Humor & Satire

Naz düst durch den Sommer

Josef Hochwarter

Naz düst durch den Sommer

Leseprobe:

Vorwort

Als Naz damals durch den Sommer lief, war die Welt nicht unbedingt besser oder schlechter. Jedenfalls aber war sie anders! Es ist eine Tatsache, dass der Lauf der Zeit Mensch, Tier und Umwelt verändert. Alles ist immer in Bewegung und nichts bleibt so, wie es ist. Niemand soll einfach behaupten, dass früher alles besser gewesen wäre. Was sollen da jene Menschen sagen, die in ihrer Jugend Krieg und Elend erleiden mussten.
Eine entscheidende Frage für die Zukunft stellt sich jedoch: „Ist es möglich Fortschritt und Wohlstand der Menschheit mit der Natur in Einklang zu bringen?“
So könnte beispielsweise zutreffen, dass die Gelbbauchunken, die sich früher in jeder noch so kleinen Wegpfütze tummelten, durch den befestigten Ausbau von Wegen aussterben werden. Dass der Mensch inzwischen aber seine Mobilität und Effektivität in Bezug auf Arbeit und Ertrag steigern konnte, steht außer Zweifel.
Naz aber ist ein Kind der Natur und in seiner „kleinen Welt“ ein Grenzenüberschreiter. Wird er erst einmal auf etwas aufmerksam, überkommt ihn sofort der Drang, es auch zu erkunden. Bei solchen Höhenflügen muss er allerdings manchmal erkennen, dass er ein gewisses Risiko eingeht. So sind im Prinzip alle jungen Menschen, gleich in welcher Zeit sie gelebt haben oder jemals leben werden. In der Jetztzeit ergänzen sie das eben noch zusätzlich mit iPhone, Tablets etc. etc. – und was auch immer noch so kommen wird.
Um es mit Rainer Maria Rilke zu sagen:
Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen
von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.

Sie aufzusammeln und zu sparen
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.

P.S.: Die Bilder dieses Büchleins können selbstverständlich auch in bunten Farben ausgemalt werden. Diese schlichte Ausfertigung wurde gewählt, nicht weil es an diesem besagten Sommer nicht viel Sonne, Licht und somit Farbe gegeben hätte – im Gegenteil. Es gab in der Tat noch keine Farbfotos oder gar Farbfernsehen. Dieses sollte überhaupt erst viele Jahre später Einzug halten.
Wer also will, kann mit der Gelbbauchunke gleich beginnen und sie in ihrem charakteristischen Gelb erstrahlen lassen.

***

Naz liebt den Sommer. An einem Sommertag wurde er geboren. Damals, knapp vor seiner Geburt, bekam seine Tante Mitzi von der Oma einen dringenden Auftrag. Sie sollte auf schnellstem Wege die Hebamme, Frau Wolf, herbeiholen. Doch Frau Wolf war nicht zu Hause. Ein Zettel, genagelt auf die Eingangstür, vermittelte folgendes: ICH BIN IM WALD – BEIM SCHWAMMERL SUCHEN!
Tante Mitzi überkam sodann eine leichte Panik. Es war schon einmal ein weiter Weg zum Waldesrand und von da ging es noch weiter in den Wald hinein. Müßig ist es darauf hinzuweisen, dass Tante Mitzi immer wieder nur rief: „Frau Wolf, Frau Wolf!“ Hektisch kämpfte sie sich bis ins Innerste des Waldes vor. Doch von Frau Wolf war keine Spur. Als aber Naz das Licht der Welt – nun auch ohne die Hebamme – erblickte, war seine Tante Mitzi verschwunden. Zumindest für ein paar Tage hatte sie der Wald verschluckt. Darüber hat sie jedoch niemals mehr ein Wörtchen verloren.

***

Den elektronischen Augen der ersten Satelliten ist es nicht möglich, diesen kleinen Punkt auf der Erde ausfindig zu machen. Jene kleine Welt, in der Naz in seinem Universum lebt. Eine beschauliche Welt – manchmal jedoch auch unterbrochen von bemerkenswerten Zwischenfällen.
Naz hat viel Zeit. Dann nämlich, wenn es endlich heißt: SCHULSCHLUSS! Auch für seinen Hund Waldi bedeutet es jetzt: ES SIND FERIEN. Vorbei ist es mit Langeweile und Herumhängen.
Naz zieht sich nämlich für die nächsten zwei Monate seine Lederhose über. Ein altes Erbstück und sehr strapazfähig. Etwas, das man einfach braucht – zum Herumstreifen in Wald und Flur.

***

Kaum hat Naz Schultasche und Schulzeugnis in einer Küchenecke entsorgt, begibt er sich auf die nahegelegene Blumenwiese. Seine Mutter wird erst viel später das Zeugnis finden und dieses dann nachdenklich zur Kenntnis nehmen.
Naz liebt den Duft der Blumen und die bunten Farben in der Natur. Aber nein, nicht an jeder Blüte kann er wirklich Freude finden. Manche kann er vom Geruch her dann halt nur als interessant bezeichnen. Waldi teilt diese Vorliebe. Auch er unterscheidet gut duftende und streng riechende Wiesenblumen.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 68
ISBN: 978-3-99048-754-9
Erscheinungsdatum: 15.12.2016
EUR 18,90
EUR 11,99

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