Alischa – So viel mehr als ein Hund
EUR 17,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 76
ISBN: 978-3-99107-059-7
Erscheinungsdatum: 23.03.2026
"So schwer kann Hundeerziehung doch nicht sein!“ Völlig unvorbereitet nimmt Astrid mit Alischa einen Welpen bei sich auf – überzeugt, dass so ein kleines Hundebaby alles schon kann. Was Welpen wirklich können, zeigt ihr schon bald ihre kleine Hundeprinzessin.
Vorwort
Astrid war eine sehr aktive Frau in den „besten Jahren“, besser gesagt, sie erlebte ihre Midlife-Crisis. Ihre Eltern waren krank und sie besuchte sie jeden Tag. Ihre Kinder waren ausgezogen und sie fühlte sich oft alleingelassen und leer. Ihr Mann ging zur Arbeit und hatte wenig Einsehen für ihre Probleme. Man hatte ja alles. Was wollte man mehr? Wenn es ihre Arbeit erlaubte, fuhr sie auf Urlaub – im Sommer und Winter mit ihrem Mann, in den Ferien mit einer Kollegin, zwischendurch mit einer Freundin und auch oft allein. Sie flüchtete aus dem Alltag. Sie arbeitete an einer Arbeit für ihre berufliche Fortbildung und besuchte zahlreiche Kurse und hielt nebenbei auch Seminare ab. Das alles war erfüllend, aber erfüllte sie nicht. Sie wollte reisen, leben, Spaß haben. Aber in Wirklichkeit fühlte sie sich einsam. Ein Haustier wollte sie nicht. Das Haus war auch nicht dafür eingerichtet: weiße Fliesen, hellgraue Wände, alles sauber. Hundehaare passten da nicht dazu. Doch als sie eines Tages ein kleines schwarzes Hundedings mit schwarzen Kulleraugen sah, verliebte sie sich und wusste, dass dieser Hund ihr Leben verändern würde. Und das tat er. Das heißt, das tat „sie“. Fortan hatte sie ein Lebewesen, das ihre Liebe und Fürsorge so annahm, wie sie gegeben wurde und ihr Haus wieder in ein Zuhause verwandelte. Fortan liebte Astrid lange Spaziergänge mit ihrem Hund und bemerkte erst nach Langem, dass sie schon ein paar Jahre keine Reise mehr unternommen hatte. Alischa stellte sie vor zahlreiche Herausforderungen und machte ihr Leben nicht gerade leichter. Sie war aufgeweckt, quirlig, kommunikativ und eine Aufgabe, mit der Astrid nicht gerechnet hatte. Erst mit den Jahren wurde Alischa ruhiger und wurde eine brave Hundedame. Im Mittelpunkt von Astrids Leben stand die unglaubliche Liebe, die dieses Tier zu geben hatte. Sie war nur ein Haustier und doch so viel mehr als ein Hund!
1: Wie blöd ist das denn?
„Wie blöd ist das denn?“, sagte Astrid zu ihrem Mann, der ihr ein „Hrmpf“ zur Antwort gab. „Stell dir vor, unser Angestellter hat sich doch tatsächlich einen Hund aus Deutschland geholt!“ Ihr Mann blickte nicht einmal von seiner Zeitung auf und grummelte: „Einen Hund.“ „Grrrr! Ja! Einen Hund aus Deutschland! – Aus DEUTSCHLAND!!!“ Er darauf: „Ja, und?“ „Als wenn es in Österreich nicht genug Hunde gäbe. Der fuhr fast bis noch Hamburg hinauf, um den Hund zu holen!“ „Ja, einen Hund!“, murmelte ihr Mann.
„Sag, hörst du mir überhaupt zu? Der holt sich doch einfach einen Hund aus Deutschland, als wenn es in Österreich keinen gäbe.“ Astrid konnte es einfach nicht fassen, dass sich jemand einen ganz bestimmten Hund, also einen Rassehund und diesen noch dazu aus dem Ausland holte. „Hund ist Hund – und damit basta“, so dachte sie damals.
Ihrem Mann war das ziemlich egal, denn er wollte keine Haustiere. „Denk an Theodor!“, war seine eintönige Antwort, wenn das Thema auf Haustiere kam. Theodor, ihr Goldhase, war schon lange verstorben und im Garten in einer Keksdose begraben. Er hatte viel Arbeit gemacht. Man musste ihn täglich ausmisten, neues Stroh besorgen, Futter kaufen und sich mit ihm beschäftigen. Theodor sollte ja ein schönes Leben und viel Freude haben. Theodor hatte auch den Umzug in ein Haus mit Garten verkraften müssen. Im Garten war er zwar gerne, fraß das Gras aber nur in Käfiggröße ab. Dann musste er ein Stück weiter gesetzt werden. Sie erinnerte sich gerne an Theodor und hätte gerne wieder ein kleines Haustier gehabt. Ihr Mann wollte kein Tier mehr. „Wir haben Frösche, Kröten, Schmetterlinge, Fliegen, Bienen, Wespen, Regenwürmer und jede Menge Getier im Garten. Das muss reichen!“, brummte er jedes Mal, wenn sie das Thema ansprach. So auch heute. Hund, nein. Angestellter egal. Soll tun, was er will. Das war’s dann für ihren Mann.
