Das Haus am See

Das Haus am See

Olaf Lange


EUR 16,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 267
ISBN: 978-3-99003-160-5
Erscheinungsdatum: 10.06.2010
Grässliche Kreaturen, lebende Tote, scheinen einen See in einem kleinen Ort in Nevada heimzusuchen. Mike und Mary, die direkt am Seeufer wohnen, sind von den unheimlichen Erlebnissen zutiefst verstört. Steckt ein einstiger Flugzeugabsturz in ebendiesen See hinter dem Übel? Sind die Toten gefangen im nassen Grab und wollen frei kommen?
Kapitel 1

Mike stand grinsend am Seeufer und hielt noch immer die Axt in seiner Hand. Er holte weit aus und schlug erneut zu. Grobe Holzsplitter flogen durch die Luft. Mit der anderen Hand wischte er sich den Schweiß von der Stirn.
„Geschafft, das erste ist fertig“; sagte er laut zu sich selbst, warf die Holzscheite zu den anderen Holzresten auf einen Haufen und betrachtete sein Werk.
Das erste von geplanten zehn, dachte er und stand stolz vor dem ersten fertig gestellten Holzhaus.
Weitere sollten folgen. Doch die mussten noch etwas warten.
Zwei weitere, noch im Rohbau befindliche standen in einiger Entfernung und warteten auf ihre Fertigstellung.
Endlich Urlaub. Wie lange habe ich auf diesen Tag gewartet! Es war ein langes und anstrengendes Jahr, dachte Mike, als er sein Werkzeug zusammenpackte. Er war Zimmermann und baute Ferienhäuser.
Die Stadtverwaltung hatte ihm einen lukrativen Auftrag erteilt. Mike sollte zehn Holzhäuser am Ostufer des Sees errichten.
Besser konnte es im Augenblick nicht laufen.

„Aah“, schrie Mike plötzlich und fasste sich an die Stirn. Ein stechender Schmerz durchbohrte sein Gehirn, als würde jemand eine heiße Stricknadel durch seinen Schädel bohren.
„Aah“; erneut schrie Mike auf und stürzte auf die Knie, die Axt glitt ihm aus der Hand und fiel zu Boden.
Mit beiden Händen hielt er seinen Kopf, und obwohl er seine Augen geschlossen hatte, tanzten bunte Bilder vor seinem Gesicht. Mike konnte sie anfangs nicht entziffern, es waren bunte, schnell wechselnde und flimmernde Bilder, scheinbar ohne Sinn.
Die Bilder verschwanden wieder und Mike öffnete langsam seine Augen.
Er kniete am Seeufer und beobachtete die Wasseroberfläche, die ruhig und spiegelglatt vor ihm lag. Plötzlich färbte sich das Wasser rot, es brodelte und schien sich in eine kochende, rote Brühe zu verwandeln. Leichte Nebelschwaden bildeten sich auf der Wasseroberfläche und zogen einen grauen Schleier über den gesamten See.
