Krimi & Spannung

SOKO Hamburg Hafen

Wolfgang Salzmann

SOKO Hamburg Hafen

Zwei Freunde

Leseprobe:

1


„Peters, kommen Sie mal!“
Peters war Hauptkommissar bei der Kripo, 38 Jahre, nicht verheiratet, und hatte bis jetzt mit Kleinkriminellen zu tun gehabt. Ein Mann in den besten Jahren, körperlich fit und immer noch alleine. Sein größter Fall ein geklautes Auto, das nach Polen verschoben wurde. Das Pikante an der Sache war, dass das Auto zum Fuhrpark des Innenministers gehörte. Der Fall wurde aufgeklärt, das Auto aus Polen nach Deutschland gebracht und die Pistole, die im Handschuhfach lag, wurde nie gefunden. Peters war das egal. Der Wagen war da und gut. Was war noch Wissenswertes zu Peters zu sagen? Er kam vor fünf Jahren aus Hamburg nach Berlin, die Liebe war aber auch schon seit drei Jahren vorbei. Die einzige Liebe, die er noch hatte, waren seine zwei Katzen. Für die ging er über Leichen. Er hatte sich in Berlin nie wohl gefühlt und wollte, seit geschätzten 200 Jahren, zurück nach Hamburg. Jeder hier wusste es und jedem, der es hören wollte oder auch nicht, erzählte er von Hamburg und dass es dort viel besser sei als in Berlin. Und seinen Chef, den konnte er auch nicht so richtig leiden und wünschte ihm an manchen Tagen die Pest und andere Krankheiten ohne Genesungsaussichten. Genau der Chef hatte jetzt Sehnsucht nach ihm.
Peters ging langsam, aber auf direktem Weg ins Dienstzimmer seines so geliebten Chefs und wurde von zwei weiteren Leuten empfangen.
„Peters, Sie haben doch vor einem Jahr die Sache mit dem Dienstwagen aufgeklärt. Die Täter waren doch in Polen verschwunden und wurden bis heute nicht gefunden. Setzen Sie sich doch.“ Die beiden Clowns gaben ihm die Hand und stellten sich vor. Peters hatte nicht zugehört. Er überlegte: „Was wollen die jetzt noch mit dem Dienstwagen? Der ist doch da.“ Und laut sagte Peters: „Ja, den Wagen hatten wir in Polen gefunden und nach Deutschland zurückgebracht.“ „In einer Nacht und Nebelaktion und ohne Wissen der polnischen Behörden und ohne die Waffe, einer 9-mm-Browning“, meinte sein Chef. Der Clown Nummer eins „Wie hieß der noch? Ich glaube, Henning, sagte er, als er sich vorstellte“, dachte Peters sagte noch: „Die fehlt im Übrigen immer noch und darum sind wir hier. Gestern tauchte die Waffe wieder auf?…“
„Na fein“, unterbrach ich Peters, Henning, „dann kann ich ja die Akte an Sie übergeben und bin die Sache los.“
„Nicht so schnell?…“ „Der zweite Schlipsträger lebt auch“, dachte Peters. „…?mit der Pistole wurde in Hamburg einem aus der linken radikalen Szene das Hirn entfernt. Er lag im Stadtteil Winterhude in einem Müllcontainer und hat jetzt links ein Loch in der Schläfe.“ „Gut, und was kann ich da jetzt machen? Dann ist das wohl Sache der Hamburger Kollegen. Soll ich die Sachen zusammenpacken und den Jungs hier übergeben?“, war meine einzige Frage an meinen Chef und an die beiden Herren. „BND? …?Dachte ich es mir doch, hier ist was faul“, in der Hoffnung den Mist endlich vom Tisch zu haben. Was ich aber nicht wusste, war, dass sich die beiden Herren vom BND mit meinem Chef schon auf eine andere Vorgehensweise geeinigt hatten. Ich wurde versetzt in das neue Terrorzentrum nach Hamburg. Zuständig war das Innenministerium, bis entschieden wurde, ob die Bundespolizei oder der BND den Zuschlag bekommt. „Bis zu diesem Zeitpunkt untersteht das Terrorzentrum direkt dem Staatssekretär für innere Sicherheit beim Innenminister und dieser, und nur dieser, ist gegenüber den Mitarbeitern des Terrorzentrums weisungsberechtigt. Dieser wird dann alle Aktionen bündeln und leiten“, sprach Wachsmann und wie von Geisterhand stand der Staatssekretär Behrend im Raum. Es drängte sich mir die Frage auf: Was wollen die von mir? Ich beschloss, mich erst einmal in Geduld zu üben und den vier Herren das Schlachtfeld zu überlassen. Und schon ging es los, mein Chef wollte dem Staatssekretär in den Hintern kriechen. Herr Staatssekretär hier und da und noch mehr – na gut, das war seiner Karriere immer schon förderlich gewesen. Und jetzt wurde die Katze aus dem Sack gelassen.
