Cotus
Das persönliche Jenseits
EUR 30,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 522
ISBN: 978-3-99130-673-3
Erscheinungsdatum: 29.01.2025
Ein notorischer Zweifler mit Sinn für Humor steht nach seinem Tod dem Schöpfer gegenüber. Um die endgültige Auflösung seiner Seele hinauszuzögern, muss er sich auf die Gesetze jenseitiger Welten und einen subtilen Machtkampf einlassen.
Prolog
Wie kann sich Tod nur so lebendig anfühlen?
Verflogen die eisige Last des Greisentums, des elenden Dahinsiechens. Das von milchigen Schlieren durchzogene, schummrige Augenlicht. Ich atme tief und mühelos durch. So richtig, nicht nur hoffnungslos das lustlose Zwerchfell bemühend. Volle Denkleistung meldet sich unerwartet und eifrig zurück zum Dienst, mit der Klarheit und Vitalität einer längst vergessenen Epoche.
Die Rückseite der Hand vor meinen Augen ist endlos faszinierend. Verblasst die bräunlichen Altersflecken, verschwunden die grauen Härchen und kraterartigen Poren. Ich spreize die Finger – kräftige Sehnen anstelle grotesk hervorstehender Stränge. Filigrane Verästelung elastischer Venen ersetzt wulstige, bläulich schimmernde Aufputzleitungen.
Prüfend streichle und kneife ich die Haut mit erstarkten Fingern. Kollagengesättigtes, faltenfreies Gewebe ersetzt papierene Dünnheit. Das sich durch den Druck bereitwillig auftürmende Gebirge streckt sich beim Loslassen innert Sekunden, das Gewebe fügt sich widerstandslos dem Mandat jugendlicher Geschmeidigkeit.
Ich balle die Faust, drehe sie bewundernd. Die Finger falten sich geschmeidig, die Spitzen erreichen problemlos die Mitte der Handfläche. Vor kurzem ein Ding der Unmöglichkeit. Der Daumen legt sich als Siegel quer über die Knöchel. Vor kurzem ein Ding der Unmöglichkeit. Ich spreize und balle die Faust mehrmals. Reibungslos, bestens geschmiert, wie auf Kugeln lagernd. Vor kurzem ein Akt der Agonie.
Ich versichere mich erneut, dass es sich tatsächlich um meine verjüngte Hand handelt. Mein Blick folgt dem Fluss des Gliedes über Unterarm und Ellbogen bis zur Schulter. Yep. Eindeutig an mir befestigt. Damit meine Hand.
Ein die wundersame Verjüngung bestätigender Spiegel wäre jetzt höchst willkommen. Ich schmunzle: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Jüngste in diesem … Jenseits?“
Ich werfe einen weiteren prüfenden Blick auf den schummrigen Tunnel und das lockende Licht. Weiterhin kein Empfangskomitee in Sicht. Gut. Ich bin nicht in besonderer Eile.
Ich taste mich weiter neugierig ab, knete mein Gesicht. Es meldet satte, samtig gefettete, faltenfreie Bedingungen. Nase und Ohren scheinen nicht mehr ganz so prominent vorzustechen? Und die früher im Badezimmerspiegel leichte Abscheu auslösenden, ungehemmt sprießenden Nasen- und Ohrenhaare haben sich offensichtlich ohne Einsatz eines Trimmers zurückgezogen? Perfekt. Denn ich habe keinen dabei.
Was ist mit meinem Haar? Ich streife mit den Fingern durch den Schopf. Kein großer Unterschied zu bemerken, Haar ist Haar. Vielleicht etwas kräftiger? Ich versuche, eine Strähne ins Blickfeld zu ziehen, schiele nach oben, aber aufgrund des Kurzschnitts kann ich die aktuelle Färbung nicht erkennen.
Nun denn, Opfer müssen gebracht werden! Ich zupfe einen zufällig ausgelosten Vertreter der versammelten Mannschaft aus. Autsch! Merke: Schmerzempfinden funktioniert noch. Vier weitere, strategisch verteilte Proben glänzen ebenfalls in sattem Braun, keine Spur mehr von „würdevollem“ Weiß. Ich befühle die peinliche, kahle Stelle am Hinterkopf – sieh an! Beziehungsweise spüre: dicht besiedelt! Sogar die oft vernachlässigten hohen Geheimratsecken über der Stirn scheinen das intensive Einreiben mit Sonnencreme nicht länger nötig zu haben.
Während ich meinen „todsicher“ verjüngten Körper staunend weiter erkunde, straffe Muskulatur und spurlos verdampften Hängebauch bewundere, schleicht sich ein diffuses Gefühl der Unausgewogenheit ein. Das Missverhältnis zwischen der vitalen Physis eines Mittdreißigers und dem Geist eines eben noch todkranken, leicht verbitterten Greises wirkt desorientierend, befremdend. Unpassend, etwa wie ein neunzigjähriger Junggeselle in dieser einfältigen, hormon- und adrenalingesättigten Inszenierung der frühen 2000er, „Der Bachelor“.
