Dr. Mafia

Dr. Mafia

Bastian Aures


EUR 17,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 308
ISBN: 978-3-99064-921-3
Erscheinungsdatum: 11.05.2020
Dr. Peter Mercy ist leidenschaftlicher Unfallchirurg und Leibarzt der gefährlichsten Organisation der Welt - der Mafia. Auf der Suche nach dem Mörder seiner Frau lässt ihn die Mafia nicht im Stich und begleitet ihn bei seinen gefährlichen Aktionen.
Kapitel 1

„Die Kleine wird uns gleich unter der Hand wegsterben, wenn uns nicht in den nächsten paar Sekunden etwas einfällt“, sagt Schwester Catherine zu uns.
Sie ist eine erfahrene Krankenschwester und arbeitet genauso lange in diesem Krankenhaus wie ich.
„Ja, da haben Sie Recht“, meine ich zu ihr. „Sie hat starke Herzrhythmusstörungen durch den hohen Blutverlust. Okay, spritzt ihr ein Milligramm Lidocain, um den Rhythmus wieder herzustellen und verabreicht ihr zwei Beutel an Blutkonserven, ich bereite alles zum Defibrillieren vor.“
Ich schmiere die Paddles mit Gel ein und lege sie dem kleinen Mädchen auf die Brust. „Alle weg vom Tisch!“, gebe ich den Befehl. „Laden auf dreihundert, und … Schock.“
Der Monitor zeigt keinerlei Verbesserung an.
„Das Ganze noch einmal, alle weg vom Tisch.“
Ich schocke das kleine Mädchen ein zweites Mal. Der Blick wandert erneut in Richtung Monitor, aber die Linie verändert sich nicht. Und dann kommt der Moment, der für einen Arzt immer der schlimmste ist – der lange Piepton. Er signalisiert den Tod des kleinen Mädchens.
„Oh nein, so schnell wirst du jetzt nicht aufgeben, hast du das verstanden?“, sage ich zu ihr. „Catherine, fangen Sie sofort mit der Wiederbelebung an, während ich erneut das Gel auf die Paddles auftrage.“
„Schwester Emma, spritzen Sie ihr zehn Milligramm Adrenalin. Ich warte ein paar Sekunden, damit das Medikament seine volle Wirkung entfalten kann.“
„Okay, alle weg vom Tisch. Laden auf dreihundertfünfzig, und … Schock.“
Der Monitor zeigt keine Veränderung an.
„Das gibt es nicht!“, fluche ich lautstark durch den Raum.
Mein Team und ich versuchen es weitere fünfzehn Minuten lang.
„Dr. Mercy, es hat keinen Sinn mehr, das Mädchen ist tot“, sagt Schwester Emma zu mir.
„Nein, nein, heute wird bei mir keiner mehr sterben. Wir probieren es ein letztes Mal. Alle weg vom Tisch, laden auf dreihundertfünfzig und … Schock.“
Doch die Linie auf dem Monitor zieht weiter gerade dahin. Das kleine Mädchen ist tot.
„Zeitpunkt des Todes: 18:51 Uhr“, sage ich zu meinem Team. „Wir haben alles getan, was in unserer Macht stand, Dr. Mercy.“
Schwester Catherine berührt mich sanft mit ihrer rechten Hand an meiner Schulter. Auf einmal regt sich der Monitor und zeigt eine Herzaktivität an.
„Ich wusste, dass du eine Kämpferin bist!“, schreie ich vor Erleichterung. „Sie muss so schnell wie möglich in den OP. Los, los, los!“
Die Operation dauert über fünf Stunden, wir mussten dem kleinen Mädchen die Milz und eine Niere entfernen, aber sie lebt.
„Die Eltern der Kleinen warten schon lange im Wartebereich der Notaufnahme“, sagt Schwester Catherine zu mir.
Die Mutter hält sich ein Taschentuch vor die Nase, da ihr die Tränen hinunterlaufen und nicht mehr zu stoppen sind. Der Vater nimmt sie dabei ganz fest in den Arm. Ich gehe zu den Eltern hinüber.
„Guten Abend, ich bin Dr. Mercy, der behandelnde Arzt Ihrer Tochter.“
„Wie geht unserer Sophia?“, fragt der Vater und wirft mir dabei einen hoffnungsvollen Blick zu.
„Leider musste ich Ihrer Tochter die Milz und eine Niere entfernen, aber sie wird überleben.“
