Erotik & Sinnlichkeit

Die Märchenprinzen

Mara Raffner

Die Märchenprinzen

Leseprobe:

Jan



1

Jetzt bin ich endlich so weit, den Anfang dieser Geschichte niederzuschreiben. Denn das Ende kenne ich immer noch nicht, auch wenn diese erste Story scheinbar abgeschlossen ist. Die zweite ist noch aktuell und eine dritte kam eben dazu.

Es war vor einigen Jahren im Sommer, als alles anfing. Ich war in Santa Monica, um einen Sprachkurs zu besuchen, denn seit Jahren hatte ich mir das vorgenommen. Ich musste mein Englisch verbessern, da ich aus der Übung war. Ich hielt es für das Beste, in dem Land, das mich am meisten anzog, einen Sprachaufenthalt zu machen, und im Sommer war es dann so weit. Ich war aufgeregt, denn ich wusste, ich würde mit meinen 48 Jahren die Älteste im Kurs sein, aber andererseits war das Alter nie ein ernsthaftes Problem für mich gewesen. Außerdem würde mir ein Aufenthalt in einem fernen Land mit jungen Leuten sehr guttun, denn gerade war eine langjährige Beziehung zu Ende gegangen – in gegenseitigem Einverständnis zwar und mit Erhalt der Freundschaft –, aber ich war nicht in bester Laune. Ich litt zwar nicht sonderlich darunter, denn ich wusste schon seit Längerem, dass ich für eine klassische Beziehung völlig ungeeignet war. Das, was ich mir immer ersehnt hatte, nämlich einen Seelengefährten, hatte ich wohl gehabt, aber es ging schief, aus beidseitigen Gründen.
Doch nun wollte ich nicht länger über die Hintergründe nachgrübeln, sondern den Sommer im heißen Kalifornien genießen, wandern, schwimmen, lernen.
Und so kam es. Es war mittlerweile Mitte Juli und ich weilte schon zwei Wochen in Santa Monica.
Dazwischen fuhr ich immer wieder nach L.A. und auch in das dahintergelegene Hügelland, um zu wandern, nach San Franzisko, in die Nationalparks und überallhin, wo es mir schön und sehenswert erschien. Am Abend traf ich mich oft mit meinen Kommilitonen (sie waren wie vorausgesehen viel jünger als ich) und wir gingen essen, ins Pub oder sogar zum Tanzen in die Disco. Ich tat so, als wäre ich jung, ich genoss die Oberflächlichkeit und Unbeschwertheit.
Dazwischen ging ich immer wieder wandern und fuhr in die Berge hinter L.A., es war traumhaft schön dort in diesen endlosen Wäldern und dem kargen Hügelland. Ich ging allein und genoss die Einsamkeit und die Bewegung, das Wandern war seit Kindesbeinen meine große Leidenschaft. Ich war früh aufgebrochen an jenem schönen, heißen Sommertag, um eine längere Wanderung zu machen. Es war der Tag, an dem ich den ersten der Märchenprinzen traf. Ja, ich sage „Prinz“, denn genau das war es, was mich so faszinierte, und auch, dass er diesen „Prinzen“ ganz bis zum Äußersten lebte. Heute ist mir klar, warum das so war und warum er diesen Eindruck erzeugte.

Ich hatte leichte Hosen und Wanderschuhe angezogen und war auf dem Weg zurück durch ein lang gestrecktes, steiles Gelände nach unten, um zu einer der Hauptstraßen zu gelangen und den Bus zu erwischen, der mich nach L.A. zurückbringen würde. Die Sonne stand schon schräg und ließ ihre Strahlen über die verschiedenen Schattierungen von Grün wandern, die mich in dieser Gegend immer so sehr faszinierten. Die Begegnung mit dem Prinzen fand am Rande des Gebüsches statt, allerdings stand im Vordergrund weniger der schöne Reiter als sein Pferd, eine hübsche Stute namens Suzy.
Ich lief gerade den steinigen Weg hinunter, als ich ins Rutschen kam und ein ziemliches Stück mehr fiel als lief. Ich war durch das viele Gehen durch steiles Gelände auch das Fallen gewohnt und hatte außerdem durch langjährige Gymnastikübungen einen sehr geschmeidigen Körper. Da tauchte plötzlich direkt neben mir ein Reiter auf einem hellbraunen Pferd auf. Es krachte und das Pferd stieg in die Luft und hätte ihn abgeworfen, wenn er sich nicht so gut im Sattel gehalten hätte.