Blubb, blubb, hörte Mike an verschiedenen Stellen vor sich aus dem Nebelschleier und plötzlich konnte er einzelne, dunkle Schatten auf der Wasseroberfläche erkennen. Sie trieben langsam Richtung Ufer.
Sieht aus wie Treibholz, dachte Mike. Er griff nach einem der Schatten. Der fühlte sich weich und feucht an, fast glitschig. Mike packte fester zu und zog dieses schleimige Etwas näher an sich heran.
„Aaaah“, schrie er erneut, während er auf einen menschlichen Arm starrte, den er in der Hand hielt.
Er musste sich im Endstadium der Verwesung befinden, Mikes Finger drangen in das faulende Fleisch wie in feuchten Schlick, es stank fürchterlich. Er ließ sofort wieder los, sein Magen rebellierte und begann pulsierend, Mikes letzte Mahlzeit wieder hinauf zu befördern. Mike konnte den Brechreiz gerade noch unterdrücken.
Er schaute über die Wasseroberfläche und entdeckte noch mehr Leichenteile, die sich auf dem Wasser langsam auf und ab bewegten. Beine, Arme, einen Schädel, mehrere Rümpfe. Teilweise bis auf die Knochen verwest, als hätte ein wildes Tier, das nicht von dieser Welt stammte, eine Ausgeburt der Hölle, diese Menschen zerfetzt, ihre Körper ausgelutscht und nach seinem Blutrausch die Überreste einfach in den See gespuckt.
Plötzlich durchbohrte wieder dieser unerträgliche Schmerz Mikes Gehirn. Er schrie auf und presste beide Hände gegen seine Schläfen. Dunkelheit überfiel ihn und er sackte zusammen.
Es dauerte eine Weile, bis er wieder zu sich kam. Sichtlich benommen rappelte er sich auf, drehte sich um und schaute hinüber zum See.
Nichts zu sehen, dachte Mike, alles beim Alten. Gott sei Dank.
Aber was war das?
Mike wusste es nicht, noch nicht. Früher hatte er ähnliche Erlebnisse, konnte sich kaum noch daran erinnern oder wollte sich nicht erinnern. Es waren meist traumähnliche Visionen, aber sie waren niemals so schaurig wie diesmal, Albträume im Wachzustand, aber immer in Verbindung mit einer Ohnmacht, aus der Mike dann zwar geschwächt und erschöpft, aber überaus erleichtert erwachte, wenn er merkte, dass sich das Erlebte nur in seinem schmerzenden Hirn abgespielt hatte.
Diesmal würde er Mary, seiner Frau, nichts davon erzählen. Wäre wohl besser so. Sie muss nicht alles wissen, dachte er, würde ihn wohl für bescheuert halten.