„Peters, ich darf Sie dann als einen unserer ersten Mitarbeiter in dem neuen Terrorzentrum begrüßen.“ Der Staatssekretär Behrend schüttelte mir die Hand bei seinen warmen Worten. „Sie wollten doch immer zurück nach Hamburg. Jetzt haben Sie die Möglichkeit. Sie sind der erste amtierende Leiter der Behörde und werden auch gleichzeitig die Ermittlungen leiten. Alles Weitere werden Sie in Hamburg vor Ort erfahren. Sie werden nur mir Bericht erstatten. Keiner aus dieser?…“
Ich, Peters, unterbrach den Staatssekretär: „…?und was sollen die beiden Frackständer dann noch hier?“ Er ließ sich aber nicht aus der Ruhe bringen.
„…?Keiner aus dieser Runde weiß Näheres und wird es auch nicht erfahren. Sie nehmen Ihre Sachen, räumen den Schreibtisch und melden sich morgen in Hamburg. Offiziell sind Sie nur beurlaubt und gehören noch zur SOKO 15 Berlin Strausberg. Die beiden Herren vom BND haben Sie in der letzten Zeit überprüfen lassen.“
„…?und ich dachte, da will sich ein heimlicher Verehrer an mich ranmachen. Noch eine Nacht weiter und ich hätte ihm dann das kleine Ärmchen gebrochen.“ Und weiter zu den beiden Herren vom BND: „…?dann können Sie ja den Jungen wieder abziehen, der da im Hausflur allein steht.“ Behrend spricht weiter: „…?
die beiden Herren Henning in Hamburg und Wachsmann in Berlin werden Ihre Kontaktpersonen zum BND sein. Seien Sie drei nett zueinander, Sie brauchen sich noch.“
„So, meine Herren, wir wollen Herrn Peters nicht weiter aufhalten. Packen Sie das Nötigste, was Sie für die ersten Tage brauchen, ein paar Hemden, Socken, Wäsche und so weiter?…“ „… Kondome?…“ Hennings Gesicht verzog sich zum breiten Grinsen. Was wusste der Bursche? Sollte ich noch besser aufpassen? Ich lasse so schon keinen an mich heran. Arbeit ist Arbeit, Bett ist Bett?… „…?das ist Ihre Sache. Nur, wenn ich wegen Ihrer Eskapaden Ärger bekomme und Ihre Arbeit dann darunter leidet, gibt es Stress. Ihre Eigenwilligkeiten lassen wir in einem gewissen Maße durchgehen, aber Bettgeschichten haben bei der Arbeit nichts verloren. Denken Sie immer daran, es kann tödlich enden – nicht nur für Sie.“
„Was hat das alles mit dem Toten in Winterhude zu tun?“
„Morgen sind Sie in Hamburg und melden sich bei Henning. Den Rest Ihrer Sachen finden Sie dann ab Freitag unter dieser Adresse. Henning weiß Bescheid und wird alles in die Wege leiten. Den Zettel vernichten Sie, wenn Sie den Weg gefunden haben.“ Er gab mir den Zettel mit der Adresse und ich staunte nicht schlecht, eine gute Wohngegend in Hamburg. „Sie schlafen im Fürst Bismarck bis Freitag. Hier der Zimmerschlüssel.“ Henning gab mir einen Umschlag, drückte meine Hand „…?und dann bis morgen. Ich melde mich bei Ihnen.“ Behrend schüttelte allen die Hand. „So – auf gute Zusammenarbeit. Ich danke Ihnen und nun alle wieder an die gewohnte Arbeit. Peters?… Nur private Sachen vom Tisch, mehr nicht. Keine Übergabe, kein Sortieren und nur die Akte Dienstfahrzeug geht mit.“
Ich ging meine Sachen packen, verabschiedete mich von den Kollegen mit dem Hinweis, dass ich beurlaubt bin, bis auf Weiteres, und verließ dann das Gebäude der SOKO. Peters fuhr zu seiner Wohnung und packte eine Reisetasche für die ersten vier Tage, stellte den Katzen Futter für zwei Tage hin und dann ging es zum Bahnhof. Er fuhr mit dem ICE nach Hamburg.