Ich erschrak, kauerte am Boden und blickte dem Reiter entgegen, der schnell zu mir gerannt kam. Das Pferd stand etwas abseits am Wegrand und schien sich beruhigt zu haben.
Etwas an dem jungen Mann, der sich über mich beugte, schien mir bekannt, aber es wollte mir nicht einfallen. Ich sah nur, dass er wunderschön war und ein ebenmäßiges, etwas arrogantes Gesicht mit tiefblauen Augen hatte. Etwas blass geworden beugte er sich über mich und half mir auf, besorgt, ob mir etwas fehle. Ich war schon wieder ganz ich selbst und stand aus meiner gebückten Haltung auf. Keinesfalls, sagte ich, es sei außerdem meine Schuld, so unvorsichtig durchs Gebüsch zu rennen, ich sei auf dem letzten Stück nur ins Rutschen gekommen. Er richtete sich erleichtert auf und sah mir neugierig ins Gesicht, als warte er auf etwas. Aber ich deutete nur auf das Pferd und sagte, dass es wunderschön sei und ob ich es streicheln dürfe. Als ich zu ihm hinging, hinkte ich nun doch etwas. Er zeigte sich wieder sehr besorgt und wollte mich zu einem Arzt bringen. Ich lehnte aber ab, es sei wirklich nichts, ich würde wandern seit dem Kindesalter und sei schon öfter mal gefallen, das gehöre dazu. Er lächelte und meinte, dann sei es wohl so wie mit seinen Pferden, er sei mit Pferden aufgewachsen. Und das sei sein Lieblingspferd Suzy, das mit ihm in L.A. leben würde. Mit ihm und seiner Ehefrau, berichtigte er sogleich. Er hätte eine kleine Ranch nicht weit von hier und wolle mich dorthin mitnehmen, um zu sehen, ob mir auch wirklich nichts fehle. Ich lehnte ab und war inzwischen bei dem Pferd angelangt. Seine Schönheit und die sanften Augen bezauberten mich. Ich hatte noch ein paar Honigcrackers in meinem Rucksack, fütterte es damit und herzte es. Der Reiter stand etwas verwundert daneben und sah mir zu.
Schließlich meinte ich, ich würde nun weiterlaufen. Der Tag neigte sich auch wirklich dem Abend zu. Er gab mir die Hand und sagte schnell, bevor wir uns trennten, er heiße Jan und er würde mir seine Nummer geben, falls doch etwas wäre. Und ob er meine haben könne, dann würde er sich nach meinem Befinden erkundigen.
Der lässt nichts anbrennen, dachte ich nur und wunderte mich, denn der Altersunterschied war mehr als evident; wie sich später herausstellte, waren es elf Jahre.
Wieder hatte ich das Gefühl, ihn schon mal gesehen zu haben, aber ich dachte nicht weiter darüber nach und lief zur Hauptstraße, wo ich glücklich noch den Bus erreichte.
In den folgenden Tagen vergaß ich die Episode völlig, auch weil mir überhaupt nichts wehtat von dem Sturz, und widmete mich mit Eifer meinem Kurs. Am Samstag darauf klingelte das Handy. Jan war am Apparat: ob es mir besser ginge. Gut, sagte ich, wirklich, es sei nichts gewesen, aber vielen Dank für die Nachfrage. Er sei in Santa Monica, ob ich Lust hätte, ihn und Suzy wiederzusehen, er würde ein Stück reiten gehen. Liebend gern wollte ich das – vor allem Suzy wiedersehen.
Wir trafen uns am frühen Nachmittag bei einem kleinen Gasthaus, zu dem die Reitwege führten. Suzy stand angebunden am Zaun und wieherte fröhlich, als sie mich erkannte.
„Sie erkennt Sie tatsächlich wieder“, sagte der blauäugige Reiter. Er war noch schöner als beim ersten Mal. Ich sagte ihm das auch, als wir bei einem Getränk im Gastgarten saßen. Er lächelte und fragte, ob wir in Italy (er sprach es sehr amerikanisch aus) auch die Serie Paranormal sehen würden. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Der Typ war doch einer der beiden Hauptdarsteller der Erfolgsserie! Er sah etwas anders aus in Wirklichkeit, aber klar, dieses schöne, ebenmäßige Gesicht und die blauen Augen … In der Realität hatte er einen etwas arroganten Zug um den Mund, den man auf der Leinwand nicht bemerkte. Aber mir fiel der ganze Rummel ein, den man um ihn und um seinen „besten Freund“ in der Serie machte, vor allem in Deutschland, aber auch in Italien, und wie hysterisch sein Fanklub war. Klar, ich erzählte ihm das und ja, natürlich, dann war ich mit einem der größten Sex-Symbole der Zeit zusammengestoßen! Wir unterhielten uns den ganzen Nachmittag bestens und irgendwie fiel mir auf, dass wir ständig lachten.