Die Eltern atmen auf: „Das sind großartige Neuigkeiten. Vielen, vielen Dank, Dr. Mercy, dass Sie unserer Tochter das Leben gerettet haben“, sagen beide zu mir.
„Das habe ich gerne gemacht“, erwidere ich. „Sophia ist eine echte Kämpfernatur und wird wieder gesund.“
„Das glaube ich, unsere Tochter musste in ihrem kurzem Leben schon viele Kämpfe austragen, denn leider ist Sophia eine Frühgeburt und kam mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt“, sagt der Vater. „Wenn ich irgendetwas tun kann um Ihnen meine Dankbarkeit zu zeigen, dann lassen Sie es mich wissen.“
„Nein, nein, um Gottes willen, ich habe nur meinen Job gemacht. Dass ihre Tochter lebt, ist Belohnung genug.“
„Falls Sie es sich anders überlegen, können Sie mich jederzeit anrufen“, sagt er und drückt mir eine Karte in die Hand. Darauf steht: Kevin Boston, Börsenmakler. Wenn der wüsste, wie viel Ärzte in Brooklyn verdienen, da gibt es nicht viel zum Anlegen.
„Vielen Dank, Mr. Boston, ich werde bei Bedarf auf Sie zurückkommen. Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Abend.“
Dann laufe ich in Richtung Umkleide für Mitarbeiter um meine Dienstkleidung auszuziehen. Endlich Dienstende, und nichts kann mich jetzt mehr aufhalten zu meiner Frau und der Badewanne zu gehen. Ich ziehe mich schleunigst um, und laufe mit großen Schritten Richtung Ausgang.
Der Abend ist heute sehr schön und die Luft so klar. Ich stecke mir eine Zigarette in den Mund und zünde sie an. Eigentlich wollte ich längst mit dem Rauchen aufhören, aber der Stress lässt mich immer wieder in alte Gewohnheiten zurückfallen. Meine Frau ist weiterhin im Glauben, dass ich seit fünf Jahren rauchfrei bin.
Aus Liebe zu ihr tue ich dies heimlich und nur nach Feierabend. In meinem Auto habe ich frische Klamotten und Parfüm dabei. Wenn sie wissen würde, dass ich es noch nicht geschafft habe, mit dem Rauchen aufzuhören, wäre die Enttäuschung groß und das möchte ich meiner Amelie nicht antun.
Ich nehme ein paar Züge und laufe zu meinem Auto. Als ich die Autotür öffne, klingelt plötzlich mein Handy. „Oh nein, diese Nummer kenne ich zu gut, es ist bestimmt Francesco.“ Mein Nebenjob ruft immer zu den besten Zeiten, denn neben meiner regulären Arbeit bin ich noch der Leibarzt für eine Organisation, die gefährlich und gewalttätig ist – die Mafia. Es ist nichts, was ich gerne tue oder auch freiwillig möchte. Nein, es ist, weil ich es tun muss und mich verpflichtet habe. Denn einen Pakt mit der Mafia hält man am besten ein, damit man sein eigenes Leben nicht in Gefahr bringt. Ich wuchs in Brooklyn unter ärmlichen Verhältnissen auf. Meine Eltern hatten kaum Geld für das Nötigste. In der Schule schrieb ich immer gute Noten und machte einen hervorragenden Abschluss. Anschließend wollte ich unbedingt auf das College um Medizin zu studieren. Doch dazu fehlte uns das Geld und ich musste mit dem Arbeiten anfangen, damit meine Eltern und ich über die Runden kamen. Meine Mutter wurde schwer krank, der Krebs hatte ihre Gebärmutter befallen. Sie benötigte dringend eine Therapie, allerdings konnten wir uns das nicht leisten und ohne diese Operation würde sie sterben. Tagelang zerbrach ich mir den Kopf, wie ich der Frau, die mich groß zog, die nötigen Therapien ermöglichen konnte. Eines Tages lief ich durch den Park und setzte mich auf eine Bank, dabei fing ich bitterlich zu weinen an.
Ein Mann, der einen schicken Anzug und einen tollen Hut trug, sprach mich an. Er blickte zu mir hinüber und sagte: „Warum so traurig?“
