SOKO Hamburg Hafen II

SOKO Hamburg Hafen II

Wolfgang Salzmann


EUR 16,90
EUR 10,99

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 226
ISBN: 978-3-95840-012-2
Erscheinungsdatum: 11.09.2015
Kommissar Peters ist nach einem Krankenhausaufenthalt vorerst nicht voll einsatzfähig. Zusätzlich wird seinem Team die Arbeit durch die Finanzbehörden erschwert. Während den Ermittlungen zu verschwundenen Jugendlichen kommt die Frage auf, ob ein Polizist in die Sache verwickelt ist.
1

Peters lag im Krankenhaus, allein im Zimmer. Vor der Tür stand noch ein Polizist, der ihn bewacht. Für alle Fälle, so hatte der Staatsanwalt gesagt. Inzwischen waren alle gegangen. Rainer hatte es am längsten ausgehalten. Er war bis abends um acht geblieben. Seine Leute waren alle da gewesen. Drewsen hatte sogar Torte, Kuchen und Kaffee mitgebracht. Die Voß hatte ihren Küchenschrank ausgeräumt, um alle mit Tellern und Tassen zu versorgen. Peters bekam feuchte Augen und suchte in seinem Nachtschrank nach einem Taschentuch, um sich die Augen zu trocknen. Es wurde langsam dunkel und er ließ langsam die letzten Tage und Wochen Revue passieren. Was hatte er mit seinen Leuten erreicht? Köppen, der Mörder der Eltern von Dr. Gönner, war gefunden und verhaftet worden. Dass der noch mehr Dreck am Stecken hatte und sich bis jetzt immer so rausreden konnte, wunderte ihn schon. Dann war da noch die Gruppe Drushba, sein Hauptproblem. Kurz gesagt – erledigt. Der Hafengeburtstag kann stattfinden, dachte er. Bis dahin werde ich hoffentlich raus sein aus dem Krankenhaus und kann mich an dem Schlepperballett erfreuen. Bestimmt wird wieder ein Kreuzfahrer getauft. Fisch essen, Bier trinken und feiern…
Feiern? Mit wem? Peters fing an, über sein Leben nachzudenken. Er war schon wieder dem Tod von der Schippe gesprungen, das dritte Mal. Nein, eigentlich schon das vierte Mal. Einmal in Hamburg, einmal in Berlin und dann zwei Mal im letzten Fall. Vier Schutzengel verbraucht. Einen mehr, als man allgemein annimmt. Man sagt. Jeder sollte ja nur drei Schutzengel haben. Da meint es aber einer gut mit mir, sehr gut – ging es ihm durch den Kopf. Ich muss unbedingt mit Behrend reden. Könnte ich mir einen ruhigeren Job vorstellen? Er schüttelte den Kopf, nein, meine Leute werde ich jetzt nicht im Stich lassen. Die haben gleich beim ersten Einsatz in der neuen Truppe bewiesen, wie gut alle zusammenhalten und dass sich jeder auf den anderen verlassen kann. Das ganze Grübeln machte ihn müde und ihm fielen langsam die Augen zu.
Im Traum sah er seinen ersten Lebensgefährten. Der stand auf einer grünen Wiese, winkte ihm zu und rief nur immer: „Geh zurück und du wirst die wahre Liebe finden! Vergiss mich aber nicht.“ „Warum soll ich zurück und warum soll ich dich nicht vergessen? Du bist meine Liebe!“, rief Peters. Die Sache hatte nur einen Haken, sein ehemaliger Lebensgefährte war schon seit fünf Jahren tot. Er drehte sich um und sah Kolja. Kolja kam auf ihn zu, nahm ihn in den Arm, gab ihm einen Kuss und sagte: „Das ist der Kuss des Todes.“ Dann stieß er ihm ein Messer zwischen die Rippen. Er ließ Peters fallen und begann, laut und hämisch zu lachen. Peters fiel ins Bodenlose und wollte sich an allen möglichen Gegenständen, die ihm entgegenkamen, festhalten. Es ging nicht, er rutschte immer wieder ab und fiel immer tiefer. Wie aus dem Nichts tauchte eine Hand auf und hielt ihn am Arm fest. Unter ihm tat sich der Boden auf und ein helles, warmes, weißes Licht strahlte ihn an. Peters drehte sich um und wollte sehen, wer ihn da festhielt, aber der Arm verschwand in einer dunklen Wand. Peters wurde schwarz vor Augen …
