Korrupt und Mausetot - Die Gier der Gelben Drachen

Korrupt und Mausetot - Die Gier der Gelben Drachen

Werner Rosenzweig


EUR 12,90
EUR 7,99

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 230
ISBN: 978-3-99003-566-5
Erscheinungsdatum: 14.07.2011
Ein Unternehmen der deutschen Industrie erhält einen Großauftrag aus China. Monate danach liegt ein Chinese erstochen in einer fränkischen Sommerwiese. Mehrere Millionen Euro Schmiergelder sind verschwunden. Die Beamten der Erlanger Mordkommission sind zunächst ratlos. Überraschend schlägt der Mörder erneut zu…
<strong>Einleitung</strong>

<i>Sonntag, 25. Juli 2010</i>

Die Sommerhitze hatte an diesem Sonntagmorgen den Morgentau der Blumenwiese längst aufgeleckt. Die Sonne am blauen, wolkenlosen Himmel schickte ihre Strahlen gnadenlos auf den staubigen Feldweg, den seit zwei Wochen kein Regen mehr berührt hatte. Ein Bussard zog über dem nahe gelegenen Wald seine Kreise und ließ sich von den warmen Aufwinden auf die offenen Felder zu treiben, um nach Mäusen Ausschau zu halten. In zwei Kilometern Entfernung riefen die Kirchenglocken die Gläubigen der kleinen fränkischen Gemeinde Röttenbach zum Gottesdienst. Die Wiese hatte sich von ihrem letzten Schnitt, Anfang Juni, bereits wieder kräftig erholt. Hoch stand der Sauerampfer und die Margeriten leuchteten blütenweiß durch das saftige Grün der verschiedenen Gräser. Dort, wo die Wiese an den Wald grenzte, waren prächtige Kornblumen gewachsen und ihre dunkelblau glänzenden Blüten erhoben sich über dem weiß und zartrosa blühenden Wiesenklee. Auch der Klatschmohn reckte sich auf seinen haarigen, dünnen Stängeln der Sonne entgegen und seine feuerroten Blütenblätter bildeten einen harmonischen Kontrast zu den tiefblauen Kornblumen. In der Wiese selbst herrschte ein reges Tierleben. Ameisen suchten nach Pflanzen, die von Blattläusen befallen waren, um sie zu melken. Eine Ringelnatter genoss auf dem sandigen Feldweg, der die Wiese zum Wald hin abgrenzte, ihr Sonnenbad. Nacktschnecken wiederum suchten Schutz vor den sengenden Strahlen der Vormittagssonne und verkrochen sich unter den größten und dicksten Blättern, die vom letzten herbstlichen Laubfall noch übrig waren und neben Schatten auch noch einen Rest an Feuchtigkeit boten.
Es war mucksmäuschenstill. Nur ab und zu sprang ein Karpfen über die Wasseroberfläche der nahe gelegenen Fischteiche, um wieder klatschend in dem trüben Nass zu verschwinden. Selbst Insekten, die sonst ein beständiges Zirpen von sich gaben, blieben heute stumm. Irgendetwas stimmte nicht an diesem Sonntagmorgen. Irgendetwas war anders als sonst. Auffallend viele Aaskäfer waren an diesem Morgen unterwegs und strebten, wie von einem unsichtbaren Magneten angezogen, auf ein bestimmtes Ziel zu. Eine stattliche Anzahl der Sarophaga Camaria, der Grauen Fleischfliegen, flog über die Wiese und hatte das gleiche Ziel wie die Konkurrenz der Aaskäfer.
