8 - 10 Jahre

Wahre Geschichten von Pflanzen

Helma Koch

Wahre Geschichten von Pflanzen

Lehrreich und unterhaltsam für Kinder und vorlesende Erwachsene

Leseprobe:

Vorwort


Ich bin Apothekerin und Oma von zwei Enkeltöchtern, 7 und 9 Jahre alt. Meine Pflanzengeschichten richten sich an Kinder und vorlesende Erwachsene. Sie sind naturwissenschaftlich fundiert, erheben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Mein Buch soll in unserer automatisierten Welt ein Gespür für die Grundlagen unseres Lebens vermitteln.
Der Alltag und die unmittelbare Umgebung der Kinder werden aus der Sicht der Pflanzenwelt angesprochen. Pflanzen sind, in welcher Form auch immer, unsere ständigen, täglichen Begleiter und Grundlage unseres Lebens.
Natürlich haben aufgrund meines Berufes als Apothekerin die Pflanzeninhaltsstoffe eine besondere Gewichtung erhalten.




1
So eine Verschwendung – 1 Pflanze und 1000 Samen


10 kleine Körnerlein,
die wollten alle keimen.
Ein Vogel flog von einer Scheune
und pickt eins auf, da waren’s neune.

9 kleine Körnerlein,
die wollten alle keimen.
Da sucht ein Gockel mit Bedacht
und findet eins, da waren’s acht.

8 kleine Körnerlein,
die wollten alle keimen.
Ein Schubkarrenrad tat sie verschieben
und eins blieb kleben, waren’s sieben.

7 kleine Körnerlein,
die wollten alle keimen.
Da macht die Taube einen Klecks
und patsch, da waren es noch sechs.

6 kleine Körnerlein,
die wollten alle keimen.
Da kam ein Kind bloß in die Strümpf’.
Dran blieb eins hängen, waren’s fünf.

5 kleine Körnerlein,
die wollten alle keimen.
Da tropft vom Bulldog eine Schmiere
auf eines drauf, da waren’s viere.

4 kleine Körnerlein,
die wollten alle keimen.
Da war der Sommer schon vorbei.
Eins trocknet ein, da waren’s drei.

3 kleine Körnerlein,
die wollten alle keimen.
Ein Regenguss kam schnell herbei.
Eins konnt nicht schwimmen, waren’s zwei.

2 kleine Körnerlein,
die wollten beide keimen.
Doch war das eine bloß a klein’s
und wollt nicht wachsen, war noch eins!

Ein kleines Körnerlein
fiel auf die warme Krume.
Da schlug es Wurzeln, wuchs und wuchs
zu einer schönen Blume.




2
Die Wohnungssuche. Es geht los …


… sagt der Wind zur Pusteblume und diese steht plötzlich fast nackt da. Nur ein paar Schirmchen hängen noch dran, alle anderen fliegen durch die Luft. Dann geht dem Wind die Puste aus und er macht eine kurze Pause, die Schirmchen auch. Doch dann packt es den Wind wieder und die wilde Fahrt geht weiter. Aber es kommen nicht mehr alle mit. Manche waren an einer windstillen Stelle gelandet und bleiben da. Aber, oh weh, da ist es trocken und es gibt nichts zu essen. Vielleicht kommt Regen und schwemmt das Schirmchen an eine andere Stelle. Manche bleiben auch an einem Strauch hängen und werden von einem Vogel aufgepickt.
„Auch recht“, denkt sich der Vogel.
Manche fallen in einen gut gepflegten Vorgarten mit edlen Gewächsen und kaum hat die Pusteblume Fuß gefasst, wird sie als Unkraut ausgerissen. Oder die edlen großen Blütenpflanzen nehmen der Pusteblume das Licht und die Nahrung weg und sie kann nur spärlich wachsen.
Manche Schirmchen sind auch in einem Weiher oder einer Wasserpfütze gelandet, da kann man dann auch keine Wurzeln schlagen. Und umgekehrt, wenn der Boden zu hart und trocken ist, geht es auch nicht, denn der Löwenzahn will seine Wurzel tief in die Erde treiben. An so einer Stelle hat dann ein anderes Samenkorn eine Chance, eines, das nur flache Wurzeln ausbildet. Und wenn zwei Samenkörner an der gleichen Stelle landen, streiten sie um den Platz, das Essen, das Wasser und das Licht. Das geht wie bei Geschwistern unterschiedlich aus. Am besten haben es die Schirmchen, die in einer Wiese landen, die der Bauer gedüngt hat. Das schmeckt vielen Blumen nicht, aber dem Löwenzahn ist das gerade recht. Er hat sowieso immer Hunger, weil er schnell wächst. Und plötzlich ist eines Tages die ganze Wiese gelb vor lauter Löwenzähnen – und noch einer und noch einer! Und dann ist die Wiese nach ein paar Wochen fast genauso plötzlich weiß vor lauter Pusteblumen und es kommt der Wind und …




