Sonstiges & Allerlei

Tiefschlaf

Herbert Hierzer

Tiefschlaf

Was Menschen im Komazustand erleben und wie sie kämpfen müssen

Leseprobe:

Vorwort

Ich erzähle Ihnen, wie Menschen kämpfen müssen, wenn sie nach einem Unfall, oder ähnlichem, in einen komaähnlichen Zustand gelangen, in dem es um ihr Leben geht. Immer wieder wird gesagt: „Der kämpft um sein Leben.“
Ich durfte dies miterleben und möchte Ihnen erzählen, wie schwer es für den Komapatienten ist, in der geistigen Welt, in der er sich in dieser Phase befindet, zu kämpfen. Komamenschen tauchen wie sterbende Menschen in die Zwischenwelt ein und sehen in die Welt der Energie. Vielleicht mag vielen diese Welt brutal vorkommen, aber wenn du selber in diese Situation kommst, wirst auch du, wie alle anderen, den Fluss der Zwischenwelt durchschwimmen.

***

Am 8. August 2012 um 9:45 Uhr hatte ich meinen Unfall. Darüber und über die nachfolgende Zeit möchte ich in diesem Buch erzählen.
Es war eine Explosion, bei der ich mit Schnapsdampf ?besprüht wurde und danach blau brannte. Im ersten Moment wusste ich nicht, was ich machen sollte, doch dann beschloss ich, mich zu löschen, und für diesen Vorgang musste ich in den ersten Stock, doch von diesem war nichts mehr vorhanden. Ich kämpfte mich ins Stiegenhaus vor, denn der Weg war mir durch Schutt und Feuer versperrt, dennoch schaffte ich es und stand nun da und sah, was ich angerichtet hatte.
Mir fuhr durch den Kopf: „Ich muss jeden Tag 14 bis 16 Stunden arbeiten, sieben Tage in der Woche und habe immer noch einen Haufen Schulden.“ Da blieb ich stehen und überlegte.
Niemand war zu sehen und wenn ich nun hier stehen bleiben würde, würde ich so verbrennen, dass mein Leben nicht mehr zu retten sei.
Der Gedanke begann mir zu gefallen, denn ich wäre die Arbeit los und auch meine Schulden, ich war gut versichert und meiner Frau würden keine Schulden überbleiben.
Doch da sprach diese Stimme auf einmal zu mir. Ich hatte sie in meinen Leben schon öfter gehört, denn ich war schon häufig kurz davor gewesen zu sterben und immer in letzter Sekunde sprach diese Stimme zu mir.
Das erste Mal hatte ich sie im Alter von einem halben Jahr gehört, da war ich schwer krank geworden und hatte wochenlang um mein Leben kämpfen müssen, wobei mir diese Stimme geholfen hatte.
Dann war ich herangewachsen, wobei ich dieses Erlebnis nie mehr hatte vergessen können und vor allem und vor jedem Angst gehabt hatte.
Ich hatte nur an Mutters Rocksaum gehangen, was sie sehr genervt hatte.
Mit vier Jahren hatte ich diese Stimme zum zweiten Mal gehört, ich war von einem Militärauto erwischt worden und die Stimme hatte mir geholfen, zu überleben.
Das dritte Mal war ich ins Wasser geworfen worden und hatte mich vor Schreck nicht mehr bewegen können, auch diesen Vorgang hatte ich überlebt und beim vierten Mal hatte ich auf der Straße überlebt.
Immer, wenn diese Stimme zu mir sprach, war alles Geschehen um mich herum wie in Zeitlupe, und dank dieser Stimme durfte ich so alt werden, wie ich jetzt bin.
Das letzte Mal, als ich von ihr gehört hatte, war es eine Abmahnung gewesen, dass mein Leben ab nun so schnell und so hektisch wie eine Sirene vergehen würde und so war es auch gewesen und nun stand ich da und wollte verbrennen wie die Hexen im Mittelalter.
Kurz zuvor erst hatte ich das Geschehen im Mittelalter in unserer Region ausgearbeitet und mich speziell auf die Hexenverfolgung konzentriert und genau am Vorabend meines Unfalls sagte ich noch zu meiner Frau, dass Verbrennen der schlimmste Tod sei, und einige Stunden später brannte ich.

