Cover: Ich golfe, also bin ich

Ich golfe, also bin ich


EUR 23,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 58
ISBN: 978-3-99130-890-4
Erscheinungsdatum: 15.10.2025
Der Golfplatz als ein Ort der Erkenntnis … Descartes hätte seine Freude daran. Fairways und Grün bieten Platz für viel Spaß, aber auch andere Emotionen, wie Erni Holzer als „mäßig talentierter Golfenthusiast“ in „Ich golfe, also bin ich“ sehr anschaulich und unterhaltsam zeigt.
Prolog


Über Wesen und Geschichte des Golfsports wurde schon viel geschrieben. Unzählige Spielerinnen und Spieler haben bereits ihre eigene Golfwelt mit der Öffentlichkeit geteilt. Historisches, Technisches sowie auch Emotionales wurde ausgiebig aufgearbeitet und ausgebreitet. Trotzdem schlagen täglich Tausende von Golfenden mit viel Enthusiasmus ihren Ball ins Wasser oder schieben einen Putt aus 30 cm am Loch vorbei. Dieses Buch ist in keiner Weise geeignet, daran etwas zu ändern oder gar zu verbessern, und die Golfwelt hat auch nicht wirklich auf dieses Oeuvre gewartet. Es handelt ausschließlich von meinen eigenen Erfahrungen und Unzulänglichkeiten, die ich in nun mehr als 20 Jahren erleben durfte und sehr oft auch erdulden musste.

Der Titel des Buches lehnt sich an die Erkenntnis von René Descartes (1596–1650), der das menschliche Dasein u. a. mit dem Satz «Cogito, ergo sum» («Ich denke, also bin ich») erklärte. Für uns Golfende hat dieser Sport eine analoge Erklärungskraft für unsere Daseinsberechtigung wie das Denken: Weil ich golfe, bin ich!

Mit großer Wahrscheinlichkeit aber geht der spirituelle Anfang des Golfs noch viel weiter zurück. In der griechischen Mythologie hatte Sisyphos die Strafaufgabe, einen Felsblock den Berg hinaufzurollen; kurz vor dem Ziel ging es jeweils wieder zurück zum Start. Sehr viele Golfer kennen dieses Gefühl des Scheiterns unmittelbar vor dem Ziel. Dieser Sisyphos ist auch deshalb ein «Role Model» für den modernen Golfer, weil er gleichzeitig weise, schlau, verschlagen und unnachgiebig bis zur Renitenz war. So muss die Frage erlaubt sein, ob der Golfsport eventuell doch nicht erst in St. Andrews, sondern bereits im antiken Griechenland in zwar noch archaischer Form erfunden wurde. Nun, auch dies wird in diesem Buch nicht abschließend beantwortet. Es kann aber in jedem Fall eine Hilfe sein, beim Golfen die Einsamkeit vor dem nächsten Schlag besser zu verstehen!

Auch wenn ich mittlerweile ein alter, weißer Mann bin, sehe ich den Golfsport als Möglichkeit für ein umfassendes Miteinander. Gemeinsam einer Leidenschaft zu frönen, sich mit gleichen Chancen zu messen und zusammen Quality Time zu genießen, lassen sämtliche Unterschiede außen vor. Die Zeiten, als im Clubhaus Schilder mit «No women, no dogs» eine machoide Atmosphäre förderten und schützten, sind vorbei. Trotzdem sei mir erlaubt, in der Folge auf Gender-Sternchen oder andere Arten der inklusiven Sprachschöpfung zu verzichten. Mit «Golfer» sind in meinem kleinen Opus alle Menschen gemeint, die sich dem Martyrium dieses Sports unterwerfen und so nach gesteigertem Lebensgenuss sowie höherer Erkenntnis streben.

Vielleicht erinnern diese Erfahrungen ja auch Dich an Episoden aus dem eigenen Golferleben, in jedem Fall aber hoffe ich, dass meine Geschichten da und dort zumindest ein Lächeln ins Gesicht zaubern können! Rückblickend kann ich über all diese Begebenheiten lächeln, obwohl die Situationen selbst gewiss nicht immer zum Lachen waren.




