Alltag & Lebensführung

Wer nach dem Sinn des Lebens fragt, hat die Antwort schon verpasst

Wolfgang Schelberger

Wer nach dem Sinn des Lebens fragt, hat die Antwort schon verpasst

Ameisen sind spiritueller als Menschen

Leseprobe:

Einleitung

Die Menschen allerorts sehnen sich nach einer Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Das Fragen führt zu vielen Sinnangeboten und Konzepten. Manche finden ihren Sinn, andere suchen ewig. Die Rastlosigkeit der Frage treibt sie an. Das vorliegende Buch ist Antwort ohne Konzept. Antwort ohne Patentrezepte und Erklärungen. Die Antwort ist für alle zugänglich, doch sie kann nicht aufgefunden werden. Die Antwort ist dem Auffindbaren und Erklärten voraus. Denn die Antwort benötigt keine Frage!
Der Text weist über die Worte hinweg, auf das, was mit Worten nicht zu erfassen ist. Dabei werden keine spirituellen Formeln gepredigt, keine esoterischen Rätsel und Dogmen entwickelt. Nur ursprüngliche Bedingungen des Menschseins kommen zur Darstellung. Für jeden einzusehen und zu erleben. Der Mensch wird seinem Wesen nach offengelegt, jedoch unter Verzicht auf Belehrungen. Denn keine Lehre und Erklärung kann umfassenden Sinn treffen. Somit ist der vorliegende Text nicht als konsistente Lehre zu lesen. Er kann vom Leser zwar als belehrend interpretiert werden, ist jedoch nur klarer Hinweis. Es wird nichts Neues offenbart. Es kann nichts Neues offenbart werden. Die Aussagen entsprechen nicht dem Zeitgeist, sind wohl nicht populär und sicher nicht wissenschaftlich. Sie wollen niemanden bekehren oder niemandem eine Sicht aufdrängen. Keine Positionen und keine Erklärungen sind zu finden, es wird nur aufgezeigt, was immer schon nur klar war. Natürliche Gegebenheiten und Zusammenhänge kommen zur aufmunternden Darstellung.
In jeder Generation und in jeder Tradition haben bewusste Menschen dies auf ihre Weise getan. Der Inhalt dieses Buches bietet daher keine revolutionären Deutungen, sondern dient dem freien Menschen als Möglichkeit, sich in Essenz zu erleben. Sich vollständig und frei zu erleben und sich wahrem Wert zu öffnen. Mit klarer Sicht auf das zu schauen, was ihn ausmacht und dem er ewig schon entspricht. Doch wird hier keiner Schule, keiner Position und keiner Philosophie entsprochen. Für jeden Menschen, unabhängig von Stand, Tradition, Ort oder Bildung, gilt das Vorliegende, wenn er sich besinnt. So führen die Worte dieses Buches weg von aufgesetzter Spiritualität hin zu einem erfüllend erlebten Dasein aus und in alltäglicher Spiritualität. Die Suche nach dem Sinn des Lebens wird als absurd durchschaut, weil in Suche schon Trennung stattgefunden hat. Sinnsuche richtet sich stets an das Andere und verfehlt daher wahren Sinn. Wahrer Sinn ist nicht zu finden, denn er braucht die Suche nicht. Wahrer Wert ist nicht zu suchen, denn er ist der Suche voraus.

Im Dialog mit dem Einzelnen:
Was kann mich dieses Buch lehren?
Nichts!
Ich verstehe nicht. Welches Wissen willst du den Menschen weitergeben?
Das Leben lässt sich nicht durch Wissen vermitteln!
Jetzt verstehe ich. Du willst die Menschen das Leben lehren, ihnen erklären, was das Leben ist, nicht wahr?
Nein. Das Leben kann nicht gelehrt werden. Wenn du jenen begegnest, die für sich beanspruchen das Leben lehren zu können, sei vorsichtig! Wer glaubt, das Leben erklären und verstehen zu können, hängt sich an Bilder und Vorstellungen. In jedem Fall will er etwas. Er will erklären!
Was heißt das? Was willst du mit diesem Buch erreichen?
Ich will nichts erreichen!
Wieso schreibst du es dann?
Weil es zu tun ist!
Das sagt sich leicht. Natürlich willst du ein Ziel erreichen.
Das mag für den Beobachter so erscheinen. Trotzdem sage ich: Es ist zu tun. Es drängt sich als Beitrag auf. Jedoch verfolgt es keine Absicht und kein Ziel.
Es zeigt im Außen nur das auf, was in sich ewig klar.