Sie wollte gerne wieder so ein kleines Kuscheltier. Einen Hund wollte sie nicht unbedingt. Das konnte sie sich als ehemalige Katzen-, Hasen- und zuletzt Goldhasen-Mama nicht vorstellen. Doch das Thema ließ sie nicht in Ruhe. Immer wieder sah sie den süßen kleinen Hund des Angestellten, der ihm allerhand Kunststücke beibrachte. Gerne streichelte sie das kleine Bündel. Einen eigenen Hund wollte sie eigentlich nicht.
Aber dann – ein halbes Jahr später holte sie Alischa – einen Hund, besser gesagt ein Labradorwelpenmädchen von einem Züchter – aus Deutschland!!! Aus D-E-U-T-S-C-H-L-A-N-D!!!!!
Wie konnte das denn passieren?
2: Labrador – schwarz, blaues Band
Sie hatte sich gerade beim Bankomaten Geld geholt und wollte zu ihrem Wagen. Sie drehte sich um und sah von Weitem ein Paar mit einem entzückenden kleinen Hund. Er war schwarz, vier Monate alt und trug ein blitzblaues Halsband. Sofort verliebte sie sich in diesen wunderhübschen Labradorknaben. Sowas von süß. Sie war magisch angezogen und ging über den Zebrastreifen auf ihn zu. Bei der Dreifaltigkeitssäule traf sie ihn: Cooper! Das Ehepaar hatte Cooper eben erst vom Züchter geholt. Der erste Ausgang mit ihm führte in die Stadt.
Cooper war ein schwarzer Labradorrüde und weckte in ihr sofort den Wunsch nach einem Hund – genau so einen schwarzen süßen mit blitzblauem Band.
Bis dahin waren ihr Hunde relativ egal gewesen. Sie mochte Hunde, ja – und Hunde mochten sie. Sämtliche ihrer Freundinnen hatten Hunde, die stets auf ihren Füßen oder auf ihrem Schoß saßen, wenn die Damen ein Kaffeekränzchen hatten. Anja und Isy, die Hunde einer Freundin, liebte sie sehr. Sie gingen zusammen Golf spielen und die beiden benahmen sich immer vorbildlich. Das wollte sie auch – einen vorbildlichen, gut erzogenen, braven, schwarzen Hund.
Wobei – Hund war damals Hund für sie. Sie fand es richtig doof, wenn ihre Freundin von ihrer Hundedame mit „sie“ sprach. „Die Hund“!? – Sowas von blöd. Es heißt „der Hund“, verbesserte sie stets. Sie ließ sich nicht beirren, doch nach einiger Zeit merkte sie, dass auch Astrid von „ihr“ sprach, wenn sie eine Hündin meinte.
Lange Zeit begnügte sich Astrid damit, die Hunde anderer Leute zu streicheln, zu füttern und zu lieben. Doch eines Tages recherchierte sie im Internet über Kanada und suchte nach der Halbinsel Labrador. „Labrador! Da war doch noch was?“, dachte sie und suchte weiter nach der Hunderasse.
Und siehe da – da war sie – „S_I_E“. Schwarze Kulleraugen, ein schwarzes Fellbündel mit rosa Halsband, winzig klein und sooooo süß: Alischa. Das war IHR Hund. Sie gehörte ZU IHR. Sie wusste es vom ersten Augenblick an. Alischa war ihre Partnerin durch Zeit und Raum. Am liebsten wäre Astrid sofort losgefahren und hätte sie geholt.
Doch es gab einiges zu besprechen. Ihr Mann mochte keine Hunde und diese schon gar nicht in seinem Haus. „Nein, bitte nicht. Du bist ständig unterwegs. Wer soll auf den Hund aufpassen?“ Damit legte er natürlich ein berechtigtes Veto ein. Es war tatsächlich so, dass sie beruflich viel unterwegs war und nur wenig Freizeit hatte. Außerdem reiste Astrid gerne und nutzte jede freie Minute, um zu reisen. Bei ihrem Sohn und seiner Freundin war das schon anders. Sie sagten auf Anhieb zu, auf Alischa aufzupassen.
Also … alles klar!!! Unternehmen Hundemäderl wurde vorbereitet.
