Erotik & Sinnlichkeit

Wallenbergs Klient

Antonius Walther

Wallenbergs Klient

Leseprobe:

-1-

Dr. Matthias Wallenberg kam gegen neun Uhr in seine Kanzlei. Er war schlecht gelaunt, da er im Frühverkehr mehr als eine halbe Stunde von seinem Haus in Aigen bis zur Kanzlei in Nonntal benötigt hatte.
Frau Eder, seine freundliche, etwas rundliche Kanzleileiterin, reichte ihm die Postmappe.
„Ist etwas Besonderes dabei?“, fragte er.
„Eine Verfahrenshilfe“, erwiderte sie, „§ 75.“
„75?“, wiederholte Dr. Wallenberg. „Das ist doch …“
„Jawohl, das ist Mord.“
„Das haben wir schon lange nicht mehr gehabt und jetzt noch dazu für Gottes Lohn.“
„Nun ja“, tröstete ihn die Kanzleileiterin, „wenn das Verfahren länger als drei Tage dauert, werden Sie ja nach dem Tarif entlohnt.“
„Muss schon ein besonderer Fall sein, wenn bei der Rechtspraxis des Landesgerichtes Salzburg ein Verfahren länger als drei Tage dauert.“
„Wird wohl auch diesmal nicht der Fall sein. Der Anklageschrift zufolge ist der Angeklagte geständig, außerdem ist er jugendlich.“
„Und wen soll er umgebracht haben?“
„Ein Callgirl.“
„Wie kommt ein Jugendlicher zu einem Callgirl?“
„Wie kommt ein Erwachsener dazu?“
„Wollen Sie mich aushorchen?“
„Nein, Herr Doktor. Besuchen Sie den Angeklagten in der Justizanstalt oder soll dies Tuttologo machen?“
Der Konzipient wurde Tuttologo genannt, weil er einfach alles wusste. Er war eine richtige fons et tuba juris.
„Nein, das mache ich schon selbst, sonst zeigt mich wieder so ein Zugeteilter an, weil er angeblich von unserer Kanzlei nicht ordnungsgemäß vertreten worden sei.“
Bevor Wallenberg die Anklageschrift durchlas, ließ er sich seinen Kaffee bringen und überflog die übrige Post. Die Anklageschrift war kurz. Er nahm sich vor, sie im Eröffnungsvortrag als dürftig zu bezeichnen.
„Die Staatsanwaltschaft erhebt gegen Franz Berger die Anklage, er habe am 02.05.2000 die Carola Umanuglu durch Erdrosseln mit einer Hanfschnur getötet. Er hat dadurch das Verbrechen des Mordes gemäß § 75 StGB begangen.“
In der Begründung führte die Staatsanwaltschaft aus, dass der siebzehnjährige Berger während der Ausübung des Geschlechtsaktes die neunundzwanzigjährige Prostituierte in einem Wutanfall – ausgelöst dadurch, dass sie sich über seine Leistung als Liebhaber lustig machte – getötet habe, indem er ihr gegen ihren heftigen Widerstand eine Hanfschnur um den Hals wickelte und so lange zuzog, bis durch Ersticken ihr Tod eintrat.
Wallenberg empfand an dieser Stelle eine Ungereimtheit, ohne aber sagen zu können, was ihn an der Darstellung der Tat störte.



-2-

Gegen Mittag besorgte er sich in der Untersuchungsrichterabteilung einen Sprechschein. Der kurz vor seiner Pensionierung stehende Untersuchungsrichter Dr. Mack – der vor Jahren wegen hartnäckiger Arbeitsverweigerung aus einer Zivilabteilung auf eine Untersuchungsrichterstelle hatte wechseln müssen – sagte zu ihm:
„Der Fall wird Sie nicht lange in Anspruch nehmen, der Angeklagte ist geständig. Den Vorsitz hat Dr. Vorderegger, der ja für seine straffe Prozessführung und für seine erstaunlich milden Urteile bekannt ist.“
Im Halbgesperre der Justizanstalt musste Wallenberg eine halbe Stunde warten, da sich die Gefangenen gerade bei der Essensausgabe befanden. Er las die Anklageschrift nochmals durch und dann, um sich die Zeit zu vertreiben, den Feuilletonteil der Süddeutschen Zeitung.
Zwei Tische entfernt saß eine Sozialhelferin mit einem jugendlichen Rauschgifttäter. Als Wallenberg hinübersah, fiel ihm auf, dass sich die Knie der beiden unter dem Tisch berührten. Die Sozialhelferin, ein hübsches Mädchen, kaum älter als der Untersuchungshäftling, hatte ihre Hand auf dessen Arm gelegt und sprach begütigend auf ihn ein. Wallenberg bemühte sich, nicht zuzuhören, bekam aber dennoch mit, dass die beiden sehr sachkundig und in gegenseitigem Einvernehmen die Vor- und Nachteile – insbesondere juristischer Art – einzelner Rauschmittel besprachen.

