Humor & Satire

Kakadu fressen Chihuahua - oder der Snookermord

wolf k. moor

Kakadu fressen Chihuahua - oder der Snookermord

10 schwarze Krimis und makabre Geschichten

Leseprobe:

An einem verhangenen, mit dichten, regenschwangeren Wolkenungetümen verunstalteten Tag lag James Stein über seinem, in der Mitte des Raumes stehenden Billardtisch. Es roch nach Verwesung. Fliegen surrten auf dem ehemals schönen Körper herum. Die Fenster waren verschlossen und sein alter Kater lag unter dem Bett und war tot. Vor seiner Wohnungstür häuften sich einige Werbebroschüren, eine kleine Postkarte, Absender unleserlich, und aus einem Billard-Salon ein Brief.
Der sehr vergesslichen Wohnungsnachbarin Frau Sofie Reinberg, sie war schon weit über fünfundachtzig Jahre, fiel der eigenartige Geruch als Erste auf. Einige Wochen schon klopfte sie mehrmals an die Wohnungstür von James Stein. Da er nicht öffnete, machte sie sich vorerst keine Gedanken. Ihre Gedanken waren in den letzten Monaten sowieso schon immer etwas eigenartig. Sie vergaß eigentlich das Meiste. Sie konnte nicht mehr richtig einschlafen und kam am Morgen kaum mehr aus dem Bett. Wozu auch? Es war ja nichts mehr los. Die Tochter lebte in München und die alte Mutter war ihr nicht so wichtig. Die Tochter wusste ganz genau, dass sie sich um ihre alte Mutter kümmern sollte, aber es gab interessantere und wichtigere Dinge in ihrem mit vielen Männern verdorbenen Leben. Aber sie sollte ihre Gleichgültigkeit und ihre Verantwortungslosigkeit noch zutiefst bereuen.

Vor mehr als zwanzig Jahren war der Ehemann von Frau Sofie Reinberg, ein tüchtiger Handelsvertreter, schon in den Himmel gefahren und seither lebte sie ganz allein in ihrer großen Wohnung in dem alten Wiener Zinshaus. Nicht nur das Haus war uralt, auch die Bewohner waren mittlerweile uralt. Dieses Haus war nichts anderes als eine Gruft mit dahinvegetierenden Körpern, sollte man meinen! Außer bei Herrn James, ihrem wie bereits genannten Wohnungsnachbarn, war bis vor einigen Monaten immer etwas los. Da gingen Männer ein und aus, es gab laute Musik, dann Ruhe, dann wieder Gelächter, dann Gepolter und dann konnte sie durch die geschlossene Verbindungstür der beiden Wohnungen Stöhnen und Keuchen sehr genau hören. Worte, wie: „Stoß nicht so fest“, „Geh mit dem Kopf ganz hinunter“, „Du musst genauer draufhalten“, „Hinein in die Seitentasche und diese verdammten Löcher treiben mich noch zum Wahnsinn.“ „Du musst das nächste Mal deine Kugeln polieren.“ oder „Heute ist nicht mein Tag“, konnte Frau Steinberg nicht einordnen. Gänzlich unverständlich war, als sie eine Stimme sagen hörte: „Bück dich tiefer, du musst genau zielen. Jetzt ist sie endlich drinnen!“ Was war hier im Gange? Frauen hatte sie noch nie bei Herrn James Stein gesehen. Nach diesen Orgien, wie Frau Sofie das Treiben beim Nachbarn beurteilte, läutete dann am nächsten Tag James Stein immer bei ihr und erkundigte sich nach ihrem Befinden und ob sie ja nicht durch seine Besuche gestört worden sei. „Nein, nein James, ich freue mich, wenn Sie Besuch haben und es bei Ihnen lustig zugeht.“ James war dann sehr hilfsbereit und erledigte manche Schreibarbeiten mit der Hausverwaltung für sie. Wie gesagt, seit ca. drei Monaten hatte sie ihn nicht mehr gesehen und es fanden auch keine Orgien mehr statt. Wie gesagt, sie hatte ihn und auch vieles andere vergessen. Nun also dieser eigenartige Geruch.
Heute war der Tag, an dem immer, wie jede Woche, David zu ihr kam. David war ein junger Mann und versorgte Frau Reinberg mit allem, was sie so zum Leben brauchte. Er war ein sogenannter Zivildiener. Einer also, der nicht bereit war, an der Waffe, wie dieser Staat so schön sagte, seine vom Staat gestohlene Zeit zu erledigen, sondern er wollte einfach nur helfen. Das war ihm wichtiger als das Herumgesaufe seiner Freunde in den Kasernen und die Schikanen von grenzdebilen Ausbildnern, die auf die Jungmänner losgelassen wurden.
