Hot Horizon
Love Competition
EUR 24,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 356
ISBN: 978-3-99185-153-0
Erscheinungsdatum: 08.07.2026
Im „HOT HORIZON“ treffen Verlangen, Leidenschaft und gefährliche Spiele aufeinander. In „Love Competition“ entfacht Lexa Biloxi eine prickelnde Romance voller heißer Anziehung, Konkurrenz und Emotionen – mit garantiertem Happy End.
Kapitel 1 – Aiden
Die Wette
vor zwei Jahren – Rodeoplatz in der
Nähe von Surprise, Arizona
„Hey, pass doch auf, du Idiot!“, brummte ich verärgert, als ein kleiner Bursche von einem schwarzen Pick-up vor meine Füße fiel.
„Pass doch selber auf, du Blödmann“, entgegnete mir eine piepsige Stimme.
„Hoppla, du bist ja gar kein Junge, sondern eine kleine, stachelige Prinzessin.“ Breit grinsend reichte ich ihr meine Hand und ein warmes, aber gleichzeitig irritierendes Gefühl breitete sich in meiner Brust aus.
„Ach, was du nicht sagst, geh mir aus den Augen.“ Flink sprang sie auf ihre Beine, schlug gewandt meine Hand zur Seite und klopfte den Staub aus ihrer Skinny-Jeans.
„Oha, keine Prinzessin, sondern eine Kratzbürste. Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?“ Belustigt kratzte ich mir das Kinn, legte den Kopf in den Nacken und lachte laut.
Irgendwie süß, die Kleine, ich mag sie.
Als ich mich von ihr wegdrehte, funkelte sie mich an und zeigte mir den Stinkefinger. Leider konnte sie nicht wissen, dass dies in mir schlechte Erinnerungen an meine Schulzeit auslöste, und ich fuhr sie wütender an, als sie es verdient hatte.
„Was hast du für ein Problem, Kratzbürste?“ Der nun ängstliche Gesichtsausdruck des Mädchens passte überhaupt nicht zu ihrem brüsken Auftreten. Auf mich wirkte sie einerseits taff und andererseits nervös, aber warum? Ich hatte ihr doch nichts getan, noch nicht. Doch ein mulmiges Gefühl, das mich immer zu überkommen schien, wenn sich in meinem Leben etwas gravierend veränderte, klopfte in meinem Bauch, als ob ein hundert Kilo schwerer Boxer gegen einen Sandsack schlug.
„Du hast anscheinend ein Problem mit kleinen Mädchen, großer Rodeostar! Aber das können wir doch lösen, oder?“, fauchte mich das kleine Biest an.
Ah, die Kleine kennt mich also, und sie ist heute wohl mit dem falschen Fuß aufgestanden. Mal sehen, wie sie reagiert, wenn ich auf ihre Forderung eingehe.
Misstrauisch drehte ich mich zu ihr und fragte: „Woran denkst du?“ Eigentlich hatte ich nicht vor, mich mit einem Mädchen zu messen, aber einen Denkzettel hätte sie für ihre Frechheit schon verdient, und wer war ich, ihn ihr nicht zu verpassen, wenn sie es so dringend brauchte, wie mir schien.
Ob sie so niedlich zuschlägt, wie sie spricht? Ich könnte mir schon vorstellen, Hand an sie anzulegen, aber höchstens im Schlafzimmer … und nur, damit sie lustvoll für mich stöhnt …
„Einen Zweikampf – DU gegen MICH – Rodeo gegen Stierkampf.“ Ihre Worte holten mich aus meiner Fantasie zurück und ich lächelte, meine Gedanken festgehakt an ihren nackten Po, den ich ihr versohlen wollte, bis meine Fingerabdrücke ihre Haut zierten und ihre niedlichen Rundungen in ein leuchtendes Rosa verwandelten. Meine Freunde hinter mir drehten sich weg, um nicht laut aufzulachen, aber sie waren nicht sonderlich erfolgreich damit.
Die Kleine hat ja Nerven, mich, den Champ, herauszufordern und dann noch mit einem Stierkampf. Wie soll das denn funktionieren?
„Was gibt es da zu lachen?“, schnaufte die Kratzbürste erbost und starrte meine Freunde einen nach dem anderen an. Mich erreichte ihre Musterung als Letzter. Diese wilde Kratzbürste verwirrte mich mit ihren schwankenden Gefühlsausbrüchen und ich glaubte fast, selbst aus der Rolle zu fallen.
Das könnte mein neuer Lieblingsname für sie werden. Kratzbürste. Ja, das gefällt mir.
„Ich kann mir nur nicht vorstellen, wie so ein kleines, dürres Ding wie du acht Sekunden auf einem Bullen reiten soll.“ Ich wischte mir eine Lachträne aus dem Gesicht. Über sie als Person wollte ich gar nicht lachen, aber die Vorstellung, wie sie sich an den Bullen klammert, war so lustig und heiß zugleich. Wenn sie ihre Beine über den zweieinhalbtausend Pfund schweren Bullenrücken spannen und sich an seinen Nacken klammern würde … Holy shit, da wäre ich gerne der Bulle – das Bild brannte sich in meine Denkstation und in meine Lenden gleichermaßen ein. Hitze breitete sich in meinem Körper aus wie ein Buschfeuer, das es zu löschen galt. Ich war ein gefeierter Rodeostar und hatte keine Zeit für solche Ablenkungen. Konzentration auf meine Karriere war das einzig Wichtige in meinem Leben, und von nun an diese kleine Kratzbürste. MEINS.
