Erotik & Sinnlichkeit

Liebe einfach nur Liebe

Betty B.

Liebe einfach nur Liebe

Leseprobe:

Es war wieder einer dieser Tage. Mara sah aus dem Fenster ihres Wohnzimmers und seufzte schwer. Sie dachte mal wieder über ihr Leben nach. Was, wenn man es genau ansah, gar nicht so übel war. Ja, wenn nicht, sie seufzte wieder, ja wenn nicht immer wieder diese finanziellen Engpässe auftauchen würden. Sie gab sich selbst die Schuld daran. Denn warum musste sie auch diesen Idioten heiraten. Wieder entwich ihr ein Seufzer.
Im Grunde war Mara ein fröhlicher und optimistischer Mensch und eine wahre Kämpfernatur. Vor allem lachte sie gern und viel. Doch von alledem war heute bei ihr nichts zu spüren. Sie dachte über die Vergangenheit nach, mal wieder. Sie wusste, dass es nichts brachte, doch sie wollte sich klar werden, wieso alles so gekommen war. Gleichzeitig wusste sie die Antwort. Nämlich weil sie es sich so ausgesucht hatte. Doch heute war ihr das kein Trost und das Wetter munterte sie auch nicht gerade auf. Draußen war es nass und kalt, richtiges Novemberwetter eben. Sie hatte heute ihren freien Tag und freute sich schon die ganze Zeit darauf, und jetzt dies. Mara zog ein missmutiges Gesicht und schnitt sich selbst eine Grimasse. Okay, sagte sie sich dann, wollen wir das noch mal Revue passieren lassen, und dann ist es gut.
Sie hatte sich vor vier Jahren getrennt und war seit einem Jahr glücklich geschieden. Doch es war nicht sehr schön abgelaufen, wie bei den meisten Trennungen. Sie hatte ihre Ehe retten wollen, doch Chris, ihr damaliger Mann, hatte davon nichts wissen wollen. Sie wollte doch nur die Ehe ändern, hatte sie ihm erklärt, mal wieder mehr unternehmen, ausgehen und so was und nicht nur arbeiten. Sie hatte ihm gesagt, dass sie nicht mehr für alles verantwortlich sein wollte, für sein Geschäft, das sie ihm mit aufgebaut hatte. Wobei sie dafür auch mehr getan hatte als er. Er ging nur los zu den Kunden und machte dort seine Arbeit, alles andere blieb an ihr hängen. Ihr Vollzeitjob, das Geschäft und die Kinder. Sie fand, dass die Kinder zu kurz kamen, auch das wollte sie ändern. Sie hatte ihm gesagt, dass, wenn er dazu nicht bereit wäre, sie dann halt eben jeden zweiten Samstag einen Frauen­tag einlegen würde. Sie wollte wieder mehr Spaß haben. Doch er hörte ihr gar nicht zu, er schrie sie nur an, sie wolle einen Freibrief zum Fremdgehen haben. Sie seufzte wieder, als sie daran dachte. Sie hatte ihn nur angesehen und gesagt, gut, dann ist unsere Ehe hiermit beendet. Daraufhin stand er auf und warf eine Tasse, die vor ihm stand, nach ihr und schlug ihr ins Gesicht und schrie, jetzt ist sie beendet. Sie wusste noch genau, wie hilflos und allein sie sich in dem Augenblick gefühlt hatte. Doch dann lief er zu den Kindern und wollte sie wecken, da erwachte ihr Kampfgeist und sie sagte ihm, er solle sie in Ruhe lassen und gehen. Das tat er dann Gott sei Dank auch.
Leider dauerte es noch zwei Monate, bis er endgültig auszog, doch auch diese Zeit ging vorbei. Und sie atmete auf, als er endlich aus der Wohnung verschwunden war. Sie selbst zog drei Monate später dann in die Wohnung ein, wo sie noch immer wohnte, und fühlte sich im Grunde sehr wohl.
Sie hatte einen Vollzeitjob und einen Nebenjob, und es ging ihr und den Kindern recht gut. Inzwischen brauchte sie auch keine Tagesmutter mehr, die ebenfalls eine Menge Geld gekostet hatte, aber sonst hätte sie nicht arbeiten können. Und Männer, ja, die kamen mal und gingen wieder, aber sie hatte auch kein großes Interesse an ihnen. Sie war froh gewesen, endlich frei zu sein, und das war sie immer noch. Sie hatte ihm vergeben und sich selbst auch, weil sie so lange gewartet hatte, die Ehe zu beenden, und sie hätte ihn nicht heiraten sollen. Doch auf diese Weise war sie zu dem geworden, was viele von ihr meinten, dass sie es sei, eine starke, unabhängige Frau. Na, wenn die wüssten, dachte sie, doch sie hatte keine Lust, das richtigzustellen. Sollten doch alle glauben, was sie wollten, ihr war es egal. So hielt sie sich die Männer vom Leibe, dachte sie jedenfalls. Nur leider stimmte das nicht ganz, denn es gab immer wieder mal den einen oder den anderen, der es versuchte, doch sie ließ sich auf nichts ein. Auch wenn ihr der Sex fehlte, wie sie sich selbst eingestehen musste, doch das konnte man auch selbst erledigen.
