8 - 10 Jahre

Der wahre Mann auf dem Mond

Hans Martin Prill

Der wahre Mann auf dem Mond

Leseprobe:

Als Paul in einer sternklaren Nacht zur Welt kam, leuchtete der Mond hell in das Krankenhauszimmer. Die Hebamme meinte, man könne das Licht getrost ausschalten, da der Schein des Mondes als Lichtquelle vollkommen ausreichen würde.
Von da an nannte die Hebamme Paul liebevoll Mond-Paul. Ihrer Meinung nach mochte der Mond Paul besonders. Sie konnte sich nicht daran erinnern, dass der Mond bei einer Geburt jemals so hell geschienen hatte.
Pauls Mutter und Vater waren stolz auf ihren Sohn, denn sie hatten sich schon so lange auf ein Kind gefreut.
Paul war fasziniert vom Mond. Wann immer es ging, beobachtete er ihn. Der Mond strahlte etwas Magisches aus und Paul konnte sich seinem Bann nicht entziehen. Stets hatte er dabei das Gefühl, dass der Mond ihn beobachten würde. Darüber sprach er auch mit Tiggi, seinem Kuscheltiger. Ihm erzählte er alles über den Mond, zumindest das, was er von seinem Vater gehört hatte. Er erklärte Tiggi, wie weit der Mond von der Erde entfernt war und dass dieser sich immer mehr entfernte, auch wenn es nur wenige Zentimeter im Jahr waren. Paul beobachtete die Mondphasen mit Tiggi, soweit er diese verfolgen konnte und nicht vorher ins Bett geschickt wurde.
Der Mond schien wie ein vertrauter Freund für ihn geworden zu sein. Auf jeden Fall hatte er keine Angst vor ihm.
Und dann war es so weit. Paul bekam ein Geschwisterchen. Er war aufgeregt, als er seine Schwester zum ersten Mal zu Gesicht bekam. Und als er sie sah, stellte er fest, dass sie ihm gefiel!
Zusammen hatte er mit seinem Vater später ein Kuscheltier für seine Schwester ausgesucht. Es war ein Pferdchen und sie tauften es „Schnuffel“.
Nun waren sie eine Familie mit vier Personen, einem Tiggi und einem Schnuffel.
Und natürlich mit seinem Freund, dem Mond.

