Erotik & Sinnlichkeit

Wie angeln wir uns einen Mann?

Renate Klimke

Wie angeln wir uns einen Mann?

Florida Romanzen 4

Leseprobe:

1. Kapitel

Bereits in vorweihnachtlicher Stimmung, schlenderte die neue Bürgermeisterin von Port Charlotte, Kirstin Sinclair-Martin, die Hauptstraße entlang. Begeistert betrachtete sie den Aufschwung der Fußgängerzone. Ihr Wahlversprechen, welches dazu beigetragen hatte, die Wahl zu gewinnen, wurde mit viel Elan umgesetzt. Verzückt blieb sie vor den Auslagen der alteingesessenen und kürzlich eröffneten Geschäfte stehen, und überlegte, welche Branchen noch in Planung waren. Sie freute sich auf jeden Neuzugang. Ihr Konzept hatte sich bewährt. Die Umgestaltung der Hauptstraße in eine Fußgängerzone hatte viele Bürger angezogen.
Überhaupt hatte sich im letzten Jahr viel in ihrem Heimatort verändert.
Genau genommen begann der Aufschwung vor drei Jahren, als ehemalige Schulfreundinnen ein zehnjähriges Klassentreffen organisierten. Viele Exschüler aus verschiedenen Bundesstaaten hatten daran teilgenommen, und einige waren sogar nach Port Charlotte zurückgekehrt.
Die Clique, bereits zu Schulzeiten beste Freunde, gründete damals die Stiftung The Magic Company, die ziemlich rasch kleine Veränderungen bewirkte.
Das erste Projekt der Organisation war der Kauf einer alten, nicht mehr genützten Orangenplantage mit sechs baufälligen Häusern und einem entlegenen Cottage. Vier der Bungalows waren mit Spenden und dem Erlös verschiedener Benefiz-Veranstaltungen renoviert und vermietet worden. Allerdings musste jeder der Mieter sich zu einem bestimmten Beitrag in Form einer Mithilfe verpflichten. Die Bewohner waren ein Mix aus Jung und Alt. Dieses Konzept funktionierte hervorragend, und in der Zwischenzeit konnte sich Sunshine-Manor alleine erhalten; es war sogar die Sanierung der restlichen zwei Häuser in Planung.
Das nächste Projekt war die Renovierung des örtlichen Waisenhauses gewesen. Zusätzlich unterstützte die Stiftung viele bedürftige Menschen.
Kirstin konnte mit gutem Recht behaupten, dass die Stadt Fortschritte aufzuweisen hatte, seit sie im Amt war. Viel verdankte sie den Stiftungsmitgliedern, die mit ihr an einem Strang zogen. Deshalb konnte sie sich voll und ganz auf ihr nächstes, mit einigen Bürgern von Port Charlotte beabsichtigtes Vorhaben, den Bau eines Hotelkomplexes, konzentrieren. Ein weiteres Projekt, der Bau eines Konferenzzentrums, musste leider noch warten. Aber es würde definitiv durchgeführt werden.
Gleich anschließend an ihren Bummel durch die Fußgängerzone machte sie sich auf den Weg nach Eden, wo sich heute endlich alle Interessenten und Investoren der Hotelanlage zu einer ersten Besprechung trafen, damit das Bauvorhaben schließlich umgesetzt werden konnte. Letztendlich war die Gemeinde Port Charlotte, dank Kirstins Wahlsieg, Teil dieses Kartells und somit Miteigentümer. Wenn die Investoren sich heute einig wurden, konnte der Bau zügig beginnen. Kirstin schritt schneller aus, damit sie eine der Ersten auf Eden war, um die neuen Finanzleute ungestört vorab in Augenschein nehmen zu können. Sie machte sich gerne in aller Ruhe ein Bild von den Menschen, mit denen sie in Zukunft zusammenarbeiten würde. Voller Tatendrang stieg sie auf dem Parkplatz am Ende der Fußgängerzone in ihr Auto.
