Kochen & Hobby

Schneckenfreunde

Alisa Rutkowski

Schneckenfreunde

Haltung - Beobachtung - Freude

Leseprobe:

VORWORT

Ich bin Alisa Rutkowski, 14 Jahre alt, und halte Gehäuseschnecken schon seit circa fünf Jahren. Aber es sind nicht nur die üblichen Arten wie Bänder- oder Weinbergschnecken, sondern ich habe auch immer mal wieder kleine Arten, die nicht jeder kennt wie zum Beispiel Glanz- oder Dolchschnecken. Dass ich angefangen habe mit der Schneckenhaltung, kam zufällig. Ich war schon immer tierverrückt und wollte eine Plastikkiste haben, damit ich Ameisen und Kellerasseln einfangen konnte. Als ich dann die Plastikbox hatte, wusste ich nicht, was ich in die Box hineintun sollte, bis ich auf die Idee kam, dass an unserer Hauswand immer eine Schnecke klebte. Ich packte die Schnecke in die Box und richtete diese für sie ein. Einen Tag später dachte ich mir, dass sie noch einen Kameraden braucht. Also suchte ich eine zweite Schnecke und hinterher noch eine dritte und irgendwann waren es dann circa fünf. Bis heute finde ich Schnecken sehr interessant und will auch noch lange nicht mit der Schneckenhaltung aufhören. Ich habe einige Bücher über Schnecken gelesen und viel im Internet recherchiert, aber nach so vielen Jahren habe ich auch selbst viele Erfahrungen gemacht. Ich hatte immer das Gefühl, dass irgendetwas in den Schneckenbüchern fehlte, und wollte schon immer über meine Schnecken und meine Erfahrungen schreiben, um diese Lücke zu füllen, bis ich es jetzt getan habe. Das Buch handelt nur von Gehäuseschnecken, weil ich nur Gehäuseschnecken halte und von Nacktschnecken nicht viel Ahnung habe, auch wenn manches gleich ist. In diesem Buch sind Sachliches und auch Themen für nebenbei, die hilfreich oder interessant sein könnten. Ich schreibe über meine Erfahrungen und meine Ansichten. Alle Bilder in diesem Buch habe ich selber gemacht und gezeichnet. Dieses Buch ist für Jung und Alt geeignet, da es sehr viele Bilder enthält, aber auch sachlich geschrieben ist. Hier steht sehr vieles drin, was ich in noch keinem anderen Buch gesehen habe, was aber doch nützlich sein könnte. Zu diesem Buch gehört eine DVD mit interessanten Videos von meinen Schnecken. Diese kann man mit dem Bestellschein im Buch bei uns bestellen.



ÜBERLEGUNGEN VOR DER ANSCHAFFUNG

Was dich erwartet, wenn du Schnecken hältst

Man könnte denken, Schnecken machen nicht viel Arbeit und man braucht auch nicht viel Zeit. Sie sind jetzt vielleicht nicht so aufwendig wie ein Hund, aber sie brauchen trotzdem viel Pflege.
Man sollte sie schon jeden bis alle zwei Tage sauber machen (dazu mehr im Kaptel „Das Gehege sauber machen“), man muss sie täglich oder mehrmals am Tag nass spritzen, damit es ihnen nicht zu trocken ist. Außerdem brauchen sie immer frisches Futter, das heißt, auch das vergammelte Futter muss rausgeholt werden. Trotzdem macht es viel Spaß, sich mit ihnen zu beschäftigen, zum Beispiel ihnen beim Fressen zuzusehen oder einfach nur zuzugucken, was sie machen. Manchmal lachst du auch, weil sie etwas Lustiges machen, wie zum Beispiel wenn sich mehrere Schnecken verknoten. Das machen sie nämlich manchmal gerne, oder du setzt deine Schnecken einfach mal während du das Gehege sauber machst auf die Wiese, an einen Baum oder an naturnahe Orte. Es sollte nur nicht zu verwachsen sein, da du sonst deine Schneckchen schlecht wiederfindest. Weil manche Schnecken ziemlich schnell sein können. Aber falls du mal eine Schnecke verlierst, kann es sein, dass du sie später wiederfindest. Ich habe manche Schnecken nach fast einem Jahr wiedergefunden. Das ist möglich, denn wenn du deine Schnecken gut genug kennst, kannst du sie auch gut auseinanderhalten und wiedererkennen, da Schnecken doch ziemlich unterschiedlich aussehen, wenngleich nicht immer auf den ersten Blick. Am leichtesten kann man Bänder- und Weinbergschnecken auseinanderhalten. Die meisten kleineren Arten kannst du, wenn du Glück hast, in deinem Gehege unterscheiden, jedoch nicht, wenn du sie nach ein paar Wochen woanders wiederfindest. Man sollte für die Schnecken pro Tag circa Ein bis zwei Stunden einplanen, kommt darauf an, wie viel du dich mit ihnen beschäftigen willst. Im Frühjahr, wenn du dein Schneckengehege einmal komplett neu machst, solltest du doppelt so viel Zeit einplanen wie normal.


