Erotik & Sinnlichkeit

Together forever - Entflammt in Mahdia

Ronja Sun

Together forever - Entflammt in Mahdia

Leseprobe:

1

Anna lag nun schon fast zwei Stunden in der Sonne, die heiß vom blauen wolkenlosen Himmel schien.
Kleine Schweißperlen traten aus ihren Poren und suchten sich vereinzelt Wege, um ihren Körper entlangrinnen zu können.
Schließlich stand sie von der Liege auf, legte ihre Sonnenbrille ab, streckte ihre Arme und ihren Oberkörper dem Himmel entgegen und machte einen eleganten Kopfsprung in den Pool.
Das kühle Wasser umschlang ihren von der Sonne erhitzten Körper.
Da ihr Freund René keine Anstalten machte nachzukommen, stieg sie nach ein paar Runden schwimmen wieder aus dem Wasser und ging zur Liege.
„Schatz, ich hol uns mal etwas zu trinken“, sagte Anna.
René lag im Schatten und las ein Buch, das ziemlich spannend zu sein schien. Er nickte ihr nur kurz zu, ohne auch nur einen winzig kleinen Moment zu ihr aufzuschauen.
Ohne sich abzutrocknen, band Anna sich ihr Tuch um die Hüften und schlüpfte in ihre Flip-Flops.
Gut gelaunt schlenderte sie zur Pool-Bar.
Einige Leute waren vor ihr an der Reihe. Derweil studierte Anna die Getränkekarte. Das Angebot an Cocktails war ziemlich groß und sie konnte sich nicht entscheiden, welchen sie wählen sollte.
Sie bemerkte nicht einmal, dass sie an der Reihe war.
„Hi“, hauchte eine unwiderstehliche Stimme ihr entgegen.
Anna blickte von der Cocktailkarte auf und in die schönsten rehbraunen Augen, die sie je gesehen hatte.
Der Mund, aus dem das kleine Wort kam, verzog sich zu einem frechen und gleichzeitig charmanten Lächeln.
Um Anna war es geschehen. Noch nie hatte sie einen Mann gesehen, der sie dermaßen durch seine Schönheit aus der Bahn warf.
„Was darf es sein?“, fragte er schließlich.
Anna musste sich räuspern, um ihrer Stimme, die es ihr bei dem Anblick verschlagen hatte, wieder Leben einzuhauchen.
„Ähm … zwei … zwei Bier“, stotterte sie daher. Der Gedanke, einen Cocktail zu trinken, war wie weggeblasen.
Stattdessen beobachtete sie genau seine Bewegungen. Gekonnt lässig schenkte der Kellner das Bier ein, ohne Anna dabei aus den Augen zu lassen.
Seine Augen funkelten sie auf eine magische Weise an, wobei ihr Herzschlag von Sekunde zu Sekunde heftiger schlug.
„Bitteschön, hübsche Frau.“ Seine Stimme hatte einen unheimlich rauchigen Klang, sodass Anna trotz fünfunddreißig Grad eine Gänsehaut bekam.
Mit einem Lächeln und ihrem erotischen Augenaufschlag bedankte sie sich und wandte sich um zum Gehen.
„Mohammed“, sagte er noch.
Noch einmal drehte sich Anna um. „Wie bitte?“
„Ich heiße Mohammed“, lächelte er.
„Anna … mein Name ist Anna.“
„Ein wunderschöner Name. Genauso schön wie die Frau, die ihn trägt.“ Seine Augen blitzten dabei auf, als er das sagte, und Anna spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg.
Innerlich schmolz sie dahin. Sie nickte ihm mit einem Lächeln noch einmal zu und ging zurück zu René, der immer noch gefesselt in seinem achthundertseitigen Krimi von James R. las.
Seit sie mit René zusammen war, hatte sie nicht mehr geflirtet. Sie war seitdem noch nie in einer solchen Lage gewesen und hatte auch nie das Bedürfnis gehabt zu flirten.
Doch dieser Mohammed brachte sie total aus der Fassung.
Bevor Anna René das Bier reichte, atmete sie noch einmal tief durch und versuchte, sich von dem gerade Erlebten nichts anmerken zu lassen.
„Hier, Schatz, dein Bier“, versuchte sie so lässig wie möglich zu sagen, was ihr schließlich auch gelang.
René blickte von seinem Buch auf. „Danke, Süße.“ Er nahm ihr das Bier ab und prostete ihr mit einem ebenfalls unwiderstehlichen Lächeln zu. Auch Anna lächelte.
Sie konnte gar nicht anders. Immerhin war René der, den sie über alles liebte.
Anna war mit ihrer besten Freundin in einer Disco gewesen. Als sie auf die Toilette ging, wurde sie von René unabsichtlich angerempelt. Der hatte sich daraufhin sofort bei ihr entschuldigte und Anna auf einen Drink eingeladen.
Am Ende eines lustigen Abends hatten sie noch ihre Handynummern ausgetauscht und nach weiteren Treffen waren sie sich sicher, dass eine Beziehung funktionieren könnte.

