Alltag & Lebensführung

Schneerosen

Marc Früh

Schneerosen

Weniger Drogen, mehr Leben

Leseprobe:

Zu meiner Vorgehensweise

Diesem Buch liegt meine Abschlussarbeit im Fach Sozialpädagogik zugrunde, die ich 1991 geschrieben habe, um mein Diplom als Sozialpädagoge zu bekommen. 20 Jahre sind seither vergangen, und ich wollte wissen, ob meine Hypothesen und Schlussfolgerungen noch immer aktuell sind.

Mit Freude habe ich wieder Kontakt zu einigen Personen der damaligen Befragung aufgenommen, über die ich in diesem Buch berichte. Nicht zu allen, denn manche sind verstorben und andere nicht mehr aufzufinden. Die Namen dieser Personen wurden natürlich geändert.

In diesem Buch erzähle ich also von Lebenserfahrungen, die sich über 20 Jahre erstrecken. Der Glaube hat im Leben all dieser Menschen eine sehr wichtige Rolle gespielt. Dieses Thema wird ganz direkt und klar angesprochen.

Im zweiten Teil gehe ich auf berufliche Fragen ein, gebe einen geschichtlichen Überblick über die Schweizer Drogenpolitik in diesen 20 Jahren, werfe einen kurzen Blick auf das, was sich in der Welt abspielt, und unterbreite konkrete Vorschläge für diejenigen, die Drogenabhängigen aus ihrer Sucht heraushelfen wollen.

***

„Marc Früh kann auf eine gleichermassen vielfältige und umfangreiche Berufspraxis zurückblicken. Er hat viele Menschen getroffen, mit ihrem Unglück, ihren Stärken, ihren Widersprüchen und Bestrebungen. Er ist tief gläubig, beschreibt für uns in seinem Buch die menschliche Natur ungeschminkt und gibt uns eine Botschaft voller Hoffnung.“
Jean-Pierre Graber,
Dr. Wirtschaft Politik, ehemaliger Nationalrat

„Da die westliche Welt in vielen Bereichen ihre zentralen Werte aufgegeben hat, wenden sich viele Menschen auf der Suche nach dem Paradies anderen Horizonten zu, darunter auch dem Experimentieren mit verschiedensten Drogen. Der deutliche Anstieg der Drogenabhängigkeit in der Schweiz zeigt, dass es nicht genügend Therapieansätze für diese neuen Symptome gibt. Die Behandlung eines Drogenabhängigen muss das Verständnis für die Ursachen und eine Antwort auf existentielle – und auch spirituelle – Fragen mit einschließen.“
Dr. Med. W. Hanhart


Einführung

Eine Kindheitserinnerung

Der eisige Wind, der schon seit einigen Tagen durch die Fensterritzen pfiff, hatte sich endlich beruhigt. An jenem Morgen ging die Sonne vor einem strahlend blauen Himmel auf, und das Schillern des Schneemantels auf den Anhöhen des Jura vertiefte das Blau stärker als gewöhnlich. Das Thermometer neben der massiven Holztür zeigte fünf Grad unter null an, was für Dezember nicht ungewöhnlich war. Ich lehnte mich an den Ofen und horchte, ob das Feuer auch gut angegangen sei; ich spürte schon, wie das Ofenrohr sich durch die ersten kleinen Flammen erwärmte.

Da rief mich meine Mutter und sagte, ich solle Blumen für Weihnachten pflücken. Ich dachte: „Das soll wohl ein Witz sein! Wo könnte ich wohl Blumen auf 1 200 Meter Höhe finden, und die nächste Stadt, La Chaux-de-Fonds, ist doch zwölf Kilometer entfernt?“
Als meine Mutter meinen fragenden Blick sah, sagte sie mir genauer, wo ich suchen sollte: „Zwischen der Linde und dem Flieder, an der Steinmauer. Du musst ganz vorsichtig den Schnee zur Seite schieben.“
„Aber Mama, das ist unmöglich“, gab ich ihr sofort zurück. „Es liegen 20 bis 30 cm Schnee da draußen, es ist kalt, und im Winter blühen keine Blumen!“ Die Bitte meiner Mutter schien mir im Widerspruch zu meiner kindlichen Logik und dem, was ich in der Schule gelernt hatte, zu stehen. Mitten im Winter Blumen pflücken? Ein Ding der Unmöglichkeit!