„Ach wirklich? Und ich kann mir nicht vorstellen, wie ein Schönling wie du einen Stier in der Arena bezwingen soll. Willst du ihn mit deinem Haargel einreiben und totstreicheln?“ Ihr süffisantes Lächeln traf mich härter, als ich mir eingestehen wollte. Ihre Augen verdunkelten sich für den Bruchteil einer Sekunde und ich sah etwas aufblitzen, war mir aber nicht sicher, ob es das war, was ich glaubte zu sehen – Begierde. Hatte ich mich getäuscht? Einerseits war ich angepisst, aber ihre freche Art weckte auch mein Interesse und ich stimmte der verrückten Idee zu.
„Einverstanden. Hier in einer Woche – MANN gegen FRAU, keine Tricks. Der Verlierer muss dem Sieger die Stiefel polieren und dann küssen – okay?“
„Ja, alles klar, aber keine Tricks, ich warne dich!“ In dem Moment, als sie sich umdrehen wollte, hielt ich sie mit einer Hand an ihrem Unterarm auf.
„Sag mir deinen Namen, Prinzessin.“ Abermals schnaubte sie verächtlich und würdigte mich dann nur eines kurzen, kessen Blickes.
„Ich heiße Carmen Aurelia Magdalena Garzia-Perez, und du?“ Am Zucken ihrer Mundwinkel erkannte ich, dass sie genau wusste, wem sie gegenüberstand und mich lediglich provozieren wollte, aber ich ließ mir nichts anmerken. Die Kleine hatte echt Mumm, mir einerseits zu drohen und andererseits versuchte sie, mich vor meinen Freunden dumm dastehen zu lassen, aber innerlich musste ich über ihre kokette Art schmunzeln. Ich reckte meinen Hals und starrte sie böse an. Die kleine Prinzessin zuckte mit den Schultern und drehte sich von mir weg.
Verdammt, wenn sie nicht so niedlich wäre, würde ich sie übers Knie legen und sie so richtig züchtigen, bis sie mich mit Sir anspricht.
Dieser Gedanke befeuerte meine Fantasie wie mein erster Sieg beim Rodeo. Nicht jugendfreie Gedanken an ihren perfekten, herzförmigen Hintern und wie ich über ihn darüberstrich, brachten Emotionen in mir hervor, denen ich vor langer Zeit abgeschworen hatte – Gedanken an eine feste Freundin und Beziehung. Scheiße, nein, verdammt!
Als ich am Abend vom Rodeoplatz nach Hause kam, dachte ich wieder an den bevorstehenden Zweikampf. Meine Kratzbürste war ein kleines, zickiges Biest, aber auch äußerst süß. Mein Bruder schlenderte aus dem Wohnzimmer in den Flur und spöttelte:
„Na, großer Bruder, stehst du jetzt auf kleine Jungs?“ Er legte die Zeigefinger seitlich an seine Stirn, imitierte einen Stier und rammte mir seinen Kopf spielerisch in den Bauch.
„Blödmann“, schnaubte ich und stieß ihn weg. „Na ja, wie schwer kann es schon sein, einen Stier zu bezwingen, wenn eine halbe Portion wie SIE es schafft“, rief ich meinem Bruder noch zu und stapfte in mein Zimmer. Verärgert zog ich meinen Laptop aus der Schreibtischschublade, setzte mich bequem auf mein Bett und recherchierte den traditionellen spanischen Stierkampf. Nachdem ich mir einige Videos angeschaut hatte, wurde ich doch etwas unruhig.
Sie ist eine zierliche, verwöhnte Prinzessin, weiter nichts – oder doch etwas mehr?
Neugierig checkte ich Carmens Namen in der Google-Suchmaschine und verlor vermutlich meinen sonnengebräunten Teint.
Carmen Aurelia Magdalena Garzia-Perez, Spaniens jüngste, weibliche Stierkämpferin. Bereits mit 8 Jahren startete sie ihre Ausbildung als erste weibliche Novillera. Mit 13 Jahren absolvierte sie ihre Prüfung zur Matadora. Bis heute ist Carmen Garzia-Perez ein gern gesehener Gast bei diversen großen Toreroveranstaltungen.
Aber sie war trotzdem nur ein zickiges, kleines Mädchen, versuchte ich mir immer wieder einzureden. Wie es wohl wäre, sie zu küssen?
Zwei Tage vergingen, und ich rief meinen besten Freund Jayden an.
„Hey Jay, wie geht’s dir? Was machst du gerade?“ Während ich mit meinem Freund telefonierte, kam mir die kleine Kratzbürste in den Sinn. Was sie wohl gerade machte? Genervt von mir selbst schüttelte ich den Kopf und verstand nicht, warum mich das interessieren sollte.
„Hey Champ. Alles gut bei mir, nur viel zu tun“, entgegnete mir mein Best-Bro.
„Was heißt das? Hast du einen neuen Job oder eine Tussi am Laufen?“
„Ja, das ist so …“ Untypischerweise stockte er, dann sprach er abgehakt weiter: „Okay … ich sag es dir … aber sei nicht böse, Mann.“
„Ja, kein Problem, Bro.“ Jetzt war ich wirklich neugierig, was mit meinem besten Freund los war.
