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Reise quer durch Estland, Lettland und Litauen

Barbara Schwarzl

Reise quer durch Estland, Lettland und Litauen

Ein Reisetagebuch

Leseprobe:

Zu Beginn nahmen wir den gleichen Weg wie am Abend zuvor, gingen dann noch ein kleines Stück um die Altstadt herum, Richtung Osten, auf der Pärnu Straße, einer Art Ringstraße. Schließlich betraten wir die Altstadt durch das Viru Tor. Die Gasse davor war links und rechts mit Blumenläden gesäumt. Das war ein fabelhafter Anblick: ein buntes Blumenmeer und dahinter das alte Tallinn. Weit vor uns sahen wir den schlanken Turm des Rathauses.
Unsere Besichtigung konnte beginnen.
Tallinn, die Hauptstadt Estlands, war 1219 vom dänischen König Waldemar II. gegründet worden, unter dem Namen „taana linn“, „Stadt der Dänen“. Über der Unterstadt, mit ihren engen, verwinkelten Gassen, erhob sich die Oberstadt des Adels und der Geistlichkeit. Zwischen den Rittern oben und den Kaufleuten unten gab es über die Jahrhunderte hinweg immer wieder blutige Kämpfe.
Im Mittelalter war Tallinn eine der am besten befestigten Städte an der Ostsee gewesen. Mit dem Bau der Befestigungen wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts begonnen, dauerte jedoch die folgenden 300 Jahre an. Da die Waffen ständig schlagkräftiger wurden, musste immer weiter nachgebessert werden. Die fertige Mauer war schließlich 2,35?km lang, 2–3?m dick und hatte über 40 Türme. Heute waren noch 26 Türme und 1,85?km Stadtmauer erhalten. Diese Reste der Befestigungsanlage zählten zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Heutzutage verfügte Tallinn wohl über das größte mittelalterliche Bauensemble Nordeuropas. Die intakte, autofreie, gepflasterte Altstadt war – ganz zu Recht – von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhoben worden.
Wir traten nun über das Viru Tor in die Altstadt ein, spazierten an wunderschön renovierten Häusern die Viru Gasse entlang zum Alten Markt. Es war alles in einem fabelhaften Zustand. Wohin das Auge reichte, schmucke Häuser, Läden, Restaurants und Cafés. Überhaupt schien es ganz so, als ob es schwierig sein müsste, hier zu verhungern, denn die Dichte an Wirtsstätten war einfach enorm. Wie uns tags zuvor bereits in Tartu aufgefallen war, waren auch hier die Gastgärten behaglich gestaltet: gemütliche Möbel, schöne Tischwäsche, Blumen. Ja, genau so stellten wir uns eine Bilderbuchstadt vor.
Am Alten Markt beobachteten wir das bunte Treiben vor dem Olde Hansa und dem Peppersack. Jetzt waren noch viel mehr Leute unterwegs als abends zuvor.
Wir wollten mit unserer Stadtbesichtigung wenige Schritte weiter, am Rathausplatz oder Raekoja Plats, beginnen. Im Mittelalter hatte sich hier, wie damals üblich, das eigentliche Leben der Stadt abgespielt: Festzüge, Veranstaltungen, Wettbewerbe, wirtschaftliches Treiben (Marktplatz bis 1896) und nicht zu vergessen der Pranger, der in der Mitte des Platzes stand. (Der Galgenhügel befand sich aber vor den Toren der Stadt.)
Der Platz wurde eindeutig vom 700 Jahre alten Rathaus, einem der Wahrzeichen, dominiert. Es handelte sich dabei um einen schlichten Steinbau mit wenigen sehr kleinen und unterschiedlich großen Fenstern, ganz dem Mittelalter entsprechend. Eine schlichte, helle Fassade aus Stein, zwei Wasserspeier in Drachengestalt, eine Uhr und ein kleines religiöses Bild zwischen zwei Spitzbögen der Arkaden fielen mir auf. Der schlanke, mit einem Zinndach und einer Windfahne – „Alter Thomas“ genannt – versehene Turm war bereits von weit her zu sehen.
