lippen, so als hätte er, anders als Mr. Petara, Spaß an seinem Beruf. Nach einigen Momenten des Starrens durch die Schüler räusperte er sich leicht und schrieb seinen Namen an die Tafel.
„Guten Morgen, Klasse. Mein Name ist Dr. Hildebrandt und ich bin ab heute euer Mathelehrer. Ansprechen dürft ihr mich natürlich einfach mit Mr. Hildebrandt“, stellte er sich locker und ohne ein Zeichen der Nervosität vor.
Die erste Unterrichtsstunde lief gut. Zum ersten Mal seit gefühlten Wochen war Tyler in der Lage, sein Können in Mathematik zu zeigen. Auch andere Schüler, welche zuvor so gut wie gar nichts im Unterricht sagen konnten, nahmen mit viel Freude an diesem Teil.
Mr. Hildebrandt hatte eine jugendliche Art an sich und vermittelte die Lerninhalte auf eine einfach zu verstehende Art und Weise. Bereits innerhalb einer halben Stunde waren Themen erklärt, für welche Mr. Petara mindestens zwei Stunden benötigt hätte.
„So, Leute, das war es für heute. Ich hoffe, dass ihr euch in meinem Unterricht auch weiterhin so gut verhalten werdet“, sprach Mr. Hildebrandt zum Abschluss der Stunde. Tyler und Denny grinsten sich an, nahmen ihre Unterrichtsutensilien und stopften sie in ihre Rucksäcke, bevor sie schließlich nach einem kurzen, aber lauten „Tschüss!“ aus dem Klassenraum liefen.
Amber hatte noch eine ihrer vielen AGs, während Celia es sich nicht nehmen ließ, nach der Schule kurz ihre Oma zu besuchen, weshalb weder Denny noch Tyler auf den Rest ihrer Freunde warten mussten.

„Denny! Pass auf!“, konnte Tyler noch rufen, bevor dieser im Volltempo gegen einen älteren Mann lief. Sie waren gerade einmal zwei Minuten von der Schule entfernt und schon zeigte sich Denny wieder einmal von seiner besten Seite.
„Es tut mir so leid!“, entschuldigte sich Denny erschrocken bei dem älteren Herrn. Dieser lächelte nur freundlich und wehrte ab.
„Keine Sorge. So etwas kann ja durchaus mal passieren“, sagte der Mann fast schon beunruhigend nett.
Tyler fuhr ein Schauer über den Rücken und sein Bauchgefühl sagte ihm deutlich, dass er sich von diesem Mann fernhalten sollte.
Dieser verabschiedete sich freundlich und ging weiter. Aus dem Augenwinkel konnte Tyler gerade noch sehen, wie sich sein Lächeln zu einer angeekelten Grimasse verzog.
„Irgendwie gruselig“, flüsterte Denny ihm zu.
Tyler nickte zustimmend. Dieser Mann verbreitete eine seltsame Atmosphäre. Kalt. Und irgendwie gefährlich.
Tyler aus seinen Gedanken holend, schubste Denny ihn ein bisschen an, wodurch er die Balance verlor und fast gegen eine Mülltonne lief.
„Na warte!“, rief dieser empört und nahm schleunigst die Verfolgung auf. Der seltsame Mann war vergessen und sie ließen es sich nicht nehmen, trotz der Rucksäcke auf ihren Rücken in Höchstgeschwindigkeit zu laufen.
„Hab dich!“
Tyler konnte Denny kurz vor dessen Haus schließlich doch noch einholen und schmiss sich auf seinen Freund, so dass die beiden lachend durch das Gras rollten.
Einige Minuten verbrachten sie auf diese Weise, abwechselnd jagten sie sich durch den Garten vor Dennys Haus, ihre Rucksäcke einsam am Straßenrand liegend.
„Denny! Tyler! Kommt endlich ins Haus, das Essen ist fertig!“, rief eine Frauenstimme von der Haustür aus. Dennys Mutter war die gelegentlichen Kabbeleien zwischen den beiden Jungen gewöhnt, immerhin kannten sich die beiden bereits seit ihrem fünften Lebensjahr. Sie selbst war klein und sah ihrem Sohn kaum ähnlich. Das Einzige, was die beiden verband, waren die Sommersprossen, welche ihr kleines Gesicht zierten. Auf ihrem Kopf wuchsen rote Haare und ihre Augen leuchteten in einem schönen, hellen Braun. Dennys Mutter Sarah und Tylers Mutter Maria hatten sich damals auf einem Seminar kennengelernt und waren seitdem beste Freunde. Durch die Freundschaft der Mütter war dann letztendlich auch die tiefe Freundschaft der Jungen entstanden, die mittlerweile schon wie Brüder waren.
Diese wiederum lagen nun vollkommen erschöpft auf dem Rasen, nachdem sie sich so ausgepowert hatten. Schnaufend standen sie schließlich auf und machten sich schnell auf den Weg ins Haus.