Anna nahm einen kräftigen Schluck Bier und legte sich wieder auf ihre Liege.
So wie René widmete sie sich ihrem Buch. Bald musste sie jedoch feststellen, dass ihre Konzentration nicht auf den Zeilen im Buch lag. Sie ertappte sich nämlich immer wieder dabei, wie sie zur Pool-Bar spähte.
Genau beobachtete sie, was Mohammed tat, und nach einiger Zeit fiel ihr auf, dass er keiner Frau dieses Lächeln zukommen ließ, das er ihr geschenkt hatte. Außerdem bemerkte sie, dass Mohammed sehr oft ihren Blickkontakt suchte. Und jedes Mal, wenn sich ihre Blicke trafen, setzte er sein süßes Lächeln auf, woraufhin Anna ebenfalls zurücklächelte.
Sie genoss es, von einem geradezu übernatürlich gut aussehenden jungen Mann so umworben zu werden.
Anna hielt das für ein kleines Abenteuer, wonach sie noch nie das Verlangen hatte.


2

Mohammed hätte die darauffolgenden zwei Tage freigehabt. Doch er wollte unbedingt arbeiten und so bat er einen Kollegen, den Dienst zu tauschen.
Zu Hause herumhocken und dabei Anna nicht zu sehen, wäre für ihn pure Zeitverschwendung gewesen.
Jedes Mal, wenn sie sich über den Weg liefen (und das geschah oft, da Anna immer wieder darauf achtete, dass sich ihre Wege kreuzten), redeten sie ein paar Worte miteinander.
Mittlerweile wusste er, dass sie aus Linz stammte, fünfundzwanzig Jahre alt war und als Krankenschwester arbeitete.
Außerdem wusste er, dass sie die schönste Frau war, die er jemals gesehen hatte, und dass sie ihm sein Herz gestohlen hatte.
Seit der ersten Sekunde, als sie sich das erste Mal sahen, gehörte sein Herz ihr. Wohl wissend, dass Anna nicht so empfand, da sie einen Freund hatte, mit dem sie noch dazu den Urlaub verbrachte.
Immer wieder machte Mohammed sich darüber Gedanken, ob er wohl eine klitzekleine Chance hätte, dass sie sich in ihn verliebte.
Diese Grübelei machte ihn fast wahnsinnig und darum fasste er eines Tages einen Entschluss.
Er wollte an jenem Vormittag Anna eine Frage stellen.
Nervös und angespannt trat Mohammed seine Schicht an. Sie begann um neun und Anna kam die letzten Tage immer zwischen halb zehn und zehn an den Pool.
Doch ausgerechnet an diesem Morgen kam sie nicht.
Es wurde elf Uhr, halb zwölf, zwölf Uhr – keine Spur von Anna.
Die Liege, die die letzten Tage immer ihr gehörte, war leer.
Oh mein Gott, sie wird doch nicht schon abgereist sein? Leichte Panik machte sich in Mohammed breit.
Während er die Gläser aus der Spülmaschine räumte und sie in die Regale stellte, ertönte hinter ihm eine vertraute Stimme.
„Hi Mohammed.“
Mohammeds Herz machte einen großen Sprung. Lächelnd drehte er sich um und sah Anna mit einem Funkeln in ihren Augen vor sich stehen.
„Hi“, sagte auch er, „ich dachte schon, du seist abgereist.“
„Nein. Wir haben nur an einer Stadtrundfahrt teilgenommen“, lächelte sie immer noch.
„Und wie gefällt dir Mahdia?“
„Wahnsinn, das ist so eine schöne Stadt. Ich würde am liebsten für immer hierbleiben, aber leider geht’s morgen schon wieder ab nach Hause.“ Annas Blick wurde traurig.
Und Mohammed wich sämtliche Farbe aus seinem Gesicht. Sein Albtraum wurde wahr.
Anna reiste ab.
Ich muss ihr die Frage stellen. Jetzt oder nie, dachte er sich. Doch es war gar nicht so einfach.
„Was willst du trinken?“, fragte er. Idiot, das war nicht die Frage! Er ärgerte sich über seine Feigheit.
„Eine Cola bitte“, antwortete Anna.
Mohammed reichte ihr die Cola. „Danke“, lächelte Anna. Doch statt zu gehen, wie sie es immer tat, blieb sie an der Bar stehen und trank.
Frag sie endlich! Mohammeds innere Stimme ließ nicht locker.
Er atmete noch einmal tief durch und nahm seinen ganzen Mut zusammen.
„Anna … ich möchte dich etwas fragen.“ Sein Herz klopfte und er war unheimlich nervös.
In diesem Moment war er sich nicht mehr so sicher, ob er ihr die Frage wirklich stellen sollte.
Was, wenn sie ihm eine Abfuhr erteilte? Was bei näherer Betrachtung gar nicht unwahrscheinlich war. Wollte er ein Nein überhaupt akzeptieren, wollte er wirklich hören, von ihr zurückgewiesen zu werden? Noch nie im Leben war er sich so unsicher.