Zwanzig nach zwölf kam ein gütiger Justizwachebeamter in die Vernehmungszelle und schob einen schmächtigen Buben vor sich her. Wallenberg überlegte kurz, ob er dem Untersuchungshäftling die Hand geben sollte. Als er sie ihm schließlich entgegenstreckte, setzte sich der Bursche, ohne sie zu beachten und sah stumm auf den Tisch, auf den Wallenberg sein Handmikrofon, einen großen Notizblock und seinen vergoldeten Kugelschreiber gelegt hatte.
„So einen Kugelschreiber hat mein Vater auch einmal gehabt. Der war aber nicht nur vergoldet, sondern echt Gold.“
„Hast du Kontakt mit deinem Vater? Wohnst du bei ihm oder hast du bei ihm gewohnt? Und weiß er von deinem … Missgeschick?“
„Mein Vater ist seit drei Jahren tot“, erwiderte der Untersuchungshäftling. Er hat sich im Gefängnis erhängt, wo er wegen betrügerischer Krida gesessen hat. Seine Leasingfirma hat mit hundertvierzig Millionen Pleite gemacht.“
Wallenberg erinnerte sich. Vor drei oder vier Jahren waren die Lokalseiten der Zeitungen voll gewesen mit Berichten über den Konkurs, die Verurteilung und den Freitod des einst angesehenen Geschäftsmannes.
„Tut mir leid, muss schlimm für dich gewesen sein.“
„Für ihn noch schlimmer. Am schlimmsten aber für meine Mutter. Wenn sie am Abend nicht ein oder zwei Flaschen Rotwein trinkt und dazu eine Valiumtablette nimmt, sitzt sie die ganze Nacht im Sessel und starrt vor sich hin.“
Wallenberg sah sich den Buben näher an. Er war schmächtig, aber nicht auf mickrige, sondern auf eine elegante Art, ja er hatte Ähnlichkeit mit einem amerikanischen Filmschauspieler, der kürzlich als bester Hauptdarsteller den Oscar erhalten hatte.

Nach kurzem Schweigen sagte der Anwalt: „Da hast du dir ja was Schönes eingebrockt. Erzähl mir das Ganze von Anfang an.“
„Da gibt es nichts zu erzählen. Ich hab’s getan und ich bin geständig. Sie haben also keine besondere Arbeit und das Gericht auch nicht. Außerdem beträgt die Höchststrafe bei einem Jugendlichen in meinem Alter fünfzehn Jahre, das Strafdrittel bekomme ich sowieso, in zehn Jahren bin ich wieder draußen. Dann bin ich siebenundzwanzig und Sie sind auch zehn Jahre älter.“
Schönes Früchtchen, dachte Wallenberg bei sich, sagte aber: „Trotzdem wäre es gut, wenn du mir etwas über dein Leben und über den Tathergang erzählen könntest. Ich kann ja schlecht in meinem Plädoyer sagen: >Der Angeklagte ist geständig und wird Ihnen, hohes Gericht, in zehn Jahren Blumen
vorbeibringen<.“
Der Häftling lächelte, sah jedoch weiter auf die Tischplatte.
„Dir ist hoffentlich klar – entschuldige, dass ich dich duze, aber du bist zwei Jahre jünger als mein Sohn -, dass vor Gericht eine verstockte Haltung keinen guten Eindruck macht. Ein Geständnis ist zwar viel wert, ein guter Eindruck aber ebenso viel.“
„Es gibt nichts zu erzählen, es war so, wie es in der Anklageschrift steht.“
„Soll ich mich mit deiner Mutter in Verbindung setzen?“
„Nein, das ist nicht notwendig, sie ist bereits verständigt worden und lehnt es ab, mich zu besuchen. Außerdem würde ich mich ihretwegen genieren. In unserer Straße nennt man sie ohnedies nur das Autohändlerflittchen.“
„Junge, Junge, du hast es wirklich nicht leicht, machst es mir aber auch nicht leicht. Nun ja, wir haben noch einige Wochen bis zur Hauptverhandlung. Da kannst du deine Meinung immer noch ändern. Außerdem wird sich der Psychiater lange mit dir unterhalten …“
„Mit dem rede ich sowieso nicht. Bei mir gibt es nichts zu untersuchen. Ich bin völlig normal. Ich habe einen Mord begangen und muss dafür bestraft werden, und damit hat es sich.“
Es war nun kurz vor dreizehn Uhr. Wallenberg verspürte Hunger, klingelte nach dem Justizwachebeamten und sagte zu diesem, als der Häftling abgeführt wurde: „Um Hilfe hat er mich nicht gebeten. Der ist so etwas von cool, der bräuchte eigentlich gar keinen Verteidiger.“
Der Justizwachebeamte nahm den Häftling beim Arm – eher väterlich als amtlich – und sagte zu Wallenberg: „In der Nacht sieht’s anders aus. Da werden die stärksten Burschen weich.“