Es verweist den Menschen nur auf sich als lebendiges Leben!



DER MENSCH IST SINN IN GEGENWART

Erleben in Veräußerung

Die Menschen streben in ihrem Tun nach Sinn. Sie möchten sich als jemand oder etwas erfüllen. Das gesamte Dasein wird genutzt, um etwas zu erreichen oder als jemand zu wirken. Sie suchen nach Identität und Zugehörigkeit. Hoffnung auf Ganzheit und Erfüllung liegt dieser Ausrichtung zugrunde. Irgendwo möchten sie sich in ihrer Identität entdecken, als sinnstiftendes Individuum erkennen. Die Psychologen sagen, dass dies für den reifen Menschen sogar notwendig sei. Ich sage: Jeder darf sich auf seine Weise ins Leben investieren. Und trotzdem gilt: Wo der Mensch glaubt, Identität gefunden zu haben, hat er sich aufgegeben! Egal wohin sich die Menschen in ihrem Wunsch nach Identität bündeln, sie haben sich darin verfehlt.
Die Menschen suchen nach Identität und Sinn und beginnen sich zu identifizieren. Irgendwelche Moden, Gewohnheiten, Besitz oder womöglich nur das „Mehr-haben-zu-wollen-als-der-Nachbar“ werden oft unartikuliert zum Lebensinhalt gemacht. Nein, sagt der moderne Zeitgenosse, ich wünsche mir mehr vom Leben. Diese Oberflächlichkeiten sind mir zu wenig. – Er spürt, da muss mehr sein – und orientiert sich um. Findet andere Interessen und Motive, bleibt aber trotzdem weiter von äußeren Interessen geführt. Das Dasein kann vielen Vorstellungen, Motiven, Interessen und Tätigkeiten gewidmet werden. Doch wenn diese Interessen missverstanden werden, sie zum Sinn und Zweck erhoben werden, der Mensch seine Identität daraus und daraufhin ableitet, ist er nicht mehr frei. Solange es dem Menschen darum geht, sich durch sein Wirken eine Identität aufzubauen, ist er auf dem Irrweg. Solange dieses Tun von Sinnsuche oder dem Wunsch nach Selbstverwirklichung getragen ist, bleibt er ein Schatten seiner selbst. Menschen meinen in ihren Motiven zu sich zu finden. Das wird ihnen so jedoch nie gelingen. Obwohl vielen nicht bewusst, sind sie von ihren Interessen gelenkt und daher fremdgesteuert.
Jede Bündelung und jedes Selbstverständnis in diesem Sinne ist auf das Außen, das Entgegenstehende, das Einzelne angewiesen. Der Mensch will sich als Einzelnes verstehen, in seiner Identität erklären, hat sich aber als Sinn bereits übersehen. In diesem Bedürfnis richtet er sich immer an ein Gegenüber. Er benötigt ein Anderes, ein Außen. So entzweit er, was ursprünglich vollständig. Entzweien kann jedoch nur er. Er macht sich zum Außen. Er hat sich in all dem schon veräußert. Denn nur er hat sich identifiziert. Er definiert, identifiziert und orientiert im erzeugten Außen, erbaut daraus ein Selbstverständnis und sucht sich seinen Sinn. Wer nach Sinn und Identität sucht, wird auch finden. Das, was er findet, kommt immer schon nach ihm. Denn solange sich der Blick aufs Andere richtet, kann nicht klar gesehen werden.
Identifikation und Identität sind nur Ersatz. Das Original, der Mensch „in sich geeint“, ist nicht ersetzbar.