„Hör zu – ich trainiere mit Carmen für den Wettkampf, du weißt schon …“. Je länger er redete, desto leiser sprach er – oder kam mir das nur so vor, weil mein Blut in den Adern gefror wie ein Wasserstrahl in der Arktis.? Das laute Pochen in meinen Ohren zertrümmerte mir fast das Trommelfell wie ein Hagelsturm die Kakteenlandschaft im botanischen Garten. Das Ende des Satzes hörte ich gar nicht mehr. Meine Wut kochte über wie ein Milchtopf, und ich war mir nicht sicher, ob es daran lag, dass mich mein bester Kamerad hintergangen hatte oder dass er mit IHR Zeit verbringen durfte.
„Was? Du tust WAS?“ Gerade sprach ich noch mit meinem besten Buddy, und im nächsten Moment wurde ich von einem Güterzug voll enttäuschendem Verrat überrollt.
„Sorry, Bro, ich finde, sie hat sonst gar keine Chance gegen dich, und da dachte ich …“ Schnaubend unterbrach ich meinen ehemals besten Freund, der sich auf die Seite meiner Feindin gestellt hatte.
„Schon klar, Mann! Vergiss es!“ Verärgert spie ich die Worte ins Telefon und legte wütend auf. Vermutlich war er in die Kleine verknallt und wollte sie ficken. Ein lautes Knurren verließ meine Kehle. „Das soll er wagen, SIE GEHÖRT MIR!“
Hm … was ist nur los mit mir? Sie ist meine Gegnerin und nicht meine Freundin, bin ich jetzt total verrückt geworden?
Trotzdem konnte ich das ätzende Gefühl des Verrates und der Enttäuschung in meinem Bauch nicht loswerden. Aber was oder wer enttäuschte mich eigentlich? Mein Bestbuddy half der kleinen Kratzbürste nur, da sie sonst keine Chance hätte und sich lächerlich machen würde. Oder?
Ich setzte mich ins Auto und fuhr stundenlang in der Gegend herum. Wütend, enttäuscht, frustriert. Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich vor der Ranch der Familie Garzia-Perez anhielt. Von der Schule kannte ich Carmens Brüder, aber sie waren allesamt jünger als ich, und ich hatte mich nie mit ihnen befasst. Carmen war die Jüngste der Garzia-Perez-Geschwister und später an unsere Schule gekommen. Ich hatte sie vorher noch nie bemerkt. Alvaro, einer ihrer Brüder, sah mich.
„Hey Champ, was willst du hier? Unsere kleine Schwester ist nicht zu Hause, falls du sie auf Knien um Verzeihung bitten und den Wettkampf absagen willst!“ Seine Brüder formierten sich hinter ihm und lachten schallend. Hitze der Empörung stieg in mir auf, und ich musste mich zurückhalten, bevor ich einen ihrer Brüder als Boxsack missbrauchen würde.
„Nein, auf keinen Fall. Aber sie spielt unfair, sie lässt sich von meinem besten Freund helfen, und das ist gegen unsere Abmachung“, entgegnete ich schärfer, als ich beabsichtigt hatte. Die Brüder traten näher an mein Auto, und ich stieg mit einem mulmigen Gefühl aus. Alejandro, Carmens ältester Bruder – er war nur wenig jünger als ich – sprach nachdenklich.
„So richtig gegen die Abmachung ist es meines Wissens nicht, sie muss ja immer noch das Rodeo selbst bestreiten.“ Er hielt kurz inne und blickte zu seinen Brüdern, die allesamt zu dieser stummen Konversation, die ich nicht recht verstand, zustimmend nickten. „Aber was hältst du davon, wenn wir dir im Gegenzug etwas über Stierkämpfe beibringen?“ Verdutzt schaute ich von einem Bruder zum anderen.
„Warum?“ Ungläubig über seinen Vorschlag schüttelte ich den Kopf.
„Warum was?“ Mein Gegenüber schien nicht zu verstehen, warum ich sein Angebot nicht sofort annahm.
„Warum wollt ihr mir helfen und euch gegen eure Schwester verbünden?“, fragte ich misstrauisch.
Was haben diese Kerle vor? Lieben sie ihre Schwester nicht? Wollen sie sie denn nicht um jeden Preis beschützen? Verdammte Spanier …
„Na ja, du bist ein guter Kerl und wir mögen dich. Carmen ist süß und unsere kleine Schwester, aber leider auch eine überhebliche Nervensäge. Eine kleine Abreibung würde ihr guttun“, entgegnete Diego mit einem schmutzigen Grinsen.
Aus meiner Schulzeit wusste ich, dass er früher ein Bad Boy war. Doch sein zweifelhafter Ruf hatte sich in den letzten Jahren drastisch gebessert, was wohl an seiner festen Freundin liegen musste. Einige Augenblicke studierte ich diese kräftig gebauten Kerle, die ich zwar von früher her kannte, jedoch nie etwas direkt mit ihnen zu tun gehabt hatte. Dennoch konnte ich nur Wahrheit in ihren Augen erkennen. In den letzten zwei Tagen hatte ich mich in meinem Freundeskreis etwas umgehört und mich über die Familie schlau gemacht. Über die Brüder wurde mir viel berichtet, aber über meine kleine Kratzbürste kam mir nicht viel zu Ohren. In den Augen ihrer Freundinnen und Bekannten schien sie ein frommes Lamm zu sein, aber ich befürchtete auch, dass sich nie jemand die Mühe gemacht hatte, sie wirklich kennenzulernen, und vermutlich wusste niemand über ihre ruhmreiche Vergangenheit Bescheid.