-3-

In den nächsten Tagen war in der Kanzlei viel zu tun, Wallenberg kam kaum zum Golf spielen und verschob den geplanten zweiten Besuch bei seinem Klienten von einem Tag auf den anderen. Am Mittwoch der folgenden Woche brachte die Sekretärin mit der Gerichtspost einen Handzettel, in dem der Angeklagte um dringenden Besuch bat. Die Schrift war fahrig und verwischt, als sei der Zettel nass geworden.
Nach einer Zivilverhandlung, die wegen eines Vergleichsabschlusses früher zu Ende war, als von Wallenberg vorausgesehen, besuchte er seinen Häftling. Der bot ein Bild des Jammers, war noch dünner geworden, seine Augen waren gerötet wie von langem Weinen. Er ergriff die angebotene Hand des Verteidigers und sagte: „Bitte helfen Sie mir. Ich halte es nicht mehr aus.“
„Dazu bin ich ja da. Ich kann mir gut vorstellen, wie du dich fühlst. Ist irgendetwas im Gefängnis passiert, was dich noch mehr belastet?“
„Nein, das nicht. Ich bin mit zwei netten anderen Jugendlichen in einer Zelle, einem Polen und einem Österreicher. Der Pole ist ein Autoknacker, weint den ganzen Tag und möchte nur heim nach Polen, der Österreicher weint nicht und möchte nach Hawaii.“
„Der Wunsch, nach Polen zu kommen, wird sich nach Verbüßung der Strafhaft schnell erfüllen. So schnell kann der gar nicht gucken, wie er abgeschoben wird. Wenn der andere kein Geld hat, muss er den Flug nach Hawaii schon im Glücksrad gewinnen.“
„Es geht nicht um mich, es geht um …“
„Deine Mutter?“
„Nein, der ist ohnehin nicht zu helfen, und sie hilft mir ja auch nicht. Es geht um meine Freundin … Victoria.“
„Besucht sie dich?“
„Ja. Sie war schon zweimal da, öfter durfte sie nicht.“
„Das stimmt doch nicht, als Untersuchungshäftling kannst du im Prinzip so oft Besuch empfangen, wie du willst.“
„Es geht nicht um die Anstalt, es geht um ihre Eltern. Die haben ihr jeden Besuch bei mir verboten und sperren sie fast ein. Sie bringen sie zur Schule und holen sie nach dem Unterricht wieder ab. Sie hat mich nur besuchen können, weil sie sich in der großen Pause verdrückt hat.“
„Und was könnte ich für deine Freundin tun?“
„Ihr erklären, dass das Leben nicht vorbei ist, dass es nach zehn Jahren weitergeht. Sie glaubt es mir nämlich nicht und hat furchtbare Angst, ich könnte mir etwas antun – so wie mein Vater.“
„Das mache ich gerne. Wie heißt deine Freundin? Wo kann ich sie erreichen?“
„Sie heißt Victoria Grebnitsch und wird Sie in der Kanzlei anrufen. Das Handy haben ihr die Eltern ja nicht weggenommen.“



