Alltag & Lebensführung

Liebeskummer adieu

Pauline Sanders

Liebeskummer adieu

Leseprobe:

30.04.2016

Jetzt sitze ich doch tatsächlich ziemlich aufgeregt im Flugzeug Richtung Norwegen. Kaum zu glauben, dass ich den Mut aufbringe, alleine nach Oslo zu fliegen.
Kann ich meinem Liebeskummer entflie(g)hen?




04.08.2013

Seit mehr als 20 Jahren bin ich nun in der gleichen Beziehung, bereits 17 Jahre verheiratet, Mutter einer 15-jährigen Tochter, Geschäftsfrau, Hausfrau, Seelentrösterin, Kämpferin für Gerechtigkeit, Mädchen für alles.
Wir leben eine Beziehung, wie viele Paare sie leben, mit Höhen und Tiefen, viele glückliche Stunden lösen sich ab mit Zeiten der Unruhe, Streitereien, Auseinandersetzungen, Versöhnungen, dazu auch viele freudige Momente, die unser Zusammensein prägen.
Wann wurde mir so richtig bewusst, dass sich Frustration und Kälte in meinem Herzen breitgemacht hat? Ich weiß es nicht mehr, ich denke, dass diese Resignation, irgendetwas in unserem Zusammenleben verändern zu wollen, schleichend kam. Wie viele Male liege ich jetzt schon alleine im gemeinsamen Ehebett und grüble darüber nach, wie ich zu meinen Gefühlen gegenüber meinem Ehemann stehe. Gedanken kommen und gehen. War das schon alles in meinem Leben? Genügt meine Liebe, diese eingesessene Vertrautheit, um miteinander glücklich alt zu werden? Wo ist unsere Spontanität, unsere Leidenschaft und Leichtigkeit geblieben? Fragen, die zum Denken anregen und mich nächtelang nicht schlafen lassen.
Unmögliche Situationen entstehen, ich realisiere, dass ich angelogen werde, kann es nicht glauben, weiß doch, dass ich einen Mann geheiratet habe, der mich liebt und versprochen hat, mich auf Händen zu tragen. Was ist nur geschehen? Fühle mich hilflos, wütend und verloren. Warum diese Lügen? Wir entfernen uns immer mehr voneinander. Jeder lebt in seiner Welt. Unsere Verbindung ist die gemeinsame Tochter und das Geschäft, das wir miteinander aufgebaut haben.
Die gedankliche Abwesenheit meines Mannes gibt mir zu denken, was ist nur mit ihm los? Ich habe den Zugang zu seinem Herzen verloren. Traurigkeit und Angst sitzen wie ein Kloß in meiner Magengegend und schaffen sich Platz. Ich kann mich nicht mehr konzentrieren, beginne meinen Partner unbewusst zu kontrollieren. Ich muss herausfinden, warum er mir Unwahrheiten auftischt. Was ist nur geschehen?




