Schatten hinter den Kulissen
EUR 13,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 74
ISBN: 978-3-7116-1335-6
Erscheinungsdatum: 25.11.2025
Wie ein Buch das Leben eines Menschen komplett verändern kann?Lesen Sie es selbst. Schatten hinter den Kulissen.
KAPITEL 1
Leon Varnez durchforstete gerade die Thriller-Abteilung der örtlichen Buchhandlung in Relin, als er einen interessanten Fund machte. „Tagebuch eines Psychopathen“ war der Name des Buches. Eigenartigerweise gab es keine Beschreibung auf der Rückseite. Sein Interesse durch den Namen geweckt, beschloss er, das Buch zu kaufen. Er ging zur Kasse und wollte bezahlen, doch das Buch hatte auch keinen Barcode. Der Kassierer meinte, dass da wohl jemand sein eigenes Buch ins Regal gestellt hatte. Da das Buch somit kein Buchhandlungseigentum war, durfte Leon es sich, ohne zu bezahlen, mitnehmen.
Bei sich zu Hause angekommen, begann er direkt zu lesen. Es war ein handgeschriebenes Buch.
Werter Leser,
dies ist das Tagebuch eines Psychopathen. Ich wünsche viel Spaß dabei, einen Eindruck meines Lebens zu erhalten. Auf den folgenden Seiten wird beschrieben, wie mein Alltag so aussieht und welche Gedankengänge ich dabei erlebe. Fangen wir doch am besten gleich damit an. Heute sah ich diesen jungen Mann im Park, wie er die Tauben fütterte. Ich dachte mir, wie man diese fliegenden Pestbeulen nur füttern kann, am Ende scheißen die doch nur die Autos voll. Also nahm ich es auf mich, den Herren auf seinen Fehler aufmerksam zu machen. Nicht sehr begeistert davon, was ich ihm zu sagen hatte, zeigte er mir den Mittelfinger und machte unbehindert weiter damit. Nun gut, du wirst der Erste sein, dachte ich mir und ging meiner Wege.
Nachdem ich nun mein Opfer gefunden hatte, machte ich mich auf den Weg in den Baumarkt, um einige Utensilien zu besorgen, die ich brauchen werde.
Nachdem ich also meine Besorgungen erledigt hatte, brachte ich sie nach Hause und machte mich wieder auf in Richtung Park, wo der Herr immer noch auf der Bank saß und den Tauben Futter zuwarf. Warte nur ab, bald wirst du niemandem mehr den Mittelfinger zeigen, dachte ich mir. Um exakt 18:39 Uhr und 28 Sekunden machte sich der junge Mann auf den Weg, vermutlich nach Hause, doch dort kam er nie an.
Ich vergewisserte mich, dass keine Überwachungskameras und keine Passanten in der Nähe waren, bevor ich mein Opfer überwältigte. Ich schleppte ihn zu meinem Wagen, welchen ich direkt vor der Seitengasse geparkt hatte, und warf ihn in den Kofferraum. Bevor ich den Kofferraum schloss, drückte ich ihm noch ein Tuch mit Betäubungsmittel ins Gesicht, damit er auch keinen Lärm macht. Daraufhin fuhr ich mit ihm zu mir nach Hause und stellte mein Auto in der Garage ab. Um exakt 21:38 Uhr und 24 Sekunden holte ich ihn aus dem Kofferraum heraus und zerrte ihn in mein Wohnzimmer, welches ich mit Plastikfolie ausgelegt hatte, damit ich die Spuren leichter beseitigen kann.
Um exakt 22:48 Uhr und 35 Sekunden wachte mein Opfer auf. Ich begrüßte ihn mit einem spöttischen „Guten Morgen Sonnenschein“. Mir meiner Überlegenheit bewusst, fragte ich ihn, ob er mir nicht nochmal den Mittelfinger zeigen möchte. Er zappelte wild herum, in einem kläglichen Versuch, die Fesseln zu lösen. „Binde mich los du krankes Schwein“, fuhr er mich an. Daraufhin versetzte ich ihm erst mal einen Tritt in den Magen. Diese jungen Leute von heute und ihre ungehobelte Art. Denen sollte man mal ordentliche Manieren beibringen. Nun ja, ich zückte mein Messer, rammte es ihm mehrere Male in den Bauch und ließ ihn ausbluten.