2


Ankunft Hamburg Hauptbahnhof um 16.30 Uhr, ein wenig verspätet, aber sicher. Sein erster Weg führte ihn in sein Zimmer, ins Hotel. Der Portier nahm keine Notiz von Peters. Das Zimmer lag nach vorne zur Straße raus. Ich hatte den Hauptbahnhof im Blick und konnte beide Ausgänge gut beobachten. Der Henning hatte sich doch dabei etwas gedacht. Warum konnte ich beide Ausgänge sehen? Ein ruhigeres Zimmer wäre mir lieber gewesen. Die beiden Katzen fehlten mir. Beim Nachdenken war es immer schön, die beiden zu kraulen. Das Schnurren brachte dann so etwas wie Ruhe in mich und die Eingebungen sprudelten nur so. Nun gut, Henning würde die beiden hoffentlich gut mit nach Hamburg bringen. Wenn nicht, würde ich den Vogel umbringen, dann könnte ich gegen mich selbst ermitteln. Der Gedanke, dass er die beiden einfangen muss, belustigte mich ein wenig. Die zerkratzten Hände würde ich dann ja bald sehen. Mein Magen knurrte. Der Blick auf die Uhr verriet mir: es war Zeit, ein wenig Nahrung zu mir zu nehmen. Ich beschloss, zu den Landungsbrücken zu fahren, in dem kleinen Restaurant unten im Bahnhof konnte man sehr gut Fisch essen. Hatte mir das gefehlt in Berlin!
Ich schaute vorsichtig aus dem Fenster und suchte die beiden Bahnhofseingänge nach Personen ab, die sich in der Stunde, die ich im Zimmer war, nicht bewegt hatten oder mir nur aus einem anderen Grund, etwa meinem Bauchgefühl, etwas seltsam vorkamen. Was ich nicht sehen konnte, war, dass in der Bäckerei im Bahnhof eine Frau stand, die den gesamten Bahnhofsvorplatz beobachtete und nach einem noch unbekannten Behördenleiter, der in Hamburg sein sollte, absuchte. Aber das sollte mich erst später, viel später, beunruhigen. Das hieß auch, es gab in der SOKO einen Maulwurf , aber der sollte mich auch später noch beschäftigen.
Peters ging zur U-Bahn und fuhr zu den Landungsbrücken. Dort setzte er sich gleich ins Lokal und bestellte sich Scholle mit Bratkartoffeln und Speckbohnen und ein Bier dazu. Kein Dienst, dann gab es Bier oder Wein zum Essen. Ich sollte mich heute noch gewaltig irren. Ich wartete auf mein Essen und beobachtete die Straße, ob mir doch nicht etwas Merkwürdiges auffiel. Das tat es nicht. Also widmete ich mich meinem Bier und dann auch genüsslich meiner Scholle. Nach dem guten Essen genehmigte ich mir noch ein kleines Bier und fing an, über alles Geschehene von heute Morgen bis jetzt nachzudenken. Was sollte diese neue Behörde? Warum war der BND beteiligt? Gab es noch mehr Behörden, die im Trüben fischten? Warum sollte ich den Laden leiten? Wie viele Leute waren eingeweiht und arbeiteten mit mir? Und dann wurde ich sentimental und wünschte mir einen Menschen an meiner Seite, der mich liebte, der meine freie Zeit verschönerte und dem ich auch so manches Geheimnis anvertrauen konnte. Finden würde ich den bestimmt nicht in St. Pauli oder in St. Georg in den bestimmten Lokalen, in denen sich nur Männer herumtrieben. Außerdem sollte ich vorsichtig sein, ich wusste noch nicht, was so auf mich zukam. Doch das sollte sich bald ändern.
