Geschichte & Biografie

Soundjata Kéita, der Löwe von Mali

Ursula Branscheid-Diebaté

Soundjata Kéita, der Löwe von Mali

Eine Entdeckungsreise nach Westafrika ...

Leseprobe:

Der Löwe von Mali

Naré Maghan Kon Fatta, ein großer Jäger-Fürst und Herrscher im Manding, hatte drei Frauen und sechs Kinder. Die erste Frau war Sassouma Bérété, Tochter eines großen Marabout (Wahrsager). Sie war die Mutter des späteren Königs Dankaran Touma.
Naré Maghan war ein guter und beliebter König, der für seine Schönheit bekannt war und lange regierte (ca. 1190–1218). Sein Griot war Gnankouman Doka.
Die kleine Stadt Niani gilt als die erste Hauptstadt des Manding-Reiches. Naré Maghan ließ sich nach dem Verlassen seiner Heimatstadt Mema (Gana) in Niani Ba („Niani die Große“) nieder. Dies war laut Wâ Kamissoko der erste Manding-Ort, den er bewohnte. Er war verlassen, denn die Gründer der Ortschaft hatten sie aufgegeben aufgrund einer Schlafkrankheits-Epidemie (möglicherweise war es auch eine Gelbfieber-Seuche). Jedenfalls blieb Naré Maghan nicht lange in Niani Ba. Er bewohnte mit seiner Gefolgschaft mehrere Orte am Oberen Niger, darunter Niani Kouroula („Niani in den Bergen“), bis er sich in Dakadjana niederließ (ca. 200 Kilometer nördlich von Niani, am Niger gelegen).
Er regierte zunächst noch wie seine Vorgänger in Dakadjana, erst später etablierte er oder möglicherweise Soundjata den Ort Niani als Residenz.

Zu der Zeit, als Maghan Kon Fatta erst eine Frau hatte und wie üblich unter dem Fromager-Baum bei seinem Palast saß, kam einst ein seltsamer, als Jäger gekleideter Fremder vorbei, der die Zukunft lesen konnte. Eine Antilope hatte ihn hergeführt. Er öffnete sein Sassa, die Fetisch-Tasche der Jäger, und warf 12 Kauri-Muscheln. Er las daraus das Schicksal des Königs: Sein wahrer Nachfolger sei noch nicht geboren. Zwei Jäger würden kommen, begleitet von einer Frau. Diese Frau sei fürchterlich hässlich, aber diese solle er heiraten, denn sie werde die Mutter seines Sohnes sein, der das Manding-Reich unvergesslich machen werde. Das Kind werde einmal mächtiger sein als Djoul Kara Naïni.

Mehrere Monate später kamen eines Morgens tatsächlich zwei Jäger in Begleitung einer buckligen, verschleierten Frau zum König. Es waren zwei Manding vom Clan der Traoré: Danmansa Oulani und Danmansa Oulamba. Sie kamen aus dem benachbarten Reich Do des Königs Mansa Gnèmo Diarra. Sie berichteten, dass in Do seit einiger Zeit ein gewaltiger Büffel die Felder verwüste. Jeden Tag gebe es Menschenopfer zu beklagen. Der König von Do hatte demjenigen, der den Büffel töte, das schönste Mädchen des Reiches versprochen. Die beiden Jäger hatten daher beschlossen, ihr Glück zu versuchen, wenn auch schon viele zu Tode gekommen waren.