Doch vor zwei Monaten hatte sie Steffen kennengelernt. Er war nett und süß, mit seinen langen blonden Haaren. Da er 1,90?m groß war und sehr schlank, passte es zu ihm, und er pflegte sie auch dementsprechend. Und er fuhr Motorrad, was auch sonst. Sie musste lächeln, komischerweise fuhren die meisten Motorrad, die auf sie standen, doch sie mochte diese Sachen gar nicht. Sie trafen sich seitdem einmal die Woche, doch sie hatte trotz allem eine Scheißangst, und sie wusste nicht, woher sie kam. Irgendwie hatte sie seit Kurzem das Gefühl, dass es zu Ende gehen würde. Vielleicht aber auch einfach nur, weil er jünger war als sie, nicht viel, so sieben Jahre, trotzdem hatte sie anscheinend ein Problem damit. Sie hatte ihn das letzte Mal gefragt, wie alt seine Exfreundin wäre, und sie war sprachlos, als er sagte, so alt wie du. Sie hatte auch das Gefühl, dass er noch an ihr hing, denn auch in seinen Augen sah sie Angst. Na ja, was sollte es, sie würde es schon sehen, wie es weiterging. Doch sie musste zugeben, sie hatte sich schwer verliebt, zu sehr vielleicht.
Die Kinder hatten auch nach ihm gefragt, denn bis jetzt hatten sie Steffen noch nicht kennengelernt, und sie hatte ihnen erklärt, sie würden ihn erst kennenlernen, wenn sie sicher war, dass sie mit ihm zusammenbleiben wollte. Sie sagte ihnen, dass es dann ja nicht ihr Vater sei, und wenn sie ihn mochten und es würde dann doch nicht klappen mit der Beziehung, er sie dann auch nicht mehr besuchen würde, und das würde sie nicht wollen. Sie nickten, sie hatten verstanden, was Mara damit sagen wollte. Danach fragten sie nicht mehr.
Mara sah auf die Uhr, oh, die Kinder würden gleich kommen. Sie ging in die Küche, denn sie hatte versprochen, ihnen Spaghetti zu machen, die sie so gerne aßen. Also setzte sie einen Topf mit Wasser auf und machte sich dann an die Tomatensauce. Es ging ihr alles flott von der Hand, und eine halbe Stunde später kamen ihre Jungs, Max und Tim, nach Hause. Max war der Ältere, und er war behindert, doch sie sah ihn als ganz normal an. Es war nichts Schlimmes, eine leichte körperliche und eine leichte geistige Behinderung, doch er war so wie alle anderen auch, nur langsamer eben, und er ging auf eine entsprechende Schule. Sie liebte ihre Kinder, und niemand würde sie je wieder verletzen, solange sie es verhindern konnte. Chris hatte damals schon genug angerichtet, das reichte, fand sie.
Heute Abend würde sie die Kinder zu Chris bringen, es war sein Wochenende, und die Kinder gingen noch immer gerne zu ihm, und sie fragte sich heimlich, wie lange noch. Momentan ließ er die Unterhaltszahlungen mal wieder schleifen, und sie plante das Geld immer ein, immerhin 500,– Euro, auch wenn er mehr zahlen müsste, doch sie hatte sich mit ihm geeinigt, und sie wollte um der Kinder willen keinen Streit. Sie hatten schon genug durchgemacht, mehr musste nicht sein.