Ich ging von der U-Bahn-Haltestelle über die Fußgängerbrücke zu den Landungsbrücken, um die Atmosphäre des Hafens auf mich wirken zu lassen. Zu lange hatte ich den Blick auf das Musicaltheater vermisst. An den Anlegern entlang zu schlendern, an den einzelnen Schiffen, Barkassen und Geschäften vorbei Richtung Fischmarkt und weiter Richtung Altona zum Kreuzfahrtanleger. Es sollte eine AIDA im Hafen liegen. Dabei fiel mir ein, dass ich am Sonntagmorgen den Fischmarkt auch noch nicht gesehen hatte. Also ein weiterer Punkt, den ich noch erledigen musste. Am Kreuzfahrtanleger lag die AIDA STELLA. Stolz betraten die Passagiere den Dampfer. Alles war friedlich, bis auf eine Stewardess, die aufgeregt gackernd durch die Gegend lief und jeden, der auf das Schiff wollte, nach irgendwelchen Unterlagen fragte und immer nervöser wurde. Ich drehte mich um und fühlte, dass mich irgendjemand beobachtete. Ich erinnerte mich, dass es auf der Reeperbahn eine kleine Bar gab, in der es sehr gute Cocktails gab. Wie von alleine lenkten mich meine Beine zu dieser Bar. Ich fand einen Platz, von dem aus ich den Eingang und den großen Flachbildschirm an der Wand beobachten konnte. Mein Gin Tonic war gut und lief wie Öl runter. Die Natur forderte ihr Recht und ich ging Richtung Toilette. Und da war wieder das Gefühl der Augen, die an mir klebten. Als ich wieder die Bar betrat, saß an meinem Tisch ein Mann, etwa 40,
glatt rasiert, keine Haare, Muskeln waren auch da, Also ein Durchschnittstyp so wie du und ich.
Er grüßte: „Hallo.“ „Hallo.“ Auf mehr hatte ich eigentlich keine Lust.
„Sind Sie Tourist?“, fragte mein Gegenüber. „Ja.“ Das sollte als Antwort reichen. Ich bestellte mir noch einen Gin Tonic und war der Meinung, der Abend wird noch schön. Ich schloss die Augen, lehnte mich zurück, lauschte der Musik, Maroon 5, Daylight, und sinnierte über den Begriff Longdrink. Warum hieß das Longdrink? Ich war immer schnell damit fertig. Langsam öffnete ich die Augen, in der Hoffnung, der Kerl wäre verschwunden. Da saß er immer noch und grinste mich an. Jetzt sah er noch dümmer aus als vorher. „Heute angereist? Müde? Ja, in Hamburg ist die Nacht nicht zum Schlafen da.“ War das ein Charmebolzen. Wenn das so weiterging, würde ich ihn erschießen. Da fiel mir ein, ich hatte ja noch gar keine Knarre. Na gut, würde ich eben bis morgen warten.
„Ja, schlafen kann man auch tagsüber“, sagte ich. „Oh, schon 22.00 Uhr. Ich werde dann mal. Hab noch einen weiten Weg vor mir. Gute Nacht und noch viel Spaß“, sagte ich und dachte, bezahlen kann ich an der Bar. „Keine Angst, die Katzen sind noch in Berlin und denen geht es gut.“ Mir lief es kalt den Rücken herunter. Was wollte der Knabe und was wusste er? Wir waren doch nur fünf Personen, die von meiner Anwesenheit wussten. Ich setzte mich, legte meine Hand in seinen Schritt und flüsterte: „Wenn du hier mit deinen Eiern raus willst, wirst du mir schnell erzählen, was du willst.“ Bei dem Satz hatte ich dann schon fester zugegriffen, damit ja kein Missverständnis auftreten konnte.
