Sisyphos war erfolgreich ... und andere Satiren

Sisyphos war erfolgreich ... und andere Satiren

Wolfgang Eckhard


EUR 21,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 162
ISBN: 978-3-99048-594-1
Erscheinungsdatum: 29.05.2017
Eine heitere Kurzgeschichtensammlung über Familie, Erziehung und tägliche Herausforderungen, in der sich wohl jeder irgendwo wiedererkennt. Erleben Sie die Alltagsabenteuer und Erkenntnisse eines Familienvaters von der Geburt bis zum Auszug seiner Kinder mit!
Erziehung in Zeiten der Pubertät

„Bitte legen Sie nicht auf! Sie werden sofort nach Freiwerden einer Leitung bedient. Bitte bewahren Sie Geduld! Sie werden sofort nach Freiwerden einer Leitung bedient.“
Wie oft habe ich mich über so eine Ansage geärgert. Wie oft wollte ich voller Zorn den Hörer hinwerfen. Jetzt sehe ich das ganz anders. Und es liegt nicht daran, dass ich geduldig geworden wäre. Mitnichten. Vielmehr weiß ich jetzt, dass dies das beste Schulungsprogramm für Eltern von Kindern in der Pubertät ist.
Irgendwie verliert man den Anschluss zu diesen pubertierenden Kindern. Es ist so, als finde man die Leitung zu ihnen nicht mehr. Manchmal erscheint einem die Leitung unterbrochen und eine innere Stimme sagt: „Bewahre Geduld, du wirst nach Freiwerden einer Leitung sofort verbunden!“
Ganz ehrlich, das Freiwerden kann sich ganz schön ziehen. Obwohl ich gestehen muss, dass dies sogar noch das geringere Übel ist. Es gibt auch die Variante des aktiven Anschweigens, das meistens eingesetzt wird, wenn man meint, dass nun emotioneller Terrorismus das Mittel der Wahl ist. Es spielt sich dann so eine Art Stummfilm ab, der eine beachtliche familiendynamische Brisanz hat.
Warum ist das alles so? Ich beschloss, dem ganzen Ereignis auf den Grund zu gehen. Eine Erklärung könnte der von mir beschriebene Wortschatzsturz sein. Es ist unglaublich, wie sich der Wortschatz von pubertierenden Menschen verringert. Es gibt zum Beispiel keine Eigenschaftswörter mehr, sondern nur noch ein Wort, nämlich - cool. Alles ist cool. Zugegeben es wird modifiziert, denn es gibt megacool, urcool, total cool, supercool und natürlich uncool, aber alles ist cool. Vor Kurzem hörte ich meiner Tochter zu, als sie telefonierte.
„Hi, wie geht’s? Cool! Heh, cooooool!“ Pause. „Urcool. Total urcool! Megacool! Cool! Ja, finde ich auch! Cool! Cool! Cooooool! Okay. Cool! Baba! Cool!“
In meinen Augen ist das kaltblütiger Muttersprachenmord. Das ist ein entsetzlicher Kommunikationsminimalismus. Einfach schrecklich. Ich wollte gegensteuern, also verkündete ich bei einem Essen: „Ich möchte ein für alle Mal feststellen, dass ich nicht cool bin. Ich bin nicht cool! Habt ihr mich verstanden?“
Anna und Stephan schauten mich etwas verwundert bis verärgert an. Wahrscheinlich fürchteten sie, dass ich ihnen damit ihre Kommunikationsgrundlage entziehe. Mein väterliches Herz füllte sich mit Mitleid. Mir wurde klar, ich musste eine Alternative bieten.
„Ich bin nämlich hot. Total hot! Urhot! Megahot! Hot! Auf gut wienerisch, i bin haß! I bin a haßer Typ! Habt ihr mich verstanden?“
„Papa, du bist hot? Ich meine, so richtig hot?“, fragte mich Anna interessiert.