Manche seiner Freunde, deren Väter gute Kontakte hatten, brauchten aus fadenscheinigen Gründen keinen Militärdienst leisten. „So ist es halt mit den gleichberechtigten Staatsbürgern“, wie David Frau Reinberg immer wieder schmunzelnd sagte. „Wenn es einmal ernst wird, brauchst du dann auch nicht einrücken“, meinte Frau Sofie achselzuckend.
David musste jeden Moment kommen. Frau Reinberg freute sich immer wieder über diesen jungen Mann. So stand sie auch diesmal etwas früher auf und hatte sich fein gemacht und etwas Parfum auf die Bluse gespritzt. Seit Jahrzehnten verwendete sie Chanel Nr. 5.
Es läutete pünktlich und Frau Reinberg schaute vorsorglich durch den Türspion. Sie machte nicht jedem auf. David stand vor der Tür.
Als er eintrat, übergab er ihr sofort ein paar Blümchen aus der Gärtnerei von nebenan. Er war nicht nur ein hübscher Bursche, sondern er war auch ein Charmebolzen. Er begann sofort: „Frau Reinberg, am Gang stinkt es nicht besonders fein.“ „Ja David, mir ist es auch schon aufgefallen und ich glaube, es kommt aus der Wohnung von James. Ich denke, wir sollten nachsehen.“ Weiteres Klopfen nützte nichts, auch vom Kater war schon lange nichts mehr zu hören. Früher hatte er noch an der Verbindungstür zu ihr gekratzt, und da sie heimlicherweise einen Schlüssel dafür hatte, durfte er auch in ihr Zimmer kommen. Dann saß er meist am Fensterbrett und beobachtete stundenlang die Vögel und andere Katzen. Er war in solchen Fällen meist sehr erregt und seine Katzenschnauze begann merklich zu zittern. Auch die Zähnchen klapperten aneinander. Die Mordlust war dem Kater förmlich anzusehen. Wenn Frau Reinberg hörte, dass James Stein über die Stiege heraufkam, packte sie den Kater und schob ihn in die andere Wohnung. Das war immer ein bisschen gefährlich, da die Zeit sehr knapp bemessen war. Aber ihr Timing passte und sie und der Kater liebten dieses Spiel.
Das Klopfen an der Tür des Herrn Stein hatte natürlich keinen Erfolg. Frau Reinberg zog David kurz am Ärmel. „Du darfst mich ja nicht verraten. Ich kann über die Verbindungstür in die Wohnung von Herrn James hineinschauen, hineingehen tue ich niemals, habe aber einen Schlüssel. Komm wir schauen nach!“ David sah sie ungläubig an und meinte: „Ich weiß nicht, ob wir das tun sollten.“
„Sicherlich“, meinte sie, „ich hol nur schnell den Schlüssel.“ Gesagt getan, die beiden öffneten die Türe.
Entsetzt prallten die alte Dame und der junge Herr David zurück.
Der Gestank war fürchterlich und auf einem großen rechteckigen Gestell, das mit einer geraden Fläche, die mit grünem Filz überzogen war, lag ausgestreckt der leblose Körper von Herrn James Stein. Frau Reinberg knallte entsetzt die Türe wieder zu und musste sich in ihren Ohrenstuhl setzen. Während sie noch ihre Gedanken sammelte, wie gesagt, sie hatte ja in letzter Zeit vieles vergessen, wählte David bereits den Notruf der Polizei und gab der Beamtin am Telefon einige Informationen. „Wir sagen ja nicht, dass sie einen Schlüssel zu der Türe haben.“
„Nein, ich bin ja nicht wahnsinnig, soll ich vielleicht auch noch die letzten paar Jahre meines langweiligen Lebens im Gefängnis verbringen?“
„Na“, meinte der David, „wer weiß, was Sie mit dem jungen Herrn Stein schon alles getrieben haben? Wie oft Sie schon Ihr Ohr an der Tür hatten? Oder auch schon hineingegangen sind?“ Sie sah ihn verdutzt an und dann hatte sie sich wieder gefangen. Wenn irgendetwas los war, dann konnte sie perfekt denken. Es war nur immer diese Einsamkeit und dann die Vergesslichkeit, die sie verrückt und schlaflos machten. Sie überlegte, vielleicht wäre es im Gefängnis besser. Es gab ja in letzter Zeit Bestrebungen den Verbrechern den Aufenthalt schön zu machen, sie zu umsorgen und mit einer Legion von Therapeuten und Psychologen oder Physiologen, wie sie immerzu sich selbst sagte, also die Verbrecher auf die Freuden des arbeitslosen Lebens außerhalb dieser Hotelgefängnisse vorzubereiten. Sie würde im Gefängnis dann sicher wieder besser schlafen. Denn man war dort sicher und um sie sehr besorgt.