Am Ufer eines Flusses, so erzählten die Jäger weiter, entdeckten sie eine alte Frau, die eindringlich um Essen bat. Sie gaben ihr reichlich Trockenfleisch. Als Dank erzählte die Alte ihre Geschichte: Sie sei der grausame Büffel, der schon 107 Menschen getötet und 77 verletzt habe und durch Pfeile nicht zu töten sei. Durch ihre Großzügigkeit jedoch hätten die Jäger sie besiegt. Der König von Do sei ihr Bruder, der sie um ihre Hälfte des Erbes betrogen habe. Ihre Rache sei nun beendet.
(Laut Überlieferung von Kéla hieß sie Do Kamisa und war die Tante des Königs. Sie hatte ihn großgezogen, weil seine Mutter im Kindbett gestorben war. Als er sich einmal respektlos ihr gegenüber verhalten hatte, beschimpfte sie ihn vor den Leuten seines Hofes, was ihn wiederum so wütend machte, dass er ihr den Goldschmuck und die feinen Kleider abnehmen ließ und sie nackt in eine separat stehende Hütte einsperren ließ. Dort verwandelte sie sich in den grausamen Büffel.)
Die Alte verriet ihnen noch, wie sie sie töten könnten: Kein Gewehr könne sie verletzen, aber sie gab den beiden Jägern zwei dünne Stäbe, die zum Aufwickeln des Spinnfadens benutzt werden. Durch diese als Pfeil abgeschossenen Spinnrocken könnte sie erlegt werden, wenn sie die Gestalt des Büffels wieder angenommen hätte. So geschah es am nächsten Tag, und als Beweis brachten die beiden Jäger dem König den Schwanz des Büffels. Dieser war aus purem Gold, ebenso die Hörner und Augen. Daher kommt übrigens der Name Diabaté: Als der jüngere Bruder Oulani Traoré den Büffel getötet hatte, komponierte Oulamba auf der Stelle ein Lied für den Sieger: „Bruder, wenn du Griot wärest, keiner könnte dir widerstehen“, was auf Malinké heißt: „Koro toun baké Djéli à dian bagaté“. Aus „dian bagaté“ ist Diabaté geworden und alle Nachfahren erhielten den Namen Djabagaté bzw. später Diabaté. Seither sind Traoré und Diabaté Brüder.
Eine Bedingung hatte die Alte noch gehabt: Wenn der König die Mädchen von Do versammelt habe, damit die Jäger ihre Auswahl treffen könnten, sollten sie eine bestimmte wählen, die etwas außerhalb säße und furchtbar hässlich und bucklig sei. Eine Katze streife um ihre Beine und würde ihnen so das richtige Mädchen weisen. Sie hieße Sogolon Kédjou (Sogolon die Bucklige) und sei ihr zweites Ich. Genauso geschah es, die zwei Jäger wählten unter den wunderschönen Mädchen mit glänzendem Gold in den Haaren und schweren Silberarmreifen die hässliche Sogolon. Die Kondé aus Do lachten sie dafür natürlich aus.

Die beiden Brüder reisten also mit Sogolon zurück ins Manding. Doch sie war ihnen nicht geheuer: Einmal berührte Oulamba sie versehentlich mit seinem Arm. Sofort verwandelten sich ihre Haare in Stacheln und sie pikste ihn damit. Von nun an hielten sie Distanz zu ihr und brachten sie eiligst zum König.
Der König des Manding-Reiches sah durch die Ankunft der beiden Jäger mit der hässlichen Frau die Erfüllung der Prophezeiung und bereitete die Hochzeit nach altem Brauch vor. Die zwölf Dörfer des Manding wurden benachrichtigt.
Am Morgen der Hochzeit kündigten die königlichen Trommler das Fest an und die Griots sangen Lobpreisungen über den König. Doka, des Königs Griot, sang die Hymne der Manding-Könige. Jedes Dorf vom Manding war repräsentiert durch eine Truppe von Tänzern und Musikern. Von überall her hörte man es trommeln und singen. Sogolon wurde schließlich in den Palast zum König gebracht.
In der Hochzeitsnacht jedoch wies Sogolon den König zurück. Die alten Frauen, die das „Bettlaken der Jungfräulichkeit“ holen wollten, wurden diskret hinauskomplimentiert. Das ging noch eine Woche so, und der König verzweifelte.
Dann jedoch packte er eines Nachts sein Sassa, den magischen Beutel der Jäger, und streute den Sand, der darin war, auf den Boden. Er malte mit der Hand Zeichen hinein und meditierte darüber. Sogolon wusste, dass er im Sand lesen konnte. Plötzlich rief er zu Sogolon: „Der Schutzgeist der Manding hat mir gesagt, dass ich dich opfern müsse, da du noch Jungfrau bist!“ Er zog seinen magischen Säbel, Sogolon erstarrte und wurde vor Schreck ohnmächtig. So verschwand ihr zweites Ich aus ihr. In dieser Nacht wurde sie schwanger.