„Ja, genau! Ich bin hot! Richtig hot!“
Anna und Stephan schauten mich wirklich fast mit Achtung an und meine Tochter meinte plötzlich: „Mein Papa ist hot! Also, ich finde das total cool!“
Ich stand da wie das unglückliche Liebesprodukt zwischen einem begossenen Pudel und einer Kuh vor dem verschlossenen Scheunentor. Ich wollte explodieren. Es half aber nichts, denn kurz darauf wurde die Leitung wieder unterbrochen. Es scheint aber so zu sein, dass doch irgendwie ein Kommunikationsbedürfnis vorhanden ist, und das drückt sich musikalisch aus. Ich gebe aber zu, dass man schon sehr wohlwollend sein muss, um diesen Krach als Musik zu bezeichnen. Überall stehen so Bedröhnungs- und Beduddelungsgeräte herum, die unsere Wohnung zu einer akustischen Folterkammer gemacht haben. Lieder werden ständig gesungen, wobei ich meine, dass es sehr eigenwillige Interpretationen sind. Es gibt zum Beispiel ein Lied mit folgendem Text: Das ist Wahnsinn! Warum schickst du mich in die Hölle? Und dann singt der Chor: Hölle, Hölle, Hölle, Hölle!
Es ist eines dieser Herzschmerzlieder, die es gibt, seitdem irgendjemand eine Leier in die Hand genommen hat. Meine Kinder machen aber daraus ein Ohrschmerzereignis. Kaum sagt man irgendetwas, was nicht die Zustimmung meiner Kinder findet, fängt Stephan an: „Das ist Wahnsinn …!“
Kurz darauf ertönt der Chor seiner Schwestern: „Hölle, Hölle, Hölle …“
Und sie haben recht, es ist die Hölle. Allerdings eine von ihnen gemachte. Es stört mich auch irgendwie, dass sie Christina da hineinziehen, die sich gerade im Zwischenhoch von Trotzphase und Pubertät befindet. Vor Kurzem waren wir Tennisspielen. Fee und ich hatten verloren, worauf Anna und Stephan sofort zum Singen ansetzten. Es war das Lied: We are the champions and you are the loosers. Es ist ein Lied der Gruppe Queen, die in den Achtzigern sehr berühmt war. Das arme Lied! Es war ein Gejohle! Stephan verbeugte sich vor einem imaginären Publikum und grölte: „We are the champions …“
Etwas entnervt brüllte ich über das Netz: „Was soll das sein?“
Anna meinte darauf prompt: „Das find ich cool! Papa kennt Queen nicht. Die sollte er aber kennen!“
„Eine Runde Mitleid für Papa“, erwiderte darauf Stephan und es kam ein lautes mitleidiges Gestöhne von der anderen Seite des Tennisplatzes.
„Natürlich kenne ich Queen“, rief ich verärgert.
Es war aber egal, denn die Leitung war leider wieder unterbrochen. Vielleicht ist es dieses unglaubliche Wachstum in der Pubertät, das zu diesen Auffälligkeiten führt. Meine Schuhgröße war für meinen Sohn ein Sommererlebnis. Die Folge war allerdings, dass ihm die im Winterschluss gekauften Schuhe zu klein wurden. Fee war gekränkt und ihr Schwabenherz verzweifelt. Sie meinte, dass ich die Schuhe auftragen sollte, denn sie seien doch fast wie neu. Ich weigerte mich!
„Erstens habe ich die ersten zwanzig Jahre meines Lebens dauernd die Sachen meiner älteren Brüder auftragen müssen und zweitens schafft mein Sohn es auch nach kurzem Tragen, jedes Schuhwerk zu verstümmeln. Andere Leute mit solchen Füßen brauchen einen Waffenschein.“
Fee schüttelte verzweifelt ihren Kopf und ließ nicht locker. Kurz danach wurde dieses Thema bei einem Verwandtentreffen diskutiert. Dabei meinte mein Onkel vermittelnd: „Sei doch vernünftig. Du hast eh zwanzig Jahre Pause beim Auftragen gehabt!“
Ich wurde fast weich. Als mein Sohn aber dann begann, mich Kleiner zu nennen, beschloss ich endgültig, dass meine unverarbeiteten Kindheitserlebnisse stärker sind als jegliche wirtschaftliche Vernunft.