Schneckenversorgung im Urlaub

An sich ist es kein Problem, Schnecken zu halten und trotzdem mal in den Urlaub zu fahren. Du solltest nur darauf achten, dass du dir nicht kurz vor deinem nächsten Urlaub Schnecken anschaffst, gerade nicht, wenn du Anfänger/-in bist. Vielleicht hast du Freunde oder Bekannte, die auf deine Schützlinge aufpassen, aber das ist bei den wenigsten Schneckenfreunden der Fall, da Schnecken nicht die beliebtesten Tiere sind und sich nicht jeder bereiterklärt, die schleimigen Tiere zu versorgen. Aber es gibt auch noch eine andere Möglichkeit, die Schnecken im Terrarium alleine zu lassen, doch das muss vorher gut geplant sein, weil man wissen sollte, was die Schnecken gern essen und was sich so lange hält, ohne zu verfaulen, während du weg bist. Ich mache es auch so und weiß schon, was ich ihnen zu fressen gebe. Je länger du Schnecken hältst, desto besser weißt du, was du ihnen zu fressen geben kannst. Ich nehme meistens vertrocknete Pflanzenreste, während ich nicht da bin. Die lieben sie und wenn es viele sind, halten sie sich zumindest so, dass es nicht schimmelt. Eine gute Idee ist es auch, Unkraut, Salat oder andere Sachen, die deine Schnecken gerne essen, in das Gehege zu pflanzen, da sich das meist mehrere Wochen hält, wenn es gut eingepflanzt ist. Dazu kommt noch, dass du gucken musst, wie lange dein Terrarium nass genug bleibt, bis du es wieder nass machen musst, denn auch wenn du im Urlaub bist, müssen die Schnecken nass sein. Du solltest die Schnecken dann an einen sonnengeschützten Ort stellen, an den aber auch etwas Regen hinkommt. Bei mir ist es unter einem Ahornbaum.
Jetzt hast du alles geplant und es ist der letzte Tag zu Hause. Natürlich brauchen deine Schnecken auch ein sauberes Terrarium. Also musst du deine Schnecken vorher noch gründlich sauber machen, damit es solange wie möglich sauber bleibt. Dann das Futter reinlegen, bevor du fährst, damit es solange wie möglich hält, und noch nass machen. Natürlich geht diese Möglichkeit nur für eine bestimmte Zeit. Du kannst deine Schnecken nicht vier Wochen oder länger alleine lassen. Und natürlich, sobald du wieder zu Hause bist, musst du dich um deine Schnecken kümmern, das heißt sauber machen und Futter wechseln, denn wenn du wiederkommst, wird das Terrarium richtig dreckig sein. Deshalb überlege bitte, wann du dir deine Schnecken anschaffst, weil das alles herauszufinden Zeit braucht!