Der Bewusste lebt sich,
ohne zu wissen, wer er ist

Im Gespräch mit Psychologen wird folgendes Statement zur Diskussion gestellt:
Der reife Mensch kennt sich selbst. Er ist sich seiner selbst bewusst.
Kann dem wirklich vollends zugestimmt werden? Kann der Mensch sich wirklich kennen? Kann er wissen, wer er ist?
Solange er sich als Selbst definiert, kann er sich im Selbstverständnis üben. Durch Selbst-Reflexion kann er sich in seinen Eigenheiten verstehen wollen. Kann sich in seiner Persönlichkeit ergründen. Wer sich in Identifikation zum Selbst, zur Person verdichtet, will diese dann durchleuchten, erkennen und entwickeln. „Selbstverständnis“ und „Selbstbewusstsein“ wird das dann genannt. Ich sage zu den Psychologen: Ich verstehe mich nicht und bin dabei ganz bewusst. Für die Psychologen erscheint diese Aussage widersprüchlich. Selbstverständnis ist für sie an Bewusstsein gebunden. Ich fahre in scheinbarer Paradoxie fort: Jede Idee von Selbstverständnis zeugt von Unbewusstheit! Die Irritation steigt. Doch erlaube ich mir einen letzten Satz: Wahrlich bewusst ist nur der, der auf das Selbst verzichtet!
Mit kritischem Blick warten sie gebannt auf weitere Erklärungen. Ich ergänze, ohne zu erklären: Wer wirklich bewusst lebt, muss auf Selbstbewusstsein verzichten. Wer sich selbst erkennen will, ist immer unbewusst. Er hat (s)ein Selbst vielleicht erkannt, aber gleichzeitig auch verkannt. Selbst ist Illusion und somit unbewusst. Bewusstes Erleben ist losgelöst vom Selbst: Das freie Selbst bleibt stets lose.



Selbstbewusstsein ist schon unbewusst

Kein Bewusstsein, nur bewusst! Kein Selbst, nur selbstlos!
Im Selbstbewusstsein hat sich Identität abgegrenzt. Das Selbst hat sich definiert und geformt. Dieses will am Leben bleiben, daher beginnt es, sich zu erklären. Klar ist jedoch: Leben ist „in sich“ selbstlos. Die, die am Selbst hängen, können zwar verstehen und erklären, sind aber im Erleben unbewusst. Was heißt das? Jedes Selbst, jedes Selbstverständnis und auch Selbstbewusstsein ist aus Hochmut geboren. Es wird dabei versucht, was „in sich“ erfüllt und klar ist, in eine abgrenzende Definition zu zwängen. Ausdruck wird mit Essenz verwechselt, Form mit Inhalt.
Wie auch immer sich dann das Selbst versteht und womit es sich identifiziert, es muss aus diesem Verständnis (er)leben. Es bleibt dann jedes Erleben, da durch das Selbst gefiltert und geprägt, unbewusst.
Bewusst ist der, der im Erleben auf das Selbst verzichtet! Klar bewusst, denn jedes Selbst ist in letzter Konsequenz künstlich entstanden. Charakter, Persönlichkeit, Individualität sind fruchtbarer Ausdruck und Form, doch werden sie vom Menschen zu einem Selbst erhoben. Was er tatsächlich ist, bleibt trotzdem selbstlos. Das, was der Mensch ist, ist selbstlos Sinn.
„Du“ bist selbstlos, unerfassbar.



Spirituell bewusst und bewusst spirituell

Traditionell-psychologisch werden mit dem Unbewussten psychische Anteile gemeint, die dem menschlichen (Ich-/Selbst-)Bewusstsein nicht direkt zugänglich sind. Der reife Mensch kann dann lernen, sich diese unbewussten Prozesse bewusst zu machen. Er macht diese dem Selbst (Ich) zugänglich. Tatsächlich sind viele ihren verdrängten, unbewussten Dynamiken ausgeliefert. Insofern ist die Bewusstwerdung abgestoßener Anteile und Dynamiken wertvoll und hilft dem Selbst: Freies Erleben wird gefördert, Abhängigkeiten werden gelöst, das Leben lässt sich besser bewältigen … Doch geht darin (im spirituellen Sinn) Unbewusstheit weiter!
Wenn der Mensch an der Idee des Selbst (Ich-Bewusstsein, Selbst-Bewusstsein) festhält, bleibt er immer unbewusst. Der Bewusste braucht das Selbst nicht, er handelt bewusst „aus sich“. Das Selbst ist immer eine gesetzte Entität, ein Anderes, es existiert als eigenständige Entität für den, der es gesetzt hat, und für die, die am Selbst festhalten. Der Bewusste sieht sich in losem Ausdruck, da er vollständig sieht, lebt er im Ausdruck frei und gegenwärtig. Er ist sich bewusst: Kommt der Mensch „zu sich“, braucht er das Selbst nicht mehr verstehen! Dem Bewussten ist klar, wer er ist, er wird sich aber davor hüten, „sich“ verstehen zu wollen!



