Schattenseiten eines Lichterbogens

Schattenseiten eines Lichterbogens

Ernst Vetter


EUR 14,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 150
ISBN: 978-3-99107-019-1
Erscheinungsdatum: 23.07.2020
Nach dem Tod seiner Ehefrau lernt Dr. Rudolph Bachmann die Journalistin Jessica kennen. Die beiden erleben eine tiefe Liebe, geprägt von gegenseitiger Wertschätzung. Doch das Glück findet ein jähes und gewaltsames Ende …
InterContinental Hotel Berlin

Einen Spaziergang vom Brandenburger Tor entfernt am Rande des Tiergartens, liegt das InterContinental Hotel, in dem Rechtsanwalt Dr. Rudolph Bachmann und seine Ehefrau Marianne mit Ernst Wiederhold, dem Geschäftsführer der internationalen Immobiliengesellschaft Möller und Hagen Comerzial, zum Mittagessen verabredet waren. Der Anlass dieses Treffens war der mögliche Ankauf eines Grundstückes auf Teneriffa, in dem Ort, Igueste de San Andres, den die Bachmanns seit vielen Jahren besuchten und den sie sich als persönlichen Rückzugsort ausgewählt hatten. Es sollte ihr Ort sein für das Erleben einer gemeinsamen schönen Lebenszeit. Zwischen Bachmann und dem Geschäftsführer Wiederhold bestand eine langjährige Freundschaft, die sie schon seit der gemeinsamen Schulzeit in Berlin verband. Wiederhold war ein erfahrener Vermarktungsexperte, Bachmann hatte sich mit der Gründung seiner Anwaltskanzlei zu einem renommierten Rechtsexperten in Berlin entwickelt, der seinem Freund auch privat so manchen juristischen Beistand geboten hatte. Das Ehepaar Bachmann traf sich mit Ernst Wiederhold in der Lobby des Hotels, gemeinsam gingen sie zum reservierten Mittagstisch in das Restaurant. Dort wurden sie mit sehr geschmackvollen regionalen A-la-carte-Gourmetgerichten überrascht, die ihnen in einer zuvorkommenden Art serviert wurden. Rudolph sagte zu seinem Gesprächspartner: „Ich freue mich sehr, lieber Ernst, dass wir diesen Ort für das für uns so wichtige Gespräch gewählt haben. Ist es nicht wunderbar, neben den vorzüglichen Speisen auch den Panoramablick von der
Siegessäule über Alexanderplatz bis zur Gedächtniskirche von diesem Hotel aus zu erleben?“ Er lächelte und sprach weiter: „Diese Kulisse bildet wirklich einen passenden Hintergrund für unser Treffen.“ „Das sehe ich genauso“, erwiderte Ernst, „zudem freue auch ich mich über unser Wiedersehen und die Möglichkeit, euch nun endlich das versprochene Teneriffa-Angebot zu unterbreiten, auf das ihr ja schon so lange gewartet habt. Don Pedro, ihr kennt ihn ja schon einige Jahre, hat nach Klärung einiger Besitzansprüche innerhalb der Familie zugestimmt, das Anwesen in Igueste zu verkaufen. Mir gegenüber erklärte er, dass er es euch gerne überlassen würde, wenn ihr seine Preisvorstellungen akzeptiert. Er wird zunächst keine weiteren Verhandlungen mit anderen Mitbewerbern führen. Lieber Rudolph, liebe Marianne, ihr kennt ja das Ferienhaus mit dem 800 Quadratmeter großen Grund und Boden. Ich kann zum Kauf dieses Filetstücks nur raten. Wenn ihr mit dem Erwerb einverstanden seid, werde ich die Formalitäten mit Don Pedro abwickeln und du, Rudolph, müsstest dann in den nächsten Tagen zu mir ins Büro zur Unterzeichnung des Kaufvertrages kommen.