3 - 5 Jahre

Die Abenteuer des kleinen Zwuckel

Thomas Parker

Die Abenteuer des kleinen Zwuckel

Gute-Nacht-Geschichten

Leseprobe:

Vorwort


Durch jahrzehntelange Berufsausübung mit pädagogischem Einschlag verfestigte sich beim Autor im Laufe der Jahre immer mehr der Eindruck, dass selbst Erwachsene von vielen eigentlich selbstverständlichen Dingen im Leben nahezu über keinerlei Wissen oder wenigstens Vorstellungen verfügen.
Erst recht ist diese Tatsache bei Jugendlichen und, fast schon selbstverständlich, bei Kindern festzustellen. Warum eigentlich? Das muss nicht so sein. Der Autor möchte versuchen, dazu beizutragen, dass sich dieser missliche Umstand ändert. Seiner Ansicht nach sollte damit bereits im frühen Kindesalter begonnen werden.
Durch die Lektüre dieser Gute-Nacht-Geschichten werden dem Vor-Leser und Zuhörer Werte und Wissen in Erinnerung gerufen bzw. nahegebracht zu den Themenbereichen „Selbstwertgefühl“, „Unerheblichkeit von Behinderungen“, „Verantwortungsbewusstsein“, „Hilfsbereitschaft“, „Gut und Böse“, „Gesunde Ernährung“ etc., etc. Durch zwei einfache Denksportaufgaben könnte sich beim Nachwuchs ein Hinweis auf Hochbegabung ergeben.





Kapitel I

Wie alles anfing


Nach seiner Geburt nahm seine Mutter Zwuckel liebevoll in ihre Arme. Sie legte ihn ganz sanft und vorsichtig auf ihre Brust. Er spürte die Wärme ihrer nackten Haut und fühlte sich geborgen und sicher. Fast so, wie noch kurz zuvor in ihrem Bauch.
Sie küsste ihn und schwärmte, was er denn für ein süßes Baby sei. Ihre Stimme war ihm vertraut. Seine Mutter sprach oft mit ihm, als er noch in ihr war. Sie weinte vor Glück, weil er allem Anschein nach gesund und munter war. Nur eines erschien merkwürdig: Für gewöhnlich kommen Babys schon mit Haaren zur Welt. Auf seinem Kopf aber waren keine.
Das sollte nicht das einzige Ungewöhnliche an ihm sein, wie sich nach und nach herausstellte. Die junge Frau nannte ihr Baby Max, als wäre er mit diesem Namen schon auf die Welt gekommen. Zusammen verbrachten sie noch einen Tag im Krankenhaus. Dann ging es zu seiner Mutter nach Hause.
Dort sagte sie zu ihm:
„Ich liebe dich über alles auf der Welt.“ Zwuckel sah in ihre Augen und spürte, dass es stimmt.
„Ich muss dich aber in die sichere Obhut anderer Menschen abgeben“, fuhr seine Mutter mit Tränen in den Augen fort.
„Ich bin sehr krank und werde schon bald beim lieben Gott im Himmel sein. Ich verspreche dir aber, immer über dich zu wachen. In deinem Herzen bin ich mit meiner ganzen Liebe bei dir, auch wenn du mich nicht mehr sehen, hören und fühlen kannst. Wenn man tot ist, ist man nicht für immer fort, sondern nur woanders.

In ihrer Not wickelte seine Mutter den kleinen Zwuckel in eine dicke warme Wolldecke. Sie brachte ihn auf die Kinderstation in das Krankenhaus zurück. Dort war er ja auch auf die Welt gekommen. Sie drückte ihren Sohn noch einmal ganz fest liebevoll an sich. Sie küsste und streichelte ihn mit Tränen in den Augen. Dann legte sie ihn im Schwesternzimmer ab und sagte:
„Du bist etwas ganz Besonderes. Du wirst das schon bald selbst merken.“
Seine Mutter ging fort und der kleine Zwuckel schlief fest ein. Er träumte gut, weil er sie im Schlaf sah, als wäre sie bei ihm und nicht fortgegangen.