?Eines dieser Teammitglieder tigerte nervös im Hideout, einer Wellness-Anlage, auf und ab, und versicherte sich ständig, der Aufgabe gewachsen zu sein, die sein langjähriger Freund Carlo Daniels ihm trotz seiner Vergangenheit zutraute.
Erst vor einer Woche war er am Privatflughafen von Eden gelandet. Für Anthony Dexter bedeutete dieses Nachhausekommen eine Chance auf einen Neuanfang.
Als Carlo entschieden hatte, sich am Hotelkomplex zu beteiligen, beauftragte er einen weiteren Schulfreund, Cole Jameson, den Inhaber einer Privatdetektei, den Aufenthaltsort ihres gemeinsamen Jugendfreundes Anthony Dexter auszuforschen. Anthony war nach Problemen mit seiner Frau untergetaucht. Sobald Cole ihn gefunden hatte, flog Carlo zu Tony und hatte eine ernste Unterredung mit ihm. Carlo stelle ihm einen Job in Aussicht, sollte er sich entscheiden, sein Leben, mit Unterstützung seiner Freunde, wieder in den Griff zu bekommen. Kyle McBride, ein weiterer Kumpel aus der Clique, sagte zu, Anthony im Hideout, einer Wellness-Oase, aufzunehmen, und Christabel Wild, die Kurärztin, versprach, ihn während einer Entziehungskur zu betreuen. Carlo versicherte Tony, dass er für dieses Bauvorhaben gebraucht wurde, weil er genau der Richtige war. Er gehörte hier in seine Heimatstadt. Alle seine ehemaligen Schulkameraden würden ihn, ohne viele Fragen zu stellen, unterstützen. Er war immer noch ihr Freund, verbürgte sich Carlo.
Nach diesem ernsthaften, Mut machenden Gespräch verließ Carlo Tony wieder, denn er hatte zur Bedingung gemacht, dass Tony seine Entscheidung ganz alleine, ohne Beeinflussung treffen musste.
In einem hellen Moment war Tony endlich bereit gewesen, Hilfe anzunehmen. An diesen Flug erinnerte er sich wie an einen Meilenstein in seinem Leben. Er hatte neben Carlo, mit Grant Jameson als Pilot, in dessen Jet gesessen. Mit Unbehagen dachte er an das peinliche Wochenende, als Grant und Carlo ihn nach seinem Hilferuf in einem kleinen Nest in Louisiana, wo er sich verkrochen hatte, aufgelesen hatten. Nach einer furchtbaren Nacht war er noch nüchtern genug gewesen, um sich an Carlos Angebot zu erinnern. Er hatte endlich eingesehen, dass er dringend Hilfe benötigte. Er wollte so nicht weiterleben und rief Carlo an.
Und seine Freunde waren zur Stelle gewesen.
Carlo zögerte nicht eine Sekunde seinen Freund nach Port Charlotte zu holen. Anthony Dexter war einmal ihrer aller Vorbild gewesen. Er war drei Schulklassen über ihnen zur Schule gegangen und hatte im Laufe der Jahre alle Auszeichnungen, die möglich waren, gewonnen. Ob schulische Diplome oder sportliche Trophäen, Tony hatte sie alle eingeheimst. Nach dem Studienabschluss mit summa cum laude wurde er einer der bestbezahlten und begehrtesten Architekten im Lande. Um sein Glück vollkommen zu machen, heiratete er bald nach dem Beginn seines Karriere-Booms eine texanische Ölprinzessin, und alle beneideten ihn um seine Karriere und seine Frau.
Leider war ihm das Glück nicht hold geblieben. Bis heute hatte Tony mit niemandem darüber gesprochen, was genau geschehen war. Bekannt waren jene Probleme zwischen ihm und seiner Frau, die in allen möglichen Zeitschriften breitgetreten wurden, gespickt mit entsprechenden Kommentaren seines Schwiegervaters, der auf den Ehemann seiner Tochter bitterböse war, als der nicht mehr nach seiner Pfeife tanzte. Anthony begann zu trinken, und seine Eskapaden wurden landesweit in den Medien erörtert. Schließlich warf seine Frau ihn aus ihrem Elternhaus, wo sie mit ihm und ihren beiden Kinder wohnte, hinaus, behielt die Kinder und drohte mit Scheidung.