Versuchen wir einige Schritte. Und tatsächlich, ich schlurfe weiterhin vorsichtig, wage es kaum, die Fußsohlen vom Erdboden zu lösen. Die Arme sind dabei vorsichtig leicht nach vorn und zur Seite gespreizt. Die Hände juckt es, die tröstenden Griffe eines Rollators zu umspannen. Die eingebrannten Bewegungsmuster eines Greises. Es wird wohl etwas Übung benötigen, das Bewegungsrepertoire dem verjüngten Körper anzupassen, seine Möglichkeiten voll zu nutzen.
Ich schmunzle. Wohl ein Fall überreifen Weines in neuen Schläuchen.
Ein (geschmeidiges) Zucken der Schultern. Nichts zu machen. Ich werde mich zweifellos daran gewöhnen. Es gibt weit Schlimmeres als einen verjüngten Körper.
Und Wichtigeres.
Nur zur Erinnerung: Du stehst im wie auch immer gearteten Jenseits. Ich löse meine Aufmerksamkeit von meinem Körper und richte sie auf die vage aus Mythen und Berichten über Nahtoderfahrungen vertraute Umgebung.
Vielleicht setzen die Verhältnisse im Jenseits einen agilen, ausdauernden, kampfbereiten jungen Körper voraus?
Geduldig und wortlos lockt das Licht.
1. Helles Licht im Tunnel
Der Ruf durchdringt die greifbare Stille, bevor er in kaum beleuchteter Ferne verhallt.
„Hier drüben!“
Und mit leichter Ironie angereichert: „Dort, wo es heller ist, geht’s zum Licht!“
Die tiefe Stimme mit der angenehm sonoren Klangfarbe eines Radiosprechers lässt mich überrascht zur Seite blicken, während meine Hand noch die Beschaffenheit des dezent hintergrundbeleuchteten, halbrunden Tunnels ertastet. Angenehm warm und leicht nachgiebig, auf Druck aber Widerstand aufbauend. Die farblose Oberfläche erinnert an Samt.
Ich richte mich auf, werfe einen sichernden Blick über die Schulter. Hinter mir verjüngt sich der ebenmäßige Tunnel zu einem Punkt der totalen Schwärze. Nichts als Leere.
Ich hatte mich etwas in Gedanken verloren: Was mich leicht verunsicherte, war, wie gefasst ich mich nach meinem endlos erscheinenden, finalen Röcheln unter dem Joch der mit harten Medikamenten nur unzureichend unterdrückten Schmerzen fühlte. Und dies trotz des tristen Anblicks meiner hilflos mit den Händen ringenden, überwiegend verzweifelten und ob der fast greifbaren Anwesenheit des Todes entsetzten Angehörigen. Ein Anblick, der in mir unwillkommene Schuldgefühle ob meines unbedachten, egoistischen Ablebens erzeugte. Wo ich doch schon mit Sterben voll ausgelastet war!
Aber einmal angekommen im Jenseits? Ich fühle mich ruhig, still, gefasst – heil. Mein Geist ist schon fleißig damit beschäftigt, die beklemmenden Aspekte meines Endes durch Nebelschwaden des Vergessens barmherzig zu verschleiern. Verdrängen, einkapseln – ein nützlicher Prozess, Schutz des Geistes vor der gleichgültigen Umwelt. Wirksamer als alle Drogen.
Ein letztes Streicheln der samtweichen Oberfläche, bevor ich mich ganz dem Licht und der Stimme zuwende – einer Stimme, für die so mancher Podcaster über die Leichen seiner Follower gehen würde.
Die Stimme hallt gedehnt nach: „Die Anlage ist eigentlich narrensicher konzipiert: Sobald die ankommende Seele in einem dämmrigen Tunnel ein warmes Licht sieht, strebt sie magisch angezogen direkt darauf zu …“
Ich bin nun ganz im Hier und Jetzt angekommen, Ruhe und Gelassenheit umhüllen mich weiter, spenden Kraft. Ein alter Instinkt kitzelt mich. Ironische Wortspiele lagen mir, liegen mir noch immer.
„Sagte der elektrische Insektenvernichter zur heimtückisch mit UV-Licht angelockten Motte?“
Das heitere, volle Lachen des vom Licht umspülten Umrisses löst mich endgültig von der Wand und bewegt mich weiter ins Licht. „Touché!“
Schaffen wir zuerst mal eine Basis. „Ich gehe davon aus, dass ich nun im Jenseits bin?“
Ich bin stolz, dass ich dieses existenzielle Thema ohne klägliche Obertöne der Stimme anschneiden kann. Und grandios erleichtert, dass der Prozess des Leidens und Sterbens hinter mir zu liegen scheint. Nun, zumindest des Sterbens.
Ein letzter prüfender Rundblick im helleren Licht – keine Pforte zur Hölle in Sicht, keine gehörnten Schergen lauern in den Ecken.