„Hallo, Herr Peters. Können Sie mich hören?“ Eine Stimme rief ihn immer wieder. Er machte ganz langsam die Augen auf und sah in ein helles, unangenehm weißes Licht. Sofort schloss er die Augen wieder. Welcher Trottel leuchtet mir da in die Augen? Langsam machte er die Augen wieder auf und sah eine Menge Leute an seinem Bett stehen, alle sahen sehr besorgt aus. Er schaute in die Runde, erblickte viele Geräte und wollte schon fragen, was denn los sei. Da sagte der Arzt: „Na, wieder unter den Lebenden? Hier wird nicht gestorben. Sie liegen auf der Intensivstation und wurden an der Milz operiert. Vor zwei Tagen verschlechterte sich in der Nacht ihr Zustand und wir mussten einen Milzriss, den Sie sich bei ihrem letzten Einsatz zugezogen hatten, operieren. Die Schwester machte abends ihren Rundgang und Sie lagen völlig verschwitzt und apathisch im Bett. Eine sofortige Untersuchung hat ergeben, dass Sie einen Milzriss haben, der sofort operiert werden musste. Der Riss war bei der ersten Untersuchung morgens nicht gesehen worden. Sagen wir mal so, es war fünf vor zwölf. Sie werden sich noch ein wenig schwach fühlen, aber in einer Woche sollte es Ihnen wieder gut gehen und wir können uns über die Entlassung unterhalten. Angehörige, die wir benachrichtigen sollten? Gibt es die?“ Peters schüttelte den Kopf. Seine Eltern wollte er nicht unbedingt erschrecken. Die machten sich so schon zu viele Sorgen, seit er bei der Polizei war. Das würde er später beichten. „Was ist mit dem jungen Mann, der seit zwei Tagen hier vor der Intensivstation schläft und immer nur für zwei Stunden morgens und abends verschwunden ist?“ Rainer, dachte Peters. Oh Gott, der musste ja Ängste ausgestanden haben. „Rainer Dreger? Der kann zu mir. Ich hab da aber mal eine Frage. Warum habe ich zwei Tage lang geschlafen?“
„Wir hielten es für besser, Sie zwei Tage ruhigzustellen, um die Heilung nicht zu gefährden. Und hier auf der Intensivstation hatten wir Sie besser unter Kontrolle. Im Übrigen, der junge Mann vor der Tür sagte irgendwas von, er drehe uns den Hals um, wenn Sie hier nicht lebend rauskämen. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ruft auch am Tag des Öfteren an. Entweder Sie haben ordentlich was auf dem Kerbholz oder Sie sind einigen Leuten sehr wichtig. Vor der Intensivstation wacht auch immer noch ein Polizist.“
„Seien Sie froh, dass der junge Mann vor der Intensivstation eben nicht mitbekommen hat, was Sie gesagt haben. Ihr zartes Gesicht bräuchte dann heute auch eine Notoperation. Jetzt lassen Sie ihn bitte rein. Ich brauch Abwechslung und … ich habe Hunger. Etwas zu essen wäre jetzt auch angebracht.“ Es dauerte nicht lange und eine Schwester stand am Bett. Sie brachte ein Tablett mit einer Kraftbrühe mit Gemüsestreifen und zwei Scheiben Toastbrot. „Halt“, rief Peters, „erst finden Sie den Milzriss nicht und jetzt wollen Sie mich auch noch verhungern lassen!“
„Herr Peters, Sie haben zwei Tage nichts zu essen gehabt. Ihr Magen muss sich erst wieder langsam an feste Nahrung gewöhnen. Morgen gibt es schon was anderes zu essen. Heute Abend gibt es noch mal eine Brühe mit Suppennudeln, und wenn alles drin bleibt, gibt es morgen früh schon mal feste Nahrung.“ „Die Schnüre, Kabel und Schläuche sind auch irgendwie störend …“ Die Schwester unterbrach Peters: „… jetzt ist aber gut. Essen Sie bitte und die Kabel bleiben dran, bis der Arzt was anderes entscheidet. Ich hole jetzt den jungen Mann von draußen.