08.09.13

Heute fliege ich nach Stockholm. Endlich drei Tage für mich. Mir fehlt die Luft zum Atmen. Alles ist so festgefahren und belastend. Ich steige im Nordic Light Hotel ab und fühle, wie wohltuend es ist, hier zu sein, in einem fremden Land, Zeit für mich zu haben und die Tage so einteilen zu können, wie ich will. Ein Gefühl von Glückseligkeit und Frieden stellt sich ein, als ich beginne den Koffer auszuräumen. Ich freue mich riesig, diese fremde Stadt zu erkunden. Die Sonne scheint durch das Fenster und Lebensfreude macht sich auf eine stille Art und Weise in mir breit. Es dauert nicht lange und das Geschehene holt mich wieder ein. Was erhoffe ich mir genau von dieser Reise? Ich möchte Klarheit erhalten, wie unsere Beziehung weitergehen soll. Kann ich hier in Stockholm eine Entscheidung fällen? Ich muss mir Zeit geben, um herauszufinden, ob meine Gefühle noch vorhanden sind oder ob es die Angst vor dem Alleinsein ist, die mich festhalten lässt. Ich ziehe meine Trainingsklamotten an und jogge durch das fremde Stockholm. Wie wohltuend, zu rennen, alles hinter mir zu lassen und eine Stadt auf diese Art und Weise zu entdecken. Die Sonne scheint mir ins Gesicht und gibt mir Kraft und Zuversicht. Alles kommt gut. Ich finde immer für alles eine Lösung. Hoffnungsvoll kehre ich zurück ins Hotel. In der Nacht erwache ich von einem widerlichen Traum. Mein Mann hat eine Frau im Geschäft eingestellt, die ihm sehr gefällt, er umschwärmt sie - und wirbt um sie. Seine wörtliche Anmache im Traum: „Wusstest du, dass mein Kleiner anfängt zu flattern, wenn er dich sieht?“ Mir ist zum Kotzen zumute. Schweißgebadet liege ich im Bett und versuche wieder klar zu denken. Was will mir dieser Traum mitteilen? Das letzte Gespräch mit meinem Therapeuten ist mir in Erinnerung geblieben: „Wenn in einer Beziehung eine INNIGKEIT gelebt wird, dann lebt keiner von beiden eine Außenbeziehung. Das hat in erster Linie nichts mit Sex zu tun.“
Vor meinem Abflug habe ich von meinem Mann einen wunderschönen Brief erhalten. Er schildert darin, wie unendlich traurig er ist, was für eine Tortur es für ihn ist, gefangen zu sein in dieser Angst, in diesen großen Tiefs und den Kampf, dieser Angst zu entfliehen, die ihn schon seit seiner Kindheit begleitet. Er schreibt, dass ich eine großartige Frau sei, dass er mich nicht verlieren möchte - wir beide zusammen frei sein werden und er die Hoffnung und den Glauben daran hat, dass wir gemeinsam fliegen werden. Damit spricht er meine Sehnsucht als Kind an, durch die Lüfte fliegen zu können wie ein Adler, der König der Lüfte. Er möchte sich von alten Mustern lösen, die sein Leben so stark beeinträchtigen. Unsere schöpferische Kraft, mit der wir gemeinsam so viel erschaffen haben, will er als Grundlage für unsere Beziehung nutzen, da sie ein wunderbares Fundament sei. Er hat große Hochachtung vor der Art, wie ich meine Probleme angehe. Wie unwahrscheinlich authentisch ich sei und meinen Weg kompromisslos gehe. Bin ich so, wie er mich sieht? Er will mich nicht verlieren und zitiert Frau R., die uns vor langer Zeit prophezeit hat: „Ihr zwei holt die Sterne vom Himmelszelt!“ Er sitzt an seinem Pult, liest meine Karte, schaut mein Bild an und weint sich den Schmerz aus dem Leib. Er ist mir so unendlich dankbar für so vieles, was ich in seinem Leben bewirkt habe.
Ein Liebesbrief, der mein Herz berührt. Ich habe die Gewissheit, eines Tages werde ich wirklich frei sein!
Mit dieser Erkenntnis und der Sicherheit, geliebt zu werden, genieße ich die Tage in Stockholm. Bei der Heimkehr bin ich zuversichtlich, wir packen es zusammen.
Die Tage und Wochen fließen so dahin und mir wird alsbald bewusst, dass sich trotz meiner kurzen Abwesenheit nichts geändert hat. Es stimmt mich traurig und nachdenklich.
Mein Mann unterbreitet mir den Vorschlag, für vier Monate eine Wohnung zu mieten, er hat noch nie im Leben alleine gelebt und möchte diese Erfahrung nutzen, um seine Ängste abzulegen, sein Drang nach Selbstständigkeit ist immens. Ich bin skeptisch und misstrauisch, möchte aber seinem Wunsch nicht im Wege stehen. Nach einem langen Gespräch mit unserer Tochter und der Erklärung, dass Papi diese vier Monate für seine persönliche Weiterentwicklung braucht, stimme ich schweren Herzens zu. Ich erhoffe mir dabei, dass sich unsere Probleme lösen werden.