„Okay. Warum nicht, seid ihr alle damit einverstanden?“ Alle nickten und baten mich auf die Koppel. Lucas, der jüngste ihrer Brüder, war nur knapp dreizehn Monate älter als Carmen und grinste diabolisch vor sich hin. Was übersah ich hier? Warum wollten sie ihrer kleinen Schwester eine Lektion erteilen, sie konnten ihr im Alltag doch das Leben schwer genug machen. Brauchten sie einen Sündenbock? Bevor ich mir weitere Gedanken machen konnte, meldete sich ihr ältester Bruder Alejandro erneut zu Wort.
„Wir haben jedoch zwei Bedingungen, Lettie“, entgegnete er mir. Mir war klar, dass die Hilfe ihrer Brüder nicht ohne Bedingungen daherkommen würde. Jetzt war ich gespannt, was sie dafür haben wollten. Freikarten für eine Show vielleicht? Oder eine ausgelassene Party? Es war mir egal, also wollte ich hören, was sie von mir erwarteten.
„Die da wären?“, fragte ich angespannt und vermutete bereits eine Falle, in die ich auf keinen Fall tappen wollte.
„Zum einen darf unsere kleine Schwester auf keinen Fall verletzt werden, und zum anderen lässt du sie nur auf einem zahmen Bullen reiten, so als Vorsichtsmaßnahme, wir wollen sie lediglich erschrecken, ihr eine Lektion erteilen. Diese verrückte Wette soll ihr nicht schaden, verstanden?“ Darüber musste ich nicht nachdenken, sie war ja schließlich nur ein kleines Mädchen. War das alles? Eigentlich war das nur eine Bedingung …
Und wenn ich die Wette gewinne, werde ich sie nicht nur küssen. Dann will ich, dass sie mich reitet …
Schnell wischte ich den verstörenden Gedanken wie eine lästige Fliege beiseite.
„Einverstanden, so machen wir das.“ Ich schlug mit jedem ihrer Brüder ein, dabei wurde mir bewusst, dass diese Kerle wirklich kräftig gebaut waren und ich im Falle eines Streites keine Chance hätte. Das musste ich im Hinterkopf behalten.
Wir begannen sofort mit der Qualifizierung, und es folgten ein paar harte Trainingstage. In den letzten zweiundsiebzig Stunden hatte ich viel über Stiere und ihre Eigenheiten, über Strategien, wie ich das Tier zum Ermüden brachte, und über Waffen wie Dolche und Lanzen gelernt. Im klassischen Kampf wurde dem Tier zu Beginn in den Boxengängen ein Haken in den Nacken gerammt, um es wütend zu machen. Im Schmerz versuchten die Tiere, die Matadore in der Arena umzurennen, die wiederum mit Lanzen auf die Stiere einstachen und sie mit roten Tüchern zu reizen versuchten. Nur ein wohlplatzierter Todesstoß erlöste das gepeinigte Tier von seinen Schmerzen. Der Matador wurde von der tosenden Menschenmasse umjubelt. Ein grausames Spiel. Aber Tradition war eben Tradition, auch wenn ich mir meine süße Kratzbürste so gar nicht als moderne Stierkämpferin vorstellen konnte, Videobeweis hin oder her. Mir war das Rodeoreiten dennoch wesentlich lieber.
Heute war der Tag des Wettkampfes, und meine anspruchsvolle Prinzessin sollte ihren Denkzettel erhalten. Ihre Brüder hatten mich gut unterrichtet, aber so richtig wohl fühlte ich mich trotzdem nicht in meiner Haut. In den letzten Tagen hatte ich zwar Gefallen am Stierkampf gefunden, aber das Rodeoreiten war immer noch meine Leidenschaft. Viele Freunde und Familienmitglieder, aber auch ein paar Schaulustige, waren zum Rodeoplatz gekommen.
„Hallo Prinzessin! Bist du bereit für deine Niederlage?“ Siegessicher schlenderte ich an ihr vorbei, betrachtete sie von oben nach unten und konnte ihren süßen Hintern in dieser verdammt engen Jeans nur bewundern. Diese bezaubernde Stupsnase war für ihren Mut nur zu bewundern.
Verdammt, ich will sie lieber ficken als besiegen … hoffentlich fällt sie mir nicht vom Bullen.
Bei dem Gedanken an ihren sexy Körper, ihre zarten Rundungen und was ich damit anstellen wollte, schluckte ich meine Anspannung hinunter und biss mir auf meine rissigen Lippen. In den letzten Tagen hatte ich einige Male nervös darauf herumgeknabbert, eine blöde Angewohnheit, die ich bisher einfach nicht loswerden konnte. Stolz hob sie ihren Kopf und strafte mich mit einem bösen Blick. Schmunzelnd rieb ich mir über mein Kinn.
Süß, meine Kleine …
Mein Bart war etwas zu lang. Ich hatte keine Zeit mehr gehabt, ihn noch vor dem Wettkampf zu trimmen. Langsam trat ich einen Schritt zur Seite und deutete auf die Boxen. Als Gentleman, für den ich mich hielt, hatte ich ihr den Vortritt gelassen. Vorsichtig schlich sie um die Boxen der Rodeobullen herum. Natürlich hatte ich ihr, wie mit ihren Brüdern besprochen, den zahmsten Bullen im Stall zugewiesen. Ganz genau beobachtete ich, wie sie sich an den Stallungen entlangdrückte. Was war los mit ihr, sie wirkte angespannt, beinahe ängstlich. Ihre Brüder hatten mir viel von Carmen erzählt, sie sei ein richtiger Wildfang, unerschütterlich und mutig. Aber diese kleine graue Maus schien geradezu überfordert zu sein und über ihre eigene Courage zu stolpern. Wenn ich es nicht genau wüsste, würde ich sagen, dass dies eine ganz andere Person war und nicht meine kleine Kratzbürste.