Als sie am Esstisch saßen und den Gemüseauflauf sahen, welcher heiß und dampfend vor ihnen stand, konnten sie sich fast nicht halten und fingen an, das Essen hinunterzuschlingen. Weniger als eine Minute dauerte es, bis Denny bereits nach Nachschlag verlangte, was besonders bei dessen Vater, welcher zu seiner Frau und den beiden Jungen dazugestoßen war, ein stolzes Lachen hervorrief.
Dass Denny nach seinem Vater kam, sah man deutlich. Patrick war groß und etwas breiter gebaut. Er besaß braune Haare und strahlend grüne Augen, welche allerdings etwas heller waren als die von Denny oder Celia. Tyler grinste seinen Ehrenonkel an, welcher ihm kurz durch die Haare fuhr und nach seiner Schwester fragte. Sie fingen an, sich angeregt zu unterhalten, und während das Thema zu Beginn wirklich noch seine Schwester war, wechselte es schnell.
Es fühlte sich natürlich an, zu viert an diesem Tisch zu sitzen. Tyler verbrachte seine Zeit häufig bei ihnen, besonders seit seine Schwester zu arbeiten angefangen hatte.
Nachdem sie mit dem Essen fertig waren, fragte Sarah beim Aufräumen, ob die Kinder und auch ihr Ehemann noch ein Eis als Nachtisch haben wollten.
„Ja! Absolut!“, rief Denny aus, während Tyler zur selben Zeit erfreut nickte.
„Und, Tyler? Wie läuft die Schule?“, fragte Patrick sein Eis essend.
Sie saßen mittlerweile alle vor dem Fernseher und schauten im Hintergrund einen Actionfilm.
Tyler schaute den Vater seines besten Freundes an.
„Eigentlich ganz gut, aber unser ehemaliger Mathelehrer Mr. Petara mochte mich überhaupt nicht, weshalb meine Noten in dem Fach nicht so gut waren. Aber wir haben seit heute einen neuen, und der ist total cool!“, erzählte Tyler grinsend.
Patrick lachte leicht. Es fühlte sich wirklich manchmal an, als hätte er anstatt einem gleich zwei Söhne, und es störte ihn absolut nicht.
„Das freut mich doch. Ich hoffe dann, dass sich deine Noten auch verbessern werden?“, neckte er seinen Sohn. Dieser grinste ihn nur unschuldig an.
„Ich kann nichts versprechen“, meinte Denny schließlich nur.

Letztendlich waren sie auch mit dem Essen der köstlichen kalten Süßigkeit fertig und Denny und Tyler gingen hoch in Dennys Zimmer.
Tyler setzte sich auf dessen Bett, während Denny in einer Schublade herumkramte und Tyler schließlich eine kleine CD-Verpackung zuwarf.
„Lust auf Mario Kart?“, fragte Denny schief grinsend.
Tyler stimmte freudig zu und zu zweit spielten sie schließlich das bekannte Rennspiel.
Drei Stunden und einige Streitereien später wurde es dann aber leider Zeit für Tyler, nach Hause zu gehen.
„Holst du mich morgen ab?“, fragte Tyler, während er seine Schuhe anzog. Morgen wollten sie zu ihrem „Hauptquartier“, wie sie es nannten. Dabei handelte es sich um eine alte Jagdhütte im Wald, welche ursprünglich Ambers Großvater gehört hatte.
Denny bejahte und reichte Tyler seine Jacke.
Dieser verabschiedete sich schnell und lief los. Es war mittlerweile fast dunkel, und auch wenn es ihm nichts ausmachte, im Dunkeln nach Hause zu gehen, würde Anna einen Schreikrampf bekommen, wenn er nicht rechtzeitig zu Hause war.
Zum Glück schaffte er es, auch wenn er die letzten paar Meter regelrecht sprinten musste.
„Anna! Ich bin wieder zuhause!“, rief Tyler ins Haus.
„Schön für dich“, konnte man deren zynische Stimme aus dem Wohnzimmer hören. Dorthin gehend sah Tyler, dass sich seine Schwester Chips essend auf dem Sofa befand, während sie irgendeinen Film anschaute.
Tyler seufzte leise, so viel zu dem Schreikrampf. Er liebte seine Schwester, keine Frage, aber manchmal fragte er sich schon, ob er nicht ab und zu etwas mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.
„Ich gehe lesen. Gute Nacht!“, rief Tyler, während er die Treppe hochging.
Bevor Tyler die Tür zu seinem Zimmer schloss, hörte er ein leises „Gute Nacht, Brüderchen“ seiner Schwester und lächelte leicht. Zumindest ab und zu konnte sie nett sein.

