Alltag & Lebensführung

Schule EINFACH anders

Martina Amato

Schule EINFACH anders

Aus dem Leben einer Homeschoolfamilie

Leseprobe:

Widmung
An alle Kinder, mögen sie mit Freude und Begeisterung lernen dürfen.

„Sei du selbst die Veränderung,
die du dir wünschst für diese Welt.“
Mahatma Gandhi










Danksagung


Mein tiefer Dank geht an unsere wunderbaren Töchter Chiara und Miriana und an meinen liebevollen Mann Roby. Ohne euch hätte dieses Buch nie entstehen können. Weiter danke ich meiner Familie, insbesondere meinen Eltern, aus ganzem Herzen. Ihr habt mich so viel über das Leben gelehrt und mich stets in schwierigen Zeiten unterstützt. Ihr seid immer für mich da. Danken möchte ich auch all meinen Freunden und Nachbarn, die uns in der Zeit der Krise getragen haben. Ohne all die Begegnungen des Verständnisses und des Mut-Machens hätte sich unsere Krise nicht in diese Chance verwandeln können. An dieser Stelle möchte ich ebenfalls unserer wundervollen Ärztin Gabriele Stimming danken. Sie haben uns stets liebevoll begleitet und dank Ihnen ist die Idee des Homeschooling entstanden. Ich danke weiter meiner ehemaligen Chefredakteurin Regula Zellweger, du hast mir die Welt des Schreibens eröffnet und mich geduldig vieles gelehrt. Meiner lieben Nachbarin Sarah Junig, dir herzlichen Dank für das unkomplizierte Fotoshooting und die tollen Fotos. Sigi Amstutz, Ihnen danke ich für den berührenden Essay zum Thema Schule, den ich hier drucken darf, und für Ihr unermüdliches, langjähriges Engagement als Pädagoge. Für Ihren Mut, mit und von Kindern auf nicht immer konventionelle Weise zu lernen. Danken möchte ich auch allen, die finanziell die Buchveröffentlichung mitunterstützt haben, insbesondere der elternlobby schweiz. Ein tiefer Dank gilt auch all jenen, die mich emotional während der Zeit des Schreibens begleitet und mich immer wieder darin bestärkt haben, die Idee dieses Buches weiterzuverfolgen. Ich danke all jenen, die an mich geglaubt haben, insbesondere meinen lieben Freunden Jil und Pascal von Herzen für ihre Inspiration. Ich danke auch herzlich dem novum Verlag für sein Vertrauen sowie meiner Autorenbetreuerin Regina Bauer. Sie haben mich geduldig und kompetent unterstützt und die Veröffentlichung dieses Buches vorangetrieben. Und ein letzter Dank gilt natürlich euch allen, liebe Leserinnen und Leser. Danke, dass ihr dieses Buch in den Händen haltet und danke für euer Vertrauen. Danke, merci, thank you, grazie a tutti.

„Wir sind für nichts so dankbar wie für die Dankbarkeit.“
Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach,
österreichische Erzählerin und Novellistin