Vielleicht bin ich ja wirklich nicht ganz dicht, dachte Mike, niemand weiß doch, was in seinem Gehirn vor sich geht, eine einzige Fehlschaltung in dieser gelartigen Masse reicht doch bereits aus, um jemanden für den Rest seines Lebens in einen zitternden und sabbernden Idioten zu verwandeln, der wahrscheinlich noch glaubt, Napoleon oder ein Besucher von einem fernen Planeten zu sein.
Mike raffte sein Werkzeug zusammen, als wäre nichts geschehen, warf es in eine selbst zusammen gezimmerte Holzkiste und schob diese in seinen alten Kombi.
Es war ein alter Volvo, fünfzehn Jahre alt, feuerrot, der an allen Ecken rostete. Doch er hatte Mike noch nie im Stich gelassen.
„Ja, altes Mädchen. Was wir nicht alles schon zusammen erlebt haben, was?“, sagte Mike und schlug die Heckklappe zu.
Mit dem Wagen hatte er fast die halbe USA durchquert, von Philadelphia nach New York, über South Carolina nach Florida. Dann reiste er nach Westen von Kansas über Colorado nach Nevada.
Doch sein Traumziel war noch offen, Kalifornien.
Mike dachte oft an die Zeit zurück, als er allein unterwegs war, ohne festes Ziel, einfach nur dem scheinbar endlosen Highway folgend, aus dem alten Autoradio erklang Jimi Hendrix, aufgenommen auf Kassette, und er träumte davon, selbst bei Woodstock dabei gewesen zu sein.
„Hendrix, Cocker, Santana, ja, Mary, das ist nicht nur einfach Musik, das ist eine Lebensphilosophie“, schwärmte Mike ihr immer wieder vor, „die machen nicht nur einfach Musik, um zu leben, nein, die leben, um Musik zu machen.
Verstehst du den Sinn?“
„Die Zeiten sind vorbei, werde erwachsen, übernehme Verantwortung“, hörte er Marys Stimme.
Ja, ja, wie meine Mutter, dachte er, wenn Mary ihn wieder in die Realität zurückholte, während er von der „guten alten Zeit“ schwärmte und Mary zu einem spontanen Trip nach Kalifornien oder sonst wo hin überreden wollte.
Aber doch, einen spontanen Trip hatten sie gemeinsam unternommen, doch das Ziel gehörte nicht gerade zu Mikes Traumzielen. Las Vegas.
Vor einem Jahr waren sie dort.
Sie haben in Vegas geheiratet.
Mary träumte schon immer von einer Hochzeit in Vegas, in einem weißen Hochzeitskleid mit anschließender Fahrt in einer Limo auf dem Strip.
Mike hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Gedanken übers Heiraten gemacht. Ihm ging das eigentlich alles viel zu schnell. Er war gerade mal achtundzwanzig und hätte gut und gerne noch zehn Jahre warten können.
Doch dann ließ er sich doch von Mary überreden. Mike wusste nicht, was ihn in diesem Augenblick geritten hatte.
Und schließlich buchten sie das „All-inclusive-Hochzeitswochenende“ im Luxor inklusive Limo und Hochzeitssuite.
Sie fuhren mit dem Wagen nach Vegas – Mike bestand darauf.
„Wenn wir nach Vegas reisen“, sagte er damals zu Mary, „dann standesgemäß, mit dem eigenen Wagen.“
Und wenn wir angekommen sind, fahren wir mit der Karre den Strip einmal rauf und wieder runter.“
Außerdem war die Fahrt mit dem Wagen günstiger als eine Busfahrt, auch ein Argument für Mike.
Mary war es im Grunde egal, Hauptsache Las Vegas.
Mary hatte sich sofort in diese Stadt verliebt, und wenn am Abend das Lichtermeer der Casinos die Stadt erhellte, stand sie fassungslos am Strip, mit Tränen in den Augen bestaunte sie diesen, wie sie sagte, traumhaften Ort.
Auch das Hotel war ein Traum. Mary kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Sie hatte schon viel von Las Vegas gehört, „aber das muss man einmal selbst erlebt haben, es war unbeschreiblich“ sagte sie immer wieder.
Sie wurden nach dem Frühstück mit einer Limousine abgeholt und standen bald darauf vor dem Hotel, das einer ägyptischen Pyramide nachempfunden war, und warteten auf den Wagen. Mary hatte sich im Hotel ein Hochzeitskleid ausgeliehen, Mike einen passenden Anzug, in dem er sich überhaupt nicht wohlfühlte.

