Humor & Satire

50 Shades of CSI Boston und andere Geschichten

Patrick Baumann

50 Shades of CSI Boston und andere Geschichten

Leseprobe:

50 Shades of CSI Boston


Das Drehbuch zum Pilotfilm der Hollywood-Serie


Anfangsszene

Inspector Jack Fag und sein Assistent Lieutenant John Fagot beugen sich über den Kadaver eines mit drei Schüssen getöteten etwa vierzigjährigen Mannes. „Ich werde mich nie daran gewöhnen!“, klagt John Fagot mit entsetzter Miene, während Inspector Jack Fag geistesabwesend an seinem Cigarillo lutscht und ausschließlich damit beschäftigt ist, den Kollegen von der Spurensicherung, die die beiden bei ihrer Suche nach verwertbarem Material wie fleißige Bienen umschwirren, aus dem Weg zu gehen. „Wer ist der Tote?“, fragt Fag seinen Assistenten, der pflichtbewußt wie immer sofort seinen Notizblock zückt. „Der Tote ist der berühmte Filmschauspieler, Rockmusiker und Schriftsteller Tom Bruise, Sir! Er bewohnt dieses Apartment seit etwa einem Jahr! Lebt allein, war aber schon fünfzig Mal verheiratet und versorgt zehn Kinder - die unehelichen mit eingerechnet!“ „Was haben wir sonst noch?“ „Momentan noch nichts, Sir, wir müssen erst die Ergebnisse der Spurensicherung abwarten!“ „Ah ja, genau!“, pflichtet Fag seinem Kollegen mit hochrotem Kopf verlegen bei. „Sind seine Ehefrauen schon über seinen Tod informiert?“, fragt Fag nach einer kurzen Pause. „Nein, Sir, zwanzig seiner Ex-Frauen sind bereits verstorben und die übrigen leben im Ausland!“ „Wie kommt das?“ „Nun, sie leben ganz gut von seinen Alimenten - nur in Acapulco oder auf Hawaii, versteht sich!“ „Nein, ich meine, wir sind erst seit einer Viertelstunde hier und Sie wissen bereits jetzt alles über das Mordopfer!“ „Aber Sir, das hier ist eine Szene aus einer Fernsehserie!“ „Psst! Sagen Sie das doch nicht vor laufender Kamera!“ „O.k.! Wird nicht wieder vorkommen!“ „Gibt es irgendwelche Zeugen?“ „Der ein Stockwerk über ihm wohnende Nachbar! Nachdem er Schüsse gehört hatte, informierte er sofort die Polizei!“ „Wann war das?“ „Ungefähr vor einer Stunde! Der Nachbar glaubte zunächst, daß sein über ihm lebender Nachbar wieder einmal Frauenbesuch habe und dachte sich nichts dabei! Laut Aussage dieses Herrn ging’s bei dem immer recht lustig zu! An Lärm war er also gewöhnt! Stutzig wurde er erst nach lauten Hilferufen! Normalerweise hörte er nur ein sehr lautes Stöhnen! Deswegen langte bei der Notrufstelle der Polizei auch sein Anruf ein!“ „Gut! Fahren Sie zurück zum Revier und informieren Sie die anderen! Ich komme dann nach!“
Fag bleibt noch eine Weile im Wohnzimmer stehen, ehe er sich zur Durchsuchung der anderen Räumlichkeiten des Apartments durchringen kann. „Hundert Quadratmeter Wohn-fläche, acht Zimmer, teure Gemälde an den Wänden, zig Ehen hinter sich … Beneidenswert!“, stellt er fest, als ihn der Polizeiphotograph im Vorbeigehen anrempelt und Fag mit dem Kommentar „Entschuldigung!“ abfertigt. Fag ist das beste Pferd im Stall von Chief Burp McFart. Fag löst jeden Fall im Alleingang, ganz ohne fremde Hilfe. Er braucht niemanden, der diverse Akten über Personen und Fälle aufstöbert, keine Steuern verschwendende, Fingerabdrücke vergleichende, DNA-Spuren auswertende, Zeugenaussagen aufnehmende Mitarbeiter und auch die Spurensicherung mit ihren Pinseln und Kameras betreibt ihre Arbeit in einem Inspector-Fag-Fall nur hobbymäßig - meistens, nur nicht heute. Heute ist Fag überhaupt nicht motiviert. Ausnahmsweise wird er sein Team brauchen. Fag verläßt plötzlich fluchtartig den Tatort und steigt in seinen alten VW-Käfer, Baujahr 1986. Nur Sekunden später verläßt auch das Team der Spurensicherung den Ort des Verbrechens.