All diese Vorgeschichten und meine Erlebnisse im Tiefschlaf, die ich hier in diesem Buch erzähle, kann ich nicht als Zufälle abhacken, so viele Zufälle wären auf einmal zu viel.

Danach musste ich noch eineinhalb Jahre auf Reha verbringen und da an meinem Körper nicht viel war, was nicht verbrannt war, konnte ich auch nicht viel sehen, denn die Augen wurden mir auch verbrannt.
So hatte ich sehr viel Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten, und kam zu dem Schluss, dass all dieser Ablauf geplant und durchgeführt worden war.
Ich war zum Sterben ausgeschrieben worden und sollte sterben.
Doch die Energie in mir wollte nicht aufgeben und feuerte mich an, ich sollte mich doch noch löschen, was ich auch tat, denn nur sie wusste, wofür es gut sein sollte.
Meine Energie kämpfte mit mir und wir schafften es, aber nur durch den Willen der Energie. Mein Körper und ich selbst wollten mich aufgeben, denn das Leid, das zu ertragen war, war so schwer, dass ich Gott anflehte, wenn er mich schon nicht sterben lassen wollte, so sollte er mich doch verrückt werden lassen.
Doch in dieser Welt der Energie ist alles anders, denn dort werden alle Arten von Energie sichtbar und spürbar.
Tauchen und fühlen Sie kurz hinein in die Welt der Energie, dessen Tür jeder lebende Mensch noch öffnen wird und in die er sich hineinleben wird müssen.

***

2012 – Wir, Gabi und Herbert, bewirtschafteten eine Liegenschaft in der Größe von 16 Hektar in der Oststeiermark. Unsere Produkte waren Obst und Wein und diese wurden in unserer Weinschänke an unsere Kunden verkauft.
Die Weinschänke lief sehr gut.
Es war ein heißer Sommer, die Temperaturen erreichten täglich fast 40 Grad und die Nächte hingegen waren relativ kühl, sodass die Temperaturen nachts bis unter 16 Grad Celsius abfielen, dies waren die idealen Voraussetzungen für Krankheiten im Obst- und Weinbau.
Es hatte bereits eineinhalb Monate nicht mehr geregnet und der Boden war ausgetrocknet.
Gras wuchs nicht mehr viel, doch der Gänzich (ein Unkraut) wuchs zwischen den Zeilen meterhoch, so gut war er noch nie gewachsen.
So hatte ich nun die Aufgabe, täglich einige Weinstockzeilen in meinem Weingarten vom Unkraut zu befreien.
Heute war es nicht anders, seit fünf Uhr morgens mähte ich bereits im Weingarten, wie jeden Tag. Jetzt um acht Uhr morgens kamen meine Mitarbeiter.
Ein Auto um das andere fuhr die Hofeinfahrt hoch.

Wir hatten sechs Mitarbeiter, die bei uns beschäftigt waren und nun von ihrem Urlaub zurückkamen.
Im Monat Juli war unser Betrieb, wie jedes Jahr, geschlossen.
Nach unserem Urlaub freuten wir uns auf eine neue, erfolgreiche Saison.
Anscheinend gut erholt stiegen meine Mitarbeiter aus ihren Fahrzeugen.
„Hallo, meine Lieben! Wie war der Urlaub? Jetzt gehen wir es wieder an!“
„Schön!“, meinte die Mehrheit. „Und wie war Ihr Urlaub, Chef?“
„Na ja, arbeitsreich, aber sonst war er nicht so schlecht. Stellt euch mal vor, was uns passiert ist! Am 3. Juli hatten wir hier ein Unwetter und der Sturm hob das Blechdach von unserem Zubau ab!“
„Wirklich?“
„Das war eine Heidenarbeit, dieses Dach wieder dicht zu kriegen!“

Vor zwei Jahren hatten wir zur alten Weinschenke einen Zubau errichtet, der eine Baufläche von 200 Quadratmeter aufwies, und dieser Zubau war mit einem Blechdach versehen worden.

