Cover: Das Leben ist (K) ein Scheiß

Das Leben ist (K) ein Scheiß
Afrika Safari


EUR 22,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 360
ISBN: 978-3-7116-1339-4
Erscheinungsdatum: 12.02.2026
Wilma und Friedhelm leben am Rand einer Kleinstadt in trostlosen Verhältnissen. Er introvertiert, sie träge. Als Friedhelm ein Safari-Plakat sieht, bucht er spontan eine Reise nach Afrika – nicht ahnend, welches Drama er damit auslöst.
1 - Zu Hause in einer Kleinstadt


Unablässig prasselt starker Regen gegen die billigen, dünnen Glasscheiben, die nur noch lose in ausgeblichenen, kittlosen Fensterrahmen klappern. Es ist stockdunkel im muffig stinkenden Raum, in dem das monotone Tick-Tack des alten Weckers vom Prasseln des Regens übertönt wird.

Erst das schrille Läuten der großen Glocken reißt Friedhelm aus einem unruhigen Schlaf. Zerknirscht blickt er in die Dunkelheit und sucht vergeblich nach dem Traum, der ihm gerade noch schöne Minuten beschert hat. Leider haben ihn aber die Wirklichkeit und ein neuer Arbeitstag wieder fest im Griff. Das Geräusch des Regens macht ihm Angst, und er zählt die Wassertropfen mit, die durch die Fenster hereingedrückt werden.

Wieder, wie schon die letzten Tage, regt sich das Ding tief unten unter der dicken, ausgefransten Decke und wird größer und immer fester, obwohl ihm gar nicht danach zumute ist. Neben ihm schnarcht ein Berg aus lebendem Fleisch, mit dem er nun schon eine halbe Ewigkeit zusammenlebt. Geblieben ist nichts als Frust, Fresssucht, Faulheit und die immer wiederkehrende, idiotische Frage: Friedhelm, warum ist aus dir nichts geworden, außer einem idiotischen Bürohengst in einer dummen Kanzlei, mit einem Steuerberater, der das Geld zu sich heimträgt. Wilmas Körper hebt und senkt sich und erbebt bei jedem durchdringenden Schnarcher, der eines Drachen würdig, aus ihrem kleinen Rüssel kommt. Langsam lässt Friedhelm seine Hand hinunter in die feuchte Wärme gleiten, wo er das Ding, das er eigentlich hasst, wie alles im Moment, erwischt. Er hält seinen Schwanz fest, damit er nicht entwischen kann oder, noch schlimmer, in Wilmas Fettwülste stößt. Das wiederholte, schrille Läuten des verdammten Weckers reißt ihn aus seinen wirren Gedanken. Er lässt seinen Penis, steif wie er ist, in der Einsamkeit der feuchten Dunkelheit zurück, um auf den Wecker einzuschlagen.

Mürrisch schält sich Friedhelm aus der Decke und sucht mit seinen nackten Füßen auf dem von Milben zerfressenen Boden nach den Plastiksandalen. Er tastet sich leise aus dem Schlafzimmer hinaus, um ja nicht Wilma zu wecken, denn das wäre das Letzte, was er in den frühen Morgenstunden brauchen kann. Schimpftiraden und Wutausbrüche reichen vollständig, wenn er abends kaputt nach Hause kommt und, wenn überhaupt, vor der hundertsten lauwarmen Suppe aus Hafer und Karotten sitzt. Er kommt in sein enges, altmodisches Badezimmer und macht sich über dem Spiegel Licht. Im kargen, spärlich eingerichteten Bad mit kleinem Waschbecken, einem vollgestopften Regal, das neben dem Rasierzeug nur von Wilmas billigen Utensilien besetzt ist, schaut Friedhelm verschlafen in den Spiegel. Wind, der vom Schlafzimmer her durch die Wohnung strömt, bauscht den Plastikvorhang auf, der schon bessere Tage gesehen hat, und streicht sanft über den Penis hinter der ausgeleierten Pyjamahose. Auf dem Weg ins Bad baumelte er noch brav, gleichgültig und anständig nach unten. Die angenehme Berührung des Vorhangs, während sich Friedhelm im Spiegel betrachtet, bäumt ihn aber dermaßen auf, dass er bettelt, herausgeholt zu werden.