Szene 2

Fünf Cigarillos später erscheint Inspector Fag auf dem Revier, wo ihn die gesamte versammelte Mannschaft inklusive Chief Burp McFart, ein älterer, hagerer Mann mit Brille und im teuren schwarzen Anzug, bereits erwartet. „Guten Morgen!“, grüßt Fag. „Guten Morgen, Jack!“, grüßt der Chief mit sehr tiefer, sonorer Stimme zurück. „Nun? Was wissen wir bereits über den Toten?“, fragt er alle Anwesenden mit in Falten gelegter Stirn und mit ernster Miene. Ausnahmslos alle Männer tragen schwarze Armani-Anzüge und schwarze Krawatten, die Frauen teure, weiße Blusen und schwarze Kostüme. „Der Tote war der berühmte Künstler und Schauspieler Tom Bruise, Wohnhaft in Beacon Street. Er wurde mit drei Schüssen niedergestreckt. Zeugen gibt es bisher keine!“, antwortet Fagot wie aus der Pistole geschossen. „Das ist nicht gerade viel!“, erwidert der Chief mit angesäuertem Gesichtsausdruck, obwohl der Mord erst eine Stunde her ist. „Was haben wir bisher?“, versucht es der Chief nach einer Schweigeminute noch einmal. „Die Spurensicherung fand Patronenhülsen aus einer Pistole vom Typ Kaliber 38 im Sofa des Ermordeten. Seine Ex-Frauen scheiden als Täter wohl aus, ein Teil ist verstorben, ein anderer lebt auf den Bahamas und war zum Zeitpunkt des Mordes nicht in der Stadt, Sir!“, setzt Fagot fort. Die Frauen haben als erstes einen Plan: „Wir müssen die weiteren Ergebnisse der Spurensicherung abwarten und auf die Ergebnisse der Obduktion warten!“, fügt Detective Liz Taylor, ein sehr gepflegter, bis auf die Knochen abgemagerter, schwarzhaariger Lockenkopf, hinzu. Der Chief zollt ihr mit einem strahlenden Lächeln seine Bewunderung und erteilt seinem Team den alles entscheidenden Befehl: „Ausgezeichnete Idee! Hervorragend, Liz! Also, an die Arbeit!“
Das Team, bestehend aus Jack Fag, John Fagot, Liz Taylor, Lieutenant Joe Gonzalez, dem großen Schwarzen Tom Hut - alle sind sie schön wie Models und beziehen ihre Kleidung offenbar aus ein und demselben Kleiderschrank -, setzt sich an seine Schreibtische und macht sich an die Arbeit, als die die längste Zeit am Computer sitzende, die FBI-Verbrecherkartei durchstöbernde, ebenfalls schöne und topgestylte Blondine Detective Pam Anderson die nächste gute Idee hat: „Ich werde mir inzwischen die Homepage des FBI ansehen! Vielleicht wurden in derselben Gegend in letzter Zeit weitere Einbrüche oder Morde mit einer Waffe desselben Kalibers begangen!“ Der atemlose Chief ringt begeistert nach Luft: „Großartige Idee, Pam! Warum hab ich bloß nie so gute Einfälle? Das ist halt echte Frauenpower! Männer, nehmt euch ein Beispiel daran!“ Sekunden später sitzen alle schweigend an ihren Schreibtischen. Nur das Antippen der Computertastaturen durchbricht die Stille.