Sie lächelte, als sie daran dachte, dass ihre Freundin Lena immer schimpfte und meinte, „hol dir einen Titel, und dann verklag ihn!“ Doch sie beharrte auf ihrem Standpunkt, dass das Blödsinn sei und sie es so oder so bekommen würde, dann eben etwas später. Lena verstand sie nicht. Erst übernimmst du von ihm die Hälfte der Schulden, und dann lässt du dir das auch noch gefallen. Sie wusste, dass ihre Freundin recht hatte, aber sie brachte es nicht fertig und sie wollte doch nur ein bisschen Ruhe. Sie wollte mit Chris um der Kinder willen keinen Streit. Lena sagte dann immer: „Ich versteh dich nicht, du brauchst das Geld doch für Kinder schon alleine, wieso lässt du dir das immer wieder gefallen?“ Doch Mara ging nie darauf ein, und Lena gab dann schließlich auf. Na, bis jetzt bekam sie es dann auch. Mara wusste, dass es ein Machtspiel von Chris’ Seite aus war, so wollte er sie zwingen zurückzukommen. Doch sie würde alles tun, nur das nicht. Irgendwann würde er kapieren, dass es vorbei war. Er schleppte immer neue Freundinnen an und stellte sie ihr vor. Vermutlich hoffte er, dass sie dann eifersüchtig werden würde, doch er war ihr total egal, und sie freute sich wenn er eine neue hatte, weil er dann immer pünktlich zahlte. Er wollte nach außen immer als der gute Vater dastehen. Für Chris zählte es schon immer, was die Leute sagen würden, für sie war das nie ein Thema. Das war ebenfalls eine Schwäche, die sie dazu benutzte, ihn zum Zahlen zu bewegen, und das klappte immer.
Es wurde Zeit, die Kinder zu Chris zu bringen. Wie immer brachte sie die Kinder zur Tür und verabschiedete sich dann von ihnen, sobald er sie in Empfang nahm. Sie winkte ihnen zum Abschied noch zu und ermahnte sie nochmals, brav zu sein. Sie lächelten Mara an, und sie ging.
Zu Hause angekommen, ließ sie Wasser in die Badewanne laufen. Es war noch früh, sie wollte sich noch etwas entspannen, bis Steffen kam. Sie hatten sich für heute Abend verabredet, aber keine konkrete Zeit abgemacht. Steffen nahm es mit der Zeit auch nicht so genau. Sie musste lächeln, als sie an ihn dachte. Er war nett, intelligent und sah gut aus, doch irgendetwas störte sie an ihm. Sie hatte gemerkt, dass sie ihn nicht wirklich riechen konnte. Was sie komisch fand, denn immerhin war sie ihn verliebt. Sie legte sich in die Wanne und dachte weiter über die Beziehung nach, die sie nun mittlerweile zwei Monate führten. Es war alles schön harmonisch und voller Erotik. Wieder musste sie lächeln, ja, im Bett verstanden sie sich noch am besten, auch wenn er da einige Probleme hatte. Doch das störte sie nicht, im Gegenteil, sie fand es sehr interessant. Aber etwas stimmte nicht, da war sie sich ganz sicher. Sie erhob sich, trocknete sich ab und zog sich eine bequeme Hose und einen Pullover an. Sie sah auf die Uhr in der Küche und erschrak, denn es war schon 20.00 Uhr, und Steffen würde gleich auftauchen.
Zehn Minuten später war Steffen da. Sie fand ihn wie immer sehr sexy mit dieser Größe und den langen Haaren, ein bisschen mehr auf den Rippen könnte er haben, fand sie. Sie lächelte ihn an und begrüßte ihn. Er nahm sie in die Arme, küsste sie leidenschaftlich, und sie vergaß die Welt um sich herum. Sie bekamen kaum die Tür auf und landeten sofort im Schlafzimmer. Es war so wie immer, wenn sie sich trafen, und sie wunderte sich, dass es sich immer noch wie am Anfang anfühlte. Sie liebten sich ausgiebig. Hinterher lagen sie zusammen auf dem Sofa und sahen sich eine DVD an. Obwohl der Film ganz gut war, fing er an, an sich herumzuspielen. Das war genau das, was sie faszinierte, denn eine Frau, und auch sie nicht, so hatte er ihr erklärt, als sie seinen Penis mal in die Hand nahm und er sofort wieder runterging, könne ihn nicht anfassen. Sie nahm die Erklärung an und dachte nicht weiter darüber nach. Sie verbrachten das Wochenende miteinander, und am Sonntag fuhr er wieder nach Hause, und sie verabredeten sich für das nächste Wochenende.
Die Zeit lief dahin, und Mara war beruflich sehr stark eingespannt, abends legte sie meist noch Karten, denn das war ihr Nebenjob. Der machte ihr, wie sie zugeben musste, noch am meisten Spaß, und sie ging darin richtig auf. Immer wenn sie von Freunden und Bekannten danach gefragt wurde, dann meinte sie, dass er sinnvoller sei als ihr richtiger Job. Da sie bei einer Behörde arbeitete, war das kein Wunder.
