Die Märchen-Traum-Reise geht weiter

Die Märchen-Traum-Reise geht weiter

Thilo Rehn


EUR 25,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 364
ISBN: 978-3-99130-110-3
Erscheinungsdatum: 04.08.2022
„Die Märchen-Traum-Reise geht weiter“ lebt hauptsächlich von Toms Einfällen, der mit großem Vergnügen neue Geschichten für seine Märchenhelden ausdenkt. Vergnügliches wechselt mit Nachdenklichem und überraschenden Wendungen, wie sie bisher in keinem „Grimm´schen Märchen“ zu finden waren.
Ich wollte gerade meinen Laptop ausschalten, als plötzlich eine eingegangene Nachricht angezeigt wurde. Neugierig geworden klickte ich mich in unser Postfach, welches ich mir seit langem mit meiner Schwester Lucie teilte, und las zunächst den Namen des Absenders:
Hans-Peter Holzer …
Angestrengt dachte ich nach. Hans-Peter … woher kommt mir dieser Name nur so bekannt vor? Ich wollte sogleich meine Schwester Lu fragen, ob sie …
Doch dann überkam mich jäh ein Gedanke, den ich noch nicht richtig fassen konnte. Ich stieß einen überraschten Schrei aus, als mir klar wurde: Hey, das ist doch nicht etwa … Hänsel …? –
Dadurch ist meine Schwester schließlich doch aufmerksam geworden und meinte erschrocken:
„Bei dir kriegt man ja gleich ’nen Herzschlag, Tommi! – Ist was passiert?“, fragte sie neugierig.
Ich konnte zunächst nicht anders, als nur stumm auf den Laptop zu zeigen. Schließlich kam sie näher und las ebenfalls den Namen. Im nächsten Moment dachte ich, sie könnte damit nichts anfangen. Aber ich sollte mich gründlich getäuscht haben! Denn unvermittelt sprach sie kaum hörbar aus, was ich kurz vorher nur ungläubig zu denken gewagt hatte:
„Hey, Mensch Tommi, das ist doch Hänsel …!“
Also doch! Als ich auch noch in der Betreffzeile nur das eine Wort las: „EINLADUNG“, da wusste ich es!
Ich sprang spontan auf, schnappte mir den Laptop und rannte aufgeregt nach unten. Dabei nahm ich beinahe eine Treppenstufe zu viel auf einmal, konnte mich aber im letzten Augenblick noch fangen.
Lu kam zum Glück nicht weniger aufgeregt hinter mir her gestolpert und konnte das Schlimmste verhindern, indem sie mich am Kragen meines Pullovers festhielt.
Das dabei von uns verursachte Poltern auf der Treppe ließ Papa und Mama mit erschrockenen Gesichtern aus dem Wohnzimmer eilen, wo deren Schreck augenblicklich vorwurfsvollem Tadel Platz machte.
Ich ließ sie jedoch nicht zu Wort kommen, stammelte mehr unverständlich Erscheinendes zusammen, so dass sie nicht gleich begriffen, was ich denn eigentlich wollte.
Papa versuchte zunächst, mich zu beruhigen. Fast musste er wohl denken, dass etwas Schlimmes vorgefallen sei. Auch Mama vergaß in diesem Moment, dass sie uns gerade noch Vorwürfe wegen unseres, wie sie meinte, ungebührlichen Verhaltens machen wollte.
Als ich mich soweit beruhigt hatte, dass ich einigermaßen klar denken konnte, war ich trotz allem noch nicht in der Lage, die richtigen Worte zu finden. Deshalb stellte ich nur den Laptop auf den Tisch und zeigte auf die eingegangene Nachricht, welche ich in meiner Aufregung noch nicht mal geöffnet hatte.
Papa übernahm es dann, die Nachricht zu öffnen. Ich sah ihm sein anfängliches ungläubiges Staunen an, als er begann vorzulesen:


