Die dunkle Macht einer Mutter

Die dunkle Macht einer Mutter

Nancy Buehre


EUR 17,90
EUR 14,99

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 78
ISBN: 978-3-99131-131-7
Erscheinungsdatum: 15.03.2022
„Jede Mutter liebt ihr Kind“, möge man glauben. Lassen Sie sich durch drei Kurzgeschichten vom Gegenteil überzeugen. Begeben Sie sich in eine Welt des Unfassbaren und verfolgen Sie die grausamen Lebensgeschichten dreier Mütter und ihrer Kinder.
Prolog

Vorworte sind immer bestens geeignet, sich zu bedanken. Allen voran muss ich meinem Mann für seine bedingungslose Zuversicht danken. Er gibt mir seit jeher die Kraft, mir meine Wünsche zu erfüllen. So unbeschreiblich herzlich schenkt er mir die Zeit, die ich zum Schreiben brauche. Kurzum, er lässt mich das machen, was ich will. Zudem lobe ich auch sein stetes Feedback, auch wenn ich Kritik nicht gern höre (kleines Augenzwinkern).
Auch ein Dankeschön an alle lieben Freunde und Familienmitglieder, die mich seither begleiten und Tag für Tag in dem unterstützen, was ich tue. Und das kann von heute auf morgen immer mal wieder etwas Neues sein.

Dieses Buch beschreibt unterschwellig, welche Macht eine Mutter auf ihr Kind hat. Zeichen mütterlicher Verantwortung sind hier absichtlich in den Hintergrund gerückt und das vom Nachwuchs gebrochene Urvertrauen wird verhüllt dargestellt. Die Geschichten sind zwar rein fiktiv, könnten aber traurigerweise auch wahr sein. Namen und Orte sind beliebig gewählt und keiner direkten Person zugeordnet.


Liebe Leserschaft,

tauchen Sie vom Alltag in diese drei Welten ab, voller Mystik und Unfassbarem. Lauschen Sie Ihrem Gefühl, wenn Sie die Geschichten lesen. Ich selbst war teilweise sprachlos, als ich dachte, schlimmer geht das doch gar nicht. Das kann nicht wahr sein. Aber scheinbar gibt es solche Fälle und sie passieren auf der ganzen Welt. Meine Inspirationsquellen zum Schreiben dieser Lektüre waren andere Bücher, Geschichten, Filme und eigene Begegnungen. Der Fantasie freien Lauf lassen, war hier mein Motto. Dieses schlanke Büchlein passt in jedes Regal.

Ich hoffe sehr, für Sie die richtige Mischung aus Spannung, Schauder, Thrill, Drama und unterhaltsamer Lesefreude gefunden zu haben.
Das wünsche ich Ihnen allen!

Viel Spaß, vor allem Ablenkung vom Gewöhnlichen!