„Pubertät ist, wenn die Eltern schwierig werden“, sagte mein Sohn vor Kurzem zu mir. Er ist Anhänger der Weltverschwörungstheorie und meint, dass alle gegen ihn sind. Ich sagte ihm einmal: „Wenn man sich so aufführt wie du, kann die ganze Welt ja nur gegen einen sein.“
„Dieser Kommentar beweist, dass du, meine eigener Vater, ein Mitglied der Weltverschwörung bist!“
Ich wollte auf Unschuld plädieren, doch es wurde die Leitung unterbrochen und das Stummfilmtheater hob für eine lange Vorstellung den Vorhang. Meine liebe Fee machte einen ähnlichen Fehler. Anna kam zu ihr und sagte: „Mama, ich komme in die Pubertät. Wir werden nun eine schwierige Zeit miteinander haben.“
Fee schaute sie völlig verwundert an und meinte nur sehr trocken: „Und was war das, was du bisher aufgeführt hast?“
Das war zu viel der Wahrheit und es gab wiederum Stummfilm.
Erst kürzlich versuchte ich es mit einer paradoxen Intervention. Stephan meinte wieder einmal: „Ich bin in der Pubertät.“
Worauf ich erwiderte: „Ich auch!“
„Aber das ist man doch als Teenager.“
„Mein Lieber, da kommt man hinein. Ich bin aber noch nicht draußen.“
„Schrecklich“, meinte Stephan verzweifelt.
Da begriff ich, dass die Pubertät auch für die Pubertierenden kein Vergnügen ist. Und wenn das so ist, wird ja sicher die Leitung irgendwann einmal wieder hergestellt. Also, ich bewahre Geduld. Ich lege nicht auf. Ich möchte verzweifeln, aber ich lege nicht auf. Ich bleibe in der Leitung. Ich lege nicht auf.


Sag zum Abschied ganz schnell Servus

Franz Werfel hat einmal mit einem wunderschönen Gedicht die letzten Minuten vor dem Abfahren eines Zuges beschrieben. Das Gedicht heißt Der Mensch ist stumm. In schlichter Schönheit erzählt dieses Gedicht, wie ein Mensch sich vom anderen verabschiedet und trotz aller Vertrautheit und Gefühle keine Worte findet, fast schon sehnsüchtig auf das Abfahren des Zuges wartet, da das Herz so voll und die Ausdrucksfähigkeit so klein ist. Und all das, was man sagt, kommt doch nicht so heraus, wie man es wirklich sagen möchte.
Meine Mutter kennt dieses Gedicht nicht und könnte mit diesem Gedicht auch überhaupt nichts anfangen, da sie die personifizierte Antithese zu diesem Gedicht ist. Wenn meine Mutter nicht so viele Kinder gehabt hätte und nicht vor der Emanzipation auf die Welt gekommen wäre, wäre sie sicher Baupolier geworden. Und wenn nicht Baupolier, dann Kolumnistin. Und eigenartigerweise äußern sich ihre unglaublichen Baupolier- und Kolumnistinnentalente immer in den letzten Minuten einer Begegnung. Sie fängt meistens mit einem harmlosen „Und übrigens“ an, bevor sie ihre nicht enden wollende Liste von Aufträgen beginnt. Wenn man dann schon verzweifelt das Weite suchen will, kommt meistens noch die Frage: „Sag, wie geht es eigentlich dem Soundso?“ Man kann machen, was man will, man muss berichten. Man kann darauf hinweisen, man müsse schon woanders sein, die Welt gehe unter und so weiter und so fort. Meine Mutter bleibt einfach unbeeindruckt, und bevor ihr Informationsbedürfnis nicht gestillt ist, gibt es kein Entkommen.