Während er qualvoll dahinschied, holte ich mir meine Schaufel und einen großen Müllsack. Nachdem ich ihn in den Müllbeutel gepackt hatte, säuberte ich die Plastikfolie und entsorgte sie im Anschluss. Danach verfrachtete ich mein Opfer wieder in den Kofferraum meines Wagens und fuhr mit ihm in den Wald, wo ich ihn vergraben habe. Die gesamte Heimfahrt über musste ich grinsen. In heimischen Gefilden angekommen, ging ich mich ausgiebig duschen und anschließend schlafen.
Damit waren die ersten paar Seiten des Buches zu Ende. Leon war schon gespannt, wie es weitergehen wird, doch jetzt tat er es erst mal dem Psychopathen gleich und ging duschen und schlafen.
KAPITEL 2
Leon Varnez war schon immer ein ruhiger junger Mann. Wenn er sich mit jemandem gut verstanden hatte, taute er allerdings schnell auf und verließ auch mal seine Komfortzone. Bei Zeiten konnte er jedoch sehr stur und temperamentvoll sein. Er war recht groß, so ca. 1,85 m, hatte helles Haar und Heterochromia iridis. Er hatte ein grünes und ein braunes Auge. Seine Augen hatten einen geheimnisvollen Ausdruck und einen leicht verschmitzten Glanz. Er machte regelmäßig Sport und hatte daher einen recht guten Körperbau. Lügen mochte er nicht und war dementsprechend schlecht darin.
Er las nicht sehr oft, aber wenn er es tat, verschlang er Bücher. Am liebsten las er Fantasy-Bücher.
Er vertrat strenge moralische Ansichten. Hilf denen, die sich nicht selbst helfen konnten. Jeder Mensch ist ein Individuum und hat auch so behandelt zu werden. Jeder Mensch macht mal Fehler. Gehe mit jedem respektvoll um, der dies auch verdient hat. Verzeihe Fehler. Triff keine Entscheidungen, wenn du wütend oder verletzt bist, du wirst es sonst womöglich bitter bereuen. Hilfe annehmen ist keine Schwäche. Zerbrich dir nicht unnötig den Kopf über Dinge, welche du nicht ändern kannst. Zu viel Wahrheit ist nicht notwendig und kann Schaden anrichten. Verrate niemals alles über dich. Sei ehrlich zu dir selbst. Er war nicht leicht für Sachen zu begeistern, wenn ihn das Interesse allerdings einmal gepackt hat, war er nicht mehr zu bremsen. Er würde gerne Arzt werden und den Menschen helfen. Bis es so weit ist, versucht er hier und da mal eine gute Tat zu vollbringen. Seine Freunde und seine Familie waren ihm sehr wichtig, und dies versuchte er ihnen auch zu zeigen. Er hatte ein Faible für alte Autos und hoffte, mal einen alten Ford Mustang zu besitzen, für den er bereits jetzt Geld zur Seite legte. Sein größtes Hobby war Musik. Er liebte Musik, egal welcher Art, und spielte Klavier. Er trug immer einen kleinen Glücksbringer bei sich. Eine kleine Münze aus Silber, in die er seine Initialen eingeritzt hatte. Er gab schnell mal Ratschläge, befolgte sie aber oft selber nicht. Jedoch wusste er über diese Schwäche Bescheid und versuchte, daran zu arbeiten. Das Weltall faszinierte ihn sehr, weshalb er sich in jungen Jahren von seinem Taschengeld ein Teleskop kaufte, mit dem er den Nachthimmel erkundete. Er war ein eher mittelmäßiger Schüler, außer in Sport und Englisch. Er war ein Sprachtalent und bekam von seiner Lehrerin immer wieder Komplimente für seinen Wortschatz. Sein Lieblingsessen war ganz einfallslos Pizza, außerdem könnte er den ganzen Tag Süßigkeiten in sich hineinstopfen. Er war handwerklich sehr begabt und half seinem Vater immer wieder bei Reparaturen im Haus oder am Auto. Er war ein Adrenalinjunkie und wollte unbedingt mal Fallschirmspringen und Motorradrennen fahren, sobald er alt genug war. Er war sehr tierlieb. Seine Eltern hatten einen stattlichen Pyrenäenberghund, mit dem er gerne spazieren ging und kuschelte. Sie hörte auf den Namen „Nara“ und war sehr zutraulich und sanftmütig. Oft schon hat sie es geschafft, ihn an traurigen Tagen aufzumuntern. Er wollte sich gar nicht vorstellen, wie es ist, wenn sie einmal nicht mehr da ist oder er seine Eltern verlieren würde. Er wüsste nicht, was er ohne sie oder seine Eltern tun würde. Jedes Mal, wenn ihm der Gedanke kam, verdrängte er ihn gleich wieder. Alles in allem war Leon mit sich selbst zufrieden.