Da sie den Zweifel in meinen Worten hörte, bat mich meine Mutter, ihr in den Garten zu folgen. Schnell zog ich mir eine warme Jacke, einen Schal und Handschuhe an. Meine Neugier war geweckt! Ich folgte ihr hinaus und war mir schon sicher, dass ich recht haben würde und sie wohl trösten müsste.

An der Mauer, einen Meter vom Fliederbusch entfernt, war der Boden schneebedeckt. Ganz offensichtlich gab es keine Blumen dort. Ruhig und mit zarter Hand schob meine Mutter den Schnee zur Seite. Ich weiß nicht mehr, ob ich lachte; jedenfalls hoffte ich, dass keine Nachbarn uns beobachteten. Das Ganze erschien mir so absurd – bis meine Mutter ausrief: „Schau, das Grün da, schau gut hin! Das ist ein Blatt vom Helleborus niger.“ Jetzt wusste sie, dass sie an der richtigen Stelle war und bemühte sich noch mehr, mit unglaublicher Achtsamkeit die Eiskristalle zur Seite zu schieben.

Es war, als könnte sie durch die dicke Schneeschicht hindurchsehen. Schon nach ein paar Minuten tauchte eine wunderbare Knospe auf, dann noch eine und schließlich eine dritte. Dicht am Boden hatte eine Blume unter der Schneeschicht ihre Blütenblätter geöffnet.

Als wir wieder in der Küche waren, wurden die drei Knospen mit Sorgfalt in einen mit Wasser gefüllten Suppenteller gelegt, und ein dünner Tannenzweig leistete ihnen Gesellschaft. Am nächsten Morgen hatten sich die Knospen in drei wunderbare Christrosen (Helleborus niger) verwandelt, die jetzt unseren weihnachtlich geschmückten Tisch zierten und fröhlicher erscheinen ließen. Das Unvorstellbare war Wirklichkeit geworden!


Teil I

1. Flucht

„Ich brauche Lärm, viel Lärm, um das betäubende ?Echo meiner inneren Leere zu übertönen.“
Fernando Pessoa
Sébastien war wieder zurück in der Lerngruppe. Er hatte einige Tage im geschlossenen Zimmer absitzen müssen wegen unerlaubten Genusses von Farbverdünner und verbotenem Besitzes von Ammoniak. Die Dämpfe dieser beiden Produkte hatte er „geschnüffelt“, um einen Rausch zu bekommen. Er war von mehreren Drogen abhängig und konsumierte alles, was ihm in die Hände fiel: jegliche Medikamente, Kosmetikprodukte, Benzin, Cannabis, Ecstasy und Heroin. Während eines Herbstspaziergangs hatte meine Gruppe gerne etwas über Pilze lernen wollen. Die Ernte war reichlich ausgefallen, und die Jungen waren begeistert gewesen. Nur Sébastien hatte ausschließlich giftige Pilze gesammelt, die er ausprobieren wollte!

Seine Zukunft, seine berufliche Ausbildung, das Lernprogramm und die Beziehungen zu seinen Kameraden interessierten ihn im Allgemeinen nur sehr oberflächlich. An jenem Abend war ich jedoch ganz zufrieden nach Hause gegangen, denn ich war überzeugt, dass er begriffen hatte, wie wichtig es war, seine Lehre fortzusetzen. Er hatte mir zugestimmt, als ich mit ihm sprach, und hatte Ja zu meinen Worten gesagt, ein tieferes (ausdrücklicheres) Ja als gewöhnlich. An die Stelle seiner sonstigen geistigen Abwesenheit war diesmal Aufmerksamkeit getreten. Er hatte sogar einen Witz erzählt. Ich schrieb in den Tagesbericht, dass Sébastien im Moment versprochen hatte, nicht mehr auszureißen, damit er drei Wochen später in den Genuss eines normalen Urlaubs kommen könnte.
Dieses gute Gespräch vertieften wir noch bei einigen Partien Billard und einer Runde Karten zusammen mit anderen Jugendlichen. Gegen 21.50 Uhr wünschte er mir eine gute Nacht und ging wie seine Kameraden schlafen. Um 22.00 Uhr verließ ich nach einem schönen und konstruktiven Abend die Lerngruppe, um nach Hause zu gehen und meine wohlverdiente Ruhe zu genießen.