Dann ging es endlich los.
Und ruck, zuck war es auch schon wieder vorbei. In die Limo gesprungen, zur Kapelle gefahren, willst du Mary heiraten? Ja. Willst du Mike heiraten? Ja. Kuss. Rein in die Limo, ab zum Hotel, 240 Dollar.
Und schon standen sie wieder vor dem Hotel.
„Und was jetzt?“, fragte Mike.
„Jetzt sind wir verheiratet“, antwortete Mary und umarmte Mike, „jetzt sind wir Mann und Frau.“
Sie verbrachten noch das Wochenende in Vegas und machten sich am Montagmorgen wieder auf den Rückweg.

Sie lebten mitten in Nevada, umgeben von einigen Maisfarmen, in einer kleinen Stadt, eher einem Dorf, mit einem Rathaus, einer Kirche, einer kleinen Kneipe und einem Supermarkt.
In einer Stadt, in der schon seit 100 Jahren nichts Aufregendes geschehen war – abgesehen von einem tragischen Flugzeugabsturz vor vier Jahren vor der Stadt, doch daran wollte niemand mehr denken und schon gar nicht darüber sprechen – und in der wohl auch in den nächsten 100 Jahren nichts Aufregendes geschehen würde.

Mary wurde hier geboren, so wie ihre Eltern und ihre Großeltern.
Sie lernte Mike vor zwei Jahren kennen. Er war auf der Durchreise, auf der Suche nach einem Job.
Er war zwar Zimmermann, doch er hatte schon als Automechaniker, als Dachdecker, Holzfäller, ja sogar als Kellner gearbeitet. Doch der Kellnerjob war nur eine Notlösung, das war nun wirklich nicht seine Welt.
Es war an einem Freitagabend im August, als Mike damals in die Stadt kam. Die Sonne ging gerade unter, doch die Luft kühlte nicht ab, es war unerträglich heiß.
Mike fuhr mit seinem alten Kombi die Route 23 entlang, die mitten durch den Ort führte.
Am Ortseingang erblickte Mike das Schild von Bens Motel, fuhr zunächst jedoch weiter, denn er brauchte erst einmal einen Drink.
Es waren kaum Leute auf der Straße. Hier ist ja der Hund begraben, dachte Mike. Hier werde ich bestimmt nicht alt.
Die Stadt ähnelte mit ihren Holzhäusern, die sich links und rechts entlang der Straße aneinanderreihten, einer alten Westernstadt.
Hier und da klaffte eine Lücke in der Häuserkette, einige Gebäude waren bereits durch moderne Wohnhäuser ersetzt.
Das Zentrum bildeten die Kirche und die gegenüberliegende Kneipe. Sogar diese ähnelte äußerlich einem Saloon.
Nur dass vor ihr keine Pferde standen, sondern einige Autos, und die waren wahrscheinlich genau so alt wie die Stadt selbst.
Mike lenkte seinen Wagen in Richtung Kneipe und parkte ihn in eine freie Lücke.

Er war den ganzen Tag unterwegs gewesen, legte nur eine kurze Pause ein, zum Tanken, Pinkeln, und kaufte an der Tankstelle noch eine Coke und Zigaretten.
Mehr hatte die kleine, verfallene Holzhütte mitten in der Wüste auch nicht zu bieten. Vor dem Haus stand eine einzige Tanksäule, Sand, so weit das Auge reichte.
Weit und breit nur Sand. Mike glaubte nicht, dass hier jemand lebte, doch als er seinen Wagen neben der Tanksäule abstellte, öffnete sich die notdürftig zusammen gezimmerte Tür des zum Teil verfallenen Hauses und ein zwei Meter großer Einheimischer trat heraus. Blaue Latzhose, freier Oberkörper, Cowboyhut und Sandalen, ja, ein Einheimischer, dachte Mike.

„Was darfs denn sein?“
„Volltanken, bitte.“
„Hast du Geld?“
„Jau“, sagte Mike kurz, griff in seine Hosentasche und wedelte mit einigen Zwanzigern in der Luft herum.
Überzeugend, denn augenblicklich steckte der Tankrüssel in Mikes altem Kombi.
„Habt ihr Zigaretten?“
„Jau.“
„Camel?“
„Jau.“
„Habt ihr Coke?“
„Jau, aber nicht kalt.“
„Egal, nehm ich. Eine Camel, eine Coke. Und den Sprit.“
„Jau, macht 45,80.“
Mike drückte dem „Einheimischen“ das Geld in die Hand, der schlürfte zurück in die windschiefe Hütte und kam nach einem kurzen Moment wieder heraus, in den Händen die Zigaretten und die Coke.
„Gibt’s hier irgendwo ein Motel?“, fragte Mike, während er versuchte, die hartnäckige Folie von der Zigarettenschachtel zu entfernen.
„Jau.“
„Und wo?“
„Weiter Richtung Westen.“
„Ja, wunderbar. Und wie weit ist es bis dort hin?“
„Weiß nicht genau. Vielleicht zwei- oder drei … mmh … hundert Meilen.“
„Wie weit? Und der nächste Ort?“
„Das ist der nächste Ort.“
„Alles klar. Danke für das Gespräch. Dann mach ich mich mal auf den Weg.“
„Jau.“
Ich glaube, der lebt schon etwas zu lange hier draußen, dachte Mike, stieg in seinen Wagen und lenkte ihn zurück auf die Straße.