-4-

Wallenberg war am dritten Abschlag des Golfplatzes Altentann, als sich sein Handy aus der Golftasche meldete. Sein ständiger Golfpartner Kurt – mit wesentlich niedrigerem Handicap und Etikettereiter – war gerade beim Ansprechen des Balles. Er ließ den Driver sinken und sagte empört: „Das solltest auch du beachten, dass auf dem Golfplatz Handys verboten sind.“
Wallenberg erwiderte: „Das weiß ich sehr wohl, ich habe nur vergessen, es auszuschalten.“
„Nun nimm es schon raus. Vielleicht ist es deine Frau, die mich vom Abendessen wieder auslädt.“
Wallenberg war mit dem Handy etwas zur Seite gegangen, weil er eher mit dem Anruf seiner Freundin als mit dem seiner Frau rechnete. Davon sollte sein Golfpartner, der sich wiederum mit seiner Frau gut verstand, natürlich nichts mitbekommen.

Als sich die Anruferin mit Vicky meldete, dachte er, es sei eine Fehlverbindung. Erst als >Vicky< sagte: „Ich bin die Freundin von Berger“, erinnerte sich Wallenberg an den von seinem Mandanten angekündigten Anruf.

„Ja, ich weiß, wer Sie sind. Nur kommt mir Ihr Anruf im Augenblick recht ungelegen. Könnten Sie mich nicht in der Kanzlei anrufen?“
„Es wäre aber dringend. Wenn es irgendwie geht, möchte ich Sie heute noch sprechen.“
„Na gut, in circa drei Stunden bin ich mit der Golfrunde fertig. Wir können uns in der Stadt treffen. Am besten in meiner Kanzlei, da muss ich ohnehin noch vorbei.“
„Mir wäre es beim >Steinberger< lieber, wenn Sie wissen, wo das ist.“
„So alt bin ich noch nicht, dass ich die Jugendlokale nicht zumindest dem Namen nach kenne. Dass dies aber der richtige Ort für ein Gespräch ist, bezweifle ich.“
„Um diese Tageszeit ist im Garten noch nicht viel los. Außerdem wohnen meine Eltern ganz in der Nähe, das wäre für mich angenehmer.“
Wallenberg sagte zu und spielte die Runde zu Ende. Sein Score war – wie immer – um einiges schlechter als das seines Freundes, allerdings für seine Verhältnisse gar nicht so übel.



-5-

Beim >Steinberger< war wirklich noch nicht viel los. Der Gasthausgarten war kaum besetzt. Nur an einem langen Tisch saßen einige gut aufgelegte Jugendliche mit orangen gefärbten Haaren, Nasenringen und dazu passendem Outfit.

Wallenberg erkannte darunter den Nachbarssohn, der ihn freundlich grüßte und seinen Freunden gegenüber offensichtlich seine Verwunderung darüber äußerte, dass der Anwalt dieses Lokal aufsuchte.

In einer Ecke des Gasthausgartens saß ein Mädchen, keine siebzehn Jahre alt. Wallenberg ging zu ihrem Tisch und fragte: „Haben wir vor Kurzem miteinander telefoniert?“

„Ja, das haben wir. Ich danke Ihnen, dass Sie so rasch für mich Zeit haben. Es ist wirklich dringend.“
Wallenberg bestellte bei der Bedienung einen weißen Gespritzten. Das Mädchen hatte vor sich eine Cola stehen.
„Herr Doktor, ich kenne Sie, Sie waren vor etwa einem Jahr bei meinen Eltern eingeladen, und ich musste damals zu meinem Ärger die Gäste begrüßen.“
Wallenberg erinnerte sich nicht. Erst als das Mädchen sagte, „Meinem Vater gehört das Autohaus in der Alpenstraße“, dämmerte es ihm. Es war ein langweiliger Abend gewesen, an dem von den Gastgebern auch die aufsässigen Kinder vorgestellt worden waren.
„Du bist aber groß geworden“, entfuhr es ihm anerkennend. „Ich darf doch noch du sagen?“ Das Mädchen nickte. Mit „groß“ meinte er weniger die Größe des Mädchens als die frauliche Entwicklung. Victoria war ein ausgesprochen hübsches Ding und sah irgendwie der französischen Mariannenbüste ähnlich, nur eben einige Jahre jünger.