Nancy Buehre








Bernadette






Blutlinie

Mein Name ist Bernadette. Heute bin ich 72 Jahre jung. Jung deswegen, da mir mein Alter absolut nicht anzusehen ist. Andere Frauen in diesem Alter sehen fürchterlich grau und verbraucht aus. Ich für meinen Teil, achte immer auf ein akkurat gepflegtes Äußeres, ernähre mich zucker- und fettarm, pflege meine Haut mit den teuersten Mitteln und frisiere jeden Tag mein schönes, vitales, kräftiges Haar. Ebenso sollten es die Damen in meinem Alter ausführen und dazu noch ihre ergrauten Haare färben, aber da bin ich wohl die Einzige, die Wert auf sich legt. Manch einer behauptet sogar, man kenne mich aus dem Fernsehen. Als wäre ich eine berühmte Schauspielerin. Ja, warum nicht? Ich bin hübsch, schlank, hoch gebildet, habe Rang und Namen, bin eine angesehene Dame der höheren Gesellschaft. Und danach strebte ich schon als Jugendliche.
Ich lebe heute in einer wunderschönen, exklusiven Penthouse-Wohnung mit einer opulenten Dachterrasse und spektakulärem Ausblick in meiner Heimatstadt München. Zwar am Rande der Stadt gelegen, aber dafür in einer erstklassigen, mustergültigen Umgebung mit wenig Tumult. Ich habe eine Tochter namens Virginia. Sie ist nun 39 Jahre alt und lebt mit ihrem Ehemann Patrick und ihren beiden Kindern Jonas und Nora in Queensland, Australien, in einer kleinen Gemeinde namens Frankfield. Dort leben nur ein paar Leute, die man fast an einer Hand abzählen kann.
Für mich wäre das kein Leben.
Es scheint mir, als würde sie einen Fehler machen, dort in der Einöd sich niederzulassen. Ich denke, sie wird früher oder später das einfache Leben auf dem Lande verachten und nach Deutschland zu mir zurückkommen.
Lange Zeit ist es nun her, als wir uns das letzte Mal gesehen haben. Ich kann mich noch genau an ihre leuchtend blauen Augen erinnern, an das schwarze, lange, glatte Haar und an ihr zartes Gemüt. Das hat sie von mir, versteht sich. Ihren Mann kenne ich nur von Fotos, ein halber Schwarzenegger, kann man sagen. Nicht mein Geschmack, aber er hat Geld und kann die Familie versorgen, das ist das Wichtigste.
Leider habe ich auch nur Fotos von meinen Enkelkindern, kurz nach der Geburt. Sie müssten jetzt schon um die 18 Jahre alt sein und bald eine Lehre abgeschlossen haben oder hoffentlich dort, außerhalb der Pampa, studieren können. An Intelligenz sollte es ihnen jedenfalls nicht mangeln, dafür haben sie einen Teil von mir geerbt.
Und heute ist der Tag, auf den ich so lange warten musste. Gleich werde ich meine Tochter wiedersehen und nach knapp zwei Jahrzehnten Ungewissheit endlich mal erfahren, wie es ihr so ergangen ist, beziehungsweise wie erfolgreich sie meinen Namen macht. Sie kann nicht einfach unbekannt durchs Leben gehen und das machen, was sie will. Zum Beispiel, sich leichtsinnig einen dahergelaufenen Kerl angeln und irgendwie über die Runden kommen. Solchen Kerlen ist sie ständig als Teenager hinterhergelaufen. Fürchterlich. Huch, ich bin doch etwas nervös jetzt. Hoffentlich hat sie meine anspruchsvolle Erziehung auch wertgeschätzt und wendet diese bei ihren Kindern an, obwohl sie meine Methoden früher leider immer ablehnte. So ein Irrsinn!
Das konnte ich mir zu meiner Zeit schließlich auch nicht aussuchen. Und geschadet hat es gewiss nicht. Ich bin weit gekommen.
Denn mit zwölf Jahren habe ich schon anfangen müssen zu arbeiten. Tag für Tag durchgebuckelt. Und was ist aus mir geworden? Eine reiche, hervorragend situierte Bildungsbürgerin. Und ich brauche keinen Hochschulabschluss oder irgendein Studium, um viel zu wissen.
Auch wenn sich meine Tochter ein anderes Leben für sich wünschte, was sie ausreichend oft betonte, kann ich mich nur nochmal wiederholen. Es hat noch niemanden geschadet, früh zu wissen, wie man mit Geld umgeht oder zu wissen, woher es kommt. Ich habe zugesehen, dass mein Kind auch im Erwachsenenalter diese Erziehung nicht vergisst.
Es ist sehr wichtig, die eigenen Kinder immer daran zu erinnern, wo sie herkommen und dass sie aufhören sollten, sich mit Freunden zu vergleichen. Erst recht nicht mit Straßenmusikern, die ihr Geld auf der Straße verdienen, wie ihre angebliche erste große Liebe. Der bekam doch kein vernünftiges Einkommen. Das ist Abzocke hoch drei!
Ich sage stets: Das Selbst zählt, nicht das der anderen. Wo kommen wir denn da hin? Was interessiert es mich, was andere denken? Zumindest das Bild nach außen muss jederzeit passend sein, da geht kein Weg drumherum. Meine Tochter wurde von mir darauf gedrillt, auf ihr gepflegtes Äußeres zu achten, das ist auch heute noch im Älterwerden prioritär. Sie muss nach mehr aussehen, als sie tatsächlich ist. Die Hintergründe dazu sind bedeutungslos. Vorrangig ist, dass sie gut verdient, in der Gesellschaft aufsteigt sowie Rang und Namen hat. Ihren Namen sollte niemand vergessen, wo sie sich auch vorstellt, immer einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, ist die Devise.
Manche Leute beharren auf der Aussage, ich habe eine zu strenge Erziehung vollzogen. Das ist aber völliger Unsinn. Mit Liebe erreicht man nicht viel. Ich erziehe mein Kind, wie ich es für richtig halte, nach meinen Werten und das eben mit einem hohen Anspruch, versteht sich. Diejenigen, die diese These mit der Liebe aufstellen sind dumm und haben nichts aus sich gemacht, sind vielleicht nur Betriebswirte geworden, weil sie nicht wussten, wohin mit ihrer Blödsinnigkeit. Aber nicht meine Tochter! Aus ihr sollte etwas Großes werden. Sie trägt schließlich meinen Namen und egal, was sie später tun wird, es fällt automatisch immer auf mich zurück.
Was bleibt mir denn als Mutter sonst, als mich für die Erziehung der Kinder grenzenlos einzusetzen? Die heutigen Erziehungsmethoden bringen doch nichts. Sieht man schließlich an jeder Ecke. Verweichlichte Jugend, überall! Haben Schulden, keine Arbeit oder geschweige denn einen Schulabschluss. Früher konnten wir uns glücklich schätzen, zur Schule gehen zu können. In manch anderen Ländern ist dies heutzutage immer noch kaum möglich.
Na ja, nun könnte sie aber endlich mal kommen.
Pünktlichkeit gab ich ihr damals schon höchst eindringlich mit auf den Weg. Eine Tugend, die sie beruflich mal weit bringen kann. Ich hoffe nur, dass sie nicht leichtsinnig geworden ist und diesen Termin mit mir heute auf die leichte Schulter nimmt. Von wegen, Eltern verzeihen alles. Dann gibt es aber eine klare Ansage. Nicht mit mir!
Was erlaubt sie sich?
Vielleicht habe ich mich aber auch im Tag geirrt, werde gleich mal nachsehen.