Daraufhin tauchte er unter. Zuerst beabsichtigte er nur den Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, und später verhinderte er damit, dass ihm die Scheidungspapiere zugestellt werden konnten. Leider fiel er in ein tiefes schwarzes Loch und betäubte seinen Schmerz mit Alkohol.
Nachdem er um Hilfe gebeten hatte, war er gerührt gewesen, als Carlo mit Grant Jameson, dem Besitzer eines privaten Charterbetriebes, zu seiner Rettung nach Louisiana kam. An diese Begebenheit erinnerte er sich nur verschwommen. Sie trafen ihn völlig verwahrlost, übernächtigt und mit einem Kater in einer heruntergekommenen Absteige. Seine armseligen Sachen waren schnell zusammengepackt. Schwieriger war es, ihn auf die Beine zu bringen, doch mit einem ordentlichen Frühstück und einer Menge schwarzem Kaffee gelang es den beiden endlich, Tony ins Flugzeug zu verfrachten. Dort schlief er bis zur Landung, was bei dem Kaffeekonsum schon sehr verwunderlich war. Aber alles, was zählte, war, dass er sich entschieden hatte, ein neues Leben zu beginnen.
?Froh, dass sich Tony endlich aufgerappelt und einem Entzug zugestimmt hatte, plante Carlo die nächsten Schritte. Auf jeden Fall würde Anthony im Wellness-Hideout die notwendige Hilfe erhalten. Nicht nur für Tony würden die nächsten Wochen anstrengend werden. Auch Carlo erwarteten turbulente und stressige Tage. Endlich trafen sich alle Interessenten auf De Angelos Eden zu einem ersten Kennenlerngespräch. Dominic, das Familienoberhaupt der De Angelos, hatte für ihr erstes Meeting mit dem Gremium sein Heim zur Verfügung gestellt. Carlo hatte bei seinem Interesse am Hotelprojekt gebeten, den Architekten, der die Planung übernahm, vorschlagen zu dürfen, ohne Anthonys Namen zu erwähnen. Er hoffte damals inständig, dass sein Freund sich bis dahin aufgerappelt hätte.
Seit diesem Gespräch hatte sich einiges verändert. Tony hatte sein sich gegebenes Versprechen gehalten und seither keinen Tropfen Alkohol angerührt. Natürlich war er nicht geheilt, aber er hatte derzeit einen klaren Kopf, und er hatte fleißig gearbeitet.
Anthony erinnerte sich an die Zweifel, die er damals Carlo und Grant gegenüber vorbrachte.
„Wenn ich mit dem Entzug beginne, werde ich zu nichts zu gebrauchen sein!“, gab er zu bedenken.
Selbstverständlich hatte Carlo Tonys Krankheit berücksichtigt.
„Deshalb schauen wir uns gleich morgen früh das Grundstück an“, entschied er. „Du bekommst einen Laptop mit den notwendigen Programmen und ein Handy. Wann immer dir danach ist, kannst du arbeiten, wenn du Ruhe möchtest, hänge das Schild ‚Bitte nicht stören‘ vor die Tür, und schalte das Telefon ab. Wenn du Gesellschaft möchtest, rufe einen von uns an, wenn du Hilfe brauchst, wird Christabel oder einer der Masseure immer für dich da sein. Auf Wunsch werden dir deine Lieblingsgerichte gekocht. David, der musikalische in der Clique, besorgt dir Musik, die dich entweder beruhigt, aufbaut oder beflügelt, was immer du brauchst. Und obendrauf werden die magischen Hände der Masseure deine Schmerzen wegzaubern. Brad Lewis steht dem Hideout als Psychologe zu Verfügung. Mit ihm kannst du jederzeit reden“, versicherte ihm Carlo.