“ So eine alte Hex, grollte Peters. Die braucht kein Auto, die braucht ’nen Besen, damit kommt die besser zurecht. Die Tür ging auf und Rainer stand im Rahmen. Ganz in Grün, sogar mit Haube. Mann, sah der doof aus. Wenn das Lachen nicht so wehgetan hätte, hätte Peters laut losgelacht. „Wie geht es dir? Mann, hatte ich eine Angst. Ich komme morgens hierher und du bist nicht mehr im Zimmer. Der Stationsarzt hat mir dann erzählt, was in der Nacht los war und dass man dich gleich operieren musste.“ „Ich hoffe, du hast hier keine Theater gemacht.“ Rainer schüttelte den Kopf. „Ich war ganz ruhig und habe das Krankenhaus nur zum Füttern der Katzen verlassen und zum Berichterstatten in Veddel.“
„Ich muss noch mindestens eine Woche hierbleiben. Ich bin noch müde und der Bauch tut weh. Lachen ist im Moment so ein Problem. Aber zum Hafengeburtstag bin ich draußen. Wie geht es den Katzen? Was machen unsere Leute in Veddel?“
Rainer fing an zu erzählen. „Die Katzen spielen und stellen die Wohnung auf den Kopf. Der dicke Kater frisst alles, was ihm vors Maul kommt. Beide schmusen und bestehen auf ihren Streicheleinheiten und ich habe den Kratzbaum aus der Wohnung von dir und Kolja geholt. Brauchst du auch noch ein paar Sachen? Soll ich dir was holen?“ Peters war eingeschlafen. Rainer Dreger sah auf den Monitor, sah ruhige Linien und war froh, dass sein Freund und Kollege schlief. Wenn ein langer Dauerton kam, dann war was faul, mehr wusste er auch nicht. Aber das sah gut aus. Er streichelte die Hand von Peters, legte eine Genesungskarte auf dessen Bett, ging ganz leise und beruhigt aus dem Zimmer und verließ die Klinik. Er wusste, für Peters war es besser, wenn er jetzt Ruhe hatte. Ich fahre heute Nachmittag noch mal her, jetzt aber ab ins Büro nach Veddel, dachte er bei sich und setzte sich in sein Auto. Im Büro wollten alle wissen, wie es Peters ginge und was man jetzt für ihn tun könne. „Im Moment kann man nichts tun. Wir müssen abwarten, wie schnell er sich erholt. An arbeiten ist in den nächsten Wochen bestimmt nicht zu denken.“
„So schlimm hat es Frank bis jetzt noch nie erwischt.“ Regina kannte Peters schon länger. „Aber wie ich ihn kenne, wird es ihn nicht davon abhalten, das nächste Mal doppelt so hart zuzuschlagen.“
„Kann ich euch helfen? Ich muss was tun. Ich gehe erst wieder heute Nachmittag ins Krankenhaus, um Frank zu besuchen. Er hat mich vorhin gefragt, wie es den Katzen geht und was ihr macht. Und als ich anfing zu erzählen, ist er eingeschlafen“, berichtete Rainer.
„Du machst ihn jetzt schon müde“, Hansen grinste, „was soll das bloß mal werden mit euch?“ Rainer wollte Hansen gerade an die Gurgel, als Knut Eichler ins Büro kam. Er umarmte Rainer. „Und – wie geht es ihm?“
„Gut. Er schläft und möchte zum Hafengeburtstag das Schlepperballett von einem Boot der Wasserschutzpolizei aus miterleben. Ich muss da mal mit seinem Freund von der Wasserschutzpolizei reden. Da könnt ihr mir helfen. Was macht ihr denn jetzt eigentlich ohne Frank und welche Aufgaben haben wir bekommen? Was wird aus Frank?“
„Gut, dass du da bist. Heute Nachmittag bekommen wir Besuch aus Berlin zur weiteren Besprechung und zur Neuordnung der SOKO Hamburg Hafen.“ Rainer sah Knut Eichler an. „Behrend?“
„Ja.“
„Was will die blasse Qualle denn hier?“, fragte Rainer.
„Die blasse Qualle ist zuständig für diese Sondereinheit.“ Dr. Gönner stand in der Tür. „Ich werde im Übrigen für alle Fälle ihr zuständiger Staatsanwalt bleiben.“
„Das freut uns aber ungemein.“ Hansen machte mit der Hand eine Andeutung, die heißen sollte, der kann uns mal und wir machen doch, was wir wollen.