Der Tag stimmt und es bleiben ihr noch drei Minuten. Sollte ich Kaffee aufsetzen oder etwas anderes zu Trinken anbieten? Nein, eher nicht. Wer weiß, wie lange sie bleibt. Sonst besuchte sie mich auch immer nur sehr kurz, als sie hier in Deutschland mit ihrem Geologie-Studium begann.
Ständig schien sie auf der Durchreise zu sein, hatte irgendwelche wichtigen Termine, die sie nicht verschieben konnte.
Sogar sonntags oder an Feiertagen wie Weihnachten, war sie anderswo unabkömmlich. Schwachsinn! Ich bin ihre Mutter, da hat das eigene Kind sich doch wohl herabzulassen, mich zu besuchen. Unverschämt! Na, das werde ich gleich mal ansprechen, wenn sie kommt und fragen, warum sie mich so behandelt.
Wer glaubt sie, wer sie ist? Früher hätten wir eine Tracht Prügel bekommen für solch unerhörtes Benehmen. Dabei kommt meine Tochter noch gut bei weg.
Am liebsten hätte ich ihr öfter eine geklatscht oder sie mal ordentlich übers Knie gelegt. Darum brauchte ich mich aber überhaupt nicht bemühen. Das übernahm mein damaliger Lebensgefährte mit Leidenschaft. Er war nicht der leibliche Vater, aber irgendjemand musste ihn ja schnell ersetzen.
Ich fand, der Alte konnte sie gut bändigen.
Sobald sie frech wurde, langte er ihr eine. Es war auch gut so, denn danach war herrliche Ruhe. Solch ein Geplärre hält doch kein Mensch aus! Und irgendwann, ein paar Jahre später, starb er dann endlich doch noch, an Lungenkrebs. Kein Wunder, wenn man so viel quarzt. Immerhin verdiente er gutes Geld und hinterließ mir einen ordentlich großen Batzen Geld. Dafür habe ich ihn die ganzen zehn Jahre ausgehalten und elendig warten müssen. Dieser Mann musste ständig an allem sparen und gab noch nicht mal ein paar lausige Euros für ein neues Kleidungsstück aus. Nur für Zigaretten schmiss er die Moneten aus dem Fenster. Nun gut, jetzt ist es umso besser für mich. Alles meins!
Soll er doch rauchen wie ein Schlot, früher oder später komme ich eh an sein Geld. Und siehe da, ewig musste ich mit dem Langweiler ja gar nicht ausharren. Und da er so ein derber Sparfuchs war, fiel die Beerdigung natürlich ganz nach seinem Ansinnen, sehr klein aus. Mit dem Geld musste ich nun schließlich haushalten.
Meine Tochter distanzierte sich merkwürdigerweise sehr rasch nach dem Tod meines Partners von mir. Sie zog schon sehr zeitig in eine andere Stadt um und hielt seitdem den Kontakt nur noch sehr vage. Sie lernte dann diesen „Egger“ kennen, mit dem sie spontan nach Australien auswanderte. Nach meinem letzten Wissensstand hausen sie noch immer in dieser Bruchbude am Rande dieser winzigen Kleinstadt. Viel wird es da wohl nicht geben. Ich bin zwar noch nie dorthin eingeladen worden, kann mir aber sowieso eine bessere Wohngegend für meine Tochter vorstellen als in diesem Schlangenland, bei irgendwelchen zurückgebliebenen Menschenaffen.
Sie gaben vor ihrem Umzug bekannt, heiraten zu wollen und nannten sich überall ViPa, Virginia und Patrick.
Ja, großartig. Was Besseres ist ihnen nicht eingefallen? So ein Schnulli!