Nach einigen Minuten ging es richtig los. Folgetonhorn und Polizeibeamte. Die Rettung und ein Arzt trampelten über das
Stiegenhaus zur nebenan liegenden Wohnungstür. Dann läutete es an ihrer Tür. „Waren Sie der Mann, der angerufen hat?“, fragte im barschen Ton ein schlecht gelaunter alter Polizeibeamter
David stammelte: „Ja Herr Inspektor.“
„Sie bleiben alle in ihren Wohnungen“, sagte der Polizist, denn mittlerweile hatten sich sämtliche Türen im Haus geöffnet und die Greisinnen sahen interessiert heraus. „Es ist wie in der Geisterbahn im Prater“, rutschte es David heraus. „Da hast du wohl recht, du Knallfrosch“, meinte liebevoll Frau Reinberg zu David. Nach kurzer Zeit kam der blasse junge Arzt aus der Wohnung, sagte kein Wort und verschwand. „So ein Gestank, das ist ja fürchterlich. Da ist sicher eine Leiche in der Wohnung und eine Katze“, rutschte es Frau Reinberg heraus. „Also, so wie der Herr Stein möchte ich nicht enden.“
„Wieso glauben Sie denn das?“
„Na ja“, reagierte sie blitzschnell. „Den Kater habe ich schon lange nicht mehr gesehen.“
„Ah so“, meinte der Beamte. Ihm war alles klar. Diese Häuser mit den alten Bewohnern gab es über die ganze Stadt verstreut und jeden Tag war irgendwo etwas los. „Darf ich zu Ihnen hereinkommen“, meinte der Beamte? „Dieser Gestank ist nicht auszuhalten und es müssen erst die Gerichtsmedizin und die Spurensicherung und die Kriminalpolizei und, wer weiß, was noch alles kommen.“ „Möchten Sie einen Kaffee Herr Inspektor, damit der gute Geschmack wiederkommt?“ Er wollte einen!
„Was machen Sie denn, junger Mann, bei dieser Frau Reinberg?“, fragte neugierig der Polizist so von unten herauf. „Na ja, wissen Sie, ich bin ein Diener“, stammelte der David, und hatte das richtige Wort vergessen. „Aha, ein Diener, sehr gut, junger Mann. So schauen Sie aus. Name, Adresse, Beruf, Wohnort“, kam es nun gestreng aus dem Beamten. Dann fiel es David wieder ein, was er eigentlich war. „Herr Inspektor entschuldigen Sie, ich bin auch etwas aufgeregt. Ich bin Zivildiener und ich mache mein Sozialjahr und bin für die Betreuung der Frau Reinberg eingeteilt.“
„Aha, jetzt hab ich dich, also ein sogenannter Drückeberger vom Militärdienst. Naja, ich dachte es mir gleich.“ Dann schlürfte er seinen Kaffee weiter. „Schreib mir deinen Namen und deine Adresse auf. Aber brav, dass du gleich angerufen hast. So einen Sozialdiener brauch ich auch manchmal, der mir meine Bude zusammenräumt. Mir ist nämlich meine Frau, die Mitzi, mit einem anderen durchgebrannt.“
„Das wundert mich nicht“, meinte Frau Reinberg. „Wieso?“, sagte sehr echauffiert der Staatsbeamte. „Ich bin nicht immer so dienstlich“, meinte er plötzlich mit feinem Lächeln. „Ja, aber trotzdem ist die Ihnen davongelaufen.“
„Na ja, soll sie glücklich werden. Hier und da sehe ich sie ja noch, dann kommt sie gekrochen und dann gehn wir halt wieder miteinander ins Bett.“
„Na, Sie sind mir aber ein Quatschkopf“, meinte Frau Reinberg unabsichtlich. „Gnädige Frau, werden Sie nicht anmaßend!“
„Entschuldigen Sie Herr Inspektor, ich bin fünfundachtzig Jahre alt und halt manchmal auch schon wunderlich und vergesslich.“
„Das glaube ich Ihnen nicht, in Ihrem Alter brauchen Sie auch nicht noch frech werden, wenn ich Ihnen Intimes aus meinem Leben erzähle. Aber der Kaffee war super.“
„Wollen Sie vielleicht noch eine Schaumrolle“, meinte Frau Reinberg, „damit wir wieder Frieden schließen können.“ Da ging dem Herrn Beamten aber das Gesicht auseinander. „Ja, also ich revidiere meine Meinung über Sie, so eine Frau wie Sie hätte ich mir immer gewünscht.“
„Sans froh Herr Inspektor, die Frau Reinberg hat’s faustdick hinter den Ohren.“
„Du Lümmel!“, fauchte sie daraufhin David lachend an. Dann erzählte sie noch ein paar Witze, stellte ein Gläschen Wein auf den Tisch, und als endlich die Stimmung ihren Höhepunkt erreichte, kamen die Spurensicherung und die Gerichtsmediziner. Durch die geschlossene Verbindungstür hörten die Beamten das laute Lachen, und als der Herr Polizeibeamte auch noch ein Wienerlied zu singen begann, reichte es dem inzwischen auch angekommenen Kriminalkommissar.