“ Die Bachmanns waren hoch erfreut über das Angebot. Sie bedankten sich bei ihrem Freund ganz herzlich und stießen auf den bevorstehenden Erwerb der Teneriffaimmobilie mit einem Glas Champagner an. Dann begannen die Plaudereien über alte Zeiten. Sie sprachen über ihre Jugendzeit im westlichen Teil der gespaltenen Stadt. Wiederhold sagte: „Was haben wir schon in jungen Jahren alles erlebt in unserer Heimatstadt mit seiner so bewegten Geschichte. Weißt du noch, wie wir am 9. November 1989 aktiv wurden? Wir eilten von unserem alten Treffpunkt am Sockel der Siegessäule ans Brandenburger Tor, wo die Mauer besonders breit und mächtig war. Aufgeregt liehen wir uns von einem der Mauerspechte, er hieß Gerhard und kam aus Ostberlin, das weiß ich noch genau, Hammer und Meißel. Während Gerhard mit dem Sortieren und Einsacken seiner zahlreichen Betonteile beschäftigt war, rückten wir dem ‚Eisernen Vorhang‘ zu Leibe und klopften mit all unserer Kraft abwechselnd Teile aus der Mauer heraus, wobei wir besonders darauf achteten, dass sie auch noch Spuren von Graffiti aufwiesen und nicht nur wie betongraue Zementklumpen aussahen. Regelmäßige Durchsagen der Westberliner Polizei – Unterlassen Sie sofort das Mauerklopfen – zeigten kaum eine Wirkung. Das Klopfen an der Mauer entwickelte sich zum Volkssport.“ Rudolph sagte: „Die besonders schönen Stücke liegen bei mir zu Hause im Bücherregal und die kleinen Stücke in einer Schachtel im Schrank.“ Ernst erwiderte: „Ja, auch ich habe diese Erinnerungstücke präsent. Ein buntes, etwa Zigarettenschachtel großes Exemplar, das von einer klaren Plexiglashülle geschützt wird, steht bei mir in der Immobilienfirma auf meinem Schreibtisch. Manche meiner Kunden betrachten das Gebilde und fragen mich oft nach dessen Bedeutung. Ich sage ihnen dann voller Stolz: Es ist ein Teil der von mir aus der Berliner Mauer, die mehr als 28 Jahre den Ost- und den Westteil Berlins voneinander getrennt hatte, herausgeklopftes Erinnerungsstück. Ich teilte dem Kunden dann noch mit, dass diese ‚negative Immobilie‘ im Juni 1990 endgültig abgerissen wurde.“ Rudolph erinnerte sich auch noch daran, wie sich damals ein schwunghafter Handel mit den Mauerbrocken entwickelte. Selbstverfasste Zertifikate beteuerten die Echtheit der Stücke. Böse Zungen behaupteten allerdings, aus den seit 1989 als Mauerstücke verkauften Betonteilen ließe sich eine Grenzmauer um die ganze wiedervereinigte Bundesrepublik bauen. Ernst berichtete noch, dass sie am Tag nach dem 9. 11. 89 wieder an ihrem Treffpunkt am Sockel der Siegessäule saßen und die brennende Schlagzeile Willy Brandts interpretieren: „Jetzt wird zusammenwachsen, was zusammengehört.“ Ernst sagte damals sehr nachdenklich: „Jetzt müssen wir erst einmal unsere Gefühle ordnen. Es kommt darauf an, die beiden Wörter– zusammen und wachsen – jeweils für sich zu betonen. Also nicht meinen, dass jetzt alles wie von selbst zusammenwachsen würde, sondern sich dessen bewusst sein, dass beide Seiten wachsen werden, sich entwickeln müssen, jede auf ihre eigene Weise. Endlich nicht mehr im getrennten Nebeneinander, sondern im Miteinander. Wie ist es heute mit dem, was da seit 30 Jahren gewachsen ist? Ist es zusammengewachsen?