Cover: Hot Horizon

Hot Horizon
Sexiest Hotel in town


EUR 24,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 346
ISBN: 978-3-99130-809-6
Erscheinungsdatum: 11.09.2025
Joline tritt ihren ersten Job im Hotel an. Dass es kein gewöhnliches Luxushotel ist, bemerkt sie bald. Der Anziehungskraft des für sie verbotenen Clubs im Keller und des dominanten Chefs kann sie sich dennoch kaum entziehen …
Kapitel 1 – Joline
Alles verloren
Sept. 2017 Surprise, Arizona


„Warum?“ Joline saß neben ihrer Granny auf der Veranda und wischte sich die Tränen mit dem Ärmel ihrer Bluse von den Wangen. Sie konnte immer noch nicht glauben, was passiert war, obwohl es ihr ihre Großmutter bereits vor ein paar Tagen gestanden hatte. Jolines Erbe war verloren, sie stand mit leeren Händen da! Ein seltsames Gefühl von Schwerelosigkeit erfasste sie. Dabei konnte Joline noch nicht sagen, ob sie schwebte oder in einen bodenlosen Abgrund stürzte.
„Weil … ich … Kind. Es ist so schwer zu erklären …“, stotterte Granny Johanna. Ihre Oma ließ den Kopf hängen und seufzte tief. Eine einzelne Träne rollte über die Wange der älteren Frau und tropfte auf das gelbe Sommerkleid.
„Nein, Granny. Ist es nicht. Ihr hättet es mir früher sagen können, nicht erst nach meiner Abschlussfeier.“ Traurigkeit ersetzte ihre anfängliche Wut. In diesem Moment kam es Joline so vor, als ob ihr nicht nur ihre Vergangenheit genommen wurde, sondern auch die Zukunft erschien ihr derart ungewiss, dass sie überlegte, ob sie nicht mit ihren Großeltern zu ihrer Großtante fliehen sollte, um den Scherben ihrer Gegenwart zu entkommen. Hatten ihre Großeltern etwa geglaubt, dass sie nicht gut genug für die Führung des Landhotels gewesen wäre?
„Mein Kind. Was hätten wir dir denn sagen sollen? Dass wir versagt haben? Dass wir es nach dem Tod deiner Eltern nicht geschafft haben, das Landhotel profitabel weiterzuführen?“ Johanna schüttelte leicht den Kopf und stieß einen tiefen Atemzug aus, der sich mehr nach dem Röcheln eines Asthmaanfalls anhörte.
„Ja. Warum nicht? Ich wäre aus dem College zurückgekommen und hätte euch helfen können.“ Das Gefühl, sie hätte früher etwas unternehmen können, wenn sie es gewusst hätte, und die Trauer über ihr verlorenes Leben zerrissen Jolines Herz. Sie schüttelte heftig ihren Kopf und versuchte dabei, nicht nur ihre traurigen Gedanken, die innere Wut, sondern auch den Frust dessen, was vielleicht möglich gewesen wäre, abzuschütteln. Einige Augenblicke später fokussierte sie ihre Gedanken und sprach dann mit fester Stimme zu ihrer Oma, die sie schweigend beobachtet hatte. „Granny. Ich weiß, Großvater und du … Ihr habt sicher alles versucht, um das Erbe meiner Eltern zu retten. Ich bin euch nicht böse. Aber ich verstehe nicht, warum ihr mir nicht einfach erzählt habt, dass unser Familienhotel so hoch verschuldet ist.“ Ein weiteres Mal wog sie ihre Möglichkeiten ab und wollte ihrer Oma noch sagen, dass sie ein wenig Geld gespart hatte, aber diese kam ihr zuvor.
