Ratgeber & Sachbuch

Das mittlere Burgenland

Renate Mackay

Das mittlere Burgenland

Leseprobe:

… am rauschenden Bach …
Wer in die Mühle geht, wird mehlig,
wer in den Himmel kommt, wird selig.
Aber lieber mehlig als selig.
(unbekannt)

Von jeher übten Wassermühlen eine gewisse Faszination auf die Menschen aus. Oft fand man sie etwas abgelegen am Waldesrand und man war sich nicht sicher, ob es dort mit rechten Dingen zuging. Nicht jedermann war mit den technischen Neuerungen, die erst den Betrieb einer Wassermühle möglich machten, vertraut.

Laute Geräusche, die von dem Mühlenbetrieb kamen, wurden als bedrohlich empfunden, und immer wieder gab es Unfälle verursacht vom rotierenden Mühlenrad oder den tiefen Wasserstellen unterhalb des Rades.

Die Tatsache, dass man einen großen Sack Korn in die Mühle brachte und nur eine wesentlich kleinere Menge an Mehl wieder mitnahm, verunsicherte die Leute. Man war dem Müller ausgeliefert und nicht selten hieß es, dass dieser ein unehrlicher Zeitgenosse war, womöglich mit dem Teufel im Bunde. Seinen Lohn bekam der Müller in Form von Naturalien, 40 % des Korns verblieben ihm als Bezahlung.

Schon seit dem Mittelalter wurden die Müller verdächtigt, dass sie die Waagen im finstersten Winkel der Mühle aufgestellt hätten, dass diese schief stünden oder der Müller gar mit dem Fuß nachhalf, um das Abwiegen zu seinem Vorteil zu entscheiden.

Sauberkeit war groß geschrieben. Der Müller tauschte sofort beim Betreten der Mühle seine Holzschuhe gegen Lederpantoffel oder ging gar barfuß. Der Boden war so abgetreten und glatt, dass man keine Angst haben musste, sich Schiefer einzutreten. Natürlich gab es trotz aller Reinlichkeit Mäuse und die Mühlenkatze war genauso viel beschäftigt wie ihr Herr. Es wurde hart gearbeitet, immer wieder auch in der Nacht. Die Müllergesellen schliefen oft in der Mühle und hatten nur jeden zweiten Sonntag frei. Wenn sie in die Kirche gingen, trugen sie noch ihre mehlige Kleidung – deshalb gab es speziell reservierte Sitze für sie.

… there’s an old
mill by the stream …
When you go to the mill, you get dusty,
when you go to heaven, you are blessed;
better for now to be dusty than blessed!
(Unknown)

Watermills have always exerted a certain fascination; tucked away in remote glens or wooded valleys, the rumbling of the wheel, the rushing mill-race and the powerful waters all contributed to an image of mystery and danger. And folklore made the most of this – not only of the buildings but also of those who inhabited them.

The mystery of the mill was compounded by the process – a sack of corn turned into a far smaller amount of flour… and with the miller receiving his payment in kind (usually 40 % of the corn) it is small wonder that he became the target of mistrust, rumour and scandal. – His scales were always said to be kept in the darkest corner of the mill where his foot could tip the balance in his favour and if that was not enough, then some customers were ready to suggest that in harnessing the forces of nature he must surely be in league with the devil.

Despite this infernal association, millers were known to take seriously the subject of cleanliness and outside boots were never worn inside the mill but exchanged for leather slippers or, in their absence, bare feet. Even so, mills were never free of mice and the miller’s cat – like its master – lead a busy life. The miller, with the help of an assistant who often slept on the premises, frequently worked the mill throughout the night and even a visit to church might come only twice a month. But at least on those occasions the miller and his helpers were accorded the privilege of reserved pews – if only to protect their fellow parishioners from their floury clothing.


Alte Geschichten
Zahlreiche Sagen ranken sich um die Geschehnisse rund um die Mühlen, die schönen Müllerstöchter und die Müllergesellen und nicht selten kam auch der Teufel darin vor.
Oft hatte der Müller ihm in einer verzweifelten Situation seine Seele verschrieben, entkam dann aber durch eine List doch noch seinem Unglück.