Peters wachte auf und war allein im Zimmer. Immer noch verkabelt. Er sah die Karte, die auf seinem Bett lag. Wer war denn noch da gewesen? Peters klappte die Karte auf und konnte seinen Tränen nicht zurückhalten: Wir wünschen gute Besserung, als Unterschrift Rainer und die beiden Muschis und die Abbildung zweier Pfoten. Die Schwester kam und erlöste ihn von den Kabeln. „Sie werden dann jetzt wieder auf Ihr Zimmer verlegt. Die Karte können Sie mir geben.“ Peters schüttelte den Kopf und hielt die Karte fest. Keiner hat für mich jemals so viel getan, dachte er. Auf dem Zimmer angekommen, schlief er gleich wieder ein …




2

Es waren doch zwei Wochen Klinik geworden. Peters fühlte sich sehr gut. Der Arzt hatte ihm Hoffnung gemacht. Wenn alles gut gehe und gut verheilt sei, könne er heute nach Hause. Rainer war jeden Tag da gewesen, mindestens vier Stunden lang hatte er ihm die Langeweile vertrieben. Dann waren auch seine Leute von der SOKO ab und an vorbeigekommen und er hatte sich gut erholt. Die körperlichen Wunden waren alle verheilt. Er solle nur noch etwas langsam machen, dann könne er nach zwei weiteren Wochen zu Hause wieder richtig loslegen. Zu Hause? Wo war das? Hansen hatte jetzt eine eigene Wohnung und seine freigemacht. Zu Rainer könnte er auch ziehen. Seine Katzen waren schon da, fühlten sich wohl und hatten sich schon gut an Rainer gewöhnt. Was störte ihn an diesem Gedanken? Da waren sie wieder, die seelischen Wunden. Konnte und wollte er jetzt schon wieder Liebe geben? Zwei tote Freunde waren zu beklagen. Kolja hatte ihn nur benutzt und hätte ihn, ohne mit der Wimper zu zucken, erschossen. Dass es nicht so weit kam, hatte er Rainer zu verdanken. Er mochte Rainer, konnte sich auch ein Leben mit ihm vorstellen. Rainer war ruhig, manchmal impulsiv, manchmal etwas aus dem Rahmen gefallen – eben nicht langweilig. Das gefiel ihm. Aber da war auch noch was anderes. Mit Rainer zusammenarbeiten, Peters als Chef und Rainer … Dann zu Hause Diskussionen? Peters dachte bei sich: Ich muss unbedingt mit Regina reden. Wenn das nicht hilft, dann auch noch mit meinem Freund bei den Wasserflöhen. Jetzt musste er grinsen, sein Freund mochte es nicht, wenn man zur Wasserschutzpolizei Wasserflöhe sagte. Na ja, was soll es, so bin ich halt und ich werde mich nicht ändern. Er schaute auf die Uhr, es war zehn durch und der Arzt noch nicht da. Er stand vom Bett auf, ging langsam Richtung Fenster und sah nach draußen. Das Wetter war schön. Wenn ich jetzt entlassen werde, kann ich heute noch am Elbestrand spazieren gehen, nahm er sich vor. Rainer würde dabei sein und nicht einen Schritt von ihm weichen. Der hatte Angst, dass ihm was zustoßen könnte. Es hatte sich schon lange keiner mehr Sorgen um ihn gemacht. Außer Regina und Gönner. Die Karte von Rainer trug er immer bei sich. Auch jetzt suchte seine Hand in der Hosentasche danach. Als seine Finger das Papier berührten, hatte er Tränen in den Augen. Was soll ich tun, schoss es ihm durch den Kopf. Er wusste es nicht und hatte beim Grübeln gar nicht gemerkt, dass der Arzt im Zimmer stand. „Alles in Ordnung, Herr Peters?“ Dieser nickte. „Für die seelischen Schmerzen haben Sie auch nur keine Tabletten, Pülverchen oder Wässerchen. Da muss ich jetzt allein mit mir ins Reine kommen. Die Arbeit und die Kollegen werden das Geringste sein. Aber …“ Er ließ offen, was er meinte.