Mensch, wo bleibt sie nur? Sie kommt zu spät! Die Göre kann was erleben, das garantiere ich. Da warte ich hier für umsonst. Ich hätte meinen Tag schöner gestalten können. In der SMS stand 14 Uhr, oder? Ja, es steht 14 Uhr.
Mir reicht es. Ich öffne die Tür erst gar nicht, wenn es gleich klingeln sollte. Was glaubt sie, wie ich meine Zeit verbringe? Nur damit auf sie zu warten? Das kann sie sich abschminken.
Ich kann machen, was ich will, ich habe sie geboren. Schmerzen erlitten, Windeln gewechselt, sie gebadet, den Po gepudert, gefüttert, ein Dach überm Kopf ermöglicht und mit ihr Hausaufgaben gemacht. Ich habe darauf geachtet, dass sie am Tisch gerade sitzt und nicht rumkaspert, wie der Zappelphilipp. Außerdem erhielt sie die Ehre, mit uns regelmäßig in den Urlaub fahren zu können. Anderen Kindern blieb nur der Balkon, wenn einer angebaut war. Sie hatte ein wirklich gutes Leben. Auch finanziell war sie jederzeit abgesichert.
Und wie dankt sie es mir?
Mit Zuspätkommen.
Frechheit!

Durch den guten Verdienst meines damaligen Lebensgefährten konnten wir uns Luxus leisten. Zählt das denn gar nicht? Sie soll bloß nicht unverschämt werden und mir dreist mit irgendwelchen Ausflüchten kommen. Ich habe zu viel geopfert, um mir diese Boshaftigkeit bieten zu lassen. An mein Leben denkt auch keiner. Ich war diejenige, die in der Schwangerschaft Übelkeit erlitt und sich ständig übergeben musste. Ich war diejenige, die den Wanst mit in die Boutique schleppte, damit sich wenigstens einer um sie kümmern konnte. Mit bestem Beispiel voran, eine meiner Angestellten im Laden. Ich musste mich schließlich um potenzielle Stammkunden kümmern.
Mein Lebensgefährte arbeitete ebenfalls bis spät abends und ich durfte zusehen, wo das Balg blieb.
Es waren harte Zeiten. Die Boutique leitete ich ganz allein und das selbstverständlich mit einer gewissen Härte. Genau diese Schärfe war unabdingbar, denn nur durch eine strenge Hand lernten die Angestellten Respekt mir gegenüber. Es hat sich keine getraut, zu spät zur Arbeit zu kommen und alle wissen auch heute noch, welch gute Stelle sie besetzten.

Hier, zu meinem heutigen Geburtstag erhalte ich Glückwünsche und Erinnerungsschreiben, wie gut die Zeit als Mitarbeiterin in meinem Laden war. Sie waren es auch, die sich um meine Tochter kümmerten, wenn ich Kunden im Laden bediente. Sie taten das, was ich sagte, nicht andersherum.
Da blieb nicht viel Zeit für Kuscheleinheiten und dutschidu.
Dagegen war ihr leiblicher Vater ein Engel. Gott hab ihn selig! Noch Tage zuvor, bevor er starb, hielt er unsere Tochter im Arm, murmelte ein Liedchen und schaukelte sie in den Schlaf. Kein Geplärre oder Gezeter. Beim Vater war sie wie ein Lamm, sie schlief viel.

Aber als er kurz nach der Geburt von mir ging, änderte sich mein Leben schlagartig.
Egal! - Schluss mit dem sentimentalen Mist!
Das verdirbt nur meinen Charakter.






test

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