Der nächste Morgen begann ruhig. Tyler nutzte den Samstag, um wieder einmal so richtig auszuschlafen, während Anna diese Zeit nutzte, um ihren Körper auf Vordermann zu bringen und danach ihr Gesicht mit einer nach Rosen duftenden Maske zu verwöhnen.
So fand Tyler sie zumindest gegen elf Uhr morgens auf dem Sofa sitzend: die leicht grünliche Maske auf dem Gesicht, während sie nebenbei wieder Chips in sich hineinfraß und eine Folge irgendeiner Serie schaute.
„Man könnte meinen, dass du und das Sofa in einer romantischen Beziehung seid, so oft wie du auf ihm sitzt“, gähnte Tyler. Da er gerade erst aufgewacht war und sich nicht die Mühe gemacht hatte, einen Blick in den Spiegel zu werfen, sah er noch ziemlich zerknirscht aus. Um genauer zu sein standen seine Haare in alle Richtungen ab und seine Augen waren schläfrig und noch fast zu. Seine Schlafsachen waren zerknittert und alles in allem sah er, zumindest für seine ältere Schwester, einfach zum Knuddeln aus. Nicht, dass diese es jemals zugegeben hätte.
„Halt die Klappe“, verdrehte Anna genervt ihre Augen und wandte sich ihren Nägeln zu, welche sie sanft feilte.
Auf dem Wohnzimmertisch vor ihr waren weitere Kosmetikartikel aufgeteilt, und auch wenn Tyler nicht viele davon kannte, konnte er doch so einiges identifizieren.
„Hast du heute ein Date oder so?“, fragte Tyler mit hochgezogener Augenbraue.
„Und seit wann machst du Sport?“, fügte er noch hinzu, als er das Sportoutfit, welches Anna anhatte, genauer ansah und auf das neben ihr liegende Springseil schaute.
Anna legte ihre Feile weg und drehte sich leicht zu Tyler.
„Nicht, dass es dich kleinen Knirps etwas angeht, aber ja. Ich habe heute gegen 14 Uhr ein Date mit einem extrem heißen Typen“, fing Anna an zu schwärmen.
„Oh Boy“, murmelte Tyler irritiert.
Eigentlich wollte er seine Schwester aufziehen, ließ es aber sein, da er zumindest am Wochenende nicht ihren Zorn spüren wollte. Auch freute er sich für seine Schwester, welche sich nun schon längere Zeit einen Partner gewünscht hat.
Tyler grinste bei dem Gedanken an das, was er eigentlich hatte sagen wollen, und ignorierte den irritierten Blick seiner Schwester, als diese versuchte, ihn anzusprechen.
Tyler schaute sich seine Schwester genauer an und konnte nicht verhindern, die momentane Ähnlichkeit mit Shrek zu bemerken. Die grüne Maske sah aber auch kräftig aus.
„Ich hab Lust auf Kuchen“, meinte Tyler ungefähr fünf Minuten, nachdem sie gefrühstückt hatten.
„Links. Oberes Regal. Hol mir auch ein Stück“, sagte Anna nur trocken. Sie war mittlerweile dabei, ihre Zehennägel mit einem lavendelfarbenen Nagellack zu lackieren.
Tyler nickte nur und begab sich in die Küche.
„Möchtest du Milch zu dem Kuchen?“, rief er nach zwei Minuten fragend aus der Küche.
Anna bejahte. Milch und Kuchen war die perfekte Kombination. Dabei war es egal, welche Art von Milch. Hauptsache Milch.
Nach weiteren drei Minuten kam Tyler dann auch mit zwei Stücken einer wundervollen kleinen Erdbeer-Schokoladentorte sowie zwei Tassen Milch und Sprühsahne aus der Küche.
Er trug alles auf einem kleinen Tablett, so dass er nicht zwei- oder sogar dreimal gehen musste.
„Bitte sehr“, sagte Tyler charmant und stellte das Tablett auf den Tisch.
Anna bedankte sich und fing direkt an, den Kuchen zu verschlingen. Tyler tat es ihr gleich.
„Ich muss bald los. Ich treffe mich mit meinen Freunden“, erzählte Tyler und nahm einen Schluck seiner Milch.
„Ist gut. Aber nimm deinen Hausschlüssel mit, ich weiß nicht, wann ich heute Abend nach Hause komme“, erwiderte Anna.
Tyler zeigte ihr mit seiner rechten Hand ein Daumenhoch.
Schließlich war auch der Kuchen aufgegessen und Tyler ging in sein Zimmer, um sich schnell fertig zu machen.
„Ich bin dann weg! Viel Spaß und Glück bei deinem Date!“, verabschiedete sich Tyler und lief aus dem Haus, vor welchem seine Freunde bereits warteten.
„Na endlich“, grummelte Amber ihn an.
„Kommt jetzt“, sagte Denny genervt, nachdem keiner seiner Freunde auch nur andeutete, endlich loszugehen. Tyler konnte nur Spekulationen aufstellen, was zwischen den beiden wieder vorgefallen war. Auch wenn es oft nicht so wirkte, waren beide nämlich äußerst streitfreudig und nutzten so gut wie jede Möglichkeit, sich gegenseitig auf die Nerven zu gehen.

Das könnte ihnen auch gefallen :

Teenage Detectives - Herbstspiel

Rudolf Ernst

Panama Haus

Buchbewertung:
*Pflichtfelder