„Keine Angst, ich bin aus Rostock und soll Ihnen ein kleines Spielzeug übergeben, mit dem Sie sich bestens auskennen. Man hat mich gewarnt. Sie seien etwas schreckhaft, aber so hatte ich das nicht erwartet“, stöhnte er leicht. „Kreuzfahrtenterminal?“„Ja.“ „Wann und wo?“ „Jetzt gleich, bei mir. Ich wohne nicht weit von hier. Ach, im Übrigen, ich bin Klaus Hansen und gehöre zu Ihrer Truppe.“ Er reichte mir seine Hand zum Gruß. Ich ließ von seinem Schritt ab und bemerkte, dass er aufatmete. „Ich bin Peters und das reicht. Woher wussten Sie, wer ich bin und wo ich mich aufhalte?“
„Wie Sie heute Morgen überzeugt wurden, hat man mich gestern in Rostock weichgekocht.“
„Auch Dreck am Stecken? Mir hält man die Sache mit dem Wagen und der Pistole vom Innenministerium noch vor.“
„Ja, eine verschwundene Leiche. Bis gestern nie wieder aufgetaucht. Ach – ich habe schon von Ihren eigenartigen Methoden und von Ihrer etwas lockeren Art gehört.“ „Wie viele wissen noch von uns?“ „Wir beide, Henning und Wachsmann, Behrend und die beiden Chefs, die beiden Minister und der Kanzler, das war es.“ „Na gut“, dachte ich, „die werden wohl nichts ausplappern. Hoffe ich. Doch wenn die Politiker wiedergewählt werden wollen und wir doch Erfolg haben sollten, dann?…“ Bei dem Gedanken, dass die uns der Öffentlichkeit preisgeben, wurde mir schlecht.
„Lase mich raten, die Leiche in Winterhude ist deine? Und wir sind keine Terrortruppe, sondern so etwas wie eine Notfalltruppe, wenn andere nicht weiter wissen. Wir sind der Müllhaufen der Nation. Wir sollen das regeln, was andere versaut haben. Und?…“, ich machte eine kurze Pause, „so wird man unliebsame Leute los. Also ein Pool für nicht linientreue Mitarbeiter.“ „So in etwa kann man das auch ausdrücken“, sagte Hansen.

Wir bezahlten, gingen dann zum Wagen von Hansen und fuhren nach Eppendorf, zu ihm in die Wohnung.
„Wie kommt es, das du schon eine Bude hast und ich noch bis Freitag warten muss?“ Er ging über meine Frage hinweg und gab mir mein neues Spielzeug, eine 9-mm-Makarow. „Wie damals bei der Armee“, war sein Kommentar. „Wie kann es sein, dass du mehr über mich weißt als ich über dich?“
„Bei der NVA drei Jahre, ausgebildet als MS, dann Panzer, offiziell. Inoffiziell gab es noch das Codewort ,Drushba‘ und eine Truppe, die nur dem Minister direkt unterstellt war. Ledig, 38, zwei Katzen und vergnüge mich mit Männern. Peters machte eine Pause …?und selber? Warum weiß ich nichts von euch?“
„40, ledig, lese gerne, keine Bindung, mag die Trennungen nicht. Gehe dann lieber in die Disco und sauf mir eine schön, dann am nächsten Morgen noch einen Kaffee und dann aus den Augen, aus dem Sinn.“
Ich sah auf die Uhr und sagte, dass ich los wollte nach Hause, um noch eine Mütze voll Schlaf zu nehmen, 23.30 Uhr war schon spät genug. „Hier sind die Schlüssel für den kleinen Wilden da unten. Hole mich morgen ab, so um 09.00 Uhr. Mit Henning treffen wir uns so um elf. Das sollte reichen.“ „Danke.“ Ich fuhr ins Hotel, legte mich ins Bett und schlief gleich ein.