“, Rudolph erwiderte: „Die Frage im persönlichen Umgang, ist dieser aus dem Osten, jener aus dem Westen, stellt sich meiner Meinung nach auch heute noch. Die wechselseitigen Vorurteile reduzieren sich aber, je mehr man sich kennenlernt. Nur so ist das Überwinden von Fremdheit, Unverständnis Ängsten und Unsicherheit gegeben. In unserer Kanzlei gehen wir, egal aus welcher Himmelsrichtung der Mitarbeiter kommt, im Großen und Ganzen normal miteinander um.“ Rudolph führte das Gespräch weiter, indem er fragte: „Betrachten wir doch auch einmal, was aus unserer Hauptstadt geworden ist.“ „Ja“, sagte Ernst Wiederhold, „sie hat sich zu einer modernen Wirtschaftsmetropole entwickelt, die sich durch große unternehmerische Vielfalt auszeichnet. Die Chancen, die die wiedervereinigte Stadt allein in den 90er-Jahren der Wirtschaft eröffnet hat, wurden von den unterschiedlichsten Branchen genutzt. Vorhandene Unternehmen und Betriebe haben sich weiterentwickelt und expandiert, neue Unternehmen kamen dazu. Den Erfolg Berlins haben auch die neuen besonderen Rahmenbedingungen mit vielen gewerblich nutz- und entwickelbaren Freiflächen sowie mit günstigen Wohnungs- und Büromieten geschaffen, von denen auch wir beide mit unseren Unternehmen profitierten. Auch zu erwähnen ist die neue Hochschullandschaft mit ihrer breiten universitären und außeruniversitären Forschungslandschaft, die wie ein Magnet wirkte, um hochqualifizierte Fachkräfte anzuziehen.“ „Ja, lieber Ernst“, erwiderte Rudolph, „diese Entwicklungen waren für uns unvorstellbar.“ Marianne sagte: „Zu allem, was ihr so voller Stolz ausgesprochen habt, ist es auch eine große Freude, festzustellen, dass die einzigartigen Kulturangebote und die ausgeprägte attraktive Ausgehkultur, die sich auf internationaler Ebene entwickelte, das kreative Flair in unserer pulsierenden Stadt in besonderer Weise mitprägen. Berlin hat ja auch die Aufgabe, als deutsche Hauptstadt Schaufenster für dieses Land zu sein. Wir wollen das, was wir haben an Kultur und Veranstaltungen, mit möglichst vielen Menschen teilen. Dabei muss man in zunehmendem Maße darauf achten, dass die ansteigenden Besucherzahlen in unserer Stadt über einen gut organisierten und geregelten Tourismus geleitet werden. Städte wie Barcelona, Amsterdam, selbst Paris verkraften ihre ansteigenden Besucherzahlen nur mit großen Problemen. Wenn man in Paris im Louvre an die Mona Lisa nicht mehr rankommt, sondern aus der 24sten Reihe ein Foto machen muss, indem man das Handy hochhebt. Wollen wir das? Wir setzen dann doch lieber auf Klasse statt Masse.“ Rudolph sagte: „Neben diesen so positiven Entwicklungen in unserer Heimatstadt dürfen wir nicht vergessen, dass Berlin auch eine Hochburg krimineller Clans geworden ist. Fehlende Polizeikräfte, Übergriffe auf unbeteiligte Dritte an zentralen Orten und Ohnmachtsgefühle gegenüber kriminellen Clanstrukturen verunsichern die Menschen in unserer Stadt.“ „Was kann man denn dagegen unternehmen?“, fragte Ernst Wiederhold. Rudolph sagte: „Dem muss durch zusätzliche Polizeikräfte, einem Ausbau der Staatsanwaltschaften und mehr Strafrichter sowie effektiver präventiver und repressiver polizeilicher Maßnahmen begegnet werden. Wir brauchen mehr Videoüberwachungen an öffentlichen Plätzen. Geduldete Drogenkriminalität wie am Görlitzer Park ist nicht hinnehmbar. Wir wollen, dass sich die Bürgerinnen und Bürger sicher fühlen und auch nachts ohne Angst auf die Straßen gehen können.“