„Liebe Familie Roller, an dieser Stelle möchten wir – Hans-Peter und Margarethe Holzer – euch ganz herzlich einladen, uns nach langer Zeit wieder einmal zu besuchen. Nachdem unsere umfangreichen Bau- und Rekonstruktionsarbeiten nach über zwei Jahren endlich zum Abschluss kamen, sind wir glücklich, dass uns nun der Status ‚Waldherberge Zum Alten Märchenschloss‘ zuerkannt wurde. Mit einem Klick auf den Link am Schluss des Schreibens könnt ihr sehen, wie sehr sich bei uns alles verändert hat. –
Übrigens: Dass wir euch die Einladung auf diesem Wege zukommen lassen konnten, verdanken wir der damals freundlichen Überlassung eurer Adressen einschließlich der Mail-Adresse von Tom. Natürlich spielt auch eine wichtige Rolle, dass wir uns im Laufe der Zeit so gut mit der Technik nicht nur ausgestattet, sondern sogar schon gut angefreundet haben. –
Nun bitten wir, uns mitzuteilen, wann wir mit eurem Kommen rechnen dürfen. Gern möchten wir euch für einen Zeitraum eurer Wahl als liebe Gäste in unserem Hause begrüßen können.
Bis dahin herzliche Grüße
von eurem Hänsel und meiner Schwester Gretel.“


Daraufhin herrschte zunächst eine Weile gespannte Stille. Diese wurde erst durch den Jubelschrei von Lu beendet. Doch zu mehr war sie unter dem Eindruck des gerade Gehörten nicht in der Lage.
Als schließlich Papa jenen Link öffnete, starrten wir auf das Bild des uns nur zu gut bekannten Schlosses. Und wiederum herrschte minutenlange Stille, bis ich ergriffen stöhnte:
„Uff! Genau – das ist sie: unsere Schloss-Herberge von damals! Hätte nie gedacht, von da jemals wieder was zu hören. Und nun diese Einladung! Ich muss nachher unbedingt rauskriegen, wo genau das Schloss liegt, damit wir das gleich in deinem Navi eingeben können …!“
Papa bremste meinen Eifer zunächst einmal, indem er lachend sagte:
„Nun schön langsam mit den jungen Pferden. Immer eines nach dem anderen! Zunächst einmal müssen wir das Ganze richtig realisieren. Dann müssen wir uns darauf einigen, ob und vor allem wann wir dahin fahren wollen. Und schließlich und letztendlich erwarten unsere Gastgeber eine Antwort von uns. Ich schlage vor, dass wir das alles morgen in Ruhe und wohlüberlegt in Angriff nehmen, einverstanden?“
Daraufhin meldete sich erstmals Mama zu Wort:
„Wenn ich dazu auch mal etwas sagen dürfte …“
Aber weiter kam sie im Augenblick nicht. Zu sehr war sie von all dem überrumpelt. Doch dann nickte sie und meinte nur:
„Ich denke, Papa hat Recht. Reden wir morgen darüber, wenn wir das Ganze überschlafen haben.“ –
Kurz und gut, wir einigten uns am nächsten Tag, kurz nach dem Beginn unserer Sommerferien zu fahren, genauer: am Samstag in der zweiten Juliwoche, für etwa 5 bis 8 Tage …
Mir wurde die große Ehre zuteil, die Antwort an Hänsel zu schreiben. Wenige Minuten später erhielten wir überraschend dessen Rückantwort:
„… Gern heißen wir euch in der von euch vorgeschlagenen Zeit bei uns willkommen …“ –

***


Der Tag unserer Abreise – es war der vereinbarte zweite Samstag im Juli – begann mit strahlendem Sonnenschein. Wir waren bereits um 7 Uhr aufgestanden, frühstückten gemütlich und fuhren kurz nach 9 Uhr los.
Nach gut anderthalb Stunden zügiger Fahrt fanden wir schnell jenen Abzweig von der zur Autobahn führenden Landstraße wieder. Inzwischen ist der frühere Waldweg eine überraschend gut ausgebaute Straße geworden.
Ein Wegweiser mit der Aufschrift „Waldherberge Zum Alten Märchenschloss“ stand an der Abbiegung.
Bis hierher hatte uns Papas Navi zuverlässig geleitet. Dessen Anzeige wies nun auf jene Linksabbiegung hin. Wenig später war zu unserer Erleichterung die abschließende Ansage zu hören:
„Nach vierhundert Metern halten Sie sich bitte rechts.“ – dann: „Sie haben Ihren Bestimmungsort erreicht.“
Nach der knappen Hälfte des Weges hielt Papa plötzlich an. Mama fragte daraufhin besorgt:
„Na hallo, Herbie! Was ist denn jetzt passiert?“
Papa antwortete, uns beruhigend zulächelnd:
„Jetzt ist natürlich nichts passiert, worüber ihr euch Sorgen machen müsstet. Aber versucht euch doch zu erinnern … damals … war nicht fast an dieser Stelle der Blitz in den Baum eingeschlagen?“ –
„Na klar, ich erinnere mich noch daran“, warf ich ein und plötzlich war das Geschehen von damals mir wieder gegenwärtig: der grelle Blitz und dann das ohrenbetäubende Donnern … Papas schnelle Reaktion, welche das Auto fast einen Satz nach vorn machen ließ … dann das Krachen, als hinter uns der Baum quer über den Weg stürzte und uns den Rückweg abschnitt …

