Sonstiges & Allerlei

Steuerungsmethoden zur erfolgreichen Unternehmensführung

Vinzenz Schimpfle & Hans-Ulrich Schimpfle

Steuerungsmethoden zur erfolgreichen Unternehmensführung

Problem-Nachschlagewerk für Mittelbetriebe und kleinere Betriebe

Leseprobe:

Vorwort und Vorstellung der Autoren

Das Wort „Zeitgemäß“ soll gleich zu Anfang aussagen: Inhalte sind gedacht für noch zu wenig bekannte, aktuelle sowie zu wenig konkretisierte Einzelheiten zum Thema System 4.0 und auch für neuere Steuerungsmethoden aus dem Erfahrungs- und Entwicklungsbereich eines Unternehmensberaters.
Vor allem zur wirtschaftlichen Beurteilung dieser wie auch vieler anderer Vorgänge erwähne ich zur Entscheidungsfindung:
Ohne die Deckungsbeitragsrechnung ist eine moderne Unternehmensführung besonders bei wechselvollen Verhältnissen nicht mehr denkbar. Auch die Frage, „was ist besser bei Entscheidungen“, ist ohne Deckungsbeitragsrechnung meist nicht richtig zu lösen. Ein recht einfacher und schneller Nachweis ist zu erkennen im Bild E24 (Einkauf oder Eigenfertigung). Wer den Abschnitt „Bereich E“ liest, hat sich gleichzeitig in die Deckungsbeitragsrechnung und deren Anwendung eingelernt. Einen großen Bereich nehmen die EDV und die organisatorische und zum Teil auch technische Bewältigung von Kleinmengen und Einzelfertigung ein.
Nachfolgende Inhalte werden hinweisend vorab erwähnt: wirtschaftliche Entscheidungsfindung, Organisation, Datenfluss, Datenaufbereitung für die Maschinensteuerung, EDV und Controlling-Instrumente. Dies vor allem in variantenreichen und individuelleren Bereichen mit breiten und vielfältigen Produktionsprogrammen, d. h. weniger bei der als bekannt vorausgesetzten und relativ einfachen Massen- und Serienfertigung, denn deren einfachere Verhältnisse sind in den anderen Beschreibungen sowieso enthalten. Die Hauptstoßrichtung geht hin zur Beherrschung der Vielfalt und des schnellen Wandels durch die Kundenwünsche bis hin zur Einzelfertigung durch wechselnde Kundenbedürfnisse, wechselndes Material, Abmessungen, Zusammensetzungen, Oberflächen, Ausstattungen usw. Durch die EDV-Möglichkeiten werden solche Verhältnisse immer mehr und besser beherrschbarer, auch in der Datenermittlung und im schnellen Datenfluss vom Auftrag bis zur elektronischen Maschinen- und Werkzeugsteuerung. Wer sich mit den heutigen Organisations- und Produktions-Bedingungen befasst, weiß, dass es sich hierbei um die Hauptgrundlagen von Industrie 4.0 handelt.
Die Werbung und die Verkaufsförderung des Marketings und vor allem die spezielle Maschinenausstattung und Technikabläufe sind stark branchenbezogen und daher nachfolgend nur im organisatorischen Sinne behandelt, soweit sie Datenfluss, Organisation, Ablauf, Wirtschaftlichkeit und EDV beeinflussen. Durch schnelle Entwicklungen mit dem Ziel diese schnell bekannt zu machen haben Maschinenausstattungen oft einen großen Wandel, sodass Ausführungen hierzu schnell nicht mehr aktuell sind und bezüglich der Information veralten.