Interessant …
...
Die Wette
vor zwei Jahren – Rodeoplatz in der
Nähe von Surprise, Arizona
„Hey, pass doch auf, du Idiot!“, brummte ich verärgert, als ein kleiner Bursche von einem schwarzen Pick-up vor meine Füße fiel.
„Pass doch selber auf, du Blödmann“, entgegnete mir eine piepsige Stimme.
„Hoppla, du bist ja gar kein Junge, sondern eine kleine, stachelige Prinzessin.“ Breit grinsend reichte ich ihr meine Hand und ein warmes, aber gleichzeitig irritierendes Gefühl breitete sich in meiner Brust aus.
„Ach, was du nicht sagst, geh mir aus den Augen.“ Flink sprang sie auf ihre Beine, schlug gewandt meine Hand zur Seite und klopfte den Staub aus ihrer Skinny-Jeans.
„Oha, keine Prinzessin, sondern eine Kratzbürste. Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?“ Belustigt kratzte ich mir das Kinn, legte den Kopf in den Nacken und lachte laut.
Irgendwie süß, die Kleine, ich mag sie.
Als ich mich von ihr wegdrehte, funkelte sie mich an und zeigte mir den Stinkefinger. Leider konnte sie nicht wissen, dass dies in mir schlechte Erinnerungen an meine Schulzeit auslöste, und ich fuhr sie wütender an, als sie es verdient hatte.
„Was hast du für ein Problem, Kratzbürste?“ Der nun ängstliche Gesichtsausdruck des Mädchens passte überhaupt nicht zu ihrem brüsken Auftreten. Auf mich wirkte sie einerseits taff und andererseits nervös, aber warum? Ich hatte ihr doch nichts getan, noch nicht. Doch ein mulmiges Gefühl, das mich immer zu überkommen schien, wenn sich in meinem Leben etwas gravierend veränderte, klopfte in meinem Bauch, als ob ein hundert Kilo schwerer Boxer gegen einen Sandsack schlug.
„Du hast anscheinend ein Problem mit kleinen Mädchen, großer Rodeostar! Aber das können wir doch lösen, oder?“, fauchte mich das kleine Biest an.
Ah, die Kleine kennt mich also, und sie ist heute wohl mit dem falschen Fuß aufgestanden. Mal sehen, wie sie reagiert, wenn ich auf ihre Forderung eingehe.
Misstrauisch drehte ich mich zu ihr und fragte: „Woran denkst du?“ Eigentlich hatte ich nicht vor, mich mit einem Mädchen zu messen, aber einen Denkzettel hätte sie für ihre Frechheit schon verdient, und wer war ich, ihn ihr nicht zu verpassen, wenn sie es so dringend brauchte, wie mir schien.
Ob sie so niedlich zuschlägt, wie sie spricht? Ich könnte mir schon vorstellen, Hand an sie anzulegen, aber höchstens im Schlafzimmer … und nur, damit sie lustvoll für mich stöhnt …
„Einen Zweikampf – DU gegen MICH – Rodeo gegen Stierkampf.“ Ihre Worte holten mich aus meiner Fantasie zurück und ich lächelte, meine Gedanken festgehakt an ihren nackten Po, den ich ihr versohlen wollte, bis meine Fingerabdrücke ihre Haut zierten und ihre niedlichen Rundungen in ein leuchtendes Rosa verwandelten. Meine Freunde hinter mir drehten sich weg, um nicht laut aufzulachen, aber sie waren nicht sonderlich erfolgreich damit.
Die Kleine hat ja Nerven, mich, den Champ, herauszufordern und dann noch mit einem Stierkampf. Wie soll das denn funktionieren?
„Was gibt es da zu lachen?“, schnaufte die Kratzbürste erbost und starrte meine Freunde einen nach dem anderen an. Mich erreichte ihre Musterung als Letzter. Diese wilde Kratzbürste verwirrte mich mit ihren schwankenden Gefühlsausbrüchen und ich glaubte fast, selbst aus der Rolle zu fallen.
Das könnte mein neuer Lieblingsname für sie werden. Kratzbürste. Ja, das gefällt mir.
„Ich kann mir nur nicht vorstellen, wie so ein kleines, dürres Ding wie du acht Sekunden auf einem Bullen reiten soll.“ Ich wischte mir eine Lachträne aus dem Gesicht. Über sie als Person wollte ich gar nicht lachen, aber die Vorstellung, wie sie sich an den Bullen klammert, war so lustig und heiß zugleich. Wenn sie ihre Beine über den zweieinhalbtausend Pfund schweren Bullenrücken spannen und sich an seinen Nacken klammern würde … Holy shit, da wäre ich gerne der Bulle – das Bild brannte sich in meine Denkstation und in meine Lenden gleichermaßen ein. Hitze breitete sich in meinem Körper aus wie ein Buschfeuer, das es zu löschen galt. Ich war ein gefeierter Rodeostar und hatte keine Zeit für solche Ablenkungen. Konzentration auf meine Karriere war das einzig Wichtige in meinem Leben, und von nun an diese kleine Kratzbürste. MEINS.