Dort, wo sie niedergingen, brach der kunstvoll verarbeitete Griff eines aus Silber gefertigten Gauchomessers die einfallenden Sonnenstrahlen und warf sie spiegelnd in Richtung des Sonnenstandes zurück. Die siebzehn Zentimeter lange Klinge des Messers war nicht zu sehen. Sie steckte tief in einem leblosen, menschlichen Körper. Rings um die Einstichstelle, genau über dem nun stillstehenden Herzen des Leichnams, machte sich eine Wolke von Schmeißfliegen die besten Plätze streitig, um ihre reifen Eier in die von verkrustetem Blut umgebene, tödliche Wunde abzulegen. Bedingt durch den Mangel an Adenosintriphosphat war der Stillstand des Stoffwechsels bereits vor mehr als zehn Stunden eingetreten und die Hitze trug ebenfalls dazu bei, dass die Totenstarre bereits voll ausgeprägt war. Das Opfer selbst, ein Mann, lag auf dem Rücken, die Beine leicht gespreizt, die Augen geschlossen, die Arme waren am Körper angelegt. Wäre da nicht das Messer gewesen, dessen Griff aus der Leiche ragte, und das viele Blut, welches auf dem sonst blütenweißen Hemd und dem dunkelblauen Jackett getrocknet war, hätte man meinen können, ein früher Spaziergänger würde die morgendliche Sommersonne genießen und hätte sich zu einem kleinen Schläfchen im Freien entschlossen. Aber welcher Spaziergänger trug im freien Feld schon Allen-Edmonds Schuhe, „Benton-Chili Black“, das Paar für 280 US-Dollar? Auch die Kleidung des Toten, der elegante, dunkelblaue Blazer und die eierschalenfarbene Sommerhose mit den rasiermesserscharfen Bügelfalten, wollte nicht so recht zum Bild eines morgendlichen Spaziergängers passen. Zudem lebte das Opfer mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in einem der nahe gelegenen Dörfer. Seine Gesichtszüge waren eindeutig asiatisch geprägt. Ein Laie hätte auf einen Japaner, Mongolen, Chinesen oder Koreaner getippt. Doch das war den Schmeißfliegen, Aaskäfern und sonstigen Insekten, die sich gewohnheitsgemäß an oder von toten Körpern labten, egal. Da machten sie keinen Unterschied. Rege gingen sie ihrer Arbeit nach.
Eine dicke, neugierige Krähe, die auf dem Ast einer Lärche am Waldrand saß, wandte ständig den Kopf hin und her und äugte hinab auf das Treiben der Käfer und Fliegen, die sich zu Hunderten auf dem Leichnam tummelten. Dann stieß sie sich von ihrem Ast ab, erhob sich krächzend in die Luft, sodass es weithin schallte, und glitt mit zwei, drei kräftigen Flügelschlägen hinab in die Richtung, wo der Tote in der prallen Sonne lag.