Er stand nur noch da und erkundete Annas Augen, versuchte, in ihrem Gesichtsausdruck die Antwort zu lesen.
Nach einer Weile setzte Anna wieder ihr Lächeln auf, das sein Herz jedes Mal zum Glühen brachte.
„Was willst du mich fragen?“, hakte sie schließlich nach.
Sein Herz klopfte heftig gegen seine Brust. „Willst du mit mir heute Abend einen Strandspaziergang machen?“ Die Frage war endlich raus. Doch seine Nervosität hatte nicht nachgelassen.
Annas Lächeln verschwand aus ihrem hübschen Gesicht. In ihrem Kopf arbeitete es, das konnte er deutlich sehen.
Ungeduldig wartete er auf ihre Antwort, aber sie stand nur da und starrte ihn an.
„Anna, sag doch endlich etwas“, bettelte er nun fast schon.
„Mohammed, es tut mir leid. Ich kann nicht. Was soll ich René nur sagen?“
In seinem Gesicht spiegelte sich nun pure Enttäuschung. Seine Angst, eine Abfuhr zu bekommen, hatte sich soeben bestätigt.
Er musste die Frau, in die er nun sechs Tage verliebt war, endgültig aufgeben.
Anna blickte nach ihrer Aussage in seine wunderschönen braunen Augen, die plötzlich nicht mehr das Strahlen hatten, sondern nur noch unendliche Traurigkeit und Enttäuschung verrieten.
„Mohammed, es tut mir wirklich leid.“ Sie verspürte auf einmal einen dicken Kloß im Hals und wusste nicht, warum. Waren es seine Augen, die sie fast zum Heulen brachten? Mit Müh und Not konnte sie den Kloß hinunterschlucken.
„Schade. Aber keine Sorge, ich verstehe natürlich, dass du nicht mit mir zum Strand kannst.“ Mohammed bemühte sich um ein Lächeln, was ihm auch gelang. Aber Anna sah ihm genau an, dass er am Rande der Verzweiflung stand.
Traurig ging sie wieder zurück zu ihrem Platz.
Ohne etwas zu René zu sagen, platzierte sie sich auf ihrer Liege.
Erneut bildete sich der Kloß in ihr und sie spürte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen. Schnell setzte sie sich ihre Sonnenbrille auf, sodass niemand – und vor allem René nicht – ihre glasigen Augen sah.
So wie die letzten Tage war ihre Liege so ausgerichtet, dass sie immer Blickkontakt zur Pool-Bar hatte. Immer hatte sie Mohammed die letzten Tage beobachtet.
Immer hatte er ein Grinsen auf seinem wunderschönen Gesicht. Immer funkelten seine Augen, wenn er zu ihr hinübersah. Und immer beschleunigte sich Annas Herzschlag um einige Takte, wenn er wieder zwischen Gläser spülen und Getränke einschenken ihren Blick suchte.
Aber nun … stand er so unendlich traurig hinter der Bar.
Sein Lächeln war verschwunden und die Augen waren leer.
Und Annas Herzschlag schien, je länger sie zu ihm hin sah, umso langsamer zu werden.
Es machte sich auch ein leichtes Stechen in ihrer linken Brusthälfte bemerkbar.
Anna hatte Mohammeds Herz gebrochen und sie selbst musste nun auch den Schmerz ertragen. War ihr Herz ebenfalls gebrochen?
In ihrem Kopf drängten sich ein paar Fragen:
Was wäre, wenn sie René nicht hätte? Dann würde sie wahrscheinlich keine Sekunde zögern und mit Mohammed den Spaziergang machen. Bestünde die Chance, dass sie sich in Mohammed verlieben könnte? … Oder hatte sie sich schon in ihn verliebt?
Aber sie liebte doch René … war das mit René noch die große Liebe oder eher schon die Macht der Gewohnheit?
War sie vielleicht doch noch nicht bereit, ein ganzes Leben mit ein und demselben Mann zu verbringen?
Der Schmerz in ihrer Brust wurde immer heftiger. Nach langem Hin und Her in ihrer Gefühlswelt beschloss sie, doch den Spaziergang mit ihm zu machen. Nur so könnte sie herausfinden, für wen ihr Herz tatsächlich schlug.
René lag neben ihr und schien zu schlafen. Anna nutzte gleich die Gelegenheit, um Mohammed Bescheid zu geben.
Leise stand sie von ihrer Liege auf und ging zur Bar hinüber.
Da musste sie feststellen, dass Mohammed im Moment nicht da war. Ihr war gar nicht aufgefallen, dass er sich entfernte. Wo konnte er nur stecken? Hatte sie mit ihrer Entscheidung zu lange gewartet und die Chance nun vergeigt?
Leichte Panik breitete sich in ihr aus.
„Anna, was darf es für dich sein?“, fragte Ali, Mohammeds Kollege.
Nervös fragte sie: „Wo ist Mohammed?“