Szene 3

Am darauffolgenden Tag besuchen Inspector Fag und sein Assistent Lieutenant Fagot die Gerichtsmedizin. Der Leiter der Pathologie - natürlich eine schöne, extrem gepflegte Frau von Mitte dreißig - weiß über alles Bescheid. „Die Todesursache waren lediglich die aus nächster Nähe abgefeuerten drei Schüsse! Wir konnten sonst keine Spuren von Gewalteinwirkung an seinem Körper feststellen!“ „Das paßt zu meiner Theorie!“, sagt Fag. „Zu welcher Theorie?“ „Daß das Opfer den Täter gekannt haben muß, John!“ Fagot wird augenblicklich rot wie ein Puter. „Oh, ja! Sie haben wie immer recht, Sir! Aber woher wissen Sie das von den fehlenden Einbruchsspuren? Die Spurensicherung ist mit der Auswertung der am Tatort gefundenen Spuren noch gar nicht fertig!“ „John, Sie wissen doch ganz genau, daß meinem scharfen detektivischen Auge rein gar nichts entgeht!“, entgegnet Inspector Fag mißmutig. Er wendet sich wieder an die Pathologin: „Wurden irgendwelche Spuren von Drogen oder bewußtseinsverändernden Substanzen im Körper gefunden?“ „Jede Menge! Der Kerl war vollgepumpt mit Heroin, Kokain, Alkohol, Marihuana und Tabletten gegen chronische Gastritis!“ „Chronische Gastritis! Was es alles gibt!“, wundert sich Fag. „Das erhärtet nur meinen Verdacht: Der Mörder muß einer seiner Künstlerfreunde gewesen sein! John, ich bin ein Genie! Berichten Sie das sofort unserem Boß!“ „Daß Sie ein Genie sind?“ „John, das weiß er doch bereits!“ „Oh ja, natürlich!“ Wie so oft wird Fagots Gesicht rot wie ein Lavastrom. Fag lutscht zufrieden an einem Cigarillo. Endlich gibt es eine heiße Spur! Für die sicher nur einen Tag benötigende Aufklärung des Falls ist das ein guter Ansatz, denkt sich der Inspector und verläßt ohne Verabschiedung die Pathologin und ihr hauptsächlich aus schönen, jungen Frauen bestehendes Team. Die Spurensicherung befragt er allerdings nicht mehr. Er weiß ja schon alles, dessen ist er sich sicher, außerdem hat er Hunger. Fröhlich besucht er den der Pathologie gegenüber liegenden Donut-Laden.