KAPITEL 3
Es war Montag. Der Beginn einer neuen, langen Woche. Leon hasste Montage wie die Pest. Wer mochte sie schon. Seiner Ansicht nach waren Leute, die Montage mögen, nicht ganz richtig im Kopf. Damit die Woche nicht ganz so schlecht beginnt, las er noch ein Kapitel des Buches.
Am nächsten Morgen erwachte ich, ausgeschlafen und zufrieden über die getane Arbeit. Nachdem ich mein Frühstück eingenommen hatte, flanierte ich ein wenig durch die Straßen und entdeckte dabei einen Künstler, welcher gerade ein Porträt anfertigte. Ich fragte ihn, ob er nicht auch ein Gemälde von mir anfertigen könne, was dieser allerdings ablehnte. Somit hatte ich mein zweites Opfer gefunden.
Schon das nächste Opfer. Wie wird er wohl vorgehen, fragte sich Leon.
Ich schlenderte also weiterhin durch die Straßen, in Gedanken versunken, wie ich dieses Mal wohl vorgehen werde, als sich mir die perfekte Idee offenbarte. Ich werde den Künstler in ein Kunstwerk verwandeln. Genau, das mache ich. Ich machte mich also wieder auf den Weg in den Baumarkt, um die benötigten Materialien zu besorgen. Nachdem ich alles beisammenhatte, was ich brauchen werde, eilte ich wieder in die Stadt, um den Künstler zu beobachten. Welch ein Glück. Ich erwischte ihn gerade, als er seine Staffelei abbaute. Ich fragte ihn, ob ich ihm dabei vielleicht helfen solle, was er dankend annahm. Wir trugen seine Sachen zu seinem Auto. Er hatte ein wirklich tolles Gemälde von der Szenerie hier im Stadtpark angefertigt. Leider eben keines von mir. Sein Auto hatte er in einer Seitengasse geparkt. Heute scheint mir das Schicksal wohlgesonnen zu sein. Wir luden seine Utensilien in den Kofferraum. Ich vergewisserte mich, dass keine Zeugen anwesend waren, ehe ich ihm ein mit Betäubungsmittel präpariertes Tuch ins Gesicht drückte und ihn zu seinen Sachen in den Kofferraum legte. Danach nahm ich ihm seinen Autoschlüssel ab und fuhr mit ihm zu mir nach Hause.
Um exakt 22:24 Uhr und 32 Sekunden erwachte mein nächstes Opfer inmitten meines Wohnzimmers, gefesselt und auf Plastikfolie gelegt. Nun zum lustigen Teil, das Einbetonieren. Ich hatte mir schon alles hergerichtet. Ich begann bei seinen Füßen und arbeitete mich langsam den Weg zu seinem Kopf vor. Er wehrte sich dagegen, doch die Fesseln leisteten ganze Arbeit. Als er voll und ganz in Beton eingeschlossen war und nur noch sein Kopf herausschaute, fragte ich ihn, ob er noch ein paar letzte Worte verlieren möchte. Er spuckte mir ins Gesicht. Nun gut, du hast es wohl eilig zu sterben. Ich schüttete ihm den Eimer mit dem übrigen Beton übers Gesicht und wartete, bis sein Herumgezappel erstickt war, buchstäblich. Im Anschluss habe ich den Beton noch an seine Gesichtskonturen angepasst. Voila, fertig war die Statue.
Nun musste er nur noch trocknen. Das dauert nun mal. Da ich diese Zeit allerdings nicht hatte, beschloss ich, direkt mit ihm in den Wald zu fahren und ihn neben der Stelle zu vergraben, wo ich zuerst schon diesen anderen Flegel vergraben habe. Nachdem er also in seinem Grab lag, beschloss ich, sein Auto noch im Fluss zu versenken, damit mir keiner auf die Schliche kam. Nach getaner Arbeit musste ich nun einen langen Heimweg antreten. Als ich endlich daheim ankam, ging bereits die Sonne auf. Ich duschte mich schnell ab und sank erschöpft in mein Bett.
Damit war dieses Kapitel zu Ende. Gespannt, wie es weitergehen wird, machte sich Leon auf in die Schule.
KAPITEL 4
Heute hatte Leon einen wichtigen Test, für den er allerdings nicht gelernt hatte. Dementsprechend fiel er auch aus. Er hatte kaum etwas beantworten können. Das Mittagessen in der Cafeteria war ekelhaft. Irgendein nicht identifizierbares Fleisch mit einer scheußlichen Soße. In Sport hatte er den Fußball zweimal gegen den Kopf bekommen, und zu allem Überfluss hatte Dustin, der Schulschlägertyp, ihm ein Veilchen verpasst. Nein, heute war kein guter Tag für Leon.