„Mein Leben entgleitet mir gerade und ich weiß nicht, wie ich all dies bewältigen soll“, sagte ich zu dem Mann.
„Vielleicht kann ich dir behilflich sein?“
„Das wäre schön, aber dazu müssten Sie mir viel Geld geben und das kann ich wohl kaum von Ihnen verlangen.“
„Wieso erzählst du mir nicht einfach von deinen Problemen und wir sehen dann weiter, wie ich dir helfen kann. Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Alfonso Romano. Wie heißt du, mein Junge?“
„Ich bin Peter Mercy, nett, Sie kennenzulernen.“
Wir unterhielten uns über zwei Stunden, es war richtig angenehm und für einen kurzen Moment vergaß ich meine Probleme.
„Was würdest du tun, wenn du fünfhunderttausend Dollar in die Hand bekämst?“, fragte mich Alfonso.
„Ganz klar, als Erstes würde ich meiner Mutter die Therapie ermöglichen und danach mit dem Medizinstudium beginnen.“
„Das hört sich doch hervorragend an, dann mach es.“
„Wie meinen Sie das?“, fragte ich ihn verwirrt.
„Ich gebe dir das Geld und im Zuge dessen wirst du mir dann helfen.“
„Okay, und was soll das sein?“
„Ganz einfach, wenn du mit dem Studium fertig bist, wirst du mein eigener Arzt und stehst mir immer zur Verfügung, mehr möchte ich gar nicht. Wie hört sich das für dich an?“
„Und Sie würden mir dafür das Geld geben?“
„Versprochen ist versprochen. Haben wir einen Deal?“
Er reichte mir die Hand.
„Eine Frage hätte ich noch: Für wen arbeiten Sie?“
Alfonso fing lautstark zu lachen an.
„Für niemanden, ich habe meine eigene Firma und tausende Angestellte.“
„Und wie heißt Ihre Firma?“, fragte ich ihn.
„Mafia“, antwortete Alfonso zurück, „aber Genaueres werden wir bald besprechen. Wie sieht es aus, schlägst du ein oder nicht?“
Ich reichte ihm die Hand.
„Ach ja, bevor ich vergesse, ich rate dir dringendst, dich immer an den Deal zu halten bevor es böse endet.“
So lernte ich Alfonso kennen und nun arbeite ich schon über achtundzwanzig Jahre für ihn. Ich nehme mein Handy hervor und gehe an das Telefon: „Was ist?“, frage ich.
„Hey, da ist ja mein Lieblings-Doc, wie geht es Ihnen?“
„Komm auf den Punkt, Francesco, ich habe gerade eine fünfzehn Stunden-Schicht hinter mir und würde gerne nach Hause gehen.“
„Sie gefallen mir, Doc, kommen immer gleich zur Sache. Mich hat heute beim Schutzgeld Eintreiben ein Rottweiler in den Arsch gebissen und jetzt sieht er aus wie Schweizer Käse.“
„Schon wieder“, erwidere ich, „das ist das dritte Mal in den letzten zwei Wochen.“
„Was soll ich sagen, Doc? Mein Beruf ist eben gefährlich.“
„In Ordnung, ich komme, wo seid ihr?“
„Wir sind auf dem Weg zum Don und in circa fünf Minuten dort.“
„Gut, ich fahre sofort los und bin in einer halben Stunde bei euch.“
Ich steige in mein Auto ein und fahre los. Zum Glück ist kaum Verkehr auf den Straßen, sodass ich früher am Haus von Alfonso ankomme als gedacht. Ich fahre die Einfahrt hinauf und sehe, wie Alfonsos Männer um das Haus herum stehen. Alle sind schwer bewaffnet und tragen eine Thompson eng am Brustkorb. Anscheinend herrscht wieder Krieg mit einer anderen Familie, sonst wäre nicht so ein Aufgebot an Leibwächtern da.
Am Haus angekommen steht Luigi bereits vor der Tür und raucht gemütlich eine Zigarette. Er ist wie immer bestens gekleidet. All seine Anzüge müssen maßgeschneidert sein, dabei spielt es keine Rolle, wie viel Geld das kostet. Francesco ist genau das Gegenteil, ihm ist egal, ob der Anzug passt oder nicht. Er macht sich eben nicht viel aus sich, Hauptsache es gibt genug Alkohol und Frauen.
„Wo ist der schwerverletzte Patient?“, frage ich Luigi.
„Er wartet unten in deiner Praxis.“