Vorwort


Wenn mir jemand vor noch nicht allzu langer Zeit gesagt hätte, dass unsere Töchter Chiara und Miriana die öffentliche Schule nicht länger als ein Jahr besuchen werden, hätte ich bei mir gedacht: „Der spinnt ja!“ Homeschooling: Vor zwei Jahren noch eine unvorstellbare Sache. Ebenso, dass wir glücklich zu Hause „Schule“ betreiben und dabei noch etwas lernen würden. Ich hatte zwar schon über Homeschooling gelesen, aber nicht im Traum daran gedacht, dass wir selbst einmal zu Hause lernen würden. Wie auch! Ich selbst habe die öffentliche Schule besucht und über 90?% der Kinder in der Schweiz tun dies ebenfalls. In der Regel hinterfragt man das öffentliche Schulsystem vor Einschulung der eigenen Kinder nicht. Weshalb macht man denn Homeschooling, fragen Sie sich vielleicht? Ich denke, dass da jeder andere Beweggründe hat. Homeschooling ist nicht meine Wunschwahl Nummer eins für unsere Kinder. Sie entstand aus einer Notsituation, aus einer Krise heraus. Oder was würden Sie tun, wenn Ihr Kind nach wenigen Wochen Schule morgens nicht mehr aufstehen würde? Wenn Ihr Kind Ihnen sagen würde: „In diese Schule gehe ich nie wieder.“ Es gibt Alternativen. Für die meisten jedoch nicht allzu viele. Denn eine Privatschule kann man sich meist nicht leisten und für Homeschooling fehlen oft die finanziellen und gesetzlichen Voraussetzungen. Aus langjähriger beruflicher Erfahrung im Kinder- und Jugendschutz weiß ich, was auf Situationen wie die unserer Tochter in der Regel folgt. Das Kind wird abgeklärt. Abklärungen, Schulpsychologischer Dienst, Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst, womöglich eine Diagnose und nicht zuletzt vielleicht Medikamente. Zur Verarbeitung unserer damals schwierigen, kräfteraubenden und teilweise ohnmächtigen Lebenssituation begann ich zu schreiben. Während des Schreibens kam mir auf einmal folgender Gedanke: Es gibt doch bestimmt andere Eltern, die eine ähnliche Krise mit ihrem Kind durchmachen. Würde es ihnen helfen, unsere Geschichte zu hören? Aus Notizen und Einträgen, die ich zu Beginn nur zur Verarbeitung meiner Lebenskrise niederzuschreiben begonnen hatte, entstand bald die Idee eines Buches. Die Idee begeisterte mich, je länger ich darüber nachdachte. Weshalb soll ich unsere Geschichte für mich behalten, wenn sie möglicherweise anderen Eltern und ihren Kindern Mut machen könnte, neue Wege einzuschlagen. Wege, die nicht einfach zu gehen sind. Wege, die das Herz jedoch wieder öffnen können und Kinder authentisch bleiben lassen. Wege, bei denen das Kind sein darf, wie es ist. Denn jeder von uns ist einzigartig. Jeder hat seine Talente und Leidenschaften, die in ihm schlummern und entdeckt werden möchten. Manchmal fordert uns das Leben dazu heraus, frech und mutig zu sein - eben „frechmutig“. Und geht man „frechmutig“ andere Wege, staunt man nicht selten, wie Türen sich öffnen und mit ihnen neue Möglichkeiten. Neue Wege zu gehen, bedeutet auch, Altbekanntes loszulassen. Eine gewisse Sicherheit loszulassen, ohne zu wissen, was einen erwartet. Es fällt oft schwer, die Kontrolle über Dinge, die uns eine scheinbare Sicherheit geben, loszulassen. Ist man ehrlich zu sich selbst, erkennt man, dass diese Sicherheit meist eine vermeintliche ist. Was ist im Leben denn schon sicher? Dieses Buch soll Sie ermuntern, alte, abgetretene Pfade zu verlassen, um neue entdecken zu dürfen. Lassen Sie los und freuen Sie sich auf das, was entstehen kann. Sind Sie aber zufrieden und gehen Ihre Kinder gerne in die Schule, dann genießen Sie es! Das ist doch toll. Nicht jeder braucht das Gleiche im Leben. Dieses Buch richtet sich in keiner Weise gegen die öffentliche Schule. Es gibt viele wunderbare und engagierte Lehrpersonen, die Kinder für das Leben und das Lernen begeistern können. Erfreulicherweise gehen einige Kinder auch gerne zur Schule. Einige schlagen sich irgendwie durch und andere werden krank.
Wenn unsere Geschichte nur einem weiteren leidenden Kind helfen kann, einen Weg ins Glück zu finden, dann hat es sich gelohnt, sie niederzuschreiben.

Herzlich
Martina Amato










Weshalb Homeschooling?


Seit wir Homeschooling machen, betrachte ich das Thema Bildung und Lernen durch eine andere, ganz neue Brille. Zu Beginn, als wir noch ratlos in der Krise steckten und nicht wussten, was genau mit unserer Chiara nach wenigen Wochen Schule passiert war, übte ich noch viel Druck auf sie und auch auf mich aus. Ich war damals der Überzeugung, dass sie einfach in die Schule muss, ob sie nun möchte oder nicht. Ich sah keine andere Wahl, schließlich haben wir in der Schweiz eine Bildungspflicht. Dass diese anders als durch die öffentliche Schule erfüllt werden kann, war mir wenig bewusst. Zufälligerweise stieß ich auf Homeschooling. Die Kinderärztin unterstützte uns dabei, den für Chiara passenden schulischen Weg zu finden. Während eines Krisengespräches im November 2015 erwähnte sie einmal Homeschooling. Danach ging alles sehr schnell. Ich lernte eine Familie kennen, die bereits Homeschooling machte, tauschte mich aus, informierte mich über die finanziellen und gesetzlichen Voraussetzungen im Kanton Luzern und entschied, ein Gesuch einzureichen. Das Gesuch um Erteilung von Privatunterricht, wie Homeschooling in der Schweiz genannt wird, stellten wir Eltern im Dezember 2015. Anfang Januar 2016 wurde unser Gesuch bereits bewilligt. Die Erleichterung war groß. Zu Beginn dachte ich noch, eine von wenigen zu sein, die Homeschooling betreibt und sich mit natürlichen und neuen Lernformen beschäftigt. Mit den Tagen, Wochen und Monaten, die vergingen, stellte ich jedoch fest, dass unzählig viele Pädagogen und Pädagoginnen, Eltern und auch Kinder nach anderen als den herkömmlichen, bereits bekannten Lernformen suchen. Da ich mit den Menschen, denen ich begegnete, offen und ehrlich über unsere Schulsituation sprach, begannen viele, sich ebenfalls zu öffnen. Seither habe ich viele spannende und bereichernde Gespräche mit Lehrpersonen geführt. Einige sind zufrieden, einige schlagen sich im Beruf durch und nicht wenige werden krank. Vermehrt lesen wir in den Medien über die Zunahme von an Burn-out und Erschöpfungsdepression erkrankten Menschen, wobei Lehrpersonen nicht selten unter dem heutigen Druck des Lehrplans oder den unterschiedlichen Forderungen seitens der Eltern, Kinder oder allgemein der Gesellschaft leiden. Wie viele Eltern haben sich seither geöffnet und mir ihr Leid geklagt. Über Druck, unter dem die Kinder stehen, über Hausaufgabenwahn und fehlende Freizeit für Kreativität und Spiel. Ich spürte, wie viele ebenfalls den Wunsch nach einem neuen Lernen verspüren. Nach einem forschenden, nachspürenden, raumgebenden, strukturierten, mit Leichtigkeit erfolgenden, fehlerfreudigen, gemeinsamen Lernen. Nach einem natürlichen Lernen, das Freude bringt statt Frust. Bei Kleinkindern ist diese Art des Lernens noch selbstverständlich. Mit der Zeit rückt das „Gebildet-und-geformt-Werden“ in den Mittelpunkt und das „natürliche Lernen und Leben“ wird allzu oft ganz verdrängt.