Wie es dazu kam


Als in der Mitte des letzten Jahrhunderts ein Junge ins Arbeitermilieu geboren wurde, deutete nichts darauf hin, dass dieser als Erwachsener jemals einen Golfschläger halten oder gar schwingen würde. Geboren an einem Sonntag, dem 22., war ich zwar ein Sonntagskind, dies manifestierte sich aber in den ersten Lebensjahren nur sehr beschränkt positiv. Aufgrund verschiedener Unverträglichkeiten wurde fast jedes Nahrungsmittel sehr zeitnah von mir auf dem gleichen Weg wieder retourniert. So wurde ich schon sehr früh in meinem Leben auf die Vorzüge von Nahrungsmitteln aus einem großen internationalen Nahrungsmittelkonzern aufmerksam; nur die Spezialnahrung aus diesem Unternehmen war gut genug für den hochsensiblen Magen des kleinen Buben. Für das Budget der Familie jedoch war dies das reine Gift, sodass Eltern und Schwestern sich einschränken mussten.

Der kleine Bubi war also schon von Anfang an auf eine Sonderbehandlung aus. Diese war auch noch ziemlich lange nötig, bis schließlich auch gewöhnliche Nahrung in diesem kleinen Körper ihren Zweck entfalten konnte. Trotzdem waren es einfache, aber schöne Verhältnisse, in denen ich heranwachsen durfte. Von Golf wusste man da nichts, außer dass dieser Sport teuer und elitär war. Von Verhalten und Benehmen her hätte ich aber schon damals durchaus jeder Etikette Ehre gemacht. Gerade auch weil wir Arbeiterklasse waren, wurde viel Wert auf Anstand und Erziehung gelegt. Da ich zudem in der Primarschule sehr brav sowie lernbegierig war und auch gewisse Talente zeigte, wurde ich rasch zum «chouchou de la maîtresse» (Le Petit Nicolas). Als ich jedoch im Alter von 8 Jahren mit Fußballspielen begann, änderte sich das, weil es ganz und gar nicht in die Vorstellungen passte, die meine Lehrerin über mich und meine Zukunft hatte. Vielleicht war ja Fräulein – so durfte man damals eine 60-jährige, weibliche und unverheiratete Person durchaus nennen – Stoll vor fast 6 Jahrzehnten der erste Mensch, der mich schon damals gerne Golf spielen gesehen hätte? Genutzt hat’s nichts, ich setzte meine Fußballkarriere viele Jahre fort, bis 50 Jahre später die Unternehmen, bei der ich viele Jahre gearbeitet hatte, ihren Sportplatz als Bauland verkaufte, um sich fortan auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren, und so hatte mein Team fortan keinen Spielplatz mehr. Leider reichte im Fußball mein Talent nicht aus, um auf höherem Niveau zu spielen. Aber wie bei anderen Dingen im Leben ist es ja auch beim Fußball so, dass man es nicht besonders gut können muss, um Freude daran zu haben.

Glücklicherweise reichten meine anderen Talente aus, um ein Studium erfolgreich abzuschließen und bei der bereits genannten Unternehmen den Berufseinstieg zu realisieren. Zu diesem Start gehörte auch ein Sprachaufenthalt in England. Der kleine Junge aus dem Arbeiterkreis seiner Geburtsstadt kam erstmals für längere Zeit aus der Heimat heraus und lernte das große Leben in London kennen. Sprache, Kultur, Küche, Liebe, noch mehr Fußball und erstmals auch Golf wurden mir nähergebracht. So kam es, dass ich im Alter von 27 Jahren erstmals einen richtigen Golfschläger in der Hand hielt. Im Queens Park wird die große Grünfläche auch dafür genutzt, allen – und wirklich allen – Personen einen Pitch-and-Putt-Course zur Verfügung zu stellen. Zuhause wurde Minigolf gespielt, in London mietete man 2 Schläger (später begriff ich, dass es sich um ein Pitching Wedge und einen Putter handelte) und bespielte 6 Bahnen zwischen 30 m und 90 m Länge. Mit anderen Swissies erlag ich dem Golfvirus und wir verbrachten – ohne Vorbildung und Vorbelastung – viele Stunden in diesem Park.