Um seinen miesen Tag noch abzurunden, hatte ihm auf dem Heimweg eine Taube auf den Kopf geschissen. Leon konnte nicht anders, als zu schmunzeln, als er an das Tagebuch dachte. „– am Ende, scheißen die doch nur die Autos voll“. Diesmal war es eben sein Kopf. Nun gut, jeder hatte mal einen schlechten Tag, versuchte er, positiv zu bleiben.
Zu Hause begrüßte er seine Eltern und verschwand direkt im Badezimmer, um sich die Haare zu waschen. Mittlerweile war der Vogeldreck schon getrocknet, weshalb er ziemlich hartnäckig zu entfernen war. Nachdem er wieder sauber war, aß er mit seinen Eltern gemeinsam und berichtete ihnen von seinem Tag. Sie schmunzelten Leon mitfühlend an, als sie ihm zuhörten. Nach dem Essen saßen sie noch eine Zeit lang beisammen und unterhielten sich. Am späten Nachmittag zog Leon sich in sein Zimmer zurück und nahm das Tagebuch zur Hand.
Liebes Tagebuch!
Heute war ein sehr regnerischer Tag. Daher waren heute leider kaum potenzielle Opfer unterwegs. Offenbar sind die Leute heutzutage aus Zucker. Bei dem Gedanken, dass Menschen im Wasser dahinschmelzen, musste ich kichern.
Ich schlenderte also durch die Stadt, als mir diese junge Dame entgegenkam. Sie hatte orange-rote Haare, tiefblaue Augen, volle Lippen, ein üppiges Dekolleté, war bestimmt über 1,80 m groß und hatte einen knackigen Hintern. Leider ein Verlobungsring an ihrer linken Hand. Es wäre aber auch beinahe sonderbar, sollte so eine Frau nicht in festen Händen sein. Oder vielleicht doch? Immerhin weiß man ja nie, wie es in einem Menschen aussieht. Ich musste grinsen und ging meiner Wege.
In diesem Eintrag klingt er sogar wie ein normaler Mensch, dachte Leon.
Um exakt 14:31 Uhr und 27 Sekunden betrat ich ein Restaurant, welches mir noch nicht bekannt war. Ich setzte mich an einen Tisch im hinteren Abteil, damit ich möglichst meine Ruhe hatte. Um exakt 14:33 Uhr und 9 Sekunden nahm der Kellner meine Bestellung auf. Was für ein rascher Service. Mein Essen traf um exakt 14:38 Uhr und 29 Sekunden ein. Ich genehmigte mir ein Rib-Eye-Steak mit Bratkartoffeln. Es mundete vorzüglich. Es gab sowohl am Service als auch an der Mahlzeit nichts auszusetzen. Zugegeben, ich war darüber ein wenig enttäuscht, immerhin suche ich ja nach neuen Opfern, mit denen ich etwas Spaß haben kann. Nun ja, heute soll es wohl nicht sein.
Und da ist er wieder, der Psychopath, kicherte Leon.
Um exakt 14:50 Uhr und 4 Sekunden verließ ich das Restaurant. Ich machte noch einen gemütlichen Verdauungsspaziergang durch den Park, ehe ich mich auf den Weg in mein trautes Heim machte. Um exakt 15:30 Uhr trat ich daheim durch die Haustür. Ah … der Duft des Eigenheims. Ich hing meinen Mantel auf, zog mir die Schuhe aus und wusch mir die Hände. Anschließend setzte ich mich an mein Tagebuch, um den heutigen Tag festzuhalten. Den Rest des Tages schliff ich meine Messersammlung und erledigte Hausarbeiten. Den Abend ließ ich mit den wunderbaren Klängen Vivaldis ausklingen.
Ob die Messersammlung mal zum Einsatz kommt, fragte sich Leon.
An dieser Stelle des Buches stoppte Leon. Er hatte seine eigenen Hausaufgaben zu erledigen. Englisch ging ihm leicht von der Hand. Er hatte nur einen Text zu korrigieren. In Deutsch verfasste er einen Aufsatz darüber, wie sehr soziale Medien die Menschheit heute in Beschlag nahmen. Mathe bereitete ihm, wie so vielen anderen seiner Mitschüler, ebenfalls einige Probleme, jedoch konnte er die Aufgaben mit Hilfe seiner Mutter lösen.