<strong>Kapitel 1</strong>

Korrupt
Neun Monate und fünfundzwanzig Tage vorher, am 1. Oktober 2009, dem 60. Jahrestag des Bestehens der Volksrepublik China.
Jedes der drei Parteimitglieder wäre heute sicherlich am liebsten in Beijing gewesen, um den pompösen Feierlichkeiten zum 60-jährigen Bestehen der Volksrepublik China beizuwohnen. Doch wie immer gingen Pflichten und Geschäfte vor. Der Beamte des „Ministry of Railways“, Li Fuxin, Executive Chairman, Rolling Stock, landete mit Flug MU 5683, von Beijing kommend, mit 70-minütiger Verspätung auf dem Flughafen in Sanya auf der Insel Hainan, der dem chinesischen Festland vorgelagerten, subtropischen Insel im Südchinesischen Meer. Nachdem er seinen kleinen Rollkoffer vom Gepäckband genommen hatte, trat er aus der Ankunftshalle hinaus ins Freie. Die spätsommerliche, drückende Hitze traf ihn wie ein Keulenschlag. Die überdimensionale LCD-Säule vor dem Flughafengebäude, welche abwechselnd die Uhrzeit und die Außentemperaturen anzeigte, wies gerade 33 Grad Celsius aus. Der stetig wehende, feuchte Sommerwind zerzauste sein dünn gewordenes Haupthaar, welches er kunstvoll quer über seinen mächtigen Schädel gekämmt hatte. Zielstrebig griff er nach seiner Zigarettenschachtel und den Streichhölzern sowie der Reibefläche der Streichholzschachtel, die er in Beijing durch die Sicherheitskontrollen geschmuggelt hatte. Selbst im Schatten der Ankunftshalle bildeten sich augenblicklich dicke Schweißperlen auf seiner Kopfhaut und rannen ihm, an Nacken und Hals entlang, in den Kragen seines viel zu dicken, angerauten Flanellhemds. Gierig zog er den Rauch seiner Zigarette bis in die hintersten Winkel seiner Lunge und stieß ihn durch die behaarten Nasenlöcher wieder aus. Bei einer Größe von gerade mal 1,65 m wog er beachtliche 105 kg und sein lederner Hosengürtel war, selbst unter Verwendung des letzten verfügbaren Lochs, viel zu eng um seinen mächtigen Bauch gespannt.
Li hasste diese Spontanreisen. Dieses Mal wurde er allerdings von seinem Minister, Zong Youming, höchstpersönlich angewiesen, weitab von der Hauptstadt dieses vertrauliche Gespräch mit seinen beiden Kontaktpersonen, dem Oberbürgermeister der Stadt Hangzhou, Wang Guo Ping, und einem der Vize-Bürgermeister der Stadt Shanghai, Zhou Ma Yang, zu führen. Der Auftrag des Ministers, der das Treffen arrangiert hatte, war klar und deutlich formuliert, ein Misserfolg quasi unvorstellbar. Er wäre, wie sollte es anders sein, höchst karriereschädlich. Die Angelegenheit selbst war streng vertraulich und tangierte offenbar auch persönliche Interessen höchster politischer Kader. Gedankenschwer tippelte Li Fuxin auf seinen kurzen Beinen zum Taxistand, seinen kleinen, roten Rollkoffer hinter sich her ziehend, nachdem er seine Zigarettenkippe achtlos auf die Straße geschnippt hatte, obwohl unmittelbar neben ihm ein überquellender Aschenbecher stand. In einem barschen Befehlston nannte er dem Taxifahrer das Ziel der Fahrt, wies ihn an, sein Gepäck im Kofferraum des Wagens unterzubringen, und ließ sich stöhnend in die Rücksitze des alten VW-Santanas fallen. Ächzend gab die Federung des Wagens nach und nahm den Ballast des übergewichtigen, unfreundlichen Fahrgasts auf.
„Wang und Zhou haben bestimmt schon im Hotel eingecheckt“, murmelte Li vor sich hin. Dann setzte sich das Taxi mit quietschenden Reifen in Bewegung.
Zhou Ma Yang, Vize-Bürgermeister der Stadt Shanghai, saß unterdessen im prachtvollen Garten des Hotels Sheraton in Sanya, die dunklen, emsigen Augen, die ständig in Bewegung waren, hinter einer schwarzen Sonnenbrille verdeckt. Mit seinen knapp 45 Jahren war er einer der jüngsten Vize-Bürgermeister des Landes und würde immer noch von einer beispielhaften politischen Karriere träumen, wenn, ja, wenn das tragische Ereignis, dem seine geliebte jüngere Schwester im März 2008 zum Opfer gefallen war, ihm zwischenzeitlich nicht die Bereitschaft und den Willen dazu genommen hätte. Er hatte sich tief in den Schatten eines üppig blühenden Orchideenbusches zurückgezogen, ohne den Blick auf das tiefblaue Meer zu verlieren, dessen sanfte Wellen am feinen, weißen Sandstrand kaum einhundert Meter von ihm entfernt ausliefen. Der Strand war gut besucht, es war Ferienzeit. Die Oktoberfeiertage hatten gerade begonnen und viele in China arbeitende Ausländer zog es in dieser Zeit mit ihren Familien auf die sonnenverwöhnte Insel.