„Kindchen. War. Das Hotel gehört uns nicht mehr. Es tut mir so leid. Seit dem Tag, als wir den Kaufvertrag unterschrieben hatten, hat dein Großvater nicht mehr gelächelt. Er fühlt sich genauso schuldig wie ich. Aber die Banken wollten nicht länger auf ihr Geld warten. Die Schulden waren zu hoch und die paar Tausend Dollar, die wir noch zur Verfügung hatten, reichten bei Weitem nicht.“ Ihre Granny holte tief Luft und sprach weiter, ohne dass Joline die Gelegenheit hatte, ihr zu widersprechen. „Kindchen, das Angebot von Mister Rodriguez war gut. Sehr gut sogar. Und so hast du jetzt nach dem College wenigstens einen Job.“
„Das verstehe ich, Oma. Aber ihr hättet trotzdem vorher mit mir reden können. Ihr hättet es mit mir besprechen müssen. Ich sollte die Besitzerin des Hotels und nicht eine kleine, unbedeutende Assistentin sein.“ Jolines Gesicht rötete sich. Obwohl sie den Frust nicht an ihrer Oma auslassen wollte, konnte sie sich in diesem Moment nicht beherrschen.
„Aber Joline. Was hättest du denn schon tun können? Rund um die Uhr arbeiten hätte auch nichts gebracht.“ Johanna schüttelte den Kopf und zog rasselnd Luft in ihre Lungen ein.
„Ich weiß nicht. Vielleicht hast du recht, aber …“ Mit dem Gefühl, versagt zu haben, ohne es gewusst zu haben, ließ Joline den Kopf hängen.
„Was aber?“ Jolines Großmutter legte ihr beide Hände an die Wangen und streichelte sie sanft zum Trost.
„Vielleicht hätte ich etwas anderes studieren können?“, entgegnete sie ihrer Granny.
Diese hob den Kopf und eine Falte zierte ihre Stirn. Unverständnis zeichnete sich im Gesicht ihrer Großmutter ab und Joline wusste nicht, ob sie sich darüber ärgern oder traurig sein sollte, dass ihre Oma sie nicht so gut kannte, wie sie geglaubt hatte.
„Warum? Es war doch immer dein Traum, Hotelmanagement zu studieren.“
„Nein, Granny. Es war der Traum meiner Eltern. Und nach ihrem Tod wollte ich … naja, ich wollte dich und Grandpa nicht enttäuschen.“
„Verdammt, Kindchen. Warum hast du nichts gesagt?“ Johanna schüttelte den Kopf und ballte ihre Hände, als ob sie gleich auf etwas einschlagen wollte.
„Hmm. So wie es aussieht, hätten wir tatsächlich mehr miteinander reden sollen. Jetzt gibt es das Landhotel Summer nicht mehr, stattdessen steht nun ein pompöses Fünf-Sterne-Hotel namens Hot Horizon auf unserem Land.“ Sie drehte sich um und blickte in die Richtung, in der das alte Landhotel stand. Ihr Herz vergoss unsichtbar die Tränen, die ihre Augen nicht verlassen konnten, um ihrer Oma nicht noch mehr Schuld aufzuladen, als sie bereits tragen musste. „Nein. Es ist nicht mehr unser Land. Wir haben kein Zuhause mehr …“ Sie drückte sich ihre Hände auf das Gesicht und zog einen zittrigen Atemzug in ihre Lungen. Das Brennen ignorierend, wandte sie sich erneut ihrer Granny zu. Eine einzelne Träne verfing sich in Jolines Wimpernkranz. Zögerlich griff ihre Großmutter nach ihr und Joline schmiegte ihre Arme um den Körper ihrer Oma, drückte ihr Gesicht an das nach Sommer duftende Kleid.
