Edwin J. Perkins – Wir ziehen nach London

Edwin J. Perkins – Wir ziehen nach London

Marc André Hürbin


EUR 20,90

Format: 12 x 19 cm
Seitenanzahl: 540
ISBN: 978-3-99064-672-4
Erscheinungsdatum: 18.09.2019
Wieder geraten der Ex-CIA Agent J. Perkins und seine „Assistentin“ Fiorelle in einen mysteriösen Fall. Diesmal geht es um ein verschwundenes Gemälde. Und da soll man in aller Ruhe umziehen und in London ankommen …
1. Kapitel
Ankunft in London

Als ich zusammen mit Fiorelle in London auf dem Flughafen ankam, herrschte schon Frühlingswetter. Es war ehrlich gesagt Anfang April. Wie schon beim letzten Mal, als wir mit der Reisegesellschaft ankamen, gingen wir auf das gegenüberliegende Gebäude zu. Über dem Eingang stand in großen Buchstaben: „Breakfast and Meals“. Diesmal waren wir nicht an eine Reiseleiterin gebunden und schon gar nicht an einen Zeitplan; denn wir waren ja nur zwei Personen. Wir stellten unsere Koffer im Vorraum ab und gingen dann in die Frühstücksstube, wo wir ein königliches Frühstück bestellten!„Schon wieder oder endlich hier“, sagte Fiorelle und ich nickte. „Ja.“ Das letzte Mal war ich im Dezember hier gewesen, und ich hatte Fiorelle kennengelernt. Sie waren schon komisch gewesen, meine letzten Ferien in England. Oder genauer gesagt in London. Ich war zufälligerweise von Anfang an in eine Verbrecherbande geraten, und ich war nur mit Mühe und Not mit meinem Leben davongekommen! Die Reisegesellschaft, mit der ich von Washington nach London gekommen war, bestand aus Verbrechern, von denen nur drei unschuldig waren. Fiorelle war es, im Gegensatz zu ihren Eltern. Eine Ärztin, die nichts mit der Geschichte zu tun hatte. Und die Reiseleiterin. Fiorelle hatte angefangen zu spionieren und mir dann bei der Aufklärung dieses Falles geholfen! Fiorelle war erst dreizehn Jahre alt. Doch sie hatte Feuer im Bauch! Für mich war sie das interessanteste Mädchen der ganzen Erde! Für diejenigen, die meinen letzten Kriminalfall nicht gelesen haben, muss ich noch sagen, welcher Berufung ich nachgehe. Ich bin Privatdetektiv, ausgebildet von der CIA. Ich war dort langjähriger Mitarbeiter gewesen. „Wo werde ich denn nun zur Schule gehen?“, fragte Fiorelle plötzlich. „Das werden wir noch sehen“, antwortete ich. „Irgendwo in der Nähe.“ „Wie soll ich dich denn jetzt anreden? Als Papa oder als Onkel Edwin.“ Ich lächelte. „Also auf keinen Fall als Papa. Und als Onkel darfst du mich auch nicht ansehen, da ich beides nicht bin. Und als zukünftiger Bräutigam darfst du mich auch nicht sehen. - Hm. Nenn mich einfach Edwin J.“ „Edwin J?!“, prustete sie. „Für was steht denn das J?“ „Na ja, meine Mutter wollte, dass ich Priester werde. Also hat sie mich Josepha genannt. Deswegen J. Ich hasse diesen Namen.“ Um es klar zu sagen, als ich Gewissheit bekommen hatte, dass Fiorelles Adoptiveltern, die immerhin schon 66 Jahre alt geworden waren, ins Gefängnis kommen würden, da hatte ich mich der Kleinen angenommen.Erstens verstanden wir uns gut. Zweitens, obwohl es wahrscheinlich verboten war, konnte ich auf ihre Mithilfe bei der Aufklärung meiner Kriminalfälle nicht verzichten! Doch dies sagte ich ihr natürlich nicht! Selbst wenn ich es ablehnen würde. Einen Weg, um sich einzumischen, würde sie finden. Manchmal schüttelte ich meinen Kopf über ihren sturen Schädel. Außerdem hatte sie einen harten Schädel, wie das härteste Stück Holz, das es auf der Welt gab.Inzwischen wurden uns geröstetes Toastbrot serviert, Orangenmarmelade und Butter. Voller Hunger machten wir uns darüber her. Wir hatten im Flugzeug nur wenig gegessen. Wir merkten, als wir uns nicht nur einmal, sondern sogar zweimal Toastbrot nachbestellten, dass wir fast am Verhungern waren! Schließlich bestellte ich die Rechnung. Ich bezahlte, und wir gingen mit unseren beiden Koffern zu einem der wartenden Taxis; anschließend machten wir uns auf den Weg zu dem Ort, wo wir unterkommen würden, ohne dass wir in ein Hotel gehen mussten.