„Der Sturm war so heftig, dass das zusammengeschraubte und verklebte Blechdach als Ganzes abhob, sich verbeulte und in das Ziegeldach, das den Altbau abdeckte und das sich direkt neben den Neubau befand, stürzte. Der viele Regen, der mit dem Sturm kam, drang in alle Ritzen. Mit viel Arbeit hat der Urlaub begonnen und endete mit viel Arbeit. Jetzt hoffen wir nur, dass es mit viel Arbeit weitergeht!“

Das Personal sah mich mitleidig an, ich sah ihnen aber an, dass sie mehr als froh waren, bei den Aufräumarbeiten nicht dabei gewesen zu sein.
Da es bereits nach acht Uhr war, wir noch eine Menge Arbeit vor uns hatten, begann ich schleunigst mit den Einteilungen.
Denn ich wollte mich in meinen Weinkeller zurückziehen. Für den heutigen Tag hatte ich mir Kellerarbeiten aufbewahrt.

Nach der ersten Begrüßung gingen wir gemeinsam in die Lokalität.
Hier hatte ich nun meine Arbeiter um mich und ich konnte sie einzuteilen.
„Ihr Kellner beginnt im Speisesaal zu putzen. Sebastian, du gehst die Terrasse an und ihr beiden geht zu den Toiletten. Wo ist Gabi?“, rief ich. Gabi ist meine Frau und auch sie war mit dem Personal gekommen.
Gabi war eine der wichtigsten Personen in unserem Betrieb, sie hatte die Fähigkeit, unsere Gäste aus ihrer Zurückgezogenheit zu locken und diese in Stimmung zu bringen. Sie trug viel zu unserem guten Ruf und dass das Lokal meistens ausgebucht war bei.
„Gabi ist in der Küche!“, bekam ich zur Antwort.
„Gabi!“
„Ja, was ist denn?“, antwortete sie.
„Ich geh jetzt in den Keller, ich will noch den alten Schnaps brennen.“
„Ist okay, aber muss das unbedingt heute sein, wenn das ganze Personal hier ist. Du hast doch sonst genug Arbeit!“
Mit diesem Gegenargument hatte ich gerechnet, doch ich hatte mir diese Arbeit extra für diesen Tag aufbewahrt und so lautete meine Antwort: „Gabi! Ich bin doch schnell wieder da, ich heize nur schnell den Kessel ein, befüllt ist er bereits! Nimm dann den Hochdruckreiniger mit nach oben und reinige die Terrasse.“
Ich wandte mich von meiner Frau ab, die zu meinem Kommentar kein Wort mehr sagte, und schritt die Stufen zum Keller hinab.
Endlich, frische, kühle Luft kam mir entgegen.
„Hier möchte ich heute verweilen“, dachte ich mir, „denn draußen hat es sicher bereits 30 Grad Celsius.“
Ich hatte meine Frau belogen, denn ich hatte den Schnapsbrennkessel noch nicht befüllt und überlegte mir, als ich so vor den Kessel stand, ob meine Frau nicht recht hatte, ich hätte wirklich genug andere Arbeit gehabt und ich zweifelte: „Soll ich mir diese Arbeit wirklich heute antun?“
Ich überlegte nur kurze Zeit und dann entschied ich: „Ich brenn ihn doch heute.“
Damit begann ich, den Kessel zu befüllen, einzuheizen und die Brennanlage zusammenzubauen.
Zum Schluss setzte ich noch die Brennblase auf, da kam Sebastian, der Mann für alles, zu mir in den Keller. „Chef, was soll ich machen? Im Hof bin ich fertig!“
„Hol den Hochdruckreiniger, ich bin hier gleich fertig, dann machen wir die Terrasse.“
Sebastian hatte mich wieder verlassen, doch diese Unterbrechung sollte Folgen haben.