„Danke von ganzem Herzen, das werde ich euch mein Leben lang nicht vergessen, und ich enttäusche euch bestimmt nicht.“
„Es ist nur wichtig für dich, dass du nicht scheiterst“, versicherte Carlo.
„Ich habe mir vorgenommen, einen Schritt nach dem anderen zu tun, von Tag zu Tag zu leben und nicht weiter vorauszuplanen. Ich bin überzeugt, dass ich es durchstehe.“
Ein unbändiger Wille hatte ihn trotz seiner Besorgnisse durchhalten lassen. Und heute war die Feuertaufe. Er würde der Investorengruppe seine Pläne vorlegen und war gespannt, ob sie zustimmen oder ablehnen würden. Obwohl ihm Carlo immer wieder versicherte, welch großartige Arbeit er geleistet hatte, fühlt er sich unsicher. Er wünschte sich so sehr einen Drink, dass es schmerzte. Zur Beruhigung machte er einige Atemübungen, die Christabel ihm beigebracht hatte. Es wird schon gut gehen, betete er wie ein Mantra vor sich hin. Viel Zeit zum Grübeln blieb ihm nicht, denn Carlo holte ihn bereits ab, um nach Eden zu fahren.
?„Na, Frau Bürgermeisterin“, begrüßte Dominic De Angelos, der Hausherr von Eden, Kirstin. „Ich habe mir schon gedacht, dass du überpünktlich sein wirst.“
„Bin ich so leicht zu durchschauen?“, grinste diese. „Immerhin habe ich lange auf den Moment hingearbeitet. Fast zweifle ich daran, dass wir endlich loslegen können. Wenn ich mit meinen eigenen Augen alle Investoren gesehen habe, fällt mir ein Stein vom Herzen. Verrätst du mir endlich, wer sich angesagt hat und ob auch wirklich alle hier sind?“
„Na gut, damit du dich beruhigst. Mein Sohn Travis als Schirmherr und Vertreter der De Angelos und natürlich Cade Jameson, der Carlos Hotels leiten würde“, begann er aufzuzählen. „Carlo bringt Anthony Dexter mit, und auf einige warten wir noch.“
Dominic geleitete Kirstin ins Haus. Nach einer allgemeinen Begrüßung seufzte Kirstin. „Mein Gott, ich flippe gleich aus, wenn die angesagten Interessenten nicht bald auftauchen!“
Dominic schaute sie lächelnd an. So war Kirstin eben, ein Hansdampf in allen Gassen. Kirstin trat auf die Terrasse, von welcher die Zufahrt überblickbar war. Suchend schirmte sie mit ihrer Hand ihre Augen ab. Nach einer gefühlten Ewigkeit stieg ein attraktiver Mann mit einer jungen Lady im Schlepptau aus einem Auto aus, gleichzeitig trafen auch Carlo und Anthony ein.
„Du zerspringst gleich vor Neugierde“, zog Dominic sie auf. „Das ist Charles McGrawth“, deutete er auf den Ankömmling. „Die junge Dame kenne ich nicht. Die weiteren Interessenten, Amandas Internatsfreundinnen, sind schon gestern angekommen. Ich habe sie zwar noch nicht getroffen, aber gehört. Sie befinden sich oben in den Gästezimmern. Wahrscheinlich quetscht meine Tochter sie aus wie eine Zitrone. Ich werde sie holen, bevor du noch hyperventilierst“, lachte Dominic. Kurz abgelenkt durch das Erscheinen von Mr McGrawth wartete er ab.
„Entschuldigen Sie unsere Verspätung. Irgendwie hat sich seit unserer Kindheit vieles verändert, und wir haben uns verfahren“, gab Charles unbefangen zu und streckte Dominic zum Gruß die Hand entgegen. „Aber nun bin ich bereit, mich ganz den Geschäften zu widmen. Lady, Gentleman, darf ich Ihnen meine Schwester Mathilde, sie bevorzugt es aber, Mattie gerufen zu werden, vorstellen? Sie hat vor, sich indirekt am Hotelprojekt zu beteiligen. Ihre Absicht wird sie Ihnen zu gegebener Zeit gerne erklären.“
„Nett, sie beide kennenzulernen, folgen Sie mir bitte in mein Arbeitszimmer, wir warten noch auf eine junge Lady“, wies Dominic ihnen den Weg.