Schnelligkeit der Informationen über Neuerungen bei den Maschinen sind wichtige Bedürfnisse. Schnelligkeit und hohe Leistung kommen bei den stets gut besuchten Kongressen auf der Hannover-Messe vor allem bei den Vorträgen über branchenbezogene Messe-Neuigkeiten von Herrn Albert Gerteis zum Ausdruck. Über neue Maschinen wie auch über Zulieferteile und Rohstoffmaterialien und aktuelle Brancheninformationen berichten gerne, als Schnell-Information über Neuerungen, die branchenbezogenen Fachzeitungen. Firmen unterstützen aus eigenem Interesse die Beschreibung ihrer Entwicklungen, wenn man mit ihnen Kontakt aufnimmt. Zu kurz kommen längerfristige Probleme und Verbesserungen mit den Daueraufgaben des Fertigungsablaufes, der Ablauforganisation, der sicheren Entscheidungsfindung und Steuerungsmethoden und die der EDV. In dieser Lücke, die von den Fachzeitungen viel zu selten aufgegriffen wird, werden sich die nachfolgenden Bereiche dieses Buches vor allem bewegen. Darin bestehen weitgehend auch die Leistungsunterschiede zwischen den Firmen in fast allen Ländern, denn die Maschinen und Einrichtungsgegenstände stehen gleichwohl in allen Firmen und fast allen Ländern zur Verfügung. Doch das reicht längst nicht zur erfolgreichen Unternehmensführung. Dies erklärt oft die noch über das doppelte hinausgehenden Leistungsunterschiede auch bei gleicher maschineller Ausstattung. Entscheidungs- und Steuerungsmethoden sind wie viele andere Organisationsabläufe weitgehend auf fast alle Branchen übertragbar und viele sind davon auch außerhalb der produzierenden Bereiche anwendbar.
Für das kontrollierte Handeln und das Entscheiden brachte die Einführung der Deckungsbeitragsrechnung einen großen Schub nach vorne und auch die Möglichkeit zu besseren Erkenntnissen. Erkenntnisse für fortschrittliche Analysen, die berechtigt eine schnelle Verbreitung dieser Berechnungsmethoden brachten. Dies nicht nur für die Anwender in Produktion und Handel, sondern auch allgemein für das bessere Verstehen von Wirtschaft und von Entscheidungsverhalten.
Die Vielfalt wird tendenzgemäß immer umfangreicher, daher soll z. B. die Berechnung der Wirtschaftlichkeit nicht nur für Investitionen, sondern vielmehr auch für Entscheidungen verwendet und nicht nur statisch auf die jetzige Sachlage betrachtet werden, sondern dynamisch in Abhängigkeit von den wichtigsten Einflussgrößen. Optimierungsrechnungen sollen nicht nur eine Wirtschaftlichkeit begründen, sondern helfen die wirtschaftlichste Alternative aufzuspüren (beispielhaft erwähnt sind die Fehler mit der allgemein geläufigen „optimalen Losgrößenformel“ – auch die Cashflow Berechnung muss weitergeführt werden bis zum „frei disponierbaren Cashflow“ usw.). An der Nahtstelle zwischen wissenschaftlicher Theorie und praktischer Anwendung bzw. Umsetzung ist man als Unternehmensberater aufgefordert möglichst kreativ tätig zu sein und auch aufgerufen darüber zu berichten.