Schnell baute ich den Kessel fertig zusammen und legte noch ordentlich Holz nach, dann verließ auch ich den Keller, ging auf die Terrasse und begann mit Sebastian die Terrasse zu reinigen.
Etwa eineinhalb Stunden waren vergangen, da fiel mir ein, dass ich nach dem Brennkessel sehen müsste.
Mit schnellen Schritten begab ich mich Richtung Schnapsbrennraum.
Ich öffnete die Tür zu diesem Raum, ein mulmiges Gefühl überkam mich, das mir sagte: „Hier ist etwas anders.“
Es herrschte Totenstille, kein Knistern vom Holz oder das Rauschen des Kessels, wenn die Flüssigkeit sich erhitzte, absolut nichts.
Es war, als würde ich mich in einem toten Raum befinden.
Zuerst dachte ich mir: „Bin ich nicht zum Heizen gekommen?“
Mein Herz begann wie wild zu pochen, ich fühlte, dass hier etwas anders war. „Was geht hier vor? Was wird jetzt passieren? Wo finde ich den Schalter, dass es hier wieder zu rauschen und zu knistern beginnt?“
Vorsichtig, auf Zehenspitzen bewegte ich mich vorwärts, Richtung Brennkessel, so als könnte der leiseste Lärm von mir eine Katastrophe auslösen.
Noch immer war ich vom Kessel etwa zwei Meter entfernt, der dastand, als hätte er schon lange nichts mehr zu tun gehabt.
Ich blieb stehen, betrachtete den Kessel, wobei meine Augen hektisch nach etwas suchten, sie suchten nach dem Auslöser dieser seltsamen Ruhe. Auf einmal wurde es kalt um mich, ich sah, wie kalter Atem aus meinem Mund entwich, was bei diesen Temperaturen eigentlich nicht möglich sein konnte. Ich starrte immer noch suchend auf den Kessel.

Ich traute meinen Augen nicht, was ich nun sah.
Die Schrauben des Ringes, der die Brennblase mit dem Kessel verband, drehten sich auf einmal und zwar in die Richtung, in der man sie öffnet.
Nach einigen Drehungen rutschten diese durch die Halteschlitze ab.
Ich wusste, was sich in dem Kessel befand, etwa 90 Liter fertiger Schnaps. Was würde nur passieren, wenn dieser austreten sollte, diese Erfahrung hatte ich noch nicht gemacht. Allerdings konnte ich mir nicht vorstellen, dass dieser Schnaps bereits so heiß sein sollte, dass er austreten könnte, meine Augen richteten sich hektisch zum Auffangbehälter, nichts kam aus dem Rohr.
Obwohl ich sonst immer wusste, was zu tun sei, stand ich nun da und wusste nicht, was ich auf die Schnelle unternehmen könnte.
Hektisch suchte ich nach Handschuhen, einen fand ich und zog ihn über, dann begab ich mich zum Brennkessel und versuchte, die Schrauben festzuhalten, die sich selbstständig machten und sich öffneten.
Wie von Geisterhand drehten die Schrauben sich, ich wollte sie festhalten, doch ich hatte keine Chance, diese Kraft, die an den Schrauben drehte, war stärker als ?ich.
Meine Augen suchten wieder nach der Kühlvorrichtung, wo der gekühlte, fertige Schnaps normalerweise ins Freie fand. Nichts, kein Tropfen flüssigen Schnapses fiel in das große Glasgefäß, das sehnsüchtig auf den ersten edlen Tropfen wartete.
Wieder richteten sich meine Augen auf den Kessel, wo sich die Schrauben, wie von Geisterhand, weiterbewegten und abrutschten.
„Was könnte ich noch schnell unternehmen?“, schoss es mir wieder durch den Kopf. „Wasser, Wasser, ich muss ihn kühlen“, rief ich mir leise zu.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 370
ISBN: 978-3-99048-681-8
Erscheinungsdatum: 22.09.2016
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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