Da kam auch schon Amanda, Dominics Tochter, mit zwei ihrer langjährigen Freundinnen, Zimmergenossinnen aus dem Schweizer Internat, auf sie zu. „Kirstin“, nickte sie der Bürgermeisterin zu. Dann wandte sie sich an ihren Vater: „Dad, du erinnerst dich noch an meine Freundinnen Tara Hutton und Kate Midway?“
„Natürlich, aus den kleinen Mädchen sind aber wunderschöne junge Damen geworden. Wie meine Amanda auch“, schmeichelte er den Mädchen. „Welche der beiden Damen möchte nun bei unserem Hotelprojekt mitmachen?“
„Ich habe meine Absicht geändert, aber das ist ein klein wenig kompliziert“, erklärte Kate. „Wir haben beide“, sie deutete auf Tara und sich, „einen großen Scheck mitgebracht, wobei ich auf der Fahrt vom Flughafen durch Ihre wunderschöne Landschaft, Mr De Angelos, meine Meinung geändert und umdisponiert habe. Ich möchte mir einen anderen Traum erfüllen. Aber Tara will in das Hotelprojekt einsteigen.“
„Und was haben die De Angelos und Port Charlotte mit dem Meinungsumschwung zu tun?“, fragte Dominic neugierig.
„Das besprechen wir in Ruhe ein anderes Mal“, schlug Kate vor. „Wenn mein Großvater auch noch nicht weiß, dass ich sein Geschenk nicht in das Hotelprojekt investieren werde.“
„Kate, ich darf doch noch Kate sagen?“, erkundigte sich Dominic. „Gerne höre ich mir deine Idee an. Heute aber kümmern wir uns um das Hotelprojekt. Tara, ich darf dich doch noch Tara nennen?“, wandte er sich nun an die zweite Freundin von Amanda. „Herzlich willkommen. Ich überlasse es dir, dich selbst vorzustellen und die Anwesenden zu überzeugen, dass du die richtige Geschäftspartnerin bist.“
Selbstbewusst betrat Tara den Raum, neigte huldvoll den Kopf und setzte sich auf einen freien Stuhl. Ganz Südstaatenschönheit, entschied Carlo für sich. Nicht schlecht.
„Da wir vollzählig sind“, bemerkte Travis, „beginnen wir.“
„Endlich“, murmelte Kirstin vor sich hin.
„Ich schlage vor, obwohl einige von uns sich bereits kennen, stellen wir uns den anderen vor. Jeder erzählt einfach, warum er bei diesem Projekt mitmachen will und was seine Vorstellungen sind. Danach erklärt uns Carlo das Konzept, und wenn alle mit diesen Bedingungen einverstanden sind, können wir die nächsten Schritte festlegen“, schlug er vor.
„Gestatten Sie, dass ich Ihnen eine Frage stelle?“, warf Tara ein. „Mr De Angelos …“
„Travis“, unterbrach er sie. „Bitte nennen Sie mich Travis.“
„Travis, wir durften gestern Ihr Imperium besichtigen. Ihr Bruder stellt sich der Wahl zum Gouverneur von Florida, Sie besitzen eine Internetfirma, Ihr Bruder Rick ist Tierarzt und Ihr Bruder Lucas betreibt einen Teil der Farm. Warum haben Sie Interesse an einem Hotelprojekt, welches weder Sie noch ein anderes Mitglied Ihrer Familie leiten möchte?“
„Erstens“, antwortete Travis, „gehört, wie gesagt, ein Teil des Landes, auf dem die Hotels errichtet werden, meiner Familie, und wir sehen es als unsere Pflicht an, sicherzustellen, dass es nach unseren Vorstellungen bebaut wird. Zweitens haben wir großes Interesse an unserer Heimatstadt und sind dagegen, dass große Konzerne mit riesigen Glashochhäusern unsere Landschaft verschandeln, und drittens gefällt uns das Konzept von Carlo ausgezeichnet. Es ist einmal etwas anderes, Neues auszuprobieren und für die Bürger in Port Charlotte Arbeitsplätze zu schaffen und gleichzeitig unsere Stadt für den Fremdenverkehr attraktiv zu machen, jedoch nicht für den Massentourismus“, schwächte er ab. „Noch Fragen?“
„Nein, danke.“ Mit einem unnachahmlichen Kopfnicken fühlte Travis sich wie ein Untergebener entlassen. Er lächelte in sich hinein. Diese Schönheit war für allerhand Überraschungen gut.