Als mein Sprachaufenthalt im Juni 1987 – trotz der vielen Ablenkungen durchaus erfolgreich – zu Ende ging, fand auch meine eben erst angebrochene Golfkarriere, vorerst zumindest, wieder ein abruptes Ende.

In der Folge erhielt ich im Laufe meines Lebens wiederholt die Möglichkeit, geschäftlich oder privat, schöne Destinationen mit fantastischen Golfplätzen zu besuchen. Die Golfplätze in Schweden, Frankreich, Spanien, Italien, den Kanalinseln, Bahamas, Cayman, Bermuda, Florida oder sogar im kalifornischen Death Valley ließen mich glasige Augen bekommen und schürten meine Sehnsucht nach Golf, doch ich blieb weiterhin für lange Zeit außen vor. Nur ein einziges Mal schnupperte ich an der großen Golfwelt. Auf dem Ocean Course in Nassau kam ich in den Genuss meiner ersten und für lange Zeit letzten Golfstunde. Auf diesem legendären Platz, auf dem Michael Jordan seine jährlichen Charity-Turniere durchführte, konnte ich am Schluss der Lektion sogar 3 Löcher spielen bzw. behacken; ein Abschlag – später erst lernte ich, dass dieser Ort Tee Box heißt – war gar auf einer kleinen Insel im Meer! Ein richtiges Schmankerl für einen Golfignoranten, das meine Lust auf Golf weiter ansteigen ließ.

Dann, endlich, zum 40. Geburtstag schenkte mir meine Frau ein Abonnement für 10 Golfstunden. Bei Tom, einem australischen Pro, nahm ich – keine 5 Autominuten von zu Hause – meine ersten Lektionen. Intuitiv startete ich, eigentlich Rechtshänder, als Lefty ins Golfleben. Erfreulicherweise zeitigten meine Bemühungen zügig Fortschritte, und bereits nach kurzer Zeit bestand ich bei 0°C und Schneefall die Platzreifeprüfung. In der Folge mühte ich mich 7 Jahre über zahlreiche Golfplätze im In- und Ausland. Berufs- und familienbedingt hatte ich nur beschränkt Zeit für diesen aufwendigen und technisch anspruchsvollen Sport. Trotzdem machte sich bei mir immer mehr Frustration breit, weil mein Golftalent sich in dieser Zeit leider als sehr beschränkt erwies. Golfstunden, Golfreisen und Golfrunden waren zeitlich und finanziell aufwendig, aber wirklich gute Golfrunden blieben weitgehend aus. Daran änderten auch die vielen Golflektionen bei Tom auf der nahen Driving Range nichts.

Erst als der australische, sowohl ertragsorientierte wie auch missionarische Pro in sein Heimatland zurückkehrte und durch einen südafrikanischen Golflehrer ersetzt wurde, nahm mein Golfleben eine Wende zum Guten. Bereits nach 2 Lektionen erklärte mir Ernie, dass er mir nicht helfen könne. Er hätte dies noch nie zu einem Golfschüler gesagt, doch er wolle ehrlich sein und mich nicht abzocken. Einzige Option aus seiner Sicht wäre, es als Rechtshänder noch einmal neu zu versuchen, also retour zum Start!

Tatsächlich musste ich rasch feststellen, dass ich 7 Jahre meines Golflebens verschwendet hatte, weil mir plötzlich Schläge gelangen, die mir früher als Lefty verwehrt geblieben waren. Seither habe ich mich zwar nicht zu einem wirklich außergewöhnlichen Golfer entwickelt, aber ich habe immerhin gelernt, zu schwingen und, zumindest meistens, Freude an meinem Golfspiel zu haben.

In nunmehr gut 25 Jahren hatte ich Gelegenheit, mit vielen Menschen Golf- und Lebenszeit zu verbringen. Ich durfte neue Freunde gewinnen und zahlreiche interessante Menschen treffen. Unter all diesen spannenden Begegnungen gab es eine respektable Anzahl, die mir aus besonderen Gründen in Erinnerung geblieben ist. Viele dieser Erfahrungen hätte ich nicht machen können, wenn ich anstatt Golf zu spielen mich dem Wandern oder der Rosenzucht hingegeben hätte. Und einige dieser Momente sind es durchaus wert, geteilt zu werden!
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