3 - 5 Jahre

Der Tatzelwurm

Silwia Pantiew

Der Tatzelwurm

Leseprobe:

Im finster’n Wald, für sich allein,
da ist der Tatzelwurm daheim.
Kein Mensch, kein Tier kommt ihm zu nah,
sehr einsam man den Wurm nur sah.
Der Tatzelwurm kränkt sich darüber,
denn: Freunde hätte er viel lieber!
Doch konnt’ er leider niemand’ fragen,
der ihm den Grund der Angst würd’ sagen.
Der arme Wurm wusste ja nicht,
wie grauslich aussah sein Gesicht,
wie riesengroß sein Körper war
und schuppig-grün, ganz ohne Haar.
Sein Äußeres war zwar nicht schön,
doch hätt’ man in sein Herz gesehn,
dann wären alle Tier’ im Wald
die dicksten Freunde mit ihm bald.
So sitzt der Tatzelwurm allein
und schaut – wie immer – traurig drein.
Da hört er plötzlich ein Geräusch!
„Ein Rascheln war’s – ob ich mich täusch?“,
sagt da der Tatzelwurm erstaunt,
und ist auf einmal gut gelaunt,
denn sonst hört er nur Wind und Regen
und seinen eig’nen Schritt, den trägen.
Da! Wieder war es zu vernehmen –
ein Rascheln erst – und dann – ein Stöhnen!
Ganz aufgeregt schaut er ins Gras –
warum, wie, wo, was war denn das?
Dort unter einem großen Blatt,
da sitzt ein Mäuschen, schon ganz matt.
Noch nie, muss Tatzelwurm gesteh’n,
hat er ein solches Tier geseh’n!
Und neugierig stapft er nun nah
zum Mäuschen, bis er’s deutlich sah:
Ein graues Bällchen, rosa Schwanz
und in den Äuglein Tränenglanz.
Der Tatzelwurm voll Mitleid fragt:
„Was ist es, was dich Armes plagt?“
„Ach“ seufzt darauf die kleine Maus,
„Ich find’ den Weg nicht mehr nach Haus!
Ich wollt doch nur spazieren geh’n
und mir den schönen Wald anseh’n.
Jetzt kenne ich den Weg nicht mehr,
hab Hunger und es friert mich sehr!“
Weil sein Mauseschmerz so groß,
fürchtet es gar nicht den Koloss,
den Tatzelwurm, wie er da steht
und mitleidsvoll die Nase bläht.
Die Maus erzählt ihm noch viel mehr,
wer sie sei – doch nicht woher.
Der Tatzelwurm ganz glücklich hört,
dass sein Anblick sie nicht stört!
Ein bisschen groß und grün, das schon –
meint sie –
doch läuft vor Angst sie nicht davon!
So plaudern beide angeregt
und merken nicht, wie sich’s bewegt
rings um sie her im grünen Gras,
da tuschelt, raschelt, knistert was.
Die Mausemutter sucht ihr Kind
und weil sie nirgendwo es find’t,
hat viel Getier sie mitgenommen
und es gewagt, hierherzukommen.
Hinter Blättern gut versteckt,
ein jedes Tier sein Köpfchen reckt,
um selbst zu sehen, was da ist:
Das Mäuschen, das man so vermisst –
und der Tatzelwurm, der Riese,
sitzen plaudernd in der Wiese!
Sollte er doch kein Untier sein,
das alles frisst, ob Groß, ob Klein?
Sie tuscheln, zirpen, piepsen, summen,
bis Tatzelwurm und Maus verstummen
und alle Tiere nun entdecken,
die sich jetzt gar nicht mehr verstecken,
weil sie beschämt es nun erkennen,
wie dumm es war, davonzurennen,
nur weil der Tatzelwurm nicht schön,
und unheimlich ist anzusehn!


Nun wird der Tatzelwurm nie mehr allein
im grossen, finstern Walde sein!
Denn Freunde hat er ohne Zahl,
doch wenn man gäbe ihm die Wahl:
Das Mäuschen, das einst kläglich piepste,
ist ihm von allen doch das Liebste!

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 40
ISBN: 978-3-99003-198-8
Erscheinungsdatum: 13.08.2010
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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