„Weine nicht, mein Kind. Alles wird wieder gut. Du hast eine Arbeit und ein Dach über dem Kopf und auch ein bisschen Geld. Es ist nicht viel, aber immerhin ein Notgroschen. Grandpa und ich können bei meiner Schwester in Florida wohnen. Sie hat es uns schon vor Jahren angeboten, als ich mit ihr über die finanziell schwierige Lage des Hotels gesprochen hatte.“ Missmutig darüber, dass ihre Tante Bescheid gewusst hatte und sie nicht, schnaubte sie laut, aber ihre Oma sprach unbeirrt weiter.
„Weißt du, wenn deine Eltern kurz vor ihrem Unfall nicht den großen Umbau begonnen hätten, wären wir vielleicht in der Lage gewesen, das Erbe an dich weiterzugeben. Aber das Hotel war bereits in die Jahre gekommen, als es deine Eltern gekauft hatten. Dein Großvater und ich hatten überhaupt keine Erfahrung mit der Führung eines Landhotels. Viele Angestellte konnten wir uns auch nicht leisten.“
„Granny, das weiß ich doch. Ich mache euch wirklich keine Vorwürfe, ich bin nur traurig. Es tut mir weh, dass ihr jetzt so weit wegziehen müsst. Um mich mache ich mir keine Sorgen. Ich wollte zwar nie Hotelmanagement studieren, aber ich war eine gute Schülerin und meine Professoren meinten, ich wäre ganz passabel darin.“ Ein Stich durchfuhr Jolines Herz bei dieser kleinen Unwahrheit, denn ihre Professoren meinten, sie wäre die geborene Hotelmanagerin.
„Ja, meine Kleine. Ich bin mir sicher, du wirst deinen Job gut meistern und Mister Rodriguez wird dich auch nach dem Jahr behalten wollen.“
„Mal sehen, Granny.“ Kurz hielt sie inne und dachte an die letzten Momente, die sie im Hotel verbracht hatte. Sie hatte an der Rezeption gesessen und so getan, als ob sie Gäste einchecken würde. Wehmut machte sich in ihrem Herzen breit. Sie vermisste ihre Eltern. Ein kalter Luftzug streifte ihren Arm und sie schaute verwirrt zu ihrer Großmutter auf, doch der starre Blick ihrer Oma deutete darauf hin, dass diese in ihre eigene Gedankenwelt versunken war. „Granny, du musst dich beeilen, Großvater wartet sicher schon auf dich. Hast du alles gepackt?“
„Ja.“ Mehr konnte Jolines Großmutter nicht antworten und brach in Tränen aus.
„Granny. Alles ist gut. Ich bin gesund, habe etwas Geld und einen Job. Ich mache euch nicht verantwortlich dafür, was passiert ist. Es ist, wie es ist. Manchmal schenkt uns das Leben Zitronen, aber wir müssen nur Limonade daraus machen. Erinnerst du dich? Das hat Mama immer zu mir gesagt.“ Dieses Mal zog sie ihre Oma in eine feste Umarmung und tröstete sie. Auch wenn Joline das Gefühl nicht loslassen konnte, dass das Schicksal ihr übel mitgespielt hatte, konnte sie ihren Großeltern nicht böse sein, da sie wusste, dass sie immer das Beste für sie im Sinn hatten, aber dennoch nagte der Verlust schwer an ihr. Vielleicht war es einfach Zeit, die Vergangenheit loszulassen und in die Zukunft zu schreiten. Es mochte sein, dass alles seinen Sinn im Leben hatte, doch im Moment konnte Joline einfach nicht daran glauben.

