Alltag & Lebensführung

Hineingeworfen in das Mehr des Lebens

Annette Steck

Hineingeworfen in das Mehr des Lebens

Leseprobe:

Plötzlich tot

Sie ist tot.
Unfassbar.
Mir dreht sich der Magen um.
Mein Verstand setzt aus.
Mir bleibt das Herz stehen.

In mir schreit alles,
und doch bin ich stumm.
In mir sind tausend Fragen, Gedanken, Gefühle,
und doch bin ich leer.
In mir ist ein einziger, großer Schmerz,
und doch bin ich betäubt.

Ich funktioniere,
tue das Notwendige
wie eine programmierte Maschine.

Ein Albtraum,
aber es gibt kein Erwachen.
Nichts ist, wie es war!



Hallo Kind,

ich durfte dich nie kennenlernen.
Dein Leben war vorbei, bevor es richtig begonnen hat.
Irgendetwas stimmte nicht, du bist nicht weiter gewachsen
und dein Herz hörte auf zu schlagen.
Man machte in der Klinik einen Abort,
eine Ausschabung – welch hässliche Wörter.
Danach war mein Bauch leer.
Ich war leer und traurig.
Ich weinte viele Tränen um dich.
Ich wusste nicht, was mit dir passiert,
also habe ich dich in Gedanken begraben,
an einem schönen Ort.
Ich habe dich in Gottes Hände gegeben
und hoffe, dass du glücklich bist –
wo und wie auch immer,
du Kind, das ich nie kennenlernen durfte.




Entwurzelt

Entwurzelt
Kein Halt mehr
Kein Boden mehr unter meinen Füßen

Statt dessen
Ohnmacht
Verlorenes Vertrauen
Angst – bei jedem Schritt
Panik – wohin ich auch gehe
Herzrasen wird mein Begleiter

Hilfe – ich falle!
Wohin?
Wer fängt mich auf?



Suche

Diese Ziellosigkeit
Dieses Treiben
Dieses Nicht-Wissen, wohin es geht
Das Bemühen
Das Enttäuscht-Werden
Das scheinbare Umsonst

Die Gedanken, die kommen
Die Ideen, die sterben
Die Pläne, die reifen

All das
Treibt mich um
Treibt mich an
Treibt mich manchmal in den Wahnsinn



Leere und Fülle

Leer wie ein unbeschriebenes Blatt
Voll wie ein endloser Roman

Leer wie ein unmöbliertes Haus
Voll wie ein gepackter Umzugskarton

Leer wie ein winterlicher Baum
Voll wie eine neu erblühte Rose

Leere und Fülle
Beides birgt
Sehnsucht
Hoffnung
Leben



Sternenkinder

Sie kommen.
Sie gehen.
Sie sind bei uns.
Und doch weit weg.
Sie haben keine Zukunft mit uns.
Und doch verändern sie unser Leben.
Sie bringen Trauer.
Und Hoffnung.
Sie nehmen.
Und geben.
Nichts geschieht umsonst auf dieser Welt.
Sternenkinder –
Sie leuchten von weit ins Dunkel hinein.



Wachsen

Manchmal stellt mich
Mein Leben vor Aufgaben
Denen ich mich
Nicht gewachsen fühle
Doch dann stelle ich mich
Und wachse hinein
Und wachse mit
Und auch in Zeiten
Des vermeintlichen Stillstandes
Wachse ich weiter
Dem großen Ziel entgegen
Ich selbst zu werden



Begegnung mit Gott

In der tiefen Entspannung,
wenn der unsichtbare Faden
zwischen Herz und Himmel
gesponnen ist,
öffnet sich eine Tür.
Ich erfahre die Gegenwart Gottes
und seiner Engel.
Alles, was mich krank macht,
alles was mich bedrückt,
alles was mich verletzt,
sehe ich mit den Augen der alles umfassenden Liebe.
Hier ist ein Ort tiefen Friedens und tiefer Erkenntnis.
Hier ist ein Ort des Heils.

Ich spüre:
Ich bin von ganzem Herzen geliebt.
Ich bin gewollt, genauso wie ich bin.
Ich kann meine Schwächen akzeptieren
und meine Stärken anerkennen.
Alles hat seinen Platz und seine Berechtigung.
Ich fühle mich beschützt und gesegnet.



Der Baum

Schau ihn dir an, den Baum, der da am Ufer steht.
Der Stamm hängt schief an der Böschung,
und doch scheint er fest verankert im Boden.
Seine Weiden bilden ein schützendes Dach
über dem Wasser.
Enten haben darunter ihr Nest gebaut.

Schau ihn dir an, den Baum, der da am Ufer steht.
Äste wurden abgesägt, er wurde beschnitten,
und doch ist er schön und groß und mächtig.
Seine Rinde ist rau und uneben, von Narben durchzogen.
Vögel nisten in den Zweigen.

Schau ihn dir an, den Baum, der da am Ufer steht.
Er erzählt dir von Wachsen und Kraft und Stärke.
Er erzählt dir von Verlust und Veränderung.
Er erzählt dir von deinem Leben.



Blühendes Leben

Ich sitze im Park.
Das Singen der Vögel erfüllt die Luft.
Der Löwenzahn lässt die Wiesen gelb leuchten –
tausend Sonnen gleich.
Die Sträucher bringen unzählige grüne Triebe hervor.
Eine Entenfamilie brütet auf ihrem Nest,
durch die Äste der Trauerweide geschützt.

Überall bricht neues Leben hervor.
Unaufhaltsam.
Stark.
Woher kommt diese Kraft?

Hoffnung keimt in meinem Herzen.
Auch ich
darf aufbrechen,
darf blühen
und leuchten
und leben.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 96
ISBN: 978-3-99048-220-9
Erscheinungsdatum: 18.09.2015
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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