Satan … Ich erinnere mich schleierhaft an die schaurig-faszinierenden Ausführungen über das Reich Luzifers, unaufgefordert und detailliert vermittelt im obligatorischen Religionsunterricht der Primarschule. Selbstredend aus selbstloser Sorge um meine arme, hilflose Seele. Hmm, könnte man auch als frühe Karriereberatung für den potenziellen Sünder auslegen.
„Ist das nicht offensichtlich?“ Die Gestalt schält sich beim Herantreten etwas aus dem Licht, die Konturen werden klarer; männlich, ungefähr meine Größe, leicht krauses Haar, ein gepflegter Kinnbart … hmm, bereits reichlich grau? Dazu ein eleganter Anzug – ganz in Weiß, inklusive weißer Krawatte.
Ein unterschwelliges Alarmsignal! Perfekt gebundene Krawatten werden von Unbedarften oft mit Seriosität assoziiert. Ich aber bin aus Erfahrung äußerst vorsichtig bei herausgeputzten Schlipsträgern – denn wenn ich in der Vergangenheit über den Tisch gezogen wurde, dann überwiegend von Trägern dieses modischen Accessoires. Protzige Uhren, elegante Einstecktücher und glänzend polierte Schnürschuhe sind übrigens weitere Indikatoren.
Ich verenge den Blick. Keine ominösen Schatten von Hörnern im krausen Haar zu erkennen … Somit scheine ich nicht vom Herrn der Finsternis persönlich abgeholt zu werden?
Korrekt, ich beziehe mich auf Satan, den langjährigen Heimleiter der penibel nach Sünden aufgeteilten Höllenkreise christlicher Lehre. Exklusiver Anbieter des Rundum-Aktivpakets „ewige Qualen“, anschaulich beworben in den schaurigen Landschaften eines Hieronymus Bosch.
Die Stimme unterbricht meinen Gedankenflug. „Dein Tod, der Tunnel, das Licht … sollten doch genug Hinweise bieten?“ Ein vage besorgtes Runzeln der Stirn. „Ich gab mir bei der Konzeption zumindest größte Mühe, keinerlei Verwirrung aufkommen zu lassen …“
Das einhergehende, versteckte Lächeln nimmt der Bemerkung die Spitze. Ich spüre, dass auch meine Mundwinkel sich zu heben beginnen und ein zaghaftes Lächeln formen. Ein in den letzten Monaten eher ungewohntes Mienenspiel. Nicht ohne Grund. Aber es fühlt sich befreiend und sauber an. Ich versuche kleine Variationen, finde schließlich mein altbewährtes Lächeln wieder und behalte es, sorgfältig balancierend, auf den Lippen.
Ich hinterfrage: „Kann es sein, dass ich als Hauptdarsteller einer Nahtod-Erfahrung gleich wieder zurückgeschickt werde? Nicht, dass ich das wirklich möchte; die letzten Jahre waren doch eher unangenehm und auch reichlich beängstigend.“
Die Gestalt wird ernst, offensichtlich ist es Zeit fürs Geschäftliche. „Nein, ich rekrutiere nur selten Wandler zwischen den Welten; Späher, welche den Generationen der Lebenden etwas die Furcht nehmen, ihnen schemenhaft eine durchaus akzeptable Kontinuität andeuten. Diese Wandler müssen daneben spezifische Kriterien erfüllen, die auf dich nicht zutreffen. Primär müssen sie sich stark ins Leben zurücksehnen …“
Ich stehe inzwischen dicht vor der Gestalt. Moment, das ist doch? Begleitet von melodischem Klirren feinen Porzellans fällt mir die Kinnlade auf die Füße. „Morgan Freeman? Der Schauspieler? Warte mal, du bist doch noch gar nicht tot! Oder doch?“ Entschuldigend: „Sorry, ich bin nicht das typische Zielpublikum für Promi-News …“
Morgan beruhigt mit seinem typischen, freimütigen Grinsen: „Der Zustand Morgans ist nebensächlich … Dieser Umstand und dass ich über ihn in der dritten Person spreche, sollte dich zu einer offensichtlichen Schlussfolgerung führen, nämlich …?“
Braune Augen unter erwartungsvoll angehobenen Brauen fixieren mich milde interessiert.
Echt? Ein Frage- und Antwort-Spiel, hier und jetzt? Nun gut, ich bin ja schließlich Gast und von Natur aus entgegenkommend. „Ich vermute, du bist Gott, in Menschengestalt?“
Morgan legt den Kopf nachdenklich eine Spur schief. „Ich bevorzuge die Bezeichnung ‚Schöpfer‘. Der Terminus ‚Gott‘ ist zu sehr mit religiösen Prinzipien und Auslegungen verknüpft – und belastet. Ich würde mich nie vor solch einen Karren spannen lassen. Und es gibt inzwischen so verwirrend viele Karren.“ Ein leises Lachen. „Und nur einen Esel!“
Der Schöpfer? Ich stehe vor dem Schöpfer? Schöpfer der Welten, des Universums, unzähliger Galaxien, Sonnen und Planeten, der Gravitation – schlicht von allem? Raum und Zeit? Liebe und Hass? Lepra, Steuererklärung, glutenfreien Frühstücksflocken, Corona, Dolby Surround, der Abseitsregel?
