Alltag & Lebensführung

Mein innerer Wolf

Agata Danis

Mein innerer Wolf

Mit Achtsamkeit aus dem Gefühlschaos

Leseprobe:

Wir leben in einer Welt, in der hoher Wettbewerbsdruck und massive Erwartungshaltungen zum Alltag gehören. Auf der rationalen Ebene sind logisch-analytisches und wirtschaftliches Denken und schnelle Entscheidungsfindung unerlässlich. Auf der emotionalen Ebene brauchen wir Stressresistenz, Gelassenheit und Überzeugungskraft. Wie soll das gehen?
In der westlichen Kultur wird die Zukunft durchgeplant. Ungewissheiten werden so weit wie möglich minimiert. Dies geschieht, weil wir Angst vor dem Unbekannten und Unvorhersehbaren haben. Aber auch durch strukturiertes Vorausdenken können wir nicht sämtliche Ängste eliminieren. Deshalb haben wir Strategien entwickelt, um mit diesen Gefühlen umzugehen.
Wir unterdrücken Angst und Unzufriedenheit, um weiterhin funktionieren zu können. Das Problem dabei ist, dass sich Gefühle nicht selektiv betäuben lassen. Gemeinsam mit den Ängsten, Verletzungen und Enttäuschungen verlieren wir leider oft auch die Wahrnehmung für unsere positiven Gefühle wie Lebensfreude, Kreativität und Vitalität. Wenn man länger in diesem unterdrückten Zustand agiert, schwinden der Glaube an sich selbst und die Lebenskraft.
Durch ständiges Grübeln über die Ereignisse in der Vergangenheit oder Zukunft gönnen wir unserem Geist keine Ruhepause. Wir haben es nicht gelernt unser „Kopfkino“ auszuschalten. Wir erledigen unsere Aufgaben automatisch, laufen oft auf Autopilot wie Roboter und merken nicht einmal, dass wir die Gegenwart, das „Hier und Jetzt“, nicht bewusst erleben. Wo bleibt unsere Selbstwirksamkeit, Präsenz und Lebensfreude?
Man muss deshalb verstehen: Der Mensch funktioniert nicht – der Mensch lebt! Er lebt ein buntes Leben, mit Höhen und Tiefen. Coaching bietet eine Möglichkeit, das zu begreifen, die inneren Blockaden zu erkennen, die Selbstwahrnehmung zu aktivieren und eine positive Zukunftsvision zu erarbeiten.
Im Leben dreht sich meistens alles um Liebe, Gesundheit und Erfolg – und darum geht es auch in meinen Geschichten. Die Klienten und Klientinnen, von denen ich erzähle, stehen stellvertretend für uns alle. Sie werden sich in diesen Geschichten sicherlich auch wiederfinden, weil es um Fragen der beruflichen Herausforderungen geht, um Liebeskummer, Gesundheit, darum, Erfolg und Erfüllung zu verbinden, Lebensfreude zu finden, mit Veränderungen im Leben umgehen zu können.
In zehn authentischen Geschichten aus meinem Coaching-Alltag zeige ich, wie man berufliche und private Krisensituationen bewältigen kann und wie meine Art zu Coachen funktioniert. Die Coachees haben die Möglichkeit und die Freiheit ihre Überzeugungen, Wahrnehmungen und Gefühle zu ändern; ich bin der Wegbegleiter.
In den Geschichten zeige ich Wege aus dem Gefühlschaos nach dem Motto „From Misery to Majesty“. Anhand der Fallbeispiele erfahren Sie, wie Sie:
in Achtsamkeit leben können, was Achtsamkeit bewirkt
Ihre Gedanken und Gefühle bewusst wahrnehmen
Ihre alten Konditionierungen, Gedankenfallen loslassen, den eigenen Weg finden können
eine positive Zukunftsvision erarbeiten
mit Veränderungen umgehen können
Ihr Selbstwertgefühl stärken
Erfolg und Erfüllung verbinden