Kapitel 2

Ich weiß nicht, wie oft ich in dem Haus von Alfonso schon war, aber es beeindruckt mich immer wieder von Neuem. Es ist aus dem achtzehnten Jahrhundert und hat deshalb einen großen Charme. Die Inneneinrichtung, alles vom Feinsten. Bester Marmor schmückt den Eingang zum Palast. Wenn ich Multimillionär wäre, würde ich mir auch so ein Haus kaufen. Ich laufe die Treppen hinunter und gehe in meine Praxis. Das Licht brennt und die Tür steht weit offen.
„Ah, da ist mein Lieblings-Doc, schön Sie zu sehen.“ Er gibt mir links und rechts zwei Küsse auf die Wangen. Wie ich das hasse.
„Francesco, ich weiß nicht, wie oft ich deinen Arsch noch zusammentackern muss, wenn du so weiter machst, werde ich aus deinem Ranzen einen neuen zusammenbasteln müssen. Und wie siehst du eigentlich schon wieder aus? Du hast doch zugenommen! Ich habe dir doch extra einen Diätplan erstellt, aber das kümmert dich anscheinend nicht wirklich. Wenn du so weitermachst, hast du mit vierzig deinen ersten Herzinfarkt.“
„Wow, wow, wow, Doc, holen Sie mal wieder Luft bevor Sie einen Herzinfarkt bekommen. Meine Frau kocht eben so gut und das Essen einer temperamentvollen Italienerin schlägt man nicht aus, da kennt die keinen Spaß. Würde ich das Gekochte meiner Frau nicht würdigen, wäre ich schneller in der Holzkiste als mir lieb ist. Dann habe ich lieber ein paar Kilos zu viel auf den Rippen.“
„Ist ja gut, dann leg dich auf die Liege und mach dich unten herum frei.“
Francesco zieht die Hose aus und legt sich auf den Bauch. Na, ganz große Klasse, eine lange und tiefe Po-Falte, mit dunklen, schwarzen Haaren bestückt, springt mir ins Auge. Mein Beruf ist nicht immer einfach.
„Das sind ja tiefe Bisswunden, der Hund hat wohl gedacht einen saftigen Schinken vor sich zu haben. Wie ist das passiert?“, frage ich ihn.
„Luigi und ich drehten wie jeden Abend unsere Runden und sammelten die Schutzgelder ein. Doch dieses Mal versuchte einer der Ladenbesitzer zu fliehen und verschwand durch die Hintertür. Wir rannten ihm hinterher, als der Ladenbesitzer den Zwinger öffnete, griff mich sein Hund tollwütig an. Sofort versuchte ich über den Zaun zu klettern, doch ich war einfach zu langsam und der Hund verbiss sich in meinem Hintern.“
„Dann habe ich also doch Recht gehabt, der Rottweiler dachte eben einen saftigen Schinken vor sich zu haben.“
„Sehr witzig, Doc, könnten Sie mir jetzt bitte helfen? Wenn es noch länger dauert, fault mir noch mein Arsch weg.“
„Schon gut, ich sehe es mir an.“
Die Löcher, die der Hund hinterließ, sind so tief, dass ich beinahe den Knochen sehen kann. Mit so etwas ist nicht zu spaßen, das kann fatale Folgen haben. Bei Francesco glaube ich das aber nicht, der hatte schon so manches in seinem Hintern stecken und überlebte es.
„Wie sieht es aus, Doc, werde ich sterben?“
„Nein, Francesco, du wirst noch sehr lange leben“, erwidere ich mit einem leicht zynischen Unterton. „Die Wunde muss regelmäßig gespült werden und darf nicht austrocknen. Ich werde dir die Löcher mit einer feuchten Kompresse ausstopfen und eine Zeitlang einwirken lassen. Außerdem musst du die nächsten zehn Tage ein Antibiotikum einnehmen um einer Infektion vorzubeugen. Gegen Tetanus habe ich dich schon letzte Woche geimpft als du eine Kugel in den Allerwertesten bekamst.“
„Vielen Dank, Doc, Sie haben mir wieder einmal das Leben gerettet.“
„Ja, ja, du musst einfach besser aufpassen, Francesco, irgendwann hast du einmal nicht mehr so viel Glück wie dieses Mal.“ „Es ist eben ein gefährlicher Job und ich habe fünf Mäuler zu stopfen“, sagt Francesco zu mir.