Die nächsten fünf Stunden kamen ihm ewig lang vor.
Die Route 23 wollte einfach nicht enden. Links und rechts nur Steppe, weit und breit kein Haus, kein Mensch, nur hin und wieder ein Truck, der schnaufend und irgendwie bedrohlich entgegen kam und mit lautem Brummen an ihm vorbei donnerte und dabei ein kurzes Hupkonzert gab.
Nun war er angekommen, noch nicht am Ziel, so glaubte er, aber doch an einem Ort, an dem es immer noch besser war, als die Nacht in der Wüste zu verbringen.

Mike griff ins Handschuhfach, nahm die Zigaretten heraus und steckte sie in seine Hemdtasche. „Scheiß Qualmerei“, sagte er laut zu sich selbst.
Er hatte schon so oft versucht, mit dem Rauchen aufzuhören, doch länger als drei Tage hat er nie durchgehalten.
Er stieg aus dem Wagen, sah noch einmal Richtung Westen, die Sonne verschwand gerade am Horizont.
Dann ging er zielstrebig zur Eingangstür der kleinen Kneipe. Darüber hing ein Schild mit der Aufschrift: „anno 1889“.
Ich wusste es, hier trank schon Billy the Kid seinen Whisky, dachte Mike und musste grinsen.
Er öffnete die Eingangstür und ein Gemisch aus Zigarettenrauch und Westernmusik, die aus einer alten Musikbox dröhnte, strömte ihm entgegen.
Mike trat ein.
Warum wusste ich, wie es hier aussieht, dachte er. Der Raum war dunkel, der Zigarettenrauch sammelte sich an der Decke, über der Theke baumelten einige Lampen mit grünen Stoffschirmen, in einer Ecke befand sich die Musikbox, aus der eine rauchige Frauenstimme von alten Zeiten sang, als die Männer noch mit Pferd, Hut und Cowboystiefeln unterwegs waren. In der anderen Ecke stand ein Billardtisch, anscheinend der Treffpunkt der Jugend dieser Stadt.
Mike setzte sich an einen freien Tisch direkt neben der Tür.
Und da kam auch schon die Bedienung auf ihn zu, die einfach super in diesen Schuppen passte: groß, blond, weiße Bluse, weiter Rock und Cowboystiefel.
Wie im Film, dachte Mike.
„Hey.“
„Hey, was darf’s denn sein, Fremder?“
Sie schauten sich beide einige Sekunden schweigend an und fingen dann laut an zu lachen.
„Ein Bier, … und wo finde ich hier in dieser Stadt den Hufschmied?“
Und wieder mussten sie lachen, so laut, dass sie die Musikbox übertönten.
„Ein Bier, kommt sofort, Cowboy.“
Die Bedienung war Mary. Damals arbeitete sie noch im Saloon, so nannten Mary und Mike später die Kneipe immer scherzhaft, sie hatte eigentlich keinen richtigen Namen, jeder nannte sie nur „Kneipe“.
An den folgenden Tagen war Mike jeden Abend im „Saloon“.
Hier traf sich die halbe Stadt, manchmal glaubte man, hier traf sich die gesamte Stadt. Anfangs kam Mike, um Kontakte zu knüpfen.
Handwerker waren hier gern gesehen, es gab viel zu tun und Mike bot seine Hilfe an, die hier gut bezahlt wurde.
Doch allmählich kam er immer öfter, um Mary zu sehen.
Auch Mary freute sich, wenn Mike am Abend in den „Saloon“ kam.
Sie saßen oft noch spät an Mikes Stammtisch neben der Eingangstür, sprachen über Gott und die Welt, lachten über alles Mögliche oder schauten sich nur lächelnd an.

So ging es einige Wochen lang, sie kamen sich langsam näher – und dann waren sie offiziell ein Paar. Gewundert hatte es hier niemanden, sie passten einfach zusammen.
Mike „wohnte“ in seinem Kombi. Da er hier ursprünglich eigentlich nicht lange bleiben wollte, reichte ihm sein Mini-Wohnmobil.
Er hatte die Rückbank zu einem gemütlichen Bett umfunktioniert, nachdem er eine Nacht in Bens Motel verbracht hatte.
Das Geld, das er für seine Reparaturarbeiten bekam, wollte er nicht für ein teures Motelzimmer verschwenden, er wollte es für die Zukunft zurücklegen, obwohl er bis dahin noch nicht so genau wusste, wie seine Zukunft aussehen würde.