Es war Februar, als sie mal wieder mit Steffen verabredet war. Die Kinder waren mit ihren Freunden unterwegs und schliefen die Nacht auswärts. Noch immer hatte sie ihnen Steffen nicht vorgestellt, und noch immer wusste sie nicht, ob sie überhaupt mit ihm eine richtige Beziehung führte. Na ja, im klassischen Sinne war das keine Beziehung, denn sie unternahmen so gut wie nichts zusammen. Er kannte ihre Freunde nicht und sie seine nicht. Bis jetzt hatte sie es auch nicht gestört, denn manchmal ist es besser, die Dinge einfach langsam angehen zu lassen und es laufen zu lassen. Vor Wochen hatte sie ihn gefragt, wie er sich das weiterhin mit ihr vorstellen würde. „Ich weiß, Mara, dass man irgendwann mehr möchte, aber ich weiß nicht, ob ich dir das bieten kann“, meinte Steffen. Sie hatte ihn nur verwundert angesehen und ihn gebeten, das einmal genauer zu erklären. Daraufhin sagte er: „Ich weiß nicht, ob die Gefühle noch so da sind, ich glaube eher, da sind zu viele Gefühle.“ Ja, das war etwas, was sie auch schon mal gedacht hatte. Auf der anderen Seite konnte es gar nicht zu viele Gefühle geben. Während sie auf ihn wartete, dachte sie darüber nach. Sie atmete tief durch und sagte sich, egal, was kommt, es wird Zeit, eine Entscheidung zu treffen, entweder wir probieren das mal richtig oder … Über das Oder wollte sie nicht nachdenken. Weil, so verrückt es auch war, sie war glücklich, so wie es war, mit ihm. Doch sie konnte diese Angst in seinen Augen nicht vergessen. Ihr fiel wieder seine Ex ein und plötzlich wusste sie, dass er zu ihr zurückgehen würde. Im Bauch krampfte sich etwas zusammen, und sie fing an zu frieren. Sie fragte sich plötzlich, wo er bleiben würde. Irgendwas stimmte nicht. Sie verdammte mal wieder ihre Sensibilität und hoffte, dass sie diesmal unrecht hatte. Doch meist war leider das Gegenteil der Fall. Plötzlich läutete das Telefon. Sie nahm ab und meldete sich. „Hallo Mara, hier ist Steffen, du es ist besser, wenn es keine Treffen mehr zwischen uns gibt.“ Sie dachte, sie hätte sich verhört, so geschockt war sie. „Aber wieso denn?“, brachte sie noch heraus. „Ich weiß nicht“, sagte er, „die Gefühle sind nicht mehr so wie am Anfang, und ich finde es besser so. Es tut mir leid.“ Und damit legte er auf.
Mara ließ sich auf einen Stuhl fallen, die Tränen rollten über ihre Wangen, und sie war so geschockt, dass sie das nochmalige Klingeln des Telefons fast nicht hörte. Sie nahm ab, und ein Schluchzen entrang sich ihrer Kehle. „Mara, was ist los?“, drang Lenas Stimme an ihr Ohr. „Er hat Schluss gemacht.“ „Steffen?“, tönte es zurück. „Ja, Steffen.“ „Wieso denn?“, wollte Lena wissen. „Ich weiß es nicht, er nur gesagt, dass die Gefühle nicht mehr so wären wie am Anfang.“ „Na, das ist ja wohl keine wirkliche Aussage“, legte Lena los, „es war doch alles in Ordnung.“ „Ja, so weit schon, wenn ich nicht die ganze Zeit das Gefühl gehabt hätte, dass etwas nicht stimmte. Nur was, weiß ich nicht. Ich glaube, Lena, der ist wieder zu seiner Ex zurückgegangen.“ „Trotzdem“, meinte Lena, „ruf ihn noch mal an.“ „Nein, ich kann das nicht, und ich will es auch nicht. Ich werde es schon überwinden.“ „Soll ich vorbeikommen?“, wollte Lena wissen. Doch Mara verneinte. Sie wollte einfach nur alleine sein und weinen. Das ging am besten, wenn niemand anwesend war. Sie hasste es, vor anderen zu weinen. Egal, wer es war.