Bewusst Handeln ohne Bewusstsein

Wahrlich bewusst heißt, „bei sich“ sein. Bewusst sich erfüllt erleben. Bewusste Allgegenwart. Ewig gegenwärtig. Dabei achtsam: Sich in Gegenwart treu bleibend: Jede Handlung ist direkt innerlich geprüft: Was tue ich da? Nicht als äußere Frage. Nicht als Gedanke oder Reflexion, sondern als klares, inneres Fühlen (kein Gefühl): Bleibt darin (im Tun) Gegenwart (Leben) gewürdigt? So ist die einzelne Handlung frei und in Achtsamkeit vollzogen!
Gewissen und Intuition führen bei klarem Erleben. Wer achtsam bleibt in jeder Handlung, ist von Gewissen und Intuition geleitet. Die Handlung erscheint in der Welt einzeln, ist aber „in sich“ vollendet. Unbewusst wird die Handlung dann, wenn sie nicht mehr frei vollzogen wird:
wenn sie vom Motiv geblendet ist.
wenn sie vom Selbst gefesselt wird.

Das Selbst setzt im Handeln auf die Absicht. Auch die Handlungen, die im Wertesystem der Menschen als die Guten und die Altruistischen gelten, sind in und aus Absicht unbewusst. In der Absicht sind sie nicht mehr ursprünglich. Aus Absicht sind sie immer (teil)bezogen anstatt vollständig. Frei handeln heißt, sich als Selbst nicht dazwischenzuschieben. Sich dem Impuls der Wandlung nur zur Verfügung zu stellen, losgelöst von Selbst und Vorteil. In der vorgefundenen Welt das tun, was sich aus dem Leben eröffnet. Als vollwertiger Beitrag, Beitrag in Vollendung.



Alles ist „in sich“ vollendet

In vielem steht der Mensch sich gegenüber. Er kann sich im Zweiten erkennen und sehen. Mannigfaltiges steht zum Ausdruck und zum Eindruck zur Verfügung. Dies und jenes kann er machen, um sich daran zu erfreuen. Erleben darf das Dasein jeder auf seine Weise. Jeder kann sich seinem Leben anderwärtig widmen. Wo dies jeder frei und innerhalb seiner Möglichkeiten tut, erfüllt er „sich“ vollständig in lebendigem Ausdruck. Wer aus „sich“ handelt, handelt zwingend sinnorientiert. Er handelt innerhalb von Sinn und braucht ihn nicht erst in die Tat hineinzulegen. Die Handlung muss dann nicht mehr auf Sinn „hin“ ausgerichtet werden, sie kommt ja sowieso aus Sinn. Denn jede Handlung passiert innerhalb von Sinn. Pointiert gesagt: Es ist keine Handlung außerhalb von Sinn möglich.
Aus Absicht kann wohl auch sinnstiftend gehandelt werden. Durchs Motiv kann Sinn in die Tat gepflanzt werden, doch ist dabei, ganz zugespitzt gesagt, wahrer Sinn verfehlt. Die Handlung steht dann immer in Abhängigkeit zum Selbstverständnis und ist vom Motiv verschmutzt. Motiv und Selbst bedingen einander und hängen stets aneinander. Das Selbst muss sich am Motiv orientieren. Das Selbst hat sich mit dem Motiv identifiziert. Im Anderen (Motiv, Ideal, Vorstellung, im Selbst und Ich) gaukeln wir uns Sinn jedoch nur vor. Im Entgegenstehenden glauben wir dann das anzutreffen, was wir sowieso schon sind. Es braucht das Außen als Entgegengesetztes, als Zweites nicht. Der Mensch wird sinnerfüllt geboren und will sich dann im Anderen (im subjektiven Sinnbezug) erfüllen.
Bei klarem Blick sieht der Mensch im Anderen jedoch nur „sich“. Was der Mensch erfüllen möchte, ist er schon längst! Gegenwärtiges Leben, jenseits jeder Form und gleichzeitig Essenz jeder Form und Erscheinung! Es wird Sein, Bewusstsein, Gott, Tao und ganz anders genannt. Unabhängig vom gewählten Begriff gilt: Der Mensch ist „in sich“ vollständig. „In sich“ vollwertig und voller Sinn. Er hat nur vergessen, wer er ist. Erlaubt er sich wieder voll zu „sich“ zu stehen, dann erlebt er „sich“ bewusst.