„Der junge Mann?“ Der Arzt hatte sich zwischenzeitlich auf das Bett gesetzt. Peters blieb am Fenster stehen und nickte. „Ich kann Ihnen nur bei körperlichen Schmerzen helfen. Für das Seelenheil gibt es leider noch keine Medizin und …“, er machte eine Pause, „die Liebe geht so oder so manchmal eigene Wege. Das hat nichts mit rationalem Denken zu tun. Aber ich denke, Ihr Herz wird Ihnen schon den richtigen Weg zeigen und …“, sein Piepser ging. Er schaut darauf. „Ich muss leider wieder. Hier sind die Papiere. Noch zwei Wochen schön zu Hause bleiben und nicht wieder über die Stränge schlagen. Ich wünsche Ihnen alles Gute und hoffe, Sie nicht noch mal hier zu sehen.“ Er gab Peters die Hand. „Das andere wird auch. Glauben Sie mir.“ Der Arzt ging und Peters wartete auf Rainer, der ihn abholen sollte. Er drehte sich wiederum, schaute aus dem Fenster und fing an zu träumen. Rainer stand auf einmal hinter ihm, legte die Hand auf seine Schulter und sagt: „Komm, lass uns nach Hause fahren. Es warten da schon zwei auf dich.“ Peters fand es angenehm, die Wärme von Rainer zu spüren. Er drehte sich um, eine Hand in der Hosentasche und immer die Karte fest haltend: „Ja, lass uns zu dir fahren. Ich kann es nicht ertragen, jetzt allein zu sein. Ich hoffe, du hast den Kater nicht zu fett gefüttert.“
„Nein, nein, aber er hat immer noch seine sieben Kilo. Und betteln kann der! Da muss man aufpassen, dass man nicht weich wird.“ Peters wollte die Tasche nehmen, aber Rainer ließ das nicht zu. „Die nehme ich. Komm, hak dich ein.“ Peters hakte sich bei Rainer ein und so gingen sie bis zum Auto. Ersterer war wieder in Gedanken versunken. Er wusste immer noch nicht, wie es weitergehen sollte. Ausnutzen wollte er Rainer nicht – und Liebe geben? Konnte er jetzt schon alles vergessen? Zwei Mal Hamburg und beide Male hatte sich Peters in seinem Partner getäuscht. Jetzt wieder Hamburg. Er war ja süß und besorgt und … „Wir sind am Auto, möchtest du mich jetzt loslassen und einsteigen? Oder möchtest du noch ein paar Löcher in die Luft starren?“ Peters hatte nichts mitbekommen. Er hatte sich richtig an Rainer geklammert, obwohl er auch ohne eine Stütze gut gehen konnte. Was machte da sein Unterbewusstsein mit ihm? Er hatte auch im Bauch so ein komisches Gefühl. Das kommt bestimmt vom Hunger, den ich habe, dachte sich Peters. „Können wir erst einmal nach Veddel fahren? Ich möchte mich bei den Kollegen zurückmelden.“
„Aber gearbeitet wird noch nicht. Du sollst dich erholen. Am Wochenende hast du ja noch Großes vor. Denke an das Schlepperballett.“
„Was hast du organisiert?“
„Nichts“, Rainer lachte, „du wolltest doch immer schon zum Hafengeburtstag. Jetzt kannst du dorthin. Ich komme mit. Nur zum Aufpassen, damit dir nichts passiert.“ Peters nickte und dachte: Ich muss mit Regina reden und mir einen Rat holen. So eine beste Freundin zu haben, ist doch was, oder ich spreche mit meinem Freund von der Wasserschutzpolizei. Mit Gönner kann ich über so was nicht reden. Der ist zu rational. Liebe hat nichts mit Rationalität zu tun. Zwischenzeitlich waren beide in Veddel vor dem Büro angekommen. Peters stieg aus, hakte sich wieder bei Rainer ein und beide gingen langsam die fünf Stufen zum Büro hoch. Das Büro war leer, aber frischer Kaffee war gemacht. Wo waren die alle? Peters setzte sich auf seinen Stuhl und begutachtete die Unterlagen auf seinem Schreibtisch. Rainer nahm in der Besucherecke Platz. „Du sollst aber nicht arbeiten!“