Die ganze Aufmerksamkeit des Königs galt nun nur noch Sogolon und er vernachlässigte seine erste Frau Sassouma Bérété, die schrecklich eifersüchtig wurde. Aber kein böser Zauber konnte Sogolon etwas anhaben. Diese war laut Überlieferung ganze zehn Monate schwanger! Sassouma lästerte ständig über sie, dass sie einfach nicht gebären könne, aber die Wahrsager wussten, dass dies ein ganz besonderes Zeichen war, und das Kind einmal sehr mächtig sein würde. Als bei Sogolon endlich die Wehen einsetzten, zog mitten in der Trockenzeit ein gewaltiges Gewitter auf und ergoss sich über Dakadjana. Ein riesiger Blitz von Osten erleuchtete den Himmel, gefolgt von einem grollenden Donner. Daraufhin verzog sich das Unwetter, der Himmel wurde heller und der König erhielt die Nachricht, dass er nun einen Sohn habe. Die königlichen Trommler verkündeten dem Manding-Reich die Nachricht und alle kamen zum Palast: Es wurde gesungen, gejubelt, getrommelt und Balafon gespielt. Gnankouman Doka sang: „Das Kind, auf das die Welt gewartet hat, ist geboren, das Kind des Büffels und des Löwen“ (Sogolon hatte als Totem den Büffel, Naré Maghan den Löwen). Bei seiner Geburt hatte das Kind bereits kleine Zähne, weswegen die Hebamme erstaunt schrie und viele Leute angelaufen kamen, darunter auch Sassouma, die wieder eifersüchtig wurde. Denn jeder wusste, was die Zähne zu bedeuten hatten: Ein Kind ist hier auf die Welt gekommen, das einmal sehr mächtig sein wird. Acht Tage nach der Geburt verkündete Doka den Namen des Kindes: Maghan Mari Djata. Kein anderer Prinz des Manding-Reiches trug diesen Namen, er war der erste.

Die Geburt kann man laut Überlieferung von Dioma etwa auf das Jahr 1210 datieren, laut Tradition von Kirina war es schon 1190.

Die Kindheit des Prinzen verlief nicht einfach: Mit drei Jahren krabbelte er noch auf allen vieren, er hatte nichts von der Schönheit seines Vaters, dafür aber einen extrem dicken Kopf und Glubschaugen. Außerdem sprach er kaum. Seine Gefräßigkeit jedoch war legendär, kaum war seine Mutter aus der Hütte, krabbelte er zu den Schüsseln und aß alles, was darin war. Daher kam wahrscheinlich auch sein Beiname Soundjata (Son = Dieb, Djata = Löwe). Laut Wa Kamissoko bezieht sich „Sodjata“ oder „Sodjara“ (Bambara) auf die Sphinx: menschlicher Kopf und Körper eines Löwen.

Weil Soundjata mit drei Jahren noch nicht laufen konnte, so furchtbar hässlich war und kaum sprach, galt er als behindert. Besonders Sassouma Bérété ließ keine Gelegenheit zum Lästern aus. Ihr Sohn Dankaran Touma war schon ein hübscher, groß gewachsener Junge und wurde bereits in der Jagd ausgebildet. Doch alle Zauberkräfte Sogolons und die besten und seltensten Kräuter halfen nicht, Soundjata zum Laufen zu bringen. Sogolon bekam noch ein Kind, doch zum Bedauern des Königs war es ein Mädchen (Kolonkan), das zudem auch nichts von der Schönheit des Vaters hatte. So heiratete er noch eine dritte Frau, Namandjé Camara, die für ihre Schönheit bekannt war. Es war die Tochter des Camara-Königs. Ihr Sohn wurde Boukari genannt (später auch Manding Bory). Der König befragte die königlichen Wahrsager bezüglich dieses Sohnes und sie sagten, er werde einmal die rechte Hand eines mächtigen Herrschers werden. Der König war erleichtert: Wenigstens aus diesem Sohn würde einmal etwas werden. Dass der große Herrscher jedoch sein behinderter Sohn Soundjata sein werde, das kam dem König nicht in den Sinn. Der König befragte sogar den Wahrsager der Schmiede-Kaste, was mit der Prophezeiung los sei, ob Sogolon wirklich die richtige Frau gewesen sei. Doch der alte blinde Wahrsager sagte ihm, große Bäume wüchsen langsam und er sei zu ungeduldig. Sein Vertrauen in Sogolon war nun wiederhergestellt und sie bekam wenig später noch ein Mädchen (Djamarou).

Der König verzweifelte an der Entwicklung von Soundjata, nur sein Griot hielt an der Prophezeiung fest und ermunterte den König immer wieder damit, dass aus einem kleinen, unscheinbaren Korn einmal ein großer Baum werde. Im Alter von sieben Jahren krabbelte Soundjata immer noch auf allen vieren. Der Vater, der das Ende seiner Zeit langsam kommen sah, war verunsichert, denn sein erster Sohn Dankaran Touma entwickelte sich prächtig. Eines Abends setzte er sich dennoch zu Soundjata und machte ihm das Geschenk, das jeder König seinem Nachfolger machte: Nun, da er sein eigenes Ende kommen sah, gab er ihm den Griot Mamoudou an seine Seite: Es war der Sohn seines eigenen Griots Gnankouman Doka. Von ihm sollte Soundjata alles Wichtige über das Manding-Reich lernen und sie sollten Freunde und Gefährten werden. Er solle jedoch nie vergessen, dass das Manding-Reich die Wiege seiner Vorfahren sei und Niani die Hauptstadt.