Während er noch sein langweiliges, verbrauchtes, vom Leben gezeichnetes Gesicht betrachtet, streift er die Pyjamahose hinunter und nimmt sich seinen Penis vor, als wäre er ein ungezogener Lausbub. Ungestüm reibt er an seinem Schwanz, da ihn ein Blick auf die Uhr nervös gemacht hat. Er merkt, dass es höchste Zeit wird, sich anzuziehen, was ihn noch wilder und verrückter macht. Friedhelm ist klar, dass heute für ein Frühstück keine Zeit mehr ist. Nervös und hektisch reibt er wie vom Teufel besessen rauf und runter, bis es zur Explosion kommt, die ihn für kurze Zeit alles vergessen lässt. Der Samen fließt über seine Finger zum Teil ins Waschbecken, der Rest aber rinnt zähflüssig eines der Beine hinunter.

Friedhelm, der sich vor sich selbst ekelt, dreht schnellstens heißes Wasser auf, um alle Beweismittel, alle Schandflecken am Tatort seiner nicht gewollten Sexspiele zu vernichten. Wie das Wasser heiß genug ist, verschwindet er nach Tagen das erste Mal wieder hinter dem von Moder befallenen Plastikvorhang und reinigt sich gründlich, wobei er eigenartigerweise mit den Gedanken bei Wilma ist.

Nachdem er sich mit einem feuchten Frotteehandtuch zu trocknen versucht, nimmt er sich die Zahnbürste mit halb vertrockneter Colgate-Zahnpasta, um sich die windschiefen, gelblichen Zähne zu putzen. Friedhelm versucht, die letzten Reste Haferschleim zu entfernen, die wie Kleister festkleben.

Er betrachtet seinen milchig weißen Körper, der mit scheußlichen Muttermalen übersät ist, seine Brustwarzen, eingebettet in weißem Flaum, und noch einmal sein geiles Stück, das nun erbärmlich aus seinen Schamhaaren, die vergilbtem Gras gleichen, heraushängt.

Noch einmal tastet er sich zurück ins Schlafzimmer, um leise seine Klamotten zu holen. Ein greller Blitz erhellt das spärlich eingerichtete Zimmer, ein Heiliger auf dem einzigen Bild über dem Bett gafft ihn strafend an, und das rote Haar von Wilma scheint in Flammen zu stehen. Ein ohrenbetäubender Donnerschlag lässt die Fenster klirren und Friedhelm erschauern, sodass ihm Gänsehaut den Rücken runterläuft. Er findet seine Klamotten auf dem einzigen Stuhl im Raum und verschwindet ins Wohnzimmer, obwohl der Name allein schon eine Frechheit ist. Es stinkt nach abgestandener Luft, da hier nie gelüftet wird, nach billigem Parfüm, Schweiß und alten Socken. Friedhelm steigt in die beim Kauf noch weiße Unterhose und lässt darin den Satan vorerst einmal für einige Zeit verschwinden. Das Unterhemd gehört bei ihm zum Standard, wie die braune, dicke Hose aus billigem Stoff, das karierte Hemd und die Socken, die schon etwas steif vom langen Tragen sind. Zerzaust sitzt er auf der abgewetzten Couch, die eigentlich Wilma gehört, betrachtet den Raum mit der Kommode, von der ihn tatsächlich ein Foto aus besseren Tagen anlächelt. Zwei Porzellanpferde versuchen davonzuspringen, ein verwelkter Blumenstock steht auf einem Dreibeiner, der Couchtisch ist überfüllt mit beschissenen Zeitschriften und ein fetter Fernseher harrt noch immer aus, wo man ihn vor Jahren hingestellt hat.

Er streift sich sein Sakko mit den typischen Lederflecken über, holt sich einen Apfel aus der Küche, die winzig ist und außer einem Berg mit dreckigem, verschimmeltem Geschirr nichts zu bieten hat. Im Flur kämmt sich Friedhelm das schüttere, rötliche Haar zu einem Seitenscheitel, setzt sich die Brille auf und holt sich noch mürrisch den Regenmantel aus dem Kasten. Er öffnet die Tür hinaus ins Stiegenhaus, in dem automatisch mattes Licht anspringt, und lässt die Tür leise in das Schloss fallen.

Schwerfällig steigt ein von Frust gezeichneter Mann, an dem nicht einmal das Wenige an Freude und Leichtigkeit aus einer schwierigen Kindheit geblieben ist, die Treppen hinunter. Er kommt vorbei an all den idiotischen Verbotsschildern, an Kinderwagen, die leer und trostlos in der Ecke stehen, und den bronzenen Briefkästen, in denen er außer Rechnungen schon lange nichts mehr anderes gefunden hat.