Als er endlich mit seinen Hausaufgaben fertig war, setzte er sich noch kurz an seinen PC, bevor er schlafen ging.
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Leon Varnez durchforstete gerade die Thriller-Abteilung der örtlichen Buchhandlung in Relin, als er einen interessanten Fund machte. „Tagebuch eines Psychopathen“ war der Name des Buches. Eigenartigerweise gab es keine Beschreibung auf der Rückseite. Sein Interesse durch den Namen geweckt, beschloss er, das Buch zu kaufen. Er ging zur Kasse und wollte bezahlen, doch das Buch hatte auch keinen Barcode. Der Kassierer meinte, dass da wohl jemand sein eigenes Buch ins Regal gestellt hatte. Da das Buch somit kein Buchhandlungseigentum war, durfte Leon es sich, ohne zu bezahlen, mitnehmen.
Bei sich zu Hause angekommen, begann er direkt zu lesen. Es war ein handgeschriebenes Buch.
Werter Leser,
dies ist das Tagebuch eines Psychopathen. Ich wünsche viel Spaß dabei, einen Eindruck meines Lebens zu erhalten. Auf den folgenden Seiten wird beschrieben, wie mein Alltag so aussieht und welche Gedankengänge ich dabei erlebe. Fangen wir doch am besten gleich damit an. Heute sah ich diesen jungen Mann im Park, wie er die Tauben fütterte. Ich dachte mir, wie man diese fliegenden Pestbeulen nur füttern kann, am Ende scheißen die doch nur die Autos voll. Also nahm ich es auf mich, den Herren auf seinen Fehler aufmerksam zu machen. Nicht sehr begeistert davon, was ich ihm zu sagen hatte, zeigte er mir den Mittelfinger und machte unbehindert weiter damit. Nun gut, du wirst der Erste sein, dachte ich mir und ging meiner Wege.
Nachdem ich nun mein Opfer gefunden hatte, machte ich mich auf den Weg in den Baumarkt, um einige Utensilien zu besorgen, die ich brauchen werde.
Nachdem ich also meine Besorgungen erledigt hatte, brachte ich sie nach Hause und machte mich wieder auf in Richtung Park, wo der Herr immer noch auf der Bank saß und den Tauben Futter zuwarf. Warte nur ab, bald wirst du niemandem mehr den Mittelfinger zeigen, dachte ich mir. Um exakt 18:39 Uhr und 28 Sekunden machte sich der junge Mann auf den Weg, vermutlich nach Hause, doch dort kam er nie an.
Ich vergewisserte mich, dass keine Überwachungskameras und keine Passanten in der Nähe waren, bevor ich mein Opfer überwältigte. Ich schleppte ihn zu meinem Wagen, welchen ich direkt vor der Seitengasse geparkt hatte, und warf ihn in den Kofferraum. Bevor ich den Kofferraum schloss, drückte ich ihm noch ein Tuch mit Betäubungsmittel ins Gesicht, damit er auch keinen Lärm macht. Daraufhin fuhr ich mit ihm zu mir nach Hause und stellte mein Auto in der Garage ab. Um exakt 21:38 Uhr und 24 Sekunden holte ich ihn aus dem Kofferraum heraus und zerrte ihn in mein Wohnzimmer, welches ich mit Plastikfolie ausgelegt hatte, damit ich die Spuren leichter beseitigen kann.
Um exakt 22:48 Uhr und 35 Sekunden wachte mein Opfer auf. Ich begrüßte ihn mit einem spöttischen „Guten Morgen Sonnenschein“. Mir meiner Überlegenheit bewusst, fragte ich ihn, ob er mir nicht nochmal den Mittelfinger zeigen möchte. Er zappelte wild herum, in einem kläglichen Versuch, die Fesseln zu lösen. „Binde mich los du krankes Schwein“, fuhr er mich an. Daraufhin versetzte ich ihm erst mal einen Tritt in den Magen. Diese jungen Leute von heute und ihre ungehobelte Art. Denen sollte man mal ordentliche Manieren beibringen. Nun ja, ich zückte mein Messer, rammte es ihm mehrere Male in den Bauch und ließ ihn ausbluten.
Während er qualvoll dahinschied, holte ich mir meine Schaufel und einen großen Müllsack. Nachdem ich ihn in den Müllbeutel gepackt hatte, säuberte ich die Plastikfolie und entsorgte sie im Anschluss. Danach verfrachtete ich mein Opfer wieder in den Kofferraum meines Wagens und fuhr mit ihm in den Wald, wo ich ihn vergraben habe. Die gesamte Heimfahrt über musste ich grinsen. In heimischen Gefilden angekommen, ging ich mich ausgiebig duschen und anschließend schlafen.