Den zunehmenden Produktumfang bei fast allen Branchen zu beherrschen, zusammen mit vielen Varianten und immer kleineren Produktionsmengen ist eine Hauptstoßrichtung von

System 4.0.

Ein beispielhafter Vorläufer dieser Entwicklung ist unter wenig anderen Branchen die Möbelindustrie. Dies weiß jeder der Möbel kauft. Mehrere öfters übertragbare wirtschaftlich durchgeführte elektronische Praxisbeispiele mit vielen Abwandlungen werden daher nachher einbezogen.




Einleitung und System 4.0

Wenn ein Unternehmen gut beraten sein will, möchte man möglichst viele konkrete Aussagen haben. Der Kunde eines Beraters möchte nicht nur gesagt bekommen, was alles geht – das können auch die Zeitungen tun –, sondern er möchte möglichst genau wissen, was er tun soll, und wie er es tun soll und wie und was er bei seinen Verhältnissen tun soll, um es vorteilhaft zu verwirklichen. Das ist die Brücke von der Theorie zur Praxis, von dem man sich zwar mit einem Buch leiten lassen kann, aber die Wünsche doch nicht ganz erfüllt bekommt, weil man im einzelnen Fall die speziellen Grundlagen konkreter berücksichtigt haben will.
Auch dieses Buch kann natürlich nicht immer die individuellen Gegebenheiten einzelner Firmen berücksichtigen, auch wenn immer wieder auf einzelne und verschiedene Verhältnisse eingegangen und auch aufgezeigt wird, was bei welchen Verhältnissen zutrifft. Ziel ist es mit vielen Hinweisen und den eigenen einzelnen Verhältnissen und Daten einen Weg zu einer möglichst erfolgreichen Unternehmens-Gestaltung zu finden. Erwähnt sei hierzu noch eine Erleichterung dadurch, dass viele Zeichnungen und Bilder aus der Praxis die Beschreibungen ergänzen und mit vielen Aussagen auch einen schnellen Überblick geben.
Um Bild und Text leicht zusammenzuführen, sind die Bild-Angaben bzw. deren Nummern im Text fett gedruckt. Von ca. und 170 Bilden, Zeichnungen und +Diagrammen sind ca. 160 von den Verfassern selbst entwickelt und beschrieben worden. Dies bezeugt, dass fast alle Aussagen zu den Bildern in diesem Buch nicht von anderen übernommen wurden, sondern aus eigenen Erfahrungen und Entwicklungen kommen. Natürlich waren dies auch Leitgedanken in der langjährigen und erfolgreichsten Periode als Geschäftsführer einer mittleren Unternehmensberatung.
In fast allen Bereichen unserer nachfolgenden Ausführungen wird der Übergang von der größeren Serienfertigung zur bedarfsbezogenen (also ohne Vorrats-Fertigung und Vorratslagerung) Klein-Mengenfertigung behandelt, wie dies als Hauptzielrichtung auch bei dem System Industrie 4.0 vorgesehen ist. Es geht dabei um organisatorische EDV-Ausführung, durchgängige Datenorganisation und Datenvernetzung wie in Industrie 4.0 (oder Cyper-physischen Systemen), aber auch um automatische Datengewinnung und Datengenerierung. Zukunftsbezogene kybernetische und automatische Regelkreise mit dem Vergleich von Sollgrößen und Istgrößen sowie einer automatischen Einregulierung sind nur teilweise erwähnt, weil komplizierte Sensoren öfters noch fehlen oder zu teuer sind.
Eine Begründung zu Cyper-physischen Logistiksystemen werde ich im Bereich SCM mit dem Ablaufschema in Bild 21 erläutern. Die oben genannten Systeme werde ich nunmehr versuchen mit praxisnaher Sprache auszudrücken. Organisatorische und berechenbare Steuerungsmethoden zur Unterstützung von Entscheidungen sind oft aufgebaut auf Mittelwertbetrachtungen aus der Vergangenheit, ohne zu berücksichtigen, ob Vollbeschäftigung, Unterbeschäftigung, Kapitalausstattung, Produkt-Gängigkeit, Marktsicherheit, Personalausstattung, Platzverhältnisse usw. da sind oder nicht da sind bzw. nur begrenzt da sind. Gerade auf das „Nicht-Dasein“ oder begrenzte Dasein solcher Faktoren müssen die Steuerungsmethoden eine Antwort geben.
Auch natürlich auf das Erkennen und Berücksichtigen von Engpässen aller Art. Manchmal heißt es im Nachhinein: Wir hätten eigentlich ca. 10 % mehr in der Produktion durchbekommen, wenn wir immer voll beschäftigt gewesen wären und die entsprechenden Aufträge gehabt hätten. Diese, wie die weiterhin erwähnten und unzureichenden Mittelwertbetrachtungen, werden dabei oft noch als übertragbar auf andere Zeiten und Firmen angesehen und meist noch als laufend gültig betrachtet, oft ohne Anpassung an kurzfristige oder längerfristige Situationen. Es wird dabei so getan, als ob immer Normalverhältnisse bestehen ohne Wechsel, ohne ein Auf und Ab.
Dagegen wird die reale Wirklichkeit durch firmenspezifische Zustände und den Wechsel (ähnlich jahreszeitlichen Perioden) bestimmt. Flexibel haben moderne Steuerungsmethoden die obigen Missstände zu bewältigen. Das Schlagwort heißt: „Situationsanpassung“.

Zwei kleine leicht verständliche Beispiele hierzu:
Öfters stellt sich die Frage: Soll etwas selbst gefertigt oder an Zulieferer übergeben werden. Es wird dann einen Wert X über eine Normalkalkulation gefunden. Ist der Preis darüber, wird selbst gefertigt, ist er darunter, wird eingekauft. Dieser Wert gilt, obwohl in einem Fall die Anlagen da sind, das Personal durch schwache Beschäftigung ausreicht und keine zusätzlichen Löhne anfallen und dann aber auch im anderen Falle, obwohl alle Kosten zusätzlich da sind (Siehe hierzu die Vergleiche in Bild E 24). Manchmal kann auch bei einer Selbstfertigung ein Personal- oder Kapazitäts-Engpass sogar die Hauptproduktion verringern.
Auch die erwähnte und weit bekannte Losgrößenformel bringt oft wegen des Fehlens einer Situationsanpassung recht falsche Ergebnisse, weil in einem Falle Personal, Kapital und z. B. zusätzlicher Lagerplatz sowieso da sind im anderen Falle total fehlen oder gar einen Engpass darstellen (Siehe Bild C 13 und C 14 mit Erläuterung). In den folgenden Bereichen wird noch mehr auf die Situationsanpassung von Entscheidungen bei der erfolgreichen Unternehmensführung eingegangen.