3: Weihnachten – die Entscheidung
Zu Weihnachten rief Astrid beim Züchter an, ob „SIE“ noch frei wäre, und er sagte ja. „Ja, ja, ja, ja – sie gehört zu mir. Sie ist mein Hund. Meine Hündin, meine Prinzessin Alischa.“ Davon war sie überzeugt. Sie war am 12.12.2009 geboren und noch zu klein, um von ihrer Mutter getrennt zu werden. Deshalb musste Astrid noch warten, bis sie zwei Monate alt und bereit zur Abgabe war. Pünktlich am 12.2.2010 machten sich Astrid, ihr Sohn und ihre Schwiegertochter auf den Weg, um Alischa zu holen. Ihr Mann lehnte „den Hund“ ab. Er würde „den Hund“ nicht ansehen, ihn ginge „der Hund“ nichts an. Nachdem sie ihm das versprochen und für ihre Arbeitszeit auch eine Hunde-Nanny gefunden hatte, durfte „der Hund“ mit Erlaubnis ihres Mannes geholt werden.
Als die Gruppe in Deutschland ankam, war gerade ein anderes Paar dabei, einen Labrador-Retriever zu holen. Der winselte lautstark und zitterte und vor allem pinkelte er vor Angst, als sie mit ihm ins Auto einsteigen wollten. Astrid kamen erste Zweifel, ob sie der Verantwortung gewachsen und ob ihre Hündin auch so ängstlich wäre. Noch bevor die drei Ösis wieder umkehren konnten, begrüßte sie der Züchter und führte sie zur Hündin. Die wunderschöne Hundemama lag in ihrem Zwinger und acht süße Labradorwelpen hingen an ihren Zitzen. Das erste Hundekind von vorne blickte auf und kletterte tollpatschig über seine Geschwister. Es kam ans Gitter und wedelte mit dem Schweif. „Das ist unserer! Unser Hund! Der weiß das!“, riefen die drei unisono und waren glücklich, als ihn der Züchter herausholte und in Astrids Arme übergab. Alischa leckte ihre Finger und fühlte sich sichtlich wohl. Es war Liebe auf den ersten Blick. Dem mitgebrachten Stofftier, einem Zebra, biss sie sofort den Schwanz ab und brachte es zurück, nachdem Astrid es ihr geworfen hatte.
Während Astrid den Kauf abwickelte, nahm sie ihre Schwiegertochter in ihre Arme, streichelte sie und Alischa schlief sofort ein. Die Gruppe stieg mit der kleinen Prinzessin ins Auto. Diese blickte kurz auf, quiekte ein wenig und nach einem halben Kilometer schlief sie tief und fest. Gott sei Dank war sie ruhig und fürchtete sich nicht.
Zu Mittag hielten sie bei einem Gasthof und erlebten die erste Überraschung. Sie marschierten sofort in ein Lokal. Keiner von ihnen hatte Hundeerfahrung. Sie setzten sich und auch Alischa machte es sich bequem. Sie überraschte sie mit einem „Lackerl“. „Oh neiiiiin, Alischa. Das gibt’s doch nicht! Nicht hier!“ Aber es war zu spät. Sie organisierten einen Putzlappen und säuberten den Boden des Lokals.
Als sie nach dem Mittagessen das Lokal verließen, stand ein Reisebus mit einer Schülergruppe vor der Tür. Die Kinder bewunderten den kleinen Hund und wollten ihn streicheln. Astrid setzte Alischa auf den Boden. Die zweite Überraschung: Alischa legte ihr Würstchen direkt in die Mitte der Schülergruppe. „Nein, Alischa, neiiiiin! Das gibt’s doch nicht!“ rief Astrid und die Kinder schreckten auseinander mit „pfui und igittigitt“. Die Aufmerksamkeit gefiel Alischa und fortan machte sie überall, wo man mit ihr hinkam, ein Häufchen – mitten auf die Straße, mitten auf den Fairway beim Golf, vor Leute, die man traf! „Alischa, neiiiiiin!“
Nun hatte Alischa ihren Namen: „Alischa, nein“. Aber das schien sie nicht zu stören. Alischa war quirlig, kommunikativ und aufgeweckt und zeigte, was sie wollte. Astrid brauchte lange, um ihr das Begrüßungshäufchen abzugewöhnen.
4: Der Korb
Bei der Heimfahrt kamen sie bei einem Korbmacher vorbei. Sie blieben stehen und suchten nach einem Hundekörbchen. So etwas hatte er nicht. Schade. Dann kam seine Frau und erklärte, es wäre ein Hundekorb da. Der war aber ziemlich groß, da er für einen Dobermann bestellt und nie abgeholt worden war. Nun ja, der Hund würde ja größer werden. Labradore waren ja auch große Hunde. So kauften sie den riesigen Korb und Alischa nahm zu Hause zirka ein Zehntel des Korbes ein. Sie wurde größer und nach und nach füllte sie auch den Korb. Bis zu ihrem Tod blieb er ihre Schlafstätte und war auch groß genug, als Alischa längst ausgewachsen war.
Bald kamen sie drauf, dass Alischa alle Spielsachen, die man ihr in ihr Körbchen legte, sehr zart behandelte und nicht zerstörte. Alles, was sie in einem anderen Raum oder im Garten bekam, wurde zerstört. Jeder Ball, jedes Stofftier, ein Lenkrad mit Hupe – was auch immer es war, es war Kampf! Und Alischa kämpfte, bis der „Gegner“ zerstört war.