Veräußerung und Veräußerlichung

So tendieren die Menschen dazu, sich über das Andere zu erleben. Da gibt es viele, die Veräußerlichung zum Lebensthema machen. Sie definieren sich zum Beispiel über Status, machen sich im Materiellen wertvoller und wichtiger als die anderen, wollen sich in Hab und Gut erhöhen: Auto, Haus, Besitz, beruflicher Erfolg, Verdienst, Vermögen – Identifikation über den Konsum. Bedürfnisbefriedigung ist das Motto! Nur welche Bedürfnisse? Der Mensch in Veräußerlichung kennt seine Bedürfnisse nicht mehr, trotzdem will er sie befriedigt wissen. Die Funktion der Bedürfnisbefriedigung gleicht der der Drogen für den Junkie. Kurzfristige Befriedigung führt zu momentaner Scheinzufriedenheit, gleichzeitig zu langfristiger Unzufriedenheit und Abhängigkeit.
Die Welt des Überflusses führt zum Überdruss. Das erkennen viele und sagen sich vom oberflächlichen Lebensstil los. Sie verfolgen „höhere“ Ziele und suchen nach neuen Orientierungsmöglichkeiten. Sie wollen Gutes tun, streben nach einer besseren Welt, widmen ihr Leben diesen oder jenen Idealen. Darin erkennen sie dann Wert und Sinn. Die zukünftige Verwirklichung von Zielen, Wertmaßstäben und Visionen, vielleicht Spiritualität wird von ihnen zum Sinn erhoben. Aber auch dabei bleibt die Orientierung im Außen. Der Blick geht weg von wahrem Wert. Wahrer Sinn ist längst verpasst. Wahrer Sinn ist nicht zu finden, denn er ist und bleibt. Nichts, was im Außen Sinn verspricht, kann diesen je erfüllen. Keine äußere Form kann ihr Versprechen je einlösen.
Bleibt des Menschen Handlung vom Drang nach Identifikation, von der Hoffnung auf Identität und somit von Absichten und äußeren Interessen (Identität und Absicht verweisen aufeinander) manipuliert, erlebt er eingeschränkt und verkümmert. Plumpe Oberflächlichkeit kann durch andere Ziele ersetzt werden und das ist auch zu befürworten. Einfältige Veräußerlichung ist zu übersteigen, ja, und doch wird dabei ein Motiv durch das andere ersetzt. Das eine Außen wird durch ein anderes substituiert. Veräußerung bleibt es allemal. Denn die Orientierung im Außen übersieht immer den Moment, übersieht, was ewig klar. So bleibt die Geschichte der Menschen eine Geschichte der Veräußerung. Sie verkaufen sich, anstatt „bei sich“ zu bleiben. Alles, worin der Mensch sich erfüllen will, ist als Veräußerung zu sehen.
Jedes „Wollen“ ist als Veräußerung zu sehen. Provokant ausgedrückt: In all dem, was der Mensch tut, um sich selbst zu finden, hat er sich verfehlt. In all dem, was der Mensch tut, um Sinn zu vermitteln, hat er sich verfehlt. Im Motiv hat er sich verpasst! In all dem liefern sich die Menschen an das Außen aus. Sie haben sich als Essenz verloren. Das, was sie sind, ist dem voraus. Sinn erfüllt sich vor dem Zweiten und vor jedem Anderen.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 176
ISBN: 978-3-99048-308-4
Erscheinungsdatum: 11.02.2016
EUR 15,90
EUR 9,99

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