Mir stieg sogleich eine mächtige Gänsehaut den Rücken rauf, als ich daran dachte. Als ich die Anderen ansah, war ich mir sicher, dass es ihnen auch nicht viel besser erging. –
Nach einigen Minuten beendete Papa schließlich das Schweigen, indem er schmunzelnd sagte:
„Na dann wollen wir mal wieder! Wir werden bestimmt erwartet und ich denke, wir müssten bald da sein.“
Und tatsächlich: Nach einer leichten Rechtsbiegung des Weges kamen wir bereits an jene Einfahrt zum Schloss. Im Gegensatz zu früher durchfuhren wir ein großes zweiflügliges Tor, welches einladend offen stand.
Die Efeuhecke gab es zwar immer noch, jedoch war sie ordentlich geschnitten und wucherte nicht wie damals am Gebäude empor. Das Schloss selbst war in der Tat nicht wiederzuerkennen. Die Fassade erstrahlte in hellem Ocker-Ton, der sehr gut mit den roten Ziegeln des Daches harmonierte.
Gerade als mein Blick auf das Wappen über dem Eingang fiel, welches mir damals entgangen sein musste oder – was noch wahrscheinlicher erschien – erst später neu angebracht worden war, wurde unsere Aufmerksamkeit auf die sich öffnende große zweiflüglige Tür gelenkt.
Wir trauten unseren Augen nicht, als wir sie sahen: Hänsel, Gretel sowie deren drei Freundinnen Rapunzel, Dornröschen und Schneewittchen traten in diesem Augenblick heraus. So, als hätten wir sie erst vor wenigen Wochen verlassen, schienen sie sich überhaupt nicht verändert zu haben!
Papa steuerte das Auto langsam bis vor die breite Treppe, wo er schließlich anhielt und den Motor abstellte. Mama flüsterte uns noch zu:
„Ob die sich noch an uns erinnern können? Immerhin ist es ja vier Jahre her, als wir hier waren.“
Ich wollte gerade vor Lachen losprusten, konnte mich aber noch im letzten Moment beherrschen und erwiderte stattdessen nur:
„Aber Mama! Hätten sie uns dann diese Einladung geschickt, wenn sie uns mit der Zeit vergessen hätten? Und außerdem: Was sind schon vier Jahre …“
Mama sah mich an und meinte schließlich:
„Ja, Tom, du hast wohl Recht. Vier Jahre sind ja weiß Gott keine Ewigkeit. Wenn ich oder besser gesagt wir uns noch recht gut an die Zeit unseres damaligen Aufenthaltes erinnern können, dann wird es ihnen bestimmt nicht anders ergehen, will ich meinen.“
Papa öffnete schließlich entschlossen die Fahrertür und schickte sich an auszusteigen. Uns blieb daher nichts anderes übrig, als es ihm gleichzutun.
Als wir am Fuße der Treppe anlangten, kamen sie uns etwas entgegen und bildeten zusammen mit den soeben hinzugekommenen 7 Zwergen ein Spalier …
„Herzlich willkommen, liebe Familie Roller!“, ertönte plötzlich von oben eine freundliche Stimme.
Als ich überrascht aufsah, trat der alte König mit seiner Frau aus der Tür. Unter dem Jubel der Spalierstehenden stiegen wir die Stufen hinauf. Von uns hatte bisher noch keiner ein Wort hervorgebracht. Ich schrieb dies unserer Überraschung über den überaus herzlichen Empfang zu.
Ein warmer Händedruck riss mich aus meiner Gedankenversunkenheit und ließ mich den freundlich blickenden Augen der Königin begegnen. Beinahe hätte ich sie herzlich umarmt, doch im letzten Moment besann ich mich anders und wollte mich ehrfurchtsvoll vor ihr verbeugen. Das leise „Entschuldigung, Frau Königin“, welches ich hervorbrachte, hatte sie dennoch gehört und antwortete lächelnd:
