Krimi & Spannung

Still, kühl und dunkel

Wolfgang Dietmar Schwerdtner

Still, kühl und dunkel

Leseprobe:

Prolog


Von der nahen Ostsee her jagten Ende Oktober 1982 dichte graue Schwaden von Wolken über die Landeshauptstadt Kiel.
Schon früh am Nachmittag wurde es in der Stadt langsam dunkel.
Vereinzelte Fußgänger hasteten fröstelnd heim, Möwen flogen tief über das bleigraue Wasser und kreischten laut.
Ein nasskalter, böiger Wind wehte über das flache Land. Blätter fielen, sich elegant um sich selbst drehend, von den zahlreichen Bäumen und wirbelten am Boden liegend auf, raschelten erneut laut bei jedem neuen Windstoß.
Überall lagen hohe Haufen von braunem Laub am Straßenrand aufgetürmt.
Stille ansonsten in der Stadt, auch in der Eckernförder Straße.
Fünf langhaarige Jugendliche, bekleidet mit ausgefransten Schlaghosen und alten Militärparkas mit Fuchsschwänzen, schoben dort mit den Füßen lachend eine leere, dreieckige Sunkist-Packung über den Bürgersteig.
Im Beerdigungsinstitut Flenker-Bestattungen wollten jetzt noch zwei Mitarbeiter Frau Marianne Hansen für ihre letzte Ruhe auf dem Friedhof vorbereiten. Thomas und Klaus, beide Bestattungsfachkräfte, gingen durch den Garten hinüber zu den Räumlichkeiten für die handwerklichen Tätigkeiten.
Bestattungsfachkräfte arbeiten ja hauptsächlich in Instituten, aber auch in Überführungsunternehmen, auf Friedhöfen und in Krematorien. Darüber hinaus können sie aber auch in der öffentlichen Verwaltung tätig sein, beispielsweise in Friedhofsverwaltungen.
Nicht nur in diesem Bestattungsunternehmen waren Büro und diese Räume stets voneinander getrennt, das gebot sich schon aus hygienischen Gründen.
Frau Hansen war plötzlich zu Hause verstorben, die Polizei hatte den Tod festgestellt, aber zusätzlich auch noch den Hausarzt verständigt.
Dieser hatte in den Totenschein Herzversagen eingetragen. Marianne Hansen lag tot zusammengebrochen mitten in der eigenen Wohnstube.
Dem Hausarzt war das Krankheitsbild der Verstorbenen mit ihrem vorgeschädigten Herzen seit vielen Jahren bekannt.
Ihr Bruder, Franz Hansen, hatte sich spontan für dieses Beerdigungsinstitut entschieden und wünschte sich für seine Schwester Marianne eine Beisetzung auf dem in der Nähe gelegenen Friedhof.
Es ist schon seit ewigen Zeiten ein zentraler Bestandteil vieler menschlicher Kulturformen, Menschen zu bestatten. Es ist bekannt, dass schon die Steinzeitmenschen ihre Toten nach bestimmten Ritualen bestatteten. Man begrub sie auf der Seite liegend mit angezogenen Beinen. Bei der Organisation auch dieser Bestattung waren wieder viele einzelne Schritte notwendig.
Zahlreiche Trauerbriefe wurden verschickt, man kontaktierte die „Kieler Nachrichten“, eine Traueranzeige musste dort in der Zeitung veröffentlicht werden.
Für die Rede wurde ein Termin mit dem Geistlichen wegen des Gesprächs über die Verstorbene ausgemacht, ausreichend Blumenschmuck für den Sarg und auch für die Kirche musste beschafft werden. Für die Beerdigung in der Kapelle wurden Lieder ausgewählt, das Trauermahl für ca. 80 Personen in der Trauerhalle beim Bestatter Flenker wurde besprochen.
Franz Hansen wünschte auch eine offene Aufbahrung in der Kapelle zum Abschied von seiner geliebten Schwester Marianne.
Nach der Trauerfeier sollte bei dem Bestattungsunternehmer im großen Raum für Feierlichkeiten eine aufwendige Kaffeetafel aufgebaut werden.
Ist irgendwo einmal der Todesfall eingetreten, gilt immer eine der ersten Benachrichtigungen dem Bestatter.
Der holte auch die Verstorbene Marianne Hansen nach der Feststellung des Todes ab.
In den nächsten Tagen folgte dann ein Beratungsgespräch im Hause Flenker, in dem die Details der gewünschten Bestattung besprochen wurden.