Szene 4

Doch auch der Rest der Truppe kann mittlerweile mit Ergebnissen aufwarten - aber nur dank der tatkräftigen Unterstützung der Frauen. Tatsächlich war Pam Andersons Vermutung richtig: In den letzten beiden Monaten fanden innerhalb weniger Wochen mehr als zwanzig mit einer Pistole des Kalibers 38 begangene Einbrüche statt. Und nicht nur das: Bei allen Einbrüchen wurde fast nichts gestohlen, die Opfer wurden jedoch stets schwer verletzt. Liz Taylor, die wunderschöne, superschlaue, topgestylte Schwarzhaarige, kombiniert im Rahmen einer Teamsitzung sofort: Die Verbrechen stehen miteinander in einem Zusammenhang! Zudem steht der Mord an Tom Bruise möglicherweise ebenfalls in einem unmittelbaren Zusammenhang mit den Einbrüchen. Das Kaliber der bei den Einbrüchen verwendeten Waffe ist identisch mit dem Kaliber der Mordwaffe. Fazit: Die am Tatort sicher gestellten Fingerabdrücke müßten mit denen der Einbrecher übereinstimmen. „Aber es gab keine Fingerabdrücke!“, stellt der an Geistesgegenwart und Schlauheit den übrigen Teammitgliedern ebenbürtige Tom Hut fest. „Richtig und deshalb müssen wir unbedingt die Waffe finden, um die darauf befindlichen Fingerabdrücke mit denen der Einbrecher zu vergleichen!“, kommt es aus Liz Taylors Mund wie aus der Pistole geschossen. Natürlich wird dieser Fall im Rahmen eines an einem einzigen Tag stattfindenden Brainstormings gelöst - wie bei allen bisherigen Fällen. Und wie bisher sind alle Teammitglieder mit derselben Intelligenz ausgestattet. Keiner ist auf den Mund gefallen. Keiner hinkt den anderen in irgendeiner Weise hinterher. Schlechte Tage kennt dort auch niemand. „Wir könnten die Sache auch umgekehrt angehen!“, wirft Lieutenant Gonzalez plötzlich ein. „Wir haben dasselbe Kaliber, aber nur bei den Einbrüchen liegen Fingerabdrücke vor. Ich schlage vor, daß wir zuerst nach vergleichbaren Fingerabdrücken suchen! Wir müssen doch nur das FBI nach Ergebnissen zu den Abdrücken befragen und schon haben wir den Täter!“ Wie immer ist alles so einfach. McFart ist wieder einmal sprachlos vor Begeisterung. Seinem Mund entfährt lediglich der Kommentar: „Großartige Idee, Joe! Ich würde vorschlagen, Liz, Pam und Tom bearbeiten ihre Spur und der Rest der Truppe bearbeitet seine!“ Da stürmt Fag ins Büro: „Ich hab Neuigkeiten, Chief! Der Täter kann unmöglich ein Fremder gewesen sein! Das Opfer muß ihn gekannt haben! Darauf weisen die fehlenden Einbruchsspuren sowie die fehlenden Kampfspuren hin!“ „Ist das wahr?“, fragt Chief McFart unnötigerweise. „Ja und da ist noch was: Das Opfer feierte kurz vor seinem Tod eine Party! Es war bis oben hin mit Drogen und Alkohol abgefüllt! Ich würde vorschlagen, daß wir uns seinen Freundeskreis mal näher ansehen!“ Chief McFart legt wie immer seine Stirn in Falten: „Wissen wir denn etwas über seine Freunde?“ „Sie sind Schauspieler und Junkies wie er! Künstler eben!“, entgegnet Fag. Natürlich trifft einer der Frauen der nächste kluge Gedanke wie ein Blitz. Pam Anderson weiß sofort Rat: „Wir müssen seine letzte Frau ausfindig machen! Nur sie weiß, wer seine letzten Freunde waren und wie sie hießen!“ „Nichts zu machen!“, kontert Fag, „Die die sitzen alle auf den Bahamas, lassen sich die Sonne auf die Bäuche scheinen und wollen von dem Drecksack nichts wissen, sagen sie. Hab gestern ein paar Anrufe getätigt!“ „Fragen Sie sie trotzdem noch mal und drohen Sie mit einem Haftbefehl, sollte die letzte Ex-Frau die Kooperation verweigern!“ „Na gut!“, stöhnt der auf einem Cigarillo herumkauende Inspector Fag, der als einziger im Team niemals einen schwarzen Anzug trägt und stattdessen einen ausrangierten braunen Regenmantel bevorzugt.