Das Tallinner Rathaus war laut Audioguide das einzige mittelalterliche (noch erhaltene) Rathaus des Baltikums. Die ehemaligen Läden des Erdgeschosses waren im Laufe der Zeit aus den Arkaden verschwunden. Der zweite Stock war bis heute das wichtigste Stockwerk mit dem Bürger- und Ratssaal, wo noch immer festliche Empfänge und Konzerte stattfanden, während die dreischiffige Halle im Keller als Ausstellungsraum diente.
Trotz seiner Schlichtheit gefiel mir das Rathaus. Es hob sich majestätisch von den übrigen, vergleichsweise kleineren, aber nicht minder schöneren Häusern ab. Jene Häuser, die aus dem Mittelalter stammten, konnten wir gut an den Türen der ehemaligen Speicher oder Lagerräume erkennen. Das Gesamtbild des Platzes war ein buntes: die Fassaden in verschiedensten Gelb-, Grün- und Blautönen, dazwischen auch mal ein kräftiges Ziegelrot, dann noch einige mit Blumen verzierte Gastgärten.
Während wir den Erzählungen des Audioguides folgten, drehten wir uns immer wieder im Kreis, um den Platz in seiner Gesamtheit wahrzunehmen.
Berufliches Interesse, als aktive Apothekerin, trieb mich mit meinem Herzbuben im Schlepptau in die Rathausapotheke, die eine der ältesten der EU sein soll.
Sie war bereits 1421 erwähnt worden, doch möglicherweise reichten die Ursprünge noch weiter zurück. Da es im Mittelalter noch keine Ärzte gab, waren die Apotheker besonders in Zeiten der Not, wie bei Pestepidemien zum Beispiel, gerne gesehen und wichtig. Es wurde alles Gesunde verkauft. Heute mochte etwas zarter Besaiteten womöglich ein Schauer über den Rücken laufen, bei Namen wie Hechtauge, Hundekot, Ziegenbockblut, Schädelsalz, Schlangenfett, getrockneter Kröte, gebrannten Bienen, Regenwurmöl, Hirschpenis usw. Schon damals spielten Kräuter eine wesentliche Rolle in der Heilkunde. Zumindest hatte sich in diesem Punkt nicht allzu viel geändert.
Über eine Holztreppe gelangten wir in den Verkaufsraum, der Offizin, der alten Ratsapotheke. Ja genau, sie erfüllte noch immer ihre Funktion. Ich hatte allerdings den Eindruck, dass meine estnische Kollegin eher die Funktion einer Statistin innehatte. Vermutlich kamen die Touristen nur „Apotheke schauen“ und weniger zum Einkaufen. Die Einrichtung war beinahe antik, doch gut erhalten. Alte Standgefäße, Kräuter, Patenen und vieles mehr fesselten die Augen der Besucher. Dazwischen wurde versucht, verschiedene ­Arzneispezialitäten, wie Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel, zu präsentieren. Der Versuch misslang meiner Meinung nach eher. Gelungene Warenpräsentation, Kundenstromanalysen, ­Marketing u.?Ä. schienen hier noch nicht Einzug gehalten zu haben. So verwunderte es mich nicht, dass die Besucher die Museumsstücke staunend betrachteten, doch die Waren, die zum Kauf angeboten wurden, keines Blickes würdigten. Ich möchte keinen falschen Eindruck vermitteln. Die Apotheke war sehenswert, keine Frage. Schon alleine deshalb, da man immer seltener auf Einrichtung und Standgefäße im Sinne von anno dazumal stieß. Als Apothekerin – Schreiben ist wiederum meine Passion – sehe ich manches naturgemäß kritischer. Den meisten Besuchern schien nicht aufzufallen, dass diese, die erste Apotheke Tallinns, nach wie vor ihre Funktion erfüllte und nicht nur eine bedeutende Sehenswürdigkeit war.
Von der Offizin kamen wir in einen Raum, der rein musealen Charakter hatte. Verschiedenste, mittlerweile uralte Arzneispezialitäten, und davon hauptsächlich Ampullen, konnten in Schaukästen bewundert werden. Hinter Glas waren weiters wunderschöne Standgefäße und Balkenwaagen mit Gewichten.