Die nächsten Wochen verbrachte sie wie in einem Vakuum. Es gab nichts, was sie besonders berührte, und innerlich fühlte sie sich wie tot. Doch vor ihren Kindern ließ sie nichts anmerken. Lena machte sich große Sorgen um sie. Eines Abends, die Kinder waren bereits im Bett, kam sie zu Besuch. „Wann hast du das letzte Mal richtig gegessen?“, wollte sie wissen. „Du siehst aus, als würdest du dich nur noch von Kaffee und Zigaretten ernähren.“ Mara lächelte nur müde. „Mein Gott“, sagte Lena, „ich habe mich nach meiner 20-jährigen Ehe so gefühlt, aber nicht nach sechs Monaten.“ Lena sah sie besorgt an. „So“, sagte sie, „ich werde dir jetzt was kochen, und du wirst es essen.“ Mara wurde schon jetzt schlecht, wenn sie nur an Essen dachte, doch sie wusste auch, dass Lena recht hatte. Sie sagte leise: „Ich habe das Gefühl, als wäre ich tot, so einen Liebeskummer hatte ich noch nie, und ich versteh mich selber nicht.“ Lena sagte daraufhin: „Mara, du hast einfach dein Herz wieder geöffnet, und mir kommt es so vor, als hätte er dir ein Messer in die Brust gestoßen und es umgedreht.“ Mara sah sie verblüfft an. „Na, so schlimm wie du es darstellst, hat er das wohl nicht gemacht. Vielleicht noch nicht mal mit Absicht. Das Blöde ist, ich habe es von Anfang gewusst und wollte es nicht wissen.“ „Du, Mara, du hattest vielleicht auch zu viel Angst, genau wie er, denk mal darüber nach, und jetzt komm was essen, ich bin fertig.“ Sie hatte noch Schnitzel gefunden, die Mara für die Kinder gemacht hatte, dazu Salat und Kartoffeln. Plötzlich merkte Mara, dass sie tatsächlich Hunger hatte, und aß alles auf. „Nächste Woche ist die Party von Jens und Alex, da wirst du mit hingehen. Die Einladung hast du doch bekommen?“, wollte Lena wissen. „Ja, die habe ich bekommen, und ich werde mit dir hingehen. Zufrieden?“ Lena seufzte und nickte. Sie blieb noch zwei Stunden, dann verabschiedeten sie sich, und Mara bedankte sich bei ihr. So langsam taute Mara wieder auf, wie sie feststellte. Nur eines war sicher, so was passierte ihr nicht noch einmal, dass sie dem Tod näher war als dem Leben. Sie beschloss in ihrem tiefsten Innern, dass niemand mehr so sehr an sie rankommen würde, schon gar nicht, was ihre Gefühle betraf. Doch das Leben geht oft seltsame Wege, aber das wusste Mara zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Die Monate vergingen, und das Jahr ging auch herum. Mara hatte viel zu tun gehabt, auch was ihre Fortbildung betraf. Es hatte mit den Kindern ein paar Probleme in der Schule gegeben, doch im Großen und Ganzen war das Jahr recht unkompliziert verlaufen. Trotzdem war Mara froh, dass es vorbei war. Inzwischen fühlte sich wieder gut und nicht mehr so unattraktiv. Sie erinnerte sich, als sie Lena mal da­rauf ansprach, ob sie finden würde, dass sie hübsch wäre. Lena hatte sie angesehen, als wäre sie verrückt, und dann hatte sie losgepoltert. „Du bist nicht nur hübsch, sondern auch sehr attraktiv mit deinen roten Haaren und blauen Augen, und du hast trotz zwei Kindern eine gute Figur. Wie kommst du nur darauf?“ „Ich weiß es nicht genau, nach Steffen dachte ich, es kann nicht viel an mir dran sein.“ „Darauf kommt es doch gar nicht an“, Lena war entrüstet, „wenn du mich fragst, kann der Mann, der dich bekommt, froh sein. So eine zuverlässige, treue Frau und vor allem eine, die so viel Spaß am Sex hat, bekommt keiner so schnell wieder. Also, ich finde, du solltest dein Licht nicht untern Scheffel stellen. Bis jetzt hast du alles gemeistert in deinem Leben, also hör auf, so ein blödes Zeug von dir zu geben.“ Lena war sichtlich entrüstet, stellte Mara doch etwas verblüfft fest. „Okay, okay ich werde nie wieder ein Wort darüber verlieren“, entgegnete Mara. Lena selbst war, trotz dass sie fünf Jahre älter war als sie, eine sehr hübsche und attraktive Frau. Sie hatte blonde Haare und war klein und zierlich. Doch Lena war nicht eitel, genauso wenig wie Mara. Beide fanden, dass das Zeitverschwendung wäre, sich ständig mit so was zu beschäftigen. Bei der Erinnerung an dieses Gespräch musste Mara noch immer lachen. Lena war so außer sich gewesen, dass sie Mühe hatte, sie zu beschwichtigen, doch schließlich war es ihr gelungen, und wer weiß, vielleicht hatte sie ja auch recht damit.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 166
ISBN: 978-3-99003-278-7
Erscheinungsdatum: 29.12.2010
EUR 15,90
EUR 9,99

Krampus & Nikolo