Da Alischa im Winter zur Familie gekommen war, gab es jede Menge Schnee, der weggeschaufelt werden musste. Alischas Lieblingsgerät war die Schneeschaufel. Wenn es Herrchen in die Hand nahm, war sie die erste, die darauf saß und sich chauffieren ließ. Es machte Spaß, wurde bald aber sehr mühsam, den Schnee zu räumen. Eines Tages wollte das Herrchen die Schneeschaufel nehmen und hatte plötzlich nur noch einen Teil des Griffs in der Hand. Alischa hatte mit ihren scharfen Zähnen die Stange durchgebissen. „Alischa, neiiiin! Das darfst du nicht!“ Aber wer konnte den unschuldigen süßen Welpenaugen widerstehen.
5: Alischa daheim
Das erste Wochenende war voller Neuigkeiten. Alischa machte ein Lackerl, die Familie schrie „Oje, neiiiiiin!“ und Astrid wischte es weg. Das schien Alischa zu gefallen, denn bald markierte sie überall hin. Gott sei Dank kam noch am selben Tag ein Bekannter mit seinem Goldie. Er kannte sich mit Hunden aus. Wenn Alischa quiekte, nahm er sie und brachte sie sofort hinaus vor die Haustür. Rasch merkten auch Astrid und ihr Mann, dass sie grundsätzlich ihre Bedürfnisse bekannt gab. Man musste nur genau auf sie achten. Bereits am nächsten Tag zeigte Alischa genau, wann sie hinausmusste.
Die erste Zeit im Haus war nicht einfach für sie. Die Familie hatte viel Besuch und alle wollten Alischa sehen und herzen. Sie gewöhnte sich rasch an die vielen Leute. Doch am nächsten Montag begann der Alltag wieder und Frauchen und Herrchen mussten arbeiten. Noch dazu musste Astrid eine Woche weg. In dieser Woche kümmerte sich ihre Schwiegertochter um Alischa. Zu ihr baute sie dann auch ein besonders inniges Verhältnis auf.
Nach dieser Woche musste Alischa einige Stunden allein zu Hause bleiben. Ihre Familie ging ja zur Arbeit. Astrid kaufte ihr Spielzeug – Geduldsspiele, die sie beschäftigen sollten. Das Wohnzimmer interessierte Alischa mehr. Sie riss die Teppichleisten ab und trennte den Teppich auf. Sie knabberte die Sesselbeine an und biss den Mittelfuß des Wohnzimmertisches durch, sie setzte ihre Krallen an der Haustür ein und verwüstete das Arbeitszimmer. Sie zerfetzte die Kissen im Schlafzimmer und hinterließ ihre Spuren im ganzen Haus. Wenn Astrid nach Hause kam, ging sie erst gar nicht nach oben, sondern nahm Alischa sofort mit zu einem ausgedehnten Spaziergang. Alischa zeigte ihre Freude jeden Tag aufs Neue, wenn Frauchen mit ihr Gassi ging. Wenn sie dann wieder nach Hause kamen, wurde Astrid jeden Tag durch eine neue Verwüstung in der Wohnung überrascht. „Ach, Alischa, neiiiin! Das gibt’s doch nicht! Was hast du heute wieder angestellt!“, rief sie und Alischa wedelte freudig mit dem Schwanz, um ihre Vormittagsbeschäftigung zu präsentieren.
Wie bei einem kleinen Kind begann Astrid, alle Sachen in Bodennähe höher zu stellen und sie vor Alischa in Sicherheit zu bringen. Alischa war glücklich, wenn jemand bei ihr war, und unglücklich, wenn sie allein war. Und wenn sie allein war, nagte sie an allem: Sie nagte an Sesseln, Tischen, Türen, Büchern, zerfetzte Zeitungen, zerbiss und entleerte Handtaschen, kleckerte mit Lippenstiften, leckte an Wänden und unterhielt sich bestens in wilder Spiel- und Zerstörungswut. Deshalb fuhr Astrid in den Arbeitspausen schnell zu ihr nach Hause, ging mit Alischa eine Runde in den Garten, drehte ihr den Fernseher auf, um die tägliche Verwüstung in Grenzen zu halten. Nach und nach gewöhnte sich Alischa daran, allein zu sein, und döste in ihrem Körbchen dahin.
Pünktlich um 16:45 legte sich die kleine Prinzessin auf die Fliesen vor der Küchentür und starrte auf die Haustür. Um 17:00 setzte sie sich auf und um 17:15 lief sie die Stufen hinab und ihrem Herrli entgegen. Da sie ihn so vehement und liebevoll begrüßte, ging er jeden Tag ein paar Schritte mit ihr. Diese wurden immer länger und schließlich zu einer Abendrunde. Lange hatte seine Ablehnung gegenüber Alischa nicht gedauert. Schon bald hatte sie sich in sein Herz geschlichen.