Nach einigen Stunden des Zusammenseins, in denen sie noch in lebhaften Gesprächen so manche gemeinsame Erlebnisse austauschten, verabschiedeten sich die Freunde. Rudolph fuhr zurück in die Kanzlei und Marianne spazierte in bester Laune zum Kudamm, um sich dort mit ihrer Freundin Beate im Café Kranzler zu treffen. Beide Freundinnen hatten in Berlin die Schauspielschule besucht. Sie liebten es, Theater zu spielen. Spielerisches Gestalten, Improvisieren und Nachempfinden, lösten Freude aus und berührten ihre Sinne. Es gab immer viel zu erzählen. Bei Kuchen und Kaffee sprachen sie über ein Stück, das im Renaissance-Theater in Berlin Charlottenburg gegeben wurde: „Männer, Männer, sie machen uns glücklich und elend. Ein Abend über die Frauen um Goethe mit ersonnenen Weiberworten“.



Rudolph und Hans Bachmann

Rudolph Bachmann wurde in Berlin geboren und wuchs zusammen mit seinem neun Jahre älteren Bruder Jürgen in einem Juristenhaushalt auf. Sein Vater arbeitete als Fachanwalt für Strafrecht im Landesjustizprüfungsamt Berlin. Die Familie lebte in einer Jugendstilvilla in Berlin-Zehlendorf, die Rudolphs Mutter von ihren Eltern geerbt hatte. Die Kinder wurden im geteilten Berlin groß. Rudolph ging nach dem Abitur zum Jurastudium nach Göttingen, während sein Bruder Jürgen, der in Frankfurt Maschinenbau studierte, später in einer Berliner Baufirma tätig war.
Seine Ehefrau Marianne hatte Rudolph schon als Kind kennengelernt, nach Schuleintritt, als er acht Jahre alt war. In sie verliebte er sich als 18-jähriger Mann. Die Liebe wurde erwidert, sie verlobten sich nach einem Jahr und noch während des Studiums heirateten die beiden. Dem Vater von Rudolph war diese Ehe gar nicht recht. Ihm missfiel an der Brautwahl seines Sohnes zweierlei: Sie war nicht vermögend und ihr waren nach einer ausgeprägten Unterleibsinfektion beide Eierstöcke entfernt worden. Eine Ehe mit ihr hätte Kinderlosigkeit zur Folge gehabt. Aber das Paar setzte sich über alle Bedenken in der Familie hinweg und führte eine glückliche Ehe. Rudolph war viele Jahre auf dem Gebiet des Strafrechts wissenschaftlich tätig und promovierte mit einem wirtschaftsstrafrechtlichen Thema. Viele Jahre war er wie sein Vater als Fachanwalt für Strafrecht im Landesjustizprüfungsamt Berlin tätig. Danach gründete er die Anwaltskanzlei und Wirtschaftsprüfergesellschaft in Berlin-Charlottenburg. Hans Bachmann, der Sohn von Rudolphs Bruder, wurde im Alter von 15 Jahren Vollwaise. Seine Eltern, die zu einer Studienreise nach Brasilien gereist waren, stürzten mit einem einmotorigen Propellerflugzeug über dem schwer zugänglichen Amazonasgebiet ab und verunglückten tödlich. Das Flugzeug meldete Probleme mit der Elektronik, bevor es vom Radarschirm verschwand. Rudolph Bachmann und seine Frau kümmerten sich sehr liebevoll um Hans und adoptierten ihn einige Jahre später. Nach dem Abitur studierte Hans an der Goethe Universität in Frankfurt am Main Jura. Er absolvierte ein Doppelstudium. Neben dem klassischen juristischen Examensstudium studierte er auch Wirtschaftswissenschaften. Hans war ein sehr fleißiger und zielstrebiger Student, der bereits nach vier Jahren das Jurastudium erfolgreich beendete und nach einer Referendarzeit beim Amtsgericht in Münster als Volljurist mit Spezialkenntnissen der Wirtschaft in die väterliche Kanzlei eintrat. Er freute sich über ein Einstiegsgehalt von über 90.000 Euro pro Jahr. Was ihm auch die Möglichkeit gab, jetzt finanziell bereit zu sein für die Gründung einer eigenen Familie. Seine Urlaube verbrachte Hans sehr oft in Kroatien, wo er Danika, die Lehrerin für deutsche und englische Sprache, kennenlernte. Zu Hause schwärmte er Marianne und Rudolph gegenüber immer wieder von seiner Freundin, er sagte: „Ihr müsst es mir glauben, die Kroatinnen sind die besten Frauen der Welt. Sie sind hübsch, charmant, klug und humorvoll.“ „Na, dann stell uns doch einmal deine Danika vor“, sagte Rudolph zu Hans, der sich darüber sehr freute und umgehend ein Treffen organisierte. Die kroatische Freundin von Hans war in ein Netzwerk kroatischer Frauen eingebunden, eine Plattform, die prominente kroatische Frauen in Kroatien und im Ausland verband. Es fanden im Rahmen dieses Netzwerkes regelmäßig Konferenzen mit Frauen aus Kroatien, Bosnien-Herzegowina, der Schweiz, USA und Australien statt. Die Hauptthemen drehten sich um die Position und den Einfluss von Frauen in der modernen Gesellschaft. Die Diskussionsrunden und Vorträge befassten sich mit Themen wie Unternehmertum von Frauen, Vernetzungspotenzial, Innovationen, Intuition und Weisheit der Frauen sowie Frauen ohne Grenzen. Sinn der Treffen sei es, so erläuterte Danika, Frauen aus Kroatien mit denen aus dem Ausland zu verbinden, zu vernetzen und neue Projekte zu entwickeln. Die Frauen im Ausland müssten in der kroatischen Gemeinschaft tätig sein und zur Förderung Kroatiens in der Welt beitragen. Danika sagte: „Die kroatischen Frauen sind sehr emanzipiert. Sehr oft sind sie die Führer in der Familie und treffen alle Entscheidungen. Sie streben Karriere an und stehen Männern im Berufsfeld in keiner Weise nach.“
Hans und Danika verliebten sich ineinander und heirateten schon bald darauf. „Meine Frau Danika ist ein Allroundtalent als Ehefrau, Hausfrau, immer mit viel Liebe, sie ist eine emanzipierte Weltfrau“, schwärmte Hans. Das junge Ehepaar zog in die Zehlendorfer Familienvilla und während Hans morgens zusammen mit seinem Vater in die Kanzlei nach Charlottenburg fuhr, begann Danika den Tag als Lehrerin am Gymnasium in Zehlendorf.