Um 22.10 Uhr setzte Sébastien seinen Fuß fest aufs Fensterbrett und hatte keine Angst vor den acht Metern Tiefe darunter, die ihn bei der kleinsten falschen Bewegung verschlingen würden. Mit seinem eigenen und einem zweiten Gürtel, den er sich von einem Kameraden ausgeliehen hatte, hangelte er sich abgesichert an der Fassade entlang. Ihm blieb nur wenig Zeit vor dem Eintreffen des Nachtwächters, der sofort Alarm schlagen würde, wenn er die Flucht des jungen Mannes bemerken würde. Zu diesem Zeitpunkt müsste er schon möglichst weit von der Einrichtung entfernt sein. Sicherlich würde ihm die mondlose Nacht bei seinem diskreten Verschwinden helfen, aber sie würde es leider auch erschweren, Hindernisse oder möglicherweise parkende Polizeiwagen oder gar Polizisten, die auf der Suche nach ihm ausschwärmten, zu erkennen.
Das Kletterkunststück an der Fassade verlief ohne größere Probleme. Es beruhigte ihn etwas, die Füße wieder auf festen Boden zu setzen, aber in seinem Kopf überschlugen sich die Fragen: „Wohin soll ich rennen? Was ist der beste Weg? Wo könnten eventuell Polizisten auf Posten stehen? Wäre es besser, im Wald zu schlafen und bei Sonnenaufgang loszugehen? Aber dort gibt es Wildschweine … was, wenn sie mich angreifen?“ Nachdem er ein paar Hundert Meter gerannt war, hielt er an, um wieder zu Atem zu kommen. Er hatte gerade eine gemähte Wiese überquert und befand sich nun zwischen einem Maisfeld und dem Wald. „Hier finden sie mich bestimmt nicht“, überlegte er. Aber die kleine Ruhepause am Waldrand ließ ihn kein bisschen zur Ruhe kommen. Ein Geräusch, ein knackender Zweig, der sich anhörte wie näher kommende Schritte… Sébastien legte sich hin, machte sich ganz klein, winzig klein. Lange hörte er nichts mehr, wagte es aber nicht, sich zu bewegen. Schließlich stand er auf und ging leise am Rand des Maisfeldes entlang bis zur Asphaltstraße. Ihr folgte er mehrere Stunden lang und versteckte sich im Straßengraben, wenn ein Fahrzeug vorbeikam.

Als ich am nächsten Morgen von Sébastiens Flucht erfuhr, verspürte ich ein Gefühl des Fehlschlags und vor allem der Scham. Der junge Mann hatte gewusst, dass er fliehen würde, sobald ich nach Hause gegangen wäre. Er hatte mir während unseres Gesprächs und den ganzen restlichen Abend über etwas vorgemacht. Ich war sauer, dass ich mich hatte an der Nase herumführen lassen. Später wurde mir klar, dass das Aufsetzen einer Maske uns dabei hilft, den gegenwärtigen Moment besser zu überstehen, ohne uns tiefer davon berühren zu lassen.

So „funktionieren“ die Jugendlichen in der Schule, bei ihren Eltern, vor dem Richter. Je nach Situation handelt es sich um einen Verteidigungs- oder einen Überlebens-Modus. Ziel des Pädagogen ist es zu verstehen, was sich hinter dieser Fassade verbirgt, um dem Jugendlichen dabei zu helfen, er selbst zu sein, mit all seinen Idealen und Zielen, und auf diese Weise ohne Furcht oder Versteckspiel seine Persönlichkeit zu entdecken. Diese Arbeit braucht viel Zeit.