Ich muss nicht dazusagen, dass wir uns weiter trafen. Es war unglaublich, diese letzten zwei Wochen im Juli waren wundervoll, erfüllt von Spaziergängen mit Suzy und viel Gelächter. Wir redeten und er erzählte mir von seinen Rollen, seinen Produktionen und seinem Freund Alex, der die zweite Rolle in der beliebten Serie hatte.
Das, was nie zur Sprache kam, war seine Frau oder etwas aus seinem oder meinem Privatleben oder auch nur die Andeutung einer möglichen Anziehung zwischen uns. Es war nur sehr nett und amüsant. Und ich fuhr ja bald wieder heim, Ende Juli flog ich nach Mailand zurück. Wir waren so verblieben, dass er willkommen sei, sollte er Mailand und Italy besuchen wollen, die Stadt und die Welt der Mode.
Ich musste aber zugeben, dass er einfach lieb war und eigenartigerweise sehr anhänglich. Seltsam, da ich mit seiner Welt nichts zu tun hatte, er außerdem einen ganz anderen Frauentyp gewohnt war und mit einer viel schöneren und jüngeren Frau verheiratet war. Vielleicht hatte an jenem Nachmittag beim Gespräch die Magie schon begonnen, vielleicht kam sie in jenen Tagen, als wir so viel lachten und uns blendend unterhielten.
Ich war jedenfalls schon wieder in Mailand, nachdem ich im August noch einige schöne Tage in den Bergen verbracht hatte, als das Handy klingelte. Es war Jan. Das hatte ich nun keinesfalls erwartet, noch dazu bei seinem Glamour und seiner schönen Welt. Er wolle nur ein wenig mit mir reden, meinte er, es gehe ihm nicht so gut. Er wollte nichts darüber sagen, es sei privat und habe mit seiner Ehe zu tun, aber er wolle nicht darüber sprechen.
Wir redeten über alles Mögliche. Ich erzählte ihm von den Bergen und deren Schönheit, von meinen Wanderungen und am Ende fragte er, ob er mich besuchen dürfe. Mir blieb das Herz stehen, ich und der berühmte Jan H., das konnte nicht wahr sein. Ich ließ mir nichts davon anmerken und sagte, gern, ich würde ihm ein Hotel in der Nähe meiner Wohnung buchen, das seinen Standards angemessen sei. Damit er ja nicht glaubte, ich sei ein etwas älteres Aschenbrödel, das es auf ihn abgesehen habe. Und bei dem er vielleicht dachte: eine reife Frau, die in den Märchenprinzen verliebt ist. Erst in späteren Gesprächen erfuhr ich, dass das Gegenteil der Fall war, dass er nicht glauben konnte, dass eine Frau so wenig Interesse für ihn zeigte. Denn er war gewohnt, dass er in jedem Fall auf die Frauen wirkte, ob sie nun jünger oder älter waren, auch wenn es ihn nicht berührte, weil er seit fast zehn Jahren glücklich verheiratet war. Es kam ihm seltsam vor, dass ich so wenig Interesse zeigte und keine Aktion von mir aus startete. Außerdem wollte er reden, denn gerade in jenen Tagen war in L.A. etwas geschehen, das ihn aus seiner übersichtlichen Lebensbahn geworfen hatte.
Er kam mit dem Abendflug in Mailand an. Es war Mitte August, die Stadt ausgestorben und somit sehr angenehm und stressfrei. Wir hatten vereinbart, dass er ungefähr eine Woche bleiben und ich ihm auch die Umgebung und die Seen zeigen würde. Ich versprach mir nichts von diesem Besuch, denn ich konnte mir einfach nicht vorstellen, was uns verbinden sollte. Er, der wunderschöne, blauäugige Prinz, und ich, die durchaus attraktive, sportliche, aber jedenfalls wesentlich ältere Frau, die in jenen Wochen und Monaten zudem nicht unbedingt glücklich war. Auf jeden Fall wollte ich die Unterschiede zwischen uns zur Sprache bringen und dann sollte er wieder fahren. Ich würde mich auf kein Abenteuer einlassen, dessen Ende schon vorprogrammiert war. Außerdem hatte ich nicht die geringste Lust auf einen eventuellen Rummel rund um den Star. Mir war das unangenehm, ich hielt ihn für ziemlich arrogant und er war nicht mein Typ. Ich brauchte kein Sex-Symbol im Haus, mir ging das auf die Nerven. Ich hatte ihm allerdings ein schönes Hotel in der Nähe gebucht, mit Schwimmbad und vergoldeten Türknäufen. Wenn es ihm nicht passte, sollte er sich selbst etwas suchen. Ich dachte, vielleicht bliebe er gar keine Woche lang, vielleicht würden wir vorher streiten. Und es erschien mir wirklich unglaubhaft – ich und der Märchenprinz. Ich hatte auch keinem etwas erzählt, abgesehen davon, dass von meinen Freunden und Bekannten um diese Zeit im Sommer keiner da war.