Friedhelm erreicht den Kohlenkeller, in dem es nach Tod und Elend stinkt, sperrt sein vergittertes Abteil auf und nimmt sich sein altes Waffenrad vom Radständer. Er bindet seine dünne Aktentasche auf dem Gepäckträger fest, schützt sie mit einer Plastiktüte vor dem Regen und verlässt das Kellerloch. Vor dem schäbigen Gemeindebau, dessen Fassade bröckelt, steigt er auf einer immer noch menschenleeren Straße auf den schweren Bock, stülpt sich die Kapuze über und tritt mit Kraft in die Pedale. Regen peitscht ihm in das Gesicht, die Brillen laufen an, sodass er nur im Blindflug vorwärts, in Richtung Stadtzentrum, kommt. Bald schon ist er durch und durch klatschnass, flucht vor sich hin, schimpft auf Gott und die Welt, hasst seine Frau und hasst sich und die Überflutungen, durch die er durchfahren muss. Selbst die Ampeln sind gegen ihn und schalten schnellstens auf Rot, sobald er angeradelt kommt. Autos scheren sich einen Dreck um den einsamen Radfahrer und brausen, fein im Trockenen sitzend, an ihm vorbei. Dabei schleudern diese gemeinen, wie aus dem Nichts auftauchenden Geisterfahrer Wassermassen über einen armseligen Friedhelm, der sich keinen Helfer mehr weiß und plötzlich eins mit der Schlechtwetterfront zu sein scheint.

Die nahe Glocke des dunkel und monströs ausschauenden Kirchturms schlägt mit tiefem, dröhnendem Klang achtmal an, womit Friedhelm klar wird, dass er wieder einmal zu spät in die Arbeit kommt.

Geschockt und mit Angst und Bange radelt er weiter und biegt endlich in eine kleine Seitengasse ein. Vor einem bronzenen Schild mit der Aufschrift Ihre Steuerberatung lehnt er das Fahrrad an die Wand und verschwindet im Hauseingang. Klitschnass stapft er die paar Treppen hinauf zur Eingangstür, betritt den Vorraum, der noch menschenleer ist, und hängt seinen schweren, durchnässten Mantel neben die feinen, trockenen Stoffe seiner Mitarbeiter, die allesamt mit dem Auto in die Arbeit kommen.

Friedhelm betritt wie schon all die Jahre zuvor mit mulmigem Gefühl das Büro und murmelt sein Guten Morgen, was aber keine Beachtung findet. Nur eine einzige, kleinwüchsige, junge Dame, die etwas zurückgeblieben wirkt, schaut kurz auf, lächelt ihn kurz an, ist dann aber bald wieder mit sich selbst beschäftigt. Friedhelm dagegen lässt sich auf seinen Stuhl fallen, schaltet den PC ein und wird mit den gemeinen Worten: Hallo mein Freund, schöner Tag heut, begrüßt.

Tabellen, Zahlen, Rechnungen erscheinen, sodass Friedhelm für die nächsten Stunden bis zur Mittagspause die Umwelt, seine Wilma und die unsympathischen Mitarbeiter vergisst.

Zu Hause tut sich immer noch nichts. Weiterhin trommelt der Regen mit voller Kraft gegen die Fensterscheiben, lässt der Wind, der durch die Ritzen eindringt, die verschlissenen Vorhänge wackeln, und die Pfütze im Zimmerboden vergrößert sich.
Der unförmige Körper Wilmas hebt und senkt sich, ihr Schnarchen ist unmoralisch, wie auch der Muff, der im Zimmer steht. Nur wenige Kilometer weiter kämpft Friedhelm mit Zahlen, Tabellen und dem Mobbing seiner Mitarbeiter. Er ist für die anderen ein ungemütlicher Mitstreiter, der nach Moder riecht, aus dem Maul stinkt, wie alle behaupten, und nur von Maria ein wenig Achtung geschenkt bekommt, da auch sie sich ausgeschlossen fühlt.

Nicht selten ertappt sie sich, wie sie von ihrem PC davon schwebt und sich mit Friedhelm nackt und lustvoll in einem Hotelzimmer der niedersten Klasse wiederfindet. Sie malt sich die schönsten erotischen Spiele aus, während sie verstohlen zu ihrer heimlichen Liebe mit den schlechten Zähnen hinüberblickt. Maria findet sein Erscheinungsbild kurios, schräg, aber nicht abstoßend, eher sogar geil, wie er breitbeinig auf seinem Ikea-Hocker sitzt. Sie presst sich ihre Schenkel zusammen, die längst schon feucht geworden sind, wimmert leise auf und widmet sich wieder ihrer Arbeit.