Drei Tage waren seit jener denkwürdigen Nacht vergangen, als das Telefon klingelte. Es war einer meiner Kollegen: „Du wirst es nicht glauben, aber dein Sébastien ist wieder zurück.“
Ich war sehr erstaunt, dass die Polizei uns nicht verständigt hatte.
Der Kollege fuhr fort: „Sébastien ist von selbst zurückgekommen. Er hat mir drei Mal gesagt, dass er dich sprechen wolle. Er ist in Zelle drei und wartet auf dich.“

Der Pavillon, in dem meine Gruppe und mein Büro untergebracht waren, befand sich außerhalb der Einrichtung. Der Sportplatz und das tropische Gewächshaus der Gartenabteilung lagen zwischen ihm und dem Hauptgebäude, in dem die Strafzellen untergebracht waren. Während dieses kurzen Weges von 200 Metern, die mich vom erwähnten Gebäude trennten, fingen die Gedanken an, sich in meinem Kopf zu überschlagen: Was war wohl passiert? War er angegriffen worden? Hatte er eine Überdosis genommen?

Als ich schließlich im dritten Stock ankam, wo sich die Strafzellen und die geschlossene Rehabilitationsabteilung befanden, klopfte ich an der Zelle drei an und ging hinein. Sébastien begrüßte mich mit „Hallo, Herr Früh! Das ist nett, dass Sie gekommen sind!“
Er ließ mir kaum Zeit, um ihn zu begrüßen, so aufgeregt war er.
„Herr Früh„, fuhr er fort, „ich bin einer Sekte in die Hände gefallen, und Sie sind der Einzige, der mir helfen kann.“
Ich sagte ihm, er solle sich erst einmal beruhigen, und versicherte ihm, dass er sich hier in Sicherheit befinde. Dann bat ich ihn, mir zu erzählen, worum es ging. Ohne zu zögern, beschrieb mir Sébastien seine Flucht in allen Einzelheiten:

„Nachdem ich bis zum Morgen gelaufen war, habe ich den Daumen rausgehalten. Ein Auto hat mich bis zum Ortsende von Biel mitgenommen. Dann bin ich weitergegangen in Richtung Grenchen und habe vom nächsten Ort aus den Zug genommen. In Zürich angekommen, bin ich zum Platzspitz [Treffpunkt für Drogenabhängige] gegangen, aber da niemand war, den ich kannte, habe ich beschlossen, an der Limmat entlang zum Seeufer zu gehen. Gegen 23.00 Uhr habe ich angefangen zu betteln, denn ich hatte ja kein Geld und großen Hunger. Ein früherer Klassenkamerad hat mich erkannt und mich zu sich nach Hause zum Essen mitgenommen. Weil ich keinen Platz zum Übernachten hatte, hat mich seine Familie eingeladen, bei ihnen zu bleiben.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück sind wir spazieren gegangen. Vor dem Essen hatte ich gesehen, wie seine Angehörigen die Hände gefaltet und etwas vor sich hingemurmelt hatten, was ich nicht verstanden hatte. Ich habe ihn also gefragt, was das denn zu bedeuten habe. Er hat mir erklärt, dass seine Familie Christen seien und dass das ihre Art sei, Gott zu danken. Wir haben den ganzen Tag über Gott, Jesus und die Bibel gesprochen. Am Abend habe ich wieder bei ihnen gegessen und geschlafen. Die Nacht war nicht lang, weil mein Freund mir viele interessante Texte gezeigt hat, und wir haben darüber philosophiert, bis sein Vater uns ermahnt hat, jetzt ruhig zu sein. Nach dem Frühstück am nächsten Tag haben sie mir erklärt, wenn ich Gott folgen wolle, dann müsse ich auch den Gesetzen der Menschen folgen. Da habe ich begriffen, dass ich wieder ins Heim zurückkommen muss. Weil ich kein Geld für die Rückfahrt hatte, sind mein Freund und seine Mutter mit mir zur Polizeiwache gefahren. Die Polizisten haben sich um eine Fahrkarte für mich gekümmert, und da bin ich jetzt! Da staunen Sie, was? Allerdings war ich während der Rückfahrt einerseits zwar stolz auf meine freiwillige Rückkehr, andererseits machte ich mir aber auch Sorgen, womöglich in die Hände einer Sekte gefallen zu sein. Wie sollte ich da bloß wieder rauskommen? Ich musste Sie einfach sehen, weil man mir gesagt hat, dass auch Sie einer von denen seien, d. h. ein Angehöriger einer Sekte.“