Anwaltskanzlei-Wirtschaftsprüfergesellschaft

Die Kanzlei von Rudolph Bachmann befand sich im gut situierten Westen Berlins in der Berliner City-West. Die Lage in der Kantstraße war sehr prominent. In den Anfängen war es schon mutig gewesen, hier eine Kanzlei zu eröffnen, sie war nach außen schneller gewachsen als ihre Organisation nach innen. Das hatte komplexe Folgen, mehrere Kündigungen im Bereich der Assistenz, schwer zu organisierende Folgen eines erheblichen Krankenstandes sowie eine überdurchschnittliche hohe Kündigungsrate ihrer neu eingestellten Anwälte von lediglich sechs bis acht Monaten. Eine erhebliche Unruhe unter den verbliebenen Anwälten und Assistenzen sorgte für Gefühle von innerem Wiederstand. Rudolph merkte sehr schnell, dass mit der Führung etwas nicht stimmte. Er recherchierte, bastelte an einem neuen Konzept, das er mit großem Engagement durchsetzte. Nach Zeiten großer Ängste und Sorgen lief endlich alles gut. Die Kanzlei, das war heute er. Ohne ihn lief nichts. Seine rechte Hand war sein Sohn Hans, der eigenständig, kreativ und engagiert arbeitete. Beide waren ausgewiesene Strafverteidiger, die Augenmaß für das Machbare besaßen. Sie betonten immer wieder: Es kam in Strafsachen nicht darauf an, eine den Laien beeindruckende Selbstdarstellung zu inszenieren, sondern einzig und allein auf den Erfolg für den Mandanten. Dieser sah sich nicht selten das erste Mal mit der Ausnahmesituation eines Strafverfahrens konfrontiert. Aus, ihrer Erfahrung wussten sie, wie damit umzugehen war. Sie begleiteten ihre Mandanten als ihre engagierten Verteidiger durch das gesamte Verfahren, von den ersten Ermittlungen bis zum Abschluss der Revision. Die Kanzlei beschäftigte 30 Mitarbeiter, darunter spezialisierte Rechtsanwälte und sehr versierte Rechtsfachwirtinnen, die mit ihren Tätigkeitsschwerpunkten ein breites Feld der anwaltlichen Beratung und Vertretung abdeckten. Kernkompetenzen der Kanzlei bezogen sich in erster Linie auf Strafprozessvertretungen und das Wirtschaftsrecht, daneben auch auf das Arbeitsrecht, Familienrecht, Arzt- und Medizinrecht, Datenschutz, Patentrecht und weitere Gebiete Die Kanzlei vertrat ihre Mandanten deutschlandweit vor allen Gerichten mit Ausnahme der Zivilsenate des BGH. Zum Führungsstab der Kanzlei gehörten auch vier sehr erfahrene Fachanwälte, die von Rudolph als Abteilungsleiter eingesetzt wurden.

Herr Rechtsanwalt Schlüter kannte alle Abläufe im Wirtschaftsleben. Vor seiner Tätigkeit in der Kanzlei arbeitete er in einem Handelsbetrieb. Sein Aufgabenbereich konzentrierte sich insbesondere auf Unterschlagungen, Korruption und Geldwäsche, Falschbilanzierung, Insolvenzverschleppung, unlauteren Wettbewerb. Unter diesen Aspekten vertrat er Unternehmen, die selbst Opfer von Wirtschaftsstraftaten geworden waren oder den Verdacht auf Rechtsverstöße in der eigenen Organisation hatten.