Als Herrli schließlich in Pension ging, waren die beiden unzertrennlich. Er meinte sogar, dass er eigentlich „schon immer einen Hund gewollt hatte“. Na ja.
Astrid war eine sehr aktive Frau in den „besten Jahren“, besser gesagt, sie erlebte ihre Midlife-Crisis. Ihre Eltern waren krank und sie besuchte sie jeden Tag. Ihre Kinder waren ausgezogen und sie fühlte sich oft alleingelassen und leer. Ihr Mann ging zur Arbeit und hatte wenig Einsehen für ihre Probleme. Man hatte ja alles. Was wollte man mehr? Wenn es ihre Arbeit erlaubte, fuhr sie auf Urlaub – im Sommer und Winter mit ihrem Mann, in den Ferien mit einer Kollegin, zwischendurch mit einer Freundin und auch oft allein. Sie flüchtete aus dem Alltag. Sie arbeitete an einer Arbeit für ihre berufliche Fortbildung und besuchte zahlreiche Kurse und hielt nebenbei auch Seminare ab. Das alles war erfüllend, aber erfüllte sie nicht. Sie wollte reisen, leben, Spaß haben. Aber in Wirklichkeit fühlte sie sich einsam. Ein Haustier wollte sie nicht. Das Haus war auch nicht dafür eingerichtet: weiße Fliesen, hellgraue Wände, alles sauber. Hundehaare passten da nicht dazu. Doch als sie eines Tages ein kleines schwarzes Hundedings mit schwarzen Kulleraugen sah, verliebte sie sich und wusste, dass dieser Hund ihr Leben verändern würde. Und das tat er. Das heißt, das tat „sie“. Fortan hatte sie ein Lebewesen, das ihre Liebe und Fürsorge so annahm, wie sie gegeben wurde und ihr Haus wieder in ein Zuhause verwandelte. Fortan liebte Astrid lange Spaziergänge mit ihrem Hund und bemerkte erst nach Langem, dass sie schon ein paar Jahre keine Reise mehr unternommen hatte. Alischa stellte sie vor zahlreiche Herausforderungen und machte ihr Leben nicht gerade leichter. Sie war aufgeweckt, quirlig, kommunikativ und eine Aufgabe, mit der Astrid nicht gerechnet hatte. Erst mit den Jahren wurde Alischa ruhiger und wurde eine brave Hundedame. Im Mittelpunkt von Astrids Leben stand die unglaubliche Liebe, die dieses Tier zu geben hatte. Sie war nur ein Haustier und doch so viel mehr als ein Hund!
1: Wie blöd ist das denn?
„Wie blöd ist das denn?“, sagte Astrid zu ihrem Mann, der ihr ein „Hrmpf“ zur Antwort gab. „Stell dir vor, unser Angestellter hat sich doch tatsächlich einen Hund aus Deutschland geholt!“ Ihr Mann blickte nicht einmal von seiner Zeitung auf und grummelte: „Einen Hund.“ „Grrrr! Ja! Einen Hund aus Deutschland! – Aus DEUTSCHLAND!!!“ Er darauf: „Ja, und?“ „Als wenn es in Österreich nicht genug Hunde gäbe. Der fuhr fast bis noch Hamburg hinauf, um den Hund zu holen!“ „Ja, einen Hund!“, murmelte ihr Mann.
„Sag, hörst du mir überhaupt zu? Der holt sich doch einfach einen Hund aus Deutschland, als wenn es in Österreich keinen gäbe.“ Astrid konnte es einfach nicht fassen, dass sich jemand einen ganz bestimmten Hund, also einen Rassehund und diesen noch dazu aus dem Ausland holte. „Hund ist Hund – und damit basta“, so dachte sie damals.
Ihrem Mann war das ziemlich egal, denn er wollte keine Haustiere. „Denk an Theodor!“, war seine eintönige Antwort, wenn das Thema auf Haustiere kam. Theodor, ihr Goldhase, war schon lange verstorben und im Garten in einer Keksdose begraben. Er hatte viel Arbeit gemacht. Man musste ihn täglich ausmisten, neues Stroh besorgen, Futter kaufen und sich mit ihm beschäftigen. Theodor sollte ja ein schönes Leben und viel Freude haben. Theodor hatte auch den Umzug in ein Haus mit Garten verkraften müssen. Im Garten war er zwar gerne, fraß das Gras aber nur in Käfiggröße ab. Dann musste er ein Stück weiter gesetzt werden. Sie erinnerte sich gerne an Theodor und hätte gerne wieder ein kleines Haustier gehabt. Ihr Mann wollte kein Tier mehr. „Wir haben Frösche, Kröten, Schmetterlinge, Fliegen, Bienen, Wespen, Regenwürmer und jede Menge Getier im Garten. Das muss reichen!“, brummte er jedes Mal, wenn sie das Thema ansprach. So auch heute. Hund, nein. Angestellter egal. Soll tun, was er will. Das war’s dann für ihren Mann.