Ein Brief an mich:

Liebe Sem, du gehörst zu den ganz wenigen Menschen, die wirklich verstehen, was es für mich bedeutet, in eine Wohnung zu ziehen, wenn auch für einen beschränkten Zeitraum. Ich habe seit Freitagabend mit mir gerungen, eine Entscheidung zu treffen. Jetzt habe ich es gemacht und mir blutet das Herz, es zerreißt mich fast. Ich weiß auch noch nicht, wie ich mit all den Gefühlen, die jetzt auf mich zukommen werden, umgehen soll und kann. Aber genau das ist einer der Gründe, weshalb ich mich entschieden habe. Ich darf nicht in meiner „Wohlfühloase“ bleiben, wenn ich meinen Gefühlen wirklich näherkommen will und sie schlussendlich auch leben kann. Wie du weißt, hat Angst mein Leben bestimmt, und wie ich jetzt genau weiß, auch ein Leben und Ausleben von Gefühlen zu einem großen Teil verunmöglicht. Wenn sich dies ändern soll, muss ich diese Angst annehmen, sie anschauen, aushalten und überwinden lernen. Da sich die Ängste in den letzten Monaten, Jahren stetig reduziert haben, fühle ich mich jetzt in der Lage, diesen Schritt auch zu wagen, was vorher kaum denkbar gewesen wäre. Du hast über viele Jahre einen Partner vermisst, der dir eben diese Gefühle authentisch entgegenbringen kann, mit dem du sie leben kannst. Die letzten Jahre hat sich eine Patt-Situation eingestellt. Wir sind in unseren Positionen verharrt und haben begonnen uns zu entfremden. Jeder hat vom anderen erwartet, er soll das bringen, was ihm fehlte. Eine gewisse Frustration ist aufgekommen, die beide auf ihre Art gelebt haben. Wir haben uns in die Arbeit vertieft, uns auf den Sport konzentriert und alles andere getan, als unsere Beziehung zu beleben, geschweige denn zu festigen. Wir haben häufig gestritten, Worte verwendet, die sehr verletzend sind. So sind die letzten Jahre vergangen. Unsere Tochter ist älter geworden, wir haben das Geschäft aufgebaut, Ferien gemacht, es eigentlich auch immer sehr gut gehabt. Aber wo blieben wir? Unsere Partnerschaft ist definitiv zu kurz gekommen. Als du mich an meinem Geburtstag gefragt hast, wo mein Herz sei, und ich eingestehen musste, dass es nicht vollumfänglich bei dir sei, hat mich das irgendwie auch aufgeweckt. Im Wissen, dass ich immer anfälliger wurde gegenüber anderen Frauen, Flirts und sogar Seitensprünge stattgefunden haben, habe ich gewusst, dass ich so nicht weitermachen kann. Ich habe erlebt, wie sehr eine Beziehung auch im gegenseitigen Frust enden kann. Dies will ich nie erleben. Deshalb führt der Weg für mich nur über Selbstständigkeit. Ängste ablegen und bewältigen, sich selber erleben. Erfahren, dass es auch alleine geht, wenn es denn sein muss. Selbstvertrauen erreichen, um weiterwachsen zu können, um die Persönlichkeit zu entfalten, die in mir schlummert. Erst dann ist es doch möglich, sich auf gleicher Augenhöhe für den Partner zu entscheiden. In unserem Fall, beidseitig auch neu zu entscheiden und damit eine Partnerschaft zu leben, die wirklich erfüllend ist. Für beide. Für mich, gerade auch jetzt, ein unendlich schwerer Weg, den ich aber, so glaube ich, gehen muss. Die Gelegenheit, eine Wohnung für vier Monate zu finden, die einigermaßen passt, wollte ich deshalb einfach nicht verstreichen lassen. Es tut mir so unendlich leid, Sem, dir wehtun zu müssen. Bitte verzeih mir das. Ich bin sicher, es ist zu unserem Besten und gibt auch dir die Gelegenheit, dich neu zu entdecken, um auch endlich das zu finden, was du verdient hast: Lebensfreude!

Ich fühle mich elend.
Er unterschreibt per Ende Oktober einen Mietvertrag, der per 01.01 in Kraft tritt.
Wir schreiben November, es ist kalt geworden, die Blätter wirbeln durch die Luft und gleiten langsam auf den Boden. Der Winter steht vor der Türe, die Nächte werden länger und die Tage kürzer.
Die abendlichen Abwesenheiten meines Partners verunsichern mich zusehends und ich werde immer misstrauischer, ich brauche Transparenz, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit.




