3 - 5 Jahre

Geschichten aus Fichtelhausen

Lisa Mc Shot

Geschichten aus Fichtelhausen

Brownys Abenteuer

Leseprobe:

Browny & das Wiesel

„Wohin gehst du?”, fragte Mama Eichhorn, die gerade Kekse backte.
„Na was wohl! Nüsse sammeln – für den langen, harten Winter!”, sagte Browny.
„Zu den großen Walnussbäumen unten an der Straße, wo die Kreuzung ist, die in die Stadt führt.”
„Pass aber auf! Besonders auf die Autos!”, sagte Mutter Eichhorn besorgt. Du weißt, gerade jetzt im Herbst ist es sehr nebelig und das Laub auf den Straßen ist feucht und glitschig!”
„Ja, ja, Mutter. Ich bin ja kein Baby-Hörnchen mehr! Außerdem gehen ja meine Brüder mit!”
„Little Jumper nimmst du aber an die Hand!” „Wenn es sein muss! – Natty geht ja auch mit.
Er ist schon älter und kennt sich aus.” „Das ist gut“, sagte sie beruhigt. „Und zieht euch warm an. Draußen ist es schon sehr windig und kalt!”
Natty zog die Mütze fest über Little Jumpers Ohren. „Aua! Nicht so fest”, schrie Little Jumper.
„Meine schönen Fransenhaare werden ja ganz verbogen!”
Browny legte seinen dicken gelben Wollschal um den Hals und schlüpfte in seinen Mantel. Natty hatte schon seinen blauen Anorak an, den er voriges Jahr zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte.
„Vergesst den großen Nüsse-Sack nicht!”, rief Mutter Eichhorn ihnen nach.
Browny nahm den Sack und sie liefen los. Zuerst über die Wiese. Das letzte Stück gingen sie am Straßenrand entlang. Little Jumper hatte eine Maus entdeckt und spielte mit ihr Verstecken:
„Hallo! Du kleine Maus! Ich sehe dich! Hast du keine Angst vor mir?”
„Nein!”, sagte die Maus. „Vor so einem kleinen Eichhörnchen, das noch grün hinter den Fransenohren ist, habe ich keine Angst!” Die Maus lief eine Weile neben ihnen her – mal auf der Straße – mal am Rand – und war irgendwann in einem winzigen Loch im Graben verschwunden …
„Little Jumper, pass auf!”, rief Natty.
„Da kommt ein Lastauto!” Little Jumper sprang im letzten Moment auf die Seite.
„Du sollst doch nicht auf die Straße laufen!”, schimpfte Browny mit seinem kleinen Bruder.
„Komm her, ich nehme dich jetzt wirklich an die Hand!”
Die Autos fuhren so schnell, dass ihnen das Laub um die Ohren blies. Ein Traktor mit einem Anhänger voll Äpfel ratterte vorbei und verlor ein paar rote, große Äpfel. Little Jumper musste natürlich sofort hineinbeißen.
„Mm! Der schmeckt aber süß! Können wir den auch mitnehmen?” Natty musste lachen.
„Ha, ha, ha! Wie willst du den riesigen Apfel tragen?”
„Wir könnten ihn ja rollen?”, sagte Little Jumper.
„Ja, sicher! Dann sind wir ja Ostern wieder zu Hause!”
„Na gut”, sagte Little Jumper. „War ja nur so eine Idee von mir.”
„Kommt jetzt weiter! Wir haben noch ein ganzes Stück zu gehen.”
Der Walnussbaum ganz unten an der Straße war über und über mit herrlichen Nüssen bestückt. – ?Und bis jetzt hatte diese Nüsse noch niemand entdeckt.
Als sie endlich unten am Baum angekommen waren, staunten sie nicht schlecht:
So viele Walnüsse …
„Du liebes Nüsschen!”, rief Little Jumper.
„So viele hab ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen!”
„So lange bist du auch noch nicht auf der Welt!”, sagte Natty und hielt sich den Bauch vor Lachen.
„Komm, Browny, mach den Sack auf. Ich lauf hinauf und werfe euch die Nüsse vom Baum!”