Ich schaue mich erfolglos nach einer Sitzgelegenheit um. Die Lage ist glücklicherweise zu überwältigend, um umgehend in durchaus angebrachte Panik zu verfallen. Vorerst mal ein Wechsel der Thematik, um Zeit zu gewinnen. „Aber warum Morgan Freeman?“
Ich besinne mich angesichts des ungeheuren Potentials direkt vor meiner Nase vorsichtshalber auf etablierte Anstandsregeln. „Und darf ich Sie überhaupt duzen?“
Sein Lächeln gleitet ins Verschmitzte. „Aber natürlich, ein ‚Herr Schöpfer‘ klingt schrecklich elitär – ich mag es simpel, kurz und prägnant, deshalb gibt es hier generell kein ‚Sie‘. Nenne mich der Einfachheit halber schlicht ‚Morgan‘ … oder gerne auch COTUS.“
Klingt irgendwie römisch? … „COTUS?“
„In Anlehnung an POTUS, ‚President of the United States‘, steht COTUS für ‚Creator of the Universe(s) and Souls‘. Ich gebe zu, ich liebe den Drang der Amerikaner, alles abzukürzen, was mehr als drei Buchstaben aufweist. Und ich mag den Klang!“
Verträumt lässt er die Silben nochmals fein aneinander gereiht erklingen und verhallen, elegant mit einer Hand vor sich dirigierend: „… CO-TUS …“
Ich vermeide es tunlichst, die Augen zu rollen. Na toll, ein selbstverliebter Geek! Und wir vermeiden es wohl auch lieber zu erwähnen, dass der Titel bereits durch den „Congress of the United States“ eingenommen wird. Oder dass er in bequemer Rufweite von „COITUS“ segelt. Andererseits, wer hätte mehr Recht auf eindrückliche Titel?
„Universen und Seelen … es gibt also parallele Universen?“
„Später.“
Das heißt dann wohl ja? Okay, kann warten. Weit wichtiger: „Und Seelen. Seelen wie die meine …“
„Genau so wie die deine.“
Wagen wir es? „Ich hoffe, dies ist nicht beleidigend – hast du auch eine Seele?“
Morgan wägt ab. „Nun, die Bezeichnung ‚Seele‘ könnte man durchaus stark vereinfacht als Oberbegriff verwenden – die Konzepte sind aber nicht direkt vergleichbar.“
Dann hoffen wir mal stark, dass auch Varianten von Seelen im Grunde wohlwollend sind. Und wenn möglich wohlwollender als durchschnittliche Mitmenschen.
„Und warum Freeman?“
Morgan tippt mit einem Zeigefinger sanft auf meine Brust. „Das musst du dich schon selber fragen. Ich verwende einen menschlichen, dir vertrauten und vertrauenswürdigen Avatar, damit wir durch Sprache, Mimik und Gestik überhaupt kommunizieren können – wir brauchen sozusagen eine kompatible Schnittstelle. Sonst würdest du in kürzester Zeit völlig überwältigt anfangen, sinnlos zu brabbeln, dann schnell katatonisch werden. Und dabei leicht sabbern, was für mich nicht wirklich appetitlich anzusehen ist. Und Morgan? Ihn hast du selbst unbewusst ausgewählt.“
Verwirrt lasse ich den Blick schweifen; weder lockendes Licht noch dämmriger Tunnel eilen mit der passenden Einsicht herbei. „Aber warum sollte ich …“
Morgan hebt die rechte Hand, fängt durch kurzes Fingerwackeln meine Aufmerksamkeit wieder ein und beruhigt: „Das ist gar nicht ungewöhnlich; Morgan wird in 68,3 % der Fälle von Seelen aus deiner Epoche und der westlichen Hemisphäre respektive dem Einflussgebiet westlicher Kultur gewählt.“
Er schaut mich erwartungsvoll an. „Sagen dir die Filme ‚Bruce Almighty‘ und ‚Evan Almighty‘ etwas?“
Der Groschen fällt. Das begleitende scharfe Schnippen meiner Finger wird vom geduldigen Tunnel hinter mir schwach zurückgeworfen, das Echo verliert sich in der Schwärze. „Richtig, da hat Morgan doch so überzeugend Gott verkörpert!“
„Da hast du die Erklärung.“
Morgan Freeman also … Ich beglückwünsche mich kurz zu meiner perfekten Wahl. Hmm, wenn wir schon dran sind: „Nur so aus Neugier, welche anderen Personen werden sonst noch an den Tisch gebracht?“
Der Schöpfer zuckt mit den Achseln. „Da muss ich stark filtern, jede Generation hat einen begrenzten, durch individuelle Erfahrungen bestimmten Wissens- und Erfahrungskreis; Persönlichkeiten, welche aus versunkener Geschichte oder aus fernen Gesellschaften und Kulturen stammen, würden dir wenig bis nichts sagen …“
...