„Tschüss, Oma, tschüss, Opa! Gute Reise und meldet euch, wenn ihr angekommen seid!“ Joline stand an jener Stelle, an der ihre Granny vor drei Jahren stand, als sie aufgebrochen war, um zum College zu fahren. Auch heute hatte sie Tränen in den Augen.
Sie wischte sich die feuchten Spuren aus dem Gesicht und drehte sich in Richtung Haustür um. Ihr Herz trauerte zwar um den Verlust ihrer Kindheit, der Groll auf die verzwickte Situation löste sich jedoch bereits auf. Nur eine unterschwellige Angst über die herannahende Zukunft und die Abenteuer, die auf sie zukommen würden, drängte sich in ihr Bewusstsein.

Was wird mir die Zukunft bringen?

Der Verkauf des Wohnhauses stand schon seit einigen Wochen fest. In drei Tagen musste sie all ihre Sachen gepackt und ins neue Hotel gebracht haben. Joline stand einige Momente vor dem Wohnhaus ihrer Kindheit, und da sie immer noch Tränen in den Augen hatte, war ihre Sicht verschwommen, aber die Stimme hinter ihr schallte klar und deutlich.

„Hallo Joline. Brauchst du Hilfe?“ Gretchen, ihre beste Freundin aus ihrer Kindheit, winkte und hopste wie ein Kind auf einem Bein auf die Veranda zu. Joline hatte ihre Kameradin seit ihrer Rückkehr zwar schon einige Male gesehen, war aber dennoch froh, dass sie nicht alleine ins Haus zurückkehren musste. Fest schloss sie ihre Vertraute in die Arme und schmiegte sich an die Schulter ihrer Kindheit. Die Erinnerungen an ihre verlorene Jugend machten ihr schwer zu schaffen, einzig, dass Gretchen an ihrer Seite war, munterte sie etwas auf. In der Tür stehend lachte Joline mit einem Schluchzer auf und erinnerte sich an Gretchens Frage.
„Ja. Sehr gerne, komm rein, ich kann jede helfende Hand gebrauchen. Wie kommt es, dass du Zeit hast?“ Schnaufend drehte sich Gretchen zu ihr um. Gott, war sie froh, dass ihre Freundin nichts zu ihren verweinten Augen sagte und sie einfach umarmte.
„Ich habe heute früh einen Eintopf vorbereitet und einen Braten in den Ofen geschoben, so habe ich etwas Zeit.“ Joline lächelte sie dankbar an. „Ich dachte … eine Hand mehr kann nicht schaden.“ Gretchen schob ihrer Kameradin ihre armlose Schulter entgegen und zeigte ihr mit ihrer gesunden Hand ein Victory-Zeichen. Gretchen schien immer zu wissen, wann Joline eine Aufmunterung braucht, und kicherte verhalten. Ihre Vertraute veräppelte sich sehr oft selbst und ging mit ihrer Behinderung dermaßen selbstsicher um, dass Joline ab und an ein klein wenig neidisch auf ihre Freundin war. Sie selbst fühlte sich in ihrem kurvigen Körper nicht immer wohl. Auch ihre Heterochromie erschien ihr als Kind eher störend. Über die unterschiedliche Farbpigmentierung der Iris ihrer beiden Augen hatten viele ihrer Mitschüler und manchmal auch deren Eltern gespottet. Joline versteckte sie seit vielen Jahren hinter Kontaktlinsen, damit sie die Menschen in ihrer Umgebung nicht mehr anstarrten. Oft hatte sie von den Kindern gehört, dass sie wohl ein Auge von ihrer Mutter und eines von ihrem Vater vererbt bekommen hätte. Aber es war einfach nur eine Laune der Natur, mit der sie sich herumschlagen musste.
„Sind deine Großeltern schon weg?“, fragte Gretchen.
„Ja. Sie sind vor Kurzem losgefahren. Eigentlich hättest du sie noch an der Kreuzung treffen müssen“, antwortete Joline und legte ihrer Freundin eine Hand auf die Schulter.
„Nein. Leider nicht. Schade. Ich hatte mich zwar gestern von ihnen verabschiedet, aber ich hätte sie gerne noch ein letztes Mal gesehen.“ Traurig lächelte Joline ihre Freundin an und nickte. Seit ihrer Kindheit spielten, lachten und weinten sie zusammen. Gretchens Oma war Köchin bei Jolines Eltern im Landhaus gewesen, bis sie vor fast vier Jahren an einem unerklärlichen Fieber verstarb. Gretchen brach ihre Ausbildung als Erzieherin ab und übernahm in der Hotelküche die Aufgaben ihrer Großmutter. Viele Jahre hatte Gretchen ihre Oma in der Küche unterstützt, wenn sie aus der Schule kam, und so war es für Gretchen ein Leichtes, die Aufgaben zu übernehmen. Mister Summer, Jolines Vater, hatte einige Geräte für Gretchen umgebaut, damit sie sie ohne Probleme bedienen konnte, und einige der Zimmermädchen halfen Gretchen bei den Vorbereitungen, sodass es selten Probleme in der Küche gab. Obwohl Joline Gretchen in den letzten drei Jahren nicht oft gesehen hatte, schrieb sie ihrer Freundin Nachrichten und rief sie gelegentlich an. Als sie vor vier Tagen zurückkam und ihre Großeltern bereits mit ihrem Umzug begonnen hatten, kam Gretchen mehrmals am Tag zu ihr, um zu helfen.