Szene 5

Ein Anruf und eine Stunde später sitzt Ex-Frau Nummer fünfzig vor dem Schreibtisch des Chiefs: „Ist das Ihr korrekter Name: Irene Emma Bruise?“ „Heiß’ nicht mehr Bruise! Hab wieder meinen Mädchennamen angenommen, Irene Emma Webster!“ „Warum sind Sie so schlecht auf Ihren verstorbenen Ex-Gatten zu sprechen?“ „Wieso? Er war ein Schwein!“ „Warum?“ „Er wollte mir nicht das Luxusleben ermöglichen, das ich mir von ihm erhofft und weswegen ich ihn geheiratet hatte!“ Die am Verhör teilnehmenden Detectives schauen einander irritiert an. „Wann sahen Sie ihn zum letzten Mal?“ „Bei unserer Scheidung vor vier Jahren! Ich sagte ihm damals, er könne sich den tollen gemeinsamen Sex, sein überaus hübsches Gesicht und seinen Luxuskörper sonst wohin stecken!“ „War das der einzige Grund für den totalen Abbruch jeglichen Kontakts zu Ihrem Mann?“, fragt der Chief weiter. Mrs. Bruise blickt ihm verwirrt in die Augen. „Na, hören Sie mal! Welchen anderen Grund für eine Scheidung gibt es denn sonst noch als den, daß der Mann kein Geld hat?“ „Ihr Mann hatte aber viel Geld!“ „Das wollte er aber nicht hergeben!“ Der Chief, Inspector Fag, Lieutenant Fagot und alle übrigen unverheirateten Männer tauschen einander plötzlich unzufriedene Blicke aus. „Aha!“, antwortet McFart nach einer Denkpause. „Und Sie sind sich sicher, daß Sie ihn zum letzten Mal vor vier Jahren gesehen haben?“ „Das sagte ich doch schon!“ „Können Sie sich an irgendwelche engen Freunde Ihres Mannes erinnern?“ „An seinen Geschäftsbeziehungen war ich nie interessiert! Außer Geschäftsbeziehungen hatte er nämlich keine Freunde!“ „Und mit wem hatte er am engsten zusammengearbeitet? Wer hatte am meisten mit ihm zu tun?“ „Das weiß ich wirklich nicht mehr! Wie soll ich das nach vier Jahren noch wissen? Wie gesagt war ich nie an seinen privaten und an seinen geschäftlichen Verbindungen interessiert!“ „Es ist wichtig! Sie müssen sich daran erinnern! Versuchen Sie sich doch, an Ihre Cocktailpartys von vor vier Jahren zu erinnern!“ „Ich seh schon, das wird nichts mehr!“, wirft Fag ungeduldig ein. „Nein, warten Sie, da fällt mir doch jemand ein: Fred oder Sam Kraut. Den Vornamen weiß ich nicht mehr, aber er war recht häufig Gast in unserer 100-Zimmer-Villa!“ „Gut! Ich danke Ihnen, Mrs. Webster! Bitte halten Sie sich zu unserer Verfügung!“ „Miss Webster, Chief!“ „Ah ja, genau! Auf Wiedersehen!“ Ms. Webster verläßt das Büro des Chiefs, der Fag sofort Anweisungen erteilt: „Versuchen Sie, etwas über diesen Sam oder Fred Kraut rauszufinden, Inspector!“ Der Inspector eilt müde zu Pam Anderson und überläßt ihr diese Arbeit. Die weiß als Frau selbstverständlich innerhalb von Sekunden alles über Fred Kraut, einem wegen Betrugs und Hochstapelei mehrfach vorbestraften Gangster. „Ich freß einen Besen, wenn das nicht unser Täter ist!“, flüstert er ihr im Vorbeigehen zu.