„Ach wirklich? Und ich kann mir nicht vorstellen, wie ein Schönling wie du einen Stier in der Arena bezwingen soll. Willst du ihn mit deinem Haargel einreiben und totstreicheln?“ Ihr süffisantes Lächeln traf mich härter, als ich mir eingestehen wollte. Ihre Augen verdunkelten sich für den Bruchteil einer Sekunde und ich sah etwas aufblitzen, war mir aber nicht sicher, ob es das war, was ich glaubte zu sehen – Begierde. Hatte ich mich getäuscht? Einerseits war ich angepisst, aber ihre freche Art weckte auch mein Interesse und ich stimmte der verrückten Idee zu.
„Einverstanden. Hier in einer Woche – MANN gegen FRAU, keine Tricks. Der Verlierer muss dem Sieger die Stiefel polieren und dann küssen – okay?“
„Ja, alles klar, aber keine Tricks, ich warne dich!“ In dem Moment, als sie sich umdrehen wollte, hielt ich sie mit einer Hand an ihrem Unterarm auf.
„Sag mir deinen Namen, Prinzessin.“ Abermals schnaubte sie verächtlich und würdigte mich dann nur eines kurzen, kessen Blickes.
„Ich heiße Carmen Aurelia Magdalena Garzia-Perez, und du?“ Am Zucken ihrer Mundwinkel erkannte ich, dass sie genau wusste, wem sie gegenüberstand und mich lediglich provozieren wollte, aber ich ließ mir nichts anmerken. Die Kleine hatte echt Mumm, mir einerseits zu drohen und andererseits versuchte sie, mich vor meinen Freunden dumm dastehen zu lassen, aber innerlich musste ich über ihre kokette Art schmunzeln. Ich reckte meinen Hals und starrte sie böse an. Die kleine Prinzessin zuckte mit den Schultern und drehte sich von mir weg.
Verdammt, wenn sie nicht so niedlich wäre, würde ich sie übers Knie legen und sie so richtig züchtigen, bis sie mich mit Sir anspricht.
Dieser Gedanke befeuerte meine Fantasie wie mein erster Sieg beim Rodeo. Nicht jugendfreie Gedanken an ihren perfekten, herzförmigen Hintern und wie ich über ihn darüberstrich, brachten Emotionen in mir hervor, denen ich vor langer Zeit abgeschworen hatte – Gedanken an eine feste Freundin und Beziehung. Scheiße, nein, verdammt!
Als ich am Abend vom Rodeoplatz nach Hause kam, dachte ich wieder an den bevorstehenden Zweikampf. Meine Kratzbürste war ein kleines, zickiges Biest, aber auch äußerst süß. Mein Bruder schlenderte aus dem Wohnzimmer in den Flur und spöttelte:
„Na, großer Bruder, stehst du jetzt auf kleine Jungs?“ Er legte die Zeigefinger seitlich an seine Stirn, imitierte einen Stier und rammte mir seinen Kopf spielerisch in den Bauch.
„Blödmann“, schnaubte ich und stieß ihn weg. „Na ja, wie schwer kann es schon sein, einen Stier zu bezwingen, wenn eine halbe Portion wie SIE es schafft“, rief ich meinem Bruder noch zu und stapfte in mein Zimmer. Verärgert zog ich meinen Laptop aus der Schreibtischschublade, setzte mich bequem auf mein Bett und recherchierte den traditionellen spanischen Stierkampf. Nachdem ich mir einige Videos angeschaut hatte, wurde ich doch etwas unruhig.
Sie ist eine zierliche, verwöhnte Prinzessin, weiter nichts – oder doch etwas mehr?
Neugierig checkte ich Carmens Namen in der Google-Suchmaschine und verlor vermutlich meinen sonnengebräunten Teint.
Carmen Aurelia Magdalena Garzia-Perez, Spaniens jüngste, weibliche Stierkämpferin. Bereits mit 8 Jahren startete sie ihre Ausbildung als erste weibliche Novillera. Mit 13 Jahren absolvierte sie ihre Prüfung zur Matadora. Bis heute ist Carmen Garzia-Perez ein gern gesehener Gast bei diversen großen Toreroveranstaltungen.
Aber sie war trotzdem nur ein zickiges, kleines Mädchen, versuchte ich mir immer wieder einzureden. Wie es wohl wäre, sie zu küssen?
Zwei Tage vergingen, und ich rief meinen besten Freund Jayden an.
„Hey Jay, wie geht’s dir? Was machst du gerade?“ Während ich mit meinem Freund telefonierte, kam mir die kleine Kratzbürste in den Sinn. Was sie wohl gerade machte? Genervt von mir selbst schüttelte ich den Kopf und verstand nicht, warum mich das interessieren sollte.
„Hey Champ. Alles gut bei mir, nur viel zu tun“, entgegnete mir mein Best-Bro.
„Was heißt das? Hast du einen neuen Job oder eine Tussi am Laufen?“
„Ja, das ist so …“ Untypischerweise stockte er, dann sprach er abgehakt weiter: „Okay … ich sag es dir … aber sei nicht böse, Mann.“
„Ja, kein Problem, Bro.“ Jetzt war ich wirklich neugierig, was mit meinem besten Freund los war.
„Hör zu – ich trainiere mit Carmen für den Wettkampf, du weißt schon …“. Je länger er redete, desto leiser sprach er – oder kam mir das nur so vor, weil mein Blut in den Adern gefror wie ein Wasserstrahl in der Arktis.? Das laute Pochen in meinen Ohren zertrümmerte mir fast das Trommelfell wie ein Hagelsturm die Kakteenlandschaft im botanischen Garten. Das Ende des Satzes hörte ich gar nicht mehr. Meine Wut kochte über wie ein Milchtopf, und ich war mir nicht sicher, ob es daran lag, dass mich mein bester Kamerad hintergangen hatte oder dass er mit IHR Zeit verbringen durfte.