Kapitel II

Wie es weiterging


Am nächsten Morgen wachte der kleine Zwuckel auf. Er lag in den Armen einer Krankenschwester. Sie lächelte ihn liebevoll an, als wäre es ihr eigenes Baby. „Nennen wir ihn Max“, sagten ihre Kolleginnen wie aus einem Mund. „Er sieht so aus, als ob er so heißen würde“, meinten sie. „Nicht dumm, die Krankenschwestern“, dachte sich Zwuckel. „Genauso hatte mich meine Mutter ja auch schon genannt.“
Im Kreise dieser Frauen fühlte er sich wohl. Sie kümmerten sich um ihn, als wäre er ihr eigener Sohn.
Wenn er seine Augen schloss, sah er seine Mutter vor sich, als ob sie gar nicht fort wäre. Er war sich sicher: „Sie ist zwar nicht anwesend. Trotzdem spüre ich sie in meinem Herzen mit all ihrer Liebe, Wärme und Zärtlichkeit.“
Der kleine Zwuckel hatte auch nach Tagen noch immer keine Haare auf dem Kopf. Die Krankenschwestern setzten ihm eine bunte Zipfelmütze auf, damit er sich nicht erkältet. Damit sah er richtig putzig aus und gefiel sich auch selbst.
„Wenn ich schon keine Haare habe, dann soll ab jetzt immer eine schöne Mütze meinen Kopf bedecken“, dachte er sich.
Nach einigen Wochen bekam der kleine Zwuckel Eltern. Es war ein junges Ehepaar, was sich seit Jahren von Herzen ein Kind wünschte, aber keines bekommen konnte.
Obwohl bei ihnen alles in Ordnung war, wurde die Frau einfach nicht schwanger. Zwuckel hatte aus vielen Ge-sprächen der Krankenschwestern mitbekommen, was es damit auf sich hat.
Frauen haben winzig kleine Eier im Unterleib, die man mit bloßem Auge nicht sehen kann. Männer haben im Unterleib den Samen. Das sind kleine Fädchen, die fast aussehen wie kleine Kaulquappen, nur viel kleiner. Wenn eine Frau und ein Mann sich liebhaben und sich ein Kind wünschen, vereinen sie ihre Körper miteinander. Wenn es am schönsten ist, lösen sich die Samenfädchen aus dem Körper des Mannes. Sie schwimmen im Körper der Frau um die Wette zum Ei. Das schnellste Fädchen kommt als erstes an und befruchtet das Ei. Sie schmelzen zusammen zu einer Leibesfrucht. Das ist ungefähr so, als ob man zwei Kugeln Eis miteinander vermischt. Die Frau ist schwanger und es entsteht ein neuer Mensch. Der wächst im Mutterleib. Er wird immer größer und deshalb der Bauch der Frau immer dicker.

Nach neun Monaten ist das Kind so weit, dass es den Mutterleib verlassen kann. Das ist die Geburt des neuen Menschen.

Bei vielen Tieren ist das fast genauso. Es ist ganz natürlich und nicht etwa was Schlimmes.
Zwuckels neue Mutter war daher nicht seine leibliche Mutter. Die Eltern hatten ihn adoptiert, d.?h. an Kindes statt angenommen. Hierzu hatten sie beim Amtsgericht einen Antrag gestellt. Weil bei ihnen alles in Ordnung war, wurde dem auch stattgegeben. Ein Baby soll ja keine neuen Eltern bekommen, bei denen alles drunter und drüber geht. Es müssen ordentliche Leute sein. Das waren seine neuen Eltern und er war jetzt ihr Kind.
Sie waren überglücklich, einen Sohn zu haben. Sie fanden, dass Max für ihn der richtige Name sei. Er selber fühlte sich bei ihnen gut aufgehoben und liebevoll umsorgt. Seine neue Mutter sah seiner leiblichen sehr ähnlich. Er glaubte manchmal, in ihren Augen den Blick seiner leiblichen Mutter zu sehen.
Die Jahre vergingen schnell und Zwuckel wuchs heran, aber nur sehr langsam und sehr wenig. Auch wurde sein Rücken immer stärker verkrümmt. Er bekam allmählich einen Buckel. Die Ärzte meinten zu den Eltern, er sei kerngesund und am Buckel könne man leider nichts machen.
Sie liebten ihren Max über alles auf der Welt. Wichtig war ihnen der Mensch und nicht sein Aussehen.
Es dauerte auch nicht mehr lang, und Zwuckel kam in den Kindergarten. Dort verbrachte er mit vielen anderen Jungen und Mädchen die Zeit. Seine Mutter konnte wieder arbeiten gehen. In der Kita war er gut aufgehoben.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 92
ISBN: 978-3-95840-602-5
Erscheinungsdatum: 21.03.2018
EUR 13,90
EUR 8,99

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