Sein „Stammtisch“ im Saloon wurde zu seinem Büro, wo er seine ersten Aufträge entgegen nahm, wo er frühstückte und am Abend von Mary mit hausgemachten Frikadellen und Bier versorgt wurde.

Mary wohnte in einem kleinen Zimmer über dem Saloon. Es war zwar gemütlich und nett eingerichtet, aber für zwei Personen war es wirklich zu klein. Es diente wohl ursprünglich als Abstellraum, war neun Quadratmeter groß, bestückt mit einem Bett, einem Kleiderschrank, einem kleinen Tisch, auf dem sich Modezeitschriften stapelten, und einer alten Wanduhr, die jede volle Stunde einen lauten, dumpfen Gong ertönen ließ.
Gegenüber der Tür befand sich ein kleines Fenster, auf der Fensterbank stand ein Kaktus, der im Sommer rote Blüten trug.
Das Fenster lag nach vorn zur Hauptstraße mit Blick auf die Kirche.
Mary zog hier vor vier Jahren ein, als sie den Job im Saloon bekam. Günstiger konnte sie nicht wohnen.
Sie hatte damals keine andere Möglichkeit, sie verlor ihre Eltern vor vier Jahren bei dem tragischen Flugzeugabsturz.
Ihr kleines Häuschen am Stadtrand wurde damals von der Bank kassiert, die Hypothek konnte Mary unmöglich aufbringen.
Sie war gerade achtzehn Jahre alt geworden und befand sich zu der Zeit des Unglücks übers Wochenende bei einer Freundin. Die Eltern kamen von einer gemeinsamen Geschäftsreise, als das Flugzeug aus ungeklärter Ursache kurz vor der Landung, einen Kilometer vor der Stadt, in einen See stürzte.
Es gab keine Überlebenden.
Die Bergungsmannschaften fanden nur einige Trümmerteile, Taucher konnten nicht eingesetzt werden, da der See, ein ehemaliger Vulkankrater, angeblich zu tief war. Das war die offizielle Erklärung.
Seit diesem Tag war Mary nicht mehr an dem See gewesen.
Als Kind ging sie in den Sommermonaten fast jeden Tag an den See. Die Kinder bauten sich Flöße aus Baumstämmen, die zu Haufen am Ufer lagen. Auch die Erwachsenen nutzten den See als Erholungsgebiet, zum Schwimmen und Angeln.

01.03.2011Bücherwurm - Tipps zum Lesen

Bezirks Revue

Das Haus am See

27.02.2011Das Haus am See

alphafrauen.org

Taschenbuch: 268 Seiten

Verlag: novum Verlag GmbH (10. Juni 2010)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3990031600

ISBN-13: 978-3990031605

 

Verlagsinfo: Grässliche Kreaturen, lebende Tote, scheinen einen See in einem kleinen Ort in Nevada heimzusuchen. Mike und Mary, die direkt am Seeufer wohnen, sind von den unheimlichen Erlebnissen zutiefst verstört. Steckt ein einstiger Flugzeugabsturz in ebendiesen See hinter dem Übel? Sind die Toten gefangen im nassen Grab und wollen frei kommen?

Wie bereits die obige Kurzinfo ahnen lässt: Mit dem gleichnamigen Film mit Sandra Bullock hat Olaf Langes Roman nichts zu tun, im Gegenteil. Vorliegendes "Haus am See" gehört in das Horror-Genre, Stichwort: Zombies. Es liest sich ganz flüssig und nach wenigen Seiten hagelt es schon Tote noch und nöcher, so wie es sich gehört. Die Schlussüberraschung war ein netter, gelungener Abschluss-Schachzug, wenn auch nicht wirklich noch nie dagewesen. Zudem beschleicht einen doch das Gefühl, der Autor hätte sich besser entschlossen, seine gute Story-Idee in ein Drehbuch umzusetzen, denn der Roman ist m.e. nur mittelmäßig. Schade um die gruselige Grundstory, wirklich, da hätte man mehr draus machen können!