Mittlerweile führten mehrere Treppen und Aufgänge auf den Domberg.
Wir stiegen hinauf über die Lühike jalg, das „Kurze Bein“. Es handelte sich dabei um eine schmale, steile Straße, durch die man auch früher nur zu Fuß gekommen war. Am oberen Ende der Lühike jalg gab es ein kleines Café, das sehr originell mit einem großen schmiedeeisernen Stiefel an der Hausfassade, der das „Kurze Bein“ symbolisierte, auf sich aufmerksam machte.
Auch heute war der Domberg noch großteils von der alten Stadtmauer umgeben. Dazwischen sahen wir verschiedene Türme, unterschiedlichster Form und Funktion, hervorragen.
Die Türme wurden heute keineswegs mehr als Depot, Gefängnis oder zur Verteidigung genützt. Die Zeiten hatten sich geändert. So beherbergte der Mägdeturm bei unserem Besuch zum Beispiel ein Café.
Im benachbarten Kanonenturm, dem seinerzeit stärksten des Baltikums, oder Kiek in de Kök, was so viel wie „Guck in die Küche“ bedeutete, wurden im Parterre neben Munition auch Nahrungsmittel gelagert. In den Stockwerken eins bis vier waren die Kanonen und am Dach insgesamt 57 Kanonenscharten. Der Name „Guck in die Küche“ rührte daher, dass man von dort oben einen fantastischen Ausblick auf die Stadt und in die Küchen der Feinde hatte.
Von der mittelalterlichen Burg oder Toompea loss sind nur noch die nördliche und westliche Mauer sowie drei Türme erhalten, darunter der Lange Hermann oder Pikk Hermann, eines der Wahrzeichen der Stadt. Mit seinen 50,5?m war er der höchste Verteidigungsturm Tallinns, der in den Kellerräumen ein Gefängnis, darüber Lagerräume und Wohnräume beherbergte.
Nach der Loslösung vom Zarenreich wurde am Turm 1918 die estnische Flagge gehisst, die 1940 im Zuge der sowjetischen Okkupation durch die russische ersetzt wurde.

Schwarz stand für die Erde, blau fürs Meer und weiß für die Seele.
An den Langen Hermann grenzte das lang gestreckte, repräsentative Schloss, in den Farben Altrosa und Weiß. Ursprünglich ging es auf die mittelalterliche Burg zurück: mit einem Kloster und Verteidigungstürmen an jeder Ecke. In seiner heutigen Form war es ähnlich dem schwedischen Schloss. Der Adel war längst weg. Heutzutage tagten hier die estnische Regierung und das Parlament.
Als wir, mit dem Schloss im Rücken, in Richtung Mägdeturm und Unterstadt blickten, war zu unserer Linken die Alexander-Newski-Kathedrale, eine russisch-orthodoxe Kirche, die uns schon zuvor mit ihren weithin sichtbaren Zwiebeltürmen aufgefallen war.
Es handelte sich dabei um die exakte Kopie der russisch-orthodoxen Kirche von Helsinki. Für Kunsthistoriker war sie angeblich uninteressant, für uns Laien wiederum sehr schön. Sie wurde im 19. Jahrhundert als Sinnbild der Russifizierung Estlands erbaut, weshalb sich die estnische Bevölkerung längere Zeit nicht über dieses dominante „fremde“ Bauwerk erfreuen hatte können.
Einen Steinwurf weiter war die Domschule Toomkooli. Dem Audioguide entnahmen wir, dass früher die Schule von auswärts schwierig zu erreichen war, bloß über einen schmalen, gefährlichen Weg, den steilen Abhang entlang. Des Öfteren kam es vor, dass Schüler verunglückten und am Schulweg zu Krüppeln wurden. Man stelle sich das mal heutzutage vor, in einer Zeit, in der wir nichts unversucht lassen, um unsere Kinder am Schulweg zu schützen!
So wie es sich für die Domschule gehörte, war sie in unmittelbarer Nähe zum Dom. Der gotische Dom St.-Marien oder Toomikirik war ursprünglich aus Holz erbaut gewesen und wurde nach einem Brand wieder originalgetreu aufgebaut. Für uns hatte die Kirche noch ein mittelalterliches Aussehen. Einzigartig fanden wir die unzähligen Grabsteine bekannter Persönlichkeiten – meist am Fußboden – und Wappen est­nischer Adeliger. Ich konnte mich nicht erinnern, jemals eine vergleichbare Kirche gesehen zu haben.
Der Tag hatte mit Sonne begonnen und mit Wolken waren wir vom Hotel aufgebrochen. Ich war optimistisch, hoffte auf Besserung und hatte mich offensichtlich zu leicht gekleidet. Mittlerweile fröstelte es mich bei dem frischen Wind. Die Kühle war ungemütlich und es machte zunehmend weniger Spaß, die Stadt zu erkunden. Jetzt war ich heilfroh, dass wir bloß den Domberg hinabzusteigen brauchten und bald bei unserem Hotel waren.
Dabei kamen wir am begrünten Befestigungswall vorbei. Ein Gärtner war gerade damit beschäftigt, den Rasen zu mähen, und das war ziemlich spektakulär: Der Gärtner selbst befand sich oben auf einer Art Plateau und ließ den Rasenmäher an einem Seil befestigt, beinahe senkrecht, hinab. Mit dem Seil dirigierte er das Gerät immer wieder rauf und runter. So etwas sah man auch nicht alle Tage!