„Was? Du tust WAS?“ Gerade sprach ich noch mit meinem besten Buddy, und im nächsten Moment wurde ich von einem Güterzug voll enttäuschendem Verrat überrollt.
„Sorry, Bro, ich finde, sie hat sonst gar keine Chance gegen dich, und da dachte ich …“ Schnaubend unterbrach ich meinen ehemals besten Freund, der sich auf die Seite meiner Feindin gestellt hatte.
„Schon klar, Mann! Vergiss es!“ Verärgert spie ich die Worte ins Telefon und legte wütend auf. Vermutlich war er in die Kleine verknallt und wollte sie ficken. Ein lautes Knurren verließ meine Kehle. „Das soll er wagen, SIE GEHÖRT MIR!“
Hm … was ist nur los mit mir? Sie ist meine Gegnerin und nicht meine Freundin, bin ich jetzt total verrückt geworden?
Trotzdem konnte ich das ätzende Gefühl des Verrates und der Enttäuschung in meinem Bauch nicht loswerden. Aber was oder wer enttäuschte mich eigentlich? Mein Bestbuddy half der kleinen Kratzbürste nur, da sie sonst keine Chance hätte und sich lächerlich machen würde. Oder?
Ich setzte mich ins Auto und fuhr stundenlang in der Gegend herum. Wütend, enttäuscht, frustriert. Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich vor der Ranch der Familie Garzia-Perez anhielt. Von der Schule kannte ich Carmens Brüder, aber sie waren allesamt jünger als ich, und ich hatte mich nie mit ihnen befasst. Carmen war die Jüngste der Garzia-Perez-Geschwister und später an unsere Schule gekommen. Ich hatte sie vorher noch nie bemerkt. Alvaro, einer ihrer Brüder, sah mich.
„Hey Champ, was willst du hier? Unsere kleine Schwester ist nicht zu Hause, falls du sie auf Knien um Verzeihung bitten und den Wettkampf absagen willst!“ Seine Brüder formierten sich hinter ihm und lachten schallend. Hitze der Empörung stieg in mir auf, und ich musste mich zurückhalten, bevor ich einen ihrer Brüder als Boxsack missbrauchen würde.
„Nein, auf keinen Fall. Aber sie spielt unfair, sie lässt sich von meinem besten Freund helfen, und das ist gegen unsere Abmachung“, entgegnete ich schärfer, als ich beabsichtigt hatte. Die Brüder traten näher an mein Auto, und ich stieg mit einem mulmigen Gefühl aus. Alejandro, Carmens ältester Bruder – er war nur wenig jünger als ich – sprach nachdenklich.
„So richtig gegen die Abmachung ist es meines Wissens nicht, sie muss ja immer noch das Rodeo selbst bestreiten.“ Er hielt kurz inne und blickte zu seinen Brüdern, die allesamt zu dieser stummen Konversation, die ich nicht recht verstand, zustimmend nickten. „Aber was hältst du davon, wenn wir dir im Gegenzug etwas über Stierkämpfe beibringen?“ Verdutzt schaute ich von einem Bruder zum anderen.
„Warum?“ Ungläubig über seinen Vorschlag schüttelte ich den Kopf.
„Warum was?“ Mein Gegenüber schien nicht zu verstehen, warum ich sein Angebot nicht sofort annahm.
„Warum wollt ihr mir helfen und euch gegen eure Schwester verbünden?“, fragte ich misstrauisch.
Was haben diese Kerle vor? Lieben sie ihre Schwester nicht? Wollen sie sie denn nicht um jeden Preis beschützen? Verdammte Spanier …
„Na ja, du bist ein guter Kerl und wir mögen dich. Carmen ist süß und unsere kleine Schwester, aber leider auch eine überhebliche Nervensäge. Eine kleine Abreibung würde ihr guttun“, entgegnete Diego mit einem schmutzigen Grinsen.
Aus meiner Schulzeit wusste ich, dass er früher ein Bad Boy war. Doch sein zweifelhafter Ruf hatte sich in den letzten Jahren drastisch gebessert, was wohl an seiner festen Freundin liegen musste. Einige Augenblicke studierte ich diese kräftig gebauten Kerle, die ich zwar von früher her kannte, jedoch nie etwas direkt mit ihnen zu tun gehabt hatte. Dennoch konnte ich nur Wahrheit in ihren Augen erkennen. In den letzten zwei Tagen hatte ich mich in meinem Freundeskreis etwas umgehört und mich über die Familie schlau gemacht. Über die Brüder wurde mir viel berichtet, aber über meine kleine Kratzbürste kam mir nicht viel zu Ohren. In den Augen ihrer Freundinnen und Bekannten schien sie ein frommes Lamm zu sein, aber ich befürchtete auch, dass sich nie jemand die Mühe gemacht hatte, sie wirklich kennenzulernen, und vermutlich wusste niemand über ihre ruhmreiche Vergangenheit Bescheid.
„Okay. Warum nicht, seid ihr alle damit einverstanden?“ Alle nickten und baten mich auf die Koppel. Lucas, der jüngste ihrer Brüder, war nur knapp dreizehn Monate älter als Carmen und grinste diabolisch vor sich hin. Was übersah ich hier? Warum wollten sie ihrer kleinen Schwester eine Lektion erteilen, sie konnten ihr im Alltag doch das Leben schwer genug machen. Brauchten sie einen Sündenbock? Bevor ich mir weitere Gedanken machen konnte, meldete sich ihr ältester Bruder Alejandro erneut zu Wort.