Damit waren die ersten paar Seiten des Buches zu Ende. Leon war schon gespannt, wie es weitergehen wird, doch jetzt tat er es erst mal dem Psychopathen gleich und ging duschen und schlafen.
KAPITEL 2
Leon Varnez war schon immer ein ruhiger junger Mann. Wenn er sich mit jemandem gut verstanden hatte, taute er allerdings schnell auf und verließ auch mal seine Komfortzone. Bei Zeiten konnte er jedoch sehr stur und temperamentvoll sein. Er war recht groß, so ca. 1,85 m, hatte helles Haar und Heterochromia iridis. Er hatte ein grünes und ein braunes Auge. Seine Augen hatten einen geheimnisvollen Ausdruck und einen leicht verschmitzten Glanz. Er machte regelmäßig Sport und hatte daher einen recht guten Körperbau. Lügen mochte er nicht und war dementsprechend schlecht darin.
Er las nicht sehr oft, aber wenn er es tat, verschlang er Bücher. Am liebsten las er Fantasy-Bücher.
Er vertrat strenge moralische Ansichten. Hilf denen, die sich nicht selbst helfen konnten. Jeder Mensch ist ein Individuum und hat auch so behandelt zu werden. Jeder Mensch macht mal Fehler. Gehe mit jedem respektvoll um, der dies auch verdient hat. Verzeihe Fehler. Triff keine Entscheidungen, wenn du wütend oder verletzt bist, du wirst es sonst womöglich bitter bereuen. Hilfe annehmen ist keine Schwäche. Zerbrich dir nicht unnötig den Kopf über Dinge, welche du nicht ändern kannst. Zu viel Wahrheit ist nicht notwendig und kann Schaden anrichten. Verrate niemals alles über dich. Sei ehrlich zu dir selbst. Er war nicht leicht für Sachen zu begeistern, wenn ihn das Interesse allerdings einmal gepackt hat, war er nicht mehr zu bremsen. Er würde gerne Arzt werden und den Menschen helfen. Bis es so weit ist, versucht er hier und da mal eine gute Tat zu vollbringen. Seine Freunde und seine Familie waren ihm sehr wichtig, und dies versuchte er ihnen auch zu zeigen. Er hatte ein Faible für alte Autos und hoffte, mal einen alten Ford Mustang zu besitzen, für den er bereits jetzt Geld zur Seite legte. Sein größtes Hobby war Musik. Er liebte Musik, egal welcher Art, und spielte Klavier. Er trug immer einen kleinen Glücksbringer bei sich. Eine kleine Münze aus Silber, in die er seine Initialen eingeritzt hatte. Er gab schnell mal Ratschläge, befolgte sie aber oft selber nicht. Jedoch wusste er über diese Schwäche Bescheid und versuchte, daran zu arbeiten. Das Weltall faszinierte ihn sehr, weshalb er sich in jungen Jahren von seinem Taschengeld ein Teleskop kaufte, mit dem er den Nachthimmel erkundete. Er war ein eher mittelmäßiger Schüler, außer in Sport und Englisch. Er war ein Sprachtalent und bekam von seiner Lehrerin immer wieder Komplimente für seinen Wortschatz. Sein Lieblingsessen war ganz einfallslos Pizza, außerdem könnte er den ganzen Tag Süßigkeiten in sich hineinstopfen. Er war handwerklich sehr begabt und half seinem Vater immer wieder bei Reparaturen im Haus oder am Auto. Er war ein Adrenalinjunkie und wollte unbedingt mal Fallschirmspringen und Motorradrennen fahren, sobald er alt genug war. Er war sehr tierlieb. Seine Eltern hatten einen stattlichen Pyrenäenberghund, mit dem er gerne spazieren ging und kuschelte. Sie hörte auf den Namen „Nara“ und war sehr zutraulich und sanftmütig. Oft schon hat sie es geschafft, ihn an traurigen Tagen aufzumuntern. Er wollte sich gar nicht vorstellen, wie es ist, wenn sie einmal nicht mehr da ist oder er seine Eltern verlieren würde. Er wüsste nicht, was er ohne sie oder seine Eltern tun würde. Jedes Mal, wenn ihm der Gedanke kam, verdrängte er ihn gleich wieder. Alles in allem war Leon mit sich selbst zufrieden.