Die Mittagspause wird eingeläutet, ein Moment, an dem sich der Steuerberater mit einem Großteil der Belegschaft auf den Weg macht, um in einem der wenigen feinen Restaurants der Stadt besseres Abo zu essen. Friedhelm verzieht sich unbemerkt, zieht seinen immer noch durchnässten Regenmantel an und verlässt die Kanzlei durch die Hintertür wie ein schäbiger Junge.

Nur Maria befindet sich noch im Büro und sieht ihren Schwarm durch die Milchglasscheibe verschwinden.

Zu Hause, im Schlafzimmer, das einem Friedhof der Kuscheltiere gleicht, bewegt sich die Fleischmasse unter der Decke. Ein lautes Zischen, wie das eines Wals auf offenem Ozean, ein Dröhnen, das einem Elefanten im Busch in nichts nachsteht, und ein langgezogener Seufzer leiten die Phase des Aufwachens ein. Ein erstes Bein erscheint und sucht den Boden, dann folgt das zweite prall gefüllte Stück, das mit Krampfadern überzogen ist. Ihr farbloses, übel riechendes Nachthemd rutscht nach oben und gibt den Blick in eine fast nicht zu erkennende Schlucht frei, da sie von wildem Gestrüpp, das dort sprießt, großteils verdeckt wird.

Wilma fährt mit ihrer Hand unbeholfen nach unten, verschwindet in den schweißnassen Falten und kratzt sich ausgiebig, während sie fürchterlich furzt. Mit Mühe und Not klettert sie aus dem Bett, stützt sich ab, wo immer es geht, und wackelt in Richtung Badezimmer. Unendlich lange verschwindet Wilma, um sich an einem ihrer Lieblingsplätze, deren Geruch sie betört, weiter auszuruhen. Sie sitzt genüsslich auf der Schüssel, uriniert einem Wasserfall ähnlich, scheißt, was das Zeug hergibt, und schläft noch eine Runde.

Es ist längst Mittag vorbei, als sie sich hochstemmt, in den Spiegel gafft und sich mit billigem Parfüm absprüht. Um sich den Arsch zu putzen, fehlt ihr die Gelenkigkeit, Gesicht waschen und Zähneputzen gehört schon lange nicht mehr zu ihrem Repertoire, und duschen muss sie nicht, da sie keinen Platz hinter dem Vorhang findet.

Wilma kommt in die Küche und schaut durch trübe Fenster hinaus in eine für sie beschissene Welt. Sie nimmt sich eine schmutzige Tasse vom mit Schimmel befallenen Stapel Geschirr, um sich kalten, dünnen Kaffee von gestern einzuschenken. Sie schöpft sich vier Löffel Zucker hinein, nimmt abgelaufene, ranzige Milch aus dem Kühlschrank dazu und isst ein Stück trockenem Kuchen. Der Arbeitstag ist damit, bis auf das Abendessen, für Wilma beendet.

Sie schaltet den altmodischen, dicken Fernseher ein, der auf zwei Bierkisten steht, dessen Bild erst nach Minuten erscheint. Es ist ein alter Saba ohne Fernbedienung, ohne Farbe, der nur zwei Programme hat und zum Leidwesen der Nachbarn laut und fürchterlich krächzt.

Wilma hängt wie ein unförmiger Sack auf der Couch, zieht sich jeden Blödsinn rein, der kommt, und vergisst, dass sie existiert.

Friedhelm betritt den kleinen, engen Laden an der Straßenecke, auf dem ein Schild mit der Leuchtschrift Sultan Kebab die Gäste willkommen heißt.

Er sucht sich einen Stuhl im noch leeren Lokal und wartet auf den türkischen Besitzer, der schon vor langer Zeit in die Kleinstadt ausgewandert ist. Wie meistens bestellt er sich seinen Kamillentee mit einem Teller Kebab, Gurkensalat und viel Ketchup.

Nachdenklich und langsam kauend sitzt Friedhelm einsam am Tisch, hört dröhnende arabische Musik aus einer nostalgischen Musikbox, aber Glück schaut anders aus. Er sitzt gedrungen auf dem Sessel, blickt immer wieder auf die Armbanduhr, deren Minutenzeiger sich nicht und nicht vorwärts bewegen will. Er starrt in einen immer noch leeren Raum, der nichts zu bieten hat außer einem großen Bild, das eine Moschee zeigt mit der Unterschrift Allah ist überall.