„Er hat seine Schicht vor wenigen Minuten beendet.“
Anna starrte Ali entsetzt an. Sie spürte, wie ihr wieder Tränen in die Augen stiegen. Sie hatte ihre Chance tatsächlich verpasst. Morgen früh ging der Flieger und sie hatte nicht einmal die Möglichkeit, sich von ihm zu verabschieden.
„Ist alles in Ordnung?“, Ali riss sie aus den Gedanken.
„Nein. Ich wollte mich von ihm verabschieden“, wisperte sie.
Ali fing zu grinsen an. „Los, komm, ich bring dich zu ihm.“
„Was?“ Anna traute ihren Ohren nicht. Doch Ali meinte es ernst. Er sagte noch irgendetwas auf Arabisch zu seinen Kollegen, von dem Anna natürlich kein Wort verstand, und kam aus der Bar nach vorn. „Los jetzt. Sonst verpassen wir ihn noch.“ Er nahm Anna bei der Hand und zog sie mit sich.
Die beiden rannten um die Hotelanlage herum zu einem separaten Teil, wo die Angestellten ihre Spinde und auch Zimmer hatten.
„Wir müssen vorsichtig sein. Uns darf niemand erwischen. Gästen ist dieser Zutritt strengstens verboten“, warnte Ali, bevor sie durch ein Gartentürchen huschten.
Immer wieder sah er sich um, ob sie auch nicht erwischt würden.
Endlich waren sie an den Umkleidekabinen angelangt.
„Mohammed?“, fragte Ali durch den Raum, als sie ihn betraten. Annas Herz klopfte wild und sie wusste nicht, ob dies vom Rennen oder von der Aufregung kam.
„Mohammed, bist du noch hier?“, fragte Ali noch einmal, als sie keine Antwort erhielten.
Aber es kam wieder nichts.
„Wir haben ihn verpasst?“, stellte Anna betrübt fest.
„Warte hier, ich sehe nach, ob er vielleicht noch duscht.“ Ali verschwand hinter einer Tür.
Anna erwischte sich dabei, wie sie Stoßgebete in den Himmel schickte. Sie könnte wahrscheinlich nicht nach Hause fliegen, ohne ihn noch einmal gesehen zu haben.
Grinsend kam Ali schließlich wieder zurück.
Er brauchte nichts zu sagen, Anna wusste, dass Mohammed noch hier war, und sofort brachte sie auch wieder ein Lächeln zustande.
„Ich gehe wieder an die Arbeit. Ich habe ihm gesagt, dass er sich beeilen soll. Allerdings nicht, warum. Warte hier auf ihn.“
Anna fiel ein Stein vom Herzen. „Danke, Ali. Ich gebe dir später noch einen Drink aus, als Dankeschön.“
Ali ging mit einem Lächeln zurück und Anna wartete ungeduldig, dass die Tür aufging und er endlich herauskam.
Nervös stieg sie von einem Bein auf das andere. Sie war ganz zappelig. Plötzlich öffnete sich die Tür.
Sein Anblick ließ sie um Atem ringen. Er kam mit einem Handtuch um die Taille geschlungen heraus. Bis jetzt hatte sie ihn immer nur in seiner Arbeitskluft gesehen und nun stand er vor ihr und sie konnte seinen braun gebrannten, durchtrainierten Körper sehen.
Mohammeds Blick war immer noch traurig, allerdings änderte sich dies, als er Anna vor sich stehen sah.
„Anna.“ Mehr brachte er vor Verwunderung nicht heraus.
Sie setzte ein Grinsen auf. „Du wärst gegangen, ohne dich von mir zu verabschieden“, sagte sie ein wenig vorwurfsvoll.
Mohammed machte ein paar Schritte auf sie zu. So weit, dass sie ziemlich nah beieinanderstanden. Anna spürte seinen Atem auf ihrem Gesicht und ihr Herz raste.
„Es tut mir leid“, hauchte er.
„Ich wollte dir sagen, dass ich mich nun doch dazu entschlossen habe, mit dir den Spaziergang zu machen. Allerdings geht es nicht vor elf Uhr. Ich weiß nicht, was ich René sagen soll, und ich muss sichergehen, dass er schläft.“
Mohammeds Augen begannen wieder zu glühen. Sie sah seine Begierde darin.
„Ich werde um Mitternacht am Strand vorm Hotel auf dich warten. Ich will nicht, dass du wegen mir Probleme bekommst, und darum ist es vielleicht besser, wenn wir uns erst treffen, wenn er tief und fest schläft.“ Er sagte das mit so viel Zärtlichkeit, dass sich bei Anna wieder eine Gänsehaut ausbreitete.
Außerdem verspürte sie auf einmal einen Drang, dem sie unbedingt nachgehen musste. Sie machte noch einen Schritt auf ihn zu und gab ihm einen Kuss. Mohammed erwiderte ihn.
„Wir sehen uns Mitternacht“, hauchte sie noch in sein Ohr, bevor sie vorsichtig, um nicht erwischt zu werden, den Angestelltenbereich verließ.