Obwohl die Hotelpreise in dieser Zeit ordentlich anzogen, waren die Luxushotels, die sich wie Perlen an einer Kette am Strand entlangzogen, ausgebucht. „Verrückt, diese Ausländer“, dachte Zhou, „in der größten Hitze legen sie sich in die volle Sonne, um dabei unappetitlich braun zu werden.“ Dann winkte er einen der vielen Hotelbediensteten herbei und wies diesen an, sein Glas mit grünen Teeblättern erneut mit heißem Wasser aufzufüllen. Seine langgliedrigen Finger klappten zum wiederholten Mal das Display seines Nokia-Handys zurück. Komisch, der fette Li Fuxin hätte längst im Hotel ankommen müssen, hatte sich aber noch nicht gemeldet.
Den klapperdürren Wang Guo Ping hatte er schon gesehen. Er hatte sich auf sein Zimmer zurückgezogen. Wahrscheinlich hing er gerade mal wieder an einer Flasche Mou Tai, diesem teuflischen einheimischen Reisschnaps. Versonnen klappte er sein Mobiltelefon wieder zu und sah einer blonden, schlanken Bikini-Schönheit nach, die, vom Strand kommend, kaum zwanzig Meter an ihm vorbeistolzierte. Ihre üppige Oberweite wogte bei jedem Schritt auf und ab und der Stoff ihres knappen Bikini-Höschens zeigte das Muster der amerikanischen Flagge. „Fuck up, USA“, knirschte er leise zwischen seinen blendend weißen Zähnen hervor. Elegant entstieg er seinem für ihn viel zu kleinen Gartenstuhl und begann mit der Qigong-Übung „Buddha streckt 1000 Hände aus“. „Lass den reinen Geist in dich hineinströmen, konzentriere dich auf deine bevorstehende Aufgabe und verwehre den sündigen Gedanken den Zugang in deine Gedankenwelt“, hämmerte er seinem Gehirn ein, streckte seinen Körper und fühlte alsbald die angenehme, ersehnte Entspannung. Ein stiller Zuschauer wäre verwundert gewesen über die anmutigen Bewegungen des schlanken, fast 1,85 m großen Mannes im dunklen 500-Dollar-Nadelstreifenanzug von „Boss“, mit hellblauem Hemd und korrekt gebundener, roter Seidenkrawatte. Die goldene „Rolex“ an seinem linken Arm glitzerte, als die Sonnenstrahlen auf sie fielen. Jäh wurde Zhou in seinen Übungen unterbrochen, als das Mobiltelefon in seiner Gesäßtasche vibrierte. „Zhou hier, ni hao“. „Hallo Zhou, hier spricht Li Fuxin. Ich checke gerade im Hotel ein. Die verdammte ‚China Eastern‘ hatte mal wieder ordentlich Verspätung. Ich schlage vor, wir treffen uns, wenn es dunkel ist, um 21 Uhr, unten am Strand. Die Wände im Hotel haben manchmal Ohren. Was ich mit euch zu besprechen habe, bedarf keiner Zuhörer. Und bring den alten Säufer Wang Guo Ping mit, und zwar nüchtern.“ Bevor Zhou etwas erwidern konnte, hatte Li Fuxin bereits wieder aufgelegt. „Dieser alte, verfressene Fettsack“, knurrte Zhou angewidert, „meint, er könne immer alle anderen herumkommandieren, wie es ihm gefällt.“ Dann nippte er nochmals an seinem grünen Tee, legte ein paar Yuan-Scheine auf den kleinen, runden Glastisch und machte sich auf den Weg in sein Zimmer. Bevor er im Untergeschoss des Hotels auf seinem Weg zu den Aufzügen die Toiletteneingänge passierte, kam ihm die üppige, blonde Amerikanerin in ihrem knappen Bikini entgegen. Die kühle Luftzirkulation der Klimaanlage ließ ihre Brustwarzen erigieren.
Deutlich drückten sie gegen den dünnen Stoff ihres engen Bikini-Oberteils. „Fuck up, Amerika“, zischte Zhou Ma Yang erneut und legte in der Hosentasche seine rechte Hand energisch auf den Schritt seiner „Boss“-Hose, um den erwachenden, zügellosen Drachen zu beruhigen und zur Räson zu bringen. „Du musst noch bis heute Abend warten, alter Unruhegeist, dann darfst du die duftende, kleine Lotusblüte besuchen, die in Sanya auf dich wartet“, flüsterte er vor sich hin.

