Die Lanzen des Siloschwanzes

Die Lanzen des Siloschwanzes

Karl-Heinz Strohmeyer


EUR 18,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 234
ISBN: 978-3-99131-789-0
Erscheinungsdatum: 24.01.2023
Eine Leiche am Ufer des Sees. Es folgen weitere außergewöhnliche Todesfälle. Der Mörder verwendet als spektakuläres Tatwerkzeug „Siloschwanzlanzen“. Welches Schicksal verbindet das Leben zweier Kinder mit den beispiellosen Taten?
1

Er brauchte sich nicht abzukühlen. Durch das noch ausstehende Abendbrot war sein Magen leer und damit eine übermäßige Herzkreislaufbelastung nicht zu befürchten.
Rechts vom Bootssteg ging es erst einmal einige Meter flach in den See, der, ringsherum malerisch vom Laubwald eingebunden, Ruhe und Geborgenheit ausstrahlte. Einige schneeweiße Kumuluswolken am Himmel rundeten das Bild trefflich ab. Ein Saum von Schilf und Rohrkolben, mal schmal, mal bis zu 20 m breit, glänzte im Sonnenlicht. Nur der Bereich des Steges schien von der Natur ausgespart, damit Menschen ihrem Bedürfnis nach Sport und Ruhe hier nachgehen konnten.
Schon zu Hause hatte er sich unter die schwarze Jeans seine Badehose angezogen. Gerne durfte seinerseits auch früher mal nackt im See gebadet werden. Nachdem es einige missbilligende Blicke gegeben hatte, verbunden mit einem tadelnden Kopfschütteln einer älteren Dame, wurde freiwillig auf diese Art von Körperkultur verzichtet. Er genoss es jedes Mal, in Badelatschen nur den kurzen Weg von einigen hundert Metern zum See zurücklegen zu müssen. Der Haustürschlüssel verschwand in einem kleinen Versteck hinter der Dachrinne der Garage. So musste man am See nur aus den Latschen und der Hose herausschlüpfen, das Shirt abstreifen, um dann schlurfend die ersten Meter im Wasser zurückzulegen. Sobald das Wasser den Bauchnabel berührte, warf er sich ins kühlende Nass, um sofort mit kräftigen Zügen in Richtung Seemitte zu schwimmen. Nicht selten konnten kleine Jauchzer des Wohlbefindens vernommen werden. Es war immer, als würde sämtlicher Ballast von ihm fallen. An diesem Tag war er aber ein wenig aus dem Rhythmus, fiel ihm doch jäh ein, sein Handy nicht wie gewohnt zu Hause gelassen zu haben. Allerdings kam es nie vor, dass sich jemand seiner abgelegten Kleidung näherte. Es musste heute eben das eine oder andere Mal mehr ein prüfender Blick zurückgeworfen werden.
Ein Blässhuhn kreuzte schwimmend seine Bahn und verschwand kopfnickend in Richtung Schilf. Man kannte sich von den vielen Begegnungen in diesen Tagen.
Er verzichtete seit einiger Zeit auf das Aufsetzen einer Schwimmbrille, die eigentlich geboten war, da sein Kopf beim Durchzug der Arme immer weit unter die Wasserlinie tauchte. Ohne Brille war unter Wasser schlechter zu sehen – oft blieben die Augen ganz zu –, aber dafür konnte man oberhalb der Wasserlinie den traumschönen Blick über den See besser genießen. Oder wie in diesem Moment die beiden gaukelnden Kohlweißlinge.
Es fühlte sich an, wie der Einschlag einer feurigen Lanze: Ein unfassbarer, noch nie erlebter Schmerz schoss in seinen Bauchraum und drohte im gleichen Augenblick, sein Bewusstsein auszuschalten. Durch seine derzeitige Kondition und den durch die zurückgelegte Schwimmstrecke hochgefahrenen Kreislauf war es ihm möglich, sich über Wasser zu halten und nicht ohnmächtig zu werden. Verzweifelt versuchte er, sich im Wasser auf den Rücken zu drehen, was nicht gelang. Es war, als wenn seine Bauchmuskulatur komplett außer Kraft gesetzt wurde. So musste er versuchen, sich unter Wasser zu krümmen. Es glückte immerhin so weit, dass seine rechte Hand ertastete, was mit ihm Unglaubliches passierte. Unterhalb des rechten Rippenbogens schien ein riesiges Loch zu klaffen. Das Entsetzen, zusammen mit den unerträglichen Schmerzen, nahm ihm jetzt doch kurz die Besinnung, die er wiedererlangte, nachdem er anfing, Wasser zu schlucken. Verzweifelt erreichte er noch einmal die Wasseroberfläche, die begann, sich einzutrüben. Zerrissene Darmschlingen tauchten neben ihm auf, gaben blubbernd und stinkend ihren Inhalt an die Oberfläche ab.
Abrissartig schoss ihm ein Bild aus der Kindheit durch den Kopf: Der örtliche Hausschlachter vor einem mit Holz befeuerten Schlachtkessel stehend, damit beschäftigt, die Därme des Schweines mit Hilfe des letzten Waschens im heißen Wasser auf das Füllen mit Wurst vorzubereiten. Der Unterschied zu damals: Die Eingeweide vom Schwein waren weiß, schon fast sauber und nicht zerfetzt, so wie jetzt die seinen.
Dunkelrote Brocken, vermutlich Teile seiner Milz, die durch den Auftrieb der gasgefüllten Eingeweide mitgerissen wurden, tauchten an der Oberfläche auf. Er versuchte, Schreie auszustoßen, war ihm doch klar, unweigerlich sein Ende zu erleben. Wasser drang immer wieder in Mund und Nase und erstickte jeden Laut. Es war nur noch eine Frage von wenigen Sekunden, ob er eher verbluten oder ertrinken würde.
Das Schicksal war gnädig. Der Bauchraum füllte sich mit dem kühlen Seewasser und der brennende Schmerz wurde dadurch weniger. Als dieser Ballast ihn aber nach unten zog und er begann, Wasser einzuatmen, schwanden seine Sinne.