„Weißt du noch, wie oft wir das Gartenhaus umgebaut haben? Dein Großvater war unser Baumeister-Bob.“ Sie hustete vor lauter Lachen. „Er hatte uns eine Veranda gezimmert und dann sogar ein Dachfenster eingebaut – in einem Gartenhaus … Unglaublich.“ Gretchen stand am Wohnzimmerfenster und blickte verträumt auf die Stelle, an der das Spielhaus vor vielen Jahren gestanden hatte. Jetzt war es weg, abgerissen, nur mehr eine verblassende Erinnerung.
„Oh ja. Ich kann mich gut erinnern. Granny hat immer geschimpft, wenn wir die guten Kissen vom Wohnzimmersofa stibitzt hatten …“ Voller Gedanken an ihre Kindheit trat sie an Gretchen heran und legte ihren Kopf auf die Schulter ihrer Freundin, die fast einen Kopf größer war als sie. Eine Träne kullerte über ihre Wange. Schnell wischte sie sich diese mit dem Handrücken weg, damit Gretchen sie nicht bemerkte.
„Komm, lass uns anfangen. Ich sollte bereits fertig sein und das Haus für seine neuen Besitzer putzen.“ Sie stieß einen lauten Atemzug aus, bewegte sich jedoch nicht.
Gretchen drehte sich zu ihr um und nahm sie in eine halbe Umarmung. Nicht nur Joline vergoss ein paar Tränen. „Ich liebe dieses Haus“, flüsterte ihre Freundin. „Auch ich habe meine halbe Kindheit hier verbracht, nicht nur du.“ Gretchen zog ihre Nase hoch und Joline reichte ihrem Gegenüber ein zerknülltes Taschentuch.
„Ist noch nicht benutzt, sieht nur so aus“, schniefte Joline, als Gretchen das Taschentuch nur zögerlich annahm.
„Wer zuerst im Kinderzimmer ist!“ Plötzlich kreischte Gretchen wie ein Kleinkind und rannte los.
„Das ist nicht fair! Du kannst viel schneller laufen als ich“, erwiderte Joline und lief ebenfalls los. Dabei stolperte sie fast über ihre eigenen Füße und lachte über das alberne Verhalten ihrer Vertrauten.
Mehrere Stunden später stand sie wieder auf der Veranda, Gretchen eilte an ihre Seite. „Danke fürs Helfen, alleine hätte ich das nie geschafft.“ Beherzt küsste sie Gretchen auf die Wange. Ihre innere Unruhe hatte sich etwas gelegt, obwohl sie sich sicher war, dass der Schmerz des Verlustes noch einige Zeit tief in ihrem Herzen verankert sein würde.
„Gern geschehen. Ich muss los. Wir sehen uns dann im Hotel.“ Gretchen grinste sie an.
„Ja, okay. Ich werde nur noch meine Laptoptasche und die Kiste mit den Collegebüchern in mein Auto packen und fahre dann hinüber.“ Joline war ihrer Freundin nicht nur für ihre Hilfe dankbar, nein, der emotionale Beistand war so viel wertvoller, das wusste sie. Und Joline war sich sicher, dass sie ohne ihre Freundin in den letzten Stunden heillos überfordert gewesen wäre und schlichtweg zusammengebrochen wäre. Ganz sicher hätte sie das monströse Tief alleine nicht überstanden. Natürlich wusste Joline, dass ihr Schmerz nicht von heute auf morgen verging, aber sie war sich sicher, dass ihre Freundin ihr immer zur Seite stehen würde. Tief in ihre Gedanken versunken, beobachtete Joline Gretchen, die sich ihre staubige Hose abklopfte, und dachte dabei an all die lustigen Streiche, die Gretchen und sie ihren Großeltern gespielt hatten, die vielen Nächte, die sie zusammen im Baumhaus verbracht und über die dummen Jungs gelacht hatten. Und als Gretchen nun mit beiden Beinen die drei Stufen hinab auf den Gehweg hüpfte, erinnerte sich Joline daran, dass sie, als sie Kinder waren, so gern Seil gesprungen waren oder Wettrennen veranstaltet hatten. All jene Spiele, die Gretchen ohne Einschränkung mitspielen konnte, waren willkommen gewesen. Und wenn ihre Freundin doch einmal Hilfe benötigte, erledigte Joline dies ohne Aufforderung oder darüber nachzudenken. Gretchen drehte sich ein letztes Mal um und grinste sie an. Ihrer Helferin zuwinkend schloss sie schließlich die Tür. Irgendwie hatte Joline das Gefühl, dass sie nicht nur die Haustür schloss. Es fühlte sich beinahe so an, als ob sie die Tür zu ihrer Vergangenheit mit einer einzigen Bewegung zuwarf. Erinnert, geschlossen, verriegelt. Was nun?