„Ach ja, bevor ich es vergesse, die nächsten zehn Tage darfst du dich nicht setzen oder Ähnliches, damit sich die Wundheilung beschleunigt.“
„Wie jetzt, Doc, ich darf mich nicht setzen? Wie soll ich dann mein Morgengeschäft verrichten?“
„Darauf bekommst du jetzt keine Antwort, Francesco, dir wird schon etwas einfallen.“
„Peter, Don Alfonso erwartet dich oben in seinem Garten, er möchte mit dir etwas besprechen“, sagt Luigi zu mir.
„Gut, ich bin sofort bei ihm.“
Ich gehe aus meiner Praxis und laufe die Treppen hinauf. Als ich oben angekommen bin, wartet der Don schon auf mich. Er blickt aus dem Fenster. Seine Hände sind hinter dem Rücken verschränkt, dabei kratzt Alfonso mit dem rechten Daumen an seinem Ehering. Das tut er nur dann, wenn etwas passiert ist und Spannung abgebaut werden muss.
„Peter, mein alter Freund, schön dich wieder zu sehen.“
„Ja, Alfonso, ich freue mich auch.“
„Wie geht es dir?“, frage ich ihn.
„Alles bestens, nur die Hüfte macht mir zurzeit etwas Probleme, aber so ist das eben, wenn man alt wird. Hast du Francesco, diesen Tollpatsch, gut versorgt?“
„Ja, habe ich, das ist schon das dritte Mal in den letzten zwei Wochen.“
„Das darf nicht wahr sein, was macht dieser Mann nur immer wieder?“
„Wenn ich das nur wüsste. Letzte Woche war Francesco in einem Bordell, wie so oft trank er einen über den Durst und bedrängte eine der Damen zu sehr. Sie trat ihm so heftig in den Hintern, dass ein Stück ihres Absatzes darin stecken blieb.“
Alfonso kann sich das Lachen nicht verkneifen. Er lacht so sehr, dass er sich am Stuhl festhalten muss um nicht auf den Boden zu fallen. Nach ein paar Sekunden beruhigt er sich wieder etwas und fährt sich mit seiner rechten Hand durch die Haare, die während des Lachens aus der Form gebracht wurden.
„Sehr schöne Geschichte, Peter, das hat mir glatt den Tag versüßt.“
„Darf ich dich etwas fragen, Alfonso?“
„Nur zu, Peter, was bedrückt dich?“
„Warum hast du das Wachpersonal verstärkt, gibt es dafür einen Grund?“
„Ach, das ist nur eine Vorsichtsmaßnahme. Es gab eine kleine Meinungsverschiedenheit mit einer anderen Familie, weiter nichts.“
„Worum ging es dabei?“, frage ich den Don.
„Geschäftliche Sachen eben. Du weißt schon, Bordelle, Drogen und Schutzgelder, das Übliche.“
Irgendwie kaufe ich ihm das nicht ab. Alfonso wirkt angespannter als sonst und das gefällt mir nicht.
„Ich möchte nicht unhöflich sein, Don, aber ich habe eine achtzehn Stunden-Schicht hinter mir und würde mich gerne für ein paar Minuten hinlegen bevor es nach Hause geht. Meine Frau wird schon krank sein vor Sorge.“
„Aber natürlich, Peter, du musst ja vollkommen fertig sein. Leg dich ein wenig in das Gästezimmer, dort wird dich niemand stören.“
„Vielen Dank, Alfonso.“
Als ich das Zimmer verlassen möchte, kommt ein junger Mann herein. Es ist Angelo, der zweite Sohn von Alfonso. Sein ältester Sohn Rafael und sein Frau Emilia verstarben vor drei Jahren bei einem tragischen Autounfall. Böse Zungen behaupten, dass es kein Unfall war, sondern ein kaltblütiger Mord einer anderen Familie. Seitdem ist Alfonso nicht mehr derselbe, der er früher einmal war.
Es fällt ihm deutlich schwerer, Entscheidungen zu fällen, und er geht kaum noch Risiken ein. Seine Macht fängt an mehr und mehr zu schwinden. Dies bleibt bei anderen Familien nicht unbemerkt.
„Angelo, mein geliebter Sohn, wie schön dich zu sehen.“
„Ja, ja, ist schon gut, kannst du mir fünfhundert Dollar geben? Ich würde die Jungs heute Abend gerne einladen.“
„Warum verbringst du den Abend nicht lieber mit deinem alten Vater? Wir sehen uns doch kaum noch. Und wenn, brauchst du immer Geld von mir.“
„Kannst du mir jetzt welches geben oder nicht? Sonst verschwinde ich wieder!“
Alfonso greift in die rechte Innentasche seines Anzuges und holt ein ganzes Bündel voller Scheine heraus.
„Hier, mein Sohn, da hast du tausend Dollar, habe viel Spaß mit deinen Freunden.“
Angelo nimmt das Geld an sich wie eine gierige Schlange und verschwindet wieder.
„Warum lässt du so mit dir umgehen, Alfonso?“, frage ich ihn. „Du bist der Don, das Familienoberhaupt, und dein Sohn behandelt dich wie einen Zeitungsjungen auf der Straße.“
„Ach, er ist noch jung und es braucht noch ein wenig Zeit bis er zur Vernunft kommt. Ich war genauso in seinem Alter. Ich trank jeden Abend zu viel Wein und Whisky. Und nicht zu vergessen die vielen Frauen.“
„Wie du meinst, Alfonso, das musst du wissen“, sage ich und verlasse den Raum.
Ich laufe in Richtung Gästezimmer, um mir endlich ein wenig Schlaf zu gönnen. Mir fällt dabei eine Tür auf, die leicht offen steht. Ich höre ein paar Männerstimmen, die sich gerade unterhalten: „Ich weiß nicht, ob der Don die richtige Entscheidung getroffen hat. Wir müssen es riskieren und dürfen uns jetzt nicht zurückziehen.“
„Ja, da hast du vollkommen Recht, früher hätte Alfonso nicht so mit sich reden lassen und denjenigen noch am gleichen Abend beseitigt.“
Anscheinend gibt es Unstimmigkeiten in der Familie. Es ist nie gut, wenn in so einer Organisation die Rangordnung nicht stimmt. So etwas endet immer blutig, entweder für den Don oder für den anderen, der seinen Führungsstil in Frage stellt. Endlich komme ich am Gästezimmer an. Es ist wunderschön hier, so geschmackvoll eingerichtet. Alles harmoniert miteinander. Die cremefarbene Bettwäsche passt perfekt zu dem Teppich und den Vorhängen. Das große Fenster lässt viel Tageslicht in den Raum, sodass man sich wie in einem Hotel fühlt.
Mir fällt ein Bild auf dem Nachttisch auf. Es ist sein verstorbener Sohn Rafael zu sehen, daneben Angelo. Das Bild muss kurz vor seinem Unfall aufgenommen worden sein. Die beiden halten einen großen Fisch in den Händen. Anscheinend sind sie angeln gewesen. Wenn es die Zeit erlaubte, machte Alfonso gerne Urlaub mit seiner Familie. Auf dem Foto sind im Hintergrund Palmen zu sehen, sieht aus wie auf Hawaii. Rafael war ein toller Mann, so stilvoll und elegant und hatte immer gute Manieren. Im Gegensatz zu Angelo, der ein kleiner Rabauke ist und seine guten Manieren regelrecht über Bord geworfen hat. Die Aussicht aus diesem Zimmer ist herrlich, man hat einen perfekten Blick auf den Garten von Alfonso. Wobei Garten eine Untertreibung ist, vielmehr ist es ein Park. Über zwanzig Gärtner sind hier beschäftigt und halten alles in Schuss. Meine Augen werden sehr schwer, es wird Zeit mich ein paar Minuten auszuruhen.
5 Sterne
Dr Mafia  - 08.07.2020
Sabine Brunner

Gefällt mir sehr gut. Spannende Lektüre

5 Sterne
Dr. Mafia bastian aures - 08.07.2020
Stephanie bauer

Sehr spannendes Werk. Macht jeuhuerig auf weitere Romane

5 Sterne
Bastian aures - 08.07.2020

Ein spannendes Buch.Der Autor hat es sehr gut geschafft den Leser zu fesseln. Sehe empfehlenswert

5 Sterne
Spannend und fesselnd - 08.07.2020
Stefanie Bauer

Ein total spannendes Buch. Man kann gar nicht aufhören zu lesen. Kann ich nur empfehlen.

5 Sterne
Dr. Mafia - 03.06.2020
Regina Neu

Super spannendes Buch

Das könnte ihnen auch gefallen :

Dr. Mafia

Josef Mannert

Der Schlächter

Buchbewertung:
*Pflichtfelder