17.11.2013

Heute ist es geschehen! Ein dummer Zufall - wie kann es anders sein - und ich erhalte die Gewissheit, da gibt es eine andere Frau in seinem Leben. Eine Welt bricht für mich zusammen. Wutentbrannt stehe ich vor ihm und schreie ihn an, ich weiß alles. Er streitet es ab - zu feige, um hinzustehen, er treibt mich zur Weißglut, mit hochrotem Kopf stehe ich vor ihm. Könnte ich Feuer speien, er wäre auf der Stelle verbrannt. Ich habe Beweise, es bleibt ihm nichts anderes übrig, als alles zu gestehen. Ich bin erschüttert und einem Nervenzusammenbruch nahe. Nicht mehr fähig, einen klaren Gedanken zu fassen, stürme ich aus dem Geschäft, setze mich in mein Auto und fahre mit 120 Std/km - und mit Tränen, die in Strömen meine Wangen entlangfließen, durch das Dorf. Es ist in diesem Moment so egal, ich will nicht mehr leben, alles hat keinen Sinn mehr, soll ich noch ein bisschen schneller in die Kurve, sodass ich diesem Schmerz ein Ende setzen kann? Was hindert mich daran? Das Leben ist nicht mehr lebenswert. Ich habe den Menschen verloren, der mir am meisten bedeutet! Mit dem Fahren macht die Wut einer großen, unglaublichen Traurigkeit Platz. Ich kann das Fahrzeug nicht mehr weiterlenken. Tränen bedecken mein Gesicht. Ich bin nicht fähig, einen klaren Gedanken zu fassen - unglaublich, es ist diese Mitarbeiterin, die ich nie einstellen wollte. Intuitiv wusste ich, als ich sie das erste Mal sah, es gibt Probleme mit dieser Frau. Wie konnte sie mir all die Tage ins Gesicht schauen, diese scheinheilige Schlampe, die sich einen verheirateten Mann angelt, dessen Frau im gleichen Geschäft arbeitet - wie ist dies möglich? Unfassbar. Ich bin erschüttert. Warum ich? Wie soll es weitergehen? Was sage ich unserer Tochter? Ich bin unendlich traurig, wütend und tief verletzt.
Ich versuche mich zu beruhigen, ich muss jetzt stark sein für unser Mädchen. Wie wird sie es aufnehmen? Wie soll ich ihr die Wahrheit sagen? Unfähig einen klaren Gedanken zu fassen. Ich komme zur Erkenntnis, es ist nicht meine Aufgabe, die Überbringerin dieser Hiobsbotschaft zu sein. Er hat uns allesamt in diese Scheiße manövriert. Er soll hinstehen und unserer Tochter mitteilen, dass er sich in eine andere Frau verliebt hat, und dann seine Koffer packen und aus unserem Leben verschwinden.
Ich sehe das Entsetzen in den Augen unseres Mädchens, ungläubig schaut sie ihren Vater an. Fassungslos, es scheint ein Albtraum zu sein. Das kann nicht sein, Papa kann doch Mama nicht betrügen, er liebt sie doch. Eine Kinderwelt bricht zusammen. Es tut weh, das mit ansehen zu müssen und mein eigener Schmerz tritt in diesem Moment in den Hintergrund. Ich, die ich unsere Tochter vor allen Widrigkeiten dieser Welt beschützen wollte, muss mit ansehen, wie mein Mädchen leidet. Es zerreißt mir das Herz und meine Wut auf meinen Mann ist grenzenlos. Wie kann man sich so egoistisch und gedankenlos verhalten. Mein Mann ist wie versteinert, kann keine Gefühle zulassen, verstört packt er seinen Koffer und verabschiedet sich von unserer Tochter.