Markt und Preise

Mit internationaler Vergrößerung des Marktgeschehens und Ausweitung des Angebotsmarktes werden die Unternehmensentscheidungen immer komplizierter. Die Meinung: Ich verkaufe zu einem Preis, den ich mir errechnet, also kalkuliert habe, kommt meist genauso vom vergangenen Wunschdenken her, wie z. B.: „Ich mache den Gewinn, den ich kalkuliert habe“. Das Preisverhalten eines Unternehmens dient, neben all den noch wichtigeren Maßnahmen zur weitgehend sowieso notwendigen Kapazitätsauslastung, als ein Steuerungsinstrument zur Erzielung eines möglichst akzeptablen Ertrages bzw. in schlechten Zeiten zur Vermeidung oder zu weitgehender Verringerung des Verlustes. Inwieweit dieses vorteilhaft gelingt, ist Ausdruck der Marktstärke, der Leistungsfähigkeit, der Erzeugnisgestaltung, aber auch des Wissens und der Schulung im Bereich der Unternehmenssteuerung.
Es bestimmt z. B. die höchste Genauigkeit in der Kalkulation immer weniger den Preis. Situationsbezogene Zwänge, Möglichkeiten des Marktes und die Preis-Absatz- und Beschäftigungspolitik gewinnen zunehmend an Bedeutung, sodass der Kalkulationspreis, auch mit berechneten Deckungsbeiträgen, als nur eine der wichtigen Grundlagen gilt. In diesen Zwängen und Möglichkeiten rechtzeitig die Situation zu erkennen und dann mit Nutzung der modernen betriebswirtschaftlichen Erkenntnisse und Methoden, wie z. B. der Deckungsbeitragsrechnung, zu handeln und sein Handeln im Griff zu haben ist eines der wichtigsten Ziele der nachfolgenden Ausführungen. Natürlich soll dies unterstützt werden durch einen besseren, umfangreicheren und schnelleren Informationsumfang mit Hilfe der EDV. Dieser Anspruch wird auch im handwerklichen Bereich um sich greifen. Einer der wesentlichsten Fortschritte im Bereich der Wirtschaft ist die Aussage:
„Kontrolliert Entscheiden mit Hilfe der Deckungsbeitragsrechnung.“ Dazu gleich ein Beispiel: Die Praxis zeigt, „Preisnachlass gegen mehr Absatz-Mehrmenge“ ist eher fraglich. Dieses Klavier darf in einer Mangellage an Aufträgen und in einer Notlage an Beschäftigung gespielt werden, aber natürlich nicht zu oft, (denn dies weist oft auf einen Mangel im Vertrieb hin) und auch dann nur ohne spätere nachträgliche Preiseinbußen. Darüber erfinderisch sein ist immer mehr eine wichtige Krisen-Management-Aufgabe geworden. Vergleiche hierzu die Bilder E 20 bis E 25 im Buchabschnitt „E. Planung, Entscheidung und Kontrolle in der Unternehmensführung.“(Anmerkung: Da dieses Buch mehr als 170 Bilder beinhaltet, sind die Bilder in jedem Abschnitt mit dem anfänglichen Abschnitts-Buchstaben und einer laufenden Nummer gekennzeichnet und daher leichter auffindbar).
Beobachten Sie clevere Firmen bei diesen Maßnahmen (Aktionen über Preis und Mengenverhältnisse) und tun Sie frühzeitig alles, damit Sie dies nicht nachmachen müssen. Aber tun Sie es frühzeitig, wenn es schon mal sein muss, und wenn Sie kontrolliert viel zur Vermeidung einer Ergebnis-Verschlechterung vornehmen können, also nicht erst dann, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist und viele oder alle weiterlaufende Kosten der freien Kapazität keine Gegenleistung mehr haben. Auch hier muss die Verschwendungsnotbremse eingreifen. Ihre Auftrags- und Beschäftigungslage müssen Sie hierzu frühzeitig erkennen und nicht erst nachher kennenlernen müssen. Kennen und erarbeiten müssen sie auch vorzeitig mögliche und schnell wirkende Rettungsmaßnahmen zur Kosteneinsparung.
Wer bezüglich der Marktgewinnung die großen Möglichkeiten in der Unterbeschäftigung nicht nützt und diese in der Vollbeschäftigung nachholen möchte, der hat dann mit dem verdrängten Nutzen zu tun. Denken Sie nun an die Aussage, wir hätten drei oder fünf oder 10 % mehr machen können. Und das lässt sich nachrechnen. Der System-Aufbau der hierzu notwendigen Deckungsbeitragsrechnung für Mittelbetriebe wird vor allem in den Bildern E8 bis E12 im Abschnitt „E Planung, Entscheidung und Kontrolle in der Unternehmensführung“ erläutert. Beispiele für Entscheidungsfindungen sind in den Bildern von E13 bis E25 zu finden.