2

Eine schmale weiße Hand tastete sich durch die Thujenhecke und suchte den Spalt, den die Gartenbaufirma Sörens vor einiger Zeit im Holzpalisadenzaun gelassen hatte, um das Kabel der elektrischen Heckenschere hier widerstandslos hindurchzuziehen. Man hätte sich das sparen können, da sich Herr Sörens kurz danach mit einer motorgetriebenen Heckenschere eindeckte. Nun konnte Marlene, die zu dieser Kinderhand gehörte, ihren Nutzen aus dieser kleinen Lücke ziehen. Der Hand folgte ein von der zweiten Hand gesteuerter Besenstiel, der sicherlich mehrere Menschengenerationen in einem Kellerloch gefristet haben dürfte. Es bot sich ein eigenartiger Kontrast: Die Hand des Kindes, den Nagel des kleinen Fingers mit intensiv rotem Nagellack geschminkt, und das dunkle, schon in der anfänglichen Zersetzung befindliche Holzrelikt, was aber, wie es sich in den letzten Tagen herausgestellt hatte, für das Mädchen unentbehrlich geworden war.
Kurz- und mittelfristig würde sich zeigen, dass diese Vorgehensweise des Mädchens Missfallen unterschiedlicher Art erregen würde. So fing genau in diesem Augenblick ein Zaunkönig an zu zetern, den offensichtlich jetzt besonders störte, dass hinter der Palisade auch noch der nachbarliche Kirschlorbeer aus-einandergedrückt wurde.
Dem Mädchen war es klar, dass sie diesen kleinen Vogel mit ihrem Vorgehen jedes Mal in Wallung brachte. Sie hatte aber mit ihrem ausgeprägten ornithologischen Grundwissen entschieden, dass seine Probleme zweitrangig waren. Wusste sie doch, dass er mit seiner Partnerin einige seiner höhlenförmigen Nester angelegt hatte, in die sie sich problemlos zurückziehen konnten, ohne dass er hier den dicken Max markieren musste. Außerdem hatte ihr Projekt für sie eine solche Bedeutung, dass der kleine „König“ in seinem Reich einmal zurückstehen musste.
Durch ihre bemerkenswerte Spionagetaktik war es Marlene möglich, das nachbarschaftliche Grundstück umfassend zu inspizieren. Heute lag dieses einsam und verlassen vor ihr, was sie nicht enttäuschte. Hatte sie einerseits in der letzten Zeit wichtige Erkenntnisse erlangt, wusste sie andererseits, dass die Zukunft ihr noch einiges bieten würde. Heute Abend beim Einschlafen würde sie nicht vom „König“ träumen, sondern von ihrem Prinzen, der ganz sicher nicht wusste, dass er ihr Prinz war.