Wie kann sich Tod nur so lebendig anfühlen?
Verflogen die eisige Last des Greisentums, des elenden Dahinsiechens. Das von milchigen Schlieren durchzogene, schummrige Augenlicht. Ich atme tief und mühelos durch. So richtig, nicht nur hoffnungslos das lustlose Zwerchfell bemühend. Volle Denkleistung meldet sich unerwartet und eifrig zurück zum Dienst, mit der Klarheit und Vitalität einer längst vergessenen Epoche.
Die Rückseite der Hand vor meinen Augen ist endlos faszinierend. Verblasst die bräunlichen Altersflecken, verschwunden die grauen Härchen und kraterartigen Poren. Ich spreize die Finger – kräftige Sehnen anstelle grotesk hervorstehender Stränge. Filigrane Verästelung elastischer Venen ersetzt wulstige, bläulich schimmernde Aufputzleitungen.
Prüfend streichle und kneife ich die Haut mit erstarkten Fingern. Kollagengesättigtes, faltenfreies Gewebe ersetzt papierene Dünnheit. Das sich durch den Druck bereitwillig auftürmende Gebirge streckt sich beim Loslassen innert Sekunden, das Gewebe fügt sich widerstandslos dem Mandat jugendlicher Geschmeidigkeit.
Ich balle die Faust, drehe sie bewundernd. Die Finger falten sich geschmeidig, die Spitzen erreichen problemlos die Mitte der Handfläche. Vor kurzem ein Ding der Unmöglichkeit. Der Daumen legt sich als Siegel quer über die Knöchel. Vor kurzem ein Ding der Unmöglichkeit. Ich spreize und balle die Faust mehrmals. Reibungslos, bestens geschmiert, wie auf Kugeln lagernd. Vor kurzem ein Akt der Agonie.
Ich versichere mich erneut, dass es sich tatsächlich um meine verjüngte Hand handelt. Mein Blick folgt dem Fluss des Gliedes über Unterarm und Ellbogen bis zur Schulter. Yep. Eindeutig an mir befestigt. Damit meine Hand.
Ein die wundersame Verjüngung bestätigender Spiegel wäre jetzt höchst willkommen. Ich schmunzle: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Jüngste in diesem … Jenseits?“
Ich werfe einen weiteren prüfenden Blick auf den schummrigen Tunnel und das lockende Licht. Weiterhin kein Empfangskomitee in Sicht. Gut. Ich bin nicht in besonderer Eile.
Ich taste mich weiter neugierig ab, knete mein Gesicht. Es meldet satte, samtig gefettete, faltenfreie Bedingungen. Nase und Ohren scheinen nicht mehr ganz so prominent vorzustechen? Und die früher im Badezimmerspiegel leichte Abscheu auslösenden, ungehemmt sprießenden Nasen- und Ohrenhaare haben sich offensichtlich ohne Einsatz eines Trimmers zurückgezogen? Perfekt. Denn ich habe keinen dabei.
Was ist mit meinem Haar? Ich streife mit den Fingern durch den Schopf. Kein großer Unterschied zu bemerken, Haar ist Haar. Vielleicht etwas kräftiger? Ich versuche, eine Strähne ins Blickfeld zu ziehen, schiele nach oben, aber aufgrund des Kurzschnitts kann ich die aktuelle Färbung nicht erkennen.
Nun denn, Opfer müssen gebracht werden! Ich zupfe einen zufällig ausgelosten Vertreter der versammelten Mannschaft aus. Autsch! Merke: Schmerzempfinden funktioniert noch. Vier weitere, strategisch verteilte Proben glänzen ebenfalls in sattem Braun, keine Spur mehr von „würdevollem“ Weiß. Ich befühle die peinliche, kahle Stelle am Hinterkopf – sieh an! Beziehungsweise spüre: dicht besiedelt! Sogar die oft vernachlässigten hohen Geheimratsecken über der Stirn scheinen das intensive Einreiben mit Sonnencreme nicht länger nötig zu haben.
Während ich meinen „todsicher“ verjüngten Körper staunend weiter erkunde, straffe Muskulatur und spurlos verdampften Hängebauch bewundere, schleicht sich ein diffuses Gefühl der Unausgewogenheit ein. Das Missverhältnis zwischen der vitalen Physis eines Mittdreißigers und dem Geist eines eben noch todkranken, leicht verbitterten Greises wirkt desorientierend, befremdend. Unpassend, etwa wie ein neunzigjähriger Junggeselle in dieser einfältigen, hormon- und adrenalingesättigten Inszenierung der frühen 2000er, „Der Bachelor“.