Meine Krankheit und vor allem mein Weg zur Genesung, die ich in der Geschichte „Mein innerer Wolf“ erzähle, hat mich geprägt und meinen Zugang zur Problemlösung sehr verändert. Ich habe es mit Hilfe der Achtsamkeitsübung gelernt, mein „Kopfkino“, das ständige Grübeln und Nachdenken, auszuschalten.
Jon Kabat-Zinn, der Entwickler der weltweit bekannten Methode „Mindfulness-Based Stress Reduction“ (MBSR), definiert Achtsamkeit als „eine bestimmte Form von Aufmerksamkeit, die sich auf den gegenwärtigen Augenblick bezieht und diesem, ohne zu werten, gegenübersteht“. (Kabat-Zinn, 2009; 18)
Mit der Achtsamkeitsübung habe ich für mich einen Weg gefunden auch in Krisensituationen ruhiger und gelassener zu werden. Während der Meditation konnte ich beobachten, wie meine Gedanken entstehen. Ich habe erfahren, wie befreiend es ist, wenn man den eigenen Gedanken und Gefühlen nicht hilflos ausgeliefert ist, sondern sie einfach lenken kann, statt sich lenken zu lassen. Wenn wir leidvolle Gefühle wie Angst, Verzweiflung, Trauer erleben, haben wir das Potenzial und die Freiheit diese Gefühle bewusst wahrzunehmen und loszulassen. „Üben wir Achtsamkeit, lassen wir die Gedanken los. Wir öffnen uns dem Wohlbefinden. Wir halten nicht länger fest, sondern treten ein in den Strom aus klarer Energie.“ (Han Shan, 2011; 185)
Als systemischer Coach bin ich ziel- und lösungsorientiert, aber in mein Coaching fließen auch Entspannungstechniken wie die Achtsamkeits-Übung, Meditation, Hypnotherapie oder aktive Imagination ein.
Durch das Praktizieren der Achtsamkeitsmethoden haben sich meine soziale Kompetenz, Intuition, Empathie und die Beziehungs- und Prozessqualität zwischen mir und meinen KlientInnen vertieft. „Die Coach-Klient-Beziehung ist erwiesenermaßen ein, wenn nicht „der“ zentrale Wirkfaktor im Coaching. Eine geschulte und aktiv praktizierte Achtsamkeit fördert die Beziehungsqualität und hat gleichzeitig Modellfunktion für den Klienten. Ist ein Coach bereit, Achtsamkeitsmethoden als weit mehr als Entspannungstools zu betrachten, begibt er sich selbst auf einen herausfordernden Entwicklungsweg. Ein Weg, der beim Coach selbst zur Stärkung persönlicher und fachlicher Ressourcen führt.“ (Goldstein & von Schumann, Coaching-Newsletter von Christopher Rauen, 2014–04; Achtsamkeit im Coaching – Teil 2)
Es ist faszinierend zu erleben, wenn während der Coaching-Gespräche ein kleiner Anstoß ausreicht, dass sich Coachees aus vermeintlich hoffnungslosen Situationen befreien. Ich muss sie manchmal nur bis zur nächsten Kurve begleiten und sie sehen den Weg wieder vor sich. Viele dieser Geschichten sind es wert, aufgeschrieben zu werden, denn sie können anderen Menschen in ähnlichen Situationen Hoffnung und Hilfe geben.
Ich unterstütze meine Klienten und Klientinnen dabei:
ihre Gedanken und Gefühle nicht zu unterdrücken, sondern wahrzunehmen und sich dabei nicht in leidvollen Gefühlen zu verlieren
sich ihrer inneren Blockaden, Konditionierungen, Gedankenfallen, Vorlieben oder Abneigungen bewusst zu werden
alles, was sie in ihrer Entwicklung hindert, loslassen zu können
mit Hilfe von Achtsamkeit ihre emotionale Intelligenz zu verbessern
Gelassenheit, Lebensfreude, Glück und Kreativität zu leben.

Das Buch bietet praktikable Lösungen für Probleme im Berufsalltag und im Privatleben. Es nimmt die Scheu vor Coaching, weil es konkrete Fälle aufzeigt, Coaching-Übungen vorstellt und damit einen Blick hinter die Kulissen einer Coachingstunde bietet. Darüber hinaus gibt das Buch Hilfe zur Selbsthilfe.
Die Geschichten sind authentisch aus meinem Coaching-Alltag. Alle Angaben sind so verändert, dass die Menschen nicht wiederzuerkennen sind und ihre Anonymität gewahrt bleibt. Meine Klienten und Klientinnen waren mit der Publikation in dieser veränderten Form einverstanden.

Zwei Punkte waren mir beim Schreiben besonders wichtig:
An Beispielen zeigen, wie man aus verschiedenen Lebenskrisen und Herausforderungen lernen und als Gewinner hervorgehen kann.
Aufmerksam machen, dass mit einem „Mehr“ an Achtsamkeit, emotionaler Intelligenz, Empathie und Selbstwahrnehmung das Leben wesentlich lebenswerter wird.