Freie Schulwahl


„Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“
Victor Hugo

Ich bin keine eigentliche Verfechterin des Homeschoolings. Vielmehr setze ich mich dafür ein, dass Kinder sich ihren Bedürfnissen entsprechend entwickeln, entfalten und lernen dürfen. Da jedes Kind anders ist, benötigt meiner Meinung nach auch nicht jedes Kind dieselbe Bildung. Während das eine Kind im Rahmen von Homeschooling mit Freude lernt, braucht ein anderes einen anderen schulischen Rahmen. Deshalb sollte das Kind gemeinsam mit seinen Eltern die Schule oder Schulform wählen dürfen, welche am besten zu ihm passt. In der Schweiz besteht eine freie Schulwahl in dieser Form bis heute noch nicht. Der größte Teil der Kinder besucht die öffentliche Schule. Nicht aus Überzeugung, denke ich, sondern weil es eben die meisten tun und sie keine Alternative haben oder kennen. Einige gehen gerne zur Schule. Andere schlagen sich irgendwie durch die neun obligatorischen Schuljahre. Immer mehr werden krank. Kann sich unsere Gesellschaft dies überhaupt noch leisten? Kinder sind unsere Zukunft. Ich bin der Ansicht, dass auch sie die Möglichkeit haben sollen, mitentscheiden zu dürfen, wenn es um ihren schulischen Bildungsweg geht. Finden Sie nicht? Jeder Mensch ist und lernt anders, wie es der Reformpädagoge Rolf Robischon bereits vor Jahren ausdrückte: Kinder lernen nicht in kleinen Schrittchen, nicht der Reihe nach, nicht gleichzeitig und schon gar nicht das Gleiche. Dieser Tatsache trägt die öffentliche Schule bis heute kaum Rechnung. Diese Problematik ist sehr aktuell. So ist auch das Thema der letzten Essay-Wettbewerb-Ausschreibung der Zeitung „Der Bund“ kein anderes als: „Stell dir vor, es ist Schule, und alle gehen hin.“ Ich wurde im März 2017 zur Preisverleihung in die Dampfzentrale in Bern eingeladen. Als eine von über 200 Autorinnen und Autoren zwischen 8 und 87 Jahren habe ich am Wettbewerb teilgenommen. Debatten über die Schule, schreibt der Bund, bewegen sich auf vermintem Gelände. Er forderte auf, dieses Gelände furchtlos zu betreten. Noch nie seien so viele Essays zu einem Thema eingegangen, meinte Chefredaktor Patrick Feuz während der Preisverleihung. Mehr als zu vergangenen Essaythemen wie Liebe und Tod. Man stelle sich vor. Schule bewegt. Mein Essay hat es nicht unter die drei besten geschafft. Ich habe mitgemacht und das zählt für mich. Meinem nachfolgenden Essay können Sie genauer entnehmen, was ich unter „freier Schulwahl“ verstehe. Der Essay des Siegers Sigi Amstutz hat mein Herz berührt. „Überhör keinen Baum und kein Wasser“ heißt der Siegertext, in dem sich der Lehrer, Theaterpädagoge und Autor Sigi Amstutz an „dreckige, wilde und neugierige Kinder am Bach“ erinnert. In seinem Text erkennen Sie, wie er auf wunderbare und überzeugende Weise für das „freie Spiel als wichtigste Form von Bildung“ das Wort ergreift.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 144
ISBN: 978-3-903155-80-0
Erscheinungsdatum: 28.12.2017
EUR 20,90
EUR 12,99

Winter-Tipps