Um 07.30 Uhr wurde ich durch mein Handy geweckt , Anruf unbekannt. „Ich muss mein Handy umtauschen“, dachte ich so bei mir. „Diese unerwünschten Anrufe kann ich jetzt gar nicht gebrauchen, nachdem ich hier so im Trüben fischen muss, sollte ich mich konzentrieren. Die Sache ist heiß ohne Ende, da kann ich mir die Finger verbrennen.“ Henning würde mir heute noch einiges erklären müssen oder ich probiere gleich mal aus, ob ich noch mit der Makarow schießen kann.
Frühstück im Hotel und dann zu Hansen nach Eppendorf. Der Verkehr in Hamburg – kurz gesagt, ein Graus. Aber bis zehn nach neun hätte ich das auch geschafft, wenn, ja, wenn nicht die Barmbeckerstraße gesperrt gewesen wäre. Was ich nicht wusste, die Sperrung hatte mit unserer verschwundenen Leiche mit dem Loch im Kopf zu tun.
Bei Hansen im Haus war es etwas merkwürdig. Die Tür zu seiner Wohnung war nur angelehnt und nicht verschlossen. Ich klopfte und rief nach Hansen. Der Schuss ging neben mir in die Wand und bei ihm in die linke Herzhälfte. Ich konnte es noch. Wer war das und wo war Hansen? Nicht im Bad, nicht in der Küche und auch nicht unterm Bett. Kaum hatte ich mich an das dumme Gesicht von Hansen gewöhnt, war der auch schon wieder verschwunden. Was würde Henning sagen zu meiner morgendlichen Schießübung und zu dem verschwundenen Mitarbeiter? Zu weiteren Überlegungen kam ich nicht. Ich hörte jemanden die Treppen hochkommen und sich der Tür nähern. Die Tür ging auf und ich sah eine Waffe. Es gab ein kurzes Handgemenge und dann lag ich auf Hansen und hielt ihm meine Waffe an den Kopf. „Die Brötchen sind jetzt breit, hast du Kaffee gemacht? Schatz?“
„Nein. Komm hoch, wenn uns jemand so liegen sieht. Ich hatte heute Lust auf Schießübungen. Voll auf die Zwölf. Er liegt da drüben. Oder war das dein Gast?“ „Nein, ich lade keinen ein. Ich beschmutze immer andere Nester.“
„Gut. Lass uns Kaffee trinken und noch was essen. Das wird noch ein langer Tag. Wir müssen auch noch zu Henning. Da brauch ich gute Nerven heute. Was ist in der Barmecker denn los?“, fragte ich und stellte Tisch und Stühle in der Essecke wieder hin. Hansen machte Kaffee, brachte den Rest der Brötchen und Butter, Wurst und Marmelade. „…?und was machen wir mit dem?“ Er deutete mit dem Messer auf unseren leblosen Freund. „Ich glaube, der braucht keinen Kaffee mehr. Kennst du die Fresse?“ Hansen stand auf, ging herüber zu seinem Besuch und guckte sich den Mann näher an. „Nicht, dass ich wüsste.“ Er biss genüsslich vom Brötchen ab und kaute ebenso genussvoll. Er nahm das Brötchen zwischen die Zähne und durchsuchte den Toten nach Papieren. Mit vollem Mund fragte er: „Was machen Russen in meiner Wohnung und dann auch noch leblos? Das sagt jedenfalls sein Ausweis.“ „Keine Ahnung“, sagte ich. „Aber Henning soll uns mal erklären, warum so viele jetzt schon von uns wissen und hinter uns her sind. Der soll das Loch suchen und stopfen. Nimm die Papiere mit und lass und zum Treff fahren.“ Hansen schloss die Tür und brachte eine unsichtbare Sicherung an. „Unser Freund wird schon nicht davonlaufen. Den müssen wir nachher noch aufräumen“, sagte ich, stieg ins Auto und ließ Hansen fahren. In Wedel am Willkommens Höft angekommen, trafen wir Henning im Restaurant.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 196
ISBN: 978-3-99038-508-1
Erscheinungsdatum: 21.08.2014
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Krampus & Nikolo