Es kam alles anders. Er blieb volle zwei Wochen und in der ganzen Zeit geschah äußerlich nichts zwischen uns, aber innerlich um so mehr, mehr jedenfalls, als ich jemals geglaubt hätte. Wir machten Ausflüge und speisten an den Abenden gemütlich in den kleinen Restaurants und Bistros der Stadt, besuchten untertags die Seen und die Villen außerhalb. Er fand alles wunderbar und es kam ihm wie in Miniatur vor. Er fühlte sich wahrscheinlich auch ziemlich eingesperrt zwischen diesen Mauern und der übervölkerten Umgebung, denn er kam aus den weiten Ebenen der Südstaaten. Er ließ sich aber nichts anmerken, fand alles sehr schön, das Essen lecker und schien den Aufenthalt zu genießen. Ich ging mit ihm oft durch die kleinen Dörfer am Comer See, erzählte ihm von ihrer Geschichte und er genoss es sehr. Er hatte ein Auto gemietet, da ich keines mehr besaß, weil ich ökologisch lebte und den Stress hasste, den die zu vielen Autos in der Stadt verursachten. Wir fuhren fast jeden Tag an die Seen und er genoss den Anblick der lieblichen Buchten und des dunkelblauen Wassers.
Bei einem dieser Spaziergänge kam ich dann darauf zurück, was er am Telefon angedeutet hatte, nämlich, dass es ihm nicht so gut ginge. Außerdem käme er mir etwas schattig vor, als würde ihn etwas bedrücken. Er druckste eine Zeit lang herum und bekam ein eisiges Gesicht. Schließlich kam heraus, dass seine Ehefrau ihn betrogen habe. Zum Überfluss hätte er selbst sie dabei angetroffen, in seinem eigenen Schlafzimmer.
Ich blickte starr in die milde Abendsonne und dachte nur: immer dasselbe Grauen.
Ob es mich oder andere betraf – es war immer wieder das Gleiche. Er tat mir unendlich leid und ich zeigte es ihm auch, aber er behielt seinen verkrampften Gesichtsausdruck. Er wolle kein Mitleid, es sei schon alles aus, er habe die Scheidung eingereicht. Wir setzten uns auf eine Bank an der Längsseite des Seeufers und ich versuchte, ihn zu überzeugen, doch noch etwas abzuwarten, vielleicht mit ihr zu reden, es könne sich doch nur um einen Ausrutscher handeln. Womöglich habe die ganze Episode keine Bedeutung für ihre Ehe. Er habe aber seinen Stolz und seine Würde, sagte er, Episode oder nicht, da sei nichts mehr zu retten. Sie würde wohl zu Kreuze kriechen und es täte ihr sehr leid, sie würde ihn auch ständig anrufen, aber da sei nichts mehr zu machen. Er hätte das niemals von ihr erwartet, sie sei ihm fremd geworden. Ich dachte im Stillen, wie hart und unnahbar doch Männer reagierten, wenn Frauen sich das herausnähmen, was in der Männerwelt als „unbedeutende Eskapade“ definiert sei. Kamen sie selbst einmal in diese Lage, so reagierten sie, als wäre es ein Weltuntergang. Bei all dieser Härte klangen in mir auch Reminiszenzen an Vergangenes auf und ich sagte zu ihm, er müsse sich trotzdem Zeit lassen und vor allem den Schmerz und die Gefühle leben. Er riskiere sonst nur, dass sich innerlich alles blockiere. Das sei dann traumatisch, manchmal erhole man sich nicht mehr davon und sei nicht mehr in der Lage, neue Beziehungen einzugehen. Er sah mich zum ersten Mal intensiver an, als spüre er etwas von der Dringlichkeit, und fragte mich vorsichtig, ob es mir wohl auch schon passiert sei.