Kommissar Hugo Perc klopfte ziemlich laut an die Wohnungstür.
Ein junger Mann öffnete ihm und der Kommissar konnte gerade noch sehen, wie eine ältere Dame eine Weinflasche verschwinden ließ.
„Darf ich eintreten?“, fragte er höflich, „ich bin von der Mordkommission.“
Als Frau Steinberg den Namen Mordkommission hörte, wurde sie blass. Hatte sie vielleicht doch etwas vergessen. „Bitte kommen Sie herein, Herr Kommissar.“
Der Polizeibeamte stand auf und nahm Haltung an. „Herr Kommissar, ich habe schon Ermittlungen aufgenommen.“
„Das müssen aber lustige Ermittlungen sein, Herr Kollege. Nebenan liegt ein Toter und Sie feiern hier eine Orgie.“
„Nein, nein, Herr Kommissar, wir waren nur so entsetzt und der entsetzliche Gestank veranlasste mich die beiden Herren zu bewirten und auf einen anderen Geschmack zu bringen.“ Kommissar Perc trat auf den Tisch zu. „Wollen Sie sich nicht zu uns setzen und uns ausfragen?“, meinte Frau Reinberg. „Ich muss nur schnell noch einmal lüften, auch in meiner Wohnung stinkt es.“
„Ich bin so frei, gnädige Frau“, meinte Kommissar Perc, mittlerweile freundlicher und ließ sich auf den harten Stuhl fallen, dass es nur so krachte. „Herr Kommissar, mein Inventar bitte etwas schonender behandeln. Ich brauche den Sessel noch ein paar Jahre.“ Dann sah der Kommissar die drei Helden an und musste lächeln. „Machen wir es uns nicht zu schwer. Ein paar Fragen und Sie haben mich wieder los.“ Der Kommissar konnte gar nicht so schnell schauen, als schon eine Schaumrolle und ein Kaffee vor ihm standen. „Frau Reinberg, Sie können Gedanken lesen. Soeben habe ich an eine Schaumrolle gedacht und nun steht sie schon vor mir. Ein Wahnsinn!“
Die Befragung dauerte eine halbe Stunde und der Kommissar machte sich immer wieder Eintragungen in sein Notizbuch. Auf seine Frage, wieso Frau Reinberg nicht früher aufgefallen sei, dass in der Wohnung nebenan sich nichts mehr rührt, antwortete sie ihm: „Bis vor einigen Tagen habe ich noch Geräusche aus der Wohnung gehört. Aber der Herr Stein war manchmal schon wochenlang weg und dann hab ich ihn halt vergessen.“ Er sagte es ihr zwar immer, da sie auf den Kater aufpassen solle, aber in letzter Zeit habe sie nichts mehr von ihm gehört. In so einem alten Haus sei es manchmal besser, wenn man nicht alles wisse.
Der Polizeiinspektor stand urplötzlich auf. „Um Gotte willen, mein Streifenwagen steht im Halteverbot“, und weg war der Ordnungshüter.