„Wir haben jedoch zwei Bedingungen, Lettie“, entgegnete er mir. Mir war klar, dass die Hilfe ihrer Brüder nicht ohne Bedingungen daherkommen würde. Jetzt war ich gespannt, was sie dafür haben wollten. Freikarten für eine Show vielleicht? Oder eine ausgelassene Party? Es war mir egal, also wollte ich hören, was sie von mir erwarteten.
„Die da wären?“, fragte ich angespannt und vermutete bereits eine Falle, in die ich auf keinen Fall tappen wollte.
„Zum einen darf unsere kleine Schwester auf keinen Fall verletzt werden, und zum anderen lässt du sie nur auf einem zahmen Bullen reiten, so als Vorsichtsmaßnahme, wir wollen sie lediglich erschrecken, ihr eine Lektion erteilen. Diese verrückte Wette soll ihr nicht schaden, verstanden?“ Darüber musste ich nicht nachdenken, sie war ja schließlich nur ein kleines Mädchen. War das alles? Eigentlich war das nur eine Bedingung …
Und wenn ich die Wette gewinne, werde ich sie nicht nur küssen. Dann will ich, dass sie mich reitet …
Schnell wischte ich den verstörenden Gedanken wie eine lästige Fliege beiseite.
„Einverstanden, so machen wir das.“ Ich schlug mit jedem ihrer Brüder ein, dabei wurde mir bewusst, dass diese Kerle wirklich kräftig gebaut waren und ich im Falle eines Streites keine Chance hätte. Das musste ich im Hinterkopf behalten.
Wir begannen sofort mit der Qualifizierung, und es folgten ein paar harte Trainingstage. In den letzten zweiundsiebzig Stunden hatte ich viel über Stiere und ihre Eigenheiten, über Strategien, wie ich das Tier zum Ermüden brachte, und über Waffen wie Dolche und Lanzen gelernt. Im klassischen Kampf wurde dem Tier zu Beginn in den Boxengängen ein Haken in den Nacken gerammt, um es wütend zu machen. Im Schmerz versuchten die Tiere, die Matadore in der Arena umzurennen, die wiederum mit Lanzen auf die Stiere einstachen und sie mit roten Tüchern zu reizen versuchten. Nur ein wohlplatzierter Todesstoß erlöste das gepeinigte Tier von seinen Schmerzen. Der Matador wurde von der tosenden Menschenmasse umjubelt. Ein grausames Spiel. Aber Tradition war eben Tradition, auch wenn ich mir meine süße Kratzbürste so gar nicht als moderne Stierkämpferin vorstellen konnte, Videobeweis hin oder her. Mir war das Rodeoreiten dennoch wesentlich lieber.
Heute war der Tag des Wettkampfes, und meine anspruchsvolle Prinzessin sollte ihren Denkzettel erhalten. Ihre Brüder hatten mich gut unterrichtet, aber so richtig wohl fühlte ich mich trotzdem nicht in meiner Haut. In den letzten Tagen hatte ich zwar Gefallen am Stierkampf gefunden, aber das Rodeoreiten war immer noch meine Leidenschaft. Viele Freunde und Familienmitglieder, aber auch ein paar Schaulustige, waren zum Rodeoplatz gekommen.
„Hallo Prinzessin! Bist du bereit für deine Niederlage?“ Siegessicher schlenderte ich an ihr vorbei, betrachtete sie von oben nach unten und konnte ihren süßen Hintern in dieser verdammt engen Jeans nur bewundern. Diese bezaubernde Stupsnase war für ihren Mut nur zu bewundern.
Verdammt, ich will sie lieber ficken als besiegen … hoffentlich fällt sie mir nicht vom Bullen.
Bei dem Gedanken an ihren sexy Körper, ihre zarten Rundungen und was ich damit anstellen wollte, schluckte ich meine Anspannung hinunter und biss mir auf meine rissigen Lippen. In den letzten Tagen hatte ich einige Male nervös darauf herumgeknabbert, eine blöde Angewohnheit, die ich bisher einfach nicht loswerden konnte. Stolz hob sie ihren Kopf und strafte mich mit einem bösen Blick. Schmunzelnd rieb ich mir über mein Kinn.
Süß, meine Kleine …
Mein Bart war etwas zu lang. Ich hatte keine Zeit mehr gehabt, ihn noch vor dem Wettkampf zu trimmen. Langsam trat ich einen Schritt zur Seite und deutete auf die Boxen. Als Gentleman, für den ich mich hielt, hatte ich ihr den Vortritt gelassen. Vorsichtig schlich sie um die Boxen der Rodeobullen herum. Natürlich hatte ich ihr, wie mit ihren Brüdern besprochen, den zahmsten Bullen im Stall zugewiesen. Ganz genau beobachtete ich, wie sie sich an den Stallungen entlangdrückte. Was war los mit ihr, sie wirkte angespannt, beinahe ängstlich. Ihre Brüder hatten mir viel von Carmen erzählt, sie sei ein richtiger Wildfang, unerschütterlich und mutig. Aber diese kleine graue Maus schien geradezu überfordert zu sein und über ihre eigene Courage zu stolpern. Wenn ich es nicht genau wüsste, würde ich sagen, dass dies eine ganz andere Person war und nicht meine kleine Kratzbürste.
Interessant …
...