Franz Hansen hatte sich hier nun über die verschiedenen Möglichkeiten zur Erdbestattung ausgiebig und fachmännisch beraten lassen und sich dann letztendlich für das klassische Erdwahlgrab entschieden, welches man 25 Jahre lang pflegen muss.
Statt wie so oft aus Eiche hatte Herr Hansen für seine Schwester Marianne einen Sarg aus gebürsteter Kiefer bestellt.
An den gut gesicherten Extraräumen angekommen, schloss Thomas etwas umständlich die Tür mit einem Schlüssel auf, den er an einer langen Kette an einem Bund mit anderen Schlüsseln trug, und machte zunächst das Licht an.
Thomas war jetzt 31 Jahre alt.
Er hatte seine schwarzen Haare, die an den Seiten schon langsam grau wurden, bei seinem letzten Friseurbesuch zu einer modischen Kurzhaarfrisur schneiden lassen. Zudem trug er in seinem symphathisch wirkenden Gesicht einen gepflegten Oberlippenbart.
Sechs lange Neonröhren erwachten flackernd zum Leben.
Der erste Raum, in dem die beiden Bestatter jetzt standen, war groß, lang, hoch und weiß gekalkt. An der gegenüberliegenden Wand fiel sofort ein großes, dunkles Kreuz aus hübschem, rötlichem Kirschbaumholz auf.
Dieses hatten vier frühere Bestattungsfachkräfte während ihrer Lehrzeit speziell für diese Werkstatt angefertigt. Denn als Werkstatt wurde dieser Raum genutzt.
Es roch hier angenehm nach frischem Holz.
Das lag wohl an dem blank polierten, braunen Kiefernsarg, der hochkant aufgeklappt links an der Wand stand.
Der Fußboden war mit großen, hellgrauen, rechteckigen Fliesen belegt. In der Mitte des Raumes stand ein großer Tisch, auf dem die Verstorbenen hygienisch und kosmetisch behandelt wurden.
Auf einem großen, langen, weißen Tisch auf der rechten Seite unter den Fenstern standen und lagen zahlreiche Gegenstände, die für die Bearbeitung von Särgen benötigt wurden. Geräte und Maschinen zur Bearbeitung von Holz, zum Bearbeiten von Metall und Kunststoffen. Heftgeräte, verschiedenfarbige Schraubenzieher, einige kleine, aber auch eine Vielzahl größere Zangen.
Eine ganze Menge unterschiedlicher Textilien und auch weitere Füllstoffe zum Ausschlagen der verschiedenen Särge lagen dort sorgfältig gestapelt und weitere standen in großen Ballen seitlich an den Tisch gelehnt.
Eine Anzahl Rasier-, Wasch- und Frisierutensilien, auch verschiedene Desinfektionsmittel, unterschiedliche spezielle Artikel der Gesichts- und Wiederherstellungskosmetik und Artikel zum Waschen der Toten waren fein säuberlich in der Mitte des Tisches aufgereiht.
Auf einem weiteren alten Tisch aus Eiche hinten rechts in der Ecke stand eine riesige, alte Schreibmaschine, eine englische Imperial Typewriter aus Leicester.
Auf der metallenen schwarzen Maschine konnte man von vorne „The Good Companion“ in goldfarbenen Buchstaben lesen.
Auf einem weiteren kleinen Tisch, der an der gegenüberliegenden Wand unter dem Kreuz stand, sah man ein mahagonifarbenes, teures Tonbandgerät der Marke Uher.
Die beiden großen Spulen standen still.
Daneben befand sich ein hochwertiger Plattenspieler der Marke Sennheiser.
Thomas, der in der Nähe von Kiel, in Eckernförde, geboren war, suchte aus den vielen Langspielplatten, die sich in drei weißen metallenen Ständern neben dem Plattenspieler befanden, eine passende Musik für die anstehende, längere Arbeit heraus.
Mozart!
Nun drang relativ leise und würdevoll aus den großen Stereo- Lautsprechern rechts und links im Raum das Larghetto aus dem Klarinettenquintett A dur, Köchelverzeichnis 581 für Klarinette und Streicher von Wolfgang Amadeus Mozart.
Diese langsame Trauermusik passte wirklich perfekt zu dem abendlichen Vorhaben der beiden Bestatter.