„Aber lieber Tom, bitte keine übertriebene Bescheidenheit. Ich sehe es dir an, wie sehr du dich über unser Wiedersehen freust. Na komm schon her und lass dich umarmen …“
Mir verschlug es aufs Neue die Sprache und ich ließ es einfach geschehen …
Der König begrüßte mich anschließend mit einem überraschend kräftigen Händedruck, klopfte mir freundlich auf die Schulter und sagte:
„Unsere Wiedersehensfreude beruht sicher auf Gegenseitigkeit, mein junger Freund. Und außerdem, so möchte ich meinen, Gefühle sind nach meiner Überzeugung dazu da, auch gezeigt zu werden.“
Dem konnte ich nichts ernsthaft entgegensetzen. Stattdessen meinte ich etwas verlegen:
„Aber eigentlich bin ich doch nicht das Oberhaupt meiner Familie, sondern mein Papa hätte ja …“
Lachend unterbrach mich der Alte König – ich entsann mich soeben, dass wir ihm damals den Namen „Albert“ gegeben hatten – mit den Worten:
„Na immerhin schienst du es eilig gehabt zu haben, nach oben zu kommen. Dies hatte wohl die ganze ‚Etikette‘ bissel durcheinandergebracht. Aber Etikette hin, Etikette her – so streng halten wir es damit schon seit langem nicht mehr, wenn du verstehst, was ich meine.“
Diesen letzten Worten ließ König Albert ein vergnügtes Augenzwinkern folgen. Ich realisierte im nächsten Moment, dass ich tatsächlich bei den ersten Stufen der Schlosstreppe gleich zwei auf einmal genommen hatte …
Als ich mich nach den Anderen umsah, waren inzwischen ein allgemeines Händeschütteln und Umarmen im Gange. Ich sah gerade noch, wie meine Schwester Lucie von allen der sieben Zwerge einen Schmatz auf ihre Wangen bekam. Ich gönnte es ihr neidlos, auch mit dem für mich einigermaßen tröstlichen Gedanken, dass ich dadurch schließlich als Erster die entsprechend herzliche Begrüßung durch Beatrix und Albert für mich in Anspruch nehmen konnte. –
„… Na hallo, Tom – du scheinst ja mächtig in Gedanken versunken gewesen zu sein …“
Erschrocken sah ich auf und blickte in das amüsierte Gesicht von Gretel. Ich musste verwundert eingestehen, dass ich plötzlich tatsächlich wiederum etwas abwesend wirkte. Das Ganze war mir äußerst peinlich und hatte zur Folge, dass ich verwirrt abermals um Entschuldigung bat, woraufhin Gretel noch mehr erheiterte. Gleich darauf strich sie mir jedoch tröstend übers Haar und sagte:
„Na, na, lieber Tom, das ist kein Grund, zu verzagen. – Doch nun möchte ich euch meinerseits recht herzlich willkommen heißen. Schön, dass ihr unserer Einladung gefolgt seid.“
Meine Eltern und Lu waren mittlerweile herangekommen. Und meine Schwester konnte es sich nicht verkneifen, mir mit spöttischem Blick zuzuraunen:
„Konntest es wohl nicht erwarten …?“
Doch sie musste ihren Satz unvollendet lassen, da nunmehr sie selbst völlig überraschend einen Zuruf erhalten hatte, nach welchem sie sich suchend umwandte:
„Na so eine Überraschung auch! Ist das nicht die Lucie, die mit ihrem Bruder Tom am gleichen Tag Geburtstag hat?“
Aus der Tür trat freudestrahlend Frau Edelgard Amalia Holle. Gleich nach ihr folgten Annemarie und Marianne, und alle drei begrüßten uns mit großer Herzlichkeit. Meine Schwester umarmte Anne und Marie und ergänzte danach an Frau Holle gewandt:
„Und natürlich auch unsere Eltern.“
„Ja, genau – jetzt erinnere ich mich wieder – war das nicht an diesem … 29. Februar? Welch ein seltenes Glück, dass es gleich die ganze Familie trifft. Aber … mir ist so, als hätte ich noch von jemand anderem gehört, an ebendiesem Tage zur Welt gekommen zu sein …“, überlegte sie und blickte nachdenklich vor sich hin.