Finanzierung der Wirtschaft:

Immer höhere Flexibilitätsansprüche des Marktes bestimmten und bestimmen beim Produkt immer höhere Vielfalt, Wandelbarkeit mit: Variantenergänzung, Abänderungen und manchmal auch Sonderwünschen. Sie verlangen aber auch schnellere Marktanpassung, die durch Ertrags- und Kostentransparenz zu kontrollieren und zu steuern sind; zielgerichtet in schlechten wie in guten Zeiten.
Der wirtschaftliche Fortschritt und die Modernisierung haben ihren Preis. Alle ungefähr 15 Jahre wurde und wird der Kapitalbedarf im Durchschnitt, z. B. auf einen Durchschnitts-Arbeitsplatz bezogen, verdoppelt. Die Unternehmen der deutschen Industrie kommen in den Jahren der Entwicklung im Durchschnitt nicht über eine bessere als zwei Drittel-Fremdfinanzierung hinweg. Weil die Wirtschaft immer mehr nebensächlicher betrachtet wird, muss gleich zu Anfang gesagt werden: Fast alle Steuern und daher fast alles, was der Saat leistet, kommen aus der Wirtschaft, also aus Unternehmen und von deren Arbeitskräften. Auch die Mehrwertsteuer ist nur über angebotene Produkte und Leistungen möglich. Der Lebensstandard eines Volkes und eines Landes wird daher weitaus am meistens durch die Wirtschaft getragen.

Nicht nur der Markt verlangt den Fortbestand von leistungsfähigen Unternehmen. Eine Meinung zu besseren Möglichkeiten der Wirtschaft bringen nachher die Ausführungen im Bereich „A. Wirtschaft und Demokratie“. Diese sollen als Denkanregung und Diskussionsanregung für die Zukunft dienen.
Der Buchbereich „E“ bezieht sich auf die moderne Kostenrechnung, Ertragsrechnung und Entscheidungsrechnung in Unternehmen. Dazu ein Beispiel über Markt und Preise am Ende dieser Einleitung. Wie kommt man mit Hilfe der Deckungsbeitragsrechnung zu kontrollierten Entscheidungen zwischen Absatzmengen und Preisen. Um zu wissen, wie viel man z. B. mehr machen muss, um einen um X Prozent verringerten Preis auszugleichen, geben die Methoden und Diagramm-Kurven der Bilder E 23a und E 23b im Abschnitt „E“ über „Planung, Entscheidung und Kontrolle“ Auskunft.


Produktangebote werden immer umfangreicher!

Immer höhere Flexibilitätsansprüche des Marktes bestimmen beim Produkt immer höhere Vielfalt, höhere Wandelbarkeit, mehr Varianten und mehr Abänderungen und Sonderwünsche. Also werden die Breite und Vielfalt der zu bewältigen Produktionsprogramme immer größer. Daher wird in den Produktions- und den Handelsfirmen ein immer mehr flexiblerer, anpassungsfähiger und umfangreicherer Produktions- und Organisationsablauf verlangt. Dies ist eine Zukunfts-Tendenz, die viele Firmen in der freien Marktwirtschaft, also weniger in der Planwirtschaft, einkalkulieren müssen (außer diejenigen, die bei den Grundbedürfnissen angesiedelt sind, z. B. Strom, Wasser). Ob diese Bedarfsausweitung wirklich so sein muss, ist eine philosophische Frage; auch wie weit brauchen wir Mode und Geschmackswandel. Diese vielfältige Bedarfsausweitung ist da und führt zu mehr Produkttypen und geringeren Serien-Stückzahlen.
Die Variabilität verlangt immer mehr angepasste Fertigungsarten. So haben sich beispielhaft im Bereich „D Fertigungsorganisation und Fertigungsarten“ die Fertigungsarten, die ich dort beschrieben habe, innerhalb von einigen Jahrzehnten von zwei Systemen auf zehn Systeme ausgeweitet. Dabei werden einfache Organisationsformen und Fertigungsarten immer mehr durch wirtschaftlichere, aber auch kompliziertere und umfangreichere ersetzt. Ausbildungs- und Intelligenzansprüche werden, wie auch Einarbeitungsaufgaben, meist höher. Oft wird es heißen:
„Ökonomische Vielfaltsbeherrschung ist Zukunftsbeherrschung.“