Er ist frustriert, fühlt sich verlassen und alleingelassen, und wünscht sich innerlich nur eines, dass das Leben irgendwann doch noch einen anderen Lauf nimmt. Er bezahlt die paar Cent, die sein Mittagsmahl kostet, und macht sich auf den Weg zurück ins Büro, wo er sich die nächsten Stunden weiterhin hinter seinem PC verstecken kann.

Der Regen schlägt ihm auf dem kurzen Weg eine Watschn nach der anderen ins Gesicht. Mit seinen Lackschuhen aus einem Billigladen watet er knöcheltief durch das Regenwasser und erreicht das Bürogebäude abermals pudelnass. Seine Kollegen kommen erst Minuten später, feinst angezogen und trocken, zu ihren Schreibtischen zurück. Nur Maria hockt immer noch auf ihrem Stuhl, und Friedhelm glaubt, dass sie ihren Platz über Mittag nicht verlassen hat. Sie bringt fast täglich ihre Jause von zu Hause mit, was gar keine schlechte Idee ist, denkt er sich. Da erst starrt Friedhelm auf ein kleines Briefchen, das vor ihm liegt. Wie er es öffnet, kommt ein kleiner Zettel zum Vorschein, auf dem in wenigen Worten steht: Ich glaub, ich liebe dich… Friedhelm, der rot anläuft, schaut sich verstohlen um, ob ihn einer der Mitarbeiter beobachtet. Dann erst wirft er Maria einen verstohlenen Blick zu. Schweiß bildet sich auf seiner Stirn, das rötliche, feine Haar stellt sich auf, und leichtes Frösteln überfällt ihn, was er jetzt als Letztes brauchen kann.

In seiner Hose meldet sich heute schon zum zweiten Mal der verfluchte Schwanz, den er nicht mehr unter Kontrolle hat. Er ist ungestümer, wilder und noch verrückter als in den Morgenstunden und nicht mehr zu bändigen. Am liebsten würde er die Unterhose zerreißen, den Reißverschluss sprengen und herausspringen. Dann am liebsten in einer nassen Scheide verschwinden, um sich drinnen nach Herzenslust auszutoben.

Aber die nächsten Gedanken sind überflüssig, da sich nach wildem Aufbäumen Feuchtigkeit in Friedhelms Hose ausbreitet, die Schwellung abklingt und nichts als ein Fleck auf der Hose zur Erinnerung bleibt. Friedhelm zittert leicht, bekommt sogar ein wenig Angst, denn er weiß noch nicht, wie er mit der Situation umgehen soll.

Er wünscht sich im Moment nichts sehnlicher, als aus diesem Raum endlich verschwinden zu können. Er weiß, dass sich ein Treffen mit Maria nach der Arbeit niemals ausgehen wird, da Wilma das Heimkommen mit Argusaugen beobachtet. Endlich ist Feierabend, er räumt seinen Schreibtisch auf und spürt Maria, die wie unabsichtlich hinter ihm steht. Sie schleicht langsam an ihm vorbei, berührt ihn am Arm und streicht ihm sanft über die Schulter. Friedhelm nimmt seine Aktentasche, hält sie vor die Hose, damit niemand den Fleck, der sich gebildet hat, sieht, und verlässt ebenfalls das Büro. Er ist zu langsam, denn er hört bereits, wie unten die Haustür hinter Maria ins Schloss fällt. Alleine bleibt er im Wartezimmer zurück, zieht sich den Mantel an und horcht in die Stille, die ihn umgibt.

Mürrisch steht er später draußen in der Gasse, in der es bereits dunkelt, obwohl eigentlich immer noch Sommer ist. Mit übergestülpter Kapuze sieht er dem Sensenmann sehr ähnlich, steigt aufs Rad und verschwindet im immer noch starken Regen. Die Umgebung ist grau in grau, die Ampeln schimmern in düsterem Licht, Blitze zucken vom Himmel herab und das Grollen des Donners lässt einen erschauern.

Die schäbige Siedlung der ramponierten Wohnblocks kommt in Sicht und erinnert an Krieg und Zerstörung. Überfüllte Mülltonnen begrüßen den Kommenden genauso wie Glascontainer, die wie Mahnmale auf dem Parkplatz stehen, und Berge von Schachteln und Kartons, die aufgeweicht zusammengebrochen sind. Am Spielplatz, der mit einem Stacheldraht vor den Kindern in Sicherheit gebracht wurde, greinen verrostete Schaukeln im Wind, was wie das Wehklagen eines alten Weibes klingt.
1 Sterne
Tiefstes Niveau - 20.04.2026
Peter

Obszön und unappetitlich

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