„Carlo, möchtest du weitermachen?“, übergab Travis das Wort an Carlo.
„Gerne, ich bin Carlo Daniels von Daniels Industries. Ich bin hier in Port Charlotte aufgewachsen, lebte aber mehr als zehn Jahre in Italien und leitete von dort aus auch mein amerikanisches Unternehmen. Bis jetzt hat Daniels Industries noch nicht in Hotels investiert. Schon als ich auf The Magic Company aufmerksam wurde, bekam ich wieder an meiner Heimatstadt Interesse. In der Zwischenzeit habe ich hier einen Wohnsitz und pendle mit meiner Familie zwischen Italien und Port Charlotte hin und her. Als uns Kirstin von ihrer Wahlkampfidee erzählte, überlegte ich mir ein Konzept und beschloss, falls dieses Gefallen findet, einzusteigen. Ich werde keines dieser Hotels leiten. Dafür habe ich Cade Jameson anwerben können. Er ist der Fachmann. Überdies gehört Anthony Dexter zu meinem Team, er ist der Architekt, der meine Ideen umsetzen wird. Und somit gebe ich das Wort an Cade weiter.“
„Carlo hat mich ja schon vorgestellt. Ich habe bis jetzt ein Hotel auf den Bahamas geleitet. Da aber Port Charlotte auch meine Heimatstadt ist, haben mich meine Brüder über dieses Konzept informiert und mich überredet hier mitzumachen. Ich werde Carlos Hotels leiten. Ehrlich gesagt ist einer der Hauptgründe, Carlos Angebot anzunehmen, dass meine Frau schon vor mir nach Port Charlotte zurückgekehrt ist und wieder hier leben möchte. Ausschlaggebend war aber Carlos Konzept. Es hat mich felsenfest überzeugt, dass hier meine Zukunft liegt. Ich freue mich auch schon auf eine Zusammenarbeit mit Tony.“
„Ich nehme an, das war mein Stichwort“, meldete sich nun Tony. „Welcher Zufall, dass auch ich ursprünglich aus Port Charlotte stamme; ich lebte aber nach Beendigung meiner Ausbildung als Architekt in Dallas.“ Nervös schaute er in Taras und Charles Richtung. „Ich möchte zu Ihnen allen vollkommen ehrlich sein. Ich habe mein Unternehmen in Dallas verwirtschaftet und bin noch dazu alkoholabhängig. Ich bin aufgrund von Carlos Angebot, aber auf eigenen Wunsch hier, um in meiner Heimat nochmals von vorne zu beginnen. Ich bin überzeugt, dass ich gute Arbeit leisten kann. Ich habe bereits alle nötigen Vorbereitungen getroffen. Wenn alle Ideen abgewogen und angenommen sind, werde ich für die Umsetzung wieder fit und voll einsatzfähig sein. In meinem Kopf und Laptop sind schon konkrete Entwürfe entstanden. Ich bin überzeugt, dass hier unter so vielen Freunden, die mir das Gefühl geben, dazuzugehören, meine Kreativität zurückkehrt. Mir ist auch bewusst, dass es nicht einfach sein wird, aber ich bin fest entschlossen, mein Leben zu ändern.“

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 366
ISBN: 978-3-99048-131-8
Erscheinungsdatum: 12.01.2016
EUR 18,90
EUR 11,99

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