Wir redeten den ganzen Abend. Mittlerweile saßen wir in einem kleinen Gastgarten am Ufer des Sees und speisten. Ich war sehr hungrig, als hätte mich das Ganze viel Energie gekostet, und merkte, dass auch er gelöster war und kräftig zulangte. Wir redeten viel und lachten sogar zwischendurch und mir fiel auf, dass seine Augen von einem tiefen Veilchenblau waren und mich immer intensiver musterten. Ich nahm mir vor, auf der Hut zu sein, denn hier war eindeutig eine Kompensation im Gange. Eine Frau zu erobern und sich für die Niederlage gehörig zu rächen, war sicher für ihn das Nächstliegende und außerdem sehr verständlich, aber ich würde keinesfalls das Opfer sein. Es gab jede Menge Frauen, die jederzeit mit Freuden dazu bereit gewesen wären. Ich bemerkte auch jetzt, dass die Mädchen ihn erkannten und ihm lange Blicke zuwarfen. Sie kamen nur nicht an unseren Tisch, weil wir uns intensiv unterhielten und Jan den Kellnern immer ein Trinkgeld gab, damit wir unsere Ruhe hatten. Ich hatte ihn darum gebeten und auch kein Geheimnis daraus gemacht, dass er mir besser gefallen würde, wäre er kein Star und noch dazu aus dieser Serie. Er könne dafür nichts, hatte er ziemlich patzig geantwortet, und wenn mir das nicht gefiele, müsse er eben wieder abreisen. Das wollte ich dann doch nicht. Aber ich nutzte gerade an jenem Sommerabend die Gelegenheit, ihn auszuforschen, warum er überhaupt an mir Interesse zeigte und sogar nach Italien gekommen war. Er wollte sowieso nicht über sein Ehedrama reden und griff diese Frage freudig auf, wohl auch, weil er sich ein schnelleres Vorankommen davon versprach.
Sein schönes, bewegliches Gesicht strahlte mit einem bubenhaften Grinsen, als er mir erklärte, dass es sehr ungewöhnlich sei, dass eine attraktive Frau, die zudem noch seine private Handynummer hätte, ihn links liegen ließe.
„Klar“, sagte ich. „Der Frauentyp. Du bist natürlich daran gewöhnt, dass alle zu deinem Fanklub gehören.“ Alle nicht, erwiderte er, aber doch diejenigen, bei denen schon eine Sympathie da sei. Außerdem, so meinte er, wäre es für ihn ein innerlicher Bereich, der ihn an mir angezogen hätte.
„I feel so different with you“, meinte er.
In diesem Ton ging es die restlichen Tage weiter und er fing auch an, eindeutigen Druck auszuüben. Ich sagte ihm ziemlich direkt, dass ich ohne feste Beziehung überhaupt nichts mit ihm eingehen würde und dass er mir im Moment keinesfalls so vorkäme, als wäre er zu einer Beziehung fähig. Ich drängte ihn nochmals, diese schlimme Geschichte herauszulassen und nicht wegzustecken, sonst würde sie blockiert bleiben.
Wir hatten gute Gespräche in diesen Tagen und ich fühlte mich ihm immer näher, auch wenn ich äußerlich distanziert blieb. Das Spiel schien ihm zu gefallen, aber er wurde zwischendurch sehr ernst, ließ sogar einmal seinen Tränen freien Lauf und ich fand es schön.
Er musste dann Ende August wieder in die Staaten zurück und ging wieder nach L.A., wo die Dreharbeiten stattfanden. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich ihn wiedersehen würde, denn die Distanz war räumlich und zeitlich zu groß zwischen unseren beiden Welten.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 222
ISBN: 978-3-99048-663-4
Erscheinungsdatum: 07.02.2017
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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