EDV und CIM (Produktionssteuerung):

Glücklicherweise ermöglichen immer besser gestaltete EDV-Einsätze den umfangreicheren Ablauf zu bewältigen. Dies soll und wird immer mehr geschehen, und zwar mit dem Datenfluss vom Auftrag bis zu den Maschinenwerkzeugen, d. h. in Organisations-, aber auch in den Fertigungsabläufen. Dort oft zeitpunktbezogen einschließlich der umfangreicheren Maschinenumstellungen und der Bewegungsführungen von Werkzeugen. Ein Beispiel im Fertigungsablauf zeigt hierzu die Maschinenstraße zur Holzfensterfertigung im Abschnitt „F, EDV und CIM“ mit dem Bild F11 und dessen Beschreibung. Hier werden bei 50 hintereinander zu steuernden Werkzeugaggregaten jeweils in der Werkstücklücke vorauslaufend je Werkstück die Werkzeuge im Sekundenbereich auf die jeweiligen individuellen Arbeitspositionen eingestellt. Dies nachdem aus den Auftragseingaben des Kundenwunsches die Werkstücke automatisch berechnet werden und daraus wiederum auch alle Einstellangaben aller einzelnen Aggregate der Maschinenstraße. Also schon recht früh nach der Zielrichtung von Industrie 4.0.
In dem Buchabschnitt „B Innovation und Datenorganisation“ und „F EDV vom Auftrag zur Maschinensteuerung“ wird auf integrierte Bereiche der aufeinander abgestimmten EDV-Verarbeitung eingegangen. Hingewiesen wird vor allem auf die Möglichkeiten über Funktionselemente und Berechnungen, die Datenflut über die selbsttätige Anlage von Teilestammsätzen einzuschränken – Bilder von „F12 bis F 14“ im Abschnitt „F“. Dazu dient auch bei umfangreichen Varianten-Produkten die im Bereich „B Innovation und Datenorganisation“ angeführten Erläuterungen zum Bild B1. Ein integriertes Branchen-EDV-Programm auch mit diesen Merkmalen wurde unter meiner Leitung und der Mitwirkung von Projektleiter Franz Müller bis ins Detail entwickelt und von der Programmiergruppe programmiert. Das Programm wurde in ca. 80 Betrieben eingeführt. Mehr darüber und die allgemeinen Bedingungen sind im Buchabschnitt B und F enthalten. Einen beispielhaften Blick in die Zukunft der EDV-Entwicklungen zeigen im Abschnitt F die Ausführungen über Netz-SCM.
Einen technisch interessanten Vorstoß hat die Firma Zuckermann, Wien, bereits in den Jahren 1965, also vor ca. 50 Jahren, mit der im obigen Bild A0 dargestellten Transferstraße vorgenommen. Allseitig (sechs Seiten) bearbeitet wurden dort im Durchlauf an 13 verschiedene Bearbeitungsstationen gebogene und geschweifte Holzteile, wie sie für die Stuhlfertigung oft notwendig sind (ähnlich dem Teil im Bild D21 im Buchbereich „D. Fertigungsorganisation und Fertigungsarten“). Stühle gehörten erst recht seinerzeit zu den Produkten, die immer mehr dem Geschmack und der Mode unterworfen waren. Dadurch hat der Markt immer mehr Typen verlangt und einen häufigeren Wandel auch bei den Maschinenumstellungen. Kosten und Leistungen waren dann bei noch vergleichsweise wenig Elektronik oft nicht in der Lage eine ausreichende Wirtschaftlichkeit fortzuführen. Leider wurden bei diesen Teilen zusätzlich die immer günstiger werdenden Importe aus Osteuropa konkurrenzfähiger. Trotzdem darf man den maschinentechnischen Vorstoß mit noch recht begrenzten Mitteln lobend erwähnen. Ein Beispiel für die Vielfalt im organisatorischen Bereich zeigt im „Abschnitt G“ ein neues von mir entwickeltes Zeitsystem (ohne die oft vorhandenen und immer weniger zu bewältigenden zigtausenden