Versuchen wir einige Schritte. Und tatsächlich, ich schlurfe weiterhin vorsichtig, wage es kaum, die Fußsohlen vom Erdboden zu lösen. Die Arme sind dabei vorsichtig leicht nach vorn und zur Seite gespreizt. Die Hände juckt es, die tröstenden Griffe eines Rollators zu umspannen. Die eingebrannten Bewegungsmuster eines Greises. Es wird wohl etwas Übung benötigen, das Bewegungsrepertoire dem verjüngten Körper anzupassen, seine Möglichkeiten voll zu nutzen.
Ich schmunzle. Wohl ein Fall überreifen Weines in neuen Schläuchen.
Ein (geschmeidiges) Zucken der Schultern. Nichts zu machen. Ich werde mich zweifellos daran gewöhnen. Es gibt weit Schlimmeres als einen verjüngten Körper.
Und Wichtigeres.
Nur zur Erinnerung: Du stehst im wie auch immer gearteten Jenseits. Ich löse meine Aufmerksamkeit von meinem Körper und richte sie auf die vage aus Mythen und Berichten über Nahtoderfahrungen vertraute Umgebung.
Vielleicht setzen die Verhältnisse im Jenseits einen agilen, ausdauernden, kampfbereiten jungen Körper voraus?
Geduldig und wortlos lockt das Licht.
1. Helles Licht im Tunnel
Der Ruf durchdringt die greifbare Stille, bevor er in kaum beleuchteter Ferne verhallt.
„Hier drüben!“
Und mit leichter Ironie angereichert: „Dort, wo es heller ist, geht’s zum Licht!“
Die tiefe Stimme mit der angenehm sonoren Klangfarbe eines Radiosprechers lässt mich überrascht zur Seite blicken, während meine Hand noch die Beschaffenheit des dezent hintergrundbeleuchteten, halbrunden Tunnels ertastet. Angenehm warm und leicht nachgiebig, auf Druck aber Widerstand aufbauend. Die farblose Oberfläche erinnert an Samt.
Ich richte mich auf, werfe einen sichernden Blick über die Schulter. Hinter mir verjüngt sich der ebenmäßige Tunnel zu einem Punkt der totalen Schwärze. Nichts als Leere.
Ich hatte mich etwas in Gedanken verloren: Was mich leicht verunsicherte, war, wie gefasst ich mich nach meinem endlos erscheinenden, finalen Röcheln unter dem Joch der mit harten Medikamenten nur unzureichend unterdrückten Schmerzen fühlte. Und dies trotz des tristen Anblicks meiner hilflos mit den Händen ringenden, überwiegend verzweifelten und ob der fast greifbaren Anwesenheit des Todes entsetzten Angehörigen. Ein Anblick, der in mir unwillkommene Schuldgefühle ob meines unbedachten, egoistischen Ablebens erzeugte. Wo ich doch schon mit Sterben voll ausgelastet war!
Aber einmal angekommen im Jenseits? Ich fühle mich ruhig, still, gefasst – heil. Mein Geist ist schon fleißig damit beschäftigt, die beklemmenden Aspekte meines Endes durch Nebelschwaden des Vergessens barmherzig zu verschleiern. Verdrängen, einkapseln – ein nützlicher Prozess, Schutz des Geistes vor der gleichgültigen Umwelt. Wirksamer als alle Drogen.
Ein letztes Streicheln der samtweichen Oberfläche, bevor ich mich ganz dem Licht und der Stimme zuwende – einer Stimme, für die so mancher Podcaster über die Leichen seiner Follower gehen würde.
Die Stimme hallt gedehnt nach: „Die Anlage ist eigentlich narrensicher konzipiert: Sobald die ankommende Seele in einem dämmrigen Tunnel ein warmes Licht sieht, strebt sie magisch angezogen direkt darauf zu …“
Ich bin nun ganz im Hier und Jetzt angekommen, Ruhe und Gelassenheit umhüllen mich weiter, spenden Kraft. Ein alter Instinkt kitzelt mich. Ironische Wortspiele lagen mir, liegen mir noch immer.
„Sagte der elektrische Insektenvernichter zur heimtückisch mit UV-Licht angelockten Motte?“
Das heitere, volle Lachen des vom Licht umspülten Umrisses löst mich endgültig von der Wand und bewegt mich weiter ins Licht. „Touché!“
Schaffen wir zuerst mal eine Basis. „Ich gehe davon aus, dass ich nun im Jenseits bin?“
Ich bin stolz, dass ich dieses existenzielle Thema ohne klägliche Obertöne der Stimme anschneiden kann. Und grandios erleichtert, dass der Prozess des Leidens und Sterbens hinter mir zu liegen scheint. Nun, zumindest des Sterbens.
Ein letzter prüfender Rundblick im helleren Licht – keine Pforte zur Hölle in Sicht, keine gehörnten Schergen lauern in den Ecken.
Satan … Ich erinnere mich schleierhaft an die schaurig-faszinierenden Ausführungen über das Reich Luzifers, unaufgefordert und detailliert vermittelt im obligatorischen Religionsunterricht der Primarschule. Selbstredend aus selbstloser Sorge um meine arme, hilflose Seele. Hmm, könnte man auch als frühe Karriereberatung für den potenziellen Sünder auslegen.