Sie wollte gerne wieder so ein kleines Kuscheltier. Einen Hund wollte sie nicht unbedingt. Das konnte sie sich als ehemalige Katzen-, Hasen- und zuletzt Goldhasen-Mama nicht vorstellen. Doch das Thema ließ sie nicht in Ruhe. Immer wieder sah sie den süßen kleinen Hund des Angestellten, der ihm allerhand Kunststücke beibrachte. Gerne streichelte sie das kleine Bündel. Einen eigenen Hund wollte sie eigentlich nicht.
Aber dann – ein halbes Jahr später holte sie Alischa – einen Hund, besser gesagt ein Labradorwelpenmädchen von einem Züchter – aus Deutschland!!! Aus D-E-U-T-S-C-H-L-A-N-D!!!!!
Wie konnte das denn passieren?
2: Labrador – schwarz, blaues Band
Sie hatte sich gerade beim Bankomaten Geld geholt und wollte zu ihrem Wagen. Sie drehte sich um und sah von Weitem ein Paar mit einem entzückenden kleinen Hund. Er war schwarz, vier Monate alt und trug ein blitzblaues Halsband. Sofort verliebte sie sich in diesen wunderhübschen Labradorknaben. Sowas von süß. Sie war magisch angezogen und ging über den Zebrastreifen auf ihn zu. Bei der Dreifaltigkeitssäule traf sie ihn: Cooper! Das Ehepaar hatte Cooper eben erst vom Züchter geholt. Der erste Ausgang mit ihm führte in die Stadt.
Cooper war ein schwarzer Labradorrüde und weckte in ihr sofort den Wunsch nach einem Hund – genau so einen schwarzen süßen mit blitzblauem Band.
Bis dahin waren ihr Hunde relativ egal gewesen. Sie mochte Hunde, ja – und Hunde mochten sie. Sämtliche ihrer Freundinnen hatten Hunde, die stets auf ihren Füßen oder auf ihrem Schoß saßen, wenn die Damen ein Kaffeekränzchen hatten. Anja und Isy, die Hunde einer Freundin, liebte sie sehr. Sie gingen zusammen Golf spielen und die beiden benahmen sich immer vorbildlich. Das wollte sie auch – einen vorbildlichen, gut erzogenen, braven, schwarzen Hund.
Wobei – Hund war damals Hund für sie. Sie fand es richtig doof, wenn ihre Freundin von ihrer Hundedame mit „sie“ sprach. „Die Hund“!? – Sowas von blöd. Es heißt „der Hund“, verbesserte sie stets. Sie ließ sich nicht beirren, doch nach einiger Zeit merkte sie, dass auch Astrid von „ihr“ sprach, wenn sie eine Hündin meinte.
Lange Zeit begnügte sich Astrid damit, die Hunde anderer Leute zu streicheln, zu füttern und zu lieben. Doch eines Tages recherchierte sie im Internet über Kanada und suchte nach der Halbinsel Labrador. „Labrador! Da war doch noch was?“, dachte sie und suchte weiter nach der Hunderasse.
Und siehe da – da war sie – „S_I_E“. Schwarze Kulleraugen, ein schwarzes Fellbündel mit rosa Halsband, winzig klein und sooooo süß: Alischa. Das war IHR Hund. Sie gehörte ZU IHR. Sie wusste es vom ersten Augenblick an. Alischa war ihre Partnerin durch Zeit und Raum. Am liebsten wäre Astrid sofort losgefahren und hätte sie geholt.
Doch es gab einiges zu besprechen. Ihr Mann mochte keine Hunde und diese schon gar nicht in seinem Haus. „Nein, bitte nicht. Du bist ständig unterwegs. Wer soll auf den Hund aufpassen?“ Damit legte er natürlich ein berechtigtes Veto ein. Es war tatsächlich so, dass sie beruflich viel unterwegs war und nur wenig Freizeit hatte. Außerdem reiste Astrid gerne und nutzte jede freie Minute, um zu reisen. Bei ihrem Sohn und seiner Freundin war das schon anders. Sie sagten auf Anhieb zu, auf Alischa aufzupassen.
Also … alles klar!!! Unternehmen Hundemäderl wurde vorbereitet.
3: Weihnachten – die Entscheidung
Zu Weihnachten rief Astrid beim Züchter an, ob „SIE“ noch frei wäre, und er sagte ja. „Ja, ja, ja, ja – sie gehört zu mir. Sie ist mein Hund. Meine Hündin, meine Prinzessin Alischa.“ Davon war sie überzeugt. Sie war am 12.12.2009 geboren und noch zu klein, um von ihrer Mutter getrennt zu werden. Deshalb musste Astrid noch warten, bis sie zwei Monate alt und bereit zur Abgabe war. Pünktlich am 12.2.2010 machten sich Astrid, ihr Sohn und ihre Schwiegertochter auf den Weg, um Alischa zu holen. Ihr Mann lehnte „den Hund“ ab. Er würde „den Hund“ nicht ansehen, ihn ginge „der Hund“ nichts an. Nachdem sie ihm das versprochen und für ihre Arbeitszeit auch eine Hunde-Nanny gefunden hatte, durfte „der Hund“ mit Erlaubnis ihres Mannes geholt werden.