Im Hotel nutzten wir die Gelegenheit, uns frisch zu machen. Der Herzbube fror natürlich nicht, eh klar. Ich wiede­rum wechselte in den Zwiebellook. Es konnte erneut losgehen. Wenige Minuten später waren wir wieder in der prächtigen Altstadt.
Eigentlich hätte ich es wissen müssen. Ich hatte längere Zeit gefroren und kaum hatte ich mich wärmer angezogen, wurde es natürlich wärmer, da die Sonne endlich zwischen den Wolken hervorblinzelte. Dieses Wechselspiel zwischen Wolken und Sonne sowie zwischen kühl und warm dauerte den restlichen Tag an und ich war mit An- und Auskleiden zusätzlich beschäftigt, was meinen Herzbuben natürlich ungemein erheiterte. Wenn die Sonne mit voller Kraft strahlte, bewegte ich mich wie ein Kleiderschrank durch die Gassen von Tallinn, indem ich Jacke, Pulli etc. um mich gebunden hatte. Es gab sicher Schlimmeres, wie frieren zum Beispiel.
Kommen wir auf unsere Erkundung der Stadt zurück:
Diesmal nahmen wir den Weg wie abends zuvor, nämlich über die Harju Gasse ins Zentrum, vorbei am Alten Markt. Mir kam es so vor, als ob dort in der Zwischenzeit noch mehr Fremde unterwegs waren. Vor dem Olde Hansa war inzwischen ein Holzwagen mit allerlei Utensilien – dekoriert wie im Mittelalter mit verzierten Holztafeln und einem Leinendach – aufgebaut worden: Holzfässer, Holzlöffel, eine kleine, hängende Balkenwaage, Körbe, ein Kupferkessel auf einer Feuerstelle.
Zwei junge Männer in mittelalterlicher Kleidung (enge Hosen, Hemden, darüber ein ärmelloses Leinenhemd, fixiert mit einem Ledergürtel, spitze, aufgebogene Lederschuhe) brieten Mandeln und verkauften sie in Papierstanitzeln. Mmhhh! Das roch köstlich! Die Versuchung war groß, doch blieben wir standhaft, da wir in Kürze in einer Konditorei einkehren wollten. Wenige Meter von den Mandelbrätern entfernt konnten die neugierigen, vielleicht auch hungrigen Touristen kunstvoll verzierte Speisekarten in verschiedensten Sprachen bewundern – auf einem Holztisch aufgereiht und von einer jungen hübschen Maid (in einem mittelalterlichen, langen Kleid und mit vermutlich für die Region damals typischem Kopfschmuck) „bewacht“.
In einem Informationsheft der Tourismusinformation wurde der Olde Hansa als Erlebnisgastronomie angepriesen. Mehr und mehr stimmten wir dem zu. Die Vermarktung war originell, sehenswert und passte absolut zum Stadtbild. Alle Sinne wurden angesprochen. Der Gast oder auch nur der Passant wurde auf eine Reise ins Mittelalter, in eine längst vergangene Zeit, eingeladen.
Den Alten Markt wollten wir uns später, gegen Abend, wenn ein Teil der Tagestouristen die Stadt wieder verlassen haben würde, hoffentlich in Ruhe und etwas genauer anschauen. Wir bogen in eine Gasse, die wir noch nicht kannten, und wollten den zu dieser Zeit vermutlich auch gut besuchten Rathausplatz umgehen. Offensichtlich lag diese Gasse bereits abseits der Touristenströme. Hier war es ruhiger, wie angenehm. Ein Gastgarten grenzte an den anderen. Ein italienisches, ein russisches Restaurant, ein Café und andere Lokale wechselten einander ab.
Uns faszinierte das russische Restaurant. Draußen im Sitzgarten war wie üblich alles wunderschön aufgedeckt. Neugierig warfen wir einen Blick hinein: eine gemütliche ­Atmosphäre, Duft von Räucherstäbchen, Teppiche, Wandmalereien, dezente Beleuchtung. Einfach behaglich, wenn auch kitschig. Wir zogen in Erwägung, hier zu Abend zu essen.
In der Zwischenzeit war es früher Nachmittag geworden und wir lechzten nach einem guten Kaffee. Tags zuvor, bei unserem groben Erkundungsgang sozusagen, war mir eine Konditorei auf einem kleinen Platz aufgefallen. In unserem Reiseführer fand ich darüber sogar eine lobende Bemerkung, im Besonderen wegen der Produktion von Köstlichkeiten aus Marzipan. Der Gastgarten war voll. Doch hatten wir Glück, ein gerade frei werdendes Plätzchen zu ergattern. Es war ein Kommen und Gehen, die Stühle wurden nicht kalt.
Apropos, es schien wieder einmal die Sonne, das heißt, ich legte wieder einmal einige Kleiderschichten ab.