KAPITEL 3
Es war Montag. Der Beginn einer neuen, langen Woche. Leon hasste Montage wie die Pest. Wer mochte sie schon. Seiner Ansicht nach waren Leute, die Montage mögen, nicht ganz richtig im Kopf. Damit die Woche nicht ganz so schlecht beginnt, las er noch ein Kapitel des Buches.
Am nächsten Morgen erwachte ich, ausgeschlafen und zufrieden über die getane Arbeit. Nachdem ich mein Frühstück eingenommen hatte, flanierte ich ein wenig durch die Straßen und entdeckte dabei einen Künstler, welcher gerade ein Porträt anfertigte. Ich fragte ihn, ob er nicht auch ein Gemälde von mir anfertigen könne, was dieser allerdings ablehnte. Somit hatte ich mein zweites Opfer gefunden.
Schon das nächste Opfer. Wie wird er wohl vorgehen, fragte sich Leon.
Ich schlenderte also weiterhin durch die Straßen, in Gedanken versunken, wie ich dieses Mal wohl vorgehen werde, als sich mir die perfekte Idee offenbarte. Ich werde den Künstler in ein Kunstwerk verwandeln. Genau, das mache ich. Ich machte mich also wieder auf den Weg in den Baumarkt, um die benötigten Materialien zu besorgen. Nachdem ich alles beisammenhatte, was ich brauchen werde, eilte ich wieder in die Stadt, um den Künstler zu beobachten. Welch ein Glück. Ich erwischte ihn gerade, als er seine Staffelei abbaute. Ich fragte ihn, ob ich ihm dabei vielleicht helfen solle, was er dankend annahm. Wir trugen seine Sachen zu seinem Auto. Er hatte ein wirklich tolles Gemälde von der Szenerie hier im Stadtpark angefertigt. Leider eben keines von mir. Sein Auto hatte er in einer Seitengasse geparkt. Heute scheint mir das Schicksal wohlgesonnen zu sein. Wir luden seine Utensilien in den Kofferraum. Ich vergewisserte mich, dass keine Zeugen anwesend waren, ehe ich ihm ein mit Betäubungsmittel präpariertes Tuch ins Gesicht drückte und ihn zu seinen Sachen in den Kofferraum legte. Danach nahm ich ihm seinen Autoschlüssel ab und fuhr mit ihm zu mir nach Hause.
Um exakt 22:24 Uhr und 32 Sekunden erwachte mein nächstes Opfer inmitten meines Wohnzimmers, gefesselt und auf Plastikfolie gelegt. Nun zum lustigen Teil, das Einbetonieren. Ich hatte mir schon alles hergerichtet. Ich begann bei seinen Füßen und arbeitete mich langsam den Weg zu seinem Kopf vor. Er wehrte sich dagegen, doch die Fesseln leisteten ganze Arbeit. Als er voll und ganz in Beton eingeschlossen war und nur noch sein Kopf herausschaute, fragte ich ihn, ob er noch ein paar letzte Worte verlieren möchte. Er spuckte mir ins Gesicht. Nun gut, du hast es wohl eilig zu sterben. Ich schüttete ihm den Eimer mit dem übrigen Beton übers Gesicht und wartete, bis sein Herumgezappel erstickt war, buchstäblich. Im Anschluss habe ich den Beton noch an seine Gesichtskonturen angepasst. Voila, fertig war die Statue.
Nun musste er nur noch trocknen. Das dauert nun mal. Da ich diese Zeit allerdings nicht hatte, beschloss ich, direkt mit ihm in den Wald zu fahren und ihn neben der Stelle zu vergraben, wo ich zuerst schon diesen anderen Flegel vergraben habe. Nachdem er also in seinem Grab lag, beschloss ich, sein Auto noch im Fluss zu versenken, damit mir keiner auf die Schliche kam. Nach getaner Arbeit musste ich nun einen langen Heimweg antreten. Als ich endlich daheim ankam, ging bereits die Sonne auf. Ich duschte mich schnell ab und sank erschöpft in mein Bett.
Damit war dieses Kapitel zu Ende. Gespannt, wie es weitergehen wird, machte sich Leon auf in die Schule.
KAPITEL 4
Heute hatte Leon einen wichtigen Test, für den er allerdings nicht gelernt hatte. Dementsprechend fiel er auch aus. Er hatte kaum etwas beantworten können. Das Mittagessen in der Cafeteria war ekelhaft. Irgendein nicht identifizierbares Fleisch mit einer scheußlichen Soße. In Sport hatte er den Fußball zweimal gegen den Kopf bekommen, und zu allem Überfluss hatte Dustin, der Schulschlägertyp, ihm ein Veilchen verpasst. Nein, heute war kein guter Tag für Leon.