DIE HALTUNG

Der Behälter

Es gibt viele Behälter, in denen du deine Schnecken halten kannst. Theoretisch geht auch aus dem Baumarkt eine Plastikkiste mit Deckel, in den du Löcher hineinbohrst, damit deine Tiere noch Luft bekommen. Sieht aber nicht so schön aus. Besser ist ein Aquarium oder ein Terrarium. Bei einem Aquarium musst du darauf achten, dass es einen Deckel hat, da Schnecken Wände hoch kriechen können. Ich mag ganz gerne Terraboxen, da diese einen gelöcherten Deckel haben und dort Luft und Regen reinkommt. Selbst habe ich auch so eine, aber meine Schnecken leben momentan in meinem Aquarium, das ich eigentlich für Weinbergschnecken habe, weil die größer sind und daher auch mehr Platz brauchen. Aber wenn ich gerade keine habe, nutze ich es auch für meine Bänderschnecken. Falls du auch mal kleine Schnecken wie zum Beispiel Glanzschnecken oder Steinpicker halten möchtest, brauchst du für diese keinen großen Behälter. Da kannst du auch kleine Plastikdosen von Süßigkeiten oder größere Becherlupen nehmen.
Am besten ist, wenn man das Gehege von oben öffnen und den Deckel auch noch abmachen kann, um beides gut reinigen zu können. Ich habe schon oft gehört und gelesen, dass man keine Schiebetüren benutzen sollte, weil die Schnecken sich daran hängen können und du sie dann beim Aufmachen abwirfst (vgl. Nordsieck/Brugsch: Einheimische Schnecken). Aber ich finde es nicht so schlimm, weil man meistens zwei Schiebetüren hat, und es kleben selten an beiden Türen Schnecken. Dann machst du erst eine Seite auf und machst die Schnecke von innen ab oder, falls doch mal an beiden Türen welche kleben sollten, kannst du die Tür bis zur Schnecke aufmachen und das Tier dann abnehmen.
Wenn du dich für ein Gehege entschieden hast, solltest du unten in den Boden Löcher bohren, damit das Gehege nicht zu nass wird und das überschüssige Wasser unten ablaufen kann, falls es zu viel geregnet hat oder du es aus Versehen zu viel nass gemacht hast. Natürlich kannst du das nicht machen, wenn du deine Schnecken im Haus halten willst, weil ansonsten alles nass wird. Wenn du deine Schnecken wie ich im Garten hältst, hast du dieses Problem nicht. Dafür hast du im Haus auch nicht das Problem, dass es zu viel reinregnet.


Die Erde und was du sonst noch brauchst

Wenn du dein Terrarium oder einen anderen Behälter hast, muss da natürlich auch noch Erde rein. Dabei ist es wichtig, dass in der Erde kein Dünger enthalten ist, weil der für die Schnecken giftig sein kann. Deshalb ist am besten Erde aus dem Wald zu nehmen, aber nicht jeder hat einen Wald in der Nähe oder man hat auch nicht so viel Lust zu laufen, um an die Erde zu kommen. Dann ist es am besten, Komposterde zu nehmen. Die bekommst du einfach in einem Gartencenter oder von deinem eigenen Kompost. Auch Erde vom Maulwurfshügel ist gut geeignet, da sie ziemlich locker ist. Du kannst auch andere Erde ausprobieren, aber pass auf, dass kein Dünger darin ist.
Dann solltest du noch andere Sachen einkaufen (bei manchen kannst du entscheiden, ob du sie benutzt), zum Beispiel ein Näpfchen für Futter. Ich würde immer etwa zwei zu Hause haben, etwa um den Schnecken mal einen Pool zu machen (dazu im Kapitel „Umgang mit Schnecken und Charakter“ mehr) oder eins für Sepiaschale. Lege die Sepiaschale in den Napf hinein, damit sie nicht dreckig wird.
Und da sind wir auch schon bei dem nächsten Punkt: Die Schnecken brauchen Kalk. Entweder benutzt du dafür Sepiaschale oder Eierschale von ungekochten Eiern. Am besten du kaufst dir eine Dose mit Sepiaschalen, die werden auch erst mal länger halten. Bei den Näpfchen ist es am besten, wenn du eins mit glatter Innenfläche holst, da diese einfacher zu reinigen sind. Dann sollte man sich noch Sachen kaufen wie einen Schwamm oder einen Lappen, um das Gehege gründlich sauber zu machen. Und eine Sprühflasche wäre auch nicht schlecht, um deine Schnecken immer gut nass sprühen zu können. Wenn du dein Gehege schnell trocken haben willst, wäre ein Handtuch oder ein anderes Tuch nützlich. Am besten suchst du dir eine überdachte Stelle, wo du all deine Sachen lagerst, weil nach einiger Zeit viel Zeug zusammenkommen wird.