„Was ist denn so dringend, dass wir es heute noch besprechen müssen?“
„Es bringt mich fast um, nicht zu wissen, wie es mit Francis weitergeht.“
„Francis heißt er also bei euch. Ich habe mich schon über den Namen Franz gewundert. Er passt eigentlich gar nicht zu deinem Freund.“
„Was können Sie denn für ihn tun? Wieso sind Sie überhaupt sein Rechtsanwalt?“
„Weil ich von der Rechtsanwaltskammer dazu bestellt wurde. Das kommt daher, dass dein Francis vermögenslos und seine Mutter auch nicht in der Lage ist, ihm einen Verteidiger zu bezahlen. Das muss dich aber nicht weiter beunruhigen. Als Verteidiger bin ich bestimmt so gut wie die meisten anderen, und einsetzen werde ich mich für deinen Freund genauso, als wenn ich dafür bezahlt würde. Das ist schon eine Sache der Berufsehre.“
„Bekommen Sie wirklich gar nichts dafür?“
„Direkt nein, indirekt schon. Die Republik Österreich zahlt jährlich einen Pauschalbetrag, der aus der Summe aller Honorarnoten ermittelt wird, die die Verfahrenshelfer stellen könnten. Dieser Betrag wird aber nicht den Anwälten ausbezahlt, sondern fließt in den Pensionsfonds. In zwanzig Jahren, mit fünfundsechzig, habe ich also indirekt etwas von der heutigen Verteidigung, allerdings aufgeteilt auf alle anderen Kollegen.“
„Komisches System. Ich will Sie nicht kränken, aber würden Sie sich nicht mehr bemühen, wenn Sie nicht erst in zwanzig Jahren etwas dafür bekämen?“
„Erstens kann man das nicht ändern, zweitens dürfte ich gar nichts nehmen, und drittens habe ich dir schon gesagt, dass ich mich einsetzen werde wie für jeden anderen Klienten.“
„Das ist es ja gerade – wie für jeden anderen Klienten. Wäre es nicht möglich, dass Sie sich für Francis mehr einsetzen? Ich meine, wenn Sie doch etwas bekämen?“
„Und wer sollte mir etwas dafür geben? Deine Eltern bestimmt nicht. Die sind auf deinen Francis doch gar nicht gut zu sprechen, wie er mir gesagt hat.“
„Meine Eltern nicht, nein – aber ich. Geld kann ich Ihnen leider nicht geben, doch … Sie sind zwar schon ein älterer Herr …“
„Na ja, mit dreiundvierzig so alt auch wieder nicht.“
„Das meine ich eben, mit fünfundvierzig sind Sie vielleicht noch daran interessiert.“
„Woran soll ich interessiert sein?“
„An mir. Wenn das mit Francis gut ausgeht, können Sie mit mir – so oft, so lange und wie Sie wollen – schlafen.“
„Dagegen hätte die Rechtsanwaltskammer bestimmt etwas einzuwenden.“
„Verboten ist es nicht, ich bin schon über vierzehn und stehe zu Ihnen in keinem Abhängigkeitsverhältnis.“

„Du kennst dich ja gut aus. Verboten wäre es nicht, da hast du recht, doch sicherlich ein Verstoß gegen die Berufs- oder Standespflichten. Welche der beiden, könnte ich im Moment auswendig gar nicht sagen. Aber wie du bereits erkannt hast, bin ich – zumindest aus deiner Sicht – schon ein älterer Herr und so oft und so lange, wie ich möchte? Ich weiß nicht, ob du da mit mir eine besondere Freude hättest. Und was das ‚Wie‘ anbelangt: so viele Arten, miteinander zu schlafen, gibt es auch wieder nicht.“

„Aber doch unterschiedliche, wie man bei Francis gesehen hat.“
„Na, ich finde, die Vorstellung deines Freundes war nicht gerade überwältigend. In der Anklageschrift steht, diese Carola Umanuglu habe ihn ausgelacht, dadurch sei er in Wut geraten und habe sie getötet.“

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 174
ISBN: 978-3-99107-062-7
Erscheinungsdatum: 18.02.2021
EUR 15,90
EUR 9,99

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