Kurz darauf starb der König um das Jahr 1218. Soundjata war zu diesem Zeitpunkt laut Dioma-Tradition erst sieben Jahre alt. Dank der Intrigen der ersten Frau Sassouma Bérété ignorierte der Ältestenrat die Entscheidung des Königs, erklärte Soundjata als unfähig zum Regieren und ernannte Sassoumas Sohn Dankaran Touma zum König, seine Mutter wurde königliche Ratgeberin. Sassouma Bérété war nun de facto die Mächtigste im Land. Sie verfolgte und missachtete ihr Umfeld und das Volk. Sogolon verwies sie in eine verlassene Hütte hinter dem Palast. Von der Prophezeiung über Soundjata sprach bald niemand mehr, nur gelästert wurde noch viel über den Jungen, der zwar König werden sollte, aber immer noch krabbelte. Man machte sich ununterbrochen über Soundjata und Sogolon lustig. Einzige Aufmunterung für Sogolon war ihre Tochter Kolonkan, die mit vier Jahren lief und sich gut entwickelte.

Sogolon unterhielt einen kleinen Garten, in dem sie ständig arbeitete, um für die Familie etwas zu essen zu haben. Eines Tages fehlte ihr etwas Gemüse für ihr Tô (Gericht aus Hirse), und sie fragte die böse Sassouma nach Blättern des Baobab-Baumes. Die zeigte ihr einen ganzen Korb voll und lästerte lauthals, dass diese ihr Sohn für sie gepflückt habe, obwohl der doch jünger sei als Soundjata, welcher nur ein Exkrement, aber kein richtiges Kind sei. Daraufhin brach Sogolon in Tränen aus und flehte ihren Sohn und den Allmächtigen an, warum um alles in der Welt ihr Kind nicht laufe und sie deswegen so furchtbar leiden müsse. Da sagte der kleine Soundjata, er werde nun gehen und selber Baobab-Blätter für seine Mutter pflücken. Sie sollte den Schmieden auftragen, einen schweren Eisenstock für ihn zu schmieden. Und wenn sie wolle, bringe er den ganzen Baum mitsamt Wurzeln gleich mit.

Der oberste Meister der über hundert Schmiede vor den Toren von Dakadjana hatte schon von seinem Vater, einem mächtigen Wahrsager, eine große Eisenstange bekommen, aber niemand wusste, wozu sie dienen sollte. Der Griot Mamoudou brachte die Stange zu Soundjata und verkündete, dass nun der große Tag gekommen sei. Der Junge richtete sich unter Zittern und Ächzen mithilfe der Stange unter den Augen staunender Zuschauer auf, aber die Stange brach. In diesem Moment erschien der seltsame Jäger, der beim König einst die Prophezeiung über den mächtigen Sohn ausgesprochen hatte. Er sagte, das sei der legendäre Junge und man solle eine Stange aus dem Holz „Soun Soun“ holen. Sogolon holte den Stab und Soundjata richtete sich mit ihm auf. Er bog sich zum Bogen.
Sein Griot kreierte spontan die „Hymne über den Bogen“, die Mutter dankte dem Herrn, und Heerscharen von Leuten kamen staunend angerannt, darunter die böse Königin-Mutter Sassouma. Die zitterte vor Staunen. Als Soundjata sie erblickte, ließ er die Stange los und stand völlig freihändig. Er ging zu einem jungen Baobab, riss ihn mit einem Griff heraus und brachte ihn zu seiner Mutter. So könne sie nun selber Baobab-Blätter verkaufen, sagte er.

