11 - 12 Jahre

Wenn ich keine Haare habe, trage ich eine Mütze

Caroline Walker Miano

Wenn ich keine Haare habe, trage ich eine Mütze

Die Geschichte eines an Krebs erkrankten Teenagers

Leseprobe:

Dieses Buch konnte u.a. auch dank der Unterstützung der Stiftung Kinderhilfe Sternschnuppe realisiert werden. Seit 1993 erfüllt die Stiftung Kinderhilfe Sternschnuppe Herzenswünsche von Kindern, die mit einer Krankheit, Behinderung oder den Folgen einer schweren Verletzung leben.
Das Team der Sternschnuppe freut sich sehr, dass Giancarlos Herzenswunsch mit diesem Buch erfüllt werden konnte. Wir wünschen ihm für seine Zukunft viel Kraft, Mut und Gesundheit. – www.sternschnuppe.ch

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Ebenfalls großzügig finanziell unterstützt hat dieses Projekt die Krebsliga Wallis
www.krebsliga-wallis.ch
www.lvcc.ch

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Im Oktober 2012 wurde bei unserem Sohn (15 Jahre alt) ein Tumor im Kopf (mesenchymales Chondrosarkom temporoparietal) diagnostiziert. Nach der Diagnosestellung folgte der Weg, den viele von Ihnen kennen werden, wenn Sie dieses Buch in die Hand genommen haben, weil Sie oder jemand aus Ihrer Familie betroffen ist. Es folgte eine Embolisation der pathologischen Gefäße mittels Mikro-partikel und Fibercoils – Exstirpation (Entfernung) des Tumors – Revision eines Liquorkissens – ?Port-a-Cath Einlage – Chemotherapie – Protonenbestrahlung im Universitätsklinikum Heidelberg und dann das Therapieende im Mai 2013.
Nach dieser ganzen Zeit sitze ich in vielen Momenten in irgendwelchen Ecken, genieße die Stille des Augenblicks und doch tauchen immer wieder Bilder vor meinen Augen auf, die ich wohl nie mehr vergessen werde und auch nicht vergessen möchte.
Jammern, Weinen, einander Anschreien, ja sogar Wegrennen bringt dir wenig, denn immer wieder holt dich die Wirklichkeit ein. Nachrichten und Zeitungen haben mir auch nicht viel geholfen. Die Welt als schön und gut anzusehen und von der Zukunft zu träumen brachte uns nichts! Aber stets haben mich die bittenden, hoffnungsvoll dreinblickenden Augen unseres Sohnes daran erinnert vorwärts zu blicken und nicht in Selbstmitleid zu versinken, oder die Nerven zu verlieren. Jeder Händedruck und jede Berührung von ihm zeigte mir seine Dankbarkeit, dass ich, mein Mann und Alessandro, sein jüngerer Bruder, mit ihm um seine Gesundheit kämpften. Jede Träne gab uns die Kraft als Familie weiterzumachen. Jeder Streit, jede Diskussion mit Giancarlo war der Beweis für mich, dass die Hoffnung erst zuletzt stirbt. Jedes Lachen von ihm stärkte mich für die weiteren Behandlungen und jeder noch so sarkastische Witz von ihm zeigte mir, wie schön und lebenswert doch das Leben im Hier und Jetzt und in der Zukunft für ihn sein wird. Obwohl er nach Außen hin meistens aufgestellt, fröhlich und freundlich war, ging es ihm in seinem Inneren sicher ab und zu richtig scheiße. Er wünschte sich immer wieder, das alles nicht erleben zu müssen oder am liebsten nicht mehr vorhanden zu sein und sterben zu können. Doch immer wieder raffte er sich auf und kämpfte weiter. In diesen Augenblicken war es für mich nicht immer klar, woher er seinen Kampfgeist nahm und ich bewunderte ihn oft für seine Ausdauer und Willenskraft.
Seine Haare bedeuteten ihm viel. Diese zu verlieren, zu realisieren, wie immer mehr Haare ausfallen, denke ich, ist für jeden Teenager sehr schwer zu begreifen und zu akzeptieren. Man wird bloßgestellt vor der Gesellschaft. Es fehlt das wärmende Etwas, der ganze Stolz, gut auszusehen, wird einem schleichend genommen. Jeder kann sehen, dass etwas nicht stimmt, aber angesprochen wird man nicht. Ist es Ekel oder Angst etwas Falsches zu sagen? Um sich und seinen Körper vor all diesen Problemen zu schützen, rasierte unser Sohn sich vor der Chemotherapie eine Glatze und setzte eine Mütze auf. Stolz und mutig präsentierte er sich der Öffentlichkeit. So entstand die Idee zu diesem Buch.
Zum Schluss möchte ich mich noch bei allen Ärzten in Visp, Bern und Heidelberg, Pflegefachfrauen ?und -männer, Psychologen und Sozialarbeiterinnen und vor allem bei unseren Freunden und unserer Familie für ihre mitfühlende, Kraft gebende und starke Hilfe bedanken. Ohne ihre tatkräftige Unterstützung wären wir so manches Mal an unsere körperlichen und psychischen Grenzen gestoßen.
Danke auch an die Stiftung Kinderhilfe Sternschnuppe, den Arche-Fond, die Krebsliga Wallis und die Kinderkrebshilfe Schweiz, die uns finanziell unterstützt haben.

Nicht fragen, was das Leben morgen will –
beschließen; unser ist der Augenblick,
lass ihn uns genießen!
Frei nach Friedrich Rückert

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Hallo, ich bin Giancarlo!
Es hat eine Zeit in meinem Leben gegeben, in der ich gedacht habe, dass nur alte Männer keine Haare haben. Naja, das war wohl ein Irrtum. Wie ihr sehen könnt, habe ich als Teenager nun auch eine Glatze.

Aber vielleicht sollte ich meine Geschichte von Anfang an erzählen.
Wie haben ich und meine Familie überhaupt gemerkt, dass ich Krebs habe? Schon lange vor meiner Diagnose litt ich ständig an starken Kopfschmerzen, Übelkeit und neben diversen anderen Symptomen, welche wir erst jetzt zuordnen können, an einem Leistungsabfall in der Schule.
Als Sensei, stolzer Besitzer des schwarzen Gurtes in Karate, habe ich aber gelernt mit Konzentration und Training meine körperlichen Beschwerden unter Kontrolle zu halten. Zum Glück für mich aber, habe ich während des Karatetrainings einen Schlag auf mein Auge bekommen.

Format:
Seitenanzahl: 44
ISBN: 978-3-903067-11-0
Erscheinungsdatum: 30.06.2015
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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