Szene 6

Am nächsten Morgen sitzen Pam Anderson, Joe Gonzalez, Tom Hut, der Chief, Fag und dessen Assistent wie immer pünktlich um acht Uhr morgens im Büro. Sie sind hochmotiviert wie immer. Schlechte Tage kennen sie nicht. Auch ein Privatleben haben sie keines, aber das stört freilich niemanden. Ganz besonders motiviert sind natürlich die Frauen. Deshalb sitzt Fred Kraut, ein wie alle im Büro Anwesenden teuer gekleideter, blonder, blauäugiger Brillenträger mit ovalem Gesicht, bereits um acht Uhr fünfzehn vor dem Schreibtisch des Chiefs. Pam Anderson verbrachte beinahe die ganze Nacht vor dem Computer, tätigte Anrufe, druckte FBI-Fahndungsfotos aus und sitzt trotzdem schon um sieben Uhr fünfundvierzig topfit auf ihrem Schreibtischsessel. Das Ergebnis liegt dem Chief selbstverständlich als vollständiger Bericht vor, der seiner Lieblingsuntergebenen ständig ein Lächeln, oder besser, ein notgeiles Grinsen schenkt und auch während des Verhörs seinen Blick nicht von ihr abwenden kann. „Zum Neidischwerden, nicht wahr?“, flüstert Inspector Fag seinem Assistenten zu, dem seine Verwirrtheit als tiefe Stirnfalten ins Gesicht geschrieben steht. „Wie bitte, Sir?“, antwortet dieser, während Fag, dem Pams wohlwollende Erwiderung der Avancen des Chiefs nicht entgangen ist, wie so oft gedankenverloren auf einem nicht entzündeten Cigarillo herumkaut. Rauchen ist nämlich in allen Räumlichkeiten des Reviers verboten. „Nun, Mr. Kraut? In welchem Verhältnis standen Sie zum ermordeten Mr. Tom Bruise?“, fragt der Chief den vor ihm sitzenden Fred Kraut. „Tom Bruise? Den Namen hör’ ich heute zum ersten Mal!“ „Wir wissen, daß Sie geschäftliche Beziehungen zu ihm unterhielten! Leugnen ist zwecklos! Außerdem wissen wir von Ihren Beziehungen zur Russenmafia und zu chinesischen Mafiabanden!“ „Also gut, ja, ich hatte einmal etwas mit ihm zu tun!“ „Einmal? Laut Aussage eines Zeugen waren Sie Dauergast im Hause Bruise!“ „Das war vor Jahren und es ging eben nur um ein Geschäft!“ „Um was für eine Art Geschäft handelte es sich, Mr. Kraut?“ „Tom Bruise war Künstler! Ich vermiete Ausstellungsräume und Bühnen an Künstler! Das ist alles legal! Das können Sie nachprüfen!“ „Das werden wir auch, Mr. Kraut!“, poltert der Chief und setzt sein alltägliches, stets in Sorgenfalten gelegtes Gesicht auf. „Inspector Fag, organisieren Sie einen Hausdurchsuchungsbefehl für das Atelier von Mr. Kraut!“, ordnet der Chief schließlich an. Fag lutscht derweil geistesabwesend an seinem Cigarillo. Die Sache sieht nach harter Arbeit aus. Er delegiert diese Aufgabe an seinen Assistenten, der sie gehorsam wie ein Soldat übernimmt. „Jawoll, Sir!“, sagt er und schlägt dabei fast die Hacken zusammen. Als sowohl der Inspector als auch dessen Assistent und der Verdächtige die Tür hinter sich schließen, fragt der Chief in die Runde: „Nun? Was haltet ihr davon?“ „Der Kerl ist eindeutig schuldig!“, antwortet Lieutenant Gonzalez wie aus der Pistole geschossen. „Zumindest haben wir jetzt einen Verdächtigen!“, fügt die an Intelligenz und Weitblick Pam Anderson ebenbürtige Liz Taylor vorsichtig hinzu. „Wir müssen die Tatwaffe finden! Ohne die werden wir den Fall nicht lösen können!“, fällt Detective Tom Hut ein. „Genialer Gedanke, Tom!“, pflichtet ihm der Chief bei. „Daß mir das nicht eingefallen ist!“, sagt er kopfschüttelnd. „Gonzalez! Informieren Sie Fag darüber! Er soll sich vor allem nach der Waffe umsehen! Ach, Pam … Kann ich Sie einen Augenblick allein sprechen?“ Bis auf Pam Anderson verlassen alle das Büro. „Was gibt es?“ „Könnten wir nicht wieder mal gemeinsam essen gehen - so wie früher?“ „Burp, du weißt doch, daß das nicht funktionieren würde! Liebe im Büro geht nie gut!“ „Ja, ich weiß: Ich hätte nicht mit Liz schlafen sollen! Das war ein Fehler! Ich hätte dich nicht ihretwegen verlassen dürfen! Meine Frau ist außerdem mit einer Scheidung einverstanden! Komm zu mir zurück, Baby!“ „Aber ich habe doch dich verlassen! Burp, darum ging es doch gar nicht! Ich suche einen Mann, der mir Halt und Geborgenheit geben kann und das weißt du! Das schafft eben nur ein reiferer Mann! Und darum wollte ich dich!“ „Ich habe geerbt! Ich bin jetzt reich, Pam! Mein kürzlich verstorbener Onkel aus Wisconsin hatte eine große Ranch! Das Viehzuchtgewerbe war sehr einträglich! Außerdem war er der Besitzer einer sehr einträglichen Ölquelle in Texas! Ich werde alles verkaufen! Mein Steuerberater meint, wenn ich das tue, habe ich für den Rest meines Lebens ausgesorgt!“ „Ist das wahr? Das ändert freilich alles! Willst du mit mir schlafen, Burp?“ „Laß uns für immer von hier verschwinden, Pam! Aber zunächst müssen wir diesen Fall knacken! Danach mach ich dich zu meiner Nachfolgerin, wenn du das willst - und wenn du regelmäßig mit mir schläfst!“ „O.k., Burp, was immer du willst …!“, haucht sie ihm ins Ohr, während er leidenschaftlich ihren Hals küßt. „Ich wollte immer nur dich!“, stöhnt er und öffnet langsam die Kragenknöpfe ihrer makellos weißen Bluse. „Deine Armani-Anzüge sind so sexy!“, seufzt sie voller Sehnsucht.


Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 62
ISBN: 978-3-99064-789-9
Erscheinungsdatum: 12.08.2020
EUR 13,90
EUR 8,99

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