Durch drei große, hohe Fenster auf der rechten Seite drang am Tage Licht herein, jetzt am Abend erhellten die vielen Neonröhren etwas grell und leise summend den großen Raum.
Eine große, runde Uhr mit weißem Zifferblatt und mit breitem schwarzem Rand hing rechts an der Wand.
Ein schwarzes Telefon mit geflochtener Schnur auf dem linken der beiden hinteren Tische vervollständigte das zahlreiche Inventar.
Beide Mitarbeiter im Beerdigungsinstitut Flenker trugen auch jetzt am Abend noch stilvoll schwarze Anzüge, schwarze Schuhe, weiße Hemden und silberfarbene Krawatten.
Thomas wollte zunächst die Sargausstattung einpassen.
„Hast du das Neueste von den Störchen gehört?“, begann er in dem Vorbereitungsraum ein Gespräch und sah dabei neugierig seinen Kollegen an.
Dabei zog er sein Sakko aus, hängte es hinter der Tür an den Kleiderhaken und krempelte sich die Ärmel auf.
„Von den Störchen, jetzt, im Oktober?“ fragte Klaus, der andere Bestatter, verwundert zurück und hob etwas irritiert den Kopf.
Klaus, der jüngere der beiden Kollegen, war erst 26 Jahre alt.
Seine blonde modische Kurzhaarfrisur ohne Bart passte sehr gut zu dem frischen, vertrauenserweckenden Gesicht.
„Na ja, wir haben hier oben doch die Kieler Sportvereinigung Holstein“, belehrte Thomas etwas despektierlich seinen Kollegen. Dabei legte er den Zeigefinger seiner rechten Hand unbewusst und nachdenklich an die Oberlippe.
„Wir nennen die Spieler schon ewig Störche!
Holstein Kiel hat in der dritthöchsten deutschen Spielklasse, der Fußball-Oberliga Nord, zu Hause schon wieder gesiegt!
Die haben auch schon am 11. August gegen den VfB Lübeck vor 3654 Zuschauern mit 2:0 gewonnen!
Und ich war einer davon, live im Stadion dabei!“
„Ach so“, entgegnete Klaus etwas brummig und auch nur mäßig an dem Thema interessiert.
Er wollte jetzt lieber die Verstorbene Marianne Hansen vorbereiten. Trotzdem setzte er das Gespräch fort, er wollte seinen Kollegen nicht verärgern.
„Ich komme ja aus Ludwigshafen, bei Stuttgart, dort haben wir einen Handballverein, die Spieler nennen wir dort die Eulen!“
Thomas dachte jetzt jedoch im Stillen, während er auf dem Tisch nach einem passenden Seidenballen suchte, noch an das legendäre Fußballspiel am 13.09.1981 zurück, wo seine Störche von Holstein Kiel gegen den SC Concordia Hamburg sensationell mit 8:0 gewonnen hatten…
Manfred Jochimiak hatte an dem Tag 3 Treffer erzielt.
Schnell hatte sich Thomas für einen geschmackvollen, cremefarbenen Ballen entschieden und suchte jetzt nur noch passendes Abschlussband für die obere Sargkante.
Routiniert, aber etwas unpassend wegen der traurigen Atmosphäre zur Musik von Wolfgang Amadeus Mozart pfeifend, griff er sich vom Tisch zuerst eine große Schere und anschließend auch noch den schweren roten Tacker.
Auf der linken Seite hinten im Raum ging eine weitere Tür ab.
Dort rollte Klaus jetzt die ältere Verstorbene auf einem metallenen Gestell aus der angrenzenden Kühlkammer. Langsam und vorsichtig schob er sie auf diesem speziellen Wagen in den Vorbereitungsraum und schloss die schwere Metalltür hinter sich sorgfältig zu.
Er liebte seinen Beruf als Bestatter, er fand es immer sehr schade, dass die Angehörigen ihre Verstorbenen oft nicht mehr sehen wollten. Er hatte sie jedes Mal aufwendig mit viel Mühe und der bei Bestattern üblichen Sorgfalt für die ewige Ruhe vorbereitet.
Er machte keinen Unterschied zwischen Jung und Alt, Männern oder Frauen oder leider oft auch Kindern.
Klaus behandelte alle Toten hier mit Respekt und Würde. Manchmal ertappte er sich dabei, wie er sich einseitig mit ihnen unterhielt.