Alles fühlt sich so leer an und mein Mädchen sitzt mit Tränen in den Augen vor mir. Ich versuche sie zu trösten, möchte sie in die Arme nehmen, meine Tochter lässt es nicht zu, sie erträgt keine Nähe, zu groß ist der Schock. Nun sitzen wir da, alleine, beide tieftraurig. Draußen wird es langsam dunkel, es ist ganz still im Raum. Wir sind beide damit beschäftigt, unsere Gedanken zu ordnen, und ich fühle, wie mich das Geschehene völlig blockiert. Lange Zeit sitzen wir da, unfähig zu sprechen. Es wird Zeit, sich hinzulegen, ich schlage vor, dass wir zusammen schlafen, mein Mädchen möchte das nicht, sie geht in ihr Zimmer, sie will alleine sein. Schwierig für mich, das zu akzeptieren, ich will für sie da sein, möchte sie halten und trösten, aber es geht nicht. Ich fühle mich so sehr alleine, lege mich ins Bett und versuche ein bisschen zur Ruhe zu kommen. Die Gedanken überschlagen sich. Die ganze Nacht liege ich wach und versuche diesen Schmerz zu ertragen. Unruhig stehe ich immer wieder auf. Vor dem Spiegel betrachte ich meine geschwollenen Augen und die tiefen Augenringe. Reiß dich zusammen, du musst jetzt stark sein, deine Tochter braucht dich jetzt - heulen kannst du später. Ich wecke mein Mädchen, sie geht wortlos in die Schule. Es bricht mir das Herz, sie so betrübt und traurig zu sehen.
Ich sollte ins Geschäft, aber wie? Das ist unmöglich heute. Ich schreibe eine Mail an meine Mitarbeiterin, eine Grippe hat mich erwischt - ich verdunkle das Zimmer, um doch noch ein wenig Schlaf zu finden. Ein Heulkrampf schüttelt mich durch, ich fühle mich hundeelend. Was soll ich nur tun? Wie geht es weiter? Wir sind doch eine Familie. Ist das alles nichts mehr wert? Wir sind eine so lange Wegstrecke miteinander gegangen, haben uns gegenseitig immer wieder unterstützt, ermutigt, zusammen gelacht, gestritten, gelitten und uns geliebt. Diese vielen, gemeinsam verbrachten Jahre schmeißt man doch nicht einfach weg. Immer wieder werde ich von Weinkrämpfen durchgeschüttelt. Ich verbringe den ganzen Tag im Bett, unfähig aufzustehen, liege ich da und versuche zu ergründen, warum mir dies widerfahren ist. Was habe ich falsch gemacht? Haben wir uns zu wenig Zeit füreinander genommen? War unsere Tochter zu sehr im Mittelpunkt? Hat der gemeinsame, geschäftliche Aufbau uns auseinandergebracht? Warum nur hat er sich in eine andere Frau verliebt? Was hat die, was ich nicht habe? Ich finde keine Antworten, empfinde nur eine ganz tiefe Traurigkeit in meinem Herzen. Sie ist da und scheint mich zu erdrücken. Habe ich meine große Liebe für immer verloren? Ich versuche meine Gedanken zu ordnen, es gelingt mir nicht. Irgendwann döse ich vor Erschöpfung ein, um kurz darauf wieder zu erwachen. Angst vor dem Alleinsein kommt auf und scheint mich zu erdrücken. Ich dusche und hoffe endlich einen klaren Kopf zu kriegen. Bald kommt mein allerliebstes Mädchen nach Hause, sie soll mich nicht so vorfinden, ich muss stark sein für sie! Ich gehe in die Küche und versuche etwas zu kochen, die Ablenkung tut gut. Gleichzeitig schreibe ich meinem Mann, wir müssen uns zusammensetzen und reden, so geht es nicht. Ich realisiere, handeln tut mir gut, nicht untätig sein, selbstbestimmt agieren. Aber bald darauf verlässt mich der aufkommende Elan und ich versinke wieder in dieser tiefen Traurigkeit. Ich bin gefangen. Wut kommt auf, ich könnte ihn ohrfeigen bis zur Besinnungslosigkeit und empfinde einen solchen Hass gegenüber dieser Schlampe. Ich werde kämpfen, ich werde diese Situation nicht einfach hinnehmen und kapitulieren. Da sind noch Gefühle da für ihn, nur kann ich sie im Moment nicht ordnen. Ist das trotz allem Liebe? Meine Tochter hat sich ein bisschen beruhigt, sie hat Freundinnen, die sie verstehen und für sie da sind, ich bin sehr dankbar, dass sie in der Schule gut integriert ist.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 72
ISBN: 978-3-99064-374-7
Erscheinungsdatum: 29.10.2018
EUR 13,90
EUR 8,99

Krampus & Nikolo