Einzelzeiten), das sich inzwischen in mehr als 100 Firmen bewährt hat. Für Trend-Untersuchungen ist die gewohnte Artikel-Statistik oft zu umfangreich und nicht mehr aussagefähig. Die Statistik muss sich dann auf Produktmerkmale, die für den Kunden aussagefähig sind, beziehen. Bei Kosten und Erträgen ist eine ähnliche Verdichtung angebracht. In vielen Bereichen wird der Begriff „Kosten und Erträge“ situationsbezogen ergänzt werden müssen. Vor allem für Entscheidungen, auf welche die Begriffe „Mehrkosten und Mehrerträge“ zutreffen. Ein besonders aufschlussreiches und denkwürdiges Beratungsergebnis zur Deckungsbeitragsrechnung aus einem Zweig-Betrieb eines Großunternehmens war folgendes:
Ein Innenausbaubetrieb mit einem hohen Leistungsanteil im Holz/Kunststoff-Ausbau von größeren Schiffen hatte durch ungleiche Objektabwicklung vorübergehend einen Fixkostenanteil, einschließlich durch Unterbeschäftigung nicht ausgelastete Lohnanteile von ca. 35 %. Von der Zentrale hatte er eine Nachlasssperre für die Auftragsvergabe von maximal 10 % (beachte hierzu die Dispositionsspanne in E Bild 25 im Buch Bereich „E. Planung, Entscheidung und Kontrolle“). Das Ansetzen einer Nachlasssperre kann ja oft sinnvoll sein, aber auch verheerend schlecht, wenn sie das Situationsdenken und Deckungsbeitragsdenken nicht berücksichtigt. (Die nun folgenden Zahlen sind etwas auf- und abgerundet.) Eine Auftragsmöglichkeit in dieser Firma mit einem Angebots- und Kalkulationsvolumen von 9,5 Millionen ist nicht zu Stande gekommen, weil die Nachlasssperre von 10 % also mehr als 8,37 Millionen gefordert hat. Auf meine Frage: „hättet ihr den Auftrag für 8 Millionen bekommen können und hättet ihr ihn ohne mehr Personal im geforderten Zeitraum durchführen können, wurde allseitig mit „Ja“ geantwortet“. Meine Antwort war: „Selbst wenn man sicherheitshalber von den 35 % Situationsfixkosten noch 5 % weggenommen hätte, habt ihr durch die Nichtdurchführung des Auftrages 2 Millionen Deckungsbeiträge nicht eingenommen, also verschenkt. Um diesen Betrag ist euer Jahresgewinn schlechter.“ Meine spontane Aussage war: „Ihr könnt euch bei dem bedanken, der die Sperre verhängt hat“, war richtig, aber nicht passend, denn derjenige von der Hauptfirma war auch am Tisch.
Er hat nach bestem Wissen der Vollkostenrechnung die Nachlasssperre angesetzt mit dem Ziel, dass die Preise darüber bleiben und die Vollbeschäftigung erhalten wird. Doch dem war nicht so. Solche Situationen gibt es eben auf dem Markt. Die Situationsanpassung hat gefehlt und die 2 Millionen in der Bilanz ebenfalls. Denn der Zuständige hätte in diesem Fall aufgeklärt und benachrichtigt werden müssen, um richtig und situationsbezogen zu handeln. Das Denken mit Deckungsbeiträgen sollte meiner Meinung nach deutlich erweitert werden. Dazu Bild C12 bis C14 im Buch-Abschnitt „C Optimierungsrechnungen“. Zur Einleitung seien noch ergänzend erwähnt, dass viele Zeichnungen und Bilder die Beschreibungen ergänzen und mit vielen Aussagen einen schnellen Überblick geben, so, dass manchmal der Blick in die Zeichnung genügt.
„Betriebsklima“ spielt zur erfolgreichen Unternehmensführung natürlich eine ganz bedeutende Rolle. Dazu kann ich mir kaum eine bessere und längerfristige positivere Einflussnahme auch volkswirtschaftlich vorstellen wie diejenige, die ich im folgenden Bereich A detailliert beschrieben habe.