Kurz nach 21 Uhr schlenderten drei stumme Gestalten, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, getrennt voneinander durch den dämmrig erleuchteten Hotelgarten und strebten dem nahen Strand zu. Zhou Ma Yang, der hoch aufgeschossene, elegant gekleidete Vize-Bürgermeister aus Shanghai, Li Fuxin, der Manager des Ministry of Railways, dessen Figur eher an eine überdimensionale Kugel erinnerte und der sein Flanellhemd gegen ein gelbes „Lacoste“ T-Shirt getauscht hatte, sowie Wang Guo Ping, der klapperdürre Oberbürgermeister der Stadt Hangzhou, als der Dritte im Bunde, dessen Atem noch immer nach Mou Tai roch, obwohl er bereits drei Pfefferminzdrops gelutscht hatte. Sie fanden sich und ließen sich auf Sonnenstühlen nieder, die massenweise am nun verlassenen, leeren Strand herumstanden. Die ruhig auslaufende Brandung des nahen Meeres und der dunkle, klare Sternenhimmel gaben der gespenstischen Szene fast einen Hauch von Romantik. Li Fuxin, dessen schwitzender Körper noch immer die Knoblauchdüfte der letzten Mahlzeit ausströmte, zündete sich eine seiner stinkenden Zigaretten an. Im Feuerschein des aufflammenden Zündholzes bemerkten die beiden anderen die angespannten Gesichtszüge ihres feisten Gesprächspartners. Genussvoll stieß Li den warmen Rauch in die sommerliche Nachtluft aus.
„Wie geht es deiner Frau?“, eröffnete Li Fuxin, an Zhou Ma Yang gerichtet, den anfänglichen Small Talk. „Viel zu gut“, entgegnete dieser, „sie wird immer dicker und fetter und verzockt an der Börse mein sauer verdientes Geld. Ich hasse dickleibige Frauen.“ „Na, es trifft jedenfalls keinen Armen“, erwiderte Li süffisant und blies seinen Zigarettenrauch in Richtung Wang Guo Ping, der bisher teilnahmslos stumm geblieben war und im fahlen Mondlicht seine schmutzigen Fingernägel betrachtete. „Und du, Wang, wie geht es dir?“, hakte Li Fuxin nach. Der Angesprochene zuckte zusammen. „Ach, es ist zum Jammern“, meinte er. Mit seinem spindeldürren Körper saß er eingesunken auf seinem Stuhl, den mageren Hintern auf der äußersten Sitzkante platziert, und starrte geistesabwesend in den dunklen Sand, als ob dort die Lösung seiner Probleme nachzulesen gewesen wäre. „Ihr wisst ja, dass wir mit dem Bau unserer ersten U-Bahnlinie große Probleme haben, nachdem ein Tunnel eingestürzt ist und drei Einwohner unserer Stadt dabei zu Tode gekommen sind, als sie in die Tiefe gerissen und verschüttet wurden. Die Untersuchungskommission, die aus Beijing anreiste, ist gerade dabei, ihren Bericht zu verfassen. Wenn ich Pech habe, wird man mich für dieses Unglück mitverantwortlich machen, und das hieße, dass es mit meiner politischen Karriere vorbei ist. Also, warum sitze ich eigentlich noch hier?“
„Langsam, langsam“, übernahm Li Fuxin erneut die Wortführung, „das ist ein guter Einstieg in unser Gespräch. Wenn du dich kooperativ genug zeigst, mein lieber Wang, kann ich dich von deinen Sorgen befreien. Also hört zu, was ich euch zu sagen habe“, dabei schnippte er seine Zigarettenkippe in Richtung Meer und zündete sich einen neuen Glimmstängel an.
„Ihr habt beide mitbekommen, dass im August letzten Jahres die amerikanische Investment Bank Lehman Brothers zusammengebrochen ist und dadurch eine weltweite Finanzkrise ausgelöst wurde, die beileibe noch nicht ausgestanden ist. Auch unsere große Nation ist leider davon betroffen. Bereits letztes Jahr und in den letzten Monaten dieses Jahres ging unser Exportgeschäft, der Motor unseres grandiosen Wirtschaftswachstums, deutlich zurück. In der Provinz Guangdong beispielsweise mussten Hunderte von Fabriken schließen. Wütende Proteste entlassener Arbeiter waren die Folge. Unser Staatsrat hat deshalb eine weise Entscheidung getroffen. Unser Land wird große Infrastrukturprojekte deutlich früher realisieren, als ursprünglich im 11. Fünfjahresplan vorgesehen, um der weiteren zu erwartenden Stagnation in unserem Exportgeschäft und der Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken. Eines dieser Projekte, welches kurzfristig ausgeschrieben und vergeben werden soll, ist die Verbindung der Städte Shanghai – Hangzhou – Nanjing durch ein zweispuriges Intercity-Zug-System, wobei die Linie Shanghai – Hangzhou als erste umgesetzt werden soll.