Zwanzig Minuten später zog sie die Haustür zu und sperrte ab. Geschafft. Einen tiefen Atemzug einsaugend machte sie ein paar Schritte in den Garten und drehte sich in Richtung Haus. Wie konnte das nur passieren? Ihr Herzschlag rauschte wie ein Tornado und zog sich gleichzeitig zusammen wie eine Sprungfeder auf Zug. Joline konnte sich in ihre Großeltern zwar hineinversetzen und glaubte zu wissen, warum sie ihr nichts gesagt hatten, aber sie ärgerte sich trotzdem. Jetzt hatte sie das Erbe ihrer Eltern verloren und kein Zuhause mehr. Mit leerem Blick starrte sie vor sich hin. Der Kloß des Verlustes saß tief in ihrem Inneren und wollte sich nur schwer auflösen. Aber eines musste sie dem neuen Eigentümer zugutehalten, das Hot Horizon war traumhaft geworden. Modern, luxuriös, richtig strahlend, aber es war nicht mehr in ihrem Besitz, nicht mal ihr Wohnhaus war ihr geblieben, alles gehörte nun Mister Rodriguez und das störte sie sehr. Was sollte nun aus ihr werden? Sich über die Schulter blickend seufzte sie laut.

Mein Haus, mein Zuhause, meine Vergangenheit … alles weg. Und meine Zukunft?

Ihr Elternhaus befand sich nur wenige Autominuten vom Landhotel entfernt, das vor fast drei Jahren verkauft und in den letzten Monaten zu einem Fünf-Sterne-Hotel umgebaut worden war. Doch in diesem Moment kam es ihr so vor, als ob es eine Ewigkeit her war, dass sie hier ihre Kindheit und Jugend verbracht hatte.

Ich verstehe es immer noch nicht. Warum haben sie mir nichts gesagt? Ich hätte das College aufgegeben und hätte ihnen geholfen. Vielleicht hätten wir es retten können? Verdammt. Warum habe ich jede freie Minute gejobbt und bin nicht ein einziges Mal in den Ferien nach Hause gefahren? So dumm.

Aber es half nichts. Joline packte ihre restlichen Sachen ins Auto und fuhr los. Als sie wenige Augenblicke später beim Hotel vorfuhr, war es bereits dunkel geworden und sie war müde. Geschafft vom Umzug betrat sie das Foyer. Der Hoteleingang war hell erleuchtet, mit riesigen Kronleuchtern und Lampen an den Wänden, die wie Fackeln aussahen. Helle Marmorböden und eine Rezeption in rötlichem Holz, sie vermutete Rotbuche, machten den Raum offen und freundlich.