3

„Polizei, Hinrich mein Name, Sie haben den Notruf gewählt, was können wir für Sie tun?“
„Ich wollte eine Leiche melden!“
„Haben Sie die Atmung und den Puls kontrolliert?“
„Ich weiß nicht, ob Sie mit einem halben Meter Loch im Bauch Sehnsucht nach einer Mund‑zu-Mund-Beatmung haben!“
„Gut, nennen Sie mir Ihren Standort!“
„Unterer Seeweg, vielleicht 50 m ostwärts vom Bootssteg!“
„Danke, nennen Sie mir Ihren Namen!“
„Ihren Namen? Sie sind ja vielleicht ein Komiker, Herr Wachtmeister! Mann oder Frau hat sich mir nicht vorgestellt!“
„Nicht den Namen der verstorbenen Person, sondern Ihren eigenen Namen!“
„Meinen Namen? Wozu brauchen Sie meinen Namen, wenn hier eine stinkende Leiche rumliegt, an der die Krähen und Möwen schon ihre Wochenration gedeckt haben?“
„Gut, wir schicken sofort einen Streifenwagen, halten Sie sich bitte vor Ort zur Verfügung!“
„Nee, nee, nee, komm Else, wir verpfeifen uns hier. Die Bullerei ist das Letzte, was mir bei dem Gestank noch fehlt. Wie macht man diesen Schlitten denn aus? Scheiß drauf …!“
Platschen, Gluckern, Stille.



4

Marlene stürzte die Treppe hinunter, raus aus der Haustür, um vor der Thujenhecke abzustoppen. Aus dem offenen Fenster ihres Zimmers im Obergeschoß hatte sie das warnende „tuck, tuck, tuck, tuck“ der Amsel gehört, ein unweigerliches Zeichen, dass sich wieder mal eine Katze herumtrieb. Ihr routinierter Blick erfasste sofort, dass es keinen solchen Eindringling diesseits der Hecke geben dürfte. Also eilte sie zum „Durchguck“, nahm den hinter den Palisaden aufgehängt-versteckten Stiel, bog erst die Thuje, dann den Kirschlorbeer auseinander, und richtig, da saß das schwarze Mistvieh, schwanzzuckend, die vor ihr protestierende Amsel beobachtend. „Tsch, tsch!“ Nicht nur die Katze sauste, sondern auch die Amsel flog davon, letztere laut zeternd. Ihr war offenbar nicht klar, in dem Mädchen eine Verbündete zu haben.
Marlene erschrak bis ins Innere, als sie wahrnahm, dass der am Pool sitzende Nachbarjunge kurz zu ihr rüber schaute. Er konnte sie nicht sehen, das war sicher. Aber er dürfte mitbekommen haben, dass sich hier an der Grenze zum Nachbargrundstück ein kleiner Vorfall abspielte. Die Katze war jetzt zu ihm hingelaufen, schmiegte sich an seine nackten Beine, ließ sich streicheln und etwas von ihm in das rechte Ohr flüstern, während er bedeutsame Blicke in Richtung Hecke schickte.
Es blieb ihr nur der leise Rückzug übrig. So etwas durfte ihr nicht passieren! Hatte sie sich jetzt verraten, war ihr kleines Geheimnis aufgeflogen? Der Hass auf die schwarze Katze verstärkte sich.
Erst nach Tagen, als sie laute Geräusche von einem Motorrasenmäher hörte, wagte sie es wieder, vorsichtig einen Blick auf das Nachbargrundstück zu werfen. Sie wartete, bis Lärm und Gestank sich von der Hecke aus Richtung Nachbarhaus entfernten. Auch hier hatte die Firma Sörens die Gartenpflege übernommen.
Sohnemann saß mit seinen Bermudashorts auf einer gut gepolsterten Gartenliege, lutschte gelangweilt an einer Papaya, deren reifes Fruchtfleisch gelblich leuchtete. Vor ihm auf dem Tisch stand ein kleines Glas der Firma Weck, aus der er sich mittels eines kleinen Silberlöffels eine mit Ingwer und Zitronen aufgepeppte Zuckerlösung auf die Frucht träufelte.
Göttlich!
Es war nicht das Gourmetverhalten des jungen Mannes, sie meinte, trotz des Rasenmäherlärms sein genussvolles Schmatzen bis zur Hecke hören zu können, sondern die Gesamterscheinung dieses Adonis, die sie wieder einmal verzauberte. Das Gesicht, die Bewegungen, die Lässigkeit und dieser Körper begeisterten sie immer wieder. In den letzten Tagen hatte sie Glück, war doch das Wetter so, dass ihr Prinz in Badekleidung seinen Freuden nachgehen konnte.
Die Beine waren lang, die Waden sehnig, über den Knien, kurz unter den Rändern der Shorts, zeichnete sich im Sitzen bei beiden Beinen unter anderen der Musculus vastus lateralis gewölbeartig ab. Jene Erhebungen gaben Aufschluss darüber, dass der junge Mann etwa Fußball spielte und/oder vielleicht auch passionierter Fahrradfahrer war. Die besagte Shorts ließ zum Bedauern der Beobachterin keine Beurteilung dessen zu, was ihr, da sie keinen Bruder hatte, bisher bei Personen ihrer Altersgruppe weitestgehend verborgen geblieben war. Dafür stellte sich das Sixpack in überwältigender Perfektion dar, wie auch der ebenmäßige Brustkorb, der wie ein gemeißelter Sockel dem sehnigen Hals als Fundament diente. Und dann erst der Kopf, den Marlene eher würdevoll als Haupt deklarieren würde. Scharf geschnittene Gesichtszüge, blaue Augen unter kess gewölbten Brauen, halblange Koteletten, wirbelige schwarze Haare, die nur sehr schwer zu bändigen sein dürften. Marlene schwankte von Mal zu Mal, was die Altersbestimmung dieses offenbar überirdischen Wesens anbelangte. Er dürfte sicher fünf bis sechs Jahre älter als sie sein, also rund vierzehn, fünfzehn oder vielleicht auch schon sechzehn Jahre. Da sie ihm so gut wie nie auf der Straße begegnete, konnte sie das nur raten.
Er war immer allein am Pool, von dem Mitarbeiter der Firma Sörens auf dem Aufsitzmäher einmal abgesehen. Es schien, als wäre er nur für sie da, eben ihr Prinz.
Da gab es etwas, was sie noch nicht einordnen konnte: In unregelmäßigen Abständen fuhren vor dem Haus Limousinen vor, aus denen gut gekleidete Menschen ausstiegen, meistens Männer, Kinder an der Hand oder im Gefolge, deren Gesichtsausdruck so erschien, als ginge es zum ungeliebten Klavierunterricht. Tatsächlich kamen immer wieder Töne eines Pianos aus dem nachbarlichen Haus geweht. Sie wollte auch nicht ausschließen, dass der Nachbarjunge selbst das Instrument beherrschte, hatte er doch lange, feingliedrige Hände, die sie sich zu gerne auf schwarzen und weißen Tasten vorstellte.
„Marlene!“
Der Ruf der Mutter riss sie aus ihren Träumen. Nach der Tonlage musste sie schon einige Male gerufen haben, was Marlene offenbar aufgrund des Lärms auf dem Nebengrundstück entgangen war. Es galt, höllisch aufzupassen, hatte ihre Mutter sie doch schon vor ihrem Guckloch erwischt und klar zum Ausdruck gebracht, dass Bespitzelungen von Nachbarn der Vergangenheit angehörten. Auch schnappte sie aus Gesprächen der Erwachsenen auf, dass diese Nachbarn nicht den Vorstellungen gutbürgerlicher Siedlungsgewohnheiten entsprachen. Abfällig meinte man zu wissen, dass die Mutter des Jungen weltweit als Eventmanagerin unterwegs sei, weiß der Teufel, was sie da bewerkstelligte. Es war wohl auch nur der Stiefvater, der sich um den Jungen zu kümmern hatte. Da Letzterer zwischendurch immer wieder über viele Wochen verschwunden war, vermutete die übernächste Nachbarin, die gerne das Gras wachsen hörte, dass der Knabe in einem Internat untergebracht wurde.



5

Die Streifenwagenbesatzung hatte alles richtig gemacht: Absperren des Fundortes durch Spannen einer Absperrfolie, Zurückhalten der Gaffer und Warten auf die Kollegen von der Kripo. Die kleine Panne, dass es an Pfählen für die Befestigung der polizeiinternen Folie mangelte, wurde schnell behoben. Lagen doch genügend Stöckchen angeschwemmt am Ufer und warteten förmlich darauf, den uniformierten Staatsdienern zu Diensten zu sein.
Dann kamen schließlich die Herrschaften ohne Uniform, die von der Kripo, wie auch die Schutzpolizei im Doppelpack. Noch ein wenig später erschien auch das Team der Spurensicherung, handelte es sich schließlich bei der Leiche um eine Person, die durchaus gewaltsam zu Tode gekommen sein konnte, denn so ganz von allein öffnet sich schließlich eine Bauchhöhle nicht.
Neben einer gezielten Befragung der Umstehenden durch die Streifenpolizisten fand ein reger Austausch der vier Kollegen direkt am Tatort statt. Es fielen von den beiden Herren der Spuren-sicherung immer wieder mahnende Worte, dass auch ja nichts an Spuren zertrampelt werden sollte. Pflichtgemäß hatten sie alle ihre Schutzanzüge an, obwohl klar war, dass nach dieser langen Zeit wenig an verwertbaren Spuren gefunden werden konnte.
Es schien, als hätten sich Krähen und Möwen einheitlich La Grande Bouffe mit Marcello Mastroianni und Michel Piccoli und auch The Birds von Alfred Hitchcock angesehen, um hier alles zu toppen, was diese Filme an Abscheulichem zu bieten haben. Arme, Beine und Gesicht waren durch kräftige Schnabelhiebe stichartig durchlöchert. Da, wo ehemals die Nase zu sehen war, klaffte ein Loch, welches zusammen mit den geisterhaft leeren Augenhöhlen ein schauderhaft anzusehendes Dreieck bildete. Besonders schmackhaft musste die Partie um die Achselhöhlen für die Geflügelten gewesen sein, öffnete sich doch hier in kleinen Abschnitten die Schulterpartie und gab damit den Blick auf die Schlüsselbeine frei. Als schien die Badehose, eng geschnitten, modisch gestreift, ganz sicher nicht aus dem Grabbelregal der Firma Kik, sich ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung noch einmal bewusst geworden zu sein, verdeckte sie pflichtschuldig das nicht zu verleugnende Geschlecht des ansonsten stark malträtierten Herrn und hatte es damit vor dem Fraß-Vandalismus der sprichwörtlichen Aasgeier in Schutz genommen.
Selbst für Nicht-Fachleute war ohne Zweifel erkennbar, dass die weite Öffnung des Bauchraumes sich von den übrigen Zerstörungen deutlich abhob. Auch wenn diese Höhle sich ausgeräumt offenbarte, stach der gradlinige Umfang in Gänze doch deutlich hervor.
Das Fahrzeug eines herangerufenen Bestattungsunternehmens fuhr schließlich an den Fundort heran, um in einem Spezialsarg den vorher in einem Leichensack verstauten Körper in das gerichtsmedizinische Institut abzutransportieren. Schließlich löste sich die inzwischen stattliche Ansammlung von Neugierigen auf, nicht ohne dass sich einige ältere Herrschaften bekreuzigten.
Das obligatorische Blässhuhn zog wieder schwimmend seine Bahnen um den Steg herum, vermutlich froh, dass der Rummel sich auflöste, ist es doch für ein Blässhuhn nicht einfach, wenn das eigene Revier von marodierenden Vogelschwärmen heimgesucht wird. Allerdings war es durchaus auch von Vorteil gewesen, waren doch einige Brocken vom gedeckten Tisch für das Huhn übriggeblieben.

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