3

Anna ließ sich gegenüber René nichts von ihrem Vorhaben anmerken. Ihre Chancen, dass dieser am Abend bald einschlief, standen ziemlich gut. Immerhin ging ihr Flieger um fünf Uhr früh und um zwei würden sie vom Hotel abgeholt.
Nach dem Abendessen spielten sie noch zwei Partien Billard. Irgendwie schien die Zeit an diesem Abend überhaupt nicht zu vergehen. Anna sehnte die Mitternachtsstunde herbei.
Um zehn Uhr gingen sie in ihr Zimmer. René meinte, ein paar Stunden Schlaf könnten nicht schaden, doch bevor er schliefe, wolle er den letzten Abend mit Anna noch einmal voller Leidenschaft ausklingen lassen.
Anna war zwar gar nicht in Stimmung, da sie mit ihren Gedanken nur noch bei Mohammed war, dennoch wollte sie auch auf keinen Fall riskieren, dass René irgendwie von ihrem Vorhaben Wind bekam.
Also ließ sie zu, dass sie sich in dieser Nacht an ihrem letzten Urlaubstag liebten.
René konnte ein leidenschaftlicher Liebhaber sein, immer darauf bedacht, dass Anna voll auf ihre Kosten kam.
Sie genoss es immer, mit ihm zu schlafen, und wenn es die Zeit und die Lust zuließen, dann kam es auch schon vor, dass es mehrmals hintereinander geschah.
Auch an jenem Abend war er so voller Leidenschaft, dass Anna sich ihm voll und ganz hingab.
Sie wusste, dass sie René über alles liebte, aber sie wusste absolut nicht, was es war, was sie für Mohammed empfand.
Den Kuss am Nachmittag hatte sie noch keine Sekunde bereut. Sie hatte René gegenüber kein schlechtes Gewissen, und auch wenn sie daran dachte, Mohammed in knapp einer Stunde wieder zu treffen, war ihr Gewissen rein.
Nach dem der Akt mit René vollzogen war, stellten sie ihre Wecker auf halb zwei.

Format: 13,5 x 21,5 cm
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ISBN: 978-3-99038-842-6
Erscheinungsdatum: 09.03.2015
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