Als Paul fünf Jahre alt wurde, bekam er etwas, was er sich schon lange gewünscht hatte: ein Teleskop zur Beobachtung des Nachthimmels!
Endlich konnte er seinen Freund genauer betrachten. Mit diesem Teleskop war der Mond nicht mehr so weit entfernt, sondern er war nah, fast greifbar. Auch seine Schwester Sophie ließ Paul durch das Teleskop sehen.
„Er hat Flecken“, merkte Sophie an.
„Das sind Krater“, erwiderte Paul ihr.
„Er hat ein Gesicht“, sagte Sophie.
„Ein Mondgesicht“, ergänzte Paul.
„Der Mond ist so schön.“
„Ja, das ist er“, antwortete Paul.
Wann immer Paul Zeit hatte, betrachtete er den Mond. Er konnte es sich nicht erklären, doch spürte er, dass der Mond ein Geheimnis beherbergte, und er ahnte, dass er dieses Geheimnis irgendwann entdecken würde. Paul durfte den Mond nicht aus den Augen lassen, auch wenn seine Eltern ihm gesagt hatten, dass der Mond eines der am meisten erforschten Gestirne des Nachthimmels wäre.
Paul wusste, dass der Mond Einfluss auf Ebbe und Flut in den Meeren hatte sowie auf die Hebung und Senkung des Erdmantels. Er war mehr als nur der ständige Begleiter der Erde.
Sein Vater hatte ihm erzählt, dass der Mond auch Einfluss auf die Menschen hatte. Während der Mondphasen geschah es öfter, dass manche Menschen Schlafstörungen hatten, andere wiederum machten den Mond dafür verantwortlich, wenn sie in Verkehrsunfälle verwickelt waren, und in der Landwirtschaft gab es Menschen, die bestimmte Arbeiten nur dann erledigten, wenn eine bestimmte Mondphase eintrat.
Für Paul jedoch war der Mond sein Freund.
Und dann war es so weit. Nicht er, sondern seine Schwester hatte ihn zuerst erblickt.
Bevor seine Schwester ihn gesehen hatte, hatten sie beide ein gemeinsames Hobby entdeckt: die Beobachtung des Nachthimmels und natürlich des Mondes.
Seine Schwester hatte durch das Teleskop gesehen und war wie erstarrt davor stehen geblieben, bis Paul sie angesprochen hatte, was denn mit ihr los sei. Sophie hatte dann mit dem Finger angedeutet, dass er durch das Teleskop sehen sollte.
Und dann hatte er ihn gesehen! Einfach so!
Paul rieb sich die Augen und sah nochmals durch das Teleskop, doch das Bild blieb das gleiche: Auf dem Mond stand ein Mann und er sah zu ihnen herunter!
Es war aufregend und eigentlich unglaublich. Wann immer seine Schwester oder er durch das Teleskop blickte, sahen sie den alten Mann auf dem Mond.
Er sah gütig und weise aus und die meiste Zeit lächelte er. Sophie und Paul hatten keine Angst vor ihm, auch wenn es ihrer Meinung nach einfach nicht möglich war, dass der alte Mann ohne Schutzanzug dort oben überleben konnte.
Das Weltall war schön, aber voller Gefahren. Es gab kosmische Strahlungen, die von der Sonne, aber auch von fernen Galaxien kommen konnte. Zudem herrschten auf dem Mond Temperaturen von – 150 bis + 180 Grad Celsius. Es war alles andere als ein optimaler Lebensraum – da sah es auf der Erde schon ganz anders aus.
Doch dem alten Mann schien das nichts auszumachen. Meistens saß er da und schaute auf die Kinder herab. So gern hätten Sophie und Paul mit ihm gesprochen, aber das war leider nicht möglich.
Natürlich hatten sie mit ihren Eltern darüber gesprochen. Aber im Gegensatz zu Sophie und Paul sahen diese den alten Mann auf dem Mond nicht.
„Wir sehen keinen alten Mann auf dem Mond. Seid ihr sicher, dass ihr ihn gesehen habt?“
Paul und Sophie schauten ebenso durch das Teleskop und konnten tatsächlich den Mann entdecken. Allerdings hatte er einen Finger auf den Mund gelegt, so als ob er ihnen sagen wollte, dass es ihr Geheimnis war und sie es für sich bewahren sollten.
„Vielleicht haben wir uns geirrt. Es könnte eine optische Täuschung gewesen sein“, sagte Paul.
„Vielleicht wollten wir einen Mann da oben sehen, schließlich besitzt der Mond ein Gesicht“, ergänzte Sophie.
Ihre Mutter und ihr Vater sahen einander an, so als ob sie dachten, dass ihre beiden Kinder etwas vor ihnen verheimlichten. Doch sie fragten nicht weiter nach, denn die beiden waren noch Kinder und ihre Fantasie konnte so manches Lebewesen erwecken, und sei es einen Mann auf dem Mond.

Für Paul wurde es mit der Zeit immer deutlicher, dass er Astronaut werden wollte. Er musste unbedingt auf den Mond!
Ihn faszinierte alles, was mit dem Kosmos, mit dem Universum zu tun hatte.
Sterne, schwarze Löcher, Planeten, Asteroiden und Kometen, alles war äußerst interessant! Den Blick in die Weiten des Universums zu werfen, war etwas, was ihn fesselte. Er verschlang Bücher, informierte sich im Internet, besuchte Planetarien – er tat einfach alles, damit sein Wissensdurst gelöscht wurde.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 58
ISBN: 978-3-99038-017-8
Erscheinungsdatum: 16.09.2013
EUR 12,90
EUR 7,99

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