Um seinen miesen Tag noch abzurunden, hatte ihm auf dem Heimweg eine Taube auf den Kopf geschissen. Leon konnte nicht anders, als zu schmunzeln, als er an das Tagebuch dachte. „– am Ende, scheißen die doch nur die Autos voll“. Diesmal war es eben sein Kopf. Nun gut, jeder hatte mal einen schlechten Tag, versuchte er, positiv zu bleiben.
Zu Hause begrüßte er seine Eltern und verschwand direkt im Badezimmer, um sich die Haare zu waschen. Mittlerweile war der Vogeldreck schon getrocknet, weshalb er ziemlich hartnäckig zu entfernen war. Nachdem er wieder sauber war, aß er mit seinen Eltern gemeinsam und berichtete ihnen von seinem Tag. Sie schmunzelten Leon mitfühlend an, als sie ihm zuhörten. Nach dem Essen saßen sie noch eine Zeit lang beisammen und unterhielten sich. Am späten Nachmittag zog Leon sich in sein Zimmer zurück und nahm das Tagebuch zur Hand.
Liebes Tagebuch!
Heute war ein sehr regnerischer Tag. Daher waren heute leider kaum potenzielle Opfer unterwegs. Offenbar sind die Leute heutzutage aus Zucker. Bei dem Gedanken, dass Menschen im Wasser dahinschmelzen, musste ich kichern.
Ich schlenderte also durch die Stadt, als mir diese junge Dame entgegenkam. Sie hatte orange-rote Haare, tiefblaue Augen, volle Lippen, ein üppiges Dekolleté, war bestimmt über 1,80 m groß und hatte einen knackigen Hintern. Leider ein Verlobungsring an ihrer linken Hand. Es wäre aber auch beinahe sonderbar, sollte so eine Frau nicht in festen Händen sein. Oder vielleicht doch? Immerhin weiß man ja nie, wie es in einem Menschen aussieht. Ich musste grinsen und ging meiner Wege.
In diesem Eintrag klingt er sogar wie ein normaler Mensch, dachte Leon.
Um exakt 14:31 Uhr und 27 Sekunden betrat ich ein Restaurant, welches mir noch nicht bekannt war. Ich setzte mich an einen Tisch im hinteren Abteil, damit ich möglichst meine Ruhe hatte. Um exakt 14:33 Uhr und 9 Sekunden nahm der Kellner meine Bestellung auf. Was für ein rascher Service. Mein Essen traf um exakt 14:38 Uhr und 29 Sekunden ein. Ich genehmigte mir ein Rib-Eye-Steak mit Bratkartoffeln. Es mundete vorzüglich. Es gab sowohl am Service als auch an der Mahlzeit nichts auszusetzen. Zugegeben, ich war darüber ein wenig enttäuscht, immerhin suche ich ja nach neuen Opfern, mit denen ich etwas Spaß haben kann. Nun ja, heute soll es wohl nicht sein.
Und da ist er wieder, der Psychopath, kicherte Leon.
Um exakt 14:50 Uhr und 4 Sekunden verließ ich das Restaurant. Ich machte noch einen gemütlichen Verdauungsspaziergang durch den Park, ehe ich mich auf den Weg in mein trautes Heim machte. Um exakt 15:30 Uhr trat ich daheim durch die Haustür. Ah … der Duft des Eigenheims. Ich hing meinen Mantel auf, zog mir die Schuhe aus und wusch mir die Hände. Anschließend setzte ich mich an mein Tagebuch, um den heutigen Tag festzuhalten. Den Rest des Tages schliff ich meine Messersammlung und erledigte Hausarbeiten. Den Abend ließ ich mit den wunderbaren Klängen Vivaldis ausklingen.
Ob die Messersammlung mal zum Einsatz kommt, fragte sich Leon.
An dieser Stelle des Buches stoppte Leon. Er hatte seine eigenen Hausaufgaben zu erledigen. Englisch ging ihm leicht von der Hand. Er hatte nur einen Text zu korrigieren. In Deutsch verfasste er einen Aufsatz darüber, wie sehr soziale Medien die Menschheit heute in Beschlag nahmen. Mathe bereitete ihm, wie so vielen anderen seiner Mitschüler, ebenfalls einige Probleme, jedoch konnte er die Aufgaben mit Hilfe seiner Mutter lösen.
Als er endlich mit seinen Hausaufgaben fertig war, setzte er sich noch kurz an seinen PC, bevor er schlafen ging.
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