Zuerst war meine Strategie, zu den Aufträgen schnell Ja zu sagen und bei der Frage nach dem Soundso unschuldig zu versichern, ich hätte keinen Kontakt mehr. Es half nichts. Ein schnelles Ja führte nur dazu, dass ich jeden Auftrag wiederholen musste, damit ich ihn auch wirklich verstanden hätte, und dann musste ich erklären, warum ich keinen Kontakt mehr zum Soundso hätte und wer jetzt einen Kontakt zum Soundso habe und ob ich keine Beziehung aufrechterhalten könne und ob ich vielleicht überhaupt beziehungsgestört wäre und zu wem ich denn jetzt eigentlich Kontakt hätte … Nachdem sich diese Strategie nicht wirklich als gut erwies, begann ich mich gegen die Aufträge ein bisschen zu wehren und dann erst Ja zu sagen, was schon einen enormen Zeitgewinn brachte. Die Frage nach dem Soundso begann ich grundsätzlich zu beantworten, unabhängig davon, ob ich wirklich wusste, wie es dem Soundso geht. So ließ ich es dem einen gut gehen und dem anderen schlecht. Ich berichtete ab und zu von kleinen Katastrophen, die aber doch nicht zu schlimm waren, und was mir halt noch so alles einfiel. Man soll aber offensichtlich niemanden anlügen und schon gar nicht seine Mutter. Die Strafe kam.
Es war bei einem Familientreffen in Wien, bei dem meine Mutter beschloss, mit dem Zug nach Hause zu fahren. Nachdem alle bis auf den letzten Zug verplaudert waren, ließ sie sich von mir zum Bahnhof fahren. Es war die allerletzte Minute. Meine Mutter war wieder ihren Talenten erlegen und hatte verschiedenen Verwandten Aufträge erteilt und sich nach unzähligen Soundsos erkundigt. Wie bereits erwähnt, es war die allerletzte Minute. Als wir zum Bahnhof kamen, gab es keinen Parkplatz. In meiner Verzweiflung parkte ich einfach auf dem Gehsteig und rannte mit meiner Mutter zum Zug, um ihr beim Einsteigen zu helfen. Meine Fee und die Kinder blieben schreiend zurück. Ich hörte nur noch: „Du hast deine Jacke nicht mitgenommen, und willst du nicht den Autoschlüssel dalassen?“ Meine Mutter meinte, sie müsse noch zum Bankomat und ich rief ihr zu, dass einfach keine Zeit mehr dafür sei.
Der Zug war noch da und wir stiegen ein. Ich half meiner Mutter ihre Sachen zu verstauen und war schon auf dem Weg hinaus. Da sagte sie zu mir: „Du, übrigens …“, und ich bekam einen Auftrag. Und dann kam noch die Frage: „Wie geht es eigentlich dem Soundso?“
Während ich meine taktischen Ausführungen begann, unterbrach mich ein anderer Reisegast: „Wollten Sie nicht eigentlich aussteigen?“ Ich schaute ihn nur etwas verwundert an. Dann sah ich, dass sich draußen der Bahnsteig bewegte! Der Zug war pünktlich. Der Zug war abgefahren und ich war noch darin. Mir fiel meine Familie ein, die nun ohne Autoschlüssel mit einem völlig falsch geparkten Auto am Westbahnhof stand, während ich im Zug saß.
„Bitte die Karten vorweisen!“ Bevor ich überhaupt die Situation begriffen hatte, war der Schaffner schon da. Er schaute mich erwartungsvoll an, ich schaute verzweifelt zurück. Dann sagte ich: „Ich bin im Zug!“
Er erwiderte etwas erstaunt: „Was Sie nicht sagen!“
„Ich wollte aber nicht im Zug sein!“, setzte ich fort.
„Das ist Ihnen aber nicht gelungen!“, sagte der Schaffner mit verwundertem Kopfschütteln und einem leicht ironischen Blick. Ich griff dorthin, wo eigentlich meine Brieftasche stecken sollte und da fiel mir ein, dass sie in meiner Jacke und die Jacke im Auto war. Nur den Autoschlüssel, den hatte ich. Noch ein bisschen in Gedanken versunken, meinte ich zum Schaffner: „Ich habe den Schlüssel, aber ich habe kein Geld!“ Der Blick des Schaffners verriet, dass er sich wohl fragte, ob ich nicht vielleicht ein bisschen psychisch auffällig sein könnte. Ich blickte Hilfe suchend zu meiner Mutter, die, bevor ich etwas äußern konnte, schon verkündete. „Ich habe auch kein Geld! Ich war ja nicht beim Bankomat, aber ich habe einen Fahrschein.“ Der Schaffner schien glücklich, dass irgendjemand einen Fahrschein hatte. Mir fiel wieder meine Familie ein. „Ich muss telefonieren“, meinte ich.