2. Kapitel
Bei Holmes und Watson


Der Fahrer verstaute unsere Gepäckstücke im Wagen und fuhr los.„Where do we like to go?“, fragte er.„Baker Street 221B.“ „Okay.“„Ich habe gedacht, dass wir zum Hotel fahren?“, meinte Fiorelle, die auf dem Rücksitz saß. Für mich war es erst das zweite Mal, dass ich in England war. Und jetzt hatten wir sogar noch vor hier zu leben. Fiorelle James und ich - Edwin J. Perkins. In meinem letzten Bericht, über den ersten Fall, den ich in London aufgeklärt hatte, vergaß ich ganz zu erwähnen, wie ich selbst aussehe. So möchte ich jetzt nachholen, was ich damals versäumt hatte. Nun, wie wohl niemand vermutet, trage ich auf meiner Nase eine Brille, die an einer schwarzen Kette hängt. Ich habe braune, leicht ergraute Haare, ich bin glatt rasiert und meistens klassisch gekleidet. Doch ich trage, was auch von meinem Beruf herkommt, manchmal eine klassische Bluejeans, die ich als Klassiker sehr bequem finde. „Wir gehen unsere Freunde besuchen“, sagte ich und Fiorelle nickte lächelnd.Die legendäre Adresse für alle, die gerne Kriminalromane lesen. Baker Street 221B. Dort hatten einst Sherlock Holmes und Dr. John H. Watson gewohnt! Noch zu ihrer Zeit. Jetzt wohnten dort zwei Männer, die nur so taten, als ob sie es waren. Quasi als Touristenattraktion! Doch seit meinem ersten Fall, der in London spielte, waren sie meine und Fiorelles beste Freunde geworden! Trotzdem glaube ich, dass ich der bessere Detektiv bin als Sherlock Holmes; da ich real war. Nicht nur der Protagonist eines Schriftstellers in seinen spannenden Romanen. Aber - hatte ich denn überhaupt eine Chance in London, dieser großen Stadt, als Detektiv? Ich konnte es nur hoffen. Denn das Geld war in letzter Zeit etwas knapp geworden. Und jetzt hatte ich noch so etwas wie eine Tochter! Als wir an der Baker Street 221B ankamen, nahmen wir unsere Gepäckstücke aus dem Wagen. Ich bezahlte den Taxichauffeur und klingelte dann an der Außentüre von Holmes und Watson. Beinahe gleichzeitig wurde sie von einem Mann geöffnet. Es war Sherlock Holmes! „Wir haben euch vermisst“, sagte er. „Wir euch auch“, erwiderte ich und reichte ihm meine Hand. „Sherlock?“, fragte Fiorelle. „Wo ist Watson?“ „Watson ist oben und zieht sich um. Er hat Kaffee verschüttet.“ Er lächelte, griff nach meinem Koffer, und mit einer Handbewegung bat er uns ins Haus. Als wir die Treppe hochgingen, kam uns oben die Haushälterin der beiden „berühmten“ Männer, entgegen. - „Herzlich willkommen“, sagte sie zur Begrüßung. „Ich habe Tee und Kaffee und Sandwiches vorbereitet. Sie werden sicherlich hungrig sein.“ „Ja, das kann man wohl sagen“, meinte ich. „Wir beide haben nur wenig zu essen bekommen - im Flugzeug. Ah, da ist Watson.“ Wir schüttelten uns herzlich die Hände. „Ist die Spionin auch hier?“, fragte er. „Ach, da ist sie ja. Hello, Fiorelle.“ „Hello, John. How are things?“ „The things? - The things are going well.“