Als die Gruppe in Deutschland ankam, war gerade ein anderes Paar dabei, einen Labrador-Retriever zu holen. Der winselte lautstark und zitterte und vor allem pinkelte er vor Angst, als sie mit ihm ins Auto einsteigen wollten. Astrid kamen erste Zweifel, ob sie der Verantwortung gewachsen und ob ihre Hündin auch so ängstlich wäre. Noch bevor die drei Ösis wieder umkehren konnten, begrüßte sie der Züchter und führte sie zur Hündin. Die wunderschöne Hundemama lag in ihrem Zwinger und acht süße Labradorwelpen hingen an ihren Zitzen. Das erste Hundekind von vorne blickte auf und kletterte tollpatschig über seine Geschwister. Es kam ans Gitter und wedelte mit dem Schweif. „Das ist unserer! Unser Hund! Der weiß das!“, riefen die drei unisono und waren glücklich, als ihn der Züchter herausholte und in Astrids Arme übergab. Alischa leckte ihre Finger und fühlte sich sichtlich wohl. Es war Liebe auf den ersten Blick. Dem mitgebrachten Stofftier, einem Zebra, biss sie sofort den Schwanz ab und brachte es zurück, nachdem Astrid es ihr geworfen hatte.
Während Astrid den Kauf abwickelte, nahm sie ihre Schwiegertochter in ihre Arme, streichelte sie und Alischa schlief sofort ein. Die Gruppe stieg mit der kleinen Prinzessin ins Auto. Diese blickte kurz auf, quiekte ein wenig und nach einem halben Kilometer schlief sie tief und fest. Gott sei Dank war sie ruhig und fürchtete sich nicht.
Zu Mittag hielten sie bei einem Gasthof und erlebten die erste Überraschung. Sie marschierten sofort in ein Lokal. Keiner von ihnen hatte Hundeerfahrung. Sie setzten sich und auch Alischa machte es sich bequem. Sie überraschte sie mit einem „Lackerl“. „Oh neiiiiin, Alischa. Das gibt’s doch nicht! Nicht hier!“ Aber es war zu spät. Sie organisierten einen Putzlappen und säuberten den Boden des Lokals.
Als sie nach dem Mittagessen das Lokal verließen, stand ein Reisebus mit einer Schülergruppe vor der Tür. Die Kinder bewunderten den kleinen Hund und wollten ihn streicheln. Astrid setzte Alischa auf den Boden. Die zweite Überraschung: Alischa legte ihr Würstchen direkt in die Mitte der Schülergruppe. „Nein, Alischa, neiiiiin! Das gibt’s doch nicht!“ rief Astrid und die Kinder schreckten auseinander mit „pfui und igittigitt“. Die Aufmerksamkeit gefiel Alischa und fortan machte sie überall, wo man mit ihr hinkam, ein Häufchen – mitten auf die Straße, mitten auf den Fairway beim Golf, vor Leute, die man traf! „Alischa, neiiiiiin!“
Nun hatte Alischa ihren Namen: „Alischa, nein“. Aber das schien sie nicht zu stören. Alischa war quirlig, kommunikativ und aufgeweckt und zeigte, was sie wollte. Astrid brauchte lange, um ihr das Begrüßungshäufchen abzugewöhnen.
4: Der Korb
Bei der Heimfahrt kamen sie bei einem Korbmacher vorbei. Sie blieben stehen und suchten nach einem Hundekörbchen. So etwas hatte er nicht. Schade. Dann kam seine Frau und erklärte, es wäre ein Hundekorb da. Der war aber ziemlich groß, da er für einen Dobermann bestellt und nie abgeholt worden war. Nun ja, der Hund würde ja größer werden. Labradore waren ja auch große Hunde. So kauften sie den riesigen Korb und Alischa nahm zu Hause zirka ein Zehntel des Korbes ein. Sie wurde größer und nach und nach füllte sie auch den Korb. Bis zu ihrem Tod blieb er ihre Schlafstätte und war auch groß genug, als Alischa längst ausgewachsen war.
Bald kamen sie drauf, dass Alischa alle Spielsachen, die man ihr in ihr Körbchen legte, sehr zart behandelte und nicht zerstörte. Alles, was sie in einem anderen Raum oder im Garten bekam, wurde zerstört. Jeder Ball, jedes Stofftier, ein Lenkrad mit Hupe – was auch immer es war, es war Kampf! Und Alischa kämpfte, bis der „Gegner“ zerstört war.