Herr Rechtsanwalt Wilken war ein sehr erfahrener Fachanwalt. Er beriet und vertrat Unternehmen der Privatwirtschaft und Organisationen des öffentlichen Sektors, hauptsächlich auf den Gebieten Patentrecht, Ordnungswidrigkeitenrecht und Criminal Compliance. Seine Arbeitsfelder waren Klageschriften, Klageerwiderungen, Nichtigkeitswiderklage, EU-Patentverletzungsverfahren. Er beherrschte mit seiner langjährigen Praxiserfahrung das Recht in mandatsorientierter Form.
Herr Rechtsanwalt Lange arbeitete früher in einer namhaften deutschen Bank und hatte Erfahrungen nicht nur im Finanzsektor, sondern auch im Steuerstrafrecht. Er gab grundlegende Einblicke in das Bankrecht, Tipps aus der Praxis für den Umgang mit Banken bei der Durchsetzung und Abwehr von Ansprüchen der Mandanten.
Frau Rechtsanwältin Schmidt komplettierte das Wirtschaftsstrafrechts-Team. Sie kannte das Wirtschaftsleben nicht nur von der theoretischen Seite, sondern ebenso als Entscheidungsträger in wirtschaftlichen Angelegenheiten sofern das konkrete Mandat es erforderte. Sie verfügte über langjährige Erfahrungen in Wirtschaftsstrafverfahren. Ihre Tätigkeit in der Kanzlei war sehr wichtig, denn auf der Seite der Staatsgewalt arbeiteten spezialisierte und gut ausgebildete Staatsanwälte zusammen mit häufig nur für den konkreten Fall gebildeten Sondereinheiten der Kripo. Um der Staatsgewalt in den teilweise sehr großen und aufwendigen Wirtschaftsstrafsachen auch von der Manpower ein entsprechendes Pendant entgegenzustellen, bearbeitete sie bei Bedarf die Wirtschaftsstrafsachen im Team sowie auch zusammen mit Kooperationspartnern wie Steuerberatern und anderen Fachexperten.
5 Sterne
Raffinierte Verbrechen und scharfsinnige Aufklärung in spannender Handlung - 12.08.2020
Prof. Dr. Guido Baumann Ruinenbergstraße 20, 14469 POTSDAM

Rezension "Schattenseiten eines Lichterbogens" von Ernst Vetter Dieser Kriminalroman beleuchtet viele Facetten der heutigen Zeit präzise und detailgetreu, so dass er nicht nur spannend, sondern auch lehrreich ist. Das Handlungsgefüge mit vielen Einzelfiguren ist komplex, aber logisch und nachvollziehbar verflochten, denn der Autor schreibt flüssig in einer anschaulich-bildhaften Sprache mit treffsicheren, oft auch witzigen Formulierungen.Die Handlungsorte reichen von den unterschiedlichsten Teilen von Berlin und Potsdam über Teneriffa, in die Dolomiten, nach Kroatien, an deutsche Meeresstrände, nach Amsterdam und andere Teile der Welt.Die frappierende Ortskenntnis des Verfassers von Berlin und Potsdam mit deren Umfeld ist in gut lesbaren Beschreibungen und Milieuschilderungen verdichtet. In der Darstellung des beruflichen Alltags der handelnden Personen werden die Voraussetzungen für die hier geschilderten Erfolge verdeutlicht: Beherrschung und Erweiterung der Berufsmethoden, Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Personen, von der Problemlösung angetriebenes persönliches Engagement.Das gilt für Dr. Rudolph Bachmann und sein Team, einer erfolgreichen Anwaltskanzlei für internationales Wirtschaftsstrafrecht. Es gilt für die Personen, die mit der Verhinderung, Aufklärung und Verfolgung von Straftaten befasst sind. Es gilt auf dem Gebiet der Medizin mit ihren sich immer weiter auffächernden Spezialisierungen. Zudem wird über die organisierte Kriminalität und den internationalen Einflussmöglichkeiten berichtet. Der Leser erfährt, wie ein Komplize für kriminelle Machenschaften gewonnen wird. Auch die Giftmorde der Mafiosi sind an Raffinesse kaum zu überbieten. Wir werden auch Zeugen krimineller Handlungen eines eigenbrötlerischen Eifersüchtigen ohne Nestwärme.Wir treffen auf Menschen, die in Momente der Freude eintauchen, die Schicksalsschläge und Enttäuschungen erleben und neue Liebe in sich spüren. Das Buch hat mir gefallen. Es könnte auch ein guter Film werden!Guido Baumann, Potsdam

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