Ich wünsche Ihnen viel Lesevergnügen bei den Coaching-Geschichten, viel Erfolg bei der Durchführung der Übungen und ein Leben voller Lebensfreude!

Ihre Agata Danis

***

„Ein Sonnenstrahl reicht hin, um viel Dunkel zu erhellen.“
Hl. Franz von Assisi

Mitten im Chaos

Eine authentische Geschichte aus meinem Coaching-Alltag. Alle Angaben sind so verändert, dass die Menschen nicht wiederzuerkennen sind und ihre Anonymität gewahrt bleibt.
Petra, meine Klientin, kommt das erste Mal zu mir. Sie setzt sich hin, ohne ein Wort zu sagen und schaut mich erwartungsvoll mit ihren großen, braunen Augen an. Ihr Blick erinnert mich an ein verwirrtes, ängstliches Reh.
Ich stelle meine erste Frage an sie: „Was sollte hier heute passieren, damit Sie nach der Coaching-Stunde das Gefühl haben, dass es sich gelohnt hat zu kommen?“
„Eigentlich bin ich gekommen, weil ich nächste Woche ein Bewerbungsgespräch habe und ich dachte, Sie können mir sicherlich ein paar Tipps geben und mich auf dieses Gespräch vorbereiten.“
„Sehr gerne“, antworte ich. Petra wirkt auf mich sehr ängstlich. Ich habe es gelernt auf meine Intuition zu achten und frage sie: „Sie wirken auf mich unsicher und ängstlich. Haben Sie Angst vor mir oder vor dem Bewerbungsgespräch?“
„Weder, noch. Ich weiß nicht, wie ich es formulieren soll, damit Sie das verstehen. Mir tut alles weh, mir tut meine Seele weh. Ich habe das Gefühl, dass ich in einem dunklen, dichten Wald stehe und nicht den Weg hinaus finde.“
„Was würde Ihnen helfen, aus diesem Wald hinauszukommen?“, frage ich sie.
„Wenn ich wüsste, wie ich mich meinem Mann gegenüber verhalten soll. Das erste Mal in meinem Leben habe ich die Orientierung verloren. Ich stehe mitten im Chaos, mein Leben ist ein großes Durcheinander.“
„Seit wann haben Sie das Gefühl, dass Sie mitten im Chaos stehen?“ ist meine nächste Frage.
„Das weiß ich nicht so ganz genau. Mein Leben war vor einem Jahr noch in Ordnung. Ich hatte einen großartigen Job und eine wunderbare Familie. Mein Mann war ein erfolgreicher Manager und ich war EDV-Leiterin. Wir haben beide sehr gut verdient und waren mit unserer bezaubernden Tochter eine Bilderbuchfamilie. Meine kleine, heile Welt war vollkommen.
Vor einem halben Jahr hat mein Mann seine Stelle verloren und drei Monate später wurde ich auch freigestellt. Auf einmal haben wir zwei Gehälter verloren. Sie können sich sicherlich vorstellen, wie schwer das ist. Wir sind beide extrem gereizt, sind beide den ganzen Tag zu Hause und die Spannung zwischen uns ist unerträglich.
Ich bin sehr praktisch veranlagt, bewerbe mich ständig und bekomme Einladungen zu Vorstellungsgesprächen. Was meinen Mann betrifft, habe ich das Gefühl, dass er aufgegeben hat. Er droht mit Selbstmord und an manchen Tagen habe ich Angst, ihn alleine zu lassen.
Wenn ich diesen aktuellen Job bekommen würde, wäre es fantastisch. Ich würde mich wahnsinnig freuen. Gleichzeitig weiß ich, dass es ein harter Schlag für meinen Mann wäre. Damit würde er sich noch mehr als Versager fühlen. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich weiß nicht, was richtig und was falsch ist. Ich kenne mich nicht mehr aus. Das ist es, was mich so sehr verwirrt.“
Ich warte ein bisschen, bis sich Petra einigermaßen beruhigt hat, dann sage ich zu ihr: „Sie sind dafür verantwortlich, dass es Ihnen gut geht. Wenn es Ihnen gut geht, nur dann können Sie dafür sorgen, dass es auch Ihrer Familie gut geht. Wenn es Ihnen schlecht geht, tun Sie damit niemandem einen Gefallen.“
„Ja, mag sein, aber ich habe das Gefühl, dass ich meinen Mann verletze, deshalb gehe ich ihm aus dem Weg. Ich würde ihn gerade jetzt so sehr brauchen. Ich vermisse seine Unterstützung, ich vermisse, dass er meine Freude mit mir teilt, ich vermisse, dass er stolz auf mich ist, ich vermisse die Liebe und die Harmonie zwischen uns.“
„Entschuldigen Sie, dass ich Sie unterbreche. Sagen Sie das auch Ihrem Mann, mit den gleichen Worten und mit der gleichen Leidenschaft, wie Sie es mir eben gesagt haben?“