Etwas zu süß für meinen Geschmack, sonst aber hervorragend.
Zum Lokal gehörte ein eigener Verkaufsraum für Kreationen aus Marzipan. In der Konditorei selbst, die über einen separaten Eingang zugänglich war, war ebenso jeder Tisch besetzt. Die Geschäfte gingen bestens. Es war nur ein Jammer, dass es für die zahlreichen Gäste nur je eine Toilette für Männlein und Weiblein gab. So hieß es warten und warten.
Die Kaffeepause hatten wir auch dazu genützt, unsere weitere Route zu planen.
Ein weiteres Mal spazierten wir auf den Domberg, ließen unsere Blicke über die Türme, das Schloss und den Dom schweifen, machten uns auf den Weg zu einer Aussichtsplattform, von der wir gelesen bzw. später auch gehört hatten. Während wir so dahinschlenderten, fiel uns ein junges Mädchen – in mittelalterlicher Tracht – auf, das mit einem Fahrrad und einem voll beladenen Anhänger den Domberg hinaufstrampelte. Es hatte offensichtlich eine gute Kondition. Bravo! Ein weiteres Bravo für die Touristeninformation, die eine perfekte Vermarktung der Stadt betrieb.
Wir spazierten durch die Kohtu oder Gerichtsstraße, in der einige klassizistische Adelshäuser lagen. Heute beherbergten sie einige Botschaften. Mit den klassizistischen Bauten wirkte Tallinn hier beinahe moderner als die mittelalterliche Unterstadt.
Am Ende der Kohtu gelangten wir zur Patkuli Aussichtsterrasse. Wir sahen über die Häuserdächer, Türme und Kirchturmspitzen hinweg bis zum Finnischen Meeresbusen, der von einem riesigen Kreuzfahrtschiff dominiert wurde. Dieses war so nahe an den Häusern, dass wir den Eindruck hatten, es könnte in die Stadt hineinfahren.
Der Erzähler des Audioguides klärte uns auf, dass das Meer hier dann und wann auch gefährlich sein könne, besonders wenn ein Sturm wütete. So sank 1898 vor Tallinn die Fähre Estonia und verursachte viele Opfer.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 190
ISBN: 978-3-99003-264-0
Erscheinungsdatum: 23.03.2011
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
EUR 18,90
EUR 11,99

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