„Ist das nicht offensichtlich?“ Die Gestalt schält sich beim Herantreten etwas aus dem Licht, die Konturen werden klarer; männlich, ungefähr meine Größe, leicht krauses Haar, ein gepflegter Kinnbart … hmm, bereits reichlich grau? Dazu ein eleganter Anzug – ganz in Weiß, inklusive weißer Krawatte.
Ein unterschwelliges Alarmsignal! Perfekt gebundene Krawatten werden von Unbedarften oft mit Seriosität assoziiert. Ich aber bin aus Erfahrung äußerst vorsichtig bei herausgeputzten Schlipsträgern – denn wenn ich in der Vergangenheit über den Tisch gezogen wurde, dann überwiegend von Trägern dieses modischen Accessoires. Protzige Uhren, elegante Einstecktücher und glänzend polierte Schnürschuhe sind übrigens weitere Indikatoren.
Ich verenge den Blick. Keine ominösen Schatten von Hörnern im krausen Haar zu erkennen … Somit scheine ich nicht vom Herrn der Finsternis persönlich abgeholt zu werden?
Korrekt, ich beziehe mich auf Satan, den langjährigen Heimleiter der penibel nach Sünden aufgeteilten Höllenkreise christlicher Lehre. Exklusiver Anbieter des Rundum-Aktivpakets „ewige Qualen“, anschaulich beworben in den schaurigen Landschaften eines Hieronymus Bosch.
Die Stimme unterbricht meinen Gedankenflug. „Dein Tod, der Tunnel, das Licht … sollten doch genug Hinweise bieten?“ Ein vage besorgtes Runzeln der Stirn. „Ich gab mir bei der Konzeption zumindest größte Mühe, keinerlei Verwirrung aufkommen zu lassen …“
Das einhergehende, versteckte Lächeln nimmt der Bemerkung die Spitze. Ich spüre, dass auch meine Mundwinkel sich zu heben beginnen und ein zaghaftes Lächeln formen. Ein in den letzten Monaten eher ungewohntes Mienenspiel. Nicht ohne Grund. Aber es fühlt sich befreiend und sauber an. Ich versuche kleine Variationen, finde schließlich mein altbewährtes Lächeln wieder und behalte es, sorgfältig balancierend, auf den Lippen.
Ich hinterfrage: „Kann es sein, dass ich als Hauptdarsteller einer Nahtod-Erfahrung gleich wieder zurückgeschickt werde? Nicht, dass ich das wirklich möchte; die letzten Jahre waren doch eher unangenehm und auch reichlich beängstigend.“
Die Gestalt wird ernst, offensichtlich ist es Zeit fürs Geschäftliche. „Nein, ich rekrutiere nur selten Wandler zwischen den Welten; Späher, welche den Generationen der Lebenden etwas die Furcht nehmen, ihnen schemenhaft eine durchaus akzeptable Kontinuität andeuten. Diese Wandler müssen daneben spezifische Kriterien erfüllen, die auf dich nicht zutreffen. Primär müssen sie sich stark ins Leben zurücksehnen …“
Ich stehe inzwischen dicht vor der Gestalt. Moment, das ist doch? Begleitet von melodischem Klirren feinen Porzellans fällt mir die Kinnlade auf die Füße. „Morgan Freeman? Der Schauspieler? Warte mal, du bist doch noch gar nicht tot! Oder doch?“ Entschuldigend: „Sorry, ich bin nicht das typische Zielpublikum für Promi-News …“
Morgan beruhigt mit seinem typischen, freimütigen Grinsen: „Der Zustand Morgans ist nebensächlich … Dieser Umstand und dass ich über ihn in der dritten Person spreche, sollte dich zu einer offensichtlichen Schlussfolgerung führen, nämlich …?“
Braune Augen unter erwartungsvoll angehobenen Brauen fixieren mich milde interessiert.
Echt? Ein Frage- und Antwort-Spiel, hier und jetzt? Nun gut, ich bin ja schließlich Gast und von Natur aus entgegenkommend. „Ich vermute, du bist Gott, in Menschengestalt?“
Morgan legt den Kopf nachdenklich eine Spur schief. „Ich bevorzuge die Bezeichnung ‚Schöpfer‘. Der Terminus ‚Gott‘ ist zu sehr mit religiösen Prinzipien und Auslegungen verknüpft – und belastet. Ich würde mich nie vor solch einen Karren spannen lassen. Und es gibt inzwischen so verwirrend viele Karren.“ Ein leises Lachen. „Und nur einen Esel!“
Der Schöpfer? Ich stehe vor dem Schöpfer? Schöpfer der Welten, des Universums, unzähliger Galaxien, Sonnen und Planeten, der Gravitation – schlicht von allem? Raum und Zeit? Liebe und Hass? Lepra, Steuererklärung, glutenfreien Frühstücksflocken, Corona, Dolby Surround, der Abseitsregel?