3. Kapitel
Die Snooker-Weltmeisterschaft


Bevor Fiorelle und ich uns mit der Frage auseinandersetzen wollten, wo wir wohnen würden, konnten wir bei Holmes und Watson bleiben. „Aber nicht bis in alle Ewigkeit“, hatte Holmes lachend am Telefon, gesagt. Ich würde mich daran halten. Doch ich hatte nicht vor, im schönsten Viertel von London zu wohnen, aber auch nicht im schäbigsten. Allerdings irgendwann würden uns unsere Gastgeber Holmes und Watson rausschmeißen. Und wahrscheinlich würden wir dann auch kein Geld mehr haben. Ich musste mir also überlegen, wie ich zu Aufträgen von Kriminalfällen kommen würde. Doch im Moment unterhielten wir uns über die Snooker-Weltmeisterschaft, die gestern in London angefangen hatte. Wer würde gewinnen? „David White, der haushohe Favorit, wird nicht gewinnen“, meinte Holmes. „Er liegt schwitzend im Bett, unter der dicken Federdecke, denn er hat eine starke Bronchitis.“ „Wird er trotzdem spielen?“, fragte Watson. „Ja, er versucht es krampfhaft. Na ja, wir werden sehen.“In den Staaten, wo ich aufgewachsen war, kannte man Snooker nicht so gut - wie in England. Es gab nur einen professionellen, amerikanischen Snooker-Spieler und das war „Torsten Smith“. Er war einer der besten. Doch ein Turnier hatte er noch nie gewonnen.„Ich habe noch nie Snooker gespielt“, sagte Fiorelle und gähnte. Worauf auch ich gähnen musste. - Wir waren beide noch müde von der Reise und fühlten den Jetlag. Obwohl das Essen in England, so sagt man, nie genießbar war, die Schinkenbrote, die uns Holmes’ Haushälterin zubereitet hatte, schmeckten ausgezeichnet. Jedenfalls beschlossen wir, uns erstmal Karten für die Snooker-Weltmeisterschaft zu besorgen.Während wir so am Reden waren, kam die Haushälterin mit frischem Kaffee. Sie brachte Holmes auch die neuste Zeitung. - Mit geübten Bewegungen stopfte er seine Pfeife, zündete sie an und vertiefte sich in die „Times“. Er hatte heute nichts vor, außer Zeitunglesen.Fiorelle und ich griffen nach neuen Schinkenbroten, und Watson goss Kaffee nach. - Fiorelle und ich hatten bis jetzt keine Ahnung, wie wir zu einer preiswerten Wohnung kommen würden. Wir nahmen an, dass sie in London unter der Hand weggehen würden. Doch dann löste sich das Problem wie von selbst! Ich wusste nur, dass in ein paar Tagen unsere Sachen aus den Staaten kommen würden. In einer riesigen Kiste. Ich würde der Zügelfirma noch eine Adresse angeben müssen, um ihnen zu sagen, wohin sie die Kiste bringen mussten.Während Sherlock in aller Seelenruhe die Zeitung las und seine Pfeife schmauchte, fanden wir unverhofft und ziemlich schnell eine Wohnung und auch den ersten Kriminalfall! Doch ich will der Reihe nach alles berichten! Da wir unter dem Jetlag litten, meinten Holmes und Watson, dass wir uns doch einfach auf die beiden Sofas legen und uns ausruhen sollten. Fiorelle stand sofort auf und legte sich auf eines der beiden Sofas. Auch ich stand auf und legte mich ein wenig hin. Obwohl ich sicher war, dass ich nicht würde schlafen können. - Gähnend räkelte ich mich auf dem Sofa. Eine Weile döste ich; doch schließlich erschreckt fuhr ich hoch. - Was war das? Wer war das? Ich öffnete beide Augen und sah, dass Fiorelle vor mir stand. Hatte sie mich geweckt? Wie gemein von ihr! Also hatte ich doch nicht nur gedöst?! Schon wollte ich wieder stur die Augen schließen.Doch verschiedene Gerüche hielten mich davon ab!Der Geruch von frischem, gerösteten Kaffee, Spiegeleiern und Speck und der Geruch von Bouillon. Lecker! „Komm jetzt“, meinte Fiorelle. Es wäre unhöflich gewesen, wenn ich das Mittagessen in so einem vornehmen Hause wie das der altehrwürdigen Herren Sherlock Holmes und Dr. John H. Watson, der alte Chronist der Fälle Holmes, einfach verschlafen hätte. John lächelte, doch Sherlock sah ein bisschen sauer aus! Entweder war er es nicht gewohnt, dass er Gäste hatte, oder es war noch nie vorgekommen, dass jemand auf dem Sofa schlafend beinahe sich geweigert hätte, zum Mittagessen aufzustehen. Also musste ich von jetzt an aufpassen, dass ich mich besser benehmen würde!

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