So wie man zuvor Soundjata und seine Mutter verachtet und belächelt hatte, waren sie nun Mittelpunkt aller Gespräche, sie wurden geachtet und bewundert. Soundjata wurde von Tag zu Tag schöner und stärker und wurde in allem ausgebildet, was für einen Prinzen wichtig ist. Sein Griot Mamoudou erzählte ihm alles, was er über das Manding-Reich wissen musste und nahm ihn mit auf die Jagd, wo sie Elefanten und Hasen erlegten, die sie großzügig an die Bevölkerung verteilten (Büffel durfte Soundjata nicht jagen, weil sie das Totem seiner Mutter waren, Löwen das Totem der Kéita). Er bekam sogar den Titel des Simbon, was nur den besten Jägern zuteil wurde. Von seiner Mutter lernte Soundjata das geheime Wissen über medizinisch wirksame Pflanzen. Seine gleichaltrigen Spielkameraden waren Fran Camara, der Prinz von Tabon, und Kamandjan Camara, der Sohn des Königs von Siby, sowie andere Prinzen, die von ihren Eltern an den Hof von Dakadjana geschickt worden waren – allesamt Freundschaften, die ihm später einmal nützlich sein sollten.

Mari Djata war nun zehn Jahre alt und wurde nur noch Soundjata genannt. Er war so stark geworden, dass es seinen Freunden und seiner Mutter unheimlich wurde.
Die Beliebtheit Soundjatas war Sassouma und ihrem regierenden Sohn Dankaran Touma natürlich ein Dorn im Auge. Letzterer stand noch völlig unter der Fuchtel seiner Mutter und einiger alter Intriganten. Im Prinzip regierte Sassouma. Da aber Soundjata beliebter war als ihr Sohn, beschloss sie, den Widersacher umzubringen. Sie ging zum mächtigen Marabout ihres verstorbenen Ehemannes (Tombo Do Maghan Bérété), aber dieser weigerte sich, dem sagenhaften Jungen, der einmal als Retter in die Geschichte eingehen sollte, etwas anzutun. Stattdessen ging er zu Soundjata und warnte ihn. Er gab ihm mit seinem starken Zauber einen Schutz.
Frustriert, weil der mächtige Marabout nichts gegen Soundjata unternehmen wollte, versammelte Sogolon die neun größten Hexen des Manding-Reiches um sich.
Die Hexen heißen in Manding „Soubaga“. Sie können sich im Volksglauben in blutsaugende Vampire verwandeln. Bei Nacht können sie ihre Form verändern, vornehmlich verwandeln sie sich in Eulen. Aber der Zauber der Hexen konnte Soundjata nichts anhaben, durch den Schutz des Marabouts seines Vaters wurde ihr Zauber abgewehrt.

Aus Angst vor der Eifersucht der bösen Sassouma beschlossen Sogolon und Soundjata jedoch, dass er wohl besser fortginge, denn die Wut von Sassouma könnte sich auch über die jüngeren Geschwister Kolonkan, Djamarou oder Manding Bory entladen. Nachdem des Königs dritte Frau Namandjé gestorben war, kümmerte sich Sogolon auch um deren Sohn Manding Bory, den eine große Freundschaft mit Soundjata verband. Um ihn zu beschützen, stimmte Soundjata der Flucht zu. Er wolle wiederkommen, wenn er groß sei, denn sein Schicksal müsse sich im Manding-Reich erfüllen. Mamoudou, Soundjatas Griot, bereitete die Abreise vor, aber Sassouma überwachte Sogolon und ihre Familie. Dankaran Touma wollte den wertvollen Griot Mamoudou aber nicht mit Soundjata ziehen lassen und entschied, dass er an seiner Seite bleiben müsse.
Als Soundjata von der Jagd nach Hause kam, war sein Griot schon weg. Er war außer sich vor Wut. So ging er zu Dankaran Touma und sagte, wenn er ihm seinen Griot weggenommen habe, den sein Vater ihm zur Seite gestellt hatte, ginge auch er weg. Aber eines Tages werde er wiederkommen. Er sprach so energisch, dass der König es mit der Angst zu tun bekam. Seine Mutter Sassouma war sehr verärgert über ihren weichlichen Sohn, der vor einem 10-Jährigen zitterte und so gar nicht zum Regieren geeignet schien.
Sogolon und ihr Sohn waren nun auf der Flucht. Entgegen der allgemein verbreiteten Überlieferung von Dioma aus dem „Épopée mandingue“ war Soundjata in Wirklichkeit alleine mit seiner Mutter losgezogen. Manding Bory blieb bei seiner schon verheirateten Schwester Kolonkan. Soundjata und seine Mutter hatten Dakadjana also verlassen und ließen sich in Djedeba (heute Djoliba) nahe Kirina nieder, was eine Tagesreise von Dakadjana entfernt am Djoliba-Fluss liegt. Sie lebten beim König Mansa Konkoba.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 340
ISBN: 978-3-903067-21-9
Erscheinungsdatum: 10.12.2015
EUR 30,90
EUR 18,99

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