Ich schaue mich erfolglos nach einer Sitzgelegenheit um. Die Lage ist glücklicherweise zu überwältigend, um umgehend in durchaus angebrachte Panik zu verfallen. Vorerst mal ein Wechsel der Thematik, um Zeit zu gewinnen. „Aber warum Morgan Freeman?“
Ich besinne mich angesichts des ungeheuren Potentials direkt vor meiner Nase vorsichtshalber auf etablierte Anstandsregeln. „Und darf ich Sie überhaupt duzen?“
Sein Lächeln gleitet ins Verschmitzte. „Aber natürlich, ein ‚Herr Schöpfer‘ klingt schrecklich elitär – ich mag es simpel, kurz und prägnant, deshalb gibt es hier generell kein ‚Sie‘. Nenne mich der Einfachheit halber schlicht ‚Morgan‘ … oder gerne auch COTUS.“
Klingt irgendwie römisch? … „COTUS?“
„In Anlehnung an POTUS, ‚President of the United States‘, steht COTUS für ‚Creator of the Universe(s) and Souls‘. Ich gebe zu, ich liebe den Drang der Amerikaner, alles abzukürzen, was mehr als drei Buchstaben aufweist. Und ich mag den Klang!“
Verträumt lässt er die Silben nochmals fein aneinander gereiht erklingen und verhallen, elegant mit einer Hand vor sich dirigierend: „… CO-TUS …“
Ich vermeide es tunlichst, die Augen zu rollen. Na toll, ein selbstverliebter Geek! Und wir vermeiden es wohl auch lieber zu erwähnen, dass der Titel bereits durch den „Congress of the United States“ eingenommen wird. Oder dass er in bequemer Rufweite von „COITUS“ segelt. Andererseits, wer hätte mehr Recht auf eindrückliche Titel?
„Universen und Seelen … es gibt also parallele Universen?“
„Später.“
Das heißt dann wohl ja? Okay, kann warten. Weit wichtiger: „Und Seelen. Seelen wie die meine …“
„Genau so wie die deine.“
Wagen wir es? „Ich hoffe, dies ist nicht beleidigend – hast du auch eine Seele?“
Morgan wägt ab. „Nun, die Bezeichnung ‚Seele‘ könnte man durchaus stark vereinfacht als Oberbegriff verwenden – die Konzepte sind aber nicht direkt vergleichbar.“
Dann hoffen wir mal stark, dass auch Varianten von Seelen im Grunde wohlwollend sind. Und wenn möglich wohlwollender als durchschnittliche Mitmenschen.
„Und warum Freeman?“
Morgan tippt mit einem Zeigefinger sanft auf meine Brust. „Das musst du dich schon selber fragen. Ich verwende einen menschlichen, dir vertrauten und vertrauenswürdigen Avatar, damit wir durch Sprache, Mimik und Gestik überhaupt kommunizieren können – wir brauchen sozusagen eine kompatible Schnittstelle. Sonst würdest du in kürzester Zeit völlig überwältigt anfangen, sinnlos zu brabbeln, dann schnell katatonisch werden. Und dabei leicht sabbern, was für mich nicht wirklich appetitlich anzusehen ist. Und Morgan? Ihn hast du selbst unbewusst ausgewählt.“
Verwirrt lasse ich den Blick schweifen; weder lockendes Licht noch dämmriger Tunnel eilen mit der passenden Einsicht herbei. „Aber warum sollte ich …“
Morgan hebt die rechte Hand, fängt durch kurzes Fingerwackeln meine Aufmerksamkeit wieder ein und beruhigt: „Das ist gar nicht ungewöhnlich; Morgan wird in 68,3 % der Fälle von Seelen aus deiner Epoche und der westlichen Hemisphäre respektive dem Einflussgebiet westlicher Kultur gewählt.“
Er schaut mich erwartungsvoll an. „Sagen dir die Filme ‚Bruce Almighty‘ und ‚Evan Almighty‘ etwas?“
Der Groschen fällt. Das begleitende scharfe Schnippen meiner Finger wird vom geduldigen Tunnel hinter mir schwach zurückgeworfen, das Echo verliert sich in der Schwärze. „Richtig, da hat Morgan doch so überzeugend Gott verkörpert!“
„Da hast du die Erklärung.“
Morgan Freeman also … Ich beglückwünsche mich kurz zu meiner perfekten Wahl. Hmm, wenn wir schon dran sind: „Nur so aus Neugier, welche anderen Personen werden sonst noch an den Tisch gebracht?“
Der Schöpfer zuckt mit den Achseln. „Da muss ich stark filtern, jede Generation hat einen begrenzten, durch individuelle Erfahrungen bestimmten Wissens- und Erfahrungskreis; Persönlichkeiten, welche aus versunkener Geschichte oder aus fernen Gesellschaften und Kulturen stammen, würden dir wenig bis nichts sagen …“
...