Material aus der Natur verwenden

Für die Schneckenhaltung benutzt man natürlich nicht nur Materialien aus dem Laden, sondern es ist auch wichtig, dass du Sachen aus der Natur nimmst, damit deine Schnecken sich wohlfühlen, weil sie ja schließlich aus der Natur kommen. Bei der Wahl der Dinge kannst du dich frei entfalten. Du kannst Stöcke, Blätter, Moos, Steine, Äste mit Blättern, Laub und vieles andere, das du findest, nehmen. Du kannst bei Stöcken mehrere ausprobieren, da Schnecken nicht jeden Ast mögen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sie nicht so gerne an ganz gerade Äste gehen, sondern lieber an krumme und verzweigte. Wenn Flechten dran sind, fressen sie diese auch ganz gerne. Es heißt, man soll keine harten Gegenstände in das Gehege tun, weil die Schnecken mal vom Deckel oder der Wand fallen können (vgl. Nordsieck/Brugsch: Einheimische Schnecken). Aber ich finde es nicht so schlimm, da eine Schnecke nicht plötzlich irgendwo runterfällt; und wenn doch, dann bekommt sie nicht sofort einen Hausschaden. Bei Jungschnecken sollte man lieber harte Gegenstände wie Steine oder Näpfchen weglassen, weil bei Jungschnecken die Schale des Hauses noch sehr dünn ist und schnell kaputt gehen kann.
Außerdem findet man draußen sehr viel Futter für die Schnecken.


Kann man auch Stacheliges verwenden?

Für Schnecken ist Stacheliges oder Spitzes kein Problem. Durch ihren muskulösen Fuß (Unterseite der Schnecke, siehe Foto S. 75) und der andauernden Schleimschicht können sie auch problemlos über Rasierklingen oder andere scharfe Sachen kriechen, ohne sich zu verletzen (vgl. Heiderose Fischer-Nagel: Schnecken). Also ist es auch kein Problem, ab und zu zum Beispiel Rosenstängel oder Disteln in das Gehege zu tun. Ab und zu fressen Schnecken sogar leicht stachelige Sachen. Aber es können nur Gehäuseschnecken über spitze Sachen kriechen – Nacktschnecken können dies nicht.


Was fressen Schnecken und sind sie wählerisch?

Schnecken können sehr vieles fressen, da sind fast keine Grenzen gesetzt. Sie fressen gerne Frischfutter, aber auch Vertrocknetes. Als Frischfutter kann man ihnen eigentlich fast alles geben, zum Beispiel Salat, Gurken, Paprika, Möhre, Fenchel, Zucchini, Auberginen und natürlich auch Pflanzen aus dem Wald oder dem Garten, etwa Löwenzahn, Kräuter wie Petersilie oder Basilikum, Brennnesselblätter, Klee und noch sehr viel mehr. Meine Schnecken fressen gerne die Blütenblätter von Rosen oder anderer Blumen. Als vertrocknetes Futter kann man verwelkte Blätter nehmen, aber Schnecken mögen lieber weiches Getrocknetes als hartes, was man zerbröseln kann. Außerdem eignen sich Schnecken gut als „Müllverwerter“, da sie auch Gurkenschale oder nicht mehr so gutes Gemüse fressen, was wir schon wegschmeißen würden. Aber so kann es bei den Schnecken als Nahrung landen. Obst mögen sie fast gar nicht. Man kann ihnen mal Apfel, Birne, Erdbeeren, Kirschen oder anderes geben, was bei uns wächst. Doch das rühren sie nicht wirklich an. Am besten probiert man viel aus und irgendwann kennt man seine Schnecken und weiß, was sie gern mögen oder gar nicht anrühren. Du darfst deinen Schnecken aber keine stärkehaltige Nahrung wie zum Beispiel Kartoffeln geben, da das bei den Tierchen zum Tod führen kann (Literaturverzeichnis Nr. 1).
Und zu der Frage, ob Schnecken wählerisch sind, kann ich nur Ja sagen. Also meine Schnecken sind sehr wählerisch und ich habe es auch schon oft gelesen, dass sie es sind. Früher haben meine Schnecken noch Löwenzahn geliebt und heute mögen sie ihn nicht mehr, sondern fressen fast nur noch Gemüse, also Futter aus dem Laden oder vertrocknete Blätter. Aber der Geschmack von Schnecken kann sich auch ändern und von Art zu Art oder gar von Schnecke zu Schnecke unterschiedlich sein. Doch am liebsten fressen die meisten junge Pflanzen und trockenes Zeug.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 118
ISBN: 978-3-95840-823-4
Erscheinungsdatum: 30.04.2019
EUR 26,90
EUR 16,99

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