„Ich schau doch nur.“ Peters nahm einen Zettel und las etwas von Cyberdiebstahl. Und was hat das mit den Drogen Richtung Südeuropa zu tun? fragte er sich.
„Bekomme ich einen Kaffee? Der sieht frisch aus. Und wo sind die anderen alle?“ Rainer zuckte die Schultern. „Weiß nicht, soll ich nach ihnen suchen?“ Er stellte den Kaffee vor Peters auf den Tisch. Dieser schüttelte den Kopf. Die Tür ging auf und die Voß und Dr. Gönner kamen rein. Beide blieben wie versteinert stehen, als sie Peters sahen. „Hat der Arzt dich schon gesundgeschrieben?“, wollte die Voß wissen. Rainer wartete darauf, was Peters antworten würde.
„Nö. Ich wollte euch alle mal sehen. Ihr habt mir gefehlt.“ Typisch Peters, dachte Rainer. „Was machst du jetzt und hier? Solltest du nicht bei Rainer sein und dich erholen?“, fragte Regina. „Das sollte ich. Rainer wollte mir unbedingt das Büro zeigen.“ Peters haute Rainer voll in die Pfanne und der bekam einen roten Kopf. Dr. Gönner meinte nur: „Ich kenne dich. Du brauchst den Jungen nicht in deine Lügen mit reinziehen.“ Die Tür ging auf und die drei Kellerkinder Carstens, Fischer und Bastorf kamen ins Büro und wollten Kaffee trinken. „Was will der hier? Den Kaffee haben wir gekocht.“ Fischer tat etwas angesäuert. „Dann mach einen neuen“, mehr hatte Peters nicht dazu zu sagen. Fischer nahm sich den letzten Kaffee aus der Kanne und suchte nach der Flache Weinbrand. „Suchst du die hier?“, fragte Peters. Fischer nahm die Flasche und goss sich einen Schluck in den Kaffee. „Ab und an brauche ich das.“ Das Telefon auf Peters Schreibtisch klingelte und dieser meldete sich. Doch es machte klack in der Leitung. Er dachte nur, die Nummer kennst du doch, und machte sich weiter keine Gedanken über den Anruf. Jetzt klingelte das Handy von der Voß. Peters stützte seinen Kopf auf beide Hände „Möchtest du nicht rangehen?“ Sie nahm das Gespräch an und sagte immer nur Ja, Nein oder „Jetzt nicht“. Was haben die schon wieder ausgeheckt? Das muss ich unbedingt rausbekommen, dachte sich Peters. „Regina, kannst du mich heute bei Rainer besuchen? Ich bin für die nächste Zeit dort. Auf alle Fälle, bis ich wieder voll gesund bin.“ Sie nickte nur mit dem Kopf. „Heute so gegen fünfzehn Uhr.“ Er stand auf nahm den Arm von Rainer. „Komm, wir fahren zu dir nach Hause.“ Er griff sich den Laptop vom Tisch. „Den nehme ich mit.“ Rainer und Peters gingen zum Auto und fuhren zu Rainers Wohnung. Beide Katzen kamen sofort zu Rainer, liefen um seine Beine und schnurrten dabei. Peters wurde ein bisschen eifersüchtig. Undankbare Viecher, dachte er.
„Ich habe dir das Bett im Gästezimmer gemacht. Du kannst dir aussuchen, wo du schlafen möchtest, im Gästezimmer oder bei mir.“
„Das ist mir im Moment egal. Hast du was zum Trinken da? Keinen Alkohol! Dann komm und setz dich zu mir.“ Rainer holte eine Flasche Selter und zwei Gläser und setzte sich zu Peters aufs Sofa. „Ich habe nicht ohne Grund den Laptop mitgenommen. Cyberdiebstahl? Wie gut kennst du dich damit aus?“ „Gar nicht. Du sollst doch nicht arbeiten.“
„Mache ich auch nicht. Du arbeitest.“
test
5 Sterne
Warum fehlt hier der dritte Teil? - 11.10.2016
Dr. Karl Schmiegel