Kommissar Perc hatte alles, was er wissen wollte. Dann sah er jedoch noch die Verbindungstüre zur Nachbarswohnung. Die ist fest zu, meinte Frau Reinberg blitzartig, als sie sah, dass der Kommissar bereits fragen wollte. „Ich habe keinen Schlüssel, das dürfen Sie mir glauben.“
„Ich habe nur gedacht, dass Sie manchmal dem Herrn James Stein, wie Sie ihn nannten, auch eine Schaumrolle durch diese Tür gereicht haben.“
Dann sagte Frau Reinberg etwas, was den Kommissar nachdenklich stimmte. „Der isst nichts Süßes, obwohl er ein richtiger Süßer ist.“
„Was heißt das nun wieder?“
„Na ja, der Herr James ist mehr für Männer, also so herausgesagt, er war ein Warmer.“
Nun musste der Herr Kommissar Perc ebenfalls herzlich lachen. „Liebe Frau Reinberg, ich gehe jetzt einmal in mein Büro und werde Sie aber bald wieder besuchen, wenn ich darf?“
„Ja sicher, dann ist wenigstens etwas los in meiner Bude, wenn wieder fremde Männer kommen!“
David half nun Verschiedenes im Haushalt zu erledigen und dann verabschiedete er sich ebenfalls sehr bedrückt. „Ich komme nächste Woche wieder vorbei Frau Reinberg. Hoffentlich geht das alles gut aus!“
Als Frau Reinberg durch ihren Türspion schaute, erkannte sie zwei Männer, die einen Zinnsarg aus der Wohnung von James Stein trugen.
Außerdem hatten sie einen Plastiksack auf den Sarg gelegt und Frau Reinberg konnte die Umrisse eines Katers erkennen. Sie brach in Tränen aus! Dann jedoch klopfte es wieder bei ihr an der Tür. Sie öffnete und der neunzigjährige Herr Karamasov lehnte an seinem Rollator. Herr Karamasov wollte sofort bei ihr eintreten. Sie hielt ihn aber zurück. „Nein Herr Karamasov, heute keine Dominospiele.“
„Das habe ich schon lange befürchtet, dass in diesem Spukschloss hier etwas passiert“, meinte er trocken. „Die bringen den armen Herrn James jetzt in die Gerichtsmedizin und dort schneiden sie ihn dann ganz auf.“
„Hören Sie auf Herr Karamasov, ich kann sowieso nur mehr sehr schlecht schlafen. Der arme Herr James, er tut mir ja so leid und erst der Kater“, brach es schluchzend aus ihr heraus. Dann schlug sie dem Herrn Karamasov die Türe vor der Nase zu. Er murmelte noch: „Warst es eh wahrscheinlich du, du alte Hexe.“
Am nächsten Abend nach seiner Dienstzeit, als die Spurensicherung bereits den Tatort bearbeitet und die Türe versiegelt hatte, fuhr Kommissar Perc noch zu dem alten Zinshaus. Er wollte sich in Ruhe den Tatort ansehen. Mittlerweile hatte er auch schon ein Ergebnis der Gerichtsmedizin. Durch das rechte Auge des James Stein war ein spitzer Gegenstand, wahrscheinlich das Queue, bis in das Gehirn eingetreten. Zusätzlich befand sich auch noch im Hinterkopf eine kreisrunde Verletzung, die eine Schädelzertrümmerung zur Folge hatte und zum Tod führte. Der oder die Täter leisteten perfekte Arbeit.
Kommissar Perc sperrte lautlos mit seinem Spezialwerkzeug die versiegelte Wohnungstüre auf und trat in die Wohnung. Als Erstes musste er das Fenster öffnen. Der furchtbare Geruch der Verwesung lag noch immer in der Wohnung.
Er ging durch die einzelnen Zimmer, um sich vorerst zu orientieren. Dann blieb er vor dem Katzenklo stehen und beobachtete interessiert die Ansammlung verschiedenartiger Larven, Fliegen und Würmer, die es sich darin gemütlich gemacht hatten. Auf der Akademie hatte er ja gelernt, wie man den Todeszeitpunkt eines Menschen oder eines Tieres an den Insekten, die den Körper befallen hatten, ziemlich genau feststellen konnte.
Die Wohnung des James Stein war in ihrer Ausstattung einfach toll. Alle Gegenstände sowie das Mobiliar waren ziemlich neu und von sehr guter Qualität, also sehr teuer. In einem der Räume stand ein französisches Bett, über dem ein seidener Baldachin schwebte. Daneben ein kleiner Schreibtisch. Davor stand mitten im Raum eine funktionsfähige Badewanne, in der das noch schmutzige und nicht abgelassene Badewasser einen grauen undefinierbaren Rand an der Badewanne bildete. Im selben Raum war zusätzlich an der Wand ein Pissoir angebracht, dessen gelbliche Urinreste noch gut zu erkennen waren. Man konnte vom Bett aus alles genau überblicken. „Sehr gemütlich“, schoss es Kommissar Perc durch den Kopf. Über dem Bett war ein circa zwei Meter breites und ein Meter zwanzig hohes Bild in einem Metallrahmen aufgehängt.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 178
ISBN: 978-3-99048-710-5
Erscheinungsdatum: 23.11.2016
EUR 15,90
EUR 9,99

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