Entgegen der ursprünglichen Planung wollen wir deutlich mehr Züge beschaffen als zunächst vorgesehen. Ich spreche aktuell von 55 achtteiligen Intercity-Zügen, also 440 Wagen, was einem Bestellwert von ungefähr 4 Milliarden Yuan entspricht. Wie ihr bestens wisst, repräsentiert das Fahrzeuglos nach dem baulichen Teil das zweithöchste Projektvolumen und – das ist der springende Punkt – bedarf der Einbindung eines ausländischen Lieferanten und Know-how-Gebers.
Bevor ich weiter fortfahre, lasst mich eines von vornherein klar festhalten und deutlich zum Ausdruck bringen. Nachdem die Energieeinspeisung für das Verkehrssystem über eine 25kV-Anlage erfolgt, liegen die Verantwortung und die Projekthoheit eindeutig beim Ministry of Railways und nicht bei den Städten. Gleichzeitig möchte ich mit meinen Worten hiermit eine deutliche Warnung an die politisch Verantwortlichen der Stadt Shanghai aussprechen, die in der Vergangenheit oftmals geneigt waren, zu eigenmächtige Entscheidungen zu treffen. Die Parteiführung erwartet bei diesem Projekt eine unbedingte Unterordnung der städtischen Interessen und eine strikte Befolgung der Weisungen, die ich euch noch mitteilen werde. Was dich, Wang Guo Ping, angeht, glaube ich, dass du bereits verstanden hast, was für dich persönlich auf dem Spiel steht. Entweder du bleibst in deinem Amt, ohne dass der kleinste Makel aus dem Tunneleinbruch an dir hängen bleibt, oder du wanderst, unter Aberkennung deiner bisherigen Leistungen für die Partei und die Stadt Hangzhou, für einige Jahre in ein Arbeitslager. Hast du das verstanden, Wang?“ Wangs ausgemergelter Körper sank bei diesen klaren Worten noch mehr in sich zusammen. Bedächtig nickte er mit dem Kopf, anstatt eine Antwort zu geben.
Zhou Ma Yang schluckte seinen Ärger hinunter, ohne ein Wort zu sagen oder eine Geste zu der harschen Kritik von sich zu geben. Sein Gesicht wirkte wie versteinert.
„Noch eines, Wang“, setzte Li Fuxin seine Rede fort, „hör mit deiner Sauferei auf, zu viel Alkohol lockert die Zunge!“
„Also, hört weiterhin aufmerksam zu, was ich euch zu berichten habe“, fuhr Li unbeirrt fort und zog erneut an seiner Zigarette. „Wir sprechen hier und heute nur über die Beschaffung und die Auftragsvergabe für die Züge, obwohl das gesamte Projekt über eine BOT-Finanzierung aus Hongkong realisiert wird. Der Staatsrat hat hierzu bereits seine grundsätzliche Zustimmung nach Hongkong signalisiert.“test

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Für Ortsansässige einfach ein klasse Buch - 19.09.2011
Markus

Ich habe mir das Buch für meinen Sommerurlaub aufgehoben. Ich komme ursprünglich aus Röttenbach und wohne auch noch in der Region.Der Anfang mit den vielen Details über China ist sehr gut recherchiert bzw. ausgedacht. Den Zufall, dass genau ein Kommissar aus Röttenbach den Toten findet, fand ich nicht so gut, aber die weitere Geschichte ist super. Zum Schluss werden manche Punkte etwas oberflächlich behandelt, aber das macht nichts. Für Leute mit Ortsbezug ein top Buch, man kann sich genau vorstellen, was wo passiert, ich finde das sehr faszinierend.

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