„Wollen Sie mir nicht lieber erklären, wie Sie Ihre Reise bezahlen wollen?“, erwiderte der Schaffner.
Ich schaute ihn an wie eine Kuh vor dem verschlossenen Scheunentor.
„Es tut mir leid. Ich kann nicht, ich muss aber telefonieren. Bitte lassen Sie mich telefonieren!“
Der Schaffner betrachtete mich nur mehr sehr mitleidsvoll wie ein verlorenes Schaf und schickte mich zu seinem Kollegen, der mich mit der Fahrdienstleitung in Wien telefonieren ließ. Er war sichtlich froh, die Unterhaltung mit mir nicht mehr fortsetzen zu müssen.
Ich rief die Fahrdienstleitung an: „Vor dem Bahnhof steht eine Frau mit einem falsch geparkten Auto. Könnten Sie bitte hinausgehen …?“
Der Beamte der Fahrdienstleitung unterbrach mich etwas aufgebracht: „Hören’s, was glauben Sie, wer ich bin. Ich bin die Fahrdienstleitung (lang und gedehnt zu lesen). Ich bin kein Vermittlungsbüro und kein Verkehrspolizist, und wenn’s glauben, ich parke das Auto richtig, dann haben Sie sich getäuscht, ich bin auch kein Fahrlehrer. Ich bin die Fahrdienstleitung (sehr gedehnt und sehr lang zu lesen).“
Vor lauter Verzweiflung flüchtete ich einfach in die Wahrheit: „Ich weiß, Sie sind die Fahrdienstleitung und ich, ich bin ein Volltrottel.“
„Aha, wenn Sie das meinen“, hörte ich von der Fahrdienstleitung, die sich über so viel Selbsterkenntnis ganz erstaunt zeigte. Ich erklärte ihm die Situation und er versprach, meiner Fee mitzuteilen, dass ich im Zug sitze. Anschließend meinte er nur: „An Ihrer Stelle würde ich mich nicht mehr nach Haus trauen!“
Auf dem Weg zu meiner Mutter kam die erste gute Nachricht, als der Schaffner mir mitteilte, dass meine Mutter ihm alles erklärt hätte und er mich als Schwarzfahrer bis nach St. Pölten mitfahren lasse. Ab dann sei ich aber mir selbst überlassen. Als ich ins Abteil zu meiner Mutter kam, erklärte sie mit leicht amüsiertem Blick: „Das ist wirklich lustig, aber weißt du, dass Gute ist, dass wir doch jetzt genug Zeit haben, ein paar Dinge zu besprechen. Wie geht es eigentlich dem Soundso?“
Ich traute meinen Ohren nicht. Ich stand kurz vorm Amoklauf, dachte mir, das müsse wohl das sein, was man das absurde Lebenstheater nennt. Ich fasste mich allerdings wieder und blickte meine Mutter an, die noch immer ganz vergnügt auf meine Antwort wartete, und beschloss, mein Schicksal anzunehmen. Als ich in St. Pölten ausstieg, rief mir meine Mutter noch nach: „Geh, lass doch den Soundso schön grüßen. Ich freu mich, dass ich jetzt so gut über ihn informiert bin!“ Mit der Bankomatkarte meiner Mutter kam ich zu Geld und damit zurück nach Wien. Zuvor rief ich noch meine Fee an und es stellte sich heraus, dass sie einen Ersatzschlüssel mitgehabt hatte und schon zu Hause war. Sie zeigte sich sehr versöhnlich und wünschte mir eine gute Heimreise. „Weißt du, das ist das Gute an einer Ehe“, konnte sie sich zum Schluss unseres Telefonats aber nicht verkneifen, „es genügt, wenn wenigstens einer ein Hirn hat!“ Sie ist und bleibt einfach ein netter Mensch. Denn eigentlich ließ sie offen, wer von uns beiden das sein könnte.

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