Erst letzte Woche hatte er ein junges Mädchen hier auf dem Tisch, das schwere äußere und innere Verletzungen nach einem tödlichen Verkehrsunfall aufwies.
Er wünschte nicht nur ihm, sondern auch den trauernden Hinterbliebenen, dass die Polizei den flüchtigen Täter möglichst bald finden möge.
„Wir haben hier oben ja auch gute Handballer“, setzte Thomas plötzlich und unerwartet das Gespräch fort und blickte Klaus an.
Er hatte das Unterteil des Kiefernsarges jetzt komplett mit der hübschen cremefarbenen Seide ausgekleidet.
„Den Turnverein Hassee-Winterbek aus Kiel, der Verein wurde 1904 gegründet, die Spieler nennen wir Zebras, weil sie senkrechte, schwarz-weiß gestreifte Trikots tragen.“
Jetzt musste er noch das Ripsband an der Sargkante anbringen.
Still, behutsam und routiniert fassten beide wenig später an und legten die tote Frau Hansen mit ihrer Unterlage auf den großen Tisch in der Raummitte.
„In Travemünde bei Lübeck gibt es Handballerinnen, die nennen sich Raubmöwen“, begann jetzt Thomas das angefangene Gespräch erneut.
Sein Kollege Klaus schwieg.
Klaus kannte zwar weitere Vereine mit Eisbären, Pinguinen und Skorpionen, aber das war Eishockey, wieder eine andere Sportart. Thomas hatte jetzt auch den Stoff für das Oberteil abgemessen und tippte jetzt hinten an dem alten Eichentisch sitzend den Preis für den Stoff mit der Imperial Schreibmaschine in die vorbereitete Rechnung für Franz Hansen.
Dann befestigte er den Stoff für das Oberteil des Sarges etwas mit den Fingern zusammengerafft schnell und geschickt mit dem großen Tacker im Inneren des Sarges.
Das konnte er, das hatte er damals in seiner Ausbildung gelernt. Klaus kümmerte sich jetzt alleine um Marianne Hansen.
Auch er hatte sich inzwischen sein schwarzes Sakko ausgezogen und es aufgehängt, nun stopfte er seine Krawatte vorsichtig zwischen zwei Knöpfe in sein Oberhemd.
Die lag beim Vorbeugen immer etwas auf Marianne Hansen. Thomas brauchte das nicht, der trug eine schlichte, silberne Krawattenklammer.
Klaus krempelte sich jetzt auch die Hemdsärmel auf.
Zunächst wurde der Leichnam von ihm gewaschen, danach gewissenhaft geschminkt und als Letztes nach der hygienischen Versorgung eingekleidet.
Nach dem Waschen der Leiche und Föhnen der Haare kleidete er die Tote in ein von Franz Hansen mitgebrachtes Kleid.
Marianne Hansen hatte es zu Lebzeiten immer sehr geliebt.
Thomas legte derweil eine passende cremefarbene Garnitur bereit. Die passte perfekt zur Innenverkleidung des Sarges.
Danach legte die Bestattungsfachkraft der verstorbenen Marianne eine von Franz Hansen für den letzten Gang gewünschte, wertvolle Halskette mit Zuchtperlen an.
Klaus wollte die Verstorbene zum Schluss noch leicht schminken, als er die kaum feststellbaren dunklen Stellen vorne und seitlich am Hals sah.
Würgemale!
Seiner Meinung nach sollte eine natürliche Todesart vorliegen, Herzversagen.
„Schau dir das mal an“, sagte Klaus zu dem anderen Bestatter. „Sieht ja aus wie erwürgt“, stotterte Thomas, der solche Verletzungen schon einige Male gesehen hatte.
Unbewusst lockerte er seine Krawatte und öffnete erregt den obersten Hemdknopf.
In der Öffentlichkeit hätte er sich diesen Fauxpas nicht erlaubt, aber
hier abends im Beerdigungsinstitut störte das heute niemanden.
„Von vorne, sieh hier, Klaus“, fuhr er fort und zeigte bei der Verblichenen auf Stellen unter dem Kehlkopf.
„Hier sind die Abdrücke der beiden Daumen!“
„Mensch, das war Mord“, entgegnete Klaus entgeistert.
Nach kurzem Zögern griff Thomas zum Telefon.
Mit zitternder linker Hand nahm er den Hörer ab und steckte den rechten Zeigefinger in die Wählscheibe.
Zweimal die 1 gewählt und einmal die 0, dann wartete er.