Da Alischa im Winter zur Familie gekommen war, gab es jede Menge Schnee, der weggeschaufelt werden musste. Alischas Lieblingsgerät war die Schneeschaufel. Wenn es Herrchen in die Hand nahm, war sie die erste, die darauf saß und sich chauffieren ließ. Es machte Spaß, wurde bald aber sehr mühsam, den Schnee zu räumen. Eines Tages wollte das Herrchen die Schneeschaufel nehmen und hatte plötzlich nur noch einen Teil des Griffs in der Hand. Alischa hatte mit ihren scharfen Zähnen die Stange durchgebissen. „Alischa, neiiiin! Das darfst du nicht!“ Aber wer konnte den unschuldigen süßen Welpenaugen widerstehen.
5: Alischa daheim
Das erste Wochenende war voller Neuigkeiten. Alischa machte ein Lackerl, die Familie schrie „Oje, neiiiiiin!“ und Astrid wischte es weg. Das schien Alischa zu gefallen, denn bald markierte sie überall hin. Gott sei Dank kam noch am selben Tag ein Bekannter mit seinem Goldie. Er kannte sich mit Hunden aus. Wenn Alischa quiekte, nahm er sie und brachte sie sofort hinaus vor die Haustür. Rasch merkten auch Astrid und ihr Mann, dass sie grundsätzlich ihre Bedürfnisse bekannt gab. Man musste nur genau auf sie achten. Bereits am nächsten Tag zeigte Alischa genau, wann sie hinausmusste.
Die erste Zeit im Haus war nicht einfach für sie. Die Familie hatte viel Besuch und alle wollten Alischa sehen und herzen. Sie gewöhnte sich rasch an die vielen Leute. Doch am nächsten Montag begann der Alltag wieder und Frauchen und Herrchen mussten arbeiten. Noch dazu musste Astrid eine Woche weg. In dieser Woche kümmerte sich ihre Schwiegertochter um Alischa. Zu ihr baute sie dann auch ein besonders inniges Verhältnis auf.
Nach dieser Woche musste Alischa einige Stunden allein zu Hause bleiben. Ihre Familie ging ja zur Arbeit. Astrid kaufte ihr Spielzeug – Geduldsspiele, die sie beschäftigen sollten. Das Wohnzimmer interessierte Alischa mehr. Sie riss die Teppichleisten ab und trennte den Teppich auf. Sie knabberte die Sesselbeine an und biss den Mittelfuß des Wohnzimmertisches durch, sie setzte ihre Krallen an der Haustür ein und verwüstete das Arbeitszimmer. Sie zerfetzte die Kissen im Schlafzimmer und hinterließ ihre Spuren im ganzen Haus. Wenn Astrid nach Hause kam, ging sie erst gar nicht nach oben, sondern nahm Alischa sofort mit zu einem ausgedehnten Spaziergang. Alischa zeigte ihre Freude jeden Tag aufs Neue, wenn Frauchen mit ihr Gassi ging. Wenn sie dann wieder nach Hause kamen, wurde Astrid jeden Tag durch eine neue Verwüstung in der Wohnung überrascht. „Ach, Alischa, neiiiin! Das gibt’s doch nicht! Was hast du heute wieder angestellt!“, rief sie und Alischa wedelte freudig mit dem Schwanz, um ihre Vormittagsbeschäftigung zu präsentieren.
Wie bei einem kleinen Kind begann Astrid, alle Sachen in Bodennähe höher zu stellen und sie vor Alischa in Sicherheit zu bringen. Alischa war glücklich, wenn jemand bei ihr war, und unglücklich, wenn sie allein war. Und wenn sie allein war, nagte sie an allem: Sie nagte an Sesseln, Tischen, Türen, Büchern, zerfetzte Zeitungen, zerbiss und entleerte Handtaschen, kleckerte mit Lippenstiften, leckte an Wänden und unterhielt sich bestens in wilder Spiel- und Zerstörungswut. Deshalb fuhr Astrid in den Arbeitspausen schnell zu ihr nach Hause, ging mit Alischa eine Runde in den Garten, drehte ihr den Fernseher auf, um die tägliche Verwüstung in Grenzen zu halten. Nach und nach gewöhnte sich Alischa daran, allein zu sein, und döste in ihrem Körbchen dahin.
Pünktlich um 16:45 legte sich die kleine Prinzessin auf die Fliesen vor der Küchentür und starrte auf die Haustür. Um 17:00 setzte sie sich auf und um 17:15 lief sie die Stufen hinab und ihrem Herrli entgegen. Da sie ihn so vehement und liebevoll begrüßte, ging er jeden Tag ein paar Schritte mit ihr. Diese wurden immer länger und schließlich zu einer Abendrunde. Lange hatte seine Ablehnung gegenüber Alischa nicht gedauert. Schon bald hatte sie sich in sein Herz geschlichen.
Als Herrli schließlich in Pension ging, waren die beiden unzertrennlich. Er meinte sogar, dass er eigentlich „schon immer einen Hund gewollt hatte“. Na ja.