***

Fazit – Ich laufe nicht mehr auf Autopilot

Mit der Aktivierung unserer Selbstwahrnehmung und der Stärkung unseres Selbstbewusstseins können wir die Gegenwart, das „Hier und Jetzt“ bewusst erleben. Selbst-Bewusst-Sein bedeutet nach meinem Verständnis, die eigenen Gedanken und Gefühle wahrzunehmen, bewusst zu handeln und zu kommunizieren und dadurch ein selbstsicheres, authentisches Auftreten zu gewinnen.

Mit Achtsamkeit aus dem Gefühlschaos:

- Wie können Sie Ihre Selbstwahrnehmung aktivieren? Indem Sie Ihren Geist oft eine Ruhepause gönnen. Lernen Sie, Ihr „Kopfkino“, die ständigen, ununterbrochenen Gedanken über die Ereignisse in der Vergangenheit oder Zukunft, auszuschalten.
- Eine der gut bewährten Methoden, den Geist zu beruhigen, ist die Meditation. Wenn Sie jeden Tag mindestens drei bis fünf Minuten lang meditieren, werden Sie bald die positive Wirkung bemerken. Durch diese Technik lernen Sie, Ihre Gedanken und Gefühle bewusst wahrzunehmen. Mit der Zeit lernen Sie, den Fluss Ihrer Gedanken sowie Ihre emotionalen Prozesse klar und objektiv zu betrachten – nicht bewerten, nur betrachten – als sähen Sie sie aus der Perspektive eines Dritten. Auf diese Weise kann eine tiefe Selbsterkenntnis entstehen.
- Claudia Maurer und der Shaolin Shi Xing Mi beschreiben in ihrem Buch „Gib nicht alles, gib das Richtige“ die Shaolin-Strategie für Manager und betonen die Vorteile der Meditation: „Mit der Meditation lernen wir, den Verführungen unserer eingeschliffenen Denkmuster nicht ständig nachzugeben. Sie hilft uns dabei, Überflüssiges auszusortieren, den Geist leer zu machen und zu entspannen. Das ist der Nährboden für Achtsamkeit und damit für richtiges und zielgerichtetes Denken und Handeln.“ (Maurer, Shi Xing Mi, 2014; 43)
- Eine weitere Methode, die Sie zur Steigerung der Achtsamkeit gegenüber ihren Gedanken und Gefühlen verwenden können, ist das Tagebuchschreiben. Sie können einen bestimmten Zeitrahmen festlegen, zum Beispiel vier Minuten und ein Thema wählen. „Das Tagebuchschreiben setzt an der Sinnebene an und eignet sich am besten zur Entwicklung einer zutreffenden Selbsteinschätzung“, schreibt Chade-Meng Tan, Leiter der Persönlichkeitsentwicklung der Firma Google und berichtet über eine interessante Studie, die vor zwanzig Jahren durch den Psychologen James Pennebaker durchgeführt wurde: „Studenten, die an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen jeweils 15 Minuten lang über ihre wichtigsten persönlichen Erfahrungen schrieben, hatten sowohl bessere Blutwerte als auch bessere Noten.“ (Tan, 2012; 135)
- „Sogar vier Minuten schreiben können einen nachweislichen Unterschied machen“, schreibt Tan und empfiehlt Themenvorschläge auf kleine Zettel zu schreiben, um jeden Tag einen oder zwei davon zu ziehen und so lange schreiben, bis die Zeit um ist. Die Zettel sollen folgende unvollendete Sätze enthalten wie z. B.:
- „Im Augenblick empfinde ich …
- Ich bin mir bewusst, dass …
- Es motiviert mich …
- Es inspiriert mich …
- Heute möchte ich versuchen …
- Es verletzt mich, dass …
- Ich wünsche mir …
- Die anderen sind …
- Liebe ist …“ (Tan, 2012; 143–145)


Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 116
ISBN: 978-3-99048-998-7
Erscheinungsdatum: 06.07.2015
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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