Kapitel 1


Man schrieb das Jahr 1987.
Gabriele Schubert schlenderte müßig mit hinter dem Rücken verschränkten Händen und einer Umhängetasche über der rechten Schulter in der Hansestadt Lübeck vom Kaufhaus Warter kommend über die Breite Straße zum beliebten Sporthaus „Gummi Wessel“. Der Wind, der in Lübeck allgegenwärtig ist, wirbelte ihr langes blondes Haar durcheinander.
Bei „Gummi Wessel“ holte sie sich noch schnell eine Ziffer „8“ zum Aufnähen für ihre neueste, kurze Sporthose, die der nette junge Verkäufer auch in einer der vielen dunklen Holzschubladen hinter sich in der gewünschten Farbe Rot für sie bereithielt.
Draußen musterte Gabi kritisch das neue Straßenpflaster aus schwedischem Granit. Mit einer eleganten, unbewussten Bewegung ihres linken Armes schob sie eine widerspenstige Haarsträhne aus der Stirn. Ihr erschienen die Tausenden, dicken, viereckigen, grauen Platten äußerst interessant mit ihren vielen, unterschiedlichen rosa und blauen Einsprengseln.
Die Hansestadt Lübeck hatte sich die Neugestaltung dieser Fußgängerzone rund 3,4 Millionen Mark kosten lassen.
Nun parkten hier im unteren Teil der Straße zum Koberg hin verbotenerweise rechts und links mit der Front nach unten zahlreiche Autos.
Spötter in der Hansestadt sprachen zu Recht von dem teuersten Parkplatz der Stadt. Ab und zu kontrollierten hier zwar Politessen und steckten liebenswürdigerweise 20-DM-Tickets für Falschparken hinter die Scheibenwischer, aber die Bürger stellten vor allem in den Abend- und Nachtstunden offenbar ohne schlechtes Gewissen ihre PKWs hier ab.

Gabriele ging langsam die Breite Straße auf dem Fußweg auf der rechten Seite hinunter Richtung Stadttheater, immer wieder nach rechts in die verschiedenen Schaufenster blickend.
Schon von oben bei Karstadt konnte sie, die lange Breite Straße hinunterschauend, unten an der Kreuzung rechts die markante rote Markise von „Porzellan Berg“ erkennen.
Zusätzlich hatte dieses Haus als einziges eine vorgezogene Hausfront, unter der man unter Pfeilern flanieren konnte.
Diese Hausfront war weiß gestrichen.
Zusätzlich hatte man seitlich einige bunte stilisierte Elemente aufgemalt. Eine Vase, eine Kanne, einige Teller.
Darunter stand in roten Leuchtbuchstaben der Name Berg.
Gabriele Schubert strebte zur Bushaltestelle, von der sie mit der Linie 11 endlich nach Hause in den Stadtteil Lübeck-Schlutup fahren wollte.
Sie hatte sich gerade bei Warter längere Zeit einige neue Schallplatten angehört. Das Aktuellste von U2, Madonnas „Who’s that girl“, „You win again“, gesungen von The Bee Gees.
Sie entschied sich dann spontan zum Kauf für die neue Langspielplatte von der Hardrock-Band Bon Jovi. John Francis Bongiovi, Sohn eines aus Sizilien stammenden Arbeiters, kommt aus dem gleichen Mittelschichtsmilieu von New Jersey wie Bruce Springsteen. John Bon Jovi sang in Highshool-Bands und hatte schon mit dreizehn Jahren nur einen Berufswunsch: Rockstar!
Das war nun deren drittes Album und es hieß „Slippery when wet“. Jetzt, kurz nach dem monatelangen Komplettumbau, gefiel Gabriele das Kaufhaus Warter noch besser!
Den langen Eingang fand sie toll mit den riesigen Scheiben links und rechts, wo Kunden schon vor Betreten des Geschäftes das Neueste an Elektroartikeln, Porzellan, Fotozubehör, Haushaltsgeräten und Spielwaren sehen konnten. Gabriele mochte das Kaufhaus Warter schon immer mit seinen drei Stockwerken.
Sie ging gerne dort hinein und gleich links die breite Wendeltreppe hinunter, die aus schwarz-weißen Granitsteinen bestand.
Oder sie war rechts neben den Treppen in den Fahrstuhl gestiegen, und schon war sie unten in ihrem geliebten Schallplatten

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 534
ISBN: 978-3-95840-574-5
Erscheinungsdatum: 07.12.2017
EUR 16,90
EUR 10,99

Krampus & Nikolo