„Hey Joline! Endlich bist du da! Wie geht es dir?“ Philipp, der Barkeeper, stürmte auf sie zu und nahm sie beherzt in seine Arme.
„Lange nicht gesehen, Garcia, du bist groß und kräftig geworden.“ Sie lächelte den jungen Mann an.
„Und du wirst immer hübscher, meine Prinzessin“, feixte Philipp. Kichernd schlug sie ihm auf den Arm.
„Ach, du bist und bleibst ein Herzensbrecher …“ Indem sie lächelte, ließ sie ihn wissen, dass sie das nicht ganz ernst meinte. Philipp hatte schon in den High-School-Ferien im Landhotel gearbeitet. Nach der Ausbildung zum Barkeeper hatte ihm ihr Großvater einen Job hinter der Bar angeboten, den Philipp sofort angenommen hatte. Die Gäste mochten ihn und er liebte seinen Job.
„Du hast mir gefehlt“, flüsterte er ihr ins Ohr und ließ sie wieder los.
„Brauchst du noch Hilfe beim Umzug?“ Dass sie wie zwei verliebte Teenager im Foyer standen, war ihr egal, sie waren nur gute Kumpel. Freunde aus Kindheitstagen. Philipp war einige Jahre älter als sie und es gab Tage, da musste er sie babysitten, aber das war lange her. Sie mochte ihn wie einen großen Bruder, den sie nie hatte. Ihre Verbindung war nach wie vor spürbar, obwohl sie ihn in den letzten Jahren kaum gehört oder gesehen hatte. Gerne erinnerte sie sich daran, als Philipp sie im letzten Collegejahr in Chicago besucht hatte. Eines Tages wartete er vor dem Hörsaal und Joline sprang ihm vor Freude in die Arme. Den ganzen Nachmittag hatten sie gelacht und über ihr Zuhause in Arizona gesprochen. Leider musste Philipp mit dem Abendflug zurück ins Hotel fliegen, aber Joline versprach, in den Weihnachtsferien nach Surprise zurückzukommen. Doch eine Grippeerkrankung zerschlug ihre damaligen Reisepläne und sie musste in Chicago bleiben. Als Überraschung hatte Philipp Jolines Großeltern zu ihrer Abschlussfeier begleitet. Obwohl sie es vehement geleugnet hatte, glaubten ihre Kommilitoninnen, dass Philipp ihr fester Freund wäre.
...
5 Sterne
Fesselndes Buch  - 04.02.2026
Johanna R.

Hot Horizon überzeugt mit einer mitreißenden Mischung aus Leidenschaft, Spannung und starken Emotionen. Ein Intensiver Roman der einfach begeistert.

5 Sterne
Hot Horizon  - 26.01.2026
D. Hutter

Ein absolut fesselndes Buch! Hot Horizon überzeugt mit einer mitreißenden Geschichte, besonderen Charakteren und genau der richtigen Mischung aus Spannung, Erotik und Leidenschaft. Absolut empfehlenswert - freue mich schon auf mehr von der Autorin.

5 Sterne
Hot Horizon  - 21.01.2026
Daniela H.

Ein absolut fesselndes Buch! Hot Horizon überzeugt mit einer mitreißenden Geschichte, besonderen Charakteren und genau der richtigen Mischung aus Spannung, Erotik und Leidenschaft. Absolut empfehlenswert - freue mich schon auf mehr von der Autorin!

5 Sterne
toller Roman - 14.01.2026
Nikki S.

Spicy Liebesgeschichte mit tollen BDSM-Passagen - absolut empfehlenswert

5 Sterne
Ein vielversprechender Anfang einer neuen Autorin - 14.01.2026
Bine

Für ein Erstlingswerk ist dieses Buch bemerkenswert. Die Autorin zeigt Mut zu einem Thema, das eine ordentliche Portion Offenheit und Selbstbewusstsein erfordert. Man spürt deutlich, wie viel Herzblut in diesem Projekt steckt. Ich bin sehr gespannt, was die Autorin künftig noch veröffentlichen wird.

5 Sterne
hot horizon - 14.01.2026
Edel K.

mir hat der Inhalt und die Schreibweise sehr gut gefallen.kaufe mir sofort den nächsten Teilwar sehr kurzweilig

5 Sterne
Spannende Liebesgeschichte  - 18.10.2025
Ulrike Lerchl

Sehr kurzweiliger, herzerwärmender Liebesroman mit äußerst ausführlich beschriebenen Liebesszenen.

Das könnte Ihnen auch gefallen :

Cover: Hot Horizon

Francesca Liacopoulos

Nur ein Kuss ... und die Hormone spielen verrückt

Weitere Bücher von diesem Autor

Cover: Hot Horizon

Lexa Biloxi

Hot Horizon

Buchbewertung:
Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder