Alltag & Lebensführung

TIERSCHUTZ MACHT SINN

Sabine Stegmüller-Lang

TIERSCHUTZ MACHT SINN

Aufmerksamkeit statt Tiervergessenheit

Leseprobe:

Widmung

Ich widme dieses Buch unserem jung verstorbenen Hund Finn und allen Tieren, die KEIN Leben vor ihrem Tod haben.

Ich widme dieses Buch meinen drei Kindern, Paul, Simon und Annegret, in der Hoffnung, dass sie und ihre Generation neue Wertmaßstäbe verwirklichen.

Ich widme dieses Buch allen Kindern, die aufgrund unseres alle Ressourcen verbrauchenden Lebensstils keine gute Zukunft haben.

Ich widme dieses Buch nachdenklichen Menschen, die zum Hinterfragen ihrer Konsum- und Essgewohnheiten bereit sind.

Ich widme dieses Buch Frauen und Männern, die zu Mitgefühl und Mitleid fähig sind und sich vom verheerenden Leid der Tiere berühren lassen.

Ich widme dieses Buch all denen, die sich entschlossen haben, das vielfältige Leid in der Welt zu minimieren.

Ich widme dieses Buch jenen, die ihre Verantwortung erkennen, zu ihren Lebzeiten das ihnen Mögliche zu tun.

Ich widme dieses Buch allen Menschen guten Willens, welcher Nationalität oder Religion sie auch angehören mögen.

Sabine Stegmüller-Lang, August 2014



Vorwort und Anerkennung

Vor mehr als 25 Jahren sah ich im Deutschen Fernsehen erstmals Dokumentationen über intensive Tierhaltung, Tiertranssporte und Schlachthöfe. Ich war zutiefst schockiert und fassungslos darüber, dass Tieren derartiges Leid zugefügt wird. Fortan beschäftigte ich mich eingehend mit diesem Thema, arbeitete mich durch vielerlei Tierschutzliteratur und auch durch grauenvolles Film- und Fotomaterial. Bei manchen Bildern wäre mir noch heute lieber, ich hätte sie nicht gesehen. Solche Eindrücke sind jedoch nicht mehr rückgängig zu machen und gewonnene Erkenntnisse und Einsichten kann man schwerlich unterschreiten. Sehr bald gab es für mich den Weg des Ignorierens und Wegschauens nicht mehr. Für mich persönlich war schnell klar, dass ich mein Leben umstellen musste und so wurde ich Vegetarierin, was ich bis heute noch bin.
Etwa zeitgleich mit dem Beginn meines Interesses am Tierschutz befasste sich mein Mann mit dem damals noch neuen Thema Sustainable Development (Nachhaltige Entwicklung). Die Beschäftigung mit sogenannten Ökobilanzen oder Lebenszyklusanalysen im Kontext von Weltbevölkerungswachstum und Ernährung der Weltbevölkerung führten bei ihm zum Fleischverzicht, wobei er nach wie vor noch Fisch isst. Die Themen Tierethik, Umweltschutz und alles, was damit in Zusammenhang steht, waren schon zu Beginn unserer Familiengründung präsent und sind es noch heute. Eine große Herausforderung erlebte ich als junge Mutter: wie sollte ich unsere drei Kinder ernähren? Dass man als Erwachsener ganz gut mit der vegetarischen Ernährung zurechtkommen konnte, galt bereits damals ernährungswissenschaftlich als gesichert. Aber wie sieht es mit vegetarischer Kost für Kinder aus? Kann man Kinder vegetarisch ernähren, ohne dabei einen Mangel zu riskieren? Ich war damals immer auf der Suche nach Neuerscheinungen im Bereich der Ernährungswissenschaften. Niemals hätte ich das Wohl derjenigen, die das Kostbarste für mich sind, aufs Spiel gesetzt. Schließlich und endlich habe ich meine Kinder nach sorgfältiger Überlegung vollwertig und weitgehend ovo-lakto-vegetarisch großgezogen, bis sie in sehr jungen Jahren schließlich selbst beschlossen haben, keine Tiere mehr zu essen. Unsere zwei Söhne haben mit ca. 18 Jahren wieder begonnen, ab und zu Fleisch und Fisch zu essen, wobei sie in der Regel ganz genau auf die Herkunft dieser Nahrungsmittel achten. Unsere Tochter hingegen ist mehr oder weniger seit dem Kindergarten Vegetarierin und das bis heute. In unserer Familie hat jeder irgendwie seinen persönlichen Umgang mit diesem Thema gefunden und mir ist klar, dass dies nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Aber es ist ein Versuch.

Da ich aus meiner eigenen Familie und meinem Freundeskreis weiß, wie persönlich, geradezu intim, die eigenen Ernährungsgewohnheiten gesehen werden, ist mir bewusst, dass dieses Buch ein hochsensibles Thema berührt. Der durchaus berechtigte Versuch der Grünen einen fleischfreien Donnerstag verbindlich einzuführen, scheiterte meines Erachtens vor allem daran, dass Menschen es als unverschämte Grenzüberschreitung empfinden, wenn jemand ihnen vorschreiben will, was sie essen sollen. „Was ich esse, bestimme ich! Essen ist Privatsache!“, sagen viele Empörte, als sei dies die letzte Bastion der Selbstbestimmung. Ich verstehe diese Position; sie ist berechtigt, und wiederum auch nicht. In Anbetracht begrenzter Ressourcen, dem Welthungerproblem und ungeheurem Tierleid ist Essen auch ein Politikum!
Darüberhinaus mag für viele Menschen vielleicht auch das Hinterfragen der Ernährungsweise, die uns als Kindern durch unsere Mutter zuteil wurde, geradezu als Sakrileg erscheinen. „So, wie uns die Mutter ernährt hat, so ist es richtig, so wurde es schon von der Großmutter weitergegeben und so ist die Tradition!“ Nicht zuletzt wird wohl auch besonders von Männern Fleischessen mit Tatkraft, Stärke und Männlichkeit assoziiert und eine vegetarische Lebensweise passt so gar nicht ins Bild. Ich habe vor all diesen persönlichen Zugängen von Menschen und den gewachsenen Strukturen großen Respekt.
Wie auch immer: der vegetarische, vor allem der vegane Lebensstil erhitzt so manche Gemüter und mitunter werden wilde ideologische Schlachten gekämpft. Andere Menschen hingegen lässt dieser Diskurs kalt und für sie mag mein Buch und meine Beschäftigung mit dem Thema Tierschutz etwas exotisch anmuten, in etwa so, als hätte ich eben ein außergewöhnliches Interesse an einer bestimmten seltenen Orchideenart, die ich mit Akribie zu züchten versuche. Das Thema Tierschutz ist aber meines Erachtens kein marginales Thema einiger verschrobener Aussteiger, sondern es ist mittlerweile als bedeutsames Thema in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen und verdient es, erörtert zu werden, Ich hoffe, dass dieses Buch einen Beitrag dazu leisten kann.

An dieser Stelle möchte ich auch einigen Personen danken, die maßgeblich zum Gelingen des Buches beigetragen haben:
Zuallererst möchte meinem Mann Reinhold danken, der mich stets ermutigt hat, dieses Buch zu schreiben und der mich in der finalen Phase mit vielen wertvollen Hinweisen und tatkräftigem Einsatz, nicht zuletzt auch bei Fragen der Strukturierung und Textformatierung, unterstützt hat. Ich danke auch unseren Kindern Paul, Simon und Annegret, die oftmals mit mir diskutiert haben und die mir in vielen Gesprächen wichtige und kritische Anregungen gegeben haben. Ich danke meiner Freundin Petra, die Teile dieses Buches korrekturgelesen hat (und die daraufhin Vegetarierin wurde!).
Teile des Buches beruhen auf meiner Diplomarbeit am Institut für Ethik und Gesellschaftslehre an der Katholisch-Theologischen Universität Graz. Noch einmal gedankt sei meinem damaligen Professor und Diplomarbeitsbetreuer Prof. Dr. Kurt Remele für seine Unterstützung, viele Hinweise und seine Freundschaft.
Ich möchte Frau Charlotte Probst danken für ihr Projekt „Tierschutz im Unterricht“ und für zahlreiche Arbeitsmaterialien und Impulse.
Nicht zuletzt sage ich auch meinem vierbeinigen „Co-Autor“ – unserem Hund Ben – danke, der beim Schreiben des Buches stets neben meinem Schreibtisch lag und der durch sein So-Sein Freude in mein Herz zauberte.

Ich habe beim Verfassen des Buches sorgfältig recherchiert und bin nach bestem Wissen und Gewissen vorgegangen. Sollten sich dennoch Fehler eingeschlichen haben, nehme ich die Verantwortung auf mich und bitte um Kontaktaufnahme über den Verlag.



„Wir können Probleme nicht mit den Denkmustern lösen,
die zu ihnen geführt haben.“
Albert Einstein (1879–1955)

Einleitung

„Alle Philosophie beginnt mit dem Staunen“, sagten bereits Sokrates (470–399 v. Chr.) und Platon (428–348 v. Chr.). Man kann die Welt betrachten und sich gewisse Fragen stellen: „Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts? Warum sind die Dinge so und nicht anders?“ Wir können Natur und Kultur beobachten und staunen, wie sich Evolution und menschliche Kultur entfaltet haben. Wir werden Beachtliches entdecken, das unsere Bewunderung weckt, wir werden Interessantes finden, das uns fesselt, aber wir werden auch Fragwürdiges und Verwerfliches bemerken.
Gerade heute können wir über wissenschaftliche und technische Errungenschaften nur fasziniert staunen und gleichzeitig müssen wir uns wundern, warum wir es nicht schaffen, gewisse Probleme in den Griff zu bekommen. Neben globalen Herausforderungen wie Umweltzerstörung, Klimawandel, Finanzkrise und Welthungerproblem stehen wir vor individuellen Schicksalen wie Vereinsamung, Arbeitslosigkeit oder familiärer Gewalt. Nicht zuletzt müssen wir uns mit Phänomenen wie Volksdepression und Burn-out herumschlagen.

Krisen sind immer multifaktoriell bedingt. Es gibt selten die eine, einzige und hauptverantwortliche Ursache, die in kausalem Zusammenhang mit dem Problem steht. Die Dinge sind meist viel komplizierter und erfordern eine differenzierte Sichtweise. Aber eine Ursache schwingt wohl bei allen Missständen mit, und die lässt sich nicht mit Gesetzen und Verordnungen ausschalten. Es ist die geistige Haltung der Menschen, sowohl die des Einzelnen als auch die daraus resultierende Geisteshaltung und der Zeitgeist einer ganzen Gesellschaft, die maßgeblich mitverantwortlich sind für die Zustände, die wir vorfinden.
Es ist zum einen die Haltung des: „Ich lebe ja nur einmal“ bzw. „Ich will mein Leben in vollen Zügen genießen“, die durchaus zu den heutigen Problemen führen kann. Woher kommt diese, so noch nie da gewesene, „Lust und Konsumorientierung?“ Spaß und Party bis zum Abwinken? Fernreisen und -speisen, bis der Arzt kommt? Gefüllte Supermarktregale und verführerisch dargebotene Lebensmittel, die den Satten zum Kaufen und Noch-mehr-Essen motivieren sollen? Lust, Spaß und Überfluss allein machen aber nicht glücklich, wie wir an der Volkskrankheit Depression erkennen können. Dem gegenüber stehen 920 Mio. Hungernde in Ländern der Dritten Welt, die z. T. ihre wenigen Nahrungserzeugnisse auch noch exportieren, weil es der Weltmarkt so will.
Zum anderen gibt es eine gewisse „Tribünenmentalität“, die uns veranlasst, aus sicherer Distanz zu beobachten und zu beurteilen, was auf der Welt geschieht. Es sind immer die „anderen“, die Schuld sind, wie z. B. die korrupten Politiker, die Finanzkrise, die Lebensmittelindustrie, die Pferdefleisch in die Lasagne mogelt, die Gesellschaft usw. Es sind jedenfalls nicht wir, es ist nicht der/die Einzelne, denn der/die Einzelne kann ja angeblich sowieso nichts tun. Scheinbar jeglicher Verantwortung und Mitgestaltungsfähigkeit enthoben, fühlt der/die Einzelne mitunter ein namenloses Unbehagen. Ohne zu groben Vereinfachungen greifen zu wollen, ist doch feststellbar, dass irgendetwas faul ist an unserer Gesellschaft.

„Alle Philosophie beginnt mit dem Staunen.“ Es ist schon geholfen, wenn man noch staunen und Fragen stellen kann. Manchmal kann man nicht viel mehr tun, als die richtigen Fragen zu stellen! Ich staune über vieles, stelle viele Fragen, suche nach Antworten.
Ich fahre z. B. mit dem Zug durch schöne Landschaften, schaue aus dem Fenster und freue mich über die Schönheit: Schönheit ist ein Lebensmittel besonderer Güte!
Ich bin dankbar, dass ich Schönheit sehen kann: die Schönheit des erwachenden Tages, den Reif über den Feldern, Novembernebel oder grasende Kühe.
Die Welt ist in Ordnung. Und wiederum auch nicht.
Ich frage mich, wie viele Kühe wohl auf der Weide grasen dürfen, ehe sie im Schlachthof viel zu früh ihr Leben lassen müssen. Ich frage mich, wo all die Schweine sind, die kiloweise von der Bevölkerung verzehrt werden. Ich sehe fast nie Schweine im Freien. Wo sind all die Hühner und Puten, die als fettarmes Produkt auf den Tellern der figurbewussten Leute landen? Ich bin nicht der Meinung, dass die Bevölkerung aus Tierquälern besteht, die bewusst Tiere verachten und ihnen Leid zufügen wollen. Die Wahrheit ist viel banaler: wir haben die Tiere einfach vergessen! Aus den Augen, aus dem Sinn! Tierhaltung und Schlachtung passieren hinter verschlossenen Türen, wir bemerken nichts davon. Nein, Tierquälerei ist wohl nicht der Grund, wohl aber sind die Gleichgültigkeit, die Trägheit unserer Herzen, die Achtlosigkeit und ein Vergessen- und Ignorieren-Wollen als Gründe zu benennen! Denn würden wir gegen das Vergessen ankämpfen, müssten wir uns bei jeder „herkömmlichen“ Mahlzeit mit der sehr unbequemen Wahrheit auseinandersetzen, dass wir mit fast jedem Bissen unsägliches Tierleid bestellt haben. Andere haben es ausgeführt, doch wir haben es bestellt!
Ich staune, dass dieses Vergessen, dieses Verdrängen so lange Bestand hat! Hinter verschlosse­nen Türen werden Tiere wie Schwerverbrecher gehalten: eingesperrt und angekettet. Ein paar Wochen im Jahr dürfen sie auch mal ohne Kette sein. Sie werden künstlich besamt, schnell hochgemästet und effizient verarbeitet. „Nutztiere“ nennt man diese armen Geschöpfe.
Viel zu wenige staunen darüber, wen wundert’s?

„Tierschutz Macht Sinn“ ist der Titel dieses Buches. Es stellt den Versuch dar, die drei Themengebiete Tierschutz, Macht und Sinn miteinander in Beziehung zu setzen. Es werden markante Problemfelder des Themas Tierschutz erörtert und es wird beschrieben, inwiefern wir das Leben und Leiden der Tiere einfach vergessen wollen. Darüber hinaus soll die Sinnlosigkeit unseres ressourcenverbrauchenden Lebensstils vor dem Hintergrund aufgezeigt werden, dass uns unsere Konsumorientiertheit ohnehin nicht glücklich macht, weil das, was wir „Seele“ nennen, andere Nahrung braucht. Zuletzt wird mit diesem Buch auch ein Appell an uns heutige Verbraucherinnen und Verbraucher gerichtet: nahezu alle Macht liegt in unseren Händen. Wir entscheiden mit jedem Kauf über Wohl und Wehe von Mensch, Natur und Tier!



„Der Mensch ist auf Sinn und Wert hin orientiert.“
Viktor Emil Frankl (1905–1997)

Überfluss und Sinnleere

Es ist bekannt, dass wir in der westlichen Welt einem gewaltigen Konsumismus frönen. Es werden Lebensmittel überproduziert und weggeworfen, um den Preis zu halten. In Wien wird jeden Tag so viel Brot weggeworfen, wie die zweitgrößte Stadt Österreichs, Graz, verbraucht. Unsere subventionierte Landwirtschaft überschwemmt den afrikanischen Markt mit Billigprodukten. Der afrikanische Bauer bleibt auf seinen Produkten sitzen.
Wir wollen billige Nahrungsmittel und vor allem viel Fleisch und Fisch. In großen Tiermastbetrieben werden Tiere wie Schwerverbrecher an der Kette gehalten, turbogemästet, hunderte Kilometer kreuz und quer durch Europa transportiert und mehr oder weniger fachgerecht geschlachtet.

Was haben die Tiere verbrochen, dass sie so behandelt werden? Sie wurden als Rind, Schwein oder Pute geboren und werden „Nutztier“ genannt. Nomen est omen. Ein Nutztier ist zum Nutzen da! Der Konsument will nun mal billiges Fleisch.
Wir füllen uns ab mit Leckereien aller Art, wir wollen genießen und manchmal auch einfach völlern, was das Zeug hält. Gefinkelte Food-Designer sollen unsere Nahrungsmittel gefälligst so zusammensetzen, dass wir möglichst viel davon essen können, ohne allzu fett zu werden.
Wir kaufen uns billige Kleidung, je nach Mode und Laune. Woanders schuften Kinder dafür und erhalten kaum Lohn. Wir fliegen in beliebte Urlaubsländer und genießen denselben standardisierten Komfort wie zu Hause und wehe, unsere Erwartungen und Ansprüche werden nicht erfüllt!
Was für ein Schlaraffenland! Wir konsumieren in Hülle und Fülle! Doch leider werden wir nicht satt davon. Depressionen und Burnout grassieren und entwickeln sich zu regelrechten Volksseuchen.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 150
ISBN: 978-3-99038-557-9
Erscheinungsdatum: 29.10.2014
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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