Die Sage um die Landseer Teufelsmühle erzählt von einem Mühlenbau, der den Landseern von ihrem Schlossherrn genehmigt wurde, damit diese nicht mehr den mühsamen Weg zur Mühle nach Lindgraben fahren mussten.
Allerdings war die Sache nicht so einfach, denn in der Nacht vor der Dachgleichenfeier wurde der Bau bis auf die Grundmauern zerstört. Man verdächtigte den Müller von Lindgraben, der ja mit dem Bau der neuen Mühle viel Geschäft verlieren würde. Trotzdem begann man erneut mit dem Bau, aber schon viel früher als beim letzten Mal wurde das Gebäude niedergerissen. Diesmal glaubte man, dass die Bauarbeiter selbst an der Zerstörung beteiligt waren, damit sie an einem neuerlichen Auftrag mehr verdienen konnten. Man stellte also neue Bauarbeiter ein, aber auch das konnte eine weitere Zerstörung des Mühlenbaus nicht verhindern. Schließlich wurde noch ein neuer Baumeister beauftragt, jedoch blieben alle Bemühungen erfolglos – wieder fand man nur Steinhaufen vor, wo der Bau zuvor schon recht fortgeschritten war.
Die Landseer wollten so schnell nicht aufgeben und als die neuerlich errichtete Mühle fast fertig war, hielt ein Bauer des Nächtens Wache. Nicht lange und ein fürchterliches Gelärme begann und zwei glühende Augen erschienen. Der Bauer fürchtete sich und suchte das Weite.
Am nächsten Tag fand man wieder alles zerstört vor. Was geblieben war, sieht man auch heute noch – einen Steinhaufen und Mauerreste.
Unter den Leuten gab es geteilte Meinungen, nicht jeder wollte den Teufel für den Schaden verantwortlich machen und manche hielten nach wie vor den Müller von Lindgraben für den Schuldigen. Einig war man sich allerdings darüber, dass man nicht noch ein weiteres Mal versuchen würde, eine eigene Mühle zu bauen.
Entwicklung
Als manche Nomadenstämme sesshaft wurden, begannen sie Getreide anzubauen, das natürlich auch zerkleinert werden musste. Dies taten sie zunächst mithilfe von Reibsteinen – das Getreide wurde auf einem flachen Bodenstein mit einem zweiten, runden Stein zerrieben.
Diese Form des Mahlens wurde bereits 4000 v. Chr. im Raum Altbabylon angewendet. Danach verwendete man Mörser und in weiterer Folge Trog- bzw. Handmühlen – ein Drehstein wurde in einem ausgehöhlten Bodenstein gedreht. Man begann die Kraft der Tiere zu nutzen; mit einer Deichsel ausgestattet wurde nun der Stein von ihnen in ständiger Bewegung gehalten. Anstelle der Tiere verrichteten auch manchmal Menschen diese Arbeit.
Die Sumerer hatten in Mesopotamien bereits um 3000 v. Chr. Bewässerungsgräben angelegt. Um ca. 1200 v. Chr. benutzten sie Treträder, um das Wasser aus den Gräben zu schöpfen. Aus diesen Tretmühlen entwickelten die Römer um 300 v. Chr. das Wasserschöpfrad. Damit nützte der Mensch erstmals die Naturkraft zum Mahlen. Das Wasserrad verbreitete sich in einer verbesserten Form gegen 10 v. Chr. in ganz Europa. Erst viele Jahrhunderte später gab es die ersten Windmühlen.
Beide Formen verloren im 19. Jahrhundert an Bedeutung und wurden von vollautomatischen Betrieben ersetzt.
Die Romantik und Idylle, die man mit den alten Mühlengebäuden verbindet, veranlasst viele Menschen, sie zu bewahren, zu renovieren und zu nutzen, wenn auch manchmal zweckentfremdet als Wohnhaus, Galerie oder Restaurant.
Im mittleren Burgenland sind unter anderem drei sehr unterschiedliche Mühlen zu besichtigen – eine idyllische, eine praktische und eine adaptierte:
die Wallnermühle in Markt Neuhodis, die als Schaumühle die alten Prozesse nahebringt, die Schedl-Mühle in Lockenhaus, die sich als voll funktionierende Mühle der heutigen Technik bedient, und die Energiemühle in Nikitsch, die einst Strom als Energie produzierte und heute Energie in Form von lokal produzierten Lebensmitteln oder Seminaren zur inneren Stärkung anbietet.

Folklore
Watermills, millers and their invariably beautiful daughters figure largely in local myth and legend and it seems that on more than one occasion a wily miller has cheated the devil and redeemed his soul.

A good example is the story of the Landsee Devil´s Mill. Landsee today is a mysterious and beautiful village high on the Landseer hills. Many years ago, the citizens of Landsee grew tired of travelling the long route to the nearest mill in Lindgraben and were granted permission by the Lord of the Manor to construct their own mill.
The villagers set to with a will but were dismayed to find one morning that all of their work had been destroyed and the new building razed to its foundations. Their suspicions fell upon the miller of Lindgraben who indeed had a lot to lose, but undeterred the villagers renewed their efforts – only to find their work again demolished. This time, suspecting that their hired helpers were cheating them, the villagers rebuilt the mill with new help only to suffer the same result. Determination was evidently a virtue in Landsee and the villagers again rebuilt their mill, but this time posted a local farmer as sentry to guard the building. The poor farmer was horrified at dead of night by a pair of glowing red eyes which he saw just before the new building came crashing down. He fled and the villagers finally resigned themselves to defeat. The more worldly among them continued to suspect the miller of Lindgraben but be that as it may, none were willing to risk another devilish appearance and to this day all that remains of the mill at Landsee is a pile of blackened stone.

Format:
Seitenanzahl: 232
ISBN: 978-3-85022-206-8
Erscheinungsdatum: 05.01.2011
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
EUR 34,90
EUR 20,99

Schulschluss-Tipps

Neuerscheinungen