3
Das Weizenkorn hat eine Brotzeittasche dabei,


denn es muss auf Wanderschaft gehen, bis es einen günstigen Platz zum Keimen findet. Dort kann es sich dann niederlassen und seinen Proviant auspacken. Bloß Regen braucht es noch, denn eine Saftflasche hat es nicht dabei. Sonst ist das Wichtigste in seiner Brotzeittasche, und das sind das Mehl und der Keim. Im Prinzip enthält sie das Gleiche wie eure Brotzeittasche. Natürlich keinen Apfel und keine Wurstsemmel, sondern Mehl, Eiweiß, Fett und noch einiges mehr. Ein Weizenkind braucht nämlich das Gleiche wie ihr zum Wachsen.
Das Wichtigste ist, zuerst eine Wurzel in den Boden zu treiben, um Nachschub zu beschaffen, wenn die eigenen Vorräte ausgehen. Oben sieht man nach einiger Zeit zwei kleine Keimblätter und es tut sich anscheinend noch nicht viel.
Die Brotzeittasche wird leerer und allmählich kann und muss die Pflanze für sich selbst sorgen.
Je mehr Wurzeln sich bilden, umso mehr kann die Pflanze aus dem Boden aufnehmen. Mithilfe der entstehenden Blätter mit ihrem Blattgrün entstehen immer weitere Blätter, Blüten und Früchte und dann wieder die Samen.
Dann geht es eines Tages von vorne los.
Im Juni steht dann da, wo man im Frühling nur Erde und Samenkörner gesehen hat, ein herrliches, goldenes Weizenfeld in der Landschaft mit vielen, vielen Weizenkörnern.
Der Mähdrescher kommt und nimmt sie alle mit zur Mühle.
Doch nicht wirklich alle, denn einen Teil braucht man für das nächste Jahr zum Säen.
Diese Weizenkörner warten dann mit ihrer Brotzeittasche auf den Frühling.
Alle anderen werden zu Mehl, unserem wichtigen Nahrungsmittel.
Was ist alles aus Mehl? Brot, Kuchen, Pizzateig … und weiter?




4
Es klappert die Mühle, es plappert der Bach


Eigentlich heißt es im Lied: Es klappert die Mühle am rauschenden Bach, aber plappern tut er auch. Hört mal so einem Bach eine Weile zu!
„Bei Tag und bei Nacht ist der Müller stets wach“ geht es weiter.
Kein Wunder bei diesem Lärm, denn die großen schweren Mühlsteine mit den Getreidekörnern dazwischen machen einen Riesenradau, und das ständig. Wer kann da schlafen? Das Mühlrad bewegt sich auch nicht gerade leise. So lebte der Müller immer etwas außerhalb von Ortschaften, damit die Nachbarn nicht gestört wurden.
Der Bach bewegt das große Mühlrad Tag und Nacht. Es geht rund in der Mühle, wahrscheinlich kommt das Sprichwort daher, wenn man sagt: „Da geht es aber rund!“

Dann reimt sich in diesem Lied noch Not auf Brot. Es heißt darin, dass es keine Not gibt, solange der Müller Mehl für das tägliche Brot mahlt. Tägliches Brot, heißt es. Brot essen wir fast jeden Tag, stimmt’s? Was würden wir ohne Brot machen?
Wenn der Bäcker kein Mehl vom Müller bekommt, muss er seinen Laden zusperren. Man könnte dann noch aus Kartoffeln Brot machen, weil in ihnen das Kartoffelmehl enthalten ist oder aus Esskastanien und manchen Wurzeln, die auch Stärkemehl enthalten. In Notzeiten, wenn es nicht genug Getreide gab, hat man das so gemacht. Aber irgendwann würde es nicht mehr reichen. Und wenn wir dann stattdessen die Wurst ohne Brot essen würden, wäre es ja gar nicht so schlecht. Aber damit ist auch eines Tages Schluss, weil die Tiere dann nichts mehr zum Fressen haben.

Der Müller kann die Mühlsteine so einstellen, dass sie ganz nah aufeinanderliegen und ganz feines weißes Mehl entsteht. Oder er macht den Abstand zwischen den beiden Mühlsteinen etwas weiter, dann sind noch alle Stoffe aus der Brotzeittasche (siehe Kapitel vorher) enthalten. Das nennt man dann Vollkornmehl. Jetzt wisst ihr, warum Vollkornbrot gesünder ist als ganz weißes, ausgemahlenes Mehl.
Und, was habt ihr in eurer Brotzeittasche?
So ein Weizenkorn hat, wie auch viele andere Samen, sehr viel Geduld mitbekommen. Denn es kann manchmal sehr lange dauern, bis es eine Möglichkeit zum Keimen findet. Das hat die Natur zur Sicherheit so eingerichtet. Es gibt sogar welche, die Hunderte von Jahren irgendwo herumliegen. Wenn man sie dann in die Erde steckt, geht es auf einmal schlagartig los mit dem Wachstum und es entsteht eine Pflanze.

Darum muss der Müller die Getreideernte nicht auf einmal mahlen und kann das Getreide in einem trockenen Raum sehr lange lagern – zumindest so lange, bis es die Mäuse entdeckt haben.

Welche Getreidesorten kennt ihr? Weizen, Roggen, Ha…

Wenn ihr das nächste Mal in euer Brot beißt, dann denkt mal an das alles.


Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 82
ISBN: 978-3-95840-733-6
Erscheinungsdatum: 08.10.2018
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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