Überraschend meldete sich Lu zu Wort:
„Ich glaube, ich weiß, wen du meinst: Wenn ich mich nicht irre, könnte das nur Rapunzel gewesen sein …“
Mit triumphierendem Blick sah sie zuerst mich und dann Frau Holle an. Nun fiel es auch mir wieder ein, was uns Rapunzel damals erzählt hatte.
Und wie auf Verabredung trat diese inmitten ihrer beiden Freundinnen auf uns zu und meinte verwundert:
„Wie schön, dass ihr das alles noch wisst! Ja, ihr habt euch nicht geirrt – und die diesjährige Feier war für mich eine besonders schöne, da ich sie nach unendlich langer Zeit wieder im Beisein meiner lieben Eltern verbringen konnte. Das war das schönste Geschenk, welches ich mir zuvor nicht zu wünschen gewagt hatte und das endlich doch in Erfüllung gegangen war.“
Nach diesen Worten herrschte eine kurze Stille des Erinnerns, in welche hinein schließlich Gretel alle freundlich ermahnte:
„Aber nun möchten wir doch endlich unsere Gäste hereinbitten. Mein Bruder wird so lieb sein, euch“, so sagte sie mit Blick auf uns, „in eure Zimmer zu begleiten.“
Das ließ sich Hänsel nicht zweimal sagen und meinte mit einladender Geste:
„Na dann kommt bitte mit. Es wird euch sicher freuen, zu hören, dass wir euch die gleichen Zimmer reserviert haben, in denen ihr damals schon das Vergnügen hattet, wohnen zu können.“
Ich musste nicht lange überlegen, als ich fragte:
„Also wieder in der ersten Etage die beiden tollen Zimmer mit den ebenso tollen Bädern, stimmt’s?“
Hänsel blickte mich erstaunt an und meinte lächelnd:
„Das wisst ihr noch? Ja, Tom, du hast richtig erraten – genau diese nebeneinanderliegenden Zimmer sind es wieder. Ich hoffe, ihr freut euch darüber. Ihr werdet erstaunt sein, was wir im Laufe der Rekonstruktion daraus gemacht haben.“
Und wirklich: Er hatte uns nicht zu viel versprochen. Als wir vor der Tür unseres Zimmers standen, zögerten wir einen Moment, diese aufzumachen.
Hänsel forderte uns daher lächelnd auf:
„Na, macht schon auf, ich sehe euch ja eure gespannte Neugier an.“
Meine Schwester fasste sich endlich ein Herz und öffnete langsam die Tür. Uns blieb vor Überraschung der Mund offen stehen, als wir einen ersten Blick hineinwar-fen. Die Schlichtheit der damals als vorläufig gedachten Gestaltung und Ausstattung war einem fast prunkvoll zu nennenden Aussehen gewichen. Nur das riesige Doppelbett und die Kommode von damals waren geblieben. Die Zimmerdecke schloss an den Wänden mit einer breiten filigranen gold-rosé-farbigen umlaufenden Stuckleiste ab. Über dem zwölfarmigen Leuchter in der Raummitte zierte eine große Stuckrosette die Decke, welche farblich passend gestaltet war.
Ich warf sogleich einen Blick in das angrenzende Bad, bevor mich die neue Pracht unseres Zimmers allzu sehr zu überwältigen drohte. Als ich die dortige Tür öffnete, fiel mir auf, dass sich darin eigentlich nichts geändert hatte, außer dass alles in frischen Farben wie neu erstrahlte.
An Lu gewandt fragte ich schmunzelnd:
„Erinnerst du dich noch, was uns Mama damals sagte, als wir uns auf unser erstes Duschen freuten?“
Und ob sie sich daran erinnerte!
„Und planscht mir nicht zu sehr herum, damit ihr nicht das ganze Schloss unter Wasser setzt!“, zitierten wir beide wie aus einem Munde und mussten herzlich lachen.

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