Um etwas mehr über diese spirituelle Bewegung zu erfahren, und nachdem ich ihm gratuliert hatte, dass er von sich aus ins Heim zurückgekommen war, fragte ich ihn, ob diese Menschen ihm irgendwelche Hefte gegeben hätten. Zuerst versicherte er mir, dass er außer einem „Joint“, den er am See geraucht habe, clean sei. Darüber war er übrigens selbst erstaunt. Dann sagte er mir, er habe eine Tafel Schokolade bekommen und ein Buch, das die Bibel zu sein schien. Ich versicherte ihm, dass das in der Tat die Bibel sei, und beruhigte ihn wegen seiner Angst, einer verdächtigen spirituellen Sekte in die Hände gefallen zu sein. Kein Warnzeichen deutete darauf hin. Schließlich fragte ich ihn, ob er mit diesen Leuten in Kontakt bleiben wolle, ob sie vorhatten, ihn zu besuchen, und was er mit dieser Bibel machen wolle.
Spontan antwortete Sébastien: „Ich kann zu ihnen gehen, wenn ich freihabe, aber sie werden mich nicht hier besuchen. Sie haben mir diese Bibel gegeben, damit ich sie lese. Sie haben mir gesagt, ich solle mit den Evangelien anfangen und bis zum Ende weiterlesen. Ich kann auch hineinschreiben. Zum Beispiel könnte ich ein Fragezeichen an den Stellen machen, die ich nicht verstehe, und das unterstreichen, was mir gefällt.“
Ich beruhigte ihn noch einmal in Bezug auf diese Leute, die mir einfach „sympathische Christen“ zu sein schienen, die sich um ihn gekümmert hatten, und ermutigte ihn, das Buch zu lesen, was nur gut für ihn sein könne. Schließlich bot ich ihm an, ihm für alle seine Fragen zur Verfügung zu stehen, und erinnerte ihn daran, dass ich ihn schon in drei Tagen wieder in unserer Gruppe sehen würde, da er aus eigenem Antrieb zurückgekommen sei.

Leichten Schrittes ging ich zurück in mein Büro und war sehr froh über das, was ich gehört hatte. Viele Überlegungen drängten sich mir sofort auf: „Hoffentlich hält Sébastien es aus, wenn sich seine Kameraden über ihn lustig machen, weil er eine Bibel besitzt … Und meine Kollegen, die darüber schon eine feste Meinung haben, was werden die sagen? Wie sollte ich dann darauf reagieren?“ Innerlich betete ich, Gott möge diesen ersten Samen des Glaubens verstärken, der auf einen so fragilen Boden gefallen war.

Sébastiens Rückkehr in die Gruppe verlief ohne Probleme. Er stand zu seinen neuen Überzeugungen und ließ sich nur wenig von den Spötteleien der anderen verunsichern. Sein Engagement bei der Arbeit rief alsbald Bewunderung aufseiten seines Ausbilders hervor, und der Rückstand, den er aufgrund seiner zahlreichen Fluchtversuche angesammelt hatte, schmolz dahin wie Schnee an der Sonne. Er war pünktlich und engagiert bei der Arbeit. Er wurde ein Vorbild für die anderen Lehrlinge. In der Gruppe waren die Urinkontrollen, die Drogen nachweisen sollten, sämtlich negativ und wurden daher nach zwei Monaten eingestellt. An die Stelle von Streit und Auflehnung traten angenehme und konstruktive Unterhaltungen. Die gesamte Gruppe der Jugendlichen hatte ihre Haltung gegenüber ihrer Unterbringung in der Institution geändert, und ein Reha-Kollege fasste die Situation so zusammen: „Unter solchen Bedingungen zu arbeiten, ist fast wie ein Urlaub im Club ?Méditerrannée!“

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 178
ISBN: 978-3-99038-783-2
Erscheinungsdatum: 19.03.2015
EUR 15,90
EUR 9,99

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