A Die Wirtschafts-Demokratie braucht baldige Ergänzung

Eine allgemein jetzige und zukunftsbezogene Steuerungsmethode.

Die Zeit ist noch nicht so weit weg und sie hat lange gedauert, in der viele, auch ganze Länder das Heil im Kommunismus (im Volks- und Staatseigentum) suchten und die freiheitliche Demokratie ablehnten. Heute weiß man, es hat sich nicht bewährt und volkstümlich würde man sagen, der Schuss ging nach hinten los, vor allem wegen der Wirtschaftsbereiche.
Die Wirtschaft, und damit die Demokratie, wird berechtigt oder unberechtigt weiterhin durch Unzufriedenheit bis hin zu gewollten und weniger ganz durch überlegte Umwälzungen (ähnlich wie bei den kommunistischen Ideen) gefährdet. Zu einfach und zu wenig durchdacht sind dadurch lauter werdende Rufe nach einer einfachen, allzu primitiven Umverteilung. So einfach geht es nicht, auch wenn man sich immer mehr darüber Gedanken machen darf. Die Aussage „Reiche werden immer reicher“ ist nicht ganz falsch! Ich werde darauf später noch eingehen. Sie ist jetzt sogar notwendig, um den allgemein erwünschten Fortschritt, eigentlich zugunsten aller, zu finanzieren, wie ich noch begründen werde. Anregen möchte ich zum Diskutieren, und zwar zu meinen Ausführungen und den darin angesprochenen Themen.
Vorneweg erwähne ich einen destruktiven, allgemein bekannten Missbrauch, der wahrscheinlich weniger als 10 % des Wirtschaftsgeschehens betrifft, und auf den ich nicht mehr weiter eingehen möchte. Es sind die zu hohen Manager-Einkommen und Ablösungen sowie Groß-Konzern-Einkommen (in Bereichen wie Digital/EDV, Finanzwelt, Spekulation und Ähnliches), die keine hohen und stark steigenden Arbeitsplatzinvestitionen benötigen und oft in isolierten Bereichen hohe Preise und übermäßiges Wachstum haben, wie dies die Spiegel-Ausgabe 46/2016 im Artikel über „Welt am Wendepunkt“ benennt und beschreibt.
Demgegenüber befasse ich mich in den nachfolgenden Ausführungen mit den weitaus größten und tragenden Wirtschaftsteil, der sich mit dem Produzieren und Vermarkten von Gütern aller Art befasst.

Das umfangreiche Zahlenwerk und die verschiedenen Zustände, die man in vielen Betrieben antrifft, ermöglichen einem Unternehmensberater leichter Beurteilungen und Ableitungen für das Wirtschaftsgeschehen zu treffen. Zur Finanzierung der Wirtschaft muss gleich zu Anfang noch mal gesagt werden, dass die Aussage „ALLEN GEHT ES BESSER; REICHE WERDEN IMMER REICHER“ nicht gerade falsch ist und deswegen darf man natürlich darüber nachdenken. Doch daraus abzuleiten „ALSO EINFACH VERTEILEN“ ist zu kurz gedacht, denn dies verringert die notwendigen Investitionen, um mit dem Fortschritt mitzugehen bzw. den damit verbundenen Lebensstandard aller zu erhalten. Stillstand ist Rückschritt auch bei den Steuern. Will man ohne Schaden eine weitere Kapitalkonzentration vermeiden oder verringern, so muss man erst viel tiefer in die wirtschaftlichen Zusammenhänge eingehen. Zu bedenken ist dabei auch: Die Wirtschaft, die Arbeitsplätze und auch die Beschäftigten bringen die meisten Steuern ein. Steuern, von denen vieles Notwendige und Machbare abhängt und von denen viele leben müssen. Dazu meine folgende und diskutierbare und anregende Meinung, die ich als Geschäftsführer einer Unternehmensberatung mit ca. 60 Mitar­beitern erdacht und begründet habe. Anbei zunächst eine Kurzübersicht im Bild A1.

Format: 18 x 27 cm
Seitenanzahl: 366
ISBN: 978-3-95840-419-9
Erscheinungsdatum: 12.06.2017
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
EUR 28,90
EUR 17,99

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