 

Der Autor

Olaf Lange wurde 1967 in Duisburg geboren, wo er heute noch mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen wohnt. Nach einer Elektrikerausbildung und dem Abschluss der Fachhochschulreife leistete er seinen Zivildienst ab. Derzeit ist er als Polier im Feuerfestbau tätig.

Vielen Dank für die Unterstützung des Novum Verlages und die Bereitstellung von Information und Bildmaterial.

Jacqueline Hechmati

01.03.2011Bücherwurm - Tipps zum Lesen

Bezirks Revue

Das Haus am See

27.02.2011Das Haus am See

alphafrauen.org

Taschenbuch: 268 Seiten

Verlag: novum Verlag GmbH (10. Juni 2010)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3990031600

ISBN-13: 978-3990031605

 

Verlagsinfo: Grässliche Kreaturen, lebende Tote, scheinen einen See in einem kleinen Ort in Nevada heimzusuchen. Mike und Mary, die direkt am Seeufer wohnen, sind von den unheimlichen Erlebnissen zutiefst verstört. Steckt ein einstiger Flugzeugabsturz in ebendiesen See hinter dem Übel? Sind die Toten gefangen im nassen Grab und wollen frei kommen?

Wie bereits die obige Kurzinfo ahnen lässt: Mit dem gleichnamigen Film mit Sandra Bullock hat Olaf Langes Roman nichts zu tun, im Gegenteil. Vorliegendes "Haus am See" gehört in das Horror-Genre, Stichwort: Zombies. Es liest sich ganz flüssig und nach wenigen Seiten hagelt es schon Tote noch und nöcher, so wie es sich gehört. Die Schlussüberraschung war ein netter, gelungener Abschluss-Schachzug, wenn auch nicht wirklich noch nie dagewesen. Zudem beschleicht einen doch das Gefühl, der Autor hätte sich besser entschlossen, seine gute Story-Idee in ein Drehbuch umzusetzen, denn der Roman ist m.e. nur mittelmäßig. Schade um die gruselige Grundstory, wirklich, da hätte man mehr draus machen können!

 

Der Autor

Olaf Lange wurde 1967 in Duisburg geboren, wo er heute noch mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen wohnt. Nach einer Elektrikerausbildung und dem Abschluss der Fachhochschulreife leistete er seinen Zivildienst ab. Derzeit ist er als Polier im Feuerfestbau tätig.

Vielen Dank für die Unterstützung des Novum Verlages und die Bereitstellung von Information und Bildmaterial.

Jacqueline Hechmati

5 Sterne
Klasse Buch - 25.11.2010
Heike

Das Buch ist sehr spannend geschrieben, man kann es nicht mehr aus der Hand legen. Habe es sofort weiterempfohlen.

5 Sterne
Super Buch - 27.07.2010
Dominik

Das Buch ist der absolute Hammer!! Es ist sehr spannend und fesselnd geschrieben. Man kann das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen! Ich würde es wieder und wieder lesen! Kann es nur weiterempfehlen.

5 Sterne
Man legt es nicht mehr aus der Hand - 25.07.2010
Daggi aus Hamm

Dieses Buch ist sehr spannend. Ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Innerhalb von 2 Tagen war es durch. Es ist sehr spannend, phantasievoll und etwas mystisch geschrieben. Weiter so, wann kommt das nächste??

5 Sterne
Das Haus am See von Olaf Lange - 05.07.2010
Susanne

Ich habe das Buch gelesen ... bin begeistert ... kann es nur weiterempfehlen

Das könnte ihnen auch gefallen :

Das Haus am See

Remy Gubler

Der Steinmann

Buchbewertung:
*Pflichtfelder