Teil I und II erschienen im Novumverlag. Warum Teil III in einem anderen Verlag? Teil III ist genau so fesselnd und beschreibt die Arbeit der Soko bei der Aufklärung eines Mordes an einen Flüchtling in einer der Aufnahmeeinrichtungen. Teil III in gewohnter Schreibweise des Autor. Das aktuelle Leben da stellend, die Liebe und die Arbeit in Der SOKO kommen hier nicht zu kurz. Warum hat der Novumverlag sich nicht um die Veröffentlichung bemüht? Der Autor hat das Thema geschickt bearbeitet. Er stellt brisante Fragen zum Umgang mit Minderheiten. Hat darum der Verlag auf eine Veröffentlichung verzichtet? Jedenfalls der dritte Roman ist wieder ein Hit geworden. Alle Achtung.

5 Sterne
Sozialkritik pur - 05.03.2016
Pacal Schleicher, Bremen

Das erste Kapitel in diesem Roman hat mich ein wenig geschockt. Wer erzählt am Anfang eines Roman eine vermeintliche Sterbeszene und hofft auf Akzeptanz durch den Leser? Jeder liest einen Roman aus unterschiedlichen Gesichtspunkten. Hier hat der Autor das Augenmerk auf zwei Jugendliche gelegt, die von der Familie verstoßen werden weil sich ihre sexuellen Selbstbestimmung bewusst geworden sind. Die Kommissare um Peters haben hier keine leichte Aufgabe. Ich kann mir Vorstellen, das die geschilderte Situation heute auch noch in der Gesellschaft zu finden ist. Für mich ein Roman der nicht in den hintersten Ecken der Läden liegen sollte, sondern in der ersten liegen sollte. Natürlich gibt es Liebe, Romantik und einen Schuss Humor. Ein sehr mutiges Werk. Für mich: beide Daumen hoch.

5 Sterne
Teamarbeit - 11.11.2015
Uwe Mackensen

Der Laden in St. Georg, in dem man zwar alles mögliche, aber eigentlich keinen spannenden Krimi erwartet, entwickelt sich langsam zu einem Geheimtip für eben diese. Auch der zweite Band der SOKO Hafen Hamburg von Wolfgang Salzmann fiel mir dort in die Hände. Kam der erste Band noch als action-geladene Oneman-Show daher, in der der Held zwar nicht die ganze Welt, aber doch immerhin Hamburg vor dem Untergang rettet, so wird es im zweiten doch ein wenig ruhiger, was allerdings der Spannung keinen Abbruch tut. Der Autor erzählt eine brisante Story um Menschenhandel, Sklaverei und Jugendprostitution, die vom Team der SOKO in teilweise gewagten Aktionen aufgeklärt wird. Auch die Liebe kommt wieder nicht zu kurz, allerdings diesmal eher platonisch. (Schade eigentlich! Aber man muß die Hoffnung ja nicht aufgeben, vielleicht beim nächsten Band.) insgesamt ein spannender Thriller! Ich freue mich schon auf weitere Fortsetzungen.

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