Natty war flugs am dicken Baumstamm hinaufgeklettert. Browny und Little Jumper hielten den Sack auf und einige Nüsse fielen direkt hinein.
„Autsch!”, schrie Browny, dem gerade eine Nuss auf den Kopf gefallen war.
„So, das reicht! Komm und hilf uns, die Nüsse einzusammeln!”
„O. K., gleich – nur noch diesen Ast!” Natty sprang oben herum und schüttelte ganz fest an den Ästen. Und wieder fielen einige Nüsse ins Gras. Natty war gerade dabei, vom Baum zu klettern, da sah er einen Hund.
„Achtung!”, rief er. „Passt auf! Da kommt ein Hund auf uns zu! Schnell auf den Baum!”
„Der geht sicher gleich wieder weiter”, flüsterte Little Jumper.
„Ich bin mir da nicht so sicher!”, meinte Browny. „Ich will ja nicht den ganzen Tag da oben verbringen!”
„Scht! Seid still! Da kommt noch jemand.“
„Hey! Was macht sie denn da? Seht ihr das auch?”
„Wir sind ja nicht blind”, sagte Browny. Da kam eine Frau direkt aus dem Ort.
„Das ist wahrscheinlich ihr Hund, der da ohne Leine um den Nussbaum lief und die Fährte schnüffelte. Was macht sie denn da unten?” Little Jumper beugte sich so weit vor, dass er fast vom Ast fiel. Im letzten Moment zog ihn Browny wieder zurück.
„Bleib doch jetzt still sitzen! Wenn du da runterfällst, bist du gleich tot.” Little Jumper zitterte am ganzen Fell. Die Zähne klapperten so laut, dass der Hund kurz nach oben schaute.
„So, jetzt hast du’s!”, sagte Natty. „Jetzt hat er uns gesehen!”
„Was macht denn die Frau da unten? Die wird doch nicht unsere Nüsse … Hey! Du da unten!”, schimpfte Browny vom Ast, „lass die Finger von unseren Nüssen! Aber sofort!”
„Das Schimpfen kannst du dir sparen!”, erwiderte Natty. „Die versteht doch keine Waldsprache!”
„Das ist ja fürchterlich! Wie sollen wir denn im Winter überleben?”
Die Frau mit den grauen Haaren und der hellen Jogginghose hob alle Nüsse auf und legte sie in ihre großen geflochtenen Körbe. Sie blieb so lange, bis sie alle Nüsse gesammelt hatte. Little Jumper weinte und schluchzte.
„Was sagen wir nur Mama Eichhorn? Dass wir keine Nüsse mehr haben?” Little Jumper weinte so bitterlich, dass seine Tränen wie ein kleiner Bach den Baumstamm hinunterliefen.
Es war zum Verzweifeln. Auch die anderen Eichhörnchen von Fichtelhausen waren empört. So etwas hatten sie noch nicht erlebt.
Erst am Abend ging die Frau mit ihrem Hund und den Nüssen zurück zum Dorf.
„Kommt schnell!”, rief Natty. „Wir folgen ihr unauffällig.
„Passt bloß auf, dass der Hund euch nicht riecht!”
Little Jumper ging ganz dicht an Natty gedrückt. Browny lief ein Stück voraus und gab Acht, dass sie die Frau nicht aus den Augen verloren. Sie ging in ein hellgelbes Schloss und legte die Nüsse vor ihrem Zimmer auf den großen Holzbalkon.
„Seht ihr!”, rief Browny. „Da liegen sie jetzt. Unsere schönen Nüsse!”
„Was machen wir denn nur? Es wird schon spät.”
Die Kirchenuhr schlug und in Fichtelhausen gingen schon die ersten Lichter an.
„Heute können wir nichts mehr tun. Schauen wir, dass wir nach Hause kommen! Mutter wird sich schon Sorgen um uns machen!”
„Ja! Du hast recht. Gehen wir nach Hause!” Traurig gingen sie den Weg zurück. Auf den Schultern trug Natty den leeren Sack.
„Wo seid ihr denn nur so lange gewesen?”, fragte Mama Eichhorn besorgt.
„Ach”, wisperte Browny ganz traurig. „Das kannst du dir nicht vorstellen! Alle unsere Nüsse sind weg. In diesem Winter werden wir verhungern.“ Litte Jumper weinte und sein ganzes schönes, glänzendes Fell war nass.
„Wie siehst du denn aus, Little Jumper? Komm her und setz dich an den warmen Ofen.” Er lehnte sich an, schloss die Augen und schlief gleich ein. Die ganze Nacht saß er dort und träumte von den großen, guten Nüssen.
„Wir haben ja noch einen Sack vom vorigen Jahr in der unteren Baumhöhle! Auch ein paar kleine Säcke mit Haselnüssen stehen noch dort”, stellte Mama Eichhorn fest.
„Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen!”, sagte Natty. „Morgen gehen wir da noch einmal hin und dann nehmen wir ihr die Nüsse einfach wieder weg!”
„Und was machen wir mit dem Hund?”, fragte Browny ängstlich.
„Keine Ahnung”, sagte Natty. „Kommt, wir schlafen eine Nacht darüber, vielleicht fällt uns ja morgen etwas ein …”
Am nächsten Tag weckten die ersten Sonnenstrahlen Browny aus seinem Schlaf. Natty war schon auf und saß an seinem Schreibtisch. Er tüftelte und dachte nach …
„Hast du schon eine Idee, wie wir wieder zu unseren Nüssen kommen?”, fragte Browny.
„Ja, es könnte sein”, sagte Natty. „Wir müssen auf alle Fälle die anderen Eichhörnchen zusammentrommeln. Der Oberpuschel von Fichtelhausen hat schon gesehen, wie sie alle Nüsse in ihren Autoanhänger trug. Das muss schnell gehen, sonst fährt sie mit unseren Nüssen auf und davon! Wir werden uns unten am Bach versammeln und den Plan aushecken. Kommt! Wir gehen gleich los und rufen auch die anderen!”
Alle Eichhörnchen von Fichtelhausen waren gekommen und standen im Halbkreis um Natty herum.
„Die Sache ist sehr ernst!”, sagte der Oberpuschel. „Wenn wir die Nüsse heute nicht zurückholen, werden wir alle verhungern. Nach ersten Informationen sind die Nüsse schon auf dem Hänger.“
„Hat von euch jemand eine gute Idee?”, fragte Natty in die Menge.
„Ja, ich!”, rief ein älteres Eichhörnchen. „Wir könnten das Wiesel um Hilfe bitten. Es könnte den Sack aufbeißen und dann kommen wir und holen die Nüsse heraus.”
„Ja!”, sagte Natty. „Das ist eine sehr gute Idee! Und was dann?”
„Dann stellen wir uns in einer langen Reihe auf und geben die Nüsse weiter, bis hin zur langen Wiese. Dort verstecken wir sie dann im hohen Gras!”, sagte Browny.
„Ja! Das ist auch eine super Idee! Nur … wo finden wir das Wiesel?”
„Ich glaube, es wohnt dort am Waldrand!”
„Lauf hin”, sagte Natty, „und hol es schnell her!”
Ein Eichhörnchen lief hin und rief das Wiesel …
„Du musst uns bitte helfen! Unsere Nüsse sind in höchster Gefahr! Spring dort unten auf den Hänger und beiß den Sack auf! Schnell! Schnell! Beeil dich! Bevor es zu spät ist!”
Sie beobachteten die alte Frau, wie sie noch einige Taschen auf den Hänger stellte und dann mit dem Hund wieder in Richtung Wald spazieren ging.
„So, jetzt ist der richtige Zeitpunkt!”
„Wir müssen uns beeilen!” Das Wiesel lief so schnell es konnte und sprang mit einem Satz auf den Hänger. Im Nu war ein Loch im Sack.
„Kommt her!”, rief das Wiesel. „Die ganzen Nüsse kullern schon auf den Boden!” Alle Eichhörnchen stellten sich in einer langen Reihe auf und schupften die Nüsse Richtung Wiese.

Format: 18 x 27 cm
Seitenanzahl